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LIBRARY
OF THE
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THE LIBRARY OF THE
UNIVERSITY OF
NORTH CAROLINA
ENDOWED BY THE
DIALECTIC AND PHILANTHROPIC
SOCIETIES
PT2351
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Bd. 3
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in 2012 with funding from
University of North Carolina at Chapel Hill
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Berbers
^51
herausgegeben ^ /
B^
35erttl)arii @iH)l)att.
2)rttter Jöanb.
SB e t b m Q nn f d} e 58 u d) l) n n b l un g.
1878.
UNWERSrnr LIBRARY
ÜNIVERSTTY OF NORTM CAROLK^
ATCHAF&.HILL
S n M n.
©cite
SinUitung .'. v
Äritifd^e SBölber. Ober i8etrad;tuugcii, bie SBiffcnfcf^aft unb Äunft bc§
@d;önen tetteffenb, naä) SOJaaggabc iteuexxv ®cl)tiften. 1769.
(ärftcö 2Bätbd)cn 1
3»eite§ ÜBätbdjcn 189
©ritteg SöäM;eit 365
51 nm er hm gen 481
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©irtleittttto.
2)tc ^rtttfc^ett SBälber, roetc^e ber üorliegenbc 33anb, fo raeit
fie bei .^erberä Sebjetten an§ 2iä)t getreten finb, enthält, finb otine
beg SSerfafjerä 9Zamen im ^a^re 1769 erfd^ienen: baä erfte unb
jraeite 3BäIbd§en im Januar, ba§ britte um bie Mitk beg ^a^resi,
al§ .Sperber fc§on in g=ranfreid§ üerroeilte. (Sebenäbilb 11, 77) ^n
ifirem g^ormat roie in ber äußeren (Sinrid^tung beg 5Litel§ erinnern
fie an ben Saofoon, in ber Xiteloignette, einem fauber geftöc^enen
©olratesfopfe, an bie ©d^riften ber 33erliner J^unftrid^ter, bie Site=
raturbriefe unb bie Sittgemeine S>eutfd§e 33ibIiotf)ef , beren %itQU
bilbc^en, ber ^opf be§ .giomerog,^ ju einem ^artei^eid^en glei(^[am
ber ®d)ule be§ „5?euen Stt^enä" gemorben mar. 9JJit bem ent=^
fpred^enben, aber eigengen)ät)[ten SBn^rjeid^en n»ar bie befreunbete,
bod^ burd^aug unabf)ängige ©teUung beg jungen ^ritiferg befteng
angebeutet; mod^te er bem grierfiif d^en 9Bei[en bamit, mie aud^ fonft,
I)ulbigen tüoEen alg bem 3tltt)ater jener „menfc^Iic^en ^;|]l)iIofopf)ie/'
für beren %nhau er mit feiner fritifd^en Slrbeit nur ben 33oben
gu bereiten gebac^te, ober it)n überljaupt alg ben ©eniug einer auf
Ironie im ©inne ber Sitten geftellten Äritil ^ jum „ ©(^u|geifte
feiner 2(utorfc^aft" ern)äf)Ien. Stuf bem 2:itetbtatte beg britten
1) 359I. S3b. I, 540. „2«it einem fc^eu^ltt^en to^fe beS ©ofrateS"
— ba§ 2(ttrt6ut ift nidjtö toeniget atg ungerecht — roaren f^oii @erften=
fcergS „SStiefe über ailerfUuirbigteiten ber i'itevatur" (I. 1766) erfc^ienen.
Berber an ©c^effner 4. Oct. 1766. 2fe. I, 2, 196.
2) Sßgt. @. 454, 144. 2tbraftea V, 44 in bem ©ef^rätfie „Äritit
unb ©at^re."
VI
9Bälbc^en§ tnbeffen fe^It bie bilblid^e S^erjierung, unb au(^ üon
ben 6etbcn erften SBälbd^en gtebt c§ eine 3(uäga6e oom gleichen
3a§re mit einem 2;itel6latte, ba§ ftatt be§ ^ilbe§ mit einem 5[)Zotto
auggeftattet ift. Qni 2)riicfe geigt fid^ fonft nirgenbS eine 3Ser*
fd^ieben^eit. S^öglid) alfo, ba^ Iebigli(^ bie 2(6nu|ung ber platte
bie Anbetung bc§ Titelblattes üeranla^t §at; unb iebenfallg finb
©jemplave oon 6eiberlei %xt balb neben einanber verbreitet gemefen,
fonft f)ätte ni(^t fc^on ^Io| in feiner 3ftccenfion ber 3ßälber ^ über
bie SSerfd^menbung be§ 5Kotto'g fpotten fönnen.
2)a§ üierte SBälbi^en, baä ben oierten ^anb biefer 2tu§gabe
eröffnen mirb, ift erft im ^a^re 1846 burc^ einen fe^r mangel^^
{)aften 3tbbrurf ber §anbf(^rift in „§erber§ Sebengbilb" (I, 3, 2,
217 — 520) befannt gemorben.
2(n bie Stiiäarbeitung ber 2ßä(ber begab fic^ §erber im (Som=
mer 1768. „®ie ©d^rift, bie id^ je|t anontimifd^ unter ^änben
r^abe/' vertraut er 9^icoIai unterm 9. 2(uguft briefü(^ an, „roirb
Qf)rer ©ad^e [einer miffenf(^aftlid^en , unparteiifd^en ^ritü] me§r
©toff geben, aU ein paar 3Recenfionen. " (SebenSbilb I, 2, 338.
ogl. 380). ©g ift of)ne ^^ü^^fet ber ^^elbgug gegen ^(o^, auf
raeld^en er mit ber rool abfid^tlid^ bunfel gebaltenen Eingabe cor*
bereiten roilf. Seftimmtere Stnbeutungen lä^t er in einem gleid^^
zeitigen 33riefe an ©d^effner fatten: auf einige fd^neibige Urteile
über ^lo^eng antiquarif(^e ©d^riftd^en folgt ba§ ©ignal: „SSiel-
leidet ift ein judex unb %ändex naf)e, ber bie 9XrmfeIig!eit feiner
©eele aufbede, unb ba§ Urt^eit beä ^ublifum über biefen in ber
5r§at na(^ ©eele, ©eift unb .gierj unmürbigen ©elet)rten ftimme."
(a. a. D. ©. 359.)
9lafd§er al§ bie SBälber ift feine üon ^erberä größeren
©d^riften entftanbcn. Sag erfte 2öälb(^en befanb fid§ bereits im
Dctober unter ber -^reffe,^ baS graeite mu^ um biefelbe 3eit brud==
fertig geroefen fein, unb ba§ britte, beffen 2(bfaffung offenbar in
1) Seutfc^e ^miom III, 334.
2) SefcenSbitb I, 2, 865. ?effinqg ©c^tiften 13, 155. 2.
VII
größter ^aft vox fiel; ging, §at fid^erlid^ fd§ou etliche ^eit ^ox bem
ßnbe beg ;3a^re§ abgefc^Ioffen oorgelegeit. ®enn bereite am
21. Sf^oüember fü§It Berber bte ^änbe gu onberer 2lvbeit fo frei,
ba^ er baran bcnfen !ann, balb eine beträchtliche 2(njaf)I von
S3eiträgen für bic 2lttgemeine 3)eutfd)e ^ibIioti)c! an Sflicolai gu
fenben. (Seben§bilb I, 2, 376.) hiermit ftimmen bertn auc^ bie
testen ©ä|e be§ 3Bälb(^cn§, bie ben Slb[c§Iu^ in ben 5[Roment t)er=
legen, too bem ä5erfaffer SejfingS 2tntiquari[(^e S3riefe gufommen.
S)a§ 3f{I)etorifc^e in Slbjug gebrad^t (fd^merlid^ ift ba§ Ie|te Kapitel,
6. 473 — 480, in ber g^orm, roie wir e§ je^t lefen, vox ber Sec^^
türe be§ Seffingf c^en 3Ber!eg gefc^rieben), bebeutet bieä eine 3)atirung
be§ ©d^Iuffcä von SRitte ober fjöd^ftenä @nbe ^f^ooember. 2)ie
Briefe antiquarif^en ^n^altg Ijatk man in ^alk, Seipjig unb
©öttingen bereits um bie 9)iitte beg Dctober gelefen.^ Berber frei=^
Wd) raill fie in feinem 3tiga felbft am 21. 9^or)ember nod^ nid^t ju
©efid^t befommen ^aben ; ^ aber rt)a§rf(^einli(^ fte^t e§ um biefe
Sluäfage fd)on fo, roie um alle bie fpäteren, ^u benen i^n fein
3]orfa^ »erleitete, bie 9JJeinung, er fei ber SSerfaffer ber ^ritifd^en
3BäIber, irre ^u führen.
1) SefftngS ©c^viften 13, 152. 154. 2.
2) (Sin eigentümtic^cg 8id;t faßt auf biefe «rieffteae (SB. 375 togt 378),
Befonberg auf i^ren @d^tu^ „unb iä) tcerbe lange nad; i^nen »carten muffen"
toon einet f^jäteren au§ (426), mit ber ^Hcolai übet bie „SBälber" bü^irt
ttievben foE: „2)a§ S3uc^ bleibt nocB buvd^ äufätte au§, fo \vk aüeg f:i3ät
Bier anfommt." Berber ^atte \d)on burd; ^avtfno(i)§ @efd)äftöüerteBr mit
SSreitfoijf in Seipjig Gelegenheit, ficB ein neu erfcbienene§ SSerE binnen toier
SBod;en ju toerfd;affcn. Unb bie 5lntiquarifd}eu 33riefe burfte er fic^ audj
nicBt einen 2;ag länger a(§ nötig entgegen laffen. Über i^ren 3n^att unb
ibre 2;enbens lüar er burc^ bie öont Suni bis ätuguft 1768 in ber §am=
Burgifc()en 5yJeuen B^itung beröffenttid^ten neun erften S3riefe ^^inlängtic^
unterrid)tet (bg(. ©. 105, b. ScbenSbilb I, 2, 343: §amann an §erber,
©e^t. 1768 über bie injtvifc^cn im ©eparatabbrucf erfcbienenen „53riefe üon
§errn Sefeing unb §errn Ätolj." o. O. 1768; ateblid; in ber $em:pei:ic^en
Seffing=3(u§gabe 19, 702). §aBen bocb biefe S3riefe ibm erft ju fetner
^olemit gegen Äto^ rechten Mnii) gemacbt. (Srft im Sanuar 1769 äußert
ficB §erber gegen 9Jico(ai üBer Sefftng« neuefteS Söerf. SB. I, 2, 409.
VIII
^ie 9fto[c^()eit bev ©onipofitton ift erftaunlii^ ; unerflärli(^ rüiire
fte, wenn man jid§ biefe brüte größere ©d^vift al§ eine bur(^auä
neue ©(j^öpfung, gletcf; ben ^^ragmenten unb bem größten %dU beä
SCorfo öor^ufteKen ijätk. 3)te 2Bälber finb ober ni(^t§ weniger al§
bieg. %i^ „ ©awiiirnngen üon 3)iaterialien" fott fie ii)X %\M
U^di^mn (188, 278. 2b. I, 3, 2, 446); unb Don biefen 5[)iaterialien
lag üieteg fd^on fo auSgeftaltet unb geglättet jur §anb, bajs oft blo|
nod^ ba§ äu^evlic^e ßwfoww^i^fiiöen ju (eiften blieb. S)en @runb=
fto(! für ba§ neue SBerf lieferte bie umgearbeitete jroeite (Sammlung
ber Fragmente unb bag jmeite QtM beä 2::orfo, ©c^riften, bie
unter t^rem urfprünglicfjen 9iamen nid§t an baä Sic^t fommen follten.
3Bie biefe älteren ©toffe üermanbt morben finb, lä^t \idi) nod)
au§ ben |anbfd^riftlici^ erhaltenen ©tücfen berfelben erfe^en. ^n
ber Spiegel ift bie ältere ©eftalt üiel Inapper gehalten al§ bag ent=
fpred^enbe ©türf ber Sälber (33eifpielg falber bie ^ritif beä ^lo|i=
f(|en „^JJünjbüd^leinä" im 13. Kapitel ber ^^ragmente im 3}erglei(^
mit bem erften 2:^eile be§ britten 2ßälbd§en§); aber fie felbft fu^t
fd^on auf SSorarbeiten mn roeit größerer S3reite,^ beren Stefultate
bort in fa^lid^er ^ürje bargeftellt finb, roä§renb l)ier, um nirgenb
ben Verneig fc^ulbig ju bleiben, baä 5J^aterial auSgiebig üorgelegt
mürbe; bie ©rroeiterung mar alfo lebiglid§ burd^ ben polemifd^en
3medf bebingt. .3"^i[c§cn ber ^ürje beä angefül^rten 33eifpielä unb
ber umftänblid^en ^olemif bes jmeiten unb britten SBälbi^enä
f)alten bie Briefe be§ jmeiten ^orfo = ©tüdfeg bie WUtk, bie bem
jraeiten unb britten Slbfc^nitte beg jroeiten 3Bälbd^en§ (272 — 364)
ju ©runbe liegen. ^
1) „2)en 16. Sanitär (1767) ,tto^ ^Beitrag ju ben 9Jiünjen augetangett."
3)iefem 2)atum folgen in einem ©tubien^efte auf ad^t eng befd^rtebeneu
©eiten bie »ä^venb bev Sectüve entftanbenen frtti[cf)€n Semerhuigen, bie ben
«Stoff i^n bem oben angegebenen 2lbfd;nitte beS 2)rittnt SBälbcf;en8 lieferten.
3u einer „"SRitapfjijiit beö ©dienen nnb SBebeutenben aus 3JüUiäen" finben
fic^ ©ammtnngen nnb bie einteitenben Sapitel ftijäitt; fie gehören in biefelbe
3eit, famen a(fo gteirf;fatlS ber fritifc^en @d;rtft aU ißorftubien ju «Statten.
2) 33g(. SBanb 11. (ginteitmtg e. VIII fg.
IX
Tlit Tüemgen ftiltftifd^en Anbetungen ift ba§ brüte unb üiertc
Kapitel beg erften 2öätbd)eng auS ber ^roeiten ^älfte ber Storfo:^
2lbf)anbtung über bic (Siegle Ijergeftellt raorben.^ 2)en 2tb^anb=
lungen aber, bie ben llern be§ erften 2Bälb(^enä bilben, roar in
ber mum ^twetten ©ammlung ber Fragmente oorgearbeitet. <Bd)on
in ber erften 2(u§gabe ber Fragmente fünbigt §erber in einer 2(n^
merfung ju bem furgen Urteil über Seffing (I, 226, 157) feinen
SSorfal an, über ben Saofoon „gur anbern Qzit ju reben." 2)ie
närf)fte ©elegenljeit erfa^ er fic§ bei ber Umarbeitung biefe§ ^eileg.
3u berjenigen ©teile ber ^weiten (Sammlung, roo von einer auf
bie 2Berfe ber griecljif(^en Siebter gegrünbeten Sleft^etif bie 9lebe
ift (288, 2G3), finb in Jperberä ^anbe^emplar alä ein3uf(^altenbe
Kapitel notirt: „Über ßlobiuS ©itten ber ällten" — „Über Se^ingg
Saofoon von Seiten beä 9JJalerif(^en." Stuf bie Fragmente über
ßlobiuä folgte benn aucf) in ber Umarbeitung, nebft einem ein=^
gefc^alteten Kapitel über ."Rilo^eng 3J^ünjenbuc^ , eine Steige von
Kapiteln über äBinf'elmann unb Seffing. )8on biefen ift nur ber
Slnfang erhalten, jene berühmte 33erglei(^ung beiber ©d^riftfteller,
bie nun baä ©rfte SBälb^en eröffnet ; ^ baä übrige ift oermutlicE)
balb nac^bem eg feinen ;3^§alt an baä ©rfte Sßälbc^en abgegeben
Ijatk, üernic^tet morben. ®en 6l)aratter graeifelnber 33eraunberung
unb betüunbernben 3^^eifelä muffen fd^on jene älteren Erörterungen
über ben Saofoon getragen l)ah^n, an mand^en ©teilen muffen fie
auc^ im 2(uäbruc!e bem (Srften 2öälb(^en fe!^r äl)nlic§ geroefen fein.
3)er Slnfang beiber Stebactionen ftimmt biä auf wenige ftiliftifc^c
Stnberungen überein. 3]on bem fritifd^en ©eifte unb von bem
^nljalte bes 3]erlorenen fann man fid§ nac^ einer in einem ©tubien*
l)efte erhaltenen ä^orarbeit eine SS'orfteUung bilben. Unter bem
1) 3Sgt. «anb I. (Sintettung @. XXXIII. Sanb 11, 301-310.
2) ä5g(. 5ßanb II, 162. ®en ©^luß beä StapittU follten bie nac^^ev
ijevtrorfenen @ä^e bitben: „@^re mir bie SRufe bie, fo i^ten ©c^riften Innern
äBert^ unb Snl^att geben — mtg bic ©riechen im Oriec^ifc^en ©efdjmad
an^preifen, mib te'^ten. — S)a ic^ über bie testen Saläre fi^reibe: fomme tc^
auf Sinfelmann unb i'eßing juräcf."
2)atum 14 — 16. Januar 1767 finbet \xä) ükr a<^t Quartfetten
^inkufenb ein 9ia{fonnement „über Se^ing§ Saofoon/' ba§ ©rgeb*
nt§ einer, bie ^eber §ur .^anb, ©eite für ©eite prüfenben Seetüre
beg 2öer!g. 2)ie faft rü(ff)aItIo[e Seiflimmnng, mit ber ^erber in
einem S3riefe an ©c^effner Dom 4. Dctober 1766 ben Saofoon
feiert,' ift einer folteren, oon 3roeifelfuc§t nid)t freien 33etr<i(^tung§=
meife geroirfjen. Slüe ftreitigen ^unlte, über meldte fi^ ba§ ©rfte
SBälbc^en verbreitet, big l^erunter auf bie p()iIcIogifc^en itnb anti=
quarifd^en 3^ebenfragen , finbet man f)ier f(^on feftgeftellt, 3^td^tung
xinb ©ang ber fpäteren ^ritif angebeutet, ©aä ©rfte SSälbc^en ift
alfo ein von lange !^er rorbereiteteä, aEmä^lic^ EierangereifteS 2Berf :
eine ^rud§t ernfter ©ebanfenmü^e, nid^t bie unregelmäßige 2luä=
ftra^ung eineg genialen, um Drbnung unb ätugbilbung feiner
^been roenig befümmerten ^opfeg. ^
Stm ©c^luffe beg ßrften SBälbd^enä erflärt ^erber, er fei
gemillt gemefen, auä) äöinfelmannä ^unftgefc^ic^te in ben ^rei§
feiner fritifd^en Erörterungen ju gietjen. Sei einem ftebenmaligen
Sefen l^ätten fid^ ^i^^ifel ju Rapier gefunben, bie, roo§ infonber^eit
fein ©efd^id^tgebäube au§ ben 5)laterialien ber ©riec^ifd^en Siteratur
anbetreffe, bie 2llten felbft gu ©eroä^räleuten Ijaben bürften.^ ^m
S3egriff, bie le^te §anb an biefe S^erfud^e gu legen, fei er burd^ bie
^unbe pon 2ßin!elmann§ %o't) gelähmt morben. 2)iefe Unter=
fud^ungen liegen je^t in ben fünf erften Kapiteln ber neuen
„^weiten ©ammlung" ber ?^ragmentc* vox. 3}iit biefen <Stüdfen
fte^t eine ältere unoollenbete 3lbl)anblung im 3ufammen§ang, meldte
fic^ ebenfalls l)anbfd^riftlid) erhalten Ijat. ^§eile berfelben (ba§
1) „3c& finbe e§ fe'^r Billig, genau unb fvuc^tBav," fc^reiBt er ^ter
(Se6engbitb I, 2, 190) „baß ba§ D^eBeneinanber für ben ma^Ux, unb ba«
2(ufetnanbet für ben 2)td)ter ift."
2) 33gt. §amanng gtecenficn ber tritifcf^en Söätber. ©c^rtften III, 430 fg.
3) Umfangvcicfje ejcer^te auS bev Äunftgefdjicfite , pm 2:ett h?te bie
aug beut Saofoon mit fortlaufenben hitifrfjcn SSemetfungen Begleitet, s«U3^"
t-on biefeu unaBtäfftgcn SBiufelmannftubien.
4) iöanb II, 112 — 136.
XI
jracite unb britte Kapitel) finb gu bem brüten unb eierten unb
bem ©ingange beä fec^ften ber eben ern)äf)nten Fragmente »erar-
beitet roorben, unb foniit fann fie nid^t fpäter al§ um bag ©nbe
be§ ^a{)re§ 1767 »erfaßt fein, din üolleä ^a^r älter aU bie
britte §aupt[djrift , benennt fie fi(^ bod^ fc^on mit einem 5Kamen/
ber erft für biefe erfunben ju fein festen, ©inen ^Ia§ im 2tnl)ange
berfelben^ er^tt fie nic^t roegen biefcr äu^erlid^en ^egiefiung, fon=
bem auf ©runb ber angefütirten @rllärung am @d)Iuffe beä
®rften 2BäIb(^en§, unb nur bie mertf)üoIIeren unb in SSejug auf
^erberä fpätere ©d;riften mid^tigen 2(bf(^nitte roerben aufgenommen,
^m erften J^apitel mirb ber SSerfud^ gemad^t, eine ©d^eibelinie
jroifc^en „@efd§id^te" unb „Se^rgebäube" gu gieljen, benienigen
Gattungen ber 3)arfteIIung , bie 3BinfeImann ju vereinigen gefud^t
Ifiatte. ^erber (^arafterifiert bie SRanier ber großen gried^ifd^en
©efd§id^t§fd^reiber : fie lüiffen t)on einer fold^en ^Bereinigung nid^tä;
nur ^ol^biuä, ber S)octrinär, »erläßt bie rein i^iftorifd^e 2)arftel*
lungSart. 2tl§ 9f{epräfentant ber mobernen, refleftirenben @efc§id§tä^
fd^reibung mirb §ume jenen gegenübergeftellt. 3>on tjier ab erft mirb
ber Steft beä Kapitels üottftänbig eingerückt. ^ Sag üierte Kapitel unb
ber erhaltene Stnfang be§ fünften roirb uncerturgt gegeben: ©tubien
^ur „ ?P^i(ofop|ie ber 5Jtenf d^t)eit /' ber fid^ $erber aud^ in ber
rul^elofeften ^eriobe feineg „ fritif d§en Sebenä'' niemalg ganj ent*
frembete. ®ie ©ebanlen beä eierten ^apitelä !e§ren mit fefterer
1) „Untoermuf^et hm \ä) in meinem Sritifc^en SBälbc^en, ba, tco ic^
ausging." (ta^). I.)
2) 3n SSanb IV biefer 2tu§gaße.
3) 3)ie borbere ^ätfte, beren Sn^tt o6en angegeben tft, l^at §erber
(1767—8) noc(}nia(§ bearbeitet unb lüie an§> bev i>ovangefcf)icIten 3uf'i)^'ift an
(Satterer erfi($tlid} ift, in bev „§iftorif(^en SSibtiotbet" at§ ©injetauffal^^
toeri3ffentttcben JüoIIen. ®ie umgearbeitete (grfte ©atnmtung ber Fragmente
(II, 84, 216 fgg.) entbätt bie Ouinteffenj beffen, ttja§ in biefem 3ufammen--=
bange über öerobotS 3tvt unb Äunft gefagt »ar. 'Bäjlk^üä) fontmt §erber
in feiner ungebrudt gebliebenen „Sobfc^rift auf Söinfelmann" (1777) auf
bie geftfteüung beS UnterftbiebeS ätnifdben ®ef (fliehte unb Se^rgebäube jurüd;
unb nur in biefer reifften ©eftatt barf unb »irb baS ®tüd »eroffenttiebt »erben.
XII
TDtffenfd^aftlid^er SSegrünbung im fiebenten ^ud^e ber „^beett jur
^^ilofop^te ber ©efd^ic^te ber ^Jienfc^fieit''' (tap. 3 — 5) roieber.
2)ag liierte 2BäIbd§en ^at c^erber ju Stnfang beg ,3a§re§ 1769
begonnen; bte Einlage bagu ret^t noc^ ettraä raeiter ^uxM. Site*
belg „S;§eorie ber fc^önen fünfte itnb 2Btffenfc|aften /' ^ ber felbjt
Sefftng einigen Seifaff gegönnt ^tte,^ war iJ)m üon je fier al§ ein
o^ne n)ifjenfc^aftlid§e ©runbfä^e aug ben raiberfpred^enbften ?i)late=
rialien leid^tfinnig aufgef(^ic§tete§ Sßer! üeräc^tlid^ geraefen. S5ie
g^einbfeligMten , bie Sftiebel im ©inoernefimen mit J^lo^ gegen bie
Fragmente oerübt ^atU, zeitigten ben ©ntfd^lu^, na^ bem ?^ü^rer
auc^ ben ^Parteigänger vox bag !ritif(^e 3:;ribunal ju forbern (ogl.
©. 368, e). :3nbefjen mar e§ üon üorn l^erein babei auf etmaä
^ö^ereg abgelesen, alä barauf, eine blo^ t)erneinenbe unb gerfe|enbe
^ritif an einem principe unb l^altlofen Se^rgebäube ju üben. SDie
„etenbefte, üerroorrenfte 2left^eti!" follte einer eigenen 2)arftettung
biefer 3Biffen[(^aft nur al§ %olk bienen, unb fo gugleid^ ein in
ben g^ragmenten gegebenes ^Berfprec^en eingelöft merben. ^ 2tl§
Berber fid§ in biefem ©inne über ben ^n^alt einer ©djrift miber
Sftiebel, ,4u ber er nid^t ^ahe lommen fönnen/' im Q^i^ii'^i^ 1'''69
gegen S^icolai äußerte/ mit bem er übrigeng, mie felbft mit feinen
näheren g^reunben, ber SBcitber megen ein jiemlid^ ungefc^icfteg
3]erftecffpiel trieb, ^ ^attc er bereits an bie SluSarbeitung §anb an-
gelegt; fi(^er ift e§, ba^ jmei ^Drittel ber ©d^rift fd^on im 3Jiärj
üoKenbet maren.*^ Jlur^e 3ett üor feiner 3(breife auä Sf^iga (3. ^uni)
legte Berber feinem SSerleger baä ®anjc in erfter 9^ieberfc^rift gur
Stnfic^t vox. „Md^ beud^t, bieg 2öälbd§en mürbe baä ganje äöerf
1) 2;^eorie ber ft^ßnen fünfte xmb Sßiffenfdjaften; ein 2lu§jug au8 ben
Söerfen berfc^iebener igc^rtftfteGer, »on %x. 3uft ^Riebet. 3ena 1767.
2) ©amtliche ©c^riften VIII, 20 2.
3) S5gt 58anb I. einteitmtg ©. XXXVI.,
4) MenSBilb I, 2, 411—418.
5) ?cbenSbttb I, 2, 412 fg. 425 fg. 443 fg. 452.
6) ^■mü SrieffteKen, in benen »on bem Beborfte^enben Stfc^eincn bon
®utjet8 „Slßgetneinev X^toxk ber \ii)'öntn Sänfte" (1771) bie 9?ebe ift,
ergeben, jufammenge'^alten mit bem ^inweife auf biefeg S3uc^ in bet erften
XIII
frönen, e§ tft t)iet grünbltd^e Unterjud^ung batin/' fd^reibt biefer
bem g^reunbe nad^ 3^antc§ (3luguft 1769), ungebulbtg bte Qu^m-
bung be§ 9Jianufcriptg er^arrenb. (Sebenäbtlb II, 64.)
3JitttIcrn)etIe ^tte biefcr, itnjufrieben mit bcin auSartenben
%om feiner ^olemif, unb oon ber ©rünblic^feit feiner T)arftettung§*
art weniger überzeugt, eine in bie 2lnorbnung unb 3^orm tief ein-
greifenbe neue 9tebaction vorgenommen, bie er in ber SJiu^e feines
me!)rmonatIid;en 3tufentl^altg in 9f?ante§ jum 2l6f(^tu^ brockte.
SSon ^ier au§ melbet er im Dctober: „ben vierten %^äl ber Sßäl^
ber, ben er umgearbeitet, |abe er noc§ einem S£{)eile nad^ gu »er*
änbern, um i§n fortfc^icEen gu fönnen." @r fe|t fiinju: „®r ift
ganj onberg. 2)er ©tt)l meit roürbiger, unb oft fefir intereffante
(Stellen, nur bie gefudfjt merben muffen." (Seben§bilb 11, 73. 77). ^
SSon ber erften Sftebaction finb S3ogen unb einzelne Blätter au§
aEen %^dkn, jufammen etraa bie ,§ülfte be§ 50^anufcript§, er^tten ;
e§ fonnte beS^Ib eine 3Sergteid§ung mit ber jüngeren ^orm ange=
ftettt werben, meldte be§ SSerfafferä Eingabe in allen fünften
beftätigt. 33efonber§ merflic^ ift eö, roie eg it)m um ^ürjung gu
tf)un geroefen ift ; in ber britten Slbteilung g. ^. ift ein ard^äologtfd^er
©jcurg, ber gu meit abfüljrtc, big auf ben 2)[nfa^ (©. 515) befeitigt.
unb jtuetten S'Jtebetfd^tift be§ Sßierten SBälb^enS eitte annä'^ernb genaue
SSeftintmung be§ S^it^JUntteß, in tüelc^em jene beiben Stebactionen big ju bev
betreff enbcn @teCc (gegen bcu @($tu^ bc§ jnjeiten §auj3tabfd)ntttg) tti)rge=
räcft waren. 2ln Sfiicotat fc^reibt §etber, @nbe Wdxi ober Stnfang )ä\ix\i
1769: „Saß ©utjerS SBorterbuc^ jum ®rud fettig liege, freuet mic^ fe'^r —
5Riebet8 S^'^eorie wirb baburc^ ganj toettntfd^t unb auSgetöfe^t trerbcn."
(2b. I, 2, 426.) Sbenfo in ber älteren 9iebactton: „Unb eben tefe \ä}, baß
©utjerS SBörterbuc^ jum S)ru(f fertig liege." SSe^utfanter , ba bie SSct=
ijffenttic^ung ftc^ toeri^ögerte , bie jtüeite 9tebaction: „Unb eben tefe ic^, baß
©utjer§ 2öi5rterbu(^ erf^etnen werbe." Unb fo "^eißt e8 aud) in einem
etwa gleichzeitigen SBriefe an §art!nod^ (15. Sluguft 1769): „©ut^evS
asörterbucb fommt ^eraug." (8b. II, 40)
1) ®em äBoitlautc nac^ müßte man biefe ®ä^e allerbingg auf ben
öDt'^er erwähnten britten Xeil bejie"^en; aber offenbar ift l)ier ber 9lu8brud
be? „in ber §i^e" l^ingefdjriebenen SSriefeS ungenau.
XIV
^n ber burd^ btefe Umarbeitung ^ergeftettten ^orm ift baä
oierte 9BäIb(^en liegen geblieben. ®§ ift bem <Bö)ln^vooxU leidet
anjunierfen, wie fremb ber 2tutor fid§ bamalS bem ©eifte „ber
Ijaf arbirten ^ritüen unb 9JJobebcf (^äftigungen " fütjlte, ^ ber i^n noc§
oor einem ^a^re mächtig getrieben f)atte. D§ne ^^eifel erregten
aud^ je^t nod^ bie polemifd^en S3e[tanbtei(e fein S3ebenfen. S^on
benfelben lie^ fid§ aber bie ©c^rift nid§t befreien, ot)ne gugleid^
i^ren einJieitlid^en ®t)aralter einjubü^en. 3Jiaterialien unb 2tp^o*
rt§men gu einer 2leftf)etif mären nac^ i^rer 2tu§fc§eibung übrig
geblieben, mit biefen morf)te er „feiner @^re ^Iber" nic!§t t)erüor=
treten;^ um fo weniger, fett er bie Überzeugung geraonnen t)atte,
ba^ eine ber grunbtegenben ^been, bie originelle Seftimmung ber
^laftif aU ber fd^önen ^unft be§ @efü£)I§, raeber üon Seiten ber
©mpirie f)inlänglic^ geftü^t, noc^ auf eine unanfed)tbare, üor miber^
finnigen ßonfequen^en gefid^erte dorntet gebracht mar. ^ „ 5Den
üierten 2BaIb beffer ju geben," oerfprtd^t er feinem SSerkger nod§
einmal im ?yebruar 1772 ;'^ feitbem xui)t ber S^lan, big er mit SSer-
öffenttid^ung ber „^^laftif " (1778) menigfteng gu einem Xi)dk fein
Söort einlöfte.
©er „53efc§Iu^" be§ oierten 9Bälbc§en§ fünbigt eine graeite
2luftagc ber 9Bälber an. 3)te ©puren „ber ©ilfertigfeit unb be§
f)i^igen ©iferä" fottten barin Dermif d§t, bie bürren unb ärmlid^en
breiten beg grociten unb britten 3ßälbd§eng befrud^tet unb bereid^ert
roerben. <Bo fnüpft ber 2{utor benn auc§ in einem an .^artfnod^
gerid^teten Briefe an bie S^^ad^rid^t von ber ^f^ieugeftaltung beä eier-
ten 2ßälbd^en§ bie Slnfrage: „S)arf id^ aläbenn aber auf eine
1) UitberpHtev \px\d}t et fic^ in feinem 9?eifejouvnat au§. ?eBenS=
bttb II, 183. 253; ebenfo im SSriefe an §art!nD($, Octofeer 1769. a. a. D.
@. 78.
2) Sebengbilb II, 306. III, 264. (2tn §att!itß(^, ^Rotoemfcer 1770).
3) ®te jum größten Z'^til in ^arig gef(^rtebenen (Sffa^g jut ^^>tc[tif
(2e6eu§13iib II, 361—411) nehmen ba^er ba8 S'^ema »on neuem auf; fie
jucken befonberö bie breitere empivifc^e ©rnnbtage ju f(!^affen.
4) SSon unb an §erber II, 22.
XV
groeite 2luflagc ^offen?" unb noc§ fpäterfim fte^t er bie 3Seranfta(=
tuttg einer neuen 2tuf(age atg SSorbebtngung ber ^erauägabe be§
üterten ^eilg an. „©inb btc Söälber [o gegangen, ba^ balb an
am neue, gang üeränberte nnb giemltd^ tntercjfante 2{u§gabe ju
benfen wäre?" fragt er von ©trapurg au§ im ^loüeniber 1770
bei ^artfnod; an. (Sb. III, 264). 2)ie SSerbefferxmgäpIäne lernen
wir beg S^ä^eren au§ [einem 3fteifetagebud^e !ennen. @r voill in
^offanb ben .^omer ftubiern, feine Sprache roie eine lebenbigc r)er=
fteJien unb füllen lernen; bort milt er in gleichem (Sinne fid^ aud^
in bie ©prad^e ber römifd^en Siebter einleben, unb fo mit feine-
rem SSerftänbniffe bie antiquarifd^en unb p^ilologifc^en g^ragen feiner
SBälber, befonberg beg groeiten, roieber aufnehmen. '^Rad) bem
©rabe eineg fold^en ©prad^gefü^Iä roitt er aud§ bie 33ebeutung
eines (Seiner unb ©rnefti, ^Io| unb §epne, mitt er ben 3Sertf)
ber beutfd^en Überfe^ungen altflaffifd^er 3)id)ter beurt^eikn. ^
„§ierburc§ raerben bie ^'ritifd^en Sßälber fic^ im erften unb ^weiten
^§eile feJir i)Qhm , unb bag fott ^oHanb t^un ! " ^ S>ie ©tubien,
meldte §erbcr im 3Serfo(g biefer 3Sorfä|e, geförbert burd^ ben Um*
gang mit berüf)mten ^Jiilologen ber Setibener Uniüerfität, getrieben
^t, 'i)ab^n ben rDol)lt§ätigften ©inftu^ auf feine fpäteren Seiftungen
geübt, ©ie fül)rten ju ber reinlid;eren unb ftrengeren S3e^nblung
pl^ilologifdier ©egenftänbe, bie mir an mefireren fteineren 2lrbeiten
ber fiebriger ^ai)xc mafirneljmen. %üx bie Söälber inbeffen blieben
fie ol)ne ©rgebni^. §erber lie^ ben $tan ber Umarbeitung fallen,
©eine ©attin berid^tet in ben „Erinnerungen" (I, 100), baf? fiel;
1) „®ie§ ift auc^ ber Befte 2Beg mic^ !^etau8jujter)en, wo man
mic^ ber SBörttid^en ©d^rrät^e im ®rie(^tfc^cn irab i^ateinifc^en befd^utbigt."
S)er Herausgeber be§ 2e6en8bttbe§ l^at bie Söorte, bie ein (Singeftäubnig
ber <Bä}to'd6)t entf;atten, »iüUirtid^ abgeänbert
2) S!eben§bttb II , 273 fg. 276 fg. Söettere %Mnt für ben swcitcn
%tii: „Über bie SSerfc^ieben'^cit bc6 2tu8brud§ in ber ®ried;ifd)cn tmb
granjöfiff^en Sragöbie" — „Sßon ber a3erfd)teben^eit be§ ®riednfd;en ober
9iötnif(^en unb granjöfifd;en SßenbunggauSbrud'g in 9teben," a. a. O.
@. 286 fg.
XVI
berfelbe in fpäteren ^a^ren no(^ öfters geregt I)abe. ©inmal
roenigftenS, fo fd^eint eg, in ernftlic^erer 2Öei[e: roä^renb ber italiä=
nifd^en Steife. 2)en erften 3:^eil ber Söälber, ben er „l^cK^not^-
roenbig braud^e/' l'd^t fid^ Berber im Dctober 1788 nad^ 9lom
nac^fenben; ^ gu einer größeren Strbeit fanb er bort aber roeber
3fiul)e nod§ Stimmung.
3)ie <Bd)iä)ak, meldte ber S^egt t)or feiner 2lufna^me in bie
erfte ©efamtauSgabe (^ur fd^önen Sit. unb ^unft IV. V. 1806)
erfahren, lege id§ umftänblid^er, al§ i<^ fonft biefen 3:;eil ber @in=
leitung be^nble, bar. ©ie finb tppifi^ für ba§ 3#fi^^£^0ttxi^ei^
be§ gefamten SSuIgatte^teö ; rocnige SBerfe finb in einer — nac^
{)eutigem Urteil — gleid§ milHürlid^en SBeife beJ)anbett morben, nnb
bei feinem tä^t fid^ ba§ SSerfaljren big in feine ©rünbe unb 2ln*
läffe fo genau »erfolgen al§ h^i biefem.
„Sielanb l)at fid^ gu ben ^ritifc^en 2Bätbern angeboten/'
berichtet (Caroline an Knebel/ roeld^er feinerfeitä Unterftü^ung unb
9tat bei Verausgabe ber poetif d^en ©ad^en, befonbcrg ber Über-
fe^ungen geroä^rte, bie ©ottfrieb, §erber§ ältefter <Bo^n, unter
ßaroUnenS Seiftanb beforgte. 2lber SBieknb, alt unb bequem,
erlahmte balb, unb fo rourbe ^etine aud§ für biefeg 2öer! in Stuä-
fid^t genommen, ba er burc§ bie Uebecott eingänglid^e SCrt, mit ber
er bie Bearbeitung ber g^ragmente betrieb, 6aroIinen§ üotteg SSer-
trauen erworben ^tt^- Stuf ßarolinenä Bitte (Brief com 28. Dct.
1804) antroortet ^e^ne gufagenb, nid^t oline Beben!tid)!eit : „®ie
JReoifion ber ^r. 2Ö. mill id^ überne^^men, ob id^ eg gleid^ üoraug-
fet)e, ba^ ic^ eg meuigen rei^t madjen merbe. ©id^er roerbe id^
xm^v t^un alg SBielanb im ©inne gefiabt ^at.'" (17. 3fiooember).
Qnjraifd^en ^tte 2Bielanb bereits mit ?^-reuben in bie i^m nal^e
gelegte ©ntäufeerung gemittigt. „S)a^ iä) bag erfte Sßülbd^en ber
ßrit. 9BäIb.," lauten bie begüglid^en 2öorte in bem ungebrudften
Briefe com 7. '^ov)., „mit glei^ burd^lefen 'i)abi, wirb ^^nen ber
1) §evberS 9teife nac^ Statten. @, 122. bgt. 273.
2) tnebetg £'iteravi[(*er Ttaä^la^ II, 353.
XVII
2lugenfd^e{n beroeifen. @g freut mic^ aber gar [ef)r, ba^ ^e^ne
felbft bte[c S^teotfion, bie ganj eigentltd^ von [einer ßompetenj tft,
übernel)men roitt, unb fenbe ifinen ba§ 33u(^ unt)erjüglic^ jurücf.
(Sine ^robe, raie fef)r mein ©ebäc^tni^ im 2lbnef)men ift, fann
^!§nen fepn, ba^ irf) feft überzeugt mar, iä) §ätte cä 'i^'i^mn noc^
t)or 3l)rer 2lbreife oon 3Beimar jugefd^icft/' 2tngftli(^ be{)utfame§
^nbern einzelner ^raftausbrüdf e , ^ie unb ba eine üeine 3Serbcut*
lid^ung (oon bem ©daläge ctma jener (31, 44) „bie Umarmung, mit
ber ^eftor an feinem Slft^anaj ^ing" ftatt „Umarmung ^e!torg an
feinen 2lftt)anaj;")r wei)r l^at n)ot)l biefe ©urd^fic^t nid^t geleiftet;
weiter ging ja aud^ in !räftigeren ^al^ren bei gleichen ©elegen*
Reiten 2ßielanb§ (Sorrectormutl) nid^t. ^ei;nc nal)m e§ mit bem
„mel^r f^un" ernft genug. @r fa^ fic^ gebunben an bie in ber
oorläufigen 2tnjcige ber Stuägabe (g^ebr. 1804) üon Caroline unb
©ottfrieb Berber abgegebene ©rflärung: „^toc^ bem SBitten beg
©eligen folt alles auggelaffen roerben, roa§ auf verlebte gelehrte
©treitigfeiten S3ejiel)ung £)at; §öd^ften§ bürfen i^re 33eranlaffung
unb Stefultate bemerft roerben ; " um f ntel)r megen be§ ablel^nenb
ftiefüäterlic^en 3Serl)ctItniffcg , baä ber 3lutor zeitlebens ju biefem
^Äerfe eingenommen Ijatte. „@r befannte fid§ nie gern ju biefem
33uc^e/' l)ebt Caroline nod^ in ben „(Erinnerungen" ^erüor, „beffen
%on er balb felbft gdnglidf) miäbilligte. Dft fe^te er fic^g fpäter
üor, e§ umzuarbeiten, !am aber nk baju." . (Sinbringlic^er nod§,
ba§ zeigen l^epne's ©rmiberungen , mu^ fie eä bem Herausgeber ju
(Semüte geführt l)aben. ßu einer roaljren ^ein mürbe unter foldCien
Umftänbeu bie ©onberung gmifd^en SSeraltetem unb (Sr^ltenä-
mertl)em, zu"ial iw ^loeiten unb ^Dritten 9Bälbd§en. „(San^ meg=
laffen !önnte man fte boc^ nid^t," crmibert er ber ititmer melir nac^
biefer Seite brängenben g^reunbtn , nac^bem er fid^ bi§ in ba§ neue
^al)r l)inein mit ber 3)urd^ftd^t befd^äftigt (28. ;{5flnuar); „benn
fie entetiren ben jungen SRann nid^t." ©d^lic^lii^ »erlangt er ba§
^u^ zurück, zu nod^maliger 3)urd^fic^t: „ob oietteic^t bod§ nod^
einiget auäzuftreid^en märe. ,^d§ möd^te um alleä in ber 2öelt
feinen g^lecfen auf ben ^eiligen fommen laffen." 9tatürlic^ !onnte
b
XVIII
bei biefent Streite jroifd^en p^itologifd^em ^flid^tgefül)! unb ibeali^^
firenbei* ^reunbfc^aft nid^tö &an^i^ unb ßonfequenteö §erauöfom*
men. 2t6er ber um ben yta<i)xu\)ni bes ©atten eifernben Caroline
t^at er mit feinem im ganzen conferoatioen '^erfaf)ren bo(| Mn
©enüge. ®g fvui^tete nid^tg, ba^ er no(^malg in yerftänblic^fter
SBeife feinen „©efic^tgpunlt'' barftetlte (an Caroline, 3. Mai 1805
— oi)ngefäf)r mit benfelben äBorten l^at er eg na(^l)er in bem
SSormort getrau): „@s ift eine «Sd^rift, beren §auptmert§ nad^
ber 36^1 §u beftimmen ift, in roeld^er fie erfc^ien: eä ift (SontrooerS,
au§ ber 'oaä 9^ü^lic^e, unb noc§ ©ültige mu^ bepbe^Iten raerben,
aber fkine g^el^ler unb ätu§brüd§e ber Seibenfrfiaft muffen ausgetilgt
merben: beäroegen i)ah^ x6) [üert)ältni^mä^ig] baä ?01eifte in ber
SBeftreitung Älo^enö bur($geflrid^en : immer in ber 9li(^tung beä
©eiftes ba§in: mürbe bag ber ©elige je^t noi^ gebilligt §aben'?"
äöoffte UTon aber bie gelehrte ©treitigfeit a(§ foI(^e forttaffen, fo
mürbe üieleg verloren ge^en, mag feinen 2Bert^ nur bur(^ bie
S^erbinbung er{)alte, unb eg mürben blo^ 2(uggüge einzelner ©teilen
übrig bleiben. 'J)iefe ©rroägungen, roie gefagt, hielten ©ottfrieb
^erber mä)t ah , eine grünblid^er aufräumenbe Siebaction unb
Überarbeitung ju üerfud^en; unb ba es mit biefer nic^t gtüdfte,
fo amputirte er burd^ 3ftabicatfd§nitte gange Kapitel int groeiten
unb ^uptfäc^Iic^ im britten 9Bälbd§en, mit ber 2tbfi(^t ^ium
Steil, i^nen anberroärtg zxm Unterlunft ju fudien. ©olc^ ein
uerpflangteg ©tücf ber Söälber finbet man in 33anb XI ber
SBerfe j. fd^. Sit. u. Äunft, „ftreng gefid^tet," roie Jpepne (1807),
bieg 9Jial folgfamer, berid^tet, b. ^. um bie ^^älfte gefürjt. SDag
übrige auggefonberte aber geriet im SSerlauf ber 2luggabe in
33ergeffenl)eit, unb fo fel)lt burd^ bloßen ^u\a\i j. 33. bag fdjöne
ilapitel „ Über bie 9teid§ggef d^id^te ," fo ber ©jcurg über ^^inbar
(462 — 471. 444, 127 — 448), ©tüdfe, bie man für bie 2lbteilungen
„3ur ©efdjid^te" unb „3ur ©riei^ifd^en Siteratur" jurüdgelegt l^atte.^
1) Slnbere ©tüde bon kfonberera SBert^e, bie man in ber SJuIgata
nic^t finbet, Tmb j. Sß. 126, i84 — 133, 195. 170, 250 — 176, 258.
XIX
2lußi biefer quettenmä^igm ^Darlegung - ju ber au^er bett
33riefen * btc auägefonberten , burc^ftric^enen unb burc^corrigirten
®tü(!c beä Driginalbrutfg baä 3)iaterial lieferten — erflärt eä fid^
erft, roie jener »erlrüppelte , um nie^r a(g ein drittel gefür^te
SSulgatte^t ju ©tanbe gefommen ift, ber ein mbeg ;3'^§i^^w"^ei^t
unb länger ben weiften Sefern für autfientifd^ gegolten §at. §ier=
nac^ aber lä^t fid^ auc§ erft über ^erineä Stnteil ein gered^teg
Urteil fätten. @g ift nid§t feine ©d^ulb, ha^ gerabe für bie ftärfften
9?er!ürjungen bie in feiner SSorrebe angegebenen 5Jtotit)e nic^t ausi-
reichen. Stuf feine 5Red§nung fommen mäßige Slbftrid^e, fommt befon=
berg bie Sinberung be§ „oft fc^arfen, oft antiquarifd^en Sluäbrud'g/'
eine ^nberung, burd^ bie allerbingg ^äufig aud^ fprad^Iid^e ©igen-
tümlid§!eiten beg (Sd^riftftellerg angetaftet roorben finb. hiermit
leiftete er, rooju if)n bie attgemeinen ^rincipien ber 2(uägabe »er-
banben. 3Rit rü§renber |)ingabe unb Stusbauer füfirte ber fünf=
unbftebjigjäl^rige, con ©ic§t geplagte, von fd^roerem ^äuälid^en Seib
betroffene Mann in 9Zebenftunben eine Strbeit burd^, gu ber i^n bie
^reunbfd^aft für ben Xobten verpflichtete, unb bie i!§m bie 3^reunb==
fd^aft ber Überlebenben n)0§l l)ätte verleiben fönnen. ^m kleinen,
an ben oft fe^r oerftecEten 3)rudffel)lern , l)at er üiel oerfäumt unb
überfe^en; fein 2lugenmerf mav auf anbereg, raag roir §eute il^m
nic^t banfen fönnen, gerid^tet. ©onft §ätte eg bem alten ^^ilo=
logen an ©c^arffinn rool fd^roerlic^ gefehlt. Ttan §at fid^ gewöhnt,
über ^epne, alg ben Steüifor oon ^erberg 9Ber!en, l)art unb abfd^ä^ig
gu urteilen. 3lu(^ beg^alb galt eg l^ier einmal bie Slften uoll^
fttinbig vorzulegen.
1) ®ev S3vteftt>ed)fet Savolincng mit ben 9tebifovcn, ber mir erft je^t
jugängtic^ geiporben ift, gi6t über bie @ef(^i(^te be§ 2;ej;te§ Ijöt^ft intcreffante
3luffc^lüffe; bi§>vei(ei: jift er für bie S^ejtfriti! bon l)oi)tx SSebeutung. @o
ber ^egteitOrief ju ben SRateridien , rcetc^e Sarotine für bie Verausgabe
ber Fragmente pr 5Berfügung fteüte. SBeimar 12. 3luguft 1804. „iöei
ber britten ©ammtung werben ®ie feine ($erber6) §anb fin=
ben, «50 er l^ie unb ba corrigirt ^at." iOieine ?lnna]^me bejügtic^
biefe§ 'JeiteS unb bie barauf gegrünbete SBel^anbtung beS Sejteg (I. @in=
teitung @. XLI fg.) §at ^ierbur(^ i^re 33eftätigung gefunben.
XX
3)ie ber S^utgata eigentümlid^en Seäarten f)a6c id^ nur bann
unter bem %^^^ nottrt, mmn fie eine nennenäroert^e 33erid§ttgung
enthalten. (3]g(. I. ©tnlettung ©. XLI. 1). 3" ^e^ brei erften
^Äälbern ejiftirt nid^tä me§r oom 9JZaniifcript in le^ter ^earbei*
tung.^ 2lu§ älteren 3ftebacttonen jeboi^ ^abe ic^ ^i^fä^ß entnom=
men, bie nod^ l)eute SSeac^tung oerbtenen. ^m erften 2öälbd§en
^ah^ id) gu fämtlid^en Saolooncitaten bie ©eiten^af)! ber Sac^mann^
fc§en Sluggabe beigefe|t unb '§ier roie anberraärtg bie rebactionetten
Sinberungen, raelc^e fid§ .^erber geftattet i)at, angemerft. (S3gl. I.
Einleitung ©. XLIV).
S)ie Stnmerfungen , mit benen biefer 33anb ausgeftattet ift,
finb auf baö fnappfte 5)la^ befc^ränft für ben erften 3::eil ber
Söälbcr, ben Stnti'Saotoon. Dt)nc ben Saotoon ift er nid^t ^u oer*
ftel^en, unb roer biefen in allen (ginjelljetten mit 33Iümner§ forg*
fältigem Kommentar ^ burci^gearbeitet i)at, für ben bleibt im ©rften
äßälbd^en roenig gu erflären. ^li^t um meine ©rllärungen gu
bereid;ern, '^abe ic^ 33Iümner gu 9iate gebogen, fonbern um au§
benfelben §u ftreid^en, roaä burd) biefe öortreffIi(^e 3trbeit überflüffig
geworben mar. Mit bem groeiten unb britten 3::ei( ber Sßälber
n)irb fic^ 3^iemanb einge§enb befd^äftigen, „ber bie 2tlten nic^t
fennet.'' (II, 206). I)e§t)al6 i)aW iö) mid^ gehütet, nac^gumeifen
unb ^VL erläutern, mag bem claffifd^ gebilbeten bzi einigem 3kd^=
beuten fid) yon felbft bietet, ^üx hk 9k(^roeifungen aus ber
„neueren Siteratur," befonberä ber beä ac^t§el)nten Qa^r^unbertQ,
^at biefeä WM 6. 9teblic^ bas befte get§an.
1) Sie Otiginalauggabe ift in ben frttifc^en Stnmevfungen mit %
be^eicf^net.
2) Lessings Laokoon Herausgegeben und Erläutert von Hugo
Blümner. Berlin, Weidmannsche Buchhandlung. 1876.
IrttUdje HJalöer.
Dbcr
^ e t r a (^ t u n gen,
bic
tffenftfjdft iiiiti iunft
be§ ©rfj ölten
betreffcnb,
waä) Maa^i'lb^ neuerer Schriften.
Scfcr, tr>ie gefall irf; btr?
i'efev, unc gefättft bu mir?
(Er)!e0 HDälbdjett.
§ertn Sejsingg Saofoon geiüibmet.
17 6 9.
1) ©tatt be§ ©ofvatc§fo!pfe§ mit ben S^i'fcn ^«^ Jogau fte^t in bet
Sitelanflage tooit 1769:
— Qui primo decurrorc i)er matoriam volunt ot so-
quontcs calorem atquc impctum ex tempore .scribunt,
— sylvas vücaut.
Quiiitilian L. X. c. 3.
§cvbcv§ jämmtl. SBciic. III. 1
(3) aCnafijtififjcv Mjaü.
1. @ig i[t imbtUig, ^ejjiug aitf 3öiixfctinamt§ Äofteu ju loben. Untevfd}ieb
> Beiber ©cfjriftftctter in SKatcrie, 2)en!art unb ©ti}t.
2. @o|)^of{e§ ''^(}ito!tet leibet nid;t mit Bvüücnbcni ®ef(^vct. ®ic
gelben §onter8 fallen ni(^t mit (äefd;vei jn 33obcn. @cf?xxicn fann
nid}t ein nottjüienbigev S^arafterjug einer §elben= unb liDtcnfri^tid^cn
(Sm^jfinbung fei;n.
3. S)ie (gm:pfinbbavfeit ber ®ried)en ju fanften S^ränen jeigt [ic^ ganj
anbev^. @ie ift aud; ben ©vied;en nid)t allein unb an^fd^ticffenb eigen,
prüften unb Sf;ara£ter ber alten §erfifd;cn ©efänge.
4. Sine :t3l^ilofo)3r}tjd;e (Sefdndite ber ©legifd;)en ®id;tfunft üfcer SSötfer unb
; ^dizn, ober ©rünbe ber alten §dbenmen|d}Ui$!ett, au§ il;rer (Sin^fin=
bung für SSatertanb, (Sefc^tec^t, §eroifd;e greunbfd^aft, einfältige ^iebe
unb bie 9}fenfdytid)!eit be§ 2e6en§ hergeleitet, nid;t afcer at§ ob fie
einen <Sd)(ag nie§r enijjfunben, unb Keffer gefd;rien t}ätten, ivie ixnr.
(Empfinbbartcit ber ipomertft^en Reiben ida^t fid; luürbiger.
5. @o))r;otIe§ mad)t in feinem ''^'^itoltet geiüifi nid;t @efd;ret junt §an^)t=
ntittel ber 5Ritr;)rnng. SSeffcre ©inbrüde be8 ©ried)ifc^en Sraiua. Oh
tör^er(id)er ©d^raerj je bie §auptibee eineS Srauerf^ietÖ loerben flinne?
2)a{3 er§ ßei ©oi^'^otkiS nidit fei).
(4) G. 2)ic- S5el)auptnng: ber ©rtedjifc^e Äünftter fd^ilberte ba§ @d}öne, ift
ix^al;r. ©renjen unb (Srtlärnng bicfeS Sat^cö an§ il;rem 2}tijtl;ifd;cn
Sitfet uub i^rev §elbenge[c^ic^te. SBatum ^Sttnanf^eS feinen 5{gamem-
non öerpüt gentalet?
7. Son ben §i5vnern beä iBacc()ug. 3>ou bem Sinftaji ber »evfc^tebnen
3}h)t§oIogtfcfjcn ä'^it^^tcv auf ''^oefic lutb Äunft.
8. SBen Sivgil in @cf)itberung feines ^aofoon nac^gealjmet l;a6en mögcV
Urf^cil Ü6cv CuintuS (Safabev, nnb '':)3etvon, in i(;ren ®(^ilberungen.
9Jac^ lüem ber tünftkr gcbilbct f^aben Eönne?
9. igoü bie Äunft nichts 35ovii6erge^enbe§ ju if;rem ^Infitide wägten: fo
üerlievt fie i^v Seßen. ®oK fie für jebe njieber^olte (£r6(icEung
arbeiten: fo i^r 3i5efen. Urfad;e, warum bie Sunft ein Sbeal ber
@cf)i5nf;eit ^abt, unb infonbcr^eit bie ftillc 9in§e (ic6e, au§ bem ®runb=
fa^, ba^ fie für Sinen eroigen "änblid arbeite.
10. lieber @pence'§ ©rtäuterungen ber 3{(ten au§ fiunftroerfen. Stcttung
feines '§erunterf($iroe6enben 9J?ar§. grage, ob bie ^tunft fc^toebenbe
§.'6xpa toorfteüen fönne? ,.
11. ®cm Äünftter finb ©ötter unb geiftigc Sefen nicf}t bCoS ^Krfonifirte
')(bftrafta, fo balD er fie in §anbtung fanu crfd;einen laffcn. 2)ie.
a}h)tr}o(ogie ift eigeitt(icf) ^^oetifc^, unb f)at 5)icf)terifc^c ©efcl^^e. ®em
S)id}ter ge^t Snbii^ibualität feiner (Sötter rocit über (S^araftcr; fo
^at er fie bem Sünftler übergeben.
12. lieber bie ^^oetifc^en 2Ittributcn toon §ora5, bem großen Sieb'^aber f^m=
bolifrfjcr aSefen, wirb feine Obe an ba§ ®(ücf, fein ^ilb ber dlot^' (5)
lüenbigEeit u. f. to. txti'dxl ®ie iDfafc^inen ■ be§ Sf)ifcf;en ®ic^ter§ muffen
ni(^t Slttegorifc^e Slbftrafta feijn: bei §omer finb fie e§ nid;t.
13. §omerö Siebet uub Uufid;tbar»erben finb feine ^oetifd)e $i^rafe§:
fonbern ge'^ören mit jura D}h;tf;ifd;eu SBunberbaren feiner S^^of^ee.
Unfi(^tbar fevn ift nicbt ber natürliche 3uft<inb ber §omerifc^en
(Sötter.
14. 2Iud; bie (Sröjie berfelbcn ift bei ifjm nid}t folcb ein §au)3t3ug, at§
iDtac^t unb ©djueHigfeit. Unter ivetc^en 33ebingungen, unb mit »eld^er
Diäjiigung er il;rc @röj3e fc^itbert'? Srfläruug beg §clm§ ber SDJinerDa.
iBou wem er baö (iotoffatifdje feiner ©öttcr ent(et)ncty
15. Db §omev \üx uii§ 3?eut[cl;e ilfccrfctU locrbcii [oüc? 3)a6 gortfd;vei-
tenbc [einet SO£auier, uiib bic feeftänbig ;^ivtelubcii nnb tpiebertommcn^
ben äiige ii^ feinen S3ilbern finb faum ükvfcljüav.
16. 2)a0 ©ucceßibe in ben Sönen ift nid;t ba§ Sßefen bcv S)id}t=
fünft, ©ans wx'o gar auä) nic^t mit bem (Joej:fiftcnten bet gatBen
äu üerglcid^cn. 3tn8 bem ®uccef3ii.^en ber ''l^ocfie folgt nid;t, baß
fie .'panbütngcn fdjitbcvc. 2)a§ ©uccefiiüe bev Xönz fomnit jcbev
9icbe ju.
17. gel^tfd;tüffe, »nenn man bie ©ucceßion ber %öm für baS §au:^tmcrfmar
bev ^>oefic annimmt. §omer Jüä'^tt gar nid;t ba8 gortfc^reitenbc feiner
@d}itberungcn, um fie nid)t coe^-fiftent snfc^itbcrn; fonbern ineil jcbe§=
mal in bem gortfd^reitcn feiner Silber bie (änergie berfctbeu nnb
feiner ©ebit^tart liegt.
18. §Dmerg ©ebidjtart fann nic^t allen S)ic^tartcn ©efel^e, unb au§ i'^rer
(6) Spanier ein oberftcg @efcl5 geben. 31u§ ber euccetjion ber £öne folgt
feine Sld^tSerffärung gegen bie matenbe ^^^oefie.
19. (Energie ift baS oberfte @efe^ ber S)id)tfunft: fie matct atfo nie S[Ber!=
mäßig. Urf^eit über §arri§ ä>ergleid}ung unb llnterfd)cibnng ber
fd}önen fünfte.
20. Ob bie ©c^ilberung fijr^erlidjer ©d)önl;eit ber 2)id}tfunft verboten fet)?
2So fie jebe ©c^IJn'^eit burd} Steij seigcn fijnne? Db fie iematS au
einer @cf)i)n^eit§fd;ilbernng Söerfmäßig arbeite ? Dh, iijcnu ber 2)id}ter
^äßtic^e formen nnt3en fann, er nid;t üu<i) fd;ijne nn^en fönne?
21. §omer ma^t Sl^erfiteS nic^t ^äßlid;, um ir}n läc^erlid; ^n ma^en.
§äßlid)feit an ©eele unb Mxptx ift fein S^aratter, ber blo§ ba=
burd; gemilbert iinrb, baß er auf nid}t8 @d}äbüd}e8 ausläuft. @8
wirb atfo ber ^^erfon S'^erfitcS uod) bieSmal ertaubt, in §omer jn
bleiben.
22. aBenn ba§ §äßlid;e jum $?äd)ertid}eu T;itft: fo i[t§ ;,um Sontraft be§
2äd)cr(id}en wefenttid). 3uttt ©d;recltid}en ni^t fo. 3a ^um Sc^recf=
liefen t^ut e§ niemat§ nid}t§, fonbern jum Slbfc^eu. @fet fommt
eigentltd) aKetn bem ©efd^niad unb ®txud) ju; aiibern ©innen
nnv, [o fern fic [id; an beren ©teüe fe^en. 9ftc^t aUeS §äpid)C
atfo ift eld^aft.
23. ©eBrauc^ be8 Säi^ertidjen, ®ä)xtäliä)in , ©fetf^aiten in ^oefie unb
^cätxtl "itbfc^ieb tooni Saofoon.
24. (Sinjelne geilet bet Sinfetmannifc^en «Schriften, ©ein Sob
SBefc^tuß.
(7) Äiitifdje mUhcx.
^rfüeö 2Biif5if)eit.
1.
S)ev Saof'oon be§ §ertn Sej^ingS, ein 5K>cr!, an iücld)em btc
brci .^ulbgöttinncn unter ben SO'tcnfc^Iidfjen 3Bijfcnyd)aftcn, bie ^Jcufc
ber ?ß(){IofopI){e, bcr ^socfie, nnb bev ^unft be§ ©d)öncn, gcfd^äftig
gcroefcn, ift in unfrcr je^igen fritifc^en ^eftilenj in S)eutfd)(anb,
für niid} eine ber angenel^men ©rfd;einungcn geraefen, xun roeld^e
S)etno!ritu§ bie ©ötter bat, alg um bie ©elig!eit feineä Sebenä.
Qd^ roürbe baffette aud) fe§r raoljlfeil mit ber Silbfäule ücrgteic^cn
fönnen, von ber e§ ben 9lamen l)at, roenn nirfjt bie 9.1iine be§
3]ottenbeten, be§ ©(f;riftftcl(erifd§en STtoirjoe eben bie märe, bie
biefer Saofoon am ruenigften annehmen mitt. @§ mag alfo biefe
8 ®prad}c burc^ ^unftüergleid;ungen imuxer unfern (Sd}önt)eitgfünft=
lern be§ ©tpig bleiben: icl; mill ben Saofoon alg eine (Sammlung
von 53Iatcrialien, al§ einen 3ufammenfd)u^ von (5olle!taneen betrad)-
kn — aud; als folc^er allein, ücrbient er S3etra(^tung gnug.
Sic ^unftric^ter unfrer 3eit, eine §cerbc ber fleinen @efd;öpfe,
bie 3tpollo ©mintljeuö je|t fd^eint auf unfcr licbeä SSaterlanb
gebannet ju Ijaben, um aud; bie wenigen SSlumen- unb 3^rud^t=
rcid}en 3luen ju ücnnüften, bie nod; !^ie unb ba al§ Sänbereicn
beS @enie§ übrig geblieben ■ — biefe S3Dten 2lpollo l^aben meiftcng
Saoloon nidjt beffer ju loben gemußt, al§ auf Söinfelmannö Soften;
benn meld) ein Sob fliegt uon ben Sippen großer Seute mo^l
glatter Ijcrunter, als baä auf iloften eines ^Dritten? Sef^ing foll
9öin!elmanncn fo oicl unoerjeiljlidjc ^el)ler gezeigt, il)n pljilofopljiren
gelerjrt, ifjit bic ©rcnjcn unb \)a^ 9Öcfen ber ^uitft geiüicfen, unb
infonbcrfjdt in feinen 'Schriften ba§ aufgebecft i)abm, ba^ feine
^änntni^ ber 2t(ten ein f^inanfcnber @runb fep. Sffiäre bas nic^t
üiel? Ginem 2SinfcIinann , i^ui, ber fic§ fo ganj narf) ben S(Iten
gebilbet, ber in ©riedjcntanb (e6et unb webet, ber in ben 2tlten
^unftfänntni^, bis gum Grftauncn, jeiget, bcin §onier, rok er fclbft
fc^reibet, tiiglirfj fein anbcidjtiges ?3torgenge6et geroefen, — biefem
9)iann jeigen, öa^ er ^ouier nicfjt gelcfen, ba^ er bie ©riechen
nid^t !enne: raaruiu? lüeit fie Se^ing fennet, loeil Se^ing §omer
getefen! ^loä) ärger, ba^ 3Sinfc(niann fein ^ijilofopl) fegn foß, 9
lüeil er nidjt auf Se^ings %xt pfjilofopfjirt, fonbern lieber in ber
3t!abeime alter ©riet^ifc^en 3Seifen, unb infonber§eit am I;eiligen
^lt)^u§ ^ roanbelt. Unb benn am ärgften, 3Sin!ehnannen ba§ SBefen
ber ^unft (eljren — o ber unfeligcn 'Jtirfjter, bic tau6 unb blöb=
finnig, mie (SlaubiuS, über bic grö^eftcn SdjriftfteUer unfrer S^it,
nid^t anberä als im 3d;Iafc, nid^t anberä als über ©c^üIer ur=
t^eilcn, bei benen ©jamcn ^u Ijaitcn fep, über bas, roa§ fie raiffen,
unb nic^t roiffcn, jeigen unb nic§t geigen, infonber^eit, töa§ i§ncn
gegen biefen unb jenen fe^Ie?" — —
%ud) Sc^ing roieberum §at, roie billig unb redjt ift, erleuc^=^
teten £unftrid;tcrn gum ä^orraurf bicnen muffen, bic Schärfe iljrcr io
a) 3(^ fiil^re au§ biefen ^o'^tn Urt^eiten über SBinlelntann nur (£iu§
an: Klotz, acta litter. vol. III. p. 319. taffen ftcf) bei ©elegen'^eit be8
Saofoon atfo öerne'^men: Eeddiderunt forte virum doetum aimiae laudes
securiorem, quibus prima illius opuscula, multo meliora eo, quod de
allegoria cominlaiiit , extulerunt quidam, (juibus si me Cßiocßie accen-
sueris, nee miror, nee indignor. Ytinam ne exemplo "Winkelmannus
SUD aliquando doceat, saepe nocere auctorum famae et ingeniis prae-
conum et amicorum voces, plausus et laudes, minuere äüigentiam, .
addere fastian et fiäueiam! (ä§ fei benn, baß ^err k\o% biefe§ au§
eigner ©rfa^rung fage, »eiB icf) nic^t, ob bie einsetnen Uitbeite, bie §err
^io^ über SBtnfetmann in fäßen, unb bie manchen 35erbeffermigen , bie er
t"^nt anjubre^en beliebet bat, eben 3bn berechtigen, ein fo entfcbeibenbeä
§au)5turtbeit über Sinfelntann ju fallen, obne Seireife.
1) 3t: 3t9ftu§; ^etjne: 3(ifin§.
2litgen bem ^uHifuut ju jctgcn. Sßcnn bcr eine i^n ^um größten
2lnt{quar unfrer Reiten, jum erften ^qIjvcx bcr Hunft inad^tc: fo
wav er bem anbern, ac^ letber! ein rai|iger Jaopf, unb einem
brüten, einem frommen !ritiid)en 6l)ri[ten,'' ein ©djutpfjilofopl), ein
Sleftf)eti!er au§ 33aumgarteng ©c^ule, ber nac^ ber Sprad;e unfrer
neuen ©d§önbenfer , mit ein paar Unjen 33aumgartenf(^er ^i)ilO'
fop^ie ben 9ßettraeifen aller Qzikn trogen motte. D! mit t)er=
ftopfteui D§r burd^ biefe 6I)öre quäcfenber ^röfc§e l)inburd), mic
lllt)ffeä burdj ben @efang ber ©prenen!
%üx mi<i) ^at Saofoon an fid^ felbft ©(^önf)eit gnug, alä ba^
er 6Ioä burd^ ben ^ontraft mit einem anbern geiüinnen börfte.
3>or unb Ijinter bemfelben, mag 2. gegen 2Ö. fjabe, finb entraeber
nid;t§ aU ^arerga, für bie beibe fie anfersen merben, ober roenig-
fteng trifft nichts auf 9Bin!eImannä ^auptjroed, bie 5tunft; unb
Saotoon alfo, at§ 31bf)anblung über bie ©rängen ber ^oefte unb
SJialerei, l^at 2öertf) unb ^ortrefKdjteit ; aber iljn afö ©treitfdjrift,
a[g Prüfung ber gangen 3Sin!eImannifc!§en 3Berfe betrachten gu
motten, ift meineg (Srad^tens ber falfdjefte ©efidjtspunft , unb ber
11 ©eniuä eineg Se^ingä unb 2i>in!elnmnnö finb aud; gu werfd^icben,
als ba| id^ä üon mir erlangen tonnte, fie gegen einanbcr abgu^
meffen.
2Ö0 Sc^ing in feinem Saotoon am »ortreflidjften fd^reibt,
fpridjt ■ — ber ßritifuS: ber ^xmftrid^ter be§ ^oe'tifc^en ©efd^mad'ä:
ber 3)id;ter. äÖie ©opl)o!Ie§ ^t)i(oftet leibe, xtnb bie gelben
Römers meinen, unb S?irgilä Saotoon ben 93Mnb öfncn, unb
!örperlid)e ©d^mergen auf bem ^Ijeater minfein börfen — mie
SSirgil, ^ctron unb (Sabolet ben Saofoon bilben, unb ber 3)id)ter
ben £ünftler, unb ber £ünftler ben ©idjter ^ na(^al)men fönne —
a) 2tud) '^kx fü'^te ic^ nur einen Saugen ^n: §uc^ üfeer bie
©at^re 3(r($ilD(f}u§; unb famt ju jebem angefü^^rteu ^n^t einen an=
führen, wenn e§ ber Mül)t xotxf^ ixiäre.
1) 2t: „ben ®td)ter" fe'^It. 2)lfc. bev älteren 9tebaction: „inte ber
Siebter ben Äünftier unb v. v. nadja^men tonne."
— . 10 . —
wer fprid)t Ijkx ükrall, alä bet ^unftridjter be§ ^octcn? S){e[er
tft§, bei* beut ^{)iIo!tct be§ 6()ateaubrutt einen ©trcid; giebt, ber
©pcnce'n xrnb (SapIuS i§rc %d}kx jeiget, ber §onter§ ^oeti[d)e
SBefcn cla^tficirt, unb ^oet{frf;e t)on bei* 3Jtalerifc^en ©c^ön^cit
nntei*[d)eibet — überaE ber ^itnftrtc^ter be§ 3)td;ter§: ba§ tft fein
©efc^äft. Unb f ein , 3^ü*^<^" berfelbe. 2)em falf^en ?]3oetifc§en @e=
fc^mad entgegen ^u reben, bie ©renken jtüoei* fünfte ^u beftimmen,
batnit bie eine bei* anbern nid;t Dorgreifen, üoravbeiten, gu nal)c
treten molk: ba§ ift fein ^mcä. 9Ba§ er auf biefem Sßege von
beni .^nnern ber Slunft finbet, frcilid; niutmt er§ auf; aber mir
noc^ immer Sc^ing, ber 5)]octifc§e ^unftridjter, ber fid} felbft
S)icl§ter füEiIt.
2öin!elinann aber, ein SeJirer @ried;ifc^er ^unft, ber felbft in 12
feiner tunftgefd^id^te mcf)r barauf bebac^t ift, zim §iftorifd;e ^Jteta-
plf)9fi! beg ©d^önen au§ ben 2(Iten, abfonberlii^ ©riedjen, ju liefern,
als felbft auf eigentlid;e @efc|ic|te. Unb alfo auf eine (Sriti! be§
^unftgefdjmadg nocb uneigentlid^er. Um ben falfc^en @efd;mad
anbrer Reiten unb 3>öl!er ift il)m nie alä um ^aupt^roed ju t^n;
"om jüd^tigt er blo§, menn er neben ober unmittelbar Dor ben
2llten ilim gu @eftd;t lommt: benn fonft, mie oft :§ätte er nad)
feiner t)ornc!^men @ried)ifc^en ^^bec jüd^tigcn, unb feine §anb in
9^ebenftreidjcn ermüben muffen! Unb fd;reibt er alfo nid)t al§
(Eritifuä be§ £unftgefd)madä ; mie mcit entfernter üom Kunftrid)ter
ber ^oefieV 3llg J^ünftler la§ er bie Sid;ter, al§ ^unftlel^rer
braud;et er fie, unb mürbe nic^t fo !§abcn fdjreiben lönnen, roenn
er aud) felbft bie 3)id;ter anberg, unh nic^t alg Äünftler gelefen.
@r, bem roie jenem ©riec^ifc^cn Künftler, bie ©d)önl)eit felbft, (aber
bie ^unftfd^önljeit) crfd;icnen mar ; be^^aubert üon i§r, fui^te er il)re
©eftalt alfo mit ?^euer in feinen ©eift gemalt, brennenb in feinem
Stuge, unb fi{^ in feinem ^erjen regcnb — bicfe ©eftalt ber ^unft*
fd§ön^eit, bie§ 33ilb ber Siebe, fudjte er allenthalben, mollte fie
and) im bloßen Stbglanj fel)en, oermutljete fie felbft, wie J^leiftg
3lmt)nt feine geliebte Salage, aud; in gu^tritten, aud) im Silbe bcä
2Baffer§,vow^ ii" §auc^e bcä 3ept)t)r§, ber freilidj üon einer anbern 13
Satagc, (bcr ©c6ön!§cit bc§ 3)i(^tct§) fomiiicn !onntc. Q'm ®cfül)l
alfo btcfcr bilbcnbcn unh nic^t bid;tcnbcn ©djöntjcit ftaub er and)
üor ä>trgilg Saoioon, imc üov bein Saofoon beg ^oIx)boru§/ unb
fo inu^ er gelefen roerben : berttt ba§ finb ©c§ran!en bcr 3)icnfc^=
lidjcn 9tatur, auf ©iniuat nur @tne§ fefiert ju fönncn, roa§ man
totH, unb rate man mill — 2)ie| eine roar bei 2BinfcImann bic
^unft. ©Ott iä) t§nt alfo Hänntni^ ber SUtcn abfprcdjen, raeit er
Monier nid^t al§ Sid^tcr, [onbern alä ^ünftler, nic^t alfo be§ ^oc=
ttfi^en 2ßcfen§ fetner 93iufc wegen, ntd^t roie Se^ing gelefen? ©ott
{(^ ilßii einen ©eitenblid, ben er auf bic ^oefic rairft, um feine
^unft ju crtäutern, unb gefegt bicfer ©eitenblid träfe aud; nid^t
auf ba§ innere ber Sid^tfunft, jum ^auptoerbrec^en anred)nen?
Unb fott ic^, raeit Se|3tng micbcrunt atte§ au§ bem ©runbe ber
©eele Ijolt, fott x<^ iljn für einen fpelulatioen 3ßi|Iing, unb raenn
er einigemal mit feinen muntern ©d^Iüffen ju meit !ämc, für
einen rat^enben ^opf "galten? SSarum fönnen mir benn nidjt
jraeen fo originale Senler, Sffiinlelmann unb Se^ing net^mcn,
lüie jeber ift? %uä) in ber ©djreibart fo gar Ijabcn Beibc eine
©riedjifc^c ©rajie jur g^reunbin; nur ba^ fie bei beiben nid;t (Sine
©ra^ic ift.-
3Bin!clmann§ ©tt)l ift mie ein ^lunftroer! ber Sllten. ©ebilbct
in atten ^l)cilen, tritt jeber ©ebanfc Ijeruor, unb [teilet ba, ebel,
14 einfältig, erl)aben, »ottcnbct: er ift. ©emorben fer) er, mo ober
roie er rootte, mit SDiül^e ober i:)on felbft, in einem ©riechen, ober
in Sßintelmann; genug, ba^ er burdj biefen auf einmal, roie eine
3)tinerüa au§ Jupiters ^aupt baftcljet unb ift. 2Bie alfo an bem
Ufer eines ©ebanfenmcereg , roo auf ber §öl;e beffclben ber 93lid
fid; in ben äöolfcn »erliert: fo fte^e idj an feinen (Sd;riften, unb
überfdjaue. ©in g^elb oott ^riegämänner , bie roeit unb breit
jufaumtcn geroorben, bie 2luäfidjt erft lange in§ ©rof3e füljrcn; roenn
aber enblic§ au§ biefer Söeite baS 3luge erljabner jurüd fotmiit:
fo rcirb eä fid; an jeben einzelnen ^riegsmann Ijcften, unb fragen,
1) §ei)ne: Slgefanber, (fo überaü)
— ' 12 ^-
rooljcr? unb Bctradjton, wer er [cij? unb alsbcun uoii uieleit
bert :8e6cnölauf cincg gelben erfaf)rcn fönncn.
Sc^ingg ©djrcibart ift bcr ©tt)l cineä $oeten, b. t. cineg
©djriftftcllerä , nic^t bcr gemadjt tjat, fonbern ber ba machet, nic^t
ber gebadet Ijaben mili, fonbern un§ üorbenfet, wir fe^en fein Sßerf
raerbcnb, raie bas ©d)ilb 3((^tllcg bei ^onier. @r fc^eint un§ bic
33eranlaffung jeber SiefleEron gleic^fam vox Stugcn gn fül^ren, ^tüä-
weife 311 ^erlegen, gufammen 311 fe|en; nun fpringt bie 2;riebfeber,
ba§ 9tab läuft, ein ©ebanfc, ein ©c^Iu^ gicbt bcn anbern, ber
^'oIgefa| fonimt nä[}cr, ba ift ba§ ^probutt ber Setrad^tung. ^eber
2(6fd^nitt ein 2(uögebad)te§ , ba§ TETayf.iEvoi' eines oollenbeten @e-
banfen: fein 33u(^ ein fortlauf enbeä ^^oem, mit ©infprüngen unb 15
(Spifoben, aber immer unftät, immer in Slrbeit, im g^ortfc^ritt, im
Söerben. (Sogar bi§ auf einzelne Silber, <3d)ilberungen unb 3Ser=
gierungen beg ©tplö, crftrcdet fic^ biefer Unterfdjieb graifc^en Reiben,
Söinfelmann bcr .^ünftler, bcr gebilbct (jat, Sc^ing ber fdjaffenbe
^oet. ^ener ein cr^bner' Se^rer ber ^unft; biefer fclbft in ber
^;]il)iIofopI}ic feiner ©(^riften ein muntrer ® efcttf djafter ; fein 33uci§
ein untcrl)altenber Sialog für unfern ©eift.
©0 börften bcibc fepn: unb mie unterfc^ieben ! mie üortreflid}
bei beut Unterfdjiebc! 2Beg alfo mit ber dritte, burc^ bie ntan
üon einem gum anbern fc^iclcn ^ mill, um burdj ^'ontraft 3U loben!
2Ber 2. unb 2B. nidjt lefcn fann, mic jeber berfelbcn ift, ber foll
feinen üon beiben, ber foll fidj fclbft Icfen! — —
2.
SB. fd^ilbert feinen Saofoon," mit beut ©efüljl, alä l)ättc er
iljn fclbft gefd)affen: „S)er ©djmcrj, roelc^er fic^ in allen 5Jiu§l'cln
„unb ©eljucn bes .»tlörpcrä entbedet, xmb ben man ganj aHcin,
a) aSon fcer SJa^a^muitg grted;ifc^er Sßer!e. ®. 22. [Sev!c I, 31]
1) %: f^telen
— ^ 13 . —
„o^ne 'oa§ @eft(f;t unb anbrc ^^eile 311 betradjten, an bem fdjmer^*
„lid^ cingegogncn Untcrleibe beinafjc felbjt ju cmpfinben glaubt;
„biefcr ©d^nierj, [agc td^, äußert fid; bennoc^ mit feiner 2Öut^ in
16 „bem ©ejic^te unb in ber ganzen ©tcKung. @v ergebt fein fc§re(f"=
„liebes ©efd^rei, roie SSirgil von feinejn Saofoon finget; bic Deff-
„nung beä 3}lunbeg ge[tattet eä ni(^t: eg ift üielme(}r ein ängft*
„liii)zä unb beflemmteg (Seufjen, mie eä ©abolet befc^reibt. 2)cr
„ ©d^merj be§ ^örperä unb bie @rö^e ber ©eele finb burdj ben ganzen
„S3au ber 3^igur mit gleid^er ©tärfe auägcttjeikt unb gleid^fam
„abgeraogen. Saotoon leibet, aber er leibet, roie be§ ©opijofleä
„^§i(o!teteg: ]dn ©tenb ge^et un§ big an bic ©eele; aber roir
,,roün[d^ten, roie biefer gro^e 3)iann, baä ©lenb ertragen ju
„fönnen.'''
„Saofoon leibet, roie be§ ©op^otteä ^^iloftet." 3Son bie[cr
S>erglei(^ung ge!^ct §r. Se^ing"' aus, unb roilt, ba^ eg feine SSer=
gleid^ung fei): ba^ ©op^ofleg ^^ifoftet nid^t blog ängftlid; unb
beflemmt feuf^e, fonbern flage, fd^reie, mit roilben 35erroünfdjungen
baä öbe ©ilanb fd^redlic^ anfüKe, unb au<i) baä ^^eater üon 3::önen
be§ Unmutig, beä Jammers, ber ^^er^rociflung burdjl)al(en laffe.
äÖinfelmann mu^ alfo §uerft roo(}l nic^t rec^t gelefen Ijaben, unb
groeitens alfo übet vergleichen, übel folgern.
®er $§iloftet ©op^oflcg mag entfd^eiben — roie leibet biefer?
17 (Sg ift fonberbar, ba^ ber ©inbrud, ben biefeä ©tüd bei mir
uon lange ^er jurüd gelaffen, berfelbe ift, ben 2Ö. roill : nämlid) ber
©inbrud eines gelben, ber mitten im ©d^merg feinen ©d^merj
befämpft, i^n mit Ijolem Seufzen gurüdliält, fo lange, alg er fann,
unb enblid), ba ilju baS 3tc^! baä entfc|li(^e Sie^! übermannet,
noc^ immer nur einzelne, nur oerftolne 2:öne beö Jammers aug*
ftö^t, unb ba§ übrige in feine gro^e Seele oerbirgt. Saffet ung
©opl)ofleg auffdjlagen, laffet nnä lefcn, alg ob roir fäljcn, unb id;
glaube, roir roerben ben nämlidjcn "-^fiiloftet geroal^r roerbcn, "iim
©opljofleg fc^uff, unb Sinfelmann anfüljrt, roie er gefd;affen ift.
a) ii:]]. im l'aor: \>. 3. [37<].
— . 14 ^-
Mit 2lttfange bcä brüten Sluf^uges überraf d^et ii)n ber Sd^mer^ ;
aber mit brüKenbem @e[c§rei? 5Reitt: mit einem plö^Iidjen ©titt=
fc^raeigen, mit einer ftummen SSeftürjung , unb ba biefe fid^ cnblic^
töfen, mit einem §olen üerjogncn d d d, bas fic^ aud^ laum com
9fieoptoIem miß ()i3ren laffen.'' 'SQaä ift bir? fä^rt biefer auf.
„91id^tg bö[e§, ge^e nur, mein ©o^n; antroortet ^^iloftet, unb
roie anbcrg, alä mit einem ©efid^t voll Siebe, voll gurüd'^attenbem
§elbenmut§e. ©o ge^t bie ©cene beä flumnten ©i^nter^es fort:
ber be!ümmerte, ber unruf)ige, ber fragcnbe 9ieoptolem, unb ^^i- 18
loftet, ber — nic§t brüUet unb tobet, ber feinen ©c^merj beflemmt,
i^n eine grof5e S^it felbft bem 9leoptoIem oerbergen roill, unb nur
immer greif c^en inne mit einem bangen ico d^sot ben ©öttern
ftaget. Unb ^hcn biefe ftumme ©cene bes ©d^mergeg, oon roelc^er
äBirt'ung mu^ fic auf ben 3iif'$ßuer geroefcn fe^n? (Sr fielet
^^f)iloftet leiben, ftumm, nur in einer oergognen ©eberbe, nur mit
einem beflemuiten 2ld^! leiben; unb mer fül^It bie^ beftemmte 2tc^!
nic^t me[)r, al§ bag brüllenbe ©efd^rei eines, '3)carä, ber in ber
©c^Iadjt oeriüunbet, mie jeljn taufenb 3}iann, ober roarum nid^t
lieber, mie ge^n taufenb Di^fen? aufbrültet? §ier erfc^ridt, bort
füljlet man: uttt 'jpfjiloftet mitleibenb beftürgt, als 9teoptolcmu§,
banget man, roeifj nidjt, moran man ift, mas man ttjun, toie man
Reifen foll? 5}tan tritt auf fein trauriges « a gu il)m: „3Sie
benn? bu feibeft! bu rebeft nirfjt! SÖarum fo ocrfd^loffen? bu
wirft gepeiniget '? marum fcufjeft bu ju ben ©Ottern? — Unb ein
^^Ijilottet antioortet mit oerjognent Säd;eln, mit einem ©efic^t, in
meldjein fid; ©djinerj unb dJluti) unb ^^reunblid^feit mifi^en: ^i^?
9fiein! ic^ eiupfinbe ßrleic^terung ! id^ f(e§e gu ben ©öttern um
gtüdlic^e ©c^iffaljrt. äßeldj ein @riedt)ifdjer ©arrif gehöret ha^u,
a) Nto. tQji'' d delitg' tL 6>i noO-'' wc)" t'^ oMti'og
,4öy8 duoTcilg, xaTtoJikijy.xtxJS wd" i/ri;
'J^tl. « d IC.
Nto. tC tGTir;
. 'Pil. 3Öiv dtivor. äXl' it)\ lö Tty.vov /.. r. 1.
— ' 15 ' —
ben ©d^merj unb ben d)lutl), bic 5)tcnfdj(ic^c ©inpfinbung unb bic
^elbenfecle !§ier abjuraiegen!
19 Uebcriuannet cnblid^ vom ©d^ner^ unterliegt er; er brid^t
aitg — aber in ^i^önc ber brüEenben 33er3roetflung, be§ roütenben
@e|(^reieg? 9Zic^tö! in ein traurigeg mcohoXa rty.vov. ßqv-
'AO^iai ^ revjvov. itanaL. miamcaiccä^ ytajcal, neuem, /tmrcä,
7ta7tdi: bag finb feine gezognen IJIagetöne! @r bittet um bie
^elbencur, feinen %\x% abjul^auen: er tüinfelt. — 3X^X^ meljr?
5^ein, nidjtö me^r ! @r raar au§gebro(^en, wie 9teo|)toIeui fagt, nur
in Ivyriv xal govop in 2tec§jen unb ©eufjen, unb 2td^! wie nm^
bie^ rühren! ©ein gefrünunter %u'^, fein t)erjogneg @efid;t, feine
üom «Seufzer erijobenc S3ruft, bie ooni Slec^jen f}o(c ©eite, fein
^I6e§ %(i)l — — Söeiter ge^t ber S)id^ter nic§t: unb um juwor
ju kommen bem Uebertreiben beä äCusbrudg, lä^t er ^^f)iloftet t)or
©d^merj in Unfinn fallen! ©o fet)r Ijat er gelitten, fo feljr feine
Gräfte jufammen gefaffet, ba^ er rafet.
@r tommt raieber ^^u firf}! er erl^ott fid;! aber bie ^ranfljeit
fommt, roie ein üerirrter 3!Öanbrer wieber: fdjwarjeö 33Iut fprül)!
^eroor: fein cviajacmccä fängt an: er bittet, ädjjct; ein %hx6)
auf UIi)ffe£i, ein ^qxw mit ben ©öttcrn, ein 3^uff an ben S^ob, aber
aEeg nur 3tudraeife, nur Slugenblide! ber ©djmerj lä^t nadj; unb
fie^e! ben Stugenblid ber (Srtjolung luenbet er an, um ben britten
StnfaK 5u erroarten. @r fümmt, unb ba ber ^i)eatraUfd;e 3tuöbrud
20 nid^t fjöljer fteigen !ann, fo lä^t ilju ©üpI)o!(eä — allcä, maä er
i^n t§un laffen f'ann, um i()n nidjt fdjreien ju laffen: fc^raärmen,
ädjjen, bitten, jürnen, atljemloä ^u fid^ towmen unb einfc^Iafen.
^einlic^cr Stuftritt! ber pd)fte cfin Stusbrude, ben üielleidjt je ein
Slragifdjeä ©tüd gcfobert, unb nur ein ©riec^ifd^er ©djaufpieler
erreidjcn !onnte.
2lber in biefem peinlidjen Stuftritte, mag ift ba bag ^öc§fte
am 2tuöbrud, mag ift ber ^^'^xuptton beffelben? ©troa ©efd^rei?
©0 menig, ba^ ©optjoileg ja auf nidjtg forgfättiger fdjeint, als ju
1) 3t: ß()v^w{.iut.
^ 16 —
Dernietben, ba^ bieB nid^t ^ae ju ^ieljen; unb ba ba§ S3lut quoll, fo
ftrömte feine ©mpfinbung, ftatt in ^^ränen unb ©efd^rei, in feurige
^zbdt roiber bie g^einbe aus." Solche Unmenfc^en finb bie gelben 28
§omcrg, unb je größerer §elb, je größerer Unmenfd^: fein 2(d)ille§
ift fogar am Körper unücrle|lic^.
^ft§ alfo bei §omer, ba^ feine .gelben fc^reien unb roeincn
muffen, „um ber mcnfdjlic^en "Dlatur treu ju bleiben, roenn eä auf
„ha^ ©cfüljl bcr S(^mcrjien, roenn cg auf bie Slcu^erung bicfeä
„@efü^l§ burc^ (Sd^rcicn ober bur^ 2:l)rancn anlommt ? " *' ^clj
a) Iliad. B- v. 418. h) Iliad. z/. v. ]48. c) Iliad. ^. v. 439.
d) Iliad. J. V. 148. e) Iliad. E. v. 95. &c. f) 2as>l p. 5. [378]
— « 21 ^
roottte nic^t, ba^ ein alter ©riccfjc, bcffcn .t>clbctt[cclc, atä ein
fetiger 2)ämon norfj in ber 2öclt unfid^tbar lüanbcite, bic[c 33e!^aup=
tung Iä[e. 3Ba§? roüvbc er [agen, wag ift roo^t einem in bie
©d^Iac^t ^ic^enben gelben natürlicher, alä oerraunbet, getroffen n)er=
ben; fid^ fürd^ten alfo iann er, roenn if)n dn nnoermutl^eter ^feit
trifft; a6er in ber ©c^lad^t frf^reien unb raeinen, ba§ tljut fein
.^omerifcfjer ^elb ber ©riechen; feI6ft fein §elb ber Trojaner, bie
bod§ immer §omer in fleinen ^ügen I^erunter fe^t. ©incm .^eftor''
in feinem ^obe entfinft, felbft 6ci feiner k^kn ftcrbenben Sitte,
feine %i)xäm, fein %on be§ @efd;reie§: ein ©arpebon'' fnirfc^t,
ba er ftirbt, unb je tapferer, rmt fo gefaxter Bei bcm ©c^mcrje.
5Rur bie g^eigen gittern unb meinen unb fd^reien: ?)31jerefle§ , ber
29 feige ^lüd^tling, unb bie meidtjlid^e 23enu§, unb ber ©ifenfreffenbe
^rojanifd^e 9Jiar§. ©o bidfjtet mein §omer.
Unb fo f)ält alfo bie fo einncljmcnbe Se^ingfd^e 33etrad^tung "
über bie ©mpfinbbarfeit ber ©ried^en, unb ben ^ontraft bcrfelben
gegen rof)e Sarbarn, unb feine ^ Europäer nid()t ©tid§? Sie
®mpfinbbarfeit ^um ©d^merjen bei einem förperlid;en ©d^merje
nid^t TOO^f, menigfteng nid^t af§ ^omerifd^er ^elbenjug, ni(^t alf^
gemein, nid^t al§ not^menbigeä Äenn^eid^en ber 9Jlenfd^lid^en
©mpfinbung. ©iebtg aber feine anbre ©mpfinbbarfeit gu ^§ränen,
unb aud^ ^u lauten, ^^u flagcnbcn 2:§ränen, al§ förperlid^er ©c^merj?
D§ne 3"3eifef, unb chen biefc (gmpfinbbarfeit, menn fie ein Sorjug
ber ©ried^en roäre, mad^t ifinen jroar mefjr @§re; allein bie S(bf)anb=
lung barüber märe offenbar eine Stuäfd^roeifung oon bem ©a|e, ben
§r. S. glaubt erroiefen ju fjaben,"* „ba^ bas ©d^reien,'' bei ©mpfin*
„bung förperlic^cn ©d§mer^e§, befonber§ nad§ ber alten ©ried^ifdfjen
„Senfart, gar mo^l mit einer großen ©eele beftel)en fann;'' ein
a) Iliad. X. v. 330. &c. b) Iliad. 77. v. 486.
c) Saof. ^5. 4—9. [377-380] d) 2ad. p. 9.
e) ®a^ §oraec§ gelben nid)t bei anbter (Sele.qeu^eit ba6 ©cf^reien,
ein ta:|3fveg 9viefenmäßige§ @efcf)ret, eigen getrefen, leugne iä) nid;t; wo
gehört ba§ aber ^ie'^er?
1) 2t: feine 2.: tvix feinem (SutD|)äer
22
feltncr Sa^, bcr im erftcn 3t6fc§mtt, and) eben fo [citcn, mit
einer 3lrmee üon roeincnben Reiben, bie iä) im -öomer ntd^t !enne,
ktriefen roirb. * Um alfo boc^ nidjt leer auSjuge^en , taffet un§ 30
Se^ingcn auf feinem SIbroege folgen.
3.
3)ie ©mpfinbbarfcit ber ©riechen ju fanften ^^(jränen, ift gu
fel^r befannt in Steu^erungen , als ba^ man, raie §err Se^ing ein
cin,5elneä 33eifpiel, unb baju au§ einer bloßen S3ermiitt)ung ^ nelj==
men börfte, bie f)ier oielleidjt nic^t bcroeifet, raas fie beraeifen fott.
©ried^en unb ^^rojaner fammlen i^re l^obten. ^eibe »ergießen
Ijei^e ^§ränen; aber ben ^^roianern »erbietet bie^ ^riamus.
Sßarum oerbietet crs i()nen? ©r bcforgt, jagt bie 3)acier, fie
mürben fid; ,5u fef)r crroeirfjen, unb morgen mit roenigerm 5)tut§
an ben Streit geljen. „3A>arum aber, fragt .^err Se^ing, muJ3
„nur '^riamus biefes beforgen? 3)er Sinn bes 2)ic§terö gel)t
„tiefer, ©r miß uns leieren, ba^ nur ber gefittete ©rieche jugleic^
„meinen unb tapfer fepn fönne; inbem ber ungefittetc 3::roianer, um
„es j^u fepn, alte äJtenfc^lidjfeit oorl^er erftiden muffe." Qu Ijart
für bie armen S^rojaner! Äann ^riamus ni^t i§ren 3:§ränen
©in^att t§un mollen, nidjt aus ungefitteter 33ar6arei, fonbern roeil 31
bie 3:§ränen ber 3:roianer, feiner Äinber, frcffenber maren, al§ bie
2^E)ränen ber @ric(^en? S)iefe roaren ätngreifenbc , unb ftritten
um ber Qi)xc raegen; i§nen marbö alfo leichter, neuen Mnti) gu
faffen, unb 2(gamemnon brauchte be^mcgen feine Seforgni^. 2)ie
Slrojaner aber litten: fie maren 2(ngefaIIene, bie nic^t ber ©§re
a) §r. Ätoij '^at, irie (Sr ^onter fennet, ^eßinaen bieü na(^f($reiben
bijrfen: clanior et eiulatus ex Graecoruni opinione nihil detrasit magni-
tudini animi. Homeri heroes clamuntes cadiuit. Sunt qnidem illi
lieroes Homeri natura mortali maiores, sed numquam tarnen etc. Act.
litter. Vol. III. p. 286. b) ^aof. .^. 7. [379]
— ' 23 ^
[o moi]l ai§ bcr ©tc^cr^eit, t[)rcS ScBcng luegcn ftrittcn/ bic
in Scbrärtgm^ füllten, unb ^alh in SSerjiüciflung , eineä Siäuberä
toegen, i^re ^inber unh 5Dlänner üerlieren, cineä 9täu6evg wegen
bie S'^i^^Scn Begraben wußten, ^ter empörten fic§ bic ©mpfin*
bungen bcr 93ebrängtcn, ^ter flofjen Ijci^c ^tiränen ber nmrrcnben
tln[c§ulb. Unb ^riamu§ lie^ fie nidjt meinen! 2öarunx? raeil
er ein ungefitteter 23arbar mar, unb feine Trojaner al§ foldfic
fannte, bie nic^t gugleid; meinen nnb ftrciten fönnten? 2Bie menn
er fie gurüd'gefjalten l)ätk, at§ ein Später feiner wnglücflid^en Stabt,
unb feines UnglürfBringcnbcn ©ol^nS? bamit fie nid^t in einem
©cfjidfale, ba§ if)m fcftft fo ju ^er^en gieng, gar murren ober
ücrjmcifeln möchten? — 3)od^ menn ba§ auc^ nid§t: nod^ finb bic
^Trojaner feine Sappliinber, feine (Sctjt^cn: benn fie meinen ja um
bie 3f)i*isen, unb 5]3riamu§ Bcfürd;tet eben ein ju tueid^eS .^crs;, ju
32 tief einfreffenbe 2;§räncn. ©erabe alfo ba§ ©egentfjcil! — SDocfj
auä foId;en ©eutungen fann man immer mad^en, roa§ man mitt,
unb eine blo^e 2(I(egoric: „ber ©inn be§ ®id^tcr§ get)t tiefer/'
fann unä enblid; fo tief führen, ba^ ber 33oben finft.
SDie ganje Sidjtfunft ber ©riedjcn l§at gu uicl ©puren biefcr
©mpfinbbarfeit i^rer Sf^ation gu ©c^mers unb Slf)räncn, al§ baf3
man b(o^ mutljma^cn börftc, unb fie ift einem großen ^Ijcile nadj
gteic^fam ein ganzer tebenbcr 2f6brud biefeä ©efü^lä, biefcr. meid^cn
©cete. Saffct ung biefen ^§ei[ bic ©legifd^e ^ocfic nennen; aber
niemanb ocrfte^e Ijier unter biefcm 5^amcn jenen f)infenben 2lffen,
ber fid^ nadj unfern meifen Sef)rbü(^ern ber ^oefic blo^ im ©plben^
maag unterfd^ciben foH: fonbern ©Icgie fei mir l^ier bic flagcnbe
Sid^tfunft, bic versus querimoniae nad^ -Öora^, fie mi3gen fid^
finben, roo fie motten, in ßpopee unb Dbe, in ^rauerfpiel, ober
^bpKc; benn jcbe biefcr Gattungen fann @Iegifc§ roerben. ^n
folc^cn: 33erftanbc Ijat bie ©legic ein eignes ©ebiet in ber 3)tenfdj^
lid^en ©eelc, nämlid^ bie ©mpfinbbarfeit be§ ©d^mcrjcg unb bcr
33etrübni^: man fann alfo auä i^r über SSötfer unb ^e^tcn Ijinauä
a) XQeioi avayxaiy, jiqö re ttkiScov xat ttqo yvvaixm'. Iliad. S-, 57.
— ■ 24. ' —
fe^en, unb Ijier ruirb ftc^ buvc^ Sevgleic^ungen aud^ bie ben ©rte^
d§en eigne ©teile finben. ^d§ ftede einige ©cfid^täpunfte ab.
1, 5Kic^t jebeS SSoIf ^at für milbe SSetrübniffe ein Qkiä) 33
§arte§ .^er^ ; bei manchem ^aben felbft bie Etagen eine roI)e SSefttg=
leit, ein §elbenmä^ige§ Traufen, in raeld^eö fie t)erfc^[ungen roer*
ben, unb ein folc§e§ wirb, bei fon[t großen Sid^tern, mit ber
Sprache biefer weichen 2;(}ränen fefir unbelannt fepn fönnen. ©o
bie 3^orbifd§en ©fanbinaüier, bie aud^ bei 2:'rauerfättcn t)om ,§eroi§^
inug gcftält, faum lurje ©eufjer ausfliegen unb — fd^tricgen;
lüenn fie fangen, fo roar i^r ©efang faum bie milbe ©legifd^e
2:;§räne.
3)cr ^önig 3ftegner Sobbrog ftirbt*: er ftirbt unter ben
entfe^Iic^ften ©d^merjen. ©tirbt er in (Elegien? Sä^t er ber
gequälten fterbenben SJtenfd^^eit, bem von feinen ^ötjmn entfernten
bred^enben S^aterljerje fein 9ted§t roieberfa!§ren? ©ine einzige meiere
2^§ränc l^ätte ben Dlac^folger Dbing entn)cil)et. ©r ftirbt im
5lriumpl)§Iiebe , im 3tnbenfen an feine 2;§aten, voll .^elbenfreube,
üoll Sftad^e, üoll DJZut^, coli §immlifd)er Hoffnung. „9Bir Ijaben
„mit ©äbelftreic^en gefod^ten, fo enbet fein ©efang, o müßten
„meine B'ö^m bie plagen, bie ic^ erbulbc; müßten fie, ba^ gif-
„tige 9kttern mir ben S3ufen jerfleifcfjen — mie heftig mürben fie
„fid^ nad^ graufamen ©d^lad^ten fernen! 3)enn bie SJ^utter, bie
„id§ i^nen gab, ^at i§nen ein 3)Mnnlid^eg ^erj §interlaffen.
„2Btr l)aben mit ©abelftreid^en gefod^ten; boc§ je^t — na|et 34
„fi(^ mein le|ter 2lugenblidl. S3alb mirb ba§ ©d^mert meiner
„©ötjue in§ 33lut be§ ©Ha getaucht fepn: il)r 3o^i^ w)irb entflam==
„men, unb biefe mutljige ^ugenb bie 9tul)e nid^t weiter bulben.
„3Sir l)aben mit ©äbelftreirf;en gefod^ten in ein unb fünfzig
„©d^lad^ten, roo bie ?5^a!^nen flogen. 33ün meiner ^ugenb an
„lernte id^, bie ©pi|en ber Sanken mit Slute färben, unb nie
„^ätte id§ einen tapferem ^ijnig, al§ id^ bin, ^u finben geglaubt.
„ — Stbcr e§ ift S^it, aufguljören: Dbin f enbet fdfjon bie @öttin=
a) 2)Met§ ®i\ä)\d)U bon 2)ämient. X^. 1. p. 112. 113.
— . 25 ^ —
,,ncn, inid^ in [einen ^attaft gu füfircn. ®a lücvbe iä) auf bem
„erljaBen[tcn $la^e fi|cnb ^icr mit bcn ©öttcrn tvin!en. S)ie
„©tunbcn meines 2eb<:n§ finb »erfloffen, idj ftevbc Iäd)clnb! — "
S)a§ beftc S3eifpiel ju ^errn Se^ingS Scmcil'ung über ben garten
9torbifd;en §elbenmut§.
©in anbereä au§ einer ber beftcn Mtifc^en ©d^riften^ unfrcr
Sät. Slpiern $vube, ber §elbcnmütf)igc Säne, in ben ^änbcn
feincä g^cinbeS, ber mit langfamcr 2But^ in feinen (Singeioeiben
lüüljlet — TOepiaget er , f cufget er ? @r benft an feine 3Jlutter, an
atte g^reuben feiner ^ugenb, unb feineä SRännlic^en Stiterä; er
35 fü^tt feine ganje ^^in, aber al§ .^elb: fo ftirbt er. — ©o ftirbt
ber ©äümauE^ an feinem SJiarterpfal. g^rcunb, unb 33aterlanb,
.f^inber unb 9Jlutter, atteä, mag i()m auf feiner Sßclt ba§ liebftc ift,
ruffet er in feinem ©terbcgefange; aber, um über fie ju roeinen,
um ben ^oK ber 9)Zenf(j§Iid)!eit gu entrid^ten? ©ine einzige raeid^e
2;f)ränc mürbe bcn .gietben, fein ganjeä ©efc^Iec^t, unb feinen g^reunb
unb fein S5ater(anb entefiren. ^etn 2ldj alfo entmifd^t i!^m, felbft
unter ben graufamften ©d^mergen: gefenget unb gebrannt fingt er
feinen SRartcrgefang. ©r roirb gum befto langfamern 5lobe log*
gebunben, unb — raud§t mit ©d^erg unb ©pott feine pfeife
S^oba! mit anbern: bie 9JJartcrn fangen miebcr an; er fpottet,
fd^meigt, tüirb i§r Seigrer in neuen Qualen, fingt unh ftirbt im
S^riump^e. ©o ber ©gfimauj:!
9Ö0 atfo ba§ ^erj eineg 33oIfeg i^iefelftein ift: ba fdjliigt ber
^eftigfte ©(^merg, er treffe nun Seib ober ©eele, nid^tä alä ^eroifd^e
3^un!cn; benn mo^er foHte beut ^iefelftcin eine garte ©legifdjc
2;ijräne t'ommen? 2)er ^elbenmutl), bie Siebe ^mn S^aterlanbc,
unb jum 9iuJ)me feines ©tammeä, baä §eroifd§e 33ünbni^ mit
feinem g^rcunbe, ber fein Skdjengel fepn foK: bie gange 33ilbung
einer roljen unb ftarlen 9iatur gum unerfd^ütterten 9Zad^foIgcr Dbins
unb anberer 2:I)ränenlofen gelben, bie ifirem 3]oI!, ifjrer 9iepublid,
a) «riefe üfeer bie äßevtoürb. ber Sitterat. [2:^. I.] p. 112. 113.
b) ©efdjicf^te bon 3tmerifa, 2^. I. p. 404.
^ 26 —
eben beit ©cift bcr 3^apferfctt einflößen — bic^ alles betäubte 36
5[Renfrf)l{(^f'eit unb @efü^( unb ^^rärten.
2. yiun la^t btefen §elbenmut§, btc[e Siebe jum SSaterlanbe,
unb gum S^ufime feineä Stammeä, bie^ ©efiil^I für g^reunbji^aft,
itnb bte unüer^üllte Offenheit ber ©eele — laf,t biefc eble unb
gro^e ©efinnungen fic^ alte o^ne fotd^e S^erfd^an^ung unb SSer^
t)ärtung äußern : bie größte ^apferfett rairb fic^ alsbcnn immer at§
bie cmpfinbbarfte 3[Renf(^t)cit jctgcn. „9lac^ it)rcn ST^aten raerben
„folc^e Seute ©ef^öpfe ^ötjercr 2Irt fcrin; nac§ i^ren ©mpfinbungen
„9Jien[c^en/'i
Unb fottte e§ nur unter ben ©riechen biefe 3)oppcIgefc^öpfc
f)öl^erer Slrt, biefe ^clbcnmenfrfjen , biefe ©emonen gegeben !^a6en?
Unb unfre Ureltern icären Sarbarn, unb alte 3iorbifc^c 93arbarn
in biefem Stüd Unmenfc^cn gcroefcn? 3J^enf(^Ii(^e§ ©efü^I mu^ jebem
einiDo^nen, ber ein 9)^enfc^ ift; e§ mu^, roo e§ erftiift, roo e§ in
ro§e 2:;apferfeit Derfd^tungen rüerben fott, crft üon taufenb S3ci*
fpieten, von einem großen unter einer 5^ation lebenben 3]orbiIbe,
von bem ganzen ©eiftc be§ 3]oIfg, unb burc^ alte ©inbrücfe ber
(Srjie^ung üon ^ugenb auf geroaltig bcftürmt, unb batjin enbtii^
gcriffen merben, ba^ e§ mit biefen Seifpiclen metteifre, ba^ cg
biefem großen ^ßorbilbe, ba§ ben ©eift biefes 3]oIfg beftimmct,
folge. 2Ö0 bieg nic^t ift: ba mirb fic^ bie unücr^ültte Duitur jeigen;
bie ©mpfinbungen ber 5)icnfc§t)eit raerben fid^ in ein ^etbengeroanb 37
Reiben, unb ber (Sinn bes gelben fid§ miebcrum ber 3)tenfcf)Iic§cn
5t;§räne nid;t f(^ämen — eg fei unter einem S?oI!c, rao cS röoltc!
Unb mie ? wenn mir ein foId^eS 93otf aud^ mitten unter ^Zor-
bifd^cn ©ebirgen; mitten unter S3arbarn, fclbft unter bem ^^^amen
eines Sarbarifd^cn S3o(fä begriffen, unb mit nid^tä alä Kriegen
befd(;äftigt , auffänben? unb rocld^cg boc^ gleid^ fern üon ©ried^en=
lanb, al§ üon feinen Sitten, alle bie ?3^mf(^tid^e ©mpfinbbarfcit
geigte, bie !aum ein ©ried^e gegeigt l)at — bliebe ba nodf; ber
®egenfa| fo gang oeft: „Unfere 3iorbifd^e^ Uraltem roaren Sar-
1) 2: finb e§ ©efc^öpfe . . . »a^re 2«enf^en. [378]
2) ?: Unfere Uvättern. [378]
— 27 ^
„Baren. 3(IIc S(j^tncr,^cn ocrkn^crt, bcm Streiche be§ ^obc§ mit
„urtücnnanbtcin 3luge entgegen feljen, roebcr 'jcixK ©ünbc no(^ ben
„SSerluft fcineg Kebften ^^reunbeg bcmeincn, [titb 3"SC be§ alten
„^'^orbifc^en §elbenmutl)§. '?Riä)t \o ber ®ried§e!"* 2öenn tc^
nun E)ier einfiele unb fortfü()re: „'^i^t fo ber <Bd)otk, ber (Seite,
ber ^re!^ er äußerte \^inQ Sd^merjcn xtnb Kummer; er [c^ämte
fid§ feiner ber 9Jten[c^Ii(^en ©d^road^tjettcn; feine mu^te i§n aber
auf bem Sßege jur @§re, unb oon ©rfülfung feiner ^flidjt jurürf^
(galten." @o ^tte id^ für meine SBarbarn atteS gcfagt, mag S.
üon feinen ©ried^en, im ßontraft mit ben S^orbifd^en 33arbarn, unb
bod§ für meine 5Rorbifc^e 33arbarn noc^ nid§t gnug.
38 Qd^ fenne fein ^oetif(^e§ 33oIf ber @rbe, mcld^c§ gro^e unb
fanfte (Smpfinbungcn , fo fe^r in (Sine ©efinnung Dcrbunbcn, unb
in ©iner ©eelc ben §eroigmu§ be§ gelben = unb ^Jtenfd^engefüfilg
fo ganj gcljabt §ätte, al§ bie — alten ©c^otten, na<i) 'lOiaaggabe
tl)rcr ie|t aufgefunbnen (S5efänge. @ine fidlere SJiaaSgabc, ba bie
Hrfprünglid^fcit biefer Sieber beraiefen, unb ba§ ganjc Seben ber
9Jation befannt ift, alä ein Seben, baä unter ST^atcn, (Smpfinbun^
gen unb ©efängen ücrftridf;, unb mo bie (53eftinge eben ^u nid^tä
beftimmt roaren, alg biefe %l}atm unb (Jtnpfinbungen ju »er-
eroigen. S)ie§ alfo uorau§gefe|t : unb in jebem 93arbenliebe jeigt
fid^ ein 2?o(f, beffen ©eele ganj ber ^apf erfeit unb einer feierlichen
Siebe ftammetc; ein SSolf, beffen Senfart übcrfiaupt üon einem
^elbenernft eine geroiffc 5)ieIan(^oIifd^e %axhz crfialten, unb biefe
aud^ auf feine rocid^en (Smpfinbungen verbreitete. S)ic meiften
(Stücfe ber ^crfifd^en Sidfjtfunft fann id^ nidf)t beffer, al§ feicr^
Iid§c 2:;rauergefänge nennen, an bie nid§t§ im 31 (tcrtf)ume , unb
roa§ biefe ©eitc be§ (SJefüfjfg betriff, felbft nid^tS im (5)rted^tfcf)cn
2(ltertf)umc rcidijt.
©d^ilricf'' fc^eibet üon feiner geliebten S^inwefa: fern rocg, fern
rocg in g^ingalä Kriege: er oerlä^t fie: fie bleibt attein: er mirb
a) 2ao!. p. 5. [378]
b) gtagmeute ber alten §oc^fd)ottt. 2)i($tf. p. 1.
1) 'ä.: Srre
-^ 28 . —
otettetd^t fallen; aber 3]inoe[a wirb fein gebenfcn. ^ä) fenne fein 39
(Btüä, ba§ an ©ü^igfeit bcr Siebe, unb an (Sntfd^loffenfjeit beä
(Sd^eibenben einen folc^en 2(6fc^ieb, graoer fo eblen unb fo füt)I=
baren ^erfonen, mit fünf SBorlen beä S)iaIog§ fo rüf)renb befänge.
^c§ neunte Se^ingen feine 3Borte auf bie ©riechen: „§ier ber
„©c^otte! @r füljlte unb furchte fid^; er äußerte feine ©d^merjen
,,unb feinen Kummer: er fc^ämte fic^ feiner feiner nienfdjlic^en
„©c^road^^eiten; feine inu^te U)n aber auf bem $ffiege nac^ @§re,
„unb von ©rfüttung feiner -^flic^t jurüc^lalten/'' Unb biefer
©d^otte loar ein Sarbar üon einem 9florbifc^en ©ebirge.
©d^ilricf trauret um feine entfernte 93inüela:^ fie crf(^eint,
fie fprid^t im faufenben Saftigen: „^cf; ^örte von beinern %o^t:
,,iä) fjörte unb trauerte um bid^, ©c^ilricf. 3]or @ram um bidf;
„gab id^ ben @eift auf. ©d^ilricf, id^ liege erblaßt im @rabe."
©ie f(ief)t, fie fcitjrt baüon, roie ber graue 9tebel im Söinbe. ©c^il-
ridf' flagt fie: bie fanftefte, feicriidjfte ßtegie ber Siebe! — dlux
ein ©c^otte, mürbe id^ im Se^ingfd^en Gnt§ufia§muä fagen, nur
ein ©d^otte fann gugkid^ meinen unb tapfer fepn!"
9Ba§ ge§t über ba§ ©ebid^t: Solma/ ßomala:^ an 9Baf)rf)eit
unb (Einfalt, an ©ü^igfeit unb ^o^eit, an ©tärfe unb ^ßrt^eit bcr
©ebanfen, ber ©mpfinbungen, bes SXusbrudä, an ^n^att unb @itt=
fleibung,; mag ge^t an allem biefem über bie ©legifd^en Siebesgefänge 40
biefer 9btion, bie fic§ burc| nic^tä, alg an Sarbenliebern voll tra=
gifd^er ^elbentfiaten unb oott tragifc^er .^elbenlicbe ergö^ten? 9]i(^t§,
f efbft au§ bem ©ried^if d^en Sllterttjume nichts ! 3)ie Siebe ber ©ried^en,
i§re fanften ©mpfinbungcn unb klagen, finb roeic^er unb 2ßortftrö=
menb, mznn ic^ fie mit biefen 33arbarn uerglcii^c, bei benen bie
a) @6enbaf. p. 4. b) (gßenbaf. p. 81.
1) <Sotma, aüeiu, bevtafsen auf bem §ügel ber ©türme, in ber
feierti(^ften 9lad}t[cene, erwartet, t^ertanget, ruft i^ren ©etiebten; ac^! ba
liegen auf ber §eibe il^r ©eliebter unb t'^r S3ruber — tobt, erfdjtagen: fie
toe^Kagt beibe — o bie füßefte ©timme beS £rauren§. — Sag ge^t über
ba§ Sramattfc^e (Sebtc^t Somak. (Slb^anbtung über bie (älegie im 3»citen
©tücf beS „Xox\o." mic. 23gt. I, @. XXXIH; II, 310.)
— ' 29 > —
Sie6c in ftoljeiv in $clbcnftoI,^cr ©cctc roo^ntc, firf; ju einer fanftcn
Sc^raärmerei, ^u einer erhabnen ^elben^ärtlid^feit ^ob, unb aud^ in
ben ©kgicn bcr Siebe burd^ gro^e ©cfinnungcn rüfiret, itnb bezaubert.
2)ic geraäfjcrten klagen unfrer (Slcgiften crmüben wein D^r; aber
bort, in biefem feierlichen 2Utert!^untc, bort tönet eine 9)teIanci§o(ie ber
Siebe, bie un§ lehret, ba^ „tticf)t blo§ ber gefittete ©ried^e jugleid)
TOeinen unb tapfer fepn fönnc," ber barbarifc^c ©djotte fönne e§
bcffer.
SSieHcic^t aber raar bieg nur fo .mit ©iner ©mpfinbung bcr
SRcnf djlid^feit , inbc^ alle anbre oon ^apfcrfeit crfticft werben
muj3ten? SBie !ann bod) ©ine ©tatt finben, o§ne gugicid; SlEcn
S^aum gu madjcn? ©ie @Iegifd;e (Stimme bcr ©d^ottcn ift in bcr
SSater* in ber ©efd;[ed^t§(icbc eben fo fü^ unb tapfer, al§ in ber
SSeiberlicbc. SRan raci^, mag in ben alten Reiten bcr 3^u^m be§
©tammcg galt : eine ©mpfinbung, bic big auf ben bummen Sl§nen=
41 ftolj aug ben ©celcn unfcrcr 3citcn raeggcfd^memmt ju fepn fd^cinet.
2Bo fliegen cblcrc 2::l)ränen, alg menn bcr ©o§n g^ingalg, Dffian,''
bag Slnbenfen feiner ©ölinc unb fcincg SSaterg, i^rer 3;i)atcn unb
il)reg ^obeg erncuret — mo finb cblcrc 3:;l)räncn, alg bicfe auf
ben Sßangcn beg ©rcifeg, ber „gleid; einer alten ®ic§c bafte^t:
aber ber Sranb l)at meine 3ii^e^9ß röcggc^ucn, unb ic§ h^bz bei
ben g^Iügeln beg 3^orbg. Sltlein, allein fott ic§ an meinem Drte
ju ©taube merbcn." ©o flogt bcr tapfere Dffian, unb fo lii^t bcr-
felbe ben SCrnim, fo ben graul)aarigcn (Sarrril f lagen: fo flagen
bic gelben, bie 3Säter il^rcr ©tämmc. 2llle ©mpfinbungen bcr
gelben unb ber 9}ienfc^en, 5. ®. SSaterlanbS- unb ©efc^led^tcr *
g-rcunbeg' unb 9Beiber= unb 53tenfd§enlicbc — attc leben in ^m
©ebid^ten bicfeg 3Sol!§, rote in Slbbrüdcn il)rcr ©ccle.
Unb fo roar eg roo^ nic§t ber ©ricd^c allein, bcr sugleid^
rocinen unb tapfer fcpn fonntc.'' ©0 mar nic^t jcber, bcr 95arbar
l)ei^t, ber in einem raupen Glima roo§nte, unb bie Sitbung bcr
©ricd^en nic^t fanntc, oon ber 2lrt, „ba^ er, um tapfer ju fcpn,
a) (S6en baf. p. 17. 21 u. f. b) ?aof. p. 7 [379].
— . 30 . —
„alle 9}ten[d^nc^!eit erftirfen inü^te." ©o lag c§ al\o mo^l nidjt
an bei* 9tationaI'©eele, am ^Temperament, am Slima, am @e[tttet=
fepn ber ©ricd^cn, roenn fie betbeg üerbanben: Unb fo muffen alfo
anbre ©rünbe fegn,- tk biefe 5Jttf(^ung von §elbcntl)um unb 42
9Jtenfc^(icI)!eit bei i^nen unb kn ben SBarbarn ^eroorbrad^ten, ober
nic^t ^erüorBrad^ten. ©ottten iing biefe ©rünbe nidjt auf ben
2Beg bringen : raorinn unb moficr au($ bie ©riedjen fo empfinbbar
geraef en ?
4.
1. SBenn e§ eine 3eit QkU, ba bag SÖort ä>aterlanb nod)
nid^t ein leerer ©c§all ift, fonbern
ein ©ilberton bem D'i)X
Sirfjt bem 3?erftanb unb §o§er %luq, jum 2)enfen,
Sem ^erjen grofj ©efüfjl — ■
fo mu| ber 9lame SBaterlanb fo gut ben 2)ic^ter gum gelben, alg
ben gelben gum Siebter, unb beibc ju 3::^cilnef)menben ©binnen
if)re§ 3]ater(anbe§ machen. 3Der |)elb roirb bafür ftrciten, ber
®i(^ter fingen, unb roenn fie beibe e'3 nidjt mcl^r retten fönnen,
beibc nod; alä ©öl;ne barum meinen: unb ift nun Siebter unb
§elb, unb ©o^n be§ 33ater(anbcS ©ine ^erfon — fo ift bicä bie ^^^it
ber ^atriotifc^en Klagclieber. 9Zid§t aug einer fid§ übenben
©d;ulfcber; au§ bem ootten ^erjen merben biefe fliegen; nid;t bloä
auf bent Rapier, fonbern im ©ebcid^tnifj, in ber ©ecle leben; bie
©tinnne ber Ueberlieferung roirb fie aufbel)alten, ber 33lunb beg
33o(fä fie fingen: fie werben 3:;f)ränen unb 3:t;aten roeden: ein
©d)a^ be§ SSatertanbeä , unb bag @efüf)l, ba§ fie befingen unb
mirfen , @efü§I be§ '^SolU , S^ationalgeift. @§ rairb alfo (Sine 43
©mpfinbung beg ^atriotiämug fct)n, bie je^t ju 3:^§aten, je^t ju
©efängen, jc^t gu 3:;i;ränen für§ S^aterlanb gebei^et, nadjbcm bie
StuSbilbung beffelben bie ©mpfinbung ba ober bort^in lentet : unb
feinen Stbfenfer berjoloen erftidet. 23ei ben ©canbinaüiern erflidte
— c 31 = —
bag Scifptcl Dbin§ btc eine 2lrt be§ SlugBiitd^g, bie ^elbetit^räne,
um bie anbre um \o md)x ju t)erftär!en: ^elbentf)atcn.
'?flun aber änbere man biefen ©eift ber ^eit- i'ic ganje SBcIt
merbe ba§ Sanb beö Söeifen, ober beg tauglid^en unb angeneljmen
Starren; allmälic^ racrben fid^ bie S3anbe fi^raäd^en, bie baö .^erg
be§ ©ingebo^rnen an ben S3oben ber 5Zatur hefteten; i()m mirb
alfo aud^ bag XXnglücf, ober bie Entfernung [eineä Saterknbeä
nidjt me§r fo ^u ©emüt^e bringen : unb fo ift aud^ bie eble ^t}räne
um ba§ SBatertanb ücrfiegt, bie bort ben gelben unb ben 2Bei[en
nid^t verunzierte, fonbern eierte. ^ <Bk rcirb !)öc§ften§ ber eigen*
nü^igen ober üppigen ^^räne 9iaum mad^en, bie ein Düib mitten
in feinem traurigen ©efc^roä^, ober Sujsi - 9ta6utin in feinem
ädjjenben Unfinn, nad§ einem roo^Ilüftigen .§ofe fliegen lä^t. Unb
fo ift dm Duette biefeö §elbengefü()lg auggetrocfnet : „bie S3i(=
bung, bie @rgie{)ung für ba§ 3SaterIanb." »
2. SSenn nod§ ein jebe§ ©efd^lec^t, eine jebe g^amilie, un^cr*
44 trennt unb @in§ im ©an^cn, einen Saum bilbet, mo bie ^^eige
unb ^rüdfjte bem ©tamme jur @§re gereicfjen, unb burd^ ba§
Slbrei^en berfelBen ber ©tamm felbft rermunbet rairb: roie beben*
tenb finb aläbenn bie ©efü^lüoHcn 3üge .^omerg bei feinen faffen*
ben gelben: „er fiel, ein blüfjcnber Jüngling; ber 9]ater marg
„ nidfjt , ber itjut gum ilriege rietl) ! — er ftammt' aug einem ebeln
„ @ef cljlecfjtc ; mit feinem 3:^obe aber ift bieg geenbigt — er mar
„aug fernem Sanbe gefommen; nie aber wirb er in baffelbe rütf-
„ teuren — bie (Sö§ne beg Steid^en fielen ; ber Später ^t attcg für
„3^rembc gefammlet." "^n biefe äöelt alfo gef)ören bie ^elbentlagen
beg ^riamug um feinen §e!tor, ben 'Sini)\n feineg ©efdfjtet^tg, bie
5DIauer üon 3::roia: in biefe Sßelt bie Etagen D^iang, um feine
abgefd^iebenen ©öiine; bie ganje rüljrcnbe Umarmung ^eftorg an
feinen deinen 2(ftijanai-: bie ÄTagen ber ©leftra unb anbrer tra*
gifi^en §elbinnen, ber rüf^rcnbe Eingang ber 3)torgenIänber gu
l) S)ie Stagcn ^attevg unb ticifts Kevinen fidj in biefe gtücflic^e
Beitcn. (3lb(;aub(uiig über bie (S(cgie).
^^ 32 ^
ifirctt 3Sätcrn u. f. ra* eine 3lber bc§ @efül)lg, bie bic Beftert
Sichtungen unb @ef($tc^te, nic^t blo§ bcr ©riedjen, fonbern aHer
SSölfer burd;ftröint, bei benen bxefe ©inigfeit ber ®efc§Ied§ter , bieg
^amtltengefü^I lebte.
^'tun erftid'e man aber baffelbe : man ge^e über bie natürlichen
33ebürfniffc ber nnoerborbnen ^ 5[Rcn[(^Itd§en ©eetc xinb ber ein*
fad^ern SebenSart ^inau§: man mad^e bie ®^e^ gu einem 2öirt^=
f(^aft§rerglei(^, gu einem ©tanbe ber SJiobe, unb ©geteilte gu nichts, 45
aU einanber läftigen ober ^cit!ür§enben ^serfonen : man erjiel^e bie
S3rüber, ba^ fie fi^on an ben S3rüften einer ^rembcn nidjt mefir
trüber finb, unb anraac^fcnb immer frember werben: man fnüpfe
^erfonen, bie fc^on am ^od^jcittagc getrennt, unb lege .»^inber in
iJ)re 2trme, bic blo§ i^ren S^Zamen fjabcn börfen — freilid^ fo rairb
eine ^^eroe bc§ @efü^I§ getöbtet: e§ erlifd^t ber @[)renname:
„ 2l(^ittc§ mar ein ©of)n ^eleu§ '' aKmälic^ : bie ©el)nfudjt be§
IXtpffeS §u feiner alten ^enclope, unb feinem fteinigtcn ^tl)a!a
*) [2Inmer!uttg au8 bcr SIB'^anbtung üBer bie ©legte: üBer 9Konta=
naBBi'8 2;tauergebt^t auf feine Sytutter]. SÖtontanaBBt, ber einsige
®o^n (ein (Sf^rcnname ber StraBer) feiner ©roßmutter: toon i^r gelieBt afö
ber Sieft feines ©tammeg, toon i'^r geeiert, aU ber ^oetifc^e 9tul^m feines
®efc^le(i}t8 iiwd neue Bei ben StraBern fel^r ^o^c Sitet) biefer @ol^n reifet
auf fein ®IM, um bie ©tiijjc il^veS SItterS fe^n ju fönnen: unb lüirb burcB
feine SIBtnefen'^eit i^r — SOiötber. (Sr '^ört bon i:^rem Eobe, ben er ber=
urfac^te, bem er nid;t Beifei^n fonnte, ber für i^n burd) fo toiete fteine
5Bejeugungen ber 3«rtlic^feit fo rü^renb ift — (Sr tüieber^ott btefe Heine
SieBe§=Umftänbe (toie fie j. S. feinen legten Srief em^jfangen) bie i^nt not]^=
lüenbig treuer fei)n ntuften: jebet berfetBen leBt in feiner ©eele: felBft i'^re
SieBe, il^re ©e'^nfud^t, tcirb i^m, ba fie i'^re SD^törberin getrefen, pm 58or=
jDurf: er tüieberl^olt fi(^ biefe Bitter fußen SSorirürfe: un^ufricben mit bem
Sanbe, baS er bertieß, mit ber grembe, bie i^n an fic^ jog, mit ber SBett,
bie i^m bie grembe not^^ig ma($te: unjufrieben mit Stüem finbet er in
nichts 3iu'^e, at§ — ber ©totj feiner 3Säter, ein Svo^ ber SSelt, bie (S'^rc
feiner gamitie p fet)n: ein 2:obtenDt)fer für bie (SrBtaßte SJJutter! —
Selche (Situation! toctdje SearBeitung berfetBen! 2ßie leBt in jebem S,ug,c
ber @tegie ber StraBer! —
1) 9Jifc. ber IBI^anbtung: unberborBnevn 2) 5(: (£t;re.
— . 33 . —
bün!t im§ abent^euerltd^ : ber @efü[;It)otte ©tolg ber 9)JovgcnIänber
auf i§re ©efc^Iec^tSraürbc rüirb tä(^erlt(^ tu unfern 3lugcn, unb
bic Silagen eincS §allcr§, ^lopftocfS, 6ani|, Debcrg, bünlen üielen
artigen ©I^emännern fo ^octifc^, al§ mxc 2lnruffung an bie
gjiufe.
@§ wax eine ^cit (fic ift nod^ je^t unter ben Silben !) ba cä
?5^reunbe gab, in einem SScrftanbe, ber fonft laum ©tatt finbet:
jroci utt^ertrennlid^e ©efä(;rten in (3lüä unb Unglüc!, burd; bie
^eiligften ©efe^e üerbunben, roetteifernb in ben ftrengften ^flic^ten,
unb in (SrfüEung berfclben ^Qhtfter itjrcr 3]aterftabt, unb bic 9Ser=
e^rung beä Sanbeg. Qu biefem ©efiip erlogen, befiegeltcn fie ba§=
felbe alfo oft mit i§rcm 2:;obc unb Slute : fic Dcrlie^en if)ren g^rcunb
nie, auf^ in Se6en§gefat)ren, benen bic bamaligc Slapferteit mel^r
46 al§ unfre Ueppigfcit auggcfc^t mar ; bie lleinftc Untreue gegen i§ren
g^reunb machte fic jum <Spott i^reä @ef(j^Iec^tö, unb jum Slbfd^eu
ber ©tabt; fic roarcn nad^ allen ©efe^cn ücrbunbcn, feinen ^ob
gu rä(^en, unb bie Ie|te Stimme be§ ©inen, üietteidjt gefangenen,
t)iel(ei(j§t getöbtetcn g^rcunbcg mar — an feinen ^reunb, an ben
SSegleitcr feincä Sebcnä. 3^a alfo gab cä einen §er!ule§ unb
^olaug, einen Slcneag unb 2td§atcg, einen DreftcS unb ^r)Iabeg,
einen 3::§efeu§ unb ^irit^ouä, einen 2)at)ib unb i^onat^an: mithin
eine Quelle beg ©cfüpg ber ^^reunbfc^aft für ben Reiben, bic jc^t
für hcn bloßen Bürger unb ©efellfd^after beinahe oerfiegen ift.
S)a alfo, ha floffcn, wenn ber S^ob, menn ein Unglüd bie trcnnetc,
bie ha^ Scbcn nic^t trennen Jonnte, fo cblc §elbentl)ränen , roie^
ber §elb 2((^ille§ um feinen ^atro!lug, mie ein ^plabeg um feinen
Dreftcä, mie ber §elb 2)aoib um feinen ^onatlian meinten.
'^mi laf5t bie 2öelt ju einer folc^en g^reunbfc^aft »crfd^minben:
bie 2(rt be§ Seben§ ma(^e nic^t me^r graeen folc^e Begleiter int
Seben unb S^obe nötl)ig: bag g^cierlicEie bei fold^cn SScrbinbungcn
laffe nad^: ber 33cruf ber 9)Zenf(^en ju 2lrbeitcn, §u Sebengarten
merbe »erfc^iebner unb gleic^fam unftäter : ber 3ii[t'i^^ ^cr S3ürger
1) 3t: bie
§erbev8 iätmiitt. SßJevIe. TU.
— ' B4,
unb SRitBürger ruhiger: jeber ftd^ felBft fein (Bott in ber 9BeIt —
n)0 Tüirb aläbcttn ein ^riegg!^aufen von Siebl^abern, oon männ=
lid^en ©eliebten, ein Söotifc^er lsqoq lo^og nod^ ©tatt finbcn?47
JDer ^vcunb roirb ein ©efettfc^after, unb ein S)ing fet)n, raag man
voiU, nur nic§t, ma§ er in ber 2BeIt ber gelben, unb ber g^reunb-
fc^aftgbünbniffc max, e§ mochte biefe Sßelt übrigens in ©ried^en*
lanb, ober ©rfjotttonb, ober Slmerifa leben. SSerftopft alfo eine
neue Duelle ju ^elbcntliränen, roenigftenS ift ha^i rül^renbfte Silb
^roeener ^reunbe je|t ein ßabinetftütf 6Io§, unb nid^t md)X ein
©c^aufpiel ber 2Belt, roie e^ebem, unb fo anber§, aU 2tc]^ilte§, olg
§elb, nad^ unfern Reiten fepn müfte: fo frembc ift für fie „ber
um feinen ^atroflu§ raeinenbe, unb bi§ jum Unfinn betrübte unb
rafenbe 3^iEeg."
SBenn e§ eine 3cit unb ein Sanb gicbt, ha bie ©d^önl^eit
noc^ me§r Slatur, nod^ minbcr ^u| unb ©c^minfc: ba bie Siebe
nod) nirf)t ©alantcric, unb bie männlid^e ©abe ju gefallen, etraag
me!^r alg 3(rtigfeit ift : ba roirb auc^ bie ©mpfinbung, bie ©prac^c,
unb felbft bie ^^rdnc ber Siebe Söürbe J)aben, unb felbft ba§
2tuge eineg gelben nic^t entel^ren. ^rcilid^ mirb biefer nid^t, raie
^oltipljcm, ber ßpüope Sll^cofritg, elegifircn; aber gerai^ nod^
roeniger ntit bcm ^fiiloftet beä Gl^atcaubrun , unb mit ben oer=
liebten ©ricd^ifc^en gelben ber ^ran^öfifd^en 33üf)ne. S)ie rca^re
©mpfinbung, unb ein männlid^er SBeil^ ^t feine SBürbe unb
§oI)eit, ot)nc biefe »on unge'^curen S^RetapIjcrn, üon galanten SBort-
fpielen , ober oon artigen ©eufjern 3U borgen : unb auc^ §ier fei 48
bie Sicbcgfprad^e ber alten 5. ®. Sc^ottifd^en gelben S3eifpiel. —
©ie Ijanbeln al§ .gelben, unb füllen alg 9!)cenfc§en.
S)a aber freilid^ feine ©mpfinbung fo gern ha§ SReirf; ber
^liantafic ju feinem ©ebiet l^aben mag, als bie Siebe: fo !ann
aud^ feine fo leicht oon ber 2Bürbe .unb 2ßa^rl)cit ab, unb in
$§antafterei unb ©pielroerf l^inein geratf)en, alg biefe: unb alfo,
aus mand^crlci Urfad^cn, jmifd^en ber ^elbcntl^räne ber Siebe, unb
j^mifc^cn ber SSerad^tung nur immer ein fc^maler 9tanb. Unter
allen 53ieufcl;lirf}cn ©c^marfjl)eitcn, bereu ftc^ ein §clb nidfjt fdjiimen
35 ' —
börftc, ift btcfc bic bclifatcftc ; unb ba^ ftc c§ fct), !artn ein großer
%mTpp rcriiebtcr Sioman- iinb 5t:^eatcrl()clben 6cn)ct[cn. — — §{er
tnbcffcn Ratten bic ©ricd^tfd^crt S)td^ter einen jicntlid^en xincrfannten
$8ortE)ciI, nmnlid^ ben Zutritt ju einem if)nen nationetten £te6e§=
reidje roll fe^r ^oetifd^er ^f)antafien, bte fie au§ ntand^er SSer-
legcnl^eit reiften mußten. S)ie Siebc§begekn§eiten iJirer^ @ötter unb
(Göttinnen, ba§ ganje ©cfolge ber 5ßenug, ber ©ratien unb 2(mor§,
l^unbcrt fd^öne unb unterl^altenbe 2(ne!boten au§ ber 3}lt)t{)o(ogte
ber Siebe, gaben il^rer Sprache ber Siebe eine ©ü^igfeit, unb eine
aSürbe, bie unfre ^c^t nur ju oft nac^a^met, um — läi^erlid^ ^u
merben.^ 2Benn in unfern ©tcgien unb Dben ber Slmor mit
feinen ^feiten umherflattert, raenn man ben ©ried^en unb Stömern
49 eine ganje ?iomenflatur oon SiebeäauSbrüdfen abgeborget l§at , unb
biefe enblid^ fo gar in ^Briefe gmifd^en 3)iann§perfonen au§f c!)üttet :
fo verliert fid^ ba§ ©pielroerf oon ber 3Bürbe, i^ roill nic^t fagen,
einer ^elbenfcele, fonbern nur beg gefunben S^erftanbeä üöttig ab,
unb mirb faber Unfinn. Dber raenn enblic!^ gar ber @otI;ifc§e
Slon ber Siebe an§ ben mitlern Reiten ber 9titter unb 9ticfen, mit
ber fü^en 2trtig!eit unfrer Sdkn in @in§ ^ufammen fliegt: fo
rairb atäbenn ber ^ergbrec^enbe ^arentl^^rfug , bie raeinerlidje ©a*
lanterie barau§, üon ber fürroa[)r! ein ©riec^ifd^er ^elb, mit atter
feiner ©mpfinbbarteit für bie ©d^raad§l}eiten 93tenf(^(id§er 9^atur,
eben fo üiel raupte, alg ber raeife ©o!rate§ t)on ber ^lofter^ciligfeit
ber ^apuciner.
1) '&: StcbeSbegeben'^eiten, '^iev
2) [3ufö^ au§ ber Slfe'^anbtung üBer bic (Siegte:] ®ic StraBifc^en
Sie'6e9bi(^ter fc^ivärmten auf bem getbe unge'^cuter, i^iten aber ge»ö^n=
lii^cr ^'^antafien iim'^cr; unb bie ©c^otten 'Ratten iricber ein ©efitbc toon
9iomantif($en Saaten bor fic^ . . . . ®ie Srotifc^en ©efängc ttD:))ftod§ unb
feinet 3'iac^a'^mcr '^aben fid) Bis an ba§ %^ox be§ Orientalifdien ^immclß,
Bis ju ben Opferaltären ber ©t^u^geifter , ja Bt§ na^e pm X^xon ber
Ä'tar'^eit in bic S!)örc :^iramtif(^er greuben cr'^oBen. Unb iücnn unfre ®cut=
f(^cn ber (Einfalt unb 9ktur ber ©cBottifc^en SicBeSgcfänge (bic üBcrtrieBnen
SSergleic^ungcn i'^reg S3ilberarmcn Sanbe§ ncBmc icf; au8) nachfolgen inottten:
jo nüiften njir roenigfieuS" u^nigcr @)>iet»ev! in unfre StcBcScIegien BcEominen.
— . 36 ^-
UeBerl^aupt: ba bie ©cene be§ 3Jien[(^Iic^en Sebeng noc^ me^r
tng offene Sluge fiel: ba bie @efc§äfte ber 2BeIt nod) m.ä)t fo oer^
rairfelt unb fein, aber um fo SSerbienftüoEer für bie 5!Jlenfc§§eit
fepn mochten: ba bie 9^u^bar!eit unb ©efc^irflic^feit unb ^^ugenb
nod^ nid^t in fo frummen Sinien ju bered^nen, fonbern 5[Renf(^U(^
roar: ba gog ba§ 5Jienf(^engefü§t auc^ bie ©emütl^er nod^ mel^r
gufammen; unb bie ©räber ber @uten be§ Sanbeg foberten bie
^:^räne be§ gelben, ©infamer unb me§r gum 2lugenfc§ein roar
ba§ Seben beä anbern, unb feine 5lugcnbcn unb 3Serbienfte an^
olfo treffenber an ha§ §er§, benn ^in §elb, ein ©taatäüuger , ein
3SerbienftooKer , ein 2Beifer, fo vok i§n bie alte S^i foberte, unb 50
bilbete; fonnte bod^ e()er eine ?[Renfd^Ud^e 5l§räne l^eroorlotfen, aU
3. @. ein ©eneral nad§ ber Xattit, ein Mnifter, ein (Sioilift, ein
Sitterator ber neuern 2ße(t, voznn er nichts al§ biefei ift; benn
bei bem ^crluft aEer feiner ©ef^icflic^feiten unb ^ugenben finb
bie roenigften 5[Renf d^Iid^, unb roaä ift im ©tanbe, 5[Renfd^Iid^e
©ntpfinbungen ju erregen, alg — — 9Jtcnfc^§eit. 2öo bleiben
nun bie 9^amen o^ne Sl^aten, bie 9tangfteEen oJine roirÜicpe 3]er=
bienfte, bie Semü^ungen unb 2lemter unfrer ^^it o^ne ©eift unb
2^hm, bie ^Religionen of)ne 9}ienfc§Ii(^e SCugenb — roo bleiben alle
fämtlic^e gelehrte , reid^e , oorne!^me , anbäd^tige 9Zarren unfrer
bürgerlichen unb feinen unb aEerc^riftlic^ften 2öelt, finb bie voo^
einer SJtenfi^Iid^en 2^§räne roertl)?
©nblid^, als man ben magren ©ebraud^ be§ 9)Zenfc§Kd^en
2iibin§, unb ber @tücffelig!eit oielleid^t beffer, obgleich nid^t au§
^prebigten unb 9Jtoraien, tannte, unb baä 2Qhm xm^v geno^, unb
9Jtenfd§Iic^er anroanbte, natürlid^ raaren ba auc§ bie bittern ^i^fäffe
be§ 2di(tn§ rü^renber. SDer STob eines ^ünglingeä, ber fein 2thm
n\d)t genoffen, ber in ber 33lüt|e feiner ^al^re ba§in fäUt, mie ein
junger fc^öner ^appelbaum — ein fol(^er g^all ift bei §omer bie
SSeranlaffung ju Silbern, bie aud§ in bem ^elbenauge eine garte
2:i)rcine ber 3)^enfc^Iic§feit erroerfen fönnen, raeit fie — 9)?enfd^lid^
finb : unb id; raürbe laum eine gute Qbee üon bem Jünglinge 51
en, 'om bei ^onicr biefe 33i(bcr nidf;t rührten. (Sine ^hcn fo
— . 37 —
jatte ©mpfinbung erregt ber ^ob eines 3}knne§, ber fein Seben
nur 'i)alh gebrandet, ber 3. ®. lüie ber $rotefiIau§ Römers {)aI5:=
geenbigte 5)3affäfte ber ^rad^t, ^alb üottenbetc ©ntroürfe beg niänn^
lid^en ©toljeg nac§lie^, ber fid^ 2tntagcn unb @e[d^icfli(^!eiten um=
fonft erraorben, ben ®iana »ergebenä jagen, unb ^alfa§ umfonft
friegen gelefjret: rü^rcnbe SSilber au§ einer SRenfc^Iic^en 3BeIt, in
bie un§ ^omer fo gern cerfe^et, unb in ber freilid^ bie gelben
leben muffen, bie „an %^akn ben ©öttern, unb an ®ntpfinbungen
, „ben 5[Renf($en gtcid^ finb."
3d§ fann meine SJlaterie nid^t rottcnben; aHein gufammen
genommen biefe ©injclnl^eiten , wirb man ein Zeitalter geroal^r, ba
bie .^^l\)in, fo meit fic über bie 9J?enfc§Iid^e ^Mur erhoben fet)n
mögen, boc^ in beut ©efü^Ie ber Setrübni^, unb in ber 2leuBerung
berfelben burc§ Si^I^ränen, berfclben treu bleiben, treuer bleiben, at§
mir, bei benen bieg fanfte @efül)t entraeber crftirft, ober in eine
meibifd^e Ueppigfeit umgcfd^moljen roirb. ^i^^ücf atfo in biefe 2Bett
fe^e id^ mid§, m^nn id§ bie .gelben ^omerg unb bie ©ried^ifd^en
^^ragöbien mit ganzer ©eele füf)len roiH: allein auf ©ried^entanb
möd^te ic^ bie^ ©efü^l nid^t einfd^ränf en : benn rooljin bag befd§rie=
52 bene 3)Zenfd^Ud^e Zeitalter trift, ba aud^ bie^ ©leid^gcmid^t gmifd^en
2;apfer!cit unb @mpfinbung; unb bie^, bünft mic^, ift überatt bag
Zeitalter jmifc^en ber 33arbarci cineg 3>oIfg, unb jmifd^en ber
ja^men ©ittlid^feit, bem ^öflid^cn ©dfjein, in bem mir leben, ^n
biefem ftirbt auf gemiffe 2(rt 3SatcrIanb, @§e,^ ©efdfjled^t, g^reunb
unb 5J^enfd^ ah, unb mithin erftirbt aud^ hierum bag ©efü|l, unb
bie Sleu^erung beffclbcn, bie %^xänQ..
2lber bie ©mpfinbung beg lörperKd^en ©d^merjeg, !ann bie
fid§ änbern? ©in ©d^Iag bleibt ein ©d^lag, 3Bunbe bleibt SBunbe,
eine Dl)rfeige eine Ohrfeige, unb mirb eg, fo lange bie SBcIt fte^t,
bleiben. @g ift alfo nid^t ber nämlid^e %aU biefer mit ben vorigen
©mpfinbungen, unb unfer toeidplid^er 3wftanb ^at oielme^r bag
(Sefül^l ber (Sd^merjen unenblid^, unb oft gum Sßeibifc^en erpliet.
1) 21: e-^re
— 38 ' —
.giternarf) mu^ cg alfo iimgetel;rt fe^n, ba^, tüenn ein ©ned)ifc§er
3:l;efeu§, ^Qxiük§, 5)]f)tIofteteg, einen ©i^merj, eine 3Bunbe einmal
füllet, fo mü^te ein ©ribarit unfver 3eit if)n fieben[ac| füllen, xinb
wenn alfo „bag ©d^reien ber natürlid^e Stusbrutf beg förperli(^en
„ ©d^merjcg, baä Sftec^t ber leibenben Statur, ein S^araftergug ©riec§i=
„fc^er gelben fepn fott/' )o folgt, ba^, roenn jener ©inmal, ber
unfre bei fiebenfac^ ^ heftigerer (Smpfinbung auc^ fie6enfac§ ftärfer
fc§reien börfte unb foßtc, um — ein -gielb beä §omerä gu fegn.
SBie foKtc eä benn nun gefommcn fepn, ba^ „mx feinern 53
„(Europäer einer flügern D^acl^roelt gelernt ^ahm, über unfern
„?[Runb unb älugen ju ^errfd^en, unb un§ alfo fo graufam ba§
„^riüilegium ber leibenben 5Zatur ocrfaget fiaben?" 2öenn mir
bie ©mpfinbungen für SSatcrlanb, ?yreunb, ©eft^lec^t, 3Henf($l)eit
unb roas fep, mithin unter biefen ßmpfinbungen baä raeic^e
©efül)l beg «Sd^mergeg barüber ocrlorcn, unb ben SSerluft, ben
93langet berfelben ntit Slnftanb unb Slrtigfeit überbedt Ijaben, fo
lä^t fic^ bag erklären. 91un aber foll ung am !örperlic^en Si^merj
ein größerer ©rab Don ©mpfinbung beiroo^nen, unb bod^ roeniger,
unenblid^ raeniger S^ec^te ber leibenben 9latur? ^a no(^ bagu,
Toag bei ben |)elbengricd^cn, bei minbcrm Stnlaffe beg ©efü^lg,
ß§rc, ober menigfteng erlaubt mar, follte bei ung SBeid^lic^en
Sd^anbe, unb burd^ ben ävnftanb, ber bod§ menigfteng ben 'Bä)tm
ber ©tärle geben fott, oerboten fet)n? unb §roar alg ein 3^^*^^^
ber ©rf;mäc§e oerboten? — —
Unb bie^ raarc je bei ben ©riechen ein ß^arafterjug ^ome-
rifd^cr gelben gcmefen"? So fenne irf) meinen ^omn nid^t; fo
raiU id^ nic^t meine @ried§cn fenncn. 3Benn ein Slgamcmnon^ in
ber Serfammlung über ben 3]erluft ber ©riechen, an beut er burd§
'i)tn Qani mit Std^iUeg Srfjulb mar, meinet; fo liebe id^ feine 54
^öniglid^en 3äl}ren : fie flicken für Äinber : fie crleid;tern in i§rem
©tromc, ben §omer mit einem 33ad§e ocrglcic^en fann, fein trau=
rigeg üäterlid^eg §erg; biefer Slgamemnon aber bei feiner 3>ermutt=
a) liiad. I. v. 14.
1) 21: fieben'^aft
— ^ 39 . —
bung fc^reic unb I^culc mir nid)t. Söcjin Slc^itteä, üom Slgainem-
non öffcntlirfj beictbigt, feine (S§re fül)lt, unb cor feiner !:IRuttcr
%^Qti§ lüeinet:'' fo fel^e id^ feine 9M)mliebenbe ^l^ränen gern: iä)
roeine mit, mit bem jungen gelben: aber bei einer 3]erit)unbung
roeine unb fc^reie er nid^t, fonft ift er 3lci§iIIe§ nic^t mc^r. Um
feinen g^reunb ^^atro!(u§ ^eulc unb äd^ge unb traure er;^ tcf; füljlc
feine 2;§ränen unb fein ebleg §erj: ic§ tüürbe i!^n nid^t Derel^ren,
roenn er ein ftoifc^er ^elb märe: fo feuf^e Slgamemnon" über
feinen oerrounbeten trüber, unb ^riamuä über feinen erfd^Iagenen
(Sof)n: baä finb Seiben ber ©eele, unb eble 3:;§ränen, mit benen
ja bag ©efd^rei unb bag SBeinen über eine SBunbe nic§t in 33er=
gleid^ fommt. deiner von ben gelben .^omerä fd^reiet unb meinet
über fo etraag, unb fottte e§ lohnen, ben ganzen .^omer ju änbern,
bamit ber Se^ingfd^e ©a| raal^r roerbe: „(So rocit auc^ §omer
„fonft feine gelben über bie menfd^lid^e 9tatur erfiebt; fo treu
„bleiben fie iJ)r boc§ ftetä , wenn e§ auf ba§ @efüJ)I ber ©d^mcr-
55 „^en, roenn e§ auf bie 2(eu^erung biefeg @efül)(§ burc^ ©c^reien,
„ober burc§ ^§ränen ankommt '?"^ ^ä) raoKte, .§r. Se^ing ^ätk
bieg nid§t gefd^rieben.
5.
2t6er ^^i(o!tet? — §r. Se^ing l^at einen grof^cn 2tbf dfjnitt *"
barauf gemanbt, ©opI}o!teö ju oert^eibigen, ba^ er !örperlid§e
©cf^mcrgen auf§ ^T^eater gebrad^t, unb einen gelben in biefem
©d^merje fc^reien laffe. ®ie ganje 3^ert[)eibigung ift t)on ber ©eite
beg S)ramaturgg, unb oerrätf) in ber feinen ?Oianier ber (intvoi<£=^
lung, ben SSerfaffer ber Dramaturgie; ©d^abe aber, ba^ fie gan§
auf unri(^tige SSoraugfe^ung gebauet ift: bei ©op^ofleg ^^iloftet
fet) @efd§rci ber ^auptton beg 2(ugbrucEg feincg ©d^merjeg, unb
alfo bag .^auptmittel, .^^eilneljmung §u mirfen, baö bod; nid^t ift.
a) Iliad. A. v. 349. 357. 360. &c.
h) Iliad. ^. V. 22 &c. »/'•. v. 17. &c. c) Iliad. z/. v. 148.
d) Saof. m- 5- [377] e) ?aof. ^sag. 31. — 49. [393—403]
— ' 40 = —
Unb benn ©c§abe au<^, ba^ fie 6Io§ al§ 3I)ramaturgie, alg Slnlage
jum ®rama abgefaßt ift; intc§ bünft§ beffer, fi(^ ben ®tnbrüc!en
ber SSorftellung ju üBerkfjen, unb nid§t§ alä ^Dramaturg ju re(^t=
fertigen, [onbern al§ ein ©riet^ifd^er ^^[«j^auer auf unoerftellte
@inbrü(fe gu merfen — —
Unb Tt)e(($e§ finb biefe ©inbrücfc o^ngefä^r? '^mn ein
©rie(^i[($e§ Stücf gefrfjtiebcn ift, um t)orgefteIIt, unb nii^t um
gelefen ju raerbcn, fo iftg ^^iloftet: benn bie ganje SSirlung beä
2:;raucr[piel§ beruhet auf bem 2thm ber 33orfteKung. §in alfo 56
mit 2(uge unb ©eift in bie Slt^ienienfifd^e SBü^ne. S)er ©ij^aupta^
öfnet fic§*: ein Ufer o^ne bie ©pur eineg ?UJenfc§en: eine einfame
unbemo^nte ^nfel mitten in ben 2BeIIen beä 5Dteere§: — raie finb
biefe Steif enbe ba^in oerf erlagen? raa§ mirb in biefer müften (Sin=
öbe üorgeljen? — ^ier, ^ören wir, ift 5)3f)iIoftet , ber berühmte
<So'i)n ^öan§: (Slenber ©infamer! ber SRenfc^Kci^en @efettf(|aft
üiJlTig beraubt, f)ier jur eroigen ©infamfeit oerbannct — wie mirb
er feine 2^age Einbringen? — Unb er ift franf — !ranf am ^u^e
mit einem faulcnben ©efd^roüre! — ^toc^ ärmerer ©infiebler! ttjer
tt)irb bid§ ^ier pflegen, bir <Speife fc^affen, bid^ reinigen unb »er-
binbcn? — unb roie bift bu ^ergefommen? ac^! ausgefegt — o^ne
33arm{)er3igfeit, o^ne §ülfc — unb megen cineg SSerbrec^eng, roegen
feines (Eigenfinn§? 9^ein, roegen feineg barmenben ©efd^reieS!
2lc|! bie Unmenfc^en, roas tann ber ^ranfe, ber ©lenbe anberS,
aU roeinen, al§ fc^reien? unb felbft biefe Sinberung i§m nid^t gu
gönnen, biefe fleine Ungemäc^Hd^feit nid^t ju ertragen, i^n au§^
gufe|en! 2öer §at ifin ausgefegt? bie ©ried^en, fein SSolf, feine
©efä^rtcn — oietteid^t gefd^a§e e§ burd^ ©inen 33o§Eaften? 9'iein,
ouf 33cfe!)I ber ©ried^ifd^en §eerfü|rer oom — Ulpffeä felbft.
Unb (Am biefer UIpffe§ fann un§ fo dma§ , fo falt er^ä^len, fo
lau abhxcä)m, er barf nod^ bie ^nfel feigen, er ^t neue 3(nfd^Iäge 57
n)iber if)n — o be§ S3öfen! mer rooltte nid^t mit einem armen,
einfamen, üerlaffenen Traufen, mit bem niemanb SRitleiben gehabt,
a) Sopliocl. Philoct. Act. I.
— 41 —
gegen bcn ^rculofcii ^artf)ci nefimert, bet ein SBerfseug feines
Ungrücfä raar.
9fiun fädt un§ bte 2Bo{)nung be§ ©lenben nä^cr in btc Slugen
— eine unbewohnte .^öle! — ^ft nod^ etraaS ^auägcrätJ) unb
©peife barinn? gertretcncS ©raä — ein eknbeä Sager ber ^|ierc!
— !§ier mu^ ber §elb liegen, o^ne ben ^roja nidit fann erobert
werben: ein 33ed^er »on §oIjc, ctma§ g^euergerätJ) — ift ber ganje
©d§a| be§ J^önigeä — unb o ©otter! ^ier ©itcrooKe Sappen,
beugen [einer ^ranltjeit! — @r ift fort — raie weit fann ber
©lenbe fort ^infen? D^m 3^eifel ntu^te er§ — nad^ ©peife
üießeid^t! üieUeic^t nad^ einem linbernben ^raut! ba^ er§ bod§
fänbe! ba^ ntan i\)n bod§ fä()e! ^nbeffen* ge^t bie ©cene be§
Setrugeä an, ba Utt)ffeg ben 9^eoptolemug fo weit bringt, ba^
biefer gutl^erjige S^teblid^e, ber ©ol^n be§ reb liefen Sld^itteS, einen
^remben, einen ©tenben, mit Sift burd^ Sügen unb 9tänfc gefangen
nehmen fott. ^ä) wei^ eä, ba^ bie ©ried^en, jumal ©opfioüeä,
jene unmoralifd^e Ungeheuer fo Raffet, aU er nur bie 5[RoraIifd)en
l^affen mag, unb ba^ er auf feinem 2:;[)eater nid§t§ aU 5[Renfd^en,
58 roeber (Sngel, nod^ STeufel üorftettet; allein Ulpffeg, mie er ^ier
erfd^eint, ift nid)t bloä ber fd^Iaue, ber oerfd^Iagene Ulpffcg ^omerg:
er ift an SSerfü^rer, ber offenbar ®runbfä|e ber ^^reulofigfeit uer*
rät^, bie atte St^ugenb übern Raufen roerfen, unb pfui beg S3öfe==
wic^tg! bei bem ba§ Saftcr fd^on jur ©prad^e burd^ @ruttbfä|e
geworben. ©opf)o!Ie§ alfo will lieber bie 3Sorwürfe ber ^Worali-
tätä ' gebauten auf fid[; nehmen, bie jeben 2lugfprud^ üon ber Sü^ne
ju einem ©ittenfprud^e beg ^pt^agorag l^aben motten: er matt
feinen UIt)ffeg lieber fdjwär^er, alg er fonft ju malen pflegt — um
ung nur befto me^r für ben armen ^§iIo!tet einjunel^men , ber
oon i^m fjintergangen ift, unb £)intergangen werben fott.
2)er 6^or unb 5teoptolem finb nun" befd^äftigt, biefeg 3}iit*
leib für ^^ilottct tiefer in ung ju prägen; fie wieber^oten bie
vorigen Qammerjüge, üerme^ren fie burd^ 33ermut^ungen unb
a) Stuftr. 2. b) Sluftt. 3.
— 42 . —
ba Iä|t firf; von raeitem ein Sted^gen Ijören! ^a^ eg ein 2(eci^jen
unb fein ©ebrüK fei), jeigt bas betragen 5?coptotem§, ber, über
bem mit feinem Sluftrage beftürjt, nic^t roei^, rao^er e§ fommt?
2)a§ %ii) fommt näljcr, c§ roirb ein SSimmern, zin tiefeä fläglic^eg
%ä) — nun iftä crft oernefjmlid; ! ©ic ^ahen fic§ nid^t geirrt:
^^iloftet mu^ fommen, unb ad) ! ber §irte fommt mit einem 2:;one
ber (Schalmei, unb ^^f;i(oftet mit einem ^one be§ l^ammers — er 59
tritt auf! ober t)ielmef)r er fd^Ieidjt fic^ f)inan, um —
dlun wirb er fic§ mit ©ebrütt auf§ X^eater werfen? ju
fc^reicn anfangen, ba^ $eter ©quenj fagen möi^te: lieber Sörae,
brülle nod^ einmal! 2Ber bod^ ben ^unftric^tern einmal baö
©ebrütt auSreben fönnte, »on bem im ©riec^ifc^en fo mcnig ©pur
ift! ©inen langen Stuf^ug burc^* fpric^t ^^iloftet mit bem ^rem-
"b^n, ot)ne ba^ er an§ ©d^reien gebenft: felbft bag üorfier oon
ferne tönenbe 2tc§ I)at ©opf)ofIeß §intcr ben ©cenen gelaffen.
3)er meife ©opfiofles! mie rairb mid^ ber Wlann roeibifc^ bünfen,
roie roirb mir fein 2(d^! üeräc^tlid^ fepn lönnen, ba^ er nur f)in
ä(^3tc, ba er alkin ju fepn glaubte, bas er cor ben ?^remben
glei(^ oerbirgt, unb im @efprärf}e immer bergen fann. 2)er Seibenbe
ift ein §elb.
Unb für bicfen (S^arafter forgt ©op|ofIe§ genau. (Sr mu^
fid^ erft me^r ^um ^yreunbe unfrer ©eele matten,'' e|e unfer ^ör=
per fi)mpat§ifiren fönnte, unb roie befümmert ift ber 2(rme unt bie
g^remben? 9Zi(^t§ t)crmut§ct er weniger, alg ba^ fie i^m nac^-
ftetteten; ber ©ut^ergige f|äft fie für SSerfdjfagne, für fold^e, bie
feineg 2:^f)ei(ne^menä rocrtl§ roären — ber 5JZcnfc^enfreunb ! @r
fief)t bie ©riec^ifi^en Kleiber; ein böfes ßrinnerungs^eic^en für i§n
an bie treulofen ©riechen; aber bie^ 'i)at er oergeffen. 2Bie roünfc^t 60
er, ba^ fie ©riechen roären: roie »erlangt er, roieber einen ©riec^i-
fd^en Saut gu ^ören! baö ift ein e()rlic^er ©rieche, ber fann
©ried^en intereffiren. — @r f)ört @ricc§ifc§: ber arme ^^f)iIoftet
^t für g^reube aU fein ^eftigeä 2Se§ üergeffen. @r lernt ben
a) mm 2. b) 3tufaug 2. 2(itftt. 1.
— 43 ^-
Boijn Sld^illcä !enneu, bcn ©ofjit fcincä järtlicfjen ^^reunbes: et
TDtrb offner; er erhält iljm feine ©cfdjid)tc, rüljrenb lüte mmn hk
^enia felbft erf(^icne. @r ift ein g^reunb feiner ^rcunbe: bem
tobten 2l(j§illeä opfert er feine 3ä§te ber f^^rcunbf (^aft ; er oergi^t
fid^ felbft, unb feufjet über einen 2::obten, ber glü(flic§er ift, al§ er.
®r ift ein g^reunb feiner ^^^reunbe; ber ©ol)n beg 2(c§i(Ieg fieljt i^n
Ijerglid^en 2tntf)eit an [tc§ nef^men, fclbft ba er if^n l^intergel^t. @r
trauret um ben Xo'o ber gelben, unb no(^ ebler, er trauret Woä
be^roegen, raeil fie braoe Seute finb: bie ^ttd^täroürbigen oerfluc^t
er! SBie fe^r §at ung nun ^tjitoftet für fid§ intereffirt, alä
9)tenf(^enfreunb, alg ein ©rieche mit Seib unb ©eele, aU ein .§elb.
Unb biefer §elb foU fiier, fern von bem 3Betteifer mit anbern
gelben, auf einer rauften ^nfel mobern? ©d§mer5li(^e Slbraefen^
^eit, ba jene X()aten tf)un, ba jene mit Sorbeern ftarben, fo folf
er an einer 2Sunbe äc^jen, bie ja feine §elbenraunbe ift. @r, eine
fo ©riec§ifd}e Seele, mu^ fern von feinem SSatertanbe, fern uon
feinem liebenben 3Sater, ber »ielleic^t fd^on ju ben ©d^atten gegangen,
61 fein 2^hm ücr^e^ren: er ein betrogener 9iebli(^er — — o 5Zeo=
ptolem, bu raillft i§n oerlaffen! o ba^ i()n ^f)iIoftet anflef)ete! @r
t§ut§, unb fo bringenb: er beftürmt fein $er§ üon fo üicien ©eiten,
ba^ bie gürbittc be§ 6^or§: erbarme bic§ feiner! au<i) unfre @in:=
fprac|e rairb. 2Bir ärgern un§ über 9^eoptoIcm, ba^ i^m ber ®!el
feiner 5lran!f)eit nod^ ©inraenbung mac^t, unb tieben il)n, ba er
• e§ i§m »erfpridjt; ©r rairb il^n boc§ nid^t betriegen! fie§e!
raie er if)m flef)te, raie er il)m ban!et, raie er i()n nod^ ^u
guter Se^t in feine §öle labet unb —
9'lun'' fommt ber t)er!(eibete Kaufmann. @r ^ört: „er foff
' ;,nad; Xroja, UlpffeS Ijabe bie^ bem §eere öffentlid^ oerfprod^en,"
unb — ben Kaufmann t)ält er faum feiner 2tntraort raertt). ©ine
einzige ^eroifd^e 3]erraunberung : „©ötter! biefer ©lenbe, biefer
„Xreulofe l}at fd^raören börfen, mid^ ing Sager ju bringen?" »er-
rätf) bie ganje §elbenfeele ^^ilottetä: biefc rebet fort:'' biefe raitt
a) Stufs. 2. Sluftr. 2. b) 2luftr. 3.
— . 44 —
ju ®(^iffe: bicfc reblid^e ©eele glaubt bem 9^eoptoIem, certraut
if)m [eine Söaffen, vertraut fid^ i£)m in feiner J?ran!^eit. SBie
füllte id^ für ^^itoltct! aber für i§n ben ©dfireienben ? ^oä)
nichts ! für i§n, ben gelben, ben ©riechen, ben @bkn — un'ü benn
ben im f)öc|ften ©rabe ©tenben, un)) elenber no(^ baburd^, raaä
man mit iJ)m üor |at. yio^ füllen roir Uo§ mit feiner ©eele
burd^ bie ^fiantafie, unb je^t erft fott bie feltne ©cene ber ^ran!= 62
l^eit !ommen. 3)er ß§or* bereitet auf fie, burd^ ein Sieb auf ben
anwerft ^ammerootten ^§i(oftete§, unb fie fommt.'' ^d^ l^abe fie
üorl^er burd^gcfü^rt unh mag fie nid^t mieber^olen. 9Jiid^ ärgert,
roenn man fie auf ber einen (Seite gu einem bloßen ^etcrgefd^rei
mad^t, un'o auf ber anbern «Seite, roie j. @. Srumoi/ unter ben
löblichen ^ranjofen für nid^tg, al6, einen ^Riegel, ein @inf($iebfel,
ba^ fünf 2lfte ooE merben. 2BeId^ eine (Stille mu^ auf bem
(Sd^aupla|e ju 2lt^en gefierrfc^et ^aben, ba biefer 3lft oorgieng!
S)ie Stuftritte be§ förpertid^cn Seibenä finb üorbci, unb raeiter
barf id^ nid^t. ^d^ fe^re atfo von ber Sü^ne ^u 2(t^en jurüdf,
bat)in roo id^ Se^ingen getaffen — mie fe^r finb mir aber in bem
(Sinbrutfe nerfd^ieben , ben biefeä StüdE mad^en folt. ®iner con
beiben fann nur Siedet tiaben, unb ber anbre t)at fid^ nur nic^t
gnug ibeatifiren tonnen, um nic^t gu tefen, fonbern gu fe^en. 2)a=
mit bie^ mid§ nid§t treffe, mitt ic^ auf guter ^ut fetjn.
^r. Sc^ing mad^t „bie ^bee be§ förpertid^en Sd^merjeä" gur
^auptibec be§ Stüctg,** unb fud^t bie feinen 9Hittct auf,'' tromit
ber 3)ic^ter biefe Qbee gu üerftärfen, ju crmeitern gctou^t tiat.
^d^ gcfte^e e§ , ba^ , wenn bie^ bie ^auptibee ber Stragöbie 63
märe, einige von ^x. 2. angegebene 50iittel menig auf mic^ gemirft
t)ätten. 2)er ©inbrudt be§ törpertid^en «Scfimerjeä ift üiet ju oer-
morren unb törpertid^ gteid^fam, at§ baf er j. @. ber ?^rage ^ta|
lie^e:*' roo fi|t ber ©d^merj? au^en ober innen? mie fielet bie
a) [Slufj. 2.] Stuftr. 3. b) Stttte ©cene. c) Theatre des Grecs,
Tom. 2. p. 89. d) ![!ao!. p. 3. 4. 31. 32. [376 — 7. 392 — 3J.
e) p. 33—49. [394—403]. f) p. 33. 34. [394].
-^ 45 . —
SBunbe auä? raag für ein @ift wirft barirtnen? 2Bäre bie 3Sor=
fteEung beä !örperlic§en ©d^mer^eS fo fd^raac^, um burd^ folc^e
©ac§en oerftärft raerben ju muffen, fo ift bie 2ßir!ung be§ 3:;^ea*
terä oerloJiren: fo iftS Keffer, ba^ x(^ [)inge^e, um bie Söunbe felbft
(s;|irurgif(j^ ju beftd^tigen. Sfiein! %^eatxali'\^ fep bie ^bee be§
©d^mer^eg, unb ic§ mag alfo auc§ nid^tS, al§ 3^!§catralifd^e SSer*
ftärfung — oon fern, auä ben gezogenen 3)linen, auä 2:;önen beg
^ammerg, voill iä), menn ©rfjmerj bie ^auptibee beg ©tücfg ift,
i§n fennen lernen, unb benn iftg mir roo^l beinal^e gteid^', morübcr
man fc^reie, unb fid§ geberbe? ob über einen lahmen %u^, ober über
eine SBunbe im ^nnern ber S3ruft. SDer ^unftric^ter verliert atteg,
raenn er aug ber 5t:^eatralifd^en Slnfc^auung meid^et, unb ung gur
SSerftärfung, jur ©laubraürbigfeit berfetben ben Sttteft eineg äßunb*
arjteg geben tie^e — — mag eg für eine ^ran!§eit, ha^ eg eine
n)ir!Kd§e SSunbe, ba^ eg ein ©ift fet), bag rool^l fo t)iel ©d^mergen
erregen f önne. ©opt)ofIeg !§abe fo etroag überbad^t , ober nid^t
64 überbad^t : gnug, menn fo etmag auf mid^ mirfen muffe, um meine
Qbee rom ©d^merge ^u oerftärfen — Sebe rooJ)!, St^^eater! fo bin
id^ in ber Sajaret^ftube.
2:;]§eatralifd^e 9tüJ)rung alfo! unb moburd^ !ann ic§, menn bie
^auptibee beg ©tücfg förperlid^er ©c^merj ift, gerü^ret werben?
metd^eg finb atgbenn bie ^auptmittel gur ©rregung ber ©pmpat^ie?
^d^ roei^ nid^tg anberg, alg bie gemö^nlid^en 2leu^erungen, ©efd^rei,
SL^ränen unb ^üdfungen: biefe giebt audC; §r. Se^ing" bafür aug,
unb giebt fid^ oicle 5[Rüf)e,*' bei i^nen ben nic^t beleibigten 2lnftanb, unb
i§re entfd^iebne 2Bir!ung gu erüären. ®ut alfo! aber, menn bag
Sßimmern, bag ©d^reien, bie grä^Iid^ften ^ürfungen, bag TlitUl,
bag ^auptmittel finb, mir bie ^bee beg lörperlic^en ©d^mer^eg
einjupflanjen, unb mein ,§erg gu treffen: mag !ann benn bie befte
Sßirfung biefeg treffenben ©d^Iageg fepn? ?l3lit lorperlid^em
©d^merje !ann i<^ nid^t anberg, alg forperlic^, fijmpat^ifiren : b. i.
meine gibern fommen burd§ bie 2;t)eilnef)mung in eine äfinlid^e
a) p. 3. 3-2. 34. [376 — 7. 393. 394]. h) p. 41—49. [398 — 403].
— ^ 46 —
(Spannung be§ «Sd^merjeS, iä) leibe förperltc^ mit. Bnb roäre bte^
3Jiitleib angcnef)m? SZtc^tg rocmger, bag ^etergefd^rei, bie 3udfnng
fäl^rt mir burd^ alte ©lieber, ic^ fül)le fie feI6ft; bie nämlid^en con=
üulfiüifd^en Bewegungen metben fi(^ bei mir, mie bei einer gleic^-
gefpannten ©aite. Dh bet in 3w(^wng liegenbe, roinfelnbe 3)iann
^^iloftet fer), geljt mid^ nic^t an : er ift ein 'Xijkx, vok iä) : er ift 65
ein 5Renfd^ : ber 90^en[d^Ii(^c ©d^nterg erfd^üttert mein S^errengebäube,
roie menn id§ ein fterbcnbcS 3::^ier, einen röcfjelnben 3:^obten, ein
gemartertes SBefcn fe^e, ba§ roie iä) füllet. Unb roo ift nun biefer
©inbrudf auä) nur im fteinftcn ?Dtaa^e uergnügcnb, angenehm?
@r ift peinlich, fd^on bei beut 3Inblidfe, bei ber S^orftettung, gang
peinlich- §icr ift im 3lugenblidfe be§ @inbrucfe§ an himn fünft-
lid^en 33etrug, an fein S^ergnügen ber ©inbitbungöfraft ju gebenfen :
bie 9Zatur, bag %^kv leibet in mir, benn id) fc^e, id^ £)öre, ein
S^'^ier meiner 2lrt leiben.
Hnb meldte (Slabiatorfecle geijörte bagu, um ein (Stü(f au§*
gu^alten, in meld^em biefe ^bee, bie^ ©efü^t beg förperlidien
©c^merge§, ^auptibee, .^auptgcfüljl märe? ^c^ roei^ feinen britten
%ali au^er biefen beiben: ba§ ic^ entmcber ittubiret raerbe, ober
nid^t. ^ft baä erftc, ift§ auc^ nur ein 2tugenblict' , ba§ ic^ hm
©d^aufpiefer »erfcnnc, unb einen gürfenben, fdjreienben ©equälten
fef)e; mefic mir! c§ fä^rt mir burd^ bie Sfierocn! ^ä) iann ben
fünftlic^en Betrüger, ber fic^ mir gum Vergnügen, bem 2lugenfd^eine
nact;, aufhängen moHte, feinen 2lugenblicf m^i}X fc!§en, fo balb ber
Betrug fd^roinbet, fo balb er roirftidf; morget. ^d^ fann hm 8eil*
tänjcr feinen Slugenblitf mel)r feigen, fo balb id^ i§n falten, in ba§
unterliegenbe <Sc§rocrt ftürgen fe^e, fo balb er mit jerfi^Iagnem
g^uffe ba liegt. 3)er Stnblid" ^Ijiloftetg ift meinem ©efid^te unaug- 66
ftef)lid^, fo balb id^ eg benfe, ba^ er ber leibenbc ^tjifoftet ift.
BIo§ eine g^ed^terfeelc fann in biefer ^Ilufion be§ förperlid^en
©c^mergeg, roie an jenem fterbenbcn g^ci^tcr, ftubiren roottcn: roie
üiel ©eele noc§ in iljin fei? Btog ein Unmenfd) fann, nadj
ber 3^abel üon 53tic^ael Slngclo, einen 33tcnf d;en freudigen, um
ju fel)en, roie er ftirbt.
-^ 47 ' —
§r. Se^tng mag fagcn," ba^ „md^t§ betrügltd^er fct), alä
„attgemeine ©efe^c für bic ©mpfinbungen geben ju iDoKen.'"
^ier liegt bag @e[c^ in meinem unmittelbaren @efül}le felbft, unb
jmar in beut ©efül^le, ba§ am meitcften von allgemeinen ©rünben
abgebet, ba§ mir, alg einem f^mpatljifirenben ^^ierc, beimolint.
©0 balb ber leibenbe ilörper ^^ilo!tet§ mein ^auptaugenmer! i[t,
fo bleibtä, „ba^^' je nä^er ber (Sd^aufpieler ber 9fiatiir fommt, befto
„ empfinblid^er Stugen unb D^ren beleibigt raerben muffen." ©in
3)ieer xmangenel)mcr ©mpfinbungen mirb über mii^ ergel^en, unb
fein angenehmer ^^ropfe mifd^t fid) bagu. 3)ie S^orftellung be§
fünftlid^en Betruges? — ift burc^ bie ^llufion geftört; id) l)abe
nic^tg, alg ben Slnblid" einc§ jüdenben, mit bem ic^ beina'^e mit
Jude, eineä SBimmernbcn, beffen SJd)! mir ba§ ^er^ burd;fd;neibet.
@g ift fein Xrauerfpiel ntelir, e§ ift eine graufantc ^ontomime, ein
2lnblid, g^ec^tcrfeelen ju bilben: id) fuc^c bie S^^l^ürc.
67 g^iun aber laffet un§ ben ^roeitcn %aU fe|en, ba^ ber ©ried^ifd^e
©(^aufpieler mit aller feiner ©fäüopoeie unb S)e!lamation bag
©efc^rei unb bie SSergudungen be§ (Sd§merje§ nid^t bis jur ^llu-
fion bringen fönnc (ctroag, ba§ §r. Sef^ing nid^t ju behaupten
getrauet/ gefegt alfo, ba^ id; ein falter 3wfdjauer bleibe: fo !ann
iä) mir ja leine miberlid^erc 5ßantomime gebenicn, alö nad^geäffte
^udungen, brüllenbeä ©efd^rei, unb raenn bic ^^^ftufion rollfommen
feijn foll, ein übler ©erud^ ber 2ßunbe. J^aum roürbe alfo al§*
benn ber 3^l)catralifd§e 3tffe ^^ilottetä gum 3ii[<^auer fagen tonnen,
roa§ ber tüaljre ^^ilottet jum S^eoptolcm: „id) mei^! bu Ijaft eg
„atte§ nid§t§ gcadjtet; raeber mein ©efd^rei, noc^ ber üble ©eruc^
„rairb bir ©fei erregt l^aben. "* 33ei einer mibcrlid^en, unb ^um
Unglüde nicl^t täufdjenben ^santomimc ift bie§ uncermeiblid^.
Qd§ fc^lage bie Sitteraturbriefc'' auf, unb finbe ben ©rften
i^rer SSerfaffer an grünblid;er ^$l)ilofopl)ie in einem anbcrn ä§n=
a) p. 42. [399]. b) p. 32. [393]. c) \). 49. [403].
.1) &opl)otl %^^iiott %tt 4. ©ccn. 1. [v. 875].
e) gilt. SBr. X^. 5. S8r. 82 — 84.
^ 48 ' —
Itd^en %aüt metner SJJetnung. ®r iinterfud^t, „raarum bie '^taä)^
a^mung beä @fel§ unä nie gefallen fönnen/' unb giebt ^u
Urfad^en an, „weil biefe raibrige ©mpfinbung nur itnfrc niebere
©inne trifft, ©efd^mad, ©eruc^ unb ©efül^I: bie bunlelften
(Sinne, bie nid^t 'D^n geringften 2lnt^eil an ben 2öer!en ber
fd^önen llünfte 'i)ah^n: roeit jroeiteng bie ©mpfinbung be§ ©feig 68
roibrig raerbe, nic^t bur($ bie 3]orftettung ber Sßirf Ud^feit , wie bei
anbern unangenet)men (SinbrücEen, fonbern unmittelbar burc§§
3lnfd^auen: xinb roeil enblid; in biefer ©mpfinbung bie ©eele
leine merllid^e SSermifd^ung oon Snft erlennet." @r fcfjliefit alfo
ba§ @!el^afte ganj üon 9lad^af)mung ber fc^önen Äünfte, unb ben
l^öd^ften @rab bc§ ©ntfe^Iid^en von ber ^antomimifd^en ^orftellung
im ^rauerfpiete auä, „meit t§eit§ bie STäufc^ung l^ierinn fd^raer
roäre, tf)eit§ aud^ bie Pantomime auf ber tragifrfien ©c^aubü^ne
nur in ben <Sd^ran!cn einer ^ütfgfunft bleiben nutzte." ^c^
rooÜte, ba^ ber ^§iIofop^ifc(;e ©. fic^ über meinen 3?orrourf erflä*
ren möd^tc: benn ber förperlid^e ©d^nxerj ^l^iloftetg ^at me^r ül§
einen biefer ©rünbe miber ficf;. ©eine S^äufd^ung !ann nur ben
bunlelften 6inn, ba§ t^ierifrfjc 9Jiitgefül^I, erregen : bie (Smpfinbung
barüber ift allemal ^^latur, unb niemals 9ta(l;al^mung : fie §at nid;t§
2tngenet)mcä mit fid§: fie ift !aum ber ^ttufion fä§ig: fie madfjt
bie tragifc^e 33ü§ne ^ur ^^antomime, bie, je colllommner fie märe,
um fo me^r gcrftreuete. ©d[jled^tf)in fann alfo ber !örpcrlid;e
©d^merg feine ^auptibee eineä 5trauerfpief§ fepn.
Unb ift§ boc^ hzi ©opf)ofleä ^fiiloftct, Bei einem ?[Reifterftüdfe
ber Süfine! „9Sie mand^eg, fagt §r. Se^ing,"" mürbe in ber ^^eorie 69
„unmiberfpred^Iid^ fd^cinen, rocnn eg bem ©enie nid^t gelungen
„märe, ba§ Sßiberfpiel burd) bie %i)at ju ermeifen." ^c^ glaube,
fc^roerfid^. 2Bag in ber 5l()eorie roa^r^aftig unmiberfpred^lic^ ift,
unb nid^t blog fo fd^eint, roirb nie üon einent ©enic miberkgt
roerben, gumal raenn bie 3^§eorie in unfern unerfünftelten (Smpfin^
bungen läge. ^Miä) bauert bie 50{ü^e, bie fid^ ^gierr Se^ing giebt,
a) Saof. p. 33. [394].
— . 49 . —
©opl)oflc§ ^u vccfjtfertigcn , unb bcn ©nglänbcr 6mitt) ju roibcr-
legen; 6etbc kaud^cn c§ nidjt: unb wenn fie cS Sraud)ten, wenn
©op^oEcä .^ttuptjraecf roäre , burd^ bic 2lcu^erungcn bc§ !örpei'lic^en
(Sd^mcrjeg feinen trag{[d;en ©nbguied ^n erre{d;en: [o ^ätk 2. mit
allem, raa§ er @uteg \a%t, menig gefagt.
2l6cr ©opf)o!Ie§ , ba§ tragifd;e @enie , fül}lte nur gar ^u Diel
bagcgen, bie[cn 3wec! ju erreichen, unb gieng ganj einen anbern
3Seg, ber il^m nic^t mi^ratfjen fonnte, unb ben $r. 2. mie c§
fd;eint, üon einer ^f^ebenfcite gefeiten, .^d) muj3 auä bem uorigcn
©inbrude, ben id; baöon geliefert, einige 3üge 5urüdne()men :
1. 2)er erftc 53egriff von ^()iloftcteg ift ber begriff eineä 35er*
taffenen, Traufen, ©lenbcn, von 9Jtenfd)en oerratlienen ®infiebler§,
eines 3iobinfon ßrufoe, beffcn ;3'JW"^c^*^^o-tt'^ -Ööle ung gezeigt wirb:
biefe Situation fe^t §r. 2. mit ber i§m geroöl^nlid^en Stärfc au§
einanbcr.
70 2. S!)er ©lenbe foll nodj einen neuen ©trcic^ von ber Sift
feines alten g^einbeS leiben: Ijier fd^raillt unfere ^Ijeilne^mung, unb
ber i^ontraft ^mifc^en Ult)ffe§ unb 9teoptolcmuS madjt bie ganje
©cenc 3)tenf(^li(^.
3. ©er ßljor unb SZcoptolem brüden bie '^s feile beS 9JiitleibS
tiefer in unfcr §er^: fie fingen fein ©lenb in üoHem 9}ka^e. 2Bie
begierig finb mir nun , ben Mann ju fel)en , ber l)ier in ber müftcn
^nfel eine Befonbere ©cene fpielt, unb auf bcn neues Unglüd
lauert, ^n biefem ganzen Slft ift nod^ fein ^Ujiloftct ^u fel)cn:
nod^ mentger bie SSorftellung von feinem lörperlic^cn ©d^merj ^aiipt-
ibee. ©opljoflcä ^t in biefem 2lft breierlei SBorfid^t, un§ erft auf
^l)ilo!tet lange üorjuberciten , e|e er auftritt: baS ©djiuerftc unb
Untl;eatralifd)e in (Srjälung unb nidjt in ^anblung ^u jeigen : unfer
$erj unb unfrc 5pl)antafie iljm ju fid^ern, bamit mir erft — aud}
nur feinen 2tnblid ertragen lernen. Unb gleid; al§ ob biefer nod^
nid^t gnug üorbereitet märe, mu§ ben railben %lann ein fern l^er
murmelnbeS 2ld) anmclben, ba§ fic^ nät)ert, unb —
1. 9tun finb burd) ben Stnblid ber g^remben bie «Seufzer meg,
oöllig mcg. 3©arum baä ? marum liifit ftc Sop^oIteS fo ganj l;in=
§erbcf8 ydmmtl SBerfe. III. 4
— . 50 ^-
ter ber ©cene ? @rft mu^ ev i§n nid^t blog üor SSerad^tung ftd^ern,
fonbern [etneux ganzen erftett Stnblicfe naä), tft ^f)tto!tet ein lei=
benber ^elb. ^d^ roei^ nic^t, raarum 2. biefen erften ©tnbrudf, in 71
bem ber §elb erfd^eint, nid^t üerfolget; raimmern ^a6en mx ii)n
faum t)on fern gel^ört, je^t fe^en roir [i§n] bulben. ^[Ritten unter
üerbiffenen ©c^mergen fte£)t unb fprid^t ber 9Jien[d^enfreunb , ©rieche,
•gelb , — tüarum f)at §r. S. baä ^ntcrefje nid^t me^r entwidfelt,
bag er alg ®riedf;e, alä ein tf)cilnef)menber greunb ber g^remben,
aU ber SSere^rer ©riec^ifd^er gelben, tüirfet? 'Man ,fann faum
me^r für i§n ft)mpat!§ifiren , aiä man fd^on geftimntet ift.
2. Unb nod^ geigt er eine gro^e B^ik. 3)er eben je|t %k^
^enbe £)ört ll(t)ffe§ neuen 3]errat§, unb roie ift ber fle^enbe ©tenbe
plö^lid^ in einen i^elben »erraanbelt?
3. ^n einen gelben, ber gegen feine geinbe nod^ ber unge-
bemütf)igte (Stolpe Bleibt: Driginaljug ber @riec§ifd^en ©rö^e, „2khQ
„gegen bie g^reunbe, unraanbelbarer .^af gegen bie g^einbe!'"'
Unb raer anberä al§ ein 9ieblidf)er, fann Sleoptolem feine 5ßfei(e
unb fein 2zhm fo gro^müt^ig anvertrauen? — ein fold^er dJtann
ift nid§t blo§ auf alle 3Sege vox S^eradjtung gefiebert : er |at unfer
ganjeä ^erj.
4. 3)a§ (S^or bereitet un§ auf bie ©cene beg ©lenbeg, unb
ift offenbar in bem 3::one ber ©firfurd^t gegen einen .gelben, ber
ba bulbet, ber fo lange gebulbet l)at, nic^t, ber ba fc^reiet. —
S>ie wenig , roie roenig ift bod^ alfo ber ^^iloüet ©opljolleä feinem 72
^auptjuge nad^ auf ber Süljne, ber, ben S. gemolint ift, alg ben
©rä^lid;en ju d^aralterifiren , no(^ ift er immer ber gro^e but=»
benbe ipclb: unb bag in jroeen langen Stuftritten!
Unb beinahe fängt bie ^bee üon feinem ©lenbe, unb üon
bem 3]erfprec^en beä 3fieoptolemug an gu fd^rainben : faft fann man
ung von feinem ©d^merj gu t)iel ergä^lt, faft fann berfelbe fid;
in neun ^aliren bod; moljl verringert l^aben? fönnten roir il)n
alfo nid)t felbft leiben fel)en? SBenn nid^tg meljr ift, alg roaä
a) i'aof. p. 43. [400]
^ 51 . —
mix gefeiert ^ah^n, fo — iinb nun fommt ber 2lnfaU. @ä ift
Uo^ ein 2(nfaE, unb ic^ roei^ nid^t, roie §r. 2. bie SBal)! einer
2Bunbe tü^^mt," bie boc^ feinen anbcrn SSovt^cil bringen fonnte,
alä ein efleä %ä) fünf 3l!tc lang gu be^nen! ©op^o!lcS raupte
raaS' befferS gu n)äf)Ien — eine furge Slnraanblung. ©ic legt er
in bie 9)litte be§ 6türf§ jur Stugjeid^nung : fic lommt plö^lid^;
um fo einbrütfli(f;er roirb ba§ ©ift, alg eine ©träfe ber ©ötter,
nid^t bIo§ aU eine fd^Ieid^enbe ^ranf^eit: fie fommt Studraeife,
nin burd^ ein 2tnljalten ben ^wfci^auer nid;t ju ermüben : fie fd^roeift
in 9laferci aug, um ben 3wfc|aucr üon ber Pantomime me^r auf
bie leibenbe ©eele ^u menben : fie mirb lange von 5)3^ilo!tet unter*
brüdt, unb nur mitten unter ©cfpräd^en mit einzelnen S^önen be§
^ammerg begleitet: fie enbet fi($ in einem ruhigen ©rfjlafe, unb
73 ber lä^t un§ erft 3cit gu überbenfen, roag $l)i[o!tet auggeftanben.
9)kn fann ben ganzen 2(uftritt nid;t mo^x rcrfennen, al§ menn
man i§n bloä für bie Pantomime cineg förpcrlic^en ©d^merjeä,
unb bag gan,^e ©tüd nic§t mel^r üerfenncn, aU roenn ^Jjiloftet ba
fepn folltc, um über eine Söunbe ju fc^reien unb ju I)eulen. 2)er
2lnfal( ift vorüber, unb nad^ fo menig, alä t)or — — bod^ iä)
mag ja feinen Kommentar über ©opI)oflc§ fd;reiben — mer urtl§ei=
fen mitt, fefe!
©0 fann alfo 2ß. feinen Saofoon mit ^I;iIoftet t)erg(eid§cn !
©0 fann bag ©c^reien rao^l nie, unb am roenigftcn bei §omer
ber ß^arafter^ug eineg gelben geraefen fet)n! ©o ift raofjl nie
©d^reien bag §auptiüerf be§ ^^l;iIoftetä , um 2:;t)eilnel§mung gu mir*
fen, unb förperlid^er ©d§merj nie bie .^auptibee eineg ©rama!
©0 i)at baö ©c^aufpief gemi^ feine eigne fc^öne 3fiatur gleidjfam,
unb genaue ©renken jmifd^en anbern 3)id^tarten. ©o fann man eä
ol^ne ©ünbe eine Steige f)anbelnber, S)id§terifd^er ©emiifjlbe
nennen ! 3öer f önnte unö über bief c 9)taterie beffer belef)ren , a\§ —
ber ^erfaffer beg Saofoon unb ber ^Dramaturgie felbft, menn er
a) p. 33. [394]
52
fi(^ „ü6er ba§ 5[Raa§ ber Pantomime in ber St^ragöbte, über bie
eigne fd^örte 9^atxtr be§ 2)rama, urtb über bie befonberrt ©renken
jTDifc^en 50lalerei unb ©djaufpiel befonberS erflärteV
ß. 74
2)er gro^e SBinfelmann fiat xirtg bie fd^öne ©riet^ifi^e '^atux
fo 2Reifter^aft gejeiget, ba^ tt)oi)I feiner, alg zin Unn)i[fenber nnb
^ü^Uofer, e§ leugnen wirb, „il)r |)auptgefe| in ber bilbenben
„^unft fer) ©d^ön^eit geroefen/' ®e^ o^ngead^tet bünft ntid^ nod^
bie erfte Quelle mit einigen ifirer 3lbern unentberf't: roarum bie
©ried^en in S3ilbung be§ ©d^önen fo §od^ gefommen, um atten
S^ölfern ber ©rbe |ierinn ben ^rei§ abzulaufen? §err Se^ing
giebt aud^ ein ©upptement " baju, ba er un§ hzn ©ried^en, im
©egenfa^ mit bem ^unftgefd^macE' unferer Qzit , a(§ einen üün\U
kr geiget, ber ber ^unft nur enge ©renken gefegt, unb fie bloä
auf bie 9kd§aljmung fd^öner 5lörper eingefd^ränfet : „fein ^ünft*
„ter fd)ilberte nid^tä , alg ba§ ©d^öne."
9ti(^t§, al§ baä ©d^öne? dlun ja! meinSefer, ic^ ^abe bie
meifen Erinnerungen unb (Sinfd^ränfungen gelefen, bie man raiber
biefen Se^ingfd^en ©a^ fel)r gelehrt aufgeworfen; attein man mu^
S. erft oerfte^en , el)e man i^n miberlegt. Söiß er fagen , ba^ bie
©ried^en nid^tg §ä^Iid^e§ gebilbet ? ^ä) glaube nid^t , unb münfd^e
an einem anbern Drte'' bie äÖorte meg: „bie ©ried^en t;aben nie
„eine ?5^urie gebilbet." '^znn gienge fein ©a| fo roeit: fo ^ätte
§r. Mo^ noc§ in jebem feiner fünftigen ©d^riftd^en ^ ©efegen^eit,
ein 33eifpiel anzubringen, ba| bie Selten au6) g^urien, 9)Jebufen 75
u. f. m. gebilbet Ratten — etmag, mag rao^l jeber mei^, ber etma
ein 9Jiufeum burd^laufen.
Dber l)ätten bie Sllten bag ©efe^ ge^bt, ^ä^lid^e g^iguren
au^ fd^ön ju bilben, roeil mag gebilbet roerbe, fd^ön fet)n muffe?
a) Saof. p. 9—22. [380 — 87] b) l^ao!. p. 16. [384].
1) ?t: ©Triften
-^ 53 ^-
^ä) roei^ , ba^ matt t§n aud^ fo »erftanben , unb aläbcnn bie Kebe
SRebufe ftatt älHcg angeführt; allein and) bie^ ift nid^t bie i^eiv
binbuttg beä ©inneä.
^c^ Derftef)C xi)n [o : e§ [ei bei ben ©ricdjcn fein I)errf(^enbct,
fein ^auptgefdjinad" gcmefen, bag crfte bcfte ju frfjilbcrn unb 511
bilben, um bIo§ burc^ bie 3^ad^al)mung 2Bert^ ju ciijalten, btos
burd^ Ste^nUc^fcit fid; alg ^ünftler gu feigen: fonbcrn T^icr fjabe
i^r ©efd^mad ba§ <Sd^öne jum ^auptgegenftanbc gemadjt, um nidjt
bloä mit leibigen @c[djidlid;!eiten ^u pralen. Unb in biefcm SSer-
ftanbe bleiben folgenbe 93e[timmungen ja von felbft eingefd^loffcn.
Um von einem lierrfc^enben ©cfd;made gu urtlieilen, nel^me
man nid)t jebe einzelne ^eifpiele: benn bie ^aufonS, ^ijveicug
unb anbre 9il}i;pai'ograpt)en, fo lange fie nidjt ©djulcn gieljen, unb
biefe mit anbern, mit ben ©c^ilberern ber ©d^önljeit nod; nid^t
um ben S^orjug ftreiten börfen, ^inbern nidjtä.
Um üon einem Ijerrfd^enben ©cfdjmade ju urtljeilcn, mu^
76 man bie 2Borte eincg @e[e|geberg ,'' eineg ^oliti[d;en ^l)ilo|opljen,
nic^t al§ 33en)eig be§ ©angbaren anneljmen: benn fie fagcn, maS
ba fe^n follte, nid^t ma§ ba ift.
®ie beften ^'^i^Ö*^'^ ^^^^^^ l^evrfdjenben ©efdjuiadä finb bie
öffentlidjcn ^unftroerle, bie Slnorbnungen ber Dbrigfeit: unb ba
§r. Se^ing aud; öor^üglid^ auf biefe gefeljcn, fo lel}rt man it)n ja
nid^tg neues, menn man fic^ oerneljuten lä^t:" „2)er griedjifd;e
„Mnftler fd)ilberte nidjtä, alg baS ©d;öne — " „ ®ntgegengefe|te
„3cugniffe ber ©djriftfteller unb 33eifpiele ber ^ünftler beftimmen
„mic§, biefer 33eobac^tung engere ©renken 3U fe^en, unb fie blo^
„auf öffenttid§c3}en!mdler einjufc^ränfen." ^d^ beule, ba^ bas
^rn. 2. erfte Quelle gemefen, unb er fud;t ja »ieUcidjt Slnorbnun^
gen, rao felbft leine finb."
a) Saof. p. 11. [381] not. b. m ^x. 2. bie Sorte StviftoteleS anfülltet.
b) §r. .ttü^s ©efc^ic^te ber SRünjeu p. 41. 42.
c) iaof. p. 12. [382] baS ®efe^ ber ^f^ebaner eig to x^^qov ift mir
jioc^ jtoeifet^aft.
— c 54 ^ —
Um Don einem §errfc^cnbcn ©cfc^madc ju urtf)eiten, nel^me
man ferner ntrfjt ^^icmpelroerfe , wo 9icItgion bte ^auptabfidjt geroe^
fen , ober ber ©ejrfjmarf ber ^Religion ntc^t geänbert merben !onnte.
^x. 2. ma<i)t \iä) biefe @in[c§ränfung felbft," nnb fie tft§, bie
feinen ©a^ fo milbert, ba^, id) geftc^e cä, er frci(i(j^ burc^ i§n
fo üiel ober fo toenig bebeuten fann, alg er roitt.
Um cnblic^ oom ^crrfd^cnben ©efc^made ju urt^eilen, nefime 77
man freiließ nidjt atte Reiten gleich, fonbern bie, ba ber ©efc^madE
fd^on auSgebilbet, ba er burd} feine J^afojcUe oerborben erfc^cint:
im erften %aU ift noc^ fein @efe| • gegeben, im ^roeiten ift§ eine
3eittang unter bie ^ant gebrad;t ; be^roegen aber noc^ immer San=
beägefc|. — Unb nad§ biefen Seftimmungen fann S. atterbingg
üeft fe|en: „ba^ bei ben Stiten bie (2c§ön§cit ba§ Eiöd^fte @cfe|
„ber bilbenbcn fünfte geroefen."
Mein bei meieren Otiten? feit menn? roie lange? meiere
Unter- tucl^e 'Jiebengcfe^e ? Unb roo|er iftg bei ben ©riechen fo
üorjüglid^, vox allen Stationen, Ijöc^fteg @efe| gemorben? Stnbre
wichtige g^ragen, n30 bei ber legten mir 2B. felbft laum ein
©nügc t^ut.
§r. S. fommt auf jmo Situationen, bie hierin einfc^Iagen:
„ba^ bei ben %lkn aw^ bie fünfte bürgerlichen @efe|cn unter=^
„roorfen geroefen, unb mag bie bilbenben fünfte auf ben 6§araf=
„ter einer Station mirfen fönnen."*'^ ätttein, über beibeg fonnte
er fic^ nur im 3]orbeigef)en erflären. @§ muj5 auä ©rünben {)er*
geleitet merbcn lönncn: mie bei ben ©riechen ©efe|e über bie ^unft
nid^t bloä, mie meit eS §r. 2. nimmt, erlaubt; fonbern nötf)ig
geraefen — mie bei it^nen Äunft unb ^oefic unb 50iufif raeit meljr
jum 2BefentIic|en beg ©taat§ gehöret f)ab<^, al§ je^t — mie ber 78
Staat alfo nid^t o§ne fie, alä feine bamaligen S^riebfebern , unb
a) Saot. p. 103. [435]. b) 2ao!. pa^. 12-15. [382 — 3].
1) „unb »ras — !önnen": frete§ Sitat nac^ p. 14: „3)ie bilbenben
fünfte in^Befonbere, auffer bem unfehlbaren Stnftuffe, ben fie auf benS§a=
tatter ber DfJation §aben" ...
— ^ 55 —
ftc nid^t oljnc <Btaat l)ahcn fct)n !önnen — raic alfo bic 3Btr!ung
bcr Station auf bic Jlunft, unb bcr Itunft auf bie Station nic^t
6Ioä ^I;t)ftfrf; unb ^fpc§oIogif(^ , fonbcrn audj großen %^dl§ SßolU
tifd^ geroefen — roie kibcn ©riei^en alfo au§ [o mauij^ett Urfa-
ä)cn, unb nic§t btog if)vcä Slationald^araÜerg , [onbern aud^ il^rer
(Srjicijung, Scbcnäart, beä ©rabeä i^rcr ßultur, iljvcr Sidigion
unb i§re§ ©taat§ wegen, bie 33ilbung bcr ©rfjön^cit mcl)r @in=
brüde l^aBcn Unnm, unb me§r ©tnbrücfc fjabe anneljincn muffen,
©in roid^tigcä Problem,'' ju beffen Sluftöfung moijx, alä einige
^änntni^ bcr ©ricd^en von bcr Dberfläd^e [)er gel^örct. Unfern
gen)öl)nlid§cn Grseculis alfo , bie je^t nad^ bem 5Kobegefc^ntac!e üon
nidf;tg fo gern, al§ üon ^unft, üon ©c^ön^eit bcr ©ricdjcn fpre-
d^cn, ift ein @eban!e hieran fo roenig eingefallen, ba^ fie attcä
glauben erklärt ju [)aben, rocnn fie t)on nid^tg, alg einer geraiffen
feinen fd^önen (Smpfinbung ber ©rierf^en für bic ^unft, unb für
• bie ©d^önl)eit , fc^nta^en ; von einer ©mpfinbung , bie fie geljabt,
79 bie 5Römer nid^t ge^bt , unb bie je^t in unfern ©cutfc^en dlm^
gricd^cn roiebcr auflebe. 2tlle ^lo^ifd^e (Schriften finb üon bicfem
fü^en ©efc^roä^c voU:^ benn freilief) au§ einer geroiffen unnenn-
baren (Stnpfinbung , auä cinein fec^ften ©inne für bie ®d^önl)eit,
fann tnan aHeä, raaS man mill, ol)ne ^opfbrcd;cn augfinbcn. —
(Bin ^fiitofoptjifd^er ^opf, mie Sej3ing, ifonnte mit fold^cr qualitas
occulta nid^t aufrieben fcpn: unb roelc^cr l)albpl)ilofopl)ifd^e ^opf
rairb fic§ benn bamit läd^elnb begnügen iönnen?
Xod) md)t 3U mcit uom Saofoon. Söenn bei bcn ©ried^cn
©d^önl^cit ba§ Ijödljfte @efe^ ber ^unft voax : fo mußten geraaltfame
Stellungen, Ijä^lid^e S^erjerrungen oom llünftlcr enttücber gemie-
ben, ober l}crabgcfe|t merben: unb 2. giebt baüon bie beften ©^em-
a) @iu ^^rogramm beS $tn. i|3tDf. §eine, de caussis fabularum seu
mythorum veter um pliysicis, ^at mir me'^r ©nüge getl}an, atg bie ganje
^^'^tbfo^j'^ic be§ S3anier; ivie übetl)aupt biefev unirbtge Ä'cimer ber Stlteit
bou feinen ©riechen ba§ ©c^ioerfte gelernt: fttde ©röffe, ru'^ige %Mt, auc§
im SSortrage unb 2tu§bru(fe.
b) @. Äloi§ @ef(^. ber SRünjen p. 106. 107.
— - 56 > —
pel. ^nbeffert t)at er SBieberfprud) gcfunben, unb einer feiner 2ßie=
berfpred^er^ ift, roenn er je^t einen ©tein finbet, ber bafür, je^t
einen, ber baiuiber ju fegn fd)einet, aud^ im 2öerf)felfieber Balb
für, balb gegen bcn 6a§, ha^ ber geneigte Scfer enblid^ ni(^t
raei^ , roie it)ni ift. Dh fid; f)ier nid§t ein fefter graben ^k^m lie^e?
^uerft alfo : ber 5[)^t)tf)if(^e Sirfel ber alten ©ried^en roat
o^m 3Bicberfpru(^ ber ©djönfieit gcMIbet: il^re ©ötter unb (BöU
tinnen raaren nic§t, raic bie 2lcgijptifc§en, Slttegorifc^e Ungeheuer : 80
nod§, wie bic ^erfifdjen unb ^nbifd^cn, bcinalje oI)nc Silb: no(^,
roie bie ^etrurifdjen , traurige unb unanftänbige g^iguren; fonbern
an 33ilbung reijcnb bcm 2(uge. ^n ber ganzen 3f^atur ber 5Dingc
fanben bie ©riedjen feine bcffere Q^orftelfung ber ©öttlic^en ^^^atur,
raie eines ^nbcgrifg ber 33oIlfomincnt;eiten , alä bie 53tenf(^Iid^e
©eftalt; unb roieberum, n)elc§cä gu beiDcifen roäre , !eine ber ®ott=
fieiten irar fo c^araftcrifirt, ba^ fie immer l)'df,liä) f)ätte gebilbct
werben muffen, um ba§ ju fepn, mag fie fet)n foHte. SDie @i5t=
tcrbegriffe ber ©riechen roaren üon Siebtem beftimmet, unb biefc
2)id^ter maren SDidjter ber ©d)önl)eit.
Sie ©ried^en f)atten g. @. einen Jupiter, ber freilid^ nid^t
immer f.i€ihxiog, ber aud) oft ber dornige, ber ©rimmige mar:
unb ber 3)id;ter fonntc i§n feinem ^^^ede gemd^ fd^ilbern. 2öie
aber ber ^ünftter? 9Ber mill benn immer gern einen gomtgen
Jupiter fe^cn, ba fein S^^^ ^O"^ i"^t bcm Hngemitter übergeJjt?
2öa§ alfo natürlidjer, als ba^ er gu beut eroigen älnblide feines
^unftftüdeS ben Stnblid einer fd^önen ©rö^e lieber roä()tte, unb
if)m nur ()of)en ßrnft in fein ©cfid^t fc§uf? — 9^un !ann eS frei:=
Iid§ , unb infonberijcit in ber altern 3ett ber 9teIigton, aud^ 3lbbi[==
bungen beS S^^^^ gegeben ^ahtn: allein, roaS tt^ut bie^? ber
.^auptbegriff bei Jupiter, felbft vo^nn er ben Sonncr roirft, bleibt
bod§ — Ijo^er ©ruft, fd§öne ©rö^e; bie^ ift feine bleibenbe ©eftalt, 81
jene gel^t üorüber.
a) Stot3 Act. litt. conf. mit ber @efc^. ber 9)iünjen, unb btefe mit
ber ©d^rift über bie gefc^nittenen ©tetne.
— . 57 —
2Senu§, mmn fie um hm 3tbotti§ trauret, rafct bei 5Rofc§uä
fürrf;tcrltcl^ : auc§ .^uno fann !öniglt(^ ^anfen , unb 2(poIIo tapfer
gürnett — allein ift bie[e 3iaferci, bie^ jänfifdje ©cfic^t, biefcr
3orn im 2lntli|e benn roo^t iljre bcftänbige Mim, ii)X not^mcn-
biger ß^araltcrjug ? 9^id;t! er ift ükrgel)enb, er ift eine üorbci=
jiet^enbe Söotfe: nun foll ber üünftler 3Senu§, StpoEo, ^uno bil==
ben; — mill er nid^t Unfinn, ober ©igenfinn bcmcifen, fo mirb
er bie ?!JJine ne'^men, bie S^cnug, 3tpoHo, ,Suno eigen ift: in ber
fie fic§ geigen mürben, mcnn fie i§m jur Silbung erfc^ieneu, unb
bie^ ift — Qine ©eftalt ber ©cfjön()eit.
©od; immer aber gab e§ ja aurf; im ^JRtjtljifdjert ^ii^^et ber'
©riechen g^iguren, benen bie §ä^tidj!eit ein ßl^arafterjug mar:
g. (S. 5Rcbufcn!öpfe, S3acdjantcn, ©iganten, ©ilenen, ^urienu. f. ro.
SRcbufa gef)c üoraus, benn 5)3a((ag trägt fie auf ifjrcm mäd;tigen
©(^ilbc. SItebufe, ift fie eine ©eftalt , bie notlpenbig Ijä^lic^ gebil-
bct merben mu^, von ber nmn nur eine ©eftalt mü^te, bie im
l)ö(^ften ©rabe fürd;terlidje ? Sie fo üiel über bie ljimmlifd;e Sil-
bung ber '3}tebufc, alg üon einem ^d) raei^ nidjt, roarum? unb
82 einer ^araboi'ie rcben/ follten miffen, ba| ?[)iebufen biefe Silbung
eigcntt)ümlid;, ba^ fie eine Steijenbe gemefen, bie 9^eptun jur Siebe
bemeget, unb barüber t)on ber jungfräulid;en 3Diinerüe ucrmanbelt
morben.'' 9tun follte fie ber ^ünftler bilben: gmo ©eftaltcn lagen
t)or il)m unb er mäljlte — bie fdjöne cor il)rcr ^ßcrmanblung :
aber um fie alg SRebufe gu begeidjnen , flodjt er ©erlangen in iljre
c^aare.
Um biefc Sd^langen ju erflärcn, mei^ id§ ba feinen anbern
9tüd"roeg, alg mid^ „auf baS befonbere ©cfül)l ber ©riedjen unb
„5Römer für bie ©d^langcn" ju beruffcn?" ein befonbcrer ätppetit,
a) mo^ ®efc^. bcv SJJünxen ^. 46. 47.
b) ^aufaniaS erjält i'^vc ©efc^ic^te no^ bequemer für bie tunft;
V. Corinth. [II] c. 21.
c) Molj ©efcf;. ber WMi. ^.47. „@g ift ma^r, baß unfev (Sefül^t
„iißet btefen ^^untt eBen fo berfrf;teben tooit bem @efü^I ber ©riechen unb
„atömer i[t, atö tton ber (Snt))finbung beS Kannibalen" u. f. w-
— ' 58 ^ —
ber — tjicr aber ntd^ts crÜärt. @inc fi^önc 5)Jebu[c o^ne ©d^Ian*
gen löävc nidjt incljr fänntlid^ , nic^t mdjx ?[)Icbu[e — ein blo^
f(f)öneä ©cfidjt geroefen ; fo unb au§ feinem (2c!)(angenappetit tnu^te
alfo ber ^ünftler biefen SEiarafter^ug brauchen. Unb raarum foKte
er§ mä)t? SBann er bie (Schlangen in bie ^aare ocrftcdft, fo fön-
nen fie gieren; unb raas an i§nen ^eroorblicft, ift baä raaä |ä^»
lic^eS? ©djredlid), unb nid^t Ijä^Iii^; aber bie^ ©c^recf(i(|e gemä-
ßigt , mit einem frfjöncn 2(ntli§e contraftirt , ift angenehm ; eg erroed't
htn Segriff bcä Sfußerorbentlirfjen , von ber 9Jiac§t ber ©öttin , ift 83
alfo Ijier a(g G^arafterjug nötl^ig, unb jum riel faffenben (Sin=
brudfe taugttd^: e§ erf^ebt bie Sc^ön^eit., SlJebufe alfo borfte nid^t
not^roenbig ein Silb ber .§äß(ic§feit ferin.
Unb bie ^urien eben fo roenig. S)ie ©^rmürbigen : fo nann=
kn bie äüfjcnienfer fie, unb fo fonntcn fie bie ^ünftter bilbcn:
„meber an i§ren Silbniffen, fagt 5)3aufaniaä ,* noc§ an ben %bUU
„bungen ber unterirbifd;cn ©öttcr, bie im 2lrcopagu§ ftefjen, ift
,,maä fürrfjterlidjcä raa^rjunc^mcn." Unb mcnn nic^t an ben ^u=
rien; an ben eigentlichen 9tadj - unb ^lagegöttinncn: racnn nic^t
an ben unterirbifd^en ©Ottern; mcnn nid;t fclbft im S(reopagu§,
bem ernft^aftcften Drte gu %t^m — mo unb an racldjcn 33ilbun=
gen l^ätte benn baä ©räulid^e ber .'pauptc^araftcr fepn muffen?
^c^ barf alfo behaupten, baß alte Siptljifc^c Figuren bcg 3^^=
!elä, bie alä Hauptfiguren, einzeln, ifjrcm innern unb beftänbigen
Gl^aratter gemäß, §a6cn erfdieinen folten, bag 2Biberlic§e unb
©räßlic^c nie gur notfiiDcnbigen S3ilbung l)abcn borften. ©elbft
big auf ben <B^laf unb ben %oh^ erftred't fic^ bieß, bie beibe al§ 84
Knaben in ben 2(rmen ber 9^a(^t ruljenb oorgeftettt würben, unb
a) In Attic. [I] c. 28.
b) 2aof. p. 121. [445] S)ie Seßingifcfie SrKätung be§ iht^Qc-ix^utvag
T8g TToöag fcfjeint bem S^jvadjgebrauc^e in intcberflJrec^en; unb wenn eS
aufs 2)cuf^maßen antäme, töitnte ic^ eben fo jagen: „fie fc^Iiefen mit über
einanber gefc^iagnen giißen" b. i. bc§ einen gnö fttedte ficf) über ben
anbern ^in, um bie 33ex'n:anbtfc§aft beS ec^tafS unb ÜTobeS anpjeigen
u. f. to.
— 59 ^
fo gar bis auf bic ^öttifdjcn ©öttcr — fc^önoä ^dh üon SSorftel*
lungcn für bcn ^ünftler, beut alfo feine Stcligion e§ lücnigftcnä
nid^t auflegte, jur Sd^anbe beg ©efd^mads, unb jum ©fei ber
©lupfinbung arbeiten ju tnüffen. 2)a roaren !cine 33ilber be§ 2lb=
fc^eueä, wie in ber f!anbinaüifd;en unb anbern 9Zorbif(^cn Sieli-
gionen: feine j^'ra^enoorfteKungen, tüie in ben 5J^9t()oIogien ber
l)eibnifrf;en 9)tittaglänber : fein Änod^enmann , ber ben St^ob, fein
Ungefieuer, baä ben St^eufcl oorftellen follte, tx)ie nad; ben Qbofen
unfereä ^öbetä; unter aUm SSöIfern ber (Srbe fjaben bie ©ricd^en,
ma§ "om finnlidjen, ben bilbfamen ^fjeil ber 9leIigion anbetrift,
bie befte 9Jhjt^oIogie gel;abt: fclbft bie Kolonien i§rer 3teligion,
ni(^t auggcnomuien.
3n)eiteng : bo(^ aber gab e§ ja fo f^äufigc 3]or[teKung§ arten,
Situationen, unb (Scfd^idjtc i^rer Steligion, bie intiner aud) für
ben ^ünftlcr loiberlid^e ©eftalten liefern wußten, racnn nic^t alä
§aupt* fo als 9cebenibeen: tüie nun? 2ttä 9iebenibcen freilidj,
unb eine 3}^pt§ofogie , bie nid^tg alä ©eftalten in feiiger 'Stui)^ lie-
ferte, joäre für ben 3)idjter geraif? eine tobte , einförmige ^Di^tl^olo-
gie geracfen, unb I)ätte feine ©riedjen an ^oefie ^eroorbringen
fönnen. @nug aber, ba^ bie^ 9Menibeen, untergeorbnete begriffe,
85 raanbelbare SSorftellimgen roarcn ; bei foldjen befanb fid) ber 2)i(^*
ter red^t tüoIjI unb ber ^ünftler aud) nod^ fo unbequem nic^t.
©in Jupiter 3. @. ber bie ©iganten unter feinem SBagen Iiat,
fann unb fott auf fie , alg auf Ungclieuer , alg auf raibrige ©eftal-
Un feinen 33Ii^ fd;tcubern; aber biefe ©cftalten fitib ja nidjt ber
§auptanblid: fie finb mit il)rem @räf3lid^en bem Jupiter unter*
georbnet, unb alfo ba, ba§ 3)kieftätifd^e in i§m ^u ocrmeliren;
nidjt alfo roiber bag ^auptgefe^ ber ^unft. ©in f(^öner 33acd^ug
unter taumeinben 5Jiänaben, unb auägelaffenen mit ^ausbadcn
blafenben SSacdjantcn, unter ©ilenen unb ©atprg, mirb um bcflo
Ijcrrlic^er unb fdjöner erfd^einen. 2)ie fürdjtcrlic^c 3Jlebufe auf beut
33ruft^rnifc^e ber ^allag wirb bie männlid;e ^ ©d^ijnljeit iljrer &'ÖU
1) %: n'dxnliäjt [ben gteidjen ^t^lix in I, 221 3. 13 corrigirt bie
— ^ 60 > —
ttnn nocf) inef)r er£)eben: benn ()ter ift fie rtic^t Hauptfigur, fort*
bern S^^xxaÜ) ber Äleibung. ©o ^erfeug mit feiner ©orgone:
SSulcanug, ber £)infenbe, mitten im ©aale ber ©ötter: fo ßerberuä
unter ben g^ü^en bog majeftätifcfien ^luto — raie mand^eg Rapier
märe mit ©inmenbungen gcfdjont, mcnn nmn bebadjt Ijättc, ba^
in einer ßompofition von Figuren auf eine SZebengeftalt ja nidjt
bag .^auptgcfcl fallen fönne, o|ne bag ©ange ju üerberben.
SDrittcttg: mag i<^ üon ben @riec§ifd)en ©Ottern gefggt, gilt
aud^ üon it)ren gelben. 2Seber iljre ^eroen , nod) 3)Ienfc^lic^e gel-
ben ^ahm px iljrem ^aupt^uge eine ^lofterljeiligleit , eine üergüd'te 86
2tnbadjt, eine bußfertige SSerjerrung, ober eine fidj roegmerfenbe
3)emutl). Slllein alfo, für fi(^ felbft genommen, läßt ber §elb
l;o^er ©djön^eit $la^, infonberl)eit menn er alg ^auptperfon in
feiner bleibenben ?^-affung erfc^icne. ©e|et i§n aber auc^ in an
SD^cbium ber ^inberniß: feine Seele roerbe üon Qoxn, oon Jammer,
Don 33ettübniß erf(^üttert: freiließ wirb er nidjt ben ftoifc^en 2öei:=
fett mad^en; aber bie empfinblic!^c Statur feiner 3)ienfdjljeit , mirb
fie feiner Ijö^crn 9latur mieberfpred;en börfen?
Hier ftelje bie 2tbfdjilberung 2lgamemnong in bem Dpfer ber
Sp^igcnia. Slimantljeg ücrl)üllte iljn : marum aber l)at er i§n oer-
Ijüllet? @r l;at fid), fagt ^liniug,"' in ben traurigen ^l)t)fiogtto=
mien erfc^öpft, fo baß er bem 3]ater eine noc^ traurigere geben gu
lönnen oergroeifelte. 2)icß läßt Hr. 2. ben ^liniug fagen," unb
— — roieberlegt alfo bie von iljm gegebene Urfai^e mit 9iec§t:
benn eg ift ma^r, „baß mit bem ©rabe beg Stffeftg fic^ auc^ bie
„iljtn entfpred^enben .güge beg ©efic^tg üerftärlen; baß ber l;öd)fte
„©rab bie altcrentfdjiebenften Qüa^o. liabe, unb nidjtg fer) berJlunft
„leid;ter, alg biefe aug^ubrüden." ^liniug t)ätte alfo Unrecht,
unb ber ©djriftfteller" noc^ meljr Unrecht, ber o^ne biefe Don S.
angegebne Urfac^e gu entfräften, ^liniug glaubt, blog raeil er 87
idoneus auctor ift. Slber roie menn ^liniug bieß nic§t gefagt l)ätte ?
a) Lib. XXXV. Sect. 15. b) 2ao!. p. 18. 19. [385-6].
c) Klotz act. litter. Vol. III. p. 291.
: 61 .
^Itntu§ (Stelle ift biefe: Timanthes cum moestos pinxisset
omnes, praecipue patruum, & tristitiae omnem imaginem con-
sumpsisset, patris ipsius vultum velavit, quem digne non poterat
ostendere. 2öa§ fagt nun ^lintu§? ba^ S^tmant^ fic^ an trau*
ttgen ^l^pftgnomien erfd^öpft, ba^ er bem SSater feine traurigere
^ätte geben tonnen? nid^t! fonbcrn ba^ biefe noc^ traurigere [einer
nid^t roürbig geroefen wäre, ba^ er i^n in berfetben nid)t roürbig
I)ättc geigen fönnen. ^c^ roitl bem SSaleriuS 5[Rajimu§'' folgen,
mie er 2;imantl)§ ©emälbe angiebt : ^ald§a§ erfc^eint betrübt, tlli)f=
feg traurig , %\o.i ftö^t eben ein %6) ! auö , 5[ReneIau§ roinbet bie
§änbc — roie nun Stgamemnon? nid^t anberS al§ ftarr, finntog,
betäubt, bie ^üge be§ @efid^t§ eifern angeheftet, ober — rafenb:
benn fo äußert fic^, bünft mic^, ber §ödi)fte 2Iffe!t. 2ßürbe fid^
ba nun 2Igamemnon mürbig geigen? ber 3lnblic£" cine§ ©tarrfel)en*
ben, ift er mürbig eines 3]ater§? laum! unb ber bie ^änbe min-
benbe ?[Renelau§, ber äd^jenbe Stjai', ber traurige Uh;ffe§, ber
betrübte ^ald^aä mürben gerüljrter fd^einen, al§ ber ftarre S]ater
88 felbft. ©0 erfc^eine biefer rafenb ? ein unnü^ rafenber .gelb , ein
fnirfc^enber 2lgamemnon ift ein unmürbiger 3lnblicf. SBenn ?!Jten*
fd^en fein ^inb ertöbten : fo rette er§ : er roinbe ^ald§a§ ba§ Dpfer==
meffer o.\x^ ber .ganb, unb mad^e fidi; nid^t burd§ fein ©efc^rei,
burc§ feinen t)ergeblid^en ©c^merg unnü|. SBolIcn aber ©ötter bag
Dpfer, fobert eg bag 2Bo^l ber @riecf;en; iftg einmal ^ugeftanben;
^önig , fo miffe bic^ ^u faffcn : unb tuenn bein t)äterlid^ .ger^ brid^t,
fo — roenbe bein Sluge meg; »er^ütte bein 2(ntli^: fo erfcf;einft
bu mürbig beg SSaterg, unb beg ^önigeg, unb beg empfinbbaren
®ried[)en unb beg ^atriotifc^en .gelben.
Slud§ mürbig ber ^unft beg ^Diaterg? 3[Rit bem vorigen ju*
fammen; ob aber biefer le^te ^\md ber ©inige unb .gauptjmecE
gemefen? ob bie fd^önen ^Raifonnemeng eintreffen, bie %x. £. beut
^imant^eg ©d^ulb giebt," „ba^ er bie ©renken feiner £unft
a) Valer. Maxim, lib. VIII. Cap. 11.
b) ?ao!. \^. 19. [38(5; gefiitit]
— . 62 . —
„gcfannt, ba^ er ba§ ^ä^ttd^e, ha§ SSer^errenbe im ©eftd^t 2tga*
„memnong gerne gelinbert i)ätte; ba eä akr rtid^t angieng — fo
„^6e er tfin üer^üttet. ®ie S^er^üttung feg eben ein Dpfer, bag
„ber ^ünftler ber ©d^önl^eit gekad^t f)a6e;" roei^ ic§ nic^t; raenig-
fteng !onnte i§m ba§ Dpfer nic^t fc^roer roerben, benn er hxaä)k
eg aw§ fremben 9JZitteIn. 9)^e{)r alä ein 3)id^ter^ l^atle fi^on im ■
©d^aufpiele ben Stgamcmnon rer^üttet, unb 3:;imant^ borfte at[o 89
nid^t er[t mit fic^ barüber üernünfteln. @r roäre frec^ geroefen,
roenn er, maS ber Sid^ter oer^üllt ^tte, ^ätk entblöfjen roolfen,
gumal e§ auf feine ^unft fo fel)r gutraf. SÖarum i^n aber ber
S)id^ter t)erf)üttt? ob ztroa einem fünftigen %mantf)t§ gu gut? ob
etroa eine ?5^igur ju uer^üten, bie fid^ nid^t malen tie^c? ob um
ber ^unft ein Dpfer §u bringen? SDer ^unft freiließ; aber faum
bem ^infel be§ 2;imant§e§ , fonbern feinem eigenen ©c^aufpiel, unb
ber ©rajie beffelben! S^ic^t, al§ mmn biefe bei ber Opferung
cineä ^inbeg einen ftoif(^en gelben foberte; fo unmenfd^lid^ ift
bie ©riec^ifrfje ©ra^ie nid^t. Dtid^t, al§ raenn fie einen betrübten
äd^jenben Später nic^l bulbete; raarum nid^t, roenn e§ bamit get£)an
raäre? 3lber ^ier foEte er ben £)öd^ften^on bc§ üäterlid^en ©d^mer*
je§, unb beä entfe^lid^ften ^ammer§: i^n follte ein §elb anftim-
men, ber juglcid^ ^önig mar, ber baburc^ bie ©ried^en rettete,
ber i§nen bie Opferung oerfpro^en ^atte: biefer alfo fein Söort
bred^en, fein 33oIf nid^t lieben, bafür aud^ nid^t etraag (2aure§
tl^un rooUen? @r laffe fie opfern, er #afe nid^t mie ein ^lageracib
DergebenS um^er : er menbe fein 2luge ah , unb meine Ȋterlid^e
S()räncn: fo erfd^eint er — mürbig bem Könige unb bem SSater,
mitljin aud^ mürbig ber ^fieatralifd^en ©rajie. 9lur ba biefe einer
anbern ^erfon, einer ßlptemneftra , einer §cfuba unb anbcrn §el=
ben noc§ maf)rfd^einlid§er manc^eä f)ätte erlauben fönnen, voaQ fie 90
in biefer Situation, biefem Stgamemnon nid^t erlaubte: fo fic^t
man, ba^ aud; bei ©uripibes biefe 35erl)üIIung me^r ein Opfer für
feinen gelben in biefer «Situation, al§ für ben gelben abfolut.
a) 3- ®- @uri)3ibc§ in feiner 3|5§igenia u. f. u\
— ^ 63 . —
ober abfolut für bie ©ragte ber ©d^aufpielfunft getoefen; unb ba^
bie ©ragte einer fremben ^unft §ier gerat^ gang beifeite trete.
^nbeffen, wie eg fcp: 'fo bleibt 3:;iinantt)c§ ©emälbe, felbft
big auf ben fc^retenben ätjas beffelbcn/ für §rn. Se^ing, xinb
felbft ber rafenbe Slja^, bie fürd^terlid;e 3}iebea, ber leibenbe §er=
fukg, ber feufgenbc Saofoon; unb immer ge^n 33eifpicle gegen ein
gegenfeitigeä beftätigen feinen ©a|, „tüie fe^r bie griec^ifd^en J^ünft*
„ler baä §ä^Iic§e ücrmieben, unb rate forgfältig aud^ in ben fc^tüer-
„ften glätten <B^'örü)dt gefud^t." ©ollte man aber in ber neuern
3eit, mit Stuäbe^nung ber ^unft aud^ über bie ©rengen «beg
©d^önen, bag Söefen berfelben f)aben änbern, unb t§r ein neueg
Dbergefe^: „SBal^r^eit unb Stugbrudf" geben motten?*' ober fottte
biefe Uebertragung über bie ©rengen beg ©d^önen nid^t aurf; gu
91 unfrer 3cit blog ,,©igenfdjaft beg ©efc^madfg in ber unb jener
©d;ule" unb alfo eine ^afogelie fepn , an ber eg ben ©ried;en
bei il^rem ^aufon unb ^preicug aud^ nidjt fel^Ite? bie 3^rage
wirb fid^ im folgenben mel)r ergeben. „Sßenn man in eingelnen
„glätten ben Makx unb Siebter" (unb alfo aud^ bie i^unft
graoer Reiten) „mit einanber »ergleid^cn raitt, fo mu^ man oor
„alten Singen roo|l gufeJien, ob fie beibe itire oöttige g^rei^eit
„geljabt Ijaben, ob fie ot)ne atten^^i^ang^ auf bie §öd^fte SBixIung
„i^rer ilunft l^aben arbeiten fönnen.'"' Unb mer tjat t;ier in einer
freiem Suft geatl^met?
7.
„®in äu^erlid^er 3^ött9 ^a^ ^ei bem^ alten Itünftler öfterg
„bie Steligion." S3acd;ug mit Römern ift Se^ingen'' Ijier bag erfte
a) §t. 2. tmn bem SJateriuS immer gkuku : beim auf ben fd;veieu=
ben Slja); fäüt in bem ©emätbe utd}t baS §au^taugenmevf : imb otfo auä)
ttic^t ber MittdpuxiU, bie Sierbe feine§ @atje§: bet ba§ ®auje ber (Som=
:i3ofition, nic^t eine 9Je6enfigur tteffeix wiü.
b) Sao!. p. 10. 23. [380. 388].
c) p. 102. [435]. (1) Saof. p. 103.
Ij 2.: äujjevtic^eit 3wang 2) 2.: wax bem
— . G4 . —
Setfpicl, ba§ i^n anä) fc^cint auf btc[e fo rr)a()rc StuSnaf^mc gebrad;t
ju fiaben. S3acd^ii§ mit Römern! „^n ber 2::§at, fagt §r. S.,
„ftnb fold^e natürltd^e .^örner eine- ©(^änbung ber tTtenfd^Uci^en
„©eftalt, unh fönnett nur 3Befen gedienten, benen ntan eine Slrt
„von 5[RittetgeftaIt jtüt[d;cn 5Jlenfd^cn unb S^^ter ert^etlte."* Unb
forgfältiger f'ann nicfjt ein ^reunb bebad^t fepn, feinem g^reunbe
bic §örner oon ber ©tirne treg^ufc^ äffen, aU §r. 2. für feinen
fc^önen S3accf)u§ beforgt ift.
@r erflärt fic alfo juerft für einen Bloßen (Stirnfc^mud'." Unb 92
roo|er ein ©tirnfrfjinud"? 3lu§ ber ©teile be§ 2)i(f;ter§ —
tibi cum sine cornibus adstas
Virgineum caput est:
„(Sr fonnte fic^ alfo auc^ o§ne §örner feigen, fagt^r. S., unb fo
„raaren bie ^örner ein Stirufd^mud, ben er auffegen unb ablegen
„tonnte." SBic? folgt bie^ le|te 2(tfo mo^ au§ ber Steile DoibS^
au§ einer feierlid^cn SCnruffung beffelben ? Sßar Sacd^ug nic^t ein
©Ott? ber fic^ alfo aud^, roie anbere ©ötter, in me§r al§ einer
©eftalt geigen , ber balb in jungfräulid;er ©d)öni)eit , balb im fürd^=
terlid^en ©djiadjtgetümmel fürc^terlid; , balb al§ ein fc^öner ^üng*
ling mk ben «Seeräubern ^omerg erfd;einen tonnte? Unb §atte
Sacd;ug bie^ nid^t blo^ mit anbern ©öttern gemein, fonbcrn gu
einem il)m eigenen ißorguge, ber ©ott oon taufenb ©eftalten
(/.ivQioi.ioo(pog) ju fepn, unb alfo auc^ bie ungölig oielen Seino*
tticn ju l)abcn, bic il)m Drpl)cu§, bic ßpigrammatiften , 5Ronnug
u. a. geben? folgtä ba mo^l au§ ber Stelle DoibS, ba^ S3acc^ug
— — baburd) öifj.OQcpog, c/colvf.iOQ(pog, i.ivoiOf.ioQq>og merben
fönne, toenn er — — feine .^örner ablege, toie oi^ngefä^r eine
alte :3ungfer it)re falfd)cn 3ä§nc unb Prüfte? armeä Sob! —
©inem frommen 6§riftlid)en G^emann tnögen feine Körner einen
bloßen Stirnfdjutud unb eine Ärone ber ©ebulb oon beroä^rtem 93
@olbe bcbeuten: nidjt bem 93Jt)t^ologif(^en 33acd)U5.
*) [eao!. p. 104 = 436].
a) 2aol p. 95. [431; frcieS Sitat].
__ 65 ^ —
©0 mögen eä moijl i'cine Sacd^uS fet)n, bie mit ]^erüorfprte*
^enben hörnern baftefien, [onbern lieber g^aunen:* benn „in ber
„%t)at finb folc^e natürlid^e §örner eine 6(^änbung ber menfd;-
„liefen ©eftalt, unb fönnen nur 3Se[cn gcjicmen, benen man eine
„2trt t)on 3}littelge[talt pifd^en 3)tcnfd§en unb 2:i)icr ertl)eilt."
Wdt folc^en gejiemenben ©c^Iüffen! aU roenn 93ac(^u§ nic^t oft
gnng biefcn xmb nod^ ungejsiemcnbere 9kmcn befäme : aU mt^nn er
nic^t oft gnug '/.EQaog, ör/.EQaog, XQcooy.eQaog, ravQt07tog, rav-
QO/^iSTcoycog , ravQovxQaog, '/.SQaacpoQog , gehörnt, jracigel^örnt,
®o(bgc!^örnt , ©ticrgel)örnt §ie^e. ^ur^! bie ^örner roarcn in
geroiffen S)eutimgen if)m mefentlid^, unb geijörten mit pi feiner J)ei=
(igen Stffegoric, in ber il^n bie ©riechen mit üon anbern SSöIfern,
bie bie Slttegoric nod^ über bie Scfjön^eit ber 9Jknfc|Iid}en ©eftalt
liebten, befommen l^atten.
Db aber 33acdju§ in allen'' feinen ^^empcln nid^t anberg, alg
gehörnt, erfc^ienen, ift roieber auf ber anbern ©eite ju meit, unb
Ijat für |)rn. 2. feinen ^i>ortl)eil, alg nat^^er" feine @rrat^ungg=
fünft 5u üben , roo benn alk biefe gehörnte (Statuen S3accl)ug geblie*
bm fein mögen, ba mir fe^t feine Ijaben? Stir bünftö gnug,
94 ba^ ber bei ben Siebtem uielgeftaltige 33acc^uä aud; bot ben islünft-
lern, aud; in feinen 3::empcln „in mand^erlci ©eftalt" geroefcn
fcp: ba^ nad^ ber altern allegorifirenben 9Jfi)tl)ologie bem 33acd§ug
bie ^örner fel}r bebeutenb unb oft alfo aud; für 'om SBerfmeifter,
ber ber Sieligion arbeitete, ein Stttribut beg 33acd)U§ fei)n muffen:
ba^ in ben bcffcrn ^^^^ten, ba bie ©rieci^en felbft üieleg oon il^rer
l)eiligen Slllegorie ber ©d;önl)eit aufgeopfert, aud^ bie gan^ fd;önen
©tatuen beä 33acd}ug, infonberlieit in feinen ii'unftmerfen, bie beften
gemorben; unb fo ^erftieben alle Siberfprüdje von felbft.
llebcrl)aupt follte bag me§r auf iilunft unb ©ic^tfunft angc*
roanbt merben, mag bie ju verfdjiebenen 3^^t^'i^ yerfdjiebene S^eli-
gion auf beibe gemirfet. ^n ben älteften ^^-'i^^'^^ '^^ i^od; bie
fremben, von aujien überbradjten 93egriffe galten, maren freilid^
a) \!aotp. j04. [435] b) ^v 1(J3. c) p. 104. [43ü]
^erbevä jämmtl. aBevle. III. 5
— . 66 —
bte SSorfteKitrtgen ber ©ötter oft unroürbig: ünb Jupiter feI6ft
fd^ämtc fid^ ntd^t, mit beibertci ©efd^lec^t, mit einem S3eite, unb
in ©eftalt eincS iOHft!äfer§ ju erjc^einen. Salb akr entroöüte fid^
bic^ 3tttcgorifd^e @e!^irn ber Slegppter unb 3tfiaten in ber freien
©ried^ifdjen Suft: bie unnü^en ©eljeimniffe unb 3)eutungen in
9Jix)t§otogie , ^l)i(ofopf)ie , ^oefie unb i^unft mürben unter ben
®ried;en au6 if)ren üerfc^Ioffencn Kammern auf offnen 9)Jar!t getra*
gen, unb ©cfjönl)eit fieng an, bag §auptgefe^ ber ^oefie unb
^unft, nur 6et jeber auf eigne 2lrt, ju roerben. ^omer, ber 95
©o^n eines fjimmlifc^en ®eniu§, roarb ber üsater fdjöner 2)id^ter
unb fdjöner ^ünftkr: unb glüdtii^ ift bog Sanb, bem in ber finn-
Ii(^en ^oefie unb ber nodj finnlidiern ilunft, ber ©eift feiner ^eit
in Sk'Hgion unb ©itten unb @elel)rfanifeit unb ßultur fo roenig
^mang auflegt, als ©ried^enlanb in feinen fdjönften 3*^^^^^- S«^
munbre niidj , ba^ Söinfelmann in feinen ©diriften biefe 2t6ftreifung
frember, alter, 3tllegorif(^er 35egriffe nidjt md)v bemerlt, unb in
i^rer 3Ru^6arfeit gejeiget §at : c§ ift ein -Oauptfnoten in bem ^-aben
ber i^unftgef d;ic^te : „wie bie ©ried^en fo mdnd)e frembe brüdenbe
„^been in bie il)nen eigne fd;önc 9^atur üermanbelt l)aben!"
SLson hieraus gienge ber fii^erfte 2\>eg, um jmifd^en inne burd)
Sebeutung unb ©c^ön^eit, burd; 2lllegorie unb Sc^önl^eit ber
^unft unb ^|>üefie un6efdjäbigt burd;jufommen : id^ mürbe aber mit
einmal ju tief in ben Unterfd;ieb ber bic^tenben unb bilbenben
Äunft taud;en muffen — alfo gurüd ju unfern ^rolegonienen.
8.
2Benn ©(^önljeit bag l^oc^fte @efe^ ber bilbenben ^unft ift:
freilid^ , fo mu^ Saofoon nid^t fd^reien , fonbern lieber nur beflemmt
feufjen: benn roenn fdjon ©opljofleö ^u feinem ^l)eatralifd}en 3luf*
tritt einen brüllenben ^^Ujiloltet chm fo ungereimt fanb, alö Se^ing 96
ben ftoifd^en $t)iloftet finbet: roie mel me^r ber Slünftler, bei
meld^eut ^in ©eufjer unb ein (5d;rei be§ offnen "ü)tunbe§ eroig
bauret.
— . 67 - —
Dl^ne e§ nun burcfj eine §anbt)oH SScrmuf^ungcn auSniad^en
gu TOotten, raer ben anbcrn nac^gealjnict , ob ber ^ünftler ben
®ic|ter, ober ber ©id^ter ben i^ünftler? füljre id) nur @in§ an,
n)a§ §rn. Se^ing in beut 2tugcnblic!e " nic^t beigefatten, ba^ e§
au^er 5]]i[anber/' ber nur alg eine Quelle S>irgilg im Unbeftimw-
ten angegeben rairb, cä ©ricrfjcn gegeben, rao SSirgil ben näljern
©egenftanb , bie ©efd;ic§te Sao!oong [clbft, gefd}öpft t)aben fönne.
$Da^ unter ©opljOÜeS »erlotjrnen ©tüden and) ein Saofoon fer),
^t ^x. 2. felbft angefüf)rt/ unb ©eruius meinet, ba^ isirgil bie
@e[d;id^te Sao!oon§ au§ bem ©riedjifd^en beg @up§ormio' gefd;öpfet
— 3>ermut()ungen, bie menigfteng meiter bringen fönnen, alg ber
leere ^flame eine§ ^ifanberg, ober ein Quintuä ßalaber, ber eä
nid)t üerbiente, üon §rn. Se^ing*^ audj nur a(§ ein fjatber ©e-
n)äf)rgmann angefül^rt p werben: benn mag gefjt feine gan^e
©iganten = ©rjäfitung unfern ^^irgil, ober Sao!oon an?
QuintuS (Salaber ift ein fpäter ©d^riftfteEer, ein übertreiben*
ber 3)id}ter, ein fei)n raottenbeg Original — me^r Umftänbe brandet
e§ nid^t, il)m ■ bei biefer ^Badjc ben Zutritt eineg ^i^ugen ftrittig
97 ju mad)en. @r bid;tet bei feinem Saoloon fo roeit in bie 2Belt
tjinein, tta^ bie ®id)terifd)e g^abel faum mel)r g-abel bleibt: fie
rairb ein abentl}euerlid)e§ 9i'iefenntäl^rd}en. Söaruiii mu^ unter beut
raarnenben 2;:rojaner bie @rbe erbeben? 3Benn ^roja burd; bie
Sift ber 5Dtinerua fallen foll; mag braudjtg bie ganjc Wiad)t "^npU
terg, 9ceptunug unb 5|Jluto? Söarum muffen feine unfdjulbigen
Singen üerblinben? marum mu^ er rafen? ®tma um nod; blinb
unb oerftodt fortzufahren in feinem 9tatl)e , unb alfo al§ ein
tro^enber ©igante gegen bie ©ötter §u erfd;einen? — ®tma wei-
ter burdj biefen uerftodten 3ktl; nod; erft bie neue S>erbredjerftrafe
ber S)rad;en ju uerbienen — 3i]ag braudjtg ben gutgefinncten Pa-
trioten erft in einen §immelgftürmcr , in einen tollen 3.scrbred)er
a) 2aot p. 50 — 67. [403 — 414] b) p. 51. [404]
c) p. 8. [379] d) p. 52. [405]
1) ipei}ne; „(SuV^i^ovion" [fo buvcfjgeljeubö]
ttmgufc^affen , itnb nad^l^er gar — Unfd^ulbtge für t^n letben ^u
laffen? Saofoon fel6[t gcf(^ie[}t nic^tö üort ben 2)rac^en: feine
armen imfc^ulbigen Sltnbcr mcrben ergriffen, unb gerfieifi^t, —
a6entf)euerlirf}e , a6f(^eulic^e Scene, o^ne 3Sa^( unb 3i^ecf, ol^ne
3ufammcnorbnung unb bii^tenben 3Serftanb!
'^d) bleibe alfo bei S!5irgil unb bem ^ünftfer. 3Sirgi( mag
aug ^^ifanbcr, aug ©up^ormio, unb roof}er e§ fep, gefd^öpft §aben:
fo fd^öpfte er aU S)i(^ter, aU ©pifc^er 2)i(^ter, al^ §omer ber
Siömer. ßr fleibete alfo aurf) biefe (Sr^äfilung in dn ©pifd^eg
©eraanb: er go^ fic in eine %xt üon ?Reuf)omerifc^er g-orm; unb 98
in folrfjcr ©eftalt tritt fie un§ üor S(ugen. ä\>ir ^6en einen
©cfjriftftetter ^'^ ber fid) bie 53iül)e gegeben, SSirgil mit ben ©rie-
d)m 3u Dergleichen, unb ii)n bal}er ju erläutern; (Scl)abe aber,
ba^ ifjin in feiner SSergteic^ung blo^ 2Borte, S3ilber unb einzelne
Sappen uor 2(ugen finb. S)ie 9Jianier [einer ^ocfie au§ §omer
unb anbern ©riechen ju erftären , ift if)m nic^t eingefallen , fonft
mü^te fid) aurfj in biefer ßr3älung üon Saofoon ber 2)irf;ter gei-
gen, ber nad; .'oomer jcic^nen rooKte. — äsietteidjt rairb meine
9>ermut^ung, meldje ©teile ^omerä ;ßirgil nad;geal}met , etroaS gu
unferm 3'^*-''^^^ ti)nn.
Steneag mitten im Srjälen,'' fommt auf bie ©efdjid}te Sao-
foonö, unb fie^e! —
bie aliud malus mlseris multoque tremeudum
obilcltur magls atque improvida pectora turbat.
Laocoon — —
9Öem fällt nun nic^t gleid) bei Gröfnung biefer Sdjlangenfccne ber
§omerifcl)e 9ceftor'' ein, ber aud; eine foldje Sdjlangenfcene mit
einem äl)ntidjen evO-' Effiainj asya oi]ucc eröffnet? S)er 3]orfalt
bei bciben ift uerfdjieben; bie "S)Jianier ber Grjälung ift völlig bie-
felbe. 33ei §omer erjält ber gefpräd;ige 'iJllte, raie üor il)rer
ix) Virgilius cullatioiie scriptor. graecor. illustratus opera et indu-
stria Fulvii Vrsini. Antverp. 1567.
b) Virg. Aeueid. lib. II. 198. c) Homer. Iliad. B. 308 — 320.
— - 69 > —
99 2lbfat)rt bic @r{c(^en ringS um eine Duette beix UnfterHii^en Dpfer
gebradjt, lüic barauf nal^c an einem ^appelBauinc fiä) ein gvo^eä
Söunber^eid^en feigen laffen: ein rof^geflecfter gräulicljer S)rac^e, ben
Jupiter [el6ft gefanbt, [c^of5 unter bem %u^i beä 2l(targ plöllid;
l^eroor, [erlang [ic^ jum ^^^appelbaume ^inan, mo bic 33rut, bic
garte S3rut eineg ©perlingö auf bem ©ipfcl beä 33aumg hinter
blättern oerftecft niftete — ac^t an ber S'^^K "^^ ^^c 5D]uttcr ber
jungen mar bie neunte. Df)ne ©rbarnten mürgte ber S)ra(^e bie
minfeinben kleinen; bie SJiutter aber — gmar flatterte fie üagenb
um iljre geliebte S3rut, attein audj fie marb am ^^(ügel von
\i)\n umfc^Iungen, ergriffen unb mitten in iljrem ©efd^rei ermürgt
u. f. m. — -Mc^ bünft, 3]irgi( (jabe in ber ©pifc^en ©intleibung
beä Saotoon .^omer im ©ebanfen gehabt; nur ba^ er baö (Spifdje
fo oerftärfte, ba^ au§ .^omerä einfadjer ©rjälung ein üöttig aus^
gemaltcä Sitb marb , — gegen baS id) boc^ lieber ^omerä einfadje
©rjälung jurüdmünfdjte.
^n §omer finb atte ©ricd^en fd;on in ©rmartung: ringg um
eine Duette gelagert, mit bem Dpfer an bie Unfterblidjcn befdjäf=
tigt, unb alfo in ber Raffung, auf ein Ijimmlifdjeä 3cid;en ju mer=
fen, fo balb e§ erfd;iene. 33ei 3]irgil ift atteS unftät, gerftreut,
auf ben @ried^ifd;en 33etrüger §ordjenb, unb nidjt auf Saofoonä
Dpfer; bie Schlangen erfdjeinen, unb maä für ein ©eriiufd;, mag
100 für ein ^Uitfdjern im ^DJecr muffen fie madien, elje fie bemerft
werben. „,3i^o ©erlangen fommen üon ber ^'61)q be§ 3)tcerg fjerab:
in ungefjeure 9tinge gefc^Iungen, (midj fd)aubert eS ju fagcu!)
liegen fie auf ber ©ee unb ftreben gemcinfdjaftlid} ang Ufer. dTdU
ten aus ben g-tutfjen Ijcbt fid; i§re 33ruft empor: über bie 3Baf=
fer ragen il^re 33(utrotI;en ^itmme: itjr übriger Körper ift mit ber
langen Dberflä(^c ber ©ee gleich, unb frünwit feinen unmäf5U(^
langen 3iüden in S^ingen ()eran. ß§ entfielt ein ©eräufd; bei
fd^äumenber ©ee, unb fdjon finb fie am Ufer: iljre Slugen fun=
!cln, i^re jungen jüngeln, jifdjen" — meld) entfc|lic^ lange 33or=
bereitung, fo ©pifd;, fo SJialerifc^, ba^ — i^ nidjt roei^, mie ©in
©ried^e tljrc 2(n!unft abmattet. 3Sie üieleg raenbet SSirgil auf ben
— ■ 70 " —
^Keben^ug eineä @emälbe§, ben ^omer mit einem SBorte üotten-
bete! unb roie i[t bie Qan^z ©c^ilbcrung mit foldfjert ausgemalten
^^ebenjügen übcriaben — beinalje ein untrügliches 2Ba(;r^eid§en,
ba^ ber ©idjtev nad) bei* §anb eineä anbern gearbeitet, ba^ er
nic^t aus bem ^^euer feiner ^I)antafie gefc^rieben. 2Bäre bieg , roie
roürbe er fic§ fo lange bei ilirem §eranplät[c^ern , unb noc§ länger
bei i^ren ^Ringen unb ©c^lingen aufhalten? 2)iefe finb i^ni ba§
^auptaugenmerf : fie ifomnten i^m immer von neuem ins @e[id;t,
unb er f(^aubcrt nie nteljr, als mtnn er an biefe unermä^lid;c
^ffiinbungen, unb Umfd;lingungen I)ätte auökffen ionnen. ©s ift 3cit, meine Sefer au§ bem
tritif djen '©c^utte Ijinraeg, ju biefcm i^auptintialte felbft näf)er f)inan
^u führen, unb —
9.
S)en erften Unterfdjicb ,^mifd;en ^oefie unb ber bilbenben Jlunft
fuc^t S.'' in bem Slugenblide ju ertappen, in ben bie materiellen
©d;ranfen ber Siunft alte if)re 9iad)al)mungen binben. ©iefer 2lugen*
hM alfo tönm nid^t fruchtbar gnug geiuätjlet raerben: unb fei
bann nur frudjtbar, raenn er ber GinbilbungSfraft freien SRaum
lä|t. — öo mcit nun finb fc^on alle ^unftridjter ge!ommcn, bie
über bie ©renken ber Mnftc nac^bac^ten; aber ber ©ebraudj, hcn
^x. 2. madjt , geljört il^m. ^ft nämlic^ bie 5lunft an einen Slugen-
blid gebunben, bleibt biefer Slugenblid: fo raäljle fie nidjt baä
c^ödjfte in einem älffeft: fonft roei| bie ©inbilbunggfraft fein i^ öl) e-
reg: fie brüdc auä) nichts 3:;ranfitorifc^e§ aus; benn bieg 2;ran=
fitorifdje rairb huxä) fie ocreiüigt.
9cidjtg l)ingegen nötljige ben SDid^ter, fein ©emälbe in einen
ätugenblid" ju conccntriren. ©r nel^me jebe feiner ^anblungen, 108
menn er mill, bei iljreui llrfprunge auf, unb fül;re fie burd; aEe
möglid^e Slbänberungcn big gu il;rer ©nbfdjaft. 3ebe biefer Slbän-
a) p. 24. [388]
— . 75 > —
berungen, bte bem ^ünftlcr ein gan;^e6 be[onbrc§ Btixd !often raürbe,
!oftc if)m einen einzigen ^uß ^- f- 'O^- 2)a§ ^cnnjcicfjcn felbft ift,
n)ie gefagt, tängft angegeben; iQx. 2. mad)t aber bieä angegebne
^enn^eidjen pra!ttf(^.
3li<^t§ Uebergel}enbe§ alfo wäl)k bie ^unft ,^uni Slugenblicfe
if)ve§ ©egcnftanbeg:'' aber raaä ift benn eigentlid;, raaS in ber
^i^atur nid^t tranfitorifd;, türtä in if)r oöffig permanent roäre? 9Bir
leben in einer SBelt üon (Srfd^einungen , \x>o eine auf bie anbre
folgt, unb ein Slugenblicf ben anbern üernidjtet; alleS in ber Söelt
ift an ben ^^lügel ber ^ei* gebunben, unb Seraegung, 2lbn)ed;fe=
hing, 2öir!ung ift bie Seele ber S^iatur. SRetapljpfifd^ alfo —
boc^ wir TOotlen l)ier nid;t 9JIetap§9fifd^ ; finnlic^ roollen roir reben:
unb im finnlid)en 3Serftanbe, na(^ ber ©rfc^einung unfrer 2tugen
giebt eg ba nic^t unabld^ige , baurenbe ©egenftänbe gnug , bie alfo
bie Jlunft nad;al)men foll? Slllcrbingg, e§ ßiebt foldje; unb bieg
finb gemifferma^en atte S^örper , unb groar fo fern fie Körper finb.
®iefe, fo abroedifelnb it)re ^e^tfolgen unb ^uftänbe aud) ferin
mögen; fo fc^nell aud) jeber Slugenblid iljre§ ©epnä fie änberc: fo
109 geljt er bod} nic^t unfern Slugen oorüber; für biefc f'ann alfo ber
^ünftler (Srfc^einungen liefern: er fd^ilbcre Körper, er atjuie nad;
bie bleibenbe 3flatur.
Sßenn aber biefe bleibenbe Statur aud; ^uglcid) tobte 5^atur
märe? menn ba§ Qntranfitorifi^e eine§ ^örper§ ^h^n oon feiner
Unbefeeltljeit ^eugte? 2llQbenn, bieä bleibenbe ^ntranfitorifc^e beg
©egenftanbeg jum Slugenmerfe ber ^unft oljue (Sinfdjränfung
gemad^t — ma§ anberg, alg bafj mit biefem ©runbfa^ ber Äunft
aud) — iljr befter äCugbrud genommen mürbe? S)enfe bir,
mein Sefer , einen ©eelenoollen ^lusbrud 'ouxd) einen Körper , meldjen
bu molleft, unb er ift t)orübcrgel)enb. ^q mcljr er eine 3}tenfd)'
lidje Seibcnfdjaft djaralterifiret ; um fo meljr bejcidjnet er einen
ücränberlidjen ^uftanb ber SKenfdjlid^en 9^atur, unb um fo mel;r
„erl)ält er bur(^ bie ^Verlängerung ber ilunft ein tmbernatürlidieg
a) p. 25. [389]
— . 76 ^
„Stnjcljcn, ba§ mit jcbcr loicbcrfioltcn (SrBUsfung bcn Ginbruc!
„fdjiüäcfjct, unb uitä cnbltcf) üor bem ganzen ©egcnftanbe @fel ober
„©rauen üerurfai^t.'" 2)te ©inbilbungsfraft Ijabc no(^ fo mel
©pielraum, noc§ [o* üicl ^-lug: fo mu^ [ie boc^ cnblic^ einmal an
eine ©renje fto^en, unb unroidig roieber jurüd fommen; ja, je
jrfjneKer fie geljet, je prägnanter ber gen3ä()[te 2lugen6Iicf fer), um
fo e^er fommt fie ju l^kl So gut al§ ic| gu einem lac^enben
la 3)Mtrie fagentann, roenn ic^ iJ)n gum brittcn, oiertenmal, noc^
la^enb fe|e: bu bift ein &cäl fo gut roerbe id) au<i) enblidj gu 5)tr)= HO
ronä £uf) fagcn tonnen: nun fo gelje boc^" fort, roa§ fteljeft bu? —
Unb fo oiel Urfac^e t(^ Ijaht, einen fc^reienben, einen unablci^ig
fcfjreienben Saofoon enblid) unteiblic^ ju finben; fo oiel Urfadje
loerbe ic^, nur etioaö fpäter, finben, auc^ ben fcufjenben Saotoon
überbrü^ig gu werben, roeil er norf; immer feufjet. ®nb(ic^ alfo
aud^ bcn ftel)enben Saofoon , ba^ er immerl)in fteljet , unb fic^ noc§
nid;t gefe^et Ijat: enbtic^ audj eine Sf^ofc oon^uifum, ba^ fie noc^
blüljet, nod; nid;t uerroefet ift: enblid^ alfo jebe 9Zadjat)mung ber
91atur burdj Slunft. ^n ber 9ktur ift Sllles übergeljenb , Seiben^
fdjaft Der Seele unb (Smpfinbung be§ Körpers : 2:§ätig!eit ber Seele
unb Semegung bes Kijrperä: jeber ßuftanb ber roanbelbareu enb=
tilgen 9latur. §at nun bie ^unft nur einen Slugenblid, in ben
2(Ilcg eingefdjloffen locrbcn foll : fo rairb jeber oeriinberlid^e ^uftanb
ber 9]atur burd; fie unnatürlid} oereraigt, unb fo l^ört mit biefcm
@runbfa|e alle Dladja^mung ber 9latur burdj ^unft auf.
3Zi(^tö ift gefäljrlidjcr , als eine Selüateffc unfreö ©efdjmadä
in einen allgemeinen @runbfa| ^u bringen, unb fie in ein ©efe^
gu f dalagen: fie giebt alsbenn bei einer guten getoi^ jetju mi^lic^e
Seiten. §r. 2. mollte ben ^öd^ften @rab bes Slffcttö oon ber
33ilbung einer Silbfäule ausf i^lie^en ; gut! ©r gob aber baoon
bie Urfac^c, ba^ biefe Seibenfd;aft tranfitorif c^ "^ märe; nidjt fo gut! 111
6r machte enblid^ au§ biefer Urfai^e einen @runbfa|: bie .Hunft
brücke nid^tä au§, roa§ fid^ nidjt anbcrs, alg tranfitorifdj, benfen
a) p. 25. [389]
lä^t: unb btc§ oerfüf)rt am rüetteften. 'Mit i^m wirb bie i^unft
tobt unb entfeclt gemad^t, fte rnivh in iene faule 9iuf)e üerfenfet,
bie nur ben Ktofter^eiligcn ber mitlern S^it gefallen fönnte: fte
Derliert alle ©eele i^reä 2(u§brucfä.
Unb roeld^eg märe benn bie angeblid^e Urfad^c einer fo grau*
famen fritifd^en 2lrjnei? Söeil eine tranfitorif(^e ©rfrfjeinung, fie
möge angenel)m, ober fc^redtid^ fepn, buri^ bie SSerlängerung ber
^unft ein fo raibernatürlic^eg Slnfeljen bcfomme, ba^ mit jeber
n)ieberf)oIten (Srblid'ung'' — Qd^ mag nic^t rociter! 9Bieber^oIte
©rblirfung! jebe roieberl^olte (Srblid'ung! roer mirb auf biefe redfj=^
nen? 3Ber roirb firf) in feiner ^ugenb ein SSergnügen werfagen,
meil e§ enblid^ mit jebem roieberl^oltem ©enuffe fdjroäc^er merben
mü^te? raer mit fi(^ felbft f)abern, mit feiner ©mpfinbung janfen,
ftatt fid^ ungeftört bem angcnefjmen ^c^t ju überlaffen, o§ne an
bie 3u!unft ju benfen? o^ne auä biefer fi(^ felbft ©(Ratten I)eroor
ju ruffen, bie bie g^reuben t)on un§ fd^eudi)en? 2U(e finnlid^e '^reu-
ben finb 6(0^ für ben erften 2tn6lidf, xmb für ifm allein finb
aud) bie ©rfrfjeinungen ber f.d;önen Jlunft. ,,2a 3)tcttrie, ber fi(^
112 „al§ einen groeiten Semofrit malen (äffen, lad^t bir nur bie erften
,,ma(e, ba bu i§n fietjeft: bu betrad^teft if)n öfter, unb er mirb
„aug einem $()i(ofopl^en ein ©ed; aug feinem Sad;en mirb ein-
„©rinfen." @§ fann fepn! aber wenn biefer ladjenbe ©emofrit
auc^ nur für ben erften Stnblid gebilbet fepn raollte? Sföie nun?
mar bei biefem erften 2lnblid'e fdjon fein Sadjen nid;t anberä, alä
üeräd§t(id§, unb miberlid;; marb fo gleich baburd} ber ^^itofopf)
ein refpeftiuer @ed, unb feine 3)emofritmine ein ©rinfen: fo ift§
frei(id; fc^Iimm für i()n unb ben ^ünftler. S)a§ Sadjen (}ütte
unterbleiben foKen; aber — nic^t feiner permanenten Sauer, fon-
bem feineg t)erädjtlid;en miberlidjen 3inblide§ mitten. Söar bieg
aber nic^t: bün!t bir nur nad; öfterm 33efud)e ber (ad^enbe ^^ito-
fopl) ein @ed — beKfater g^reunb! fo bilbe bir ein, bu fjabeft
iiju nodj nid;t gefel)en , ober — meibe i!^n. Stber un§ üermefire
a) p. 25. [389]
— 78 —
barum ntc^t feinen crften 3tn'6Itcf: xinb nod^ weniger forme ein
©efe|, ba^ ^infünftig fein ^^^itofopf) Iad)enb gemalt werben foUe.
3Baruni? roeil 'oa^ 2aä)m ma§ tranfitorifd;e§ fep. ^eber 3wftanb
in ber 3SeIt ift fo mc^r ober minber tranfitorifc^. (Suljer* Ijat
fid^ mit gefenftem Raupte, mit einem nonx ?^inger unterftü^ten
5!inne, unb mit tiefer ^^itofop^ifdjcr Mim fte($en laffen. ytad)
§r. Se^ingg @runbfa|e mü^te man i^n im 33ilbe anreben: ^l^i-
lofop^, rairft hu halh beine 3teft^etif auägebadjt §aben? ftirbt bir 113
nidjt bein gefenfter i^opf, unb bein erhabner g-inger? ©euf^enber
Saofoon, roie lange mirft bu feufjcn? <Bo oft ic^ bic^ fe§e, ift
bir nod) bie 33ruft betlemmt, ber Unterleib eingebogen? ein trän*
fitorifdjer Slugenblid, ein ©eufger, ift bei bir loibernatürlid^ t)er=
lungert. S)cr ©onnerroerfenbe ;3wp^ter, unb bie fd^reitenbe 3)iana,
ber ben Sttlag tragenbe §erfuleg, unb jcbc ?^igur in ber minbften
^anbhmg unb 33emegung, ja aud; nur in jebenx ^uftanbe be§
ilörperg ift alsbenn raibernatürlid; oerlctngcrt: benn feine berfelben
bauret ja emig. <So mirb alfo, roenn bie Dorftel^enbe 33{einung
@runbfa| mürbe, ba§ 2i>efen ber ^unft jerftÖrt.
@§ fann alfo aud; nidjt alö Urfad}e gelten , marum bie Slunft
feine Qöl)e beg Slffeftö ausbrüdcn mü^te: eä ift nid}t S)elifateffe,
fonbern ©fei be§ ©efd^madö.
^ebeg SÖer! ber bilbenben £unft ift , locnn mir un§ bie diU'
tl)eilung Slriftoteleä gefallen laffen, ein äöerf unb feine ©nergie:
e§ ift in allen feinen ^l^eilcn auf einmal ba: fein 2öefen befielt
nid)t in ber 3]eränberiing , in ber S^olge auf einanber, fonbern im
§oe:rfiftiren neben einanber. .§at alfo ber lEünftler e§ bem erften
aber ganzen unb genaueften Stnblide, ber eine nollftänbige ^bee
liefern mu^, ooltfommcn gema(^t; fo Ijat er feinen ^voeä erreidjt,
bie äöirfung bleibet eraig: eö ift ein 9Berf. @g ftel)t auf einmal 114
ba, unb fo raerbc eg aud; betrachtet: ber crfte 2tnblid fcp perma-
nent, erfdjöpfenb, croig, unb bloä bie 3L)ienfdjlid;c (2d;road)l)eit,
bie (Sd)laffl}cit unfrer ©inne, unb bas Unangenel)me bes langen
aj ®ammt. »evmifdjt. <Bä)X. Xf). 5.
— . 79 —
2tnftrcngen§ maä)t, bei tief ju crforfc^cnbcn 2Öci'fen, üietteidjt ba§
groeite, t)icl(etc§t Ijunbcrtftc Mal bc§ Stnblidä nöt^ig; bariim aber
finb atte biefe 3)iale bod; nur ©in 3tnblid". ai^aö id^ gefef)en \)ahe,
mu^ iä) nid^t lüieber feigen, unb roaä mir nirfjt burcf; ba§ ooHftän-
bige ®tnc beS 3(nbli(fg, fonbem nur bie Stbrocdjfelung , ^ burc^
bie 2Bieber(}ohing befjelben rotberlid; roirb, liegt nidjt in ber
.tunft, fonbern in bem Ueberbru^ ineineä @e[d)iuadä. A'ann bie-
fer nun einen ©runbfa^ ber üunft bilben? !ann er aud§ nur eine
tüdjtige Ur[ad)e cineä anbern ©a^eg abgeben?
©0 räume i<^ alfo bei .^rn. S. biefe Hrfac^e, aU Urfad^e, aU
©efe^ raeg, unb ben!e bamit gnug gu Ijahm, baf5 ber fjödjfte Stffeft
bem erften Stnblidc roiberlic^, unb ber ©inbilbunggfraft gteid;fam
ju enge fet), folgKd; in ber ii^unft muffe roenigftenS al§ §aupt=
anhM üermieben roerben. Söenn bie Sßirfung ber ^unft ein 2Berf
ift, gu (Sinem, aber gteidjfam eraigen 3(nfd;auen gebilbet: fo mu^
biefer ©ine 2Inblid auc^ fo üiel ©djöneg für baä Sluge, unb fo
oiet 3^rud;tbareg für bie @inbi(bung§fraft entfjalten, a(§ er ent^at=
ten fann. SDal^er fommt bag Xlnenblid;e unb Unermä^lidje in bie-
fer bilbenben ^unft, ba§ fie oor alten anbern fünften be§ <Bdj'6^
115 nen t)orau§ ^at: nämlid^ ein §öd;fteS ^beal ber «Sdjönl^eit für bag
3(uge, unb für bie ^^l;antafie bie fülle 3tiu^e beg ®ried;if d;en 2lug=
brudg: benn beibe finb bie 9Jtittel, xmg in ben Sinnen einer ^wU
gen ©ntjüdung, unb in bem 2lbgrunbe cineg langen feiigen 2lnblid'g
ju erhalten.
„2öie fommtg, fragt ein ^^ilofop^ beg (Sdjöncn,^ ba^ eg
„nur in ber 9)ialerei unb 33ilbf)auer!unft eine ^bealfc^önl)eit , ein
„aliquid immensum infiiiitumque giebt, ba^ fid; bie .llünftler in
„ber ©inbilbung jum ^Jhifter uorftellen, unb in ber ^id^tfunft
nidjt?" ^(^ glaube nidjt, ba^ er fid; biefe ?yrage r»on ©eiten ber
^unft burdj bie 33emer!ung aufgelöfet, „ba^ in ben fd;önen ^ün==
„ften bag ^bealfdjöne am fd;mcrftcn ju erreidjen fei;;'' benn bie
a) Sitt. SBr. X'i). 4. p. 285. [3)lcnbd8fD^n]
1) „bie3l6iped}fcümg," Meifct auä) Bei ajevfd^icbung toon „burd&" finntog.
.—,80 —
%taü,t hkibt biefelbe: „maxum mxi^ bentt ein fo fd^roereS ^id
„erreichet fein?" 3lu§ feiner Urfad^c glaube ic§, aU roeil bie
ilunft nur Sßerfe liefert, bie ©inen S(ugen6Iicf oorfteKen, itnb gu
einem großen Slnblide geHIbet finb: bie alfo i§ren 2tugen6Iicf fo
annel)mli(^, fo fd^ön mad^en muffen, ba^ nid^tS brüber, ba^ bie
©cele in 33etrad^txing beffelben oerfunfen, gleic^fam ru^e, unb ba§
?Okag ber oorüberge^cnben ^ät oerliere. S)ie fc^öncn fünfte unb
^^iffenfc^aften bagegen, bie burd^ bie ^cit unb Stbmei^felung ber
2tugenHicfe mirfen, bie ©nergie jum 2Scfen ^ah^n, muffen feinen 116
einzelnen StugenBIidf ein §öc^fte§ liefern, nie aud^ unfcre ©eelc in
bie^ augcnblicElid^e §öcfjfte »erfc^Iingen roollen; benn fonft roirb
eben bie Slnne^mlic^leit geftört, bie in ber g^olgc, in ber 3SerHn=^
bung unb 3(6mec§felung biefer S(ugen6Iicfe unb -ganblungen kru*
J)et, unb jeben Slugenblid' nur alfo alg ein ©lieb ber i^ette, nidfjt
raeiter nu^et. 3Birb einer biefer 2lugenbti(fe , 3wftänbe unb §anb^
hingen, eine ^nfel, ein abgetrenntes ^'öd)\k§>, fo gel)t ba§ 3Sefen
ber energifdjcn ^unft üerloi^ren. ^ft aber raieberum ber eine eroige
Slugenblicf ber bilbcnben ^unft nid)t fo , ba^ er aud§ einen eroigen
Stnblicf gcroä^rcn fönnte, fo ift if)r äßefen au(^ nid^t crreid^t. 33ei
«Körpern ift biefer einige croige 2lnblic! bie oollfommene Sd^ön!^cit;
unb fofcrn bie <Seele burd^ ben i^örper roirfen fott, ift§ bie l^o^e
©ried^ifd^e 9iuf)e. ®iefe ift jroifd^en ber tobten Untfjätigfeit, unb
jroifd^en ber aufgebrad^ten übertriebnen SBirfung mitten inne; bie
©inbilbunggfraft fann auf beibc «Seiten roeiter !^infd)roeben, unb
f)at alfo in bicfem 3(nblicfe ber ©eele bie Uingfle Unterhaltung,
^obte Unt^ätigfeit fd^neibet ben ^-aben ber ©ebanfen mit einem
©djuittc ab; bie 'J'igur ift tobt, roer roitt fie erroecfen? Sag
Uebertricbne im 2(uöbrucfe fürtet roieber auf ber anbcrn 8eite
ben 3^Iug ber '^^antafie; benn roer fann fid; über baö ^öc^fte nodj
etroaä §ö§ere§ gebenfenV 2lber bie feiige 9M)c bcg ©riedjifdjen
StugbrudS Tüicget unfre ©eele nadj beiben (Seiten l}in: unb in 117
i^rem Stnblide ftellcn roir uns (Wglcid; baö fülle 3)ieer vor, aus
bem fidj biefe fanfte 3Belle ber Seroegung unb Seibenfd;aft ert)oben;
^ugleid; and): 3]^ie roenn bie Sßelle ftd; meljr i)ähQ? roie roenn auä
— 81 > —
btefem ^utj^enben S^p^xix ein rel^enber (Sturm ber Setbenfd^aft
tüürbe? rote roürben ft(^ alsbenn bie g^lutl^en tl^ürmcn, xmb ber
2lu§bru(f auffd^roeKen ! — 9Betc§ roeiteg 'Jelb ber ©ebanfen liegt
alfo in beut 2lnMt(fe ber fanftcn 9tu^e beS @riec^ifd)en Sluäbrucfg!
^ä) glaube, oon groeten Problemen, bert ©rurib in bem2öe[en
ber ^unft gefunben ju 'i)ahm. Sßarum ift bei ber bilbertben Jlunft
ba§ l^öd^fte @e[e| ©c^önl^ett? Sßeil fte neben etnanber roirfet, tl^re
3Btr!ung alfo in einen 2lugenbHcf ein[d^lie^et , unbiljrSßer! für
einen croigen 2lnblic! erfc^affet. ®ie[er einzige Slnblid liefere alfo
bag §öd)fte, roag eroig oeft f)ült in feinen Sinnen - bie ©d^ön*
§ett. — .<^örperlic|e ©c^önl)eit ift inbeffen nod^ nic^t befriebigenb :
burd§ unfer 2luge blicft eine ©eele, unb burc^ bie iin§ oorgefteEte
©d^önl^eit blide alfo au($ eine ©eele burd). ^n roeld^cm ^uftanbe
biefe? Dl^ne 3wß^fel i^^ i'cnt, ber meinen 2(nblicf eroig erf)alten,
ber mir bag längfte Slnfd^auen cerfc^affen fann. Unb roeld^cä ift
ber? ^ein Buftanb ber faulen 9iu^e, ber giebt mir nirfjtg gu ben=
!en: fein Uebertriebneg im Slugbrude: bie^ fdjueibet meiner ©in-
118 bilbunggfraft bie ?^lügel: fonbern bie fid^ gleirfjfam anüinbigenbe
33eroegung , bie aufge^enbe 9Jlorgenröt^e : bie un§ ^u beiben ©eiten
linfd^auen la^t, unb alfo einzig unb allein eroigen SInbUd' geroäljret.
3luf bie 2(rt generalifiren fid§ bie ^^cgriffe be§ Unterfd^iebeä
üon felbft , unb mir reben nid)t met^r , von 33ilbl}aucrci unb ^oefie,
fonbern oon fünften über'^aupt, bie 9Ber!e liefern, ober burd^
eine ununterbroc^ne ^ ©ncrgic roirfcn. Söaä »on ber ^oefie gilt,
roirb, in biefen: 33etrad^te, aud) oon ?0^ufi! unb ^anje gelten;
benn aud^ biefe roirlen nid^t für einen Slnblid, fonbern für eine
^olge oon 3{ugenbliden , beren SSerbinbung eben bie äöirfung ber
^unft mad^t: fie |aben alfo burdjauS anbre @efc|e. (S§ l)ei^t alfo
aud^ nic^t, ben SRömifdjen S)ic^ter Saofoong erflärt; roenn id;
anfül^re,* ba^ fein clamores horrendos ad sidera tollit fein fdjie=
feg fd^reienbeg 3)iaul, unb feinen ^ä^lid^en Slnblid oorroeife: benn
a) Saof. p. 30. [392]
1) 2t: untetbrod^ne.
§erber8 fämmtl. Sßa*. III.
— = 82 = —
frettt(j§ arfiettete er nti^t für§ 2luge, unb no^ mtnber roarb btefer
3ug feirteä ©emälbeä etütger 2(n6Itcf, im 9JlaIerifc^en 3Serftanbe.
3l6er rate? raenrt feine gange ©d^ilberung, bie id^ al§ ein ©emälbe
für meine ©eele betrachte, mir feinen anbern innern 3uftanb
be§ Saofoon geigte, al§ ber in biefem ©(^reie liegt: 6Iei6t atSbenn
nic^t auä) im ©emälbc be§ ®ic§ter§ biefer S'^Q ^ouptfigur? 2Benn
id) mid^ an ben S^irgilianifc^en Saofoon erinnere, erinnere ic^ mic^ 119
nic^t jebeämal an einen ©(^reienben? benn auf anbre älrt f)at er
bei feinem ©d^merge feine ©eele nid^t gegeigt. 9^un änbert fid^ ber
©efid^tgpunft. @§ mu^ au§ bem SBefen ber^oefie, au§ bem ener-
gifd^en Qxütäz b^g 3)id^terg erflärt raerben, ob biefer 3ug ^on
Saofoon, bicfe eingige Sleu^erung feiner ©mpfinbung, in meiner
ßinbilbunggfraft Hauptfigur, bleibenber ©inbrud raerben follte?
9^icf)t gnug, ba^ clamores horrendos ad sidera tollit ein erhabner
3ug für ba§ Oe^ör fep; (mmn id) einen S'^Q füt^ '^^^ @el§ör Der*
fte^e) e§ mu^ aud§ bem S)i(^ter baran gelegen fepn, i^n gum
§auptguge Saofoong in meiner ^§antafie gu mai^en. ;3ft bieg
nid^t, fo §at ber ©id^ter, roenn ic^ gleid^ fein fc^öneä ^itb oer-
fange, bod^ auf mii^ feinen gangen (Sinbrucf nerfe^lt —
©§ ift nid^t mein Q'^ed, bie§ bei SSirgif gu unterfud^en. ^d)
fiabe SBinfelmann gered^tfertigt, ber (oieEeit^t nur gar :§iftorifc^)
fagen fann: „ber Saofoon be§ ^ünftlers fd^reiet nid^t, raie ber
„Saofoon bes Sjirgilö/' 3"^ ^^^ß bie Urfad^e, bie ^r. S. giebt
üom Unterf(^iebe beiber fünfte, geprüft, unb auf ba§ ©ine be§
Slnblicfg gurürfgefü^rt , in bem fic^ bie bilbenbe, unb feine anbre
^unft geige, '^d) roottte, ba^ §r. S. in feinem gangen Söerfe
biefen Unterfi^ieb beä ä(riftote(e§ groifd^en 9Berf unb ©nergie gum
©runbe gelegt §ätte: benn attc feine 5t:f)eiluntcrf(^iebe, bie er angiebt,
laufen bod^ cnblic^ auf biefen §auptunterfd§ieb f)inau§.
10.
2öie fann ber SDid^ter bem Äünftfer, unb ber ^ünftler bem 120
S)irf;ter nadf;a|men? '^d) glaube, ba^ ber Unterfc^ieb, ben ^r. S.
^ 83 . —
Bei ben Gattungen tl^ter ?!Rarf)a!^iTtung mad§t,* fc^on in itnfret
©prad^e liege, unb alfo au(^ in ber 2lu§einanberfe^ung atteS glcid^
huxd) ein 9öort beutlid^ mac^e. ©inen nad^a^men, ^ei^t, raie iä)
glaube, ben ©egcnftanb, ba§ 2öer! be§ anbern nai^mad^cn; einem
nad^al^men ober, bie 2li't unb SBeife üon beni nnbern entlefinen,
biefen ober einen ä^nlid^en ©egenftanb ju be^nbeln.
Um in biefen Unterfd^ieb einzubringen, fuc^t §. 2^ einen
©egner auf, mit bem er ftreite, unb bic^ ift ©pence. ©pence
mar freilid^ ein ratl^enber Itopf xioll Slttufionen unb 3leJ)nIid)!eiten :
dn 2öort, ein ^ug be§ Silbe§ mar ifim gnug, 2in[pielung unb
S^lad^aJimung ^u finben, unb id^ gefte^e gern, baf3 fic§ fein 2öer!
feiten über ein S^erjeic^ni^ oon ^arallelftellen ber 3)id§ter, (gmar
leiber! nur ber 9tömifd^en ®ic§ter) unb ber ^ünftler (unb bodtj
meiften§ ©riec^ifc^er ^ünftler) ergebe, ^nbeffen fpielt il)m §r. 2.
einen bi3fen ©treid^, ba§ er im ^ejte nü|lid§e (Erläuterungen
anführt, ' bie alten ©dfjriftftellen au§ ber 3Sergleid^ung mit ^unft=
121 merfen gumüc^fen, unb in feinen 91oten biefe nü|Iid)en ©rläuterun^
gen faft fdmmtlid^ raiberlegt. ©inb alfo nü^lid^c (Erläuterungen
bei ©pence t)on biefer Slrt, ober finb bie§ gar bie einzigen: fo
banfe iö) für ©pence.
Unb id§ roei^ nic^t, ob ^. 2. in 2ltlem, mag er gegen biefe
(Erläuterungen fagt, fo unget^eilt Siedet Ijabe. ^uoenal rebet oon
einem ©olbatenl^elme , roo unter anbern ©innbilbern er aud§
- — nudam effigiem clypeo fulgentis & hasta
Pendentisque Dei perituro ostenderet hosti.
unb 2lbbifon glaubte bie ©tettung be§ Dei pendentis nid^t beffer,
al§ burd) 2öer!e, ertlären ^u lönnen, roo SRarg ^u ber 9t^ea her-
unter fc^mebet, unb alfo über il^r gleid^fam l^anget. 9flod^ bin id^
für bie 2lbbifonfd^e unb ©pencifd^e (Erläuterung nid^t eingenommen:
mag ^at aber ^r. 2. bagegen?" ba^ „e§ ein .^yfteron proteron
„oon ^uoenal fein mürbe, oon ber SBölfin unb ben jungen i^na-
a) :p. 78. 79. [420—21] b) p. 80. [421].
c) p. 83. [423]
— = 84 ' —
„Ben p reben, unb bann erft von bem Slbentfieuer , bem fie x^c
,,2)a[epn ^u ban!en §a6en/' ^ei einem ©td^ter, bei einem fatt)*
rifd^en Siebter gumal, wie oiel !§at ba n)o£)I ein §t)fteron proteron
anf fid^ ? S)oc^ fo mag ic^ nic^t reben : ba§ l^ie^e nid^t ben 3)id§=^
ter erflären, fonbern unfre i!^m angepaßte ©rflärung retten. @rft
geige man mir, wo bag §i)fteron proteron ftedfe! „^n ben erften
„raul^en ^e^^n ber Siepubli! jerbrad^ ber ©olbat bie loftbarften
„33ed§er, bie 5)ieifterftücfe @riec^ifc§er £ünftler, um eine SBöIfin, 122
,, einen fleinen 9iomuIn§ unb 9temuö, einen l^angenben SJtars auf
„feinen ^elm ju fe^en." S)ie^ ift ^uoenalS ©eban!e, unb roo
ba§ ^t)fleron proteron in i^m? 3)er S^tömifd^e ©olbat ift ein
fammlenber 9Zame, ein nomen coUectivum: unb fein §elm fielet
für aEe Siömifd^en §elme; auf einen fonnte bie^, auf einen bag
gefegt merben; unb fo gut bie SBölfin, unb bie beiben kleinen am
greifen, al§ ber ^angenbe Wiaxä, märe an ficfj ein (Smblem be§
Stömifd^en Urfprungeä , unb beä raupen ©olbaten , bem ba§ aug
foldjem Urfprungc entftanbene 9^om atteg mar. 2l(gbenn '^ätk ^uüe=
nai ein $aar 33eifpiele angefül}rt, bie aug einer @efd§i(^te t)er=
genommen, ju bem ©mblem einer ©acfje neben einanber ftel^en,
ja aber unter fid^ fein ©angeg augmac^en follen. 2Bie fo aber gu
bem ©mblem einer (Ba(^z? „SRan fage, fragt ^x. S.,^ ob eine
„ ©dfjäferftunbe rao^t ein fd^idflic^eg ©mblema auf bem §elme eineg
„9tömifd[jen ©olöaten gemefen?" 3Sarum nid^t? @g mar nidjt
mel)r bag ^ilb einer ©d^iiferftunbe allein, fonbern bag 33ilb beg
©öttlid^en Urfprungeg ber SRömer, beg Urfprungeg, auf meldten
ber ©olbat ftol,^ mar alg ein Stömer. @g mar nid^t bie Heber-
rafd^ung ber9tt)ea, fonbern bie ©tunbe, bie bem ©tifter S^tomg bag
Seben gab: alfo fo unpaffenb nid^t auf beni^elm eineg 9tömerg,
ber feinen SJtarg aud) in biefer penbenten ©teltung nidfjt uerab* 123
fd^eute, unb aud^ in i§r fo imgcrnc nid^t fein 2lbfömmling fepn
mod^te, ben fie eben gum 9tömer madjte. — —
a) p. 83. [423]
— . 85 = —
^d^ IjahQ gcfagt, bic 33itber .^uucnalä f^abcn cinjcln auf beit
.^clmen bcr ©olbatcn fetin lönncn : lüarum aber inü^tc cg ein |)t)ftc=
von prütcron fepn , roenn fic aitc^ neben einanbev auf einem .i^elmc
geiDcfen raären? nur in »erfd^iebne ©ruppen (jetljoilt, womn ber
3)id§ter ein ^aar anfüfjrt. §aben mel^r S)enfbilbcr bes 9{öuiifrf;cn
Urfprungg barauf Staunt gefunben: fo fd^ni^e fie bcr ilünftler,
mir unb bem ©innc ^uüenals nic^t juroiber.
3lbcr f darnebt auä) -Okrö, fä^rt i^r. S. fort," unrüicfi? unb
e§ ift üiel, trne raeit fein grübeinbcä ^^^^ifeln getjt. 3)laQ aucf)
©pence red^t gefeiten, red^t fiaben fted^cn laffen, unb — — bie
Mim-^Q auä) gehabt ^ahm? „®g ift ^rt, mu^ id^ §rn. S. nad^=
„fagen, es ift Ijart, in einer fold^en illeinigf eit , bic älufridf;tig!eit
„cineä 5Dianne§ in Qmd^d ju jietjcn:" jumal cg me{)r belanntc
3)Kin3en von biefer 2lrt giebt.
Ser ^weifet tritt raeiter, unb wirb jur attgemeinen 33ernei-
nung." „®in fd^roebenber Körper oljne eine fdfjeinbarc Urfad^e,
„burd^ melrfjc bie SBirfung feiner @d;were t)crt)inbert mirb, ift
124 „eine Ungereimtheit, oon ber man in ben alten ^unftmerten fein
„©jempcl finbet." 9tun! fo mcit I)ätte man e§ bodf) nid)t fü()ren
börfen! Max§ in bem gegenroärtigcn %alk ift ja nid)tä minber,
alä ein fc^raebenber Körper, ein ol)nc fd^einbare Urfac^c fd^meben*
ber Körper, ber ungereimt märe, bcr bag 2(uge beleibigte, ber bie
^Regeln ber Seroegung , bcr ©d^roere , be§ !örpertic^en ©leii^geroiditä
aufhübe — mo ift bie| alleä unfer Tlaxä ? @§ ift ein ftd^ I)erab*
fenfenber Körper, ber eben nad§ ben Siegeln ber S3emegung unb
©d^mere unb beg ©leidjgemid^tg bie @rbe fud^t, ober mit ©^a!e==
fpearg fd^önem 2lugbrude üom SRcrfur, ber mit feinem %u^c ben
■^ügct lüffet. Stuf einem ^unftroerfe Don fo rocnigcm Umfange
beult ja niemanb, ba^ biefer fierabfi^mebenbe Wlaxä üom ^immel
gefommcn, ba^ er \i(i) burd^ bie Suft geftürjt, ba^ er in it)r o^nc
glügel unb Scitbanb gct)angen: mie eg alfo fer), ba^ er nod^ fo
gUidlid^ !§erabtomme — l^ieran benft niemanb , benn er fielet Max§
a) ^aot. p. 84. [424] b) p. 84. 85.
^ 86 ' —
nur fo fern, alä er bte ®rbe betritt. @§ ift baä 9fiicberfen!en,
rate üon einem [anften «Sprunge , unb baju braurf;t man fein ©ott
gu fet)n, ober ftd§ einen @ott von gang an'o'ixn Siegeln ber Seme*"
gung, ber ©dfjraere, be§ ©leid^gemidjtä beulen ju muffen: bie fanfte
(Stellung lann jeber bem 3Rar§ nac^tl)un, unb ber J^ünftler fie
o§ne Ungereimttjeit roä^Ien. — ©er gange 2ltlgemeinfa| ift alfo
I)icr faum an feiner Stelle, unb in ber 2Seite, bie if)m §r. S.
giebt, leibet er ®infdjränfung. @§ mu^ ein .Körper fe§r augen= 125
frf;einlicl^ nirfjt fc^raeben, fonbern fangen, unb graar in ber
ailroeiten Suft (jangen, menn fein SlnWid bie 2ßa^rfc§einlid§=
feit ber 2tugen beleibigen foll: unb wie feiten ift bie^ auf einer
SRünge, auf einem gefc^nittenen Steine, unb aud^ mo^I nod§ fel=
kn in ©emälben, unb ber 2öat)rf(^einlid)!eit ber 2tugen rairb
ba immer o^ne Se^rfä^e ber Bewegung abgeholfen. 3Sag foI=
len bod^, wmn man fo genau red^nen moEte, bie f leinen ^Iü=
gelegen an ben ^üfen 5Dierfur§, bei bem gewaltigem Sc^munge,
in tüelrfjem er fid^ g. @. in einem ^arnefifd^en ©emälbe üon ßaracci
geigt? madjen fie hznn ben Stbfdjmung roafirfd^einlid^er , alg ein
5[Rarg, ber auf bie @rbe ^infd^raebet'? Sßag foßen alsbenn bie
t^omerifd^en ©ötterpferbe, bie gmifd^en ber (Srbe unb bem Stern^
befäeten §immel mit einem Sprunge fo oiel befdfireiten , alg ber
§irt abfiefjt, ber üom ©ipfel beg tjöd^ften ©ebirgeg in ben f(^mar=
gen Dcean auöfd^auet — mag fotten biefe, m^nn man if)nen aud§
ein ^aar g-lügcld^en gäbe, bie if)nen überbem .^omer nid^t giebt,
menn man nad^ ber 50ied§ani! beftimmen roottte? 9iun aber laffet
SlpoHo, Siana, Suna, ;{5Wtto, ^Kineroa, unb roer oon ben §imm=
lifdjcn me^r @efellf(^aft mad^en rooEe, in i§rem Suftroagen fid;
fortfd^mingcn : geiget fie un§ ber ^ünftler nur in einer Stellung naf^c
an, ober über ber @rbe im älbfenfen: fo oergeffen mir gern baö
Ungefieuere ber Suft, bie mir überbem §icr nid^t in i§rem Uutfange 126
feigen tonnen. 2öir braudien feinen Seitbanb, ber bie fid; abfen=
fenbc ^igur an ein ©cftirn §efte, mir braud^cn fein g^afirgeug ber
^aflogallinicr, iücld;eg bei Sroiftg 9teife in ben 3)ionb auf ber
erften SBolfe übernadjtetc — —
^ 87 ^ —
ytoci) minber t()Ut tnir bie üerbeffertc Seäart Se^tngä ^u bic=
fer ©teile ©nüge: — — fie t[t gefuc^ter unb 3)Zctapl)t;fi[d;er/
als aKc üorige Segarten; unb iux^l füllte in ©pence nid^t met}r
S^orratl) ^u (Erläuterung ber Sllten [epn, infonbcrlieit roenn ein
beffercr ^opf bie ©pencifd^en ßonipilationen üon ^ßarallclftellen
nu^te? 2l6er freilirf; feleibe i§m bie ©rille, ba^ bie ©idjtcr bei
jeber l'leincn 3(el)nli(^feit ein J^unftroerl fopiret l)abcn nxüffen. ^r. 2.
wiberlegt fie in einigen S3eifpielen ,^ unb bei mani^en 'i)'dttc: aui^
auä beut innern 33aue ber SDic^terifdjen ©djilberungen criüiefen
lüerben tonnen, ba^ fie au§ ber ^l)antafie beg 2)idjterg, unb nid^t
von ber 2lrbeit beä Ä^ünftlerä, gefloffen, weil fie fic^ fonft bem
SDtd^ter anberä l)ätten Dorftellen muffen.
11.
@§ !önnen Iritifd^e 33etra(^tungen nid^t leidjt nu^barer fepn,
al§ tnenn 2. gegen ©pencc über ben Unterfdjieb bifputirt," in lücl*
d)cm bem ^ünftler unb S)id^ter ©ötter, geiftige unb 9Jioralifdje
127 9Befen crfdjeinen : l)iegegen ^ tnirb in unb au^erljalb ber SJkuern
oon STroja, i<^ meine in ^oefie unb ^unft,^ gefünbigt.
©ötter unb geiftige Sßefen. „®em^ ^ünftler finb fie nidjt§
„al§ perfonifirte Slbftrafta, bie beftänbig bie äl)nli($e ©Ijarafterifi-
„rung belialten muffen, menn fie ertenntlid^ fepn foEcn: bem^
„3)id^ter finb fie l)anbelnbe* SBefcn/"^ ^d§ raei^ nid^t, cb biefer
Unterfdjieb fo üeft, unb beiben fünften fo raefentlid^ jpüre, alä er
l)ier angegeben mirb — unb mic^ büntt, ha^ ein ^(^ roei| nid;t
von biefer 2lrt, baä nic|t§ minber, als ben ©ebraud) ber ganzen
3}^t)tt)ologie in allen fdjönen fünften unb 3Biffenfd§aften, betrift,
n)ol)l eine fleine 2lufmer!famleit üerbiene.
a) ^. 87. [426] b) ^. 90. 91. [427 — 8]
c) p. 113 — 118. [441 — 44] d) ^. 99. 100. [433]
1) %: hingegen 2) 31: ®ic()tton[t [öerfd^rtebeuj.
3) 2.: bei) beut 4) 2- ; »ivKic^e ^anbdube
-^ 88 ^
fo finb bie ©ötter unb geiftigen 2öe)ett bem ^ünftlcr ni(^tö
als pcrfonifirtc 2l6ftrafte? g^reilic^ |o lange eine einzelne %io,\iv
nic^tä alä ein fänntü(^eö Silb eine§ ^iminlifd;en 3Befenä fepit ]oil,
fo finb bie baffeI6c c^araftcvifirenben ilennjeid^en ba§ 3(ugenmer!.
9tun aber trete bicfe Jigur 3. @. ki einem ©cmcilbe in ^anblung,
gefegt bie §anblung fiöffe aud^ ni(^t auä i§rem ß{)aralter: fo balb
txiü bie <^iftorifd;c DJtpt^oIogic in bie ©tette ber ©mblematifc^en :
unb bie ©eftalt ift nid^t me^r burc§ bas , roas fie ift , fonbern was,
fie t§ut, fänntlidj. §v. 2. giebt bies ^^uf nur meint er, bie
.^anblungen muffen nid^t il;rem 6§araftcr raieberfprec^en ; unb au§
bem Seifpiele, bag er giebt, fe§e id^, ba^ er in Unterfui^ung bie- 128
feg SBieberfpruc^ö f e§r fein ift. ©ine S^enus , meint er , bie i^rem
©o§ne bie 3Baffen giebt, fönne freiließ gebilbet merben: benn ^ier
bliebe fie nod^ eine ©öttin ber Siebe: iljr fönne noc§ atte Stnmut!^
unb Sd^ön^eit gegeben raerben, bie i§r als ©öttin ber Siebe gu=
fomme: fie merbe üielmefir als fold^e, burc^ biefc §anblung nod^
fennbarer; aber eine jürnenbe, eine üerac^tenbe 3]enus gan^ unb
gar nid^t. — '^ä) bin in ber 2iugbe[)nung biefeg Unterfc^iebes
nidfit ^r. Se^ings 'Dieinung.
©ötter unb geiftige 3Befen finb bem i^ünftler freilid^ perfoni=
firte Slbftrafta, unb ß^rafterfiguren , fo lange er fie aEein, blos
in einem i()nen gemäßen 2tnftanbe, ober f)öd^ftens in einer intran=
fttioen ^anblung bilben foK; aber aBbenn finb fie es nur aus
9cot(), aus ?OZu^, um fänntU(^ ^u fepn. 33enu5, .^uno, Mineroa
Ijaben biefe unb feine anbre Silbung ber (2cf)önf)eit , nitfit als
wenn biefe immer dn innerer (Sf)arafterjug iljres ätbftraften SBefens
märe; gnug, ba§ fie ein üon Siebtem einmal beliebtes unb Deft=
gefegtes äußeres Slennjeic^en biefer ©ott^eit ift. '^(i) oerfte^e mid^
nid^t gnug auf ben ätbftraften 53egriff ber Siebe, alö ba^ ic^ mif*
fcn fönntc, ob jebe Äleinigfeit bei ber Silbung ber 3?enu5, unb
feiner anbern ©öttUdjcn Sc§ön()eit, ba fei), meil fie not^roenbig
bas 2fbftraftum ber Siebe c^arafterifire ? ob ,5. (ä. bas cyQOv i(}rer
a) Saof. p. 100. 101. [433]
— . 89 = —
2(ugcn, unb baä Säd^cln tl)rcr Söangcn, unb ba§ ®rü6(^cn xl)xc§ ^m=
129 neä ju bicfcut 33egriffe [o unentbcljiiid} fep , alg auf ber anbern ©eitc
btc inaicftätifc^c 33ruft bcr ^uno, unb bic [d)(an!c 'Xailk ber SDiana,
unb btc unfc^ulbigc 5Jitne ber .§ebe, ^u biefem Segriffe eben ^inber-
Iic§ fein müfte. ^c^ l^abe nie bie SDlpt^oIogie, al§ ein folc^ Stegifter
allgemeiner 33egriffe ftubirt, unb bin attemal in bie ®nge geratl)en,
lüenn iä) ge[e!§en, wie anbre fie am liebften auf [old^e 2(rt angefel)en.
©0 oiel ift einmal geroi^, ba^ 2)ici§ter, unb fein anberer, bie
5[Rr)t^ologie erfunben unb beftimmt, unb ba lüette ic^, fiirn)al)r
nidjt alg eine (JJatterie 2lbftrafter ^been, bie fie etma in g^iguren
geigten. Sßo bleibe id) mit ben atterbid^terifc^ten @efc^ici§ten §omerg,
mznn icf; mir feine ©ötter, nad) Sammg Sefirart, nur al§ Ijan^
beinbe 2tbftrafte betrad^ten roottte? (S§ finb ^immUfc^e ^nbiüibua,
bie freiKc§ burd; i§rc §anblungen fid^ einen 6()ara!ter üeftfe^cn,
aber nid^t ba finb, biefe unb jene i^bee in Jigur gu geigen: ein
auäne^^menber Unterfd^ieb. 3ßenu§ fann imnter bie ©öttin ber
Siebe fegn; nidit aber alfeS, roa§ fie bei §omer t§ut, gefd^ie^t bejs-
megen, um bie ^bee ber Siebe in S^igur ju repräfentiren : SSutfan
mag fcpn, roa§ er roitt; menn er ben ©öttern i^ren 9Ze!tarbed)er
umreid^t, ift er nidjtg al§ — il}r SRunbfd^enfe.
^d) fc^Iie^e alfo: ha'^i @ötter unb geiftige Söefen „bei bem
130 „2)id^ter nid)t blog Ijanbelnbe Söefen finb, bic über i|ren alU
„gemeinen (Sl^arafter nod§ anbre ©igenfd^aften unb ä(f*
„feften l^aben, meldte nac^ ©elegentjeit ber Xlmftänbe üor jenen
„öorfted^en fönnen/' roie ^r. S. fagt;" fonbern ba^ biefe anbre
@igenf(^aften unb Slffeften, lurg! eine geraiffe eigne 3^bim=
bualität iJ)r roaf)re§ 3Befen, unb ber aUgemeine ßl^arafter,
ber etroa auä biefer ^nbiüibualität abgezogen, nur ein fpäterer,
unoollfommcner S3egriff fep, bcr immer unter georbnet bleiben
mu^te, ja bei 2)id^tcrn oft in gar feinen Setrad^t fomme.
yinn fdjlie^e ic^ mciter. 9Bcnn alfo in bcr 3Jlpt^o(ogie unb
©eifterlel)re bcr ältcftcn ©id^ter bcr .^nbioibuette ober ^^iftorifd^
§anbelnbe %^dl oor bem (S^arafteriftifc^ ^nbelnben bas Ueber^
a) p. 99. [432—3]
— « 90 = —
gemc^t behält: unb eben biefe Siebter boc^ bie urfprünglid^en ©ttf=^
ter unb Säter biefer 9}Zt)t^oIogie unb ©etfterle^re geraefen; fo fei
bie bilbcnbe i^unft, fo fern fie SlZptfioIogifc^ ift, bloä i§re SDiene=
rin. ©ie entlehnt i§re ©efc^öpfe unb S^orftettungen , fo fern fie
fie brauchen unb augbrütfen !ann.
Sei jeber einzelnen ?yigur alfo, unb niitljin mciftens bei ben
SBerfen ber Silb^auer, bie eingelne ©eftalten bilben, fobert eg ber
9J{angeI, bie ©rängen, nid^t aber ba§ SBefen ber ^unft, bie
^erfonen mel)r ß^rafteriftifd^, alä ;3nbiüibueE, auö^ubrüdcn: benn
fonft oerirren fie fid^ in bie 3Jtenge ^iftorifdjer ^crfonen, unb 131
laufen ©efa^r, unfänntlic| ju werben.
So balb eg aber bem Slünftter bie ©renken feiner ^unft »er-
ftatten, bem 2)i(^ter gu folgen; fo gleich nimmt ber Sii^ter, bem.
eigentlid^ bie 3}^pt|oIogie gehört, fein 3fiec§t roieber, unb bie Slnorb-
nung be§ Jlunftraerfä roirb, bem Urfprunge 9Jii)tl)oIogifc§er ^been
gemä^, Sic§terif($. Sloä um baö Unfänntlic^e gu oermeiben,
fdjränfte er fid^ auf bie Stbftrafte ^bee ein: dloii) unt) 3)ürftig!eit
mar fein @efe§: ift aber bieg @efe| — biefe ^mdi)t gehoben;
fann er auf anbere 2trt fjoffen, fänntlic^ gu roerben, als burc^
bie einförmige ß^arafteroorftellung; »erbeut bas äöef en feiner ^unft
biefe anbre 2trt ber ^änntlic^feit nid^t; erreid^t er burd^ biefelbe
gar einen S^^^f '^^^ er burdt) bie Slbftrafte ^bee nid^t erlangen
fonnte: fo ^t er mit bem S)id^ter einerlei Siechte. 2)ie ganje
93tt)tI}oIogie ift eigentlid^ ein Sanb 2)ic§terif(^er ^been, unb au<^
menn fie ber ^ünftler bilbet, mirb er S)i(^ter.
Unb bei biefem gangen ^rioilegium beg Äünftlerg, worauf
tommt fein unumfd^ränfter ©ebraud^ an? auf bag SBort: §anb =
lung. ^ann ber ^ünftler g. @. SDIaler, feinem Söerfe ^anblung
geben; fann er mel^rere ^erfonen gruppiren, bie gcmeinfi^aftlid;
eine ^^oetifd^e ober ^iftorifd^e Situation oorftellen, fänntlic^ unb
fc^ijn üorftetten fönnen; o fo ücrgeffe er fidler bie innere unb äußere
ß^rafteriftif feiner ©btter, bie i()m fonft einzeln notl)ioenbig marcn. 132
^mmer^in laffe er aud^ feine |>anblung bem ätbftraften 6§arafter
fi d^ tu d^ mieberfpred^en: immerfiin male er ung anä) eine auf i^ren
— . 91 . —
^upibo ^ümcrtbc 2Scnu§; benn roenn fie ün<^ in biefem SlugenBIitf
niä)t bie Sic6c felbft Bliebe, fo bleibt fie boc§, waS fie urfpx'ünc;=
Iic| ift, bie ©öttin ber Siebe, bie SJtutter be§ tupibo. 9tann
er 3Scnu§ unb ben getöbteten 2lboni§ in SRalerifd^e ^anblung brin-
gen: fo ruffcn voix ber 9]enu§ mit bem ©idjter ju: „raaö fc^täfft
„bu, (Si)tl)erea, auf purpurnen Seifen! ©te!)e auf, Unglücffelige,
„jeudj Slrauerüeiber an, unb fc^Iage an beine Sruft, unb tiage
„ber ganzen 3Belt: er ift nic^t me§r, ber fd^öne 2iboni§!" unb
iimner^in raollen wir auc§ Slboniä fe^en, ruie it)n ber S)i(^ter fiel)t:
„@r liegt, ber fc^öne Slboniä liegt auggeftrecft auf bem ©ebirge.
„ ©in mörberifdjer Qaljn Ijat feine garte §üfte t)erle|t. 9lorf) einen le|=
„kn ©eufjer atl)met er: fdjmarjeS 33lut rinnt über ben Seib, ber
„blenbenber ift, alg «Schnee. 2)ag Sid§t feiner älugen üerlifrfit: bie
„Sippen erblaffen: 3tboni§ ftirbt." ©tirbt Slboniä etma, al§ bie
^bee e^elid^er Siebe unb ©lüdfeligleit unb ©c§önl§eit? trauret SSenuä,
um bie ^bee ber Siebe in 3)taf!e gu geigen? 2öirb bie le^tere
jebem gefunben 5Jiptl)olcgifd)en 2luge be^raegen l)ier fönntlic^ wer-
ben , meil fie bag Slbftraftum ber Siebe mac§t ? 9tein , ba§ ©üjet
133 be§ ©emälbeä ift Sic^terifrfj , ift ^iftorifc^ : fo auä) bie Figuren
beä ^ünftlerg? ^ebeämal, ba§ er fie bagu mad^en fann: idü^U
fo üergeffe id§ bie 3lbftrafte ^bee, bie er in einer einzigen ?5^igur
nur au§ 9Zot§ üorftellen mu'^k. Äupibo, ber bie ^[t)c^e plaget,
unb Jupiter, ber ben ©an^meb entfül^ret, Siane, bie ben ©nbp-
mion befud^t, unb 3]enug, bie il^re geriete §aut beweinet — ic§
üerfprec^e bem ^ünftler, in biefem 2lugenbli(fe feine perfonifirten
Stbftratta gu fuc^en, int Jupiter feinen ^räfibcntcn ber ©ötter, in
Sianenä ©efid^te feine jungfräulid^e ^eufd^^eit: in 3Senu§ fein
fd^mad§tenbeg Siebäugeln, unb in ^upibo, feinen fpielenben 3Ser-
fül)rer. Sitte biefe 2Befen gel^ören bem SDid^ter, unb ber ^ünftler
lä^t fie il)m, wo er fie il§m laffen fann. —
^d^ roei^ nid;t, roie enge bem ^ünftler ber 33tt)t^ifc^e ß^fluö
werben mü^te, wenn ^r. Se^ing i§m atte ^iftorifd^c unb 3)id}te=
rifd)e (Situationen unterfagte, il§m nur gulie^e, in iljm perfonifirte
Slbftrafta gu fud^en, unb jeben fleinen Söieberfprudj, ber in ber
^ 92 —
^anblung gegen bie Slbftraftc ^bee bc§ (S^araftcrS (ein ^bol ber
neuem 3J?t)tl)oIogtften !) oorfäme, »erböte. Sebe algbenn wo^I,
^anblunggDoEe ^unft! bu bift in ber ?[Ri)t^ologie eine ©atteric
einförmiger ^been, Slbftrafter 6§araftere!
„2Benn ber 3)irf)ter 5X6ftra!ta perfonifiret : fo finb fic burd^
„ben Spanien, unb burc§ ba§, raag er fie t^un lä^t, genugfam
„ (^arafterifiert. Sem ^ünftler fe^en biefe 9JlitteL @r mu^ aI[o 134
,, feinen perfonifirten 2lbftra!ti§ ©innbilber jugeben, burd§ meldte
„ fie lenntlic^ raerben. S)iefe ©innbilber t)at bei bem ^ünftler ^ bie
„9Zot^ erfunben; rooju aber ben ^ünftler bie 3fcotI) treibet, ruarum
„\oU fid§ bag ber SDic^ter aufbringen laffen, ber uon biefer 9ZotI)
„nid^tg roei^?- @g feg iJ)m alfo Siegel, bie ^ebürfniffe ber 3)ZaIe=^
„rei nid^t ju feinem Steid^t^ume ^u mad^en, unb feine Sßefen mit
„Sinnbilbern ber Jlunft auäjuftaffieren. @r laffe feine 3Sefen {)an=
„beln, unb bebiene fid^ aud^ poetifd^er Slttribute" — u. f. ro.^
SBie gerne, mie unermübet I;ört man^^r. S. fprerfien,* votnxi er —
bod^ id^ mill nid^t loben, ©ollte alleg bieg ni(^t aud^ auf ben
oorbetrad^teten g^att ber ^unftcompofition gelten? S)er ?Dialer fin=
bet im Sanbe be§ !J)ic^terg perfonifirte Slbftrafte, bie aud^ in fei*
nem ©emälbe, burc^ ba§, mag er fie tl}un lä^t, gnugfam d[;ara!==
terifirt finb. 2)em £ünftler einer S^igur feljlt bieg SRittel: er
mu^ alfo feinen perfonifirten 2lbftraftig ©innbilber geben, burd^
meldte fie !anntlid§ raerben; aber biefe ©innbilber erfanb bei il)m
bie 5Kotl)? aSogu alfo ben £ünftler oline ^anblung bie Slotl)
trieb, toarum fottte fid^ bag ber^ünftler mit ^anblung aufbrin*
gen laffen, loenn er oon biefer 5^otl) nid;t roei^? @g fei il)m alfo
Spiegel, auc^ bag, mag feiner ^unft 33 ebürfni^ ift, im anbern ^all^
nid^t ^u feinem 9{eid)tl^ume ju mad^en , feine Sßefen nidf;t mit ©inn= 135
bilbern ^u überl)äuf en , fie , roo fie alg ^öl)ere ^gi^biüibua in .g»anb*
a) )?. 115. 116. [442]
1) S-: Sie ©innbilbet biefer SSefen bet) bem Äünftler :^at
2) „es fei) i'^m — SIttribute," freiet (Sitat uac^ 8ao!. ^). 116. 117.
442—43. 3) 5t: «ebürfni^ ift im anbern galt.
^ 93 : —
lung erf (feinen, ntd^t gu puppen au§5;xiftaf fteren , unb am minbften
e§ gar jum §auptf a§e [einer ^unft ju marf^en : „ mir finb bie ^er*
„fönen ber 3)t9t^oIogie nid^tä al§ pcrfonifirte 3l6ftrafta , bie beftän*
„big bie ä{)n(ic^e ß§ara!terifirung beibe^Iten muffen, roenn fie
„erfenntlid^ feiin fotten." ^ei biefem ©runbfa|e, roa§ rairb au§
ber J^unft, bie ßompofitionen liefern fott? ©ine 3Ra§!erabe ©iim-
Bolifd^er unb ^Hlegorifd^er puppen!
@g giebt alfo felbft unter ben fünften, bie fic§ auf ^e^i^wng
grünben, nod^ immer beträchtliche Unterfd^iebc, bie eine ober bie
anbere mel)r bem 3)i(^terif(^en näfiern. Sie Silb^auerfunft ent-
fte^t i^r am roeiteften: bie 5Ralerei aber, in ilirer ^ompofition
(^umal, gumal in ber ^ompofition S)id^terifc§er ©efd^öpfe, bie
urfprünglic^ 2öefen ber ©inbilbung Straft unb nic^t beg 2tnfcf)auen§
finb , tritt ber ^oefie raeit nä^er. @ie l§at ein Srama i^rer ?^igu=
ren: fie fteEt alle blo^ in ber Slbfid^t ^ufammen, um eine ^anb-
lung gu repräfentiren : fie lä^t alfo fo oiel möglid^ raeg, roag ^ur
^anblung nic^t gel^ört, ober i^r gar raiberfpräc^e. ©ottte in iebem
^unftroerte oon ßompofition jebe ?Oit)t!§o![ogifcl^e ^erfon mit affem
bem 3ii&e^ör überlaben merben, ber il)r julommen mag, aber ^u
136 biefer ^anblung nid^t ge!§ört : follte fie ber ^iftorifd^e unb 3)irfjte==
rifd^e 9}ialer nur aU perfonifirte 3I6ftra!ta befianbeln follen, bie
beftänbig bie ä!^nlic§e ßl^arafterifirung beibetialten muffen: roelc^ ein
üerroirrenbeg unb ^erftreuenbeg ©efc^Ieppe »on ©pmbolifc^en ^ei=
(^en unb d^araüerifirenben ^räbifaten! ©ott 3>enu§ in einem @e=
mälbe t)on ^ompofition nie anberg, al§ bie Siebe felbft, (unb
nidjt blo§ alg bie ©öttin ber Siebe) erfc^einen, unb al§ bie Siebe
felbft febegmal c^arafterifirt werben; unb alle 2:§eilne^menbe ^er=^
fönen ebenfallg fo, jebe nad^ i^rer 2lrt — meg mit bem 33att in
5Jia§!e. 3)er Makx mar l^ier in ber ^ompofition eine§ SDid^te*
rifc^en ©üietä SDid^ter: feine Figuren fotten fid^ burcl) ^anblung
Jänntlid^ mai^en: auf biefe ^anblung follen ftc§ bie 2tttribute
bejiel^en, bie er i^en^giebt: fold^e, bie ju biefer 3Sorftellung nicf;t
gel^ören, fo lange nur bie ^erfon nod§ länntlid^ bleibet, laffe er
weg: er opfere bem 9)iangel, ber 3^ot§n)enbig!eit feiner Äunft fo
— = 94 =—
raentg auf, alä er barf, unb am alferroemgften mac^e er btefen
5RangeI, bieg @efe| ber '^flot^ p. feiner atigemeinen, roefentlic^en
Siegel: bei bem ^ünftler finb ©ötter unb geiftige Sßefen perfoni*
firte 2t6ftrafta, ,,bie beftänbig bie älinlii^e (S£)ara!teriftrung hd)ah
„ten muffen.'"" ^d^ fage umge!e!§rt: auc^ bei il)m foEen ©ötter
unb geiftige SBefen fid^ burc^ ^anbtung c^arafterifiren, roo fie e§
fönncn; unb 6Io§ im %ali, rao fie e§ nic^t fönnen, fic^ aU per=
fonifirte Slbftrafte, burdj bie il^nen beigelegte (Bxjmhok, fänntlid^ 137
mad^en. .^m ©runbe alfo einerlei @efe^, einerlei ^^rei^eit.
12.
3Son (Seiten ber Sid^tlunft lann eä leine nötl^igcrc Scljre geben,
al§ bie:'' ber 3)id)ter mac^e fid} bie 53ebürfniffe ber 3)ialerei nidjt
gu feinem 5Reid)tl)ume: er ftaffiere bie liefen feiner (Sinbilbungä-
Iraft nidjt 93talerifdj au§, laffe fie ^anbeln, unb audj bie 2lttri=
bute, momit er fie bejcid^net, muffen l)anbclnb, ^oetifd;, nidjt
3Ralcrifc^ fepn. ©o bi(^ten bie alten S)id^ter: bie neuern malen.
Unter ben SRömern in i^rer beften ^oetifd^en ^^^t ift üor
Stilen .§oraj ein Siebliaber üon 3Jloralifdjcn SBefen, üon perfoni==
firten 2lbftrafti§ ; biefe 5Perfonenbic§tung ift mit ein .t'ciuptftric^ fei*
ne§ ©enieg, unb l^at feine Dben feljr tjerfc^önert. 3)a eine folc^e
SRoralifd^e ^erfon bei i§m gemeiniglid^ fc^nell, mit menigen, aber
lebenbigen 2lttributen, unb rei^t in bie ^anblung ber Dbc auf
einmal §ineintritt: fo lieben roir ben angencl)men ©t)lpl)en, bie
fc^öne (Splpl)ibe, bie ung fo gelegen oorüber raufd^et. 3Sie fü^ ift
fein 93ilb ber läd^elnben 95enus, bie ber ©c^erg unb bie Slmorg
umflattern :
— Erycina ridens
quam Jocus circumvolat et Cupido —
2Beld§ ein ^ilb! menn g^urc^t unb ©orge i§ren §errn aud; gu 138
©d^iffe »erfolgen, aud) Ijinter il)m gu ^ferbe fifeen, audj be§
a) p. 99. [433] b) p. 116. [442]
95 ^-
^a^t§ um btc ©äd^er ber Sieidjcn flattern: raenn ber ^ob mit
[einem ^u^ an bie glitten ber Strmen, xinb an bic ^altäfte ber
9)iäd^tigen mit gleid^en ©dalägen anpochet: m^nn bas @lü(f — •
^ä) fomme je|t auf bie Dbe ^orajeng, bie an fold^en ^erfo==
nen = ®i(f;tungcn bie reid^fte ift, unb rao bie perfonifirten 2t6ftrafta
ben 2luälegern mand^e faurc SSiertelftunbe gemad^t l}aben. S)a§
&lüä felbft, bie 9Zot^racnbig!eit, bie Hoffnung, bie Streue
u. f. m. finb afö ?[RoraIifc^e Söefen in biefe Dbe .^ufammengrup-
pirt, unb bag ©anje beg @efange§ fcI6ft ift einem perfonifirten
3l6ftra!to geroibmet. — ?Oian errät^ eg, ba^.ic^ üon ber Dbe
ang ®lüä'' rebe. ^ajter fud^t §ier, roie gemö^nlid§, in i^r feine
lieben ©ilogien,^ unb ©e^ner'^ ge§t oieffeid^t auf ber anbern ©eite
^u weit, ba^ er fie für eine 2l6f)anblung über ben 2trtifel &lüä
erflärt: bod§ mir motten o{)ne üorgefa^te 3)^einung lefen.
@teid; ju 2lnfange rufft ^oraj nid^t eigentlid^ bag ©lud, atg
ein SCbftraftum an, um nad^ ©e^nerg 9)ieinung einen locum bar=
über burc^juf)anbe(n ; fonbern bie ©öttin beg ©lüdg, unb gmar
139 (^unäd()ft bie, fo ju Stntium nere^ret mürbe. Sie gan^e Dbe tritt
alfo gkid§ aug bem 2i^U eine§ aUgemeinen 93egriffeg meg;
unb roirb ein SRömif df)eg, ein g^amilienftüdE ber ©tabt 2tn^o : ein 3l(tar*
ftücf in bem 2:^empel biefer ©tabtgöttin. ©in ©inmol^ner üon Stnjo
fottte aufleben, unt ung biefe Dbe aug feiner SSaterftabt ju er!lä=
ren, unb roie roürbe ber ung mit tnand^em elirlid^en locus com-
munis auglac^en , ben mir bem ©lüde überl^aupt aug biefer Dbe
anbid;ten, meil mir nid;t bie @§re l^aben, hk ©öttin §u fennen,
ber bie Dbe alg ein ^nbiüibualftüd geroibmet ift.
Söeld^eg finb nun bie 2(ttribute biefer ©öttin? „©ie fann
„erniebrigen unb erl)öl)en!" ©o gefagt, roäre bieg Slttribut frei^^
lid^ nid^tg alg locus communis; attein, roie eg ^oraj fagt, roirb
eg 3ftömifd;. S)ieg ©lud in Slntium ift eine S^ömergöttin : fie
befd;äftigt fid^ mit ben 9teüolutionen beg ©taatg, bie ^oraj üiel^
a) Lib. I. Od. 35. b) Horat. ed. Baxt. p. 49.
c) Eclog. Horat. edit. Gessner. p. 71.
^96
leidet eben bamalä vox fid^ fal^e: fie gtebt unb ftür^et 2^rtUTnp§e
um. ©0 roemg her 2tfri!amfd^e Jupiter eben ber Stömtfd^e Jupi-
ter, unb bte SHabonna in Soretto üöHig bte ^Dlabonna in ^arma
tft: [o i[t nid^t fo ganj biefe g^ortuna jebiDcbe anbere: fie ift
2lntium eigen, unb Stömifd; gefinnet.
„$Ring§ unt i§r Stib ge§t ber flelienbe Sanbmann, unb ber
„(Sd^iffer beä ^arpat^ifc^en 3Jleerä mit feiner 93ittc/' ^c^ roei^
nid^t, raarum 33a^ter t)ierüber big in ben SRonb reifet, unb ba 140
sortem fortunae fuc^t; aud§ ift mir bie @e^nerfd§e ©rüärung: ba^
bie ©türme beg ?[Reer§ au§ xmbefanntcn Urfad;en !ommen, nid§t
oorauägefe^en werben tonnen, alfo bein ©lüd'e gujufd^reiben finb,
u. f. TD. ju allgemein; unb enblid; bie ^Io|ifd§e Erläuterung,'' ba^
haä &IM auf 3)lünjcn mit ^ornä^ren, mit ©d§iff anfern, unb
mer mei^ lüomit meJ)r? gebilbet merbe, ift für mid^ unb für^orag
nod§ gelehrter. 3Sermut§lidj §at |)oraj, ber ©infältige! an 9lic^t§
gebadet, alä ba^ Stntium, bie Sßol^nung ber g^ortuna, Sanbein*
meißner §abe, unb nai)c an ber @ee liege: ber Stempel beä ©lüdg
alfo von beiberlei 2lrt Seuten ^efud^ erhalte. '
„2)id^ fürd^tet ber rau^e Sacier, unb bie flüchtigen ©ct)t^en:
'„ ©täbte unb SSöller : unb bag railbe Satium : bie 9}Mtter ber 33ar=^
„barifd^en Könige, unb bie bcpurpurten 'iJ^prannen." ätffein genom=
men märe nid^tä leidster ju erflären, alg biefe ©tropfe: fie fdfjil-
berte nämlic^ bie ©öttin beg ©lüdfä SKömifc^ gefinnet: üor it)r müf*
fen bie geinbe, bie 9iebeilcn, bie 'Xi;rannen 9iom§ gittern; aber
nun ber 3wfct|:
iniuiioso ne pede proruas
stantem columnam; neu populus frequens
ad arma cessantes ad arma
concitet imperiumque frangat.
©0 finb über nid;t§ fo leidet artigere S)inge gefagt roorben, alg 141
über biefe fte()enbe ©äule: SSajtern" bünfte fie fe^r emp^atifd;
a) Vindic. Horat. p. 152. b) Baxt. Horat. p. 50.
— = 97 . —
Sluguft ju fepn, ofine ju 6ebcn!en, ob aud) bie ?5^dnbe, btc rebel-
Itf(f;en 33a[aHen 9iom§, oor bem ©turje 2(uguft§ fo bange feiert
tüürben. ©e^ner üerftanb, bem locus communis: de Fortuna,
ben er in btefer Dbe fanb, gemä^, „jei'i^i^ -3Jien[(^en, auf bcn fid;
„anbete, mie auf eine ©äulc ftü^cn/' o^ne unö ju fagen, roie
fi(^ biefer Slttgenteinfa^ jmifd^en ®acier unb (Sci)tf)cn, Sarbarn
mtb ^prannen fd^tde. Meine SBenigfeit finbet in biefer fte^enben
(Säule — nun? nid^tä alg eine ftei^enbe ©äule: eine ©äule, bie,
üieMd^t in Slnjo , mit bem 5^amen 9tom§ be^^eidjuet , vox ber ^^or-
tuna fianb, mie ja fonft bem ©lüde, ber Stulpe, ber ©ic^er^eit
folc^e ©äulen pflegen f)ingefteHt gu werben.'' 3iun fiel ^orajen
ba§ Silb i^reä UnmillenS ein: mie? vo^nn fie i^ren 3^u^ au§=
ftredte, unb bie ©äulc ftürjte? ©o märe biefer ©turj, ein ©inn-
bilb, bem 'i^oeten ein SofungSjeid^en von beut ©turje 91omg. ^n
Raufen mürbe ba§ 3Sol! ju Söaffen eilen : ju Söaffen and) bie norf;
©äumenben ruffen, unb ba§ Jteic^, biefe unget)eure SBeltfäule,
gerbred^en. Sie ganje Dbe lä^t mutl^mafeen, ba^ manche jur 3eit
^oraj fic^ regenbe 3ßelle il)ut biefen ©türm prophezeiet, ober mit
142 feinem 33ilbe, ba^ ^ortuna fd^on bamalg i§ren großen S'^^ 3« regen
fd§ien, um an bie ©äule ju treffen. — 9Bie aber fürd;ten fid^
baüor 2)acier unb ©cptt)en, 33arbarn unb 2:^i)rannen — feine
S^ömer, feine Patrioten? ^oraj fagt nid^t: ba^ fcne firf; baüor,
vox biefem Umfturge fürd^ten; fonbern, ba^ fie bie ©öttin beg
©lüdfä fürd)ten unb f dienen: fie, bie über 9iom mad)^, unb bie
©äule beffelben üor fid§ l;abe; bie aber aud^ mit einem ?3^u^fto^e
baffelbe ftürjen fönne: biefe 2lllmädjtige fürd)ten unb fd^euen ©cr)=
tl)en unb 33arbarn, (benn ma§ lönnten il)r biefe für ein anbere§
Dpfer bringen, al§ ^urd^t?) unb märten auf ben 3lugenblid il)re§
©ntfd^luffeg , ber bamalS fic^ fd^ien ju näl)crn.
Sigl^er ift bie Dbe ein 5Hömifdje§ 9cational* unb ein Slntiati-
fd()e§ j^^amilienftüd geroefen; fie fängt an, ft)mbolifc§er ju merbcn:
a) Addisons Dialog, upon tlie Usefullness of ancient Medals,
p. 47.
§ert)a-8 fihnmtt. SBevte. III. 7
— 98 —
— te semper anteit serva (saeva) Necessitas
Clavos trabales et cuneos manu
Gestans ahena; nee severus
Vncus abest, liquidumqne plumbum.
(Seit bem e§ ^imftrtd^ter üort ©efc^macfe giebt, tft mti)x al§ einer
mit biefem 93ilbe -^oraj nid^t aufrieben getuefen. ©anabon guerft
imterftanb fid^, ju fagert, ba^ bieg ©emälbe in feinem "Detail
genommen, fd^öner auf ber Seinroanb, al§ in einer ^eroifd^en
Dbe, märe. '^^ mei^ nid^t, ob ©anabong @efüf)I §ierinn nic^t
fein nnb rid^tig bleibe, ob i^ gleid^ ben Spott über if)n gelefen:* 143
quod haec imago non placuit bono Sanadonio, sui ingenii bomo
est, delicatus mebercle! et venustulus. Qd^ mei^ nid^t, ob bie*
fer sui ingenii bomo, delicatus mebercle et venustulus mit ber
mäd^tigen SBiberlegung guf rieben fepn fönnte: neque enim intel-
lexisse videtur, quam divina sint: ahena manus, severus uncus.
^d^, ber nid^t fein gnug ift, ba§ ©öttlic^e in einem abena manus,
in einem severus uncus gu erblidfen, füJjle mit Sanabon gleic^,
unb glaube, ba^ jeber, ber bie Dbe in einem Strome fortliefet,
bei biefem Silbe e§ fül^len merbe, ba^ er oeftgc^alten roirb, ba^
er oor einer bemalten Seinraanb ftelien bleibe: unb bas mill nie-
manb in ber Dbe.
?Ofögen alfo alle biefe Söerfgeuge attiraü patibulaire, ober
Seoeftigungsmerfe, ober Spmbole ber ^öc^ften 9)kd§t ^^ortunenä
fepn: bie eherne ^anb unb ber severus uncus mögen §rn. Älo|
fo ©öttlic^ fd^einen, al§ fie raollen: bie Stelle bleibt eine ber fro-
ftigften im ^oraj.
'^h aber be^roegcn, roeil „biefe Stttribute für ba§ 2luge unb
„nid^t für bag ©el^ör gemad^t finb, unb alle Segriffe, bie mir
„burd^ bag Sluge erlialten foHten, roenn man fie un§ burd^ ba§
„©e§ör beibringen roitt, eine größere Slnftrengung erforbem, unb
„einer geringem Älar^eit fäl)ig finb."'' §r. S. tl)ut mir mit bie- 144
fem ©runbe, roenigfteng fo roie er i§n ausbrüift, fo roenig ein
a) §Xü^. Tiudic. Horat. p. 154. b) Saof. )). 118. [444].
— 99 . —
©nügen, al§ ©anabon ober ^Io|: benn roäre ein begriff, ben
man urfprünglid^ burd§ ba§ 2luge ert)ä(t, be^icegen nic^t für ba§
@e^ör, tüeil ftd^ mit bem D^re niä)t fe^en lä^t; fo »erlöre bie
^oefie ifiren gangen Stnt^eit an finnlic^en ©cgenftänben be§ 2luge§;
nnb roaä bleibt il;r ba übrig? '^iä)t alfo, racit bie 2tttribute:
9Mgel, klammern, Slei, fid^ fe§en unb nic^t i)ören laffen, nic^t
be^raegen mad^en fie bie ©teile froftig : benn raer wirb nid^t gleid^,
raenn er uncus, plumbum, clavos l)öret, nid^t [ogleid^ mit feiner
@inbilbungg!raft uncum, plumbum, clavos feigen? mem^ roirb
2inftrengung nöt§ig fein, fi(^ biefe SDinge, roenn er fie burd^ ba§
©e^ör empfängt, fo flar gu benfcn, alg raenn er fie fäl)e? 3ßegen
ber Slttribute felbft alfo !ann n)ol)l hk ©teile ^orag nid^t froftig
werben; aber mo^l wegen ber ßompofition biefer 2tttrtbute ju
einem Silbe. 2)ie Necessitas gel^t cor ber ^ortuna oor-
au§ — rool)l! unb mir erwarten, mogu fie ge^en, mag fie auärid^ten
wolle? ©ie trägt ^eule unb 9Zagel — wo^l! wogu trägt fie fie? —
®ä fept i^r aud§ nid§t5llammer unb ftie^enb Slei — l)ier
wirb ber ^oetifc^e Sefer ungebulbig — • roa^ brauche id^ aUeg bag gu
wiffen, maä i§r fe§lt, ober nid^t feljlt? ma§ fie l)at ober nic^t
l)at? id() ^öre ja nid^t, wa§ fie bamit will, ober foll? id^ fte^e
145 üor einem tobten ©emälbe. 2öag fie bamit foll ? antwortet §r.
.^lo^:* „fie foll bamit bie )})laä)t beg ©lücfg anzeigen, bie &'6U
„tin anzeigen, ber nid^tg wiberfte^et, ber alleg weichen mu^, bie
„©öttin üon unwanbelbarem Söitten. 3Bie fc^ön alleg paffet!
„3)ag ©emälbe mu^ allen gefatten, bie 5)]oetifc§en ©eift l^aben."
^ätk ^x. M. gefagt, bie 3)ialerifd^en ©eift l^aben, fored^t! —
aber bie ^oetifc^en ©eift Ijaben? idf; xvü^k nid;t, wag in ber
SBirfung beg ©emälbeg ^oetifd;eg toäre. 2)er 3)id§ter ^at einen
anbern ^infel, bie ©öttin gu d^aralterifiren , ber ntd^tg wiberfte^t,
ber alleg weid^en mu^, bie oon unwanbelbarem Sßillen ift, alg
ba| er i^r ein <BtM Slei, unb ©ifen in bie ^anb gebe, unb fie
a) Vindic. Horat. p. 154. 155.
1) 21: »enn
— ' 100 ■ —
bamit traben lafje: bte minbefte ^anUunq,, \a ba§ bto^e 3Bort:
fie ift bte ©öttin, ber nichts mberfte§t, ber alTeg roeidjen ntu^,
ift beffer, al§ eine mit 9JtorbgeiüeJ)ren roanbeinbe 3^tgur. ^ur§:
nt(j§t bie S3e[(^affen^eit ber 2lttrtbute felbft, ba^ [ie fürg Sluge
ftnb, au(^ nid^t eben bie ©etjäuft^eit ber älttribute, ift ber %zi)kx
beg 33itbe§, fonbern bie ^ompofition berfelben §u einer bloßen
©ijinbole: §u einer ©pmbole/bie nic^t§ t§ut, bie mit i^rem ^ro=
faifdien uec abest, bIo§ ha ftet)t, bamit i§r nid§t§ an i^rem
Umge^änge felile, bamit fie als eine üöttige ©timbole in einem
©emälbe parabire — bieg beleibigt ben Sefer, infonber^eit in einer 146
.^oragifc^en Dbe. ©r rufft i^r gteid^fam gu , an ber ^anblung ber
Dbc mit 'X^zxl gu nehmen, ober fic§ meg gu mad^en, auf eine
Seinmanb, an eine äöanb, in ein ©emälbe ber g^ortuna.
Unb mie fam §ora^ gu ber tobten ^igur? 9Ba§rf(^einli(|,
ba^ er fie t)on einem fold^en ©emälbe fopirte, ba^ er fie mit ben
^ügen fopirte, mit benen fie üielleic^t im Tempel ju Slntinm
anzutreffen mar. 2ßaö alfo in einer Dbe ^ora§ auf ben locus
communis beg ©lücfg ein befrembenber '^e!^ler fepn mürbe, bag
finbet in einer Dbe auf bie g^ortune üon Stngo roenigfteng eine
entfc^ulbigenbe Deutung. @g üereraigte ein ©emälbe, ein f(^öneg
(Sxjmbolifc^eg ©emätbe, bag ein ©c^a^ beg ^empelg fet)n fonnte,
in meieren biefe Dbe, a(g ein ©rfja|, au^ ^inge^örte. SDZan fri=
tifire i^oragen nidjt alg 2)id}ter, fonbern §ier alg S)i(^ter für
Slngo.
^d^ glaube l^iemit audfj ben folgenben 5Dtoralifc§en äßefen Sid^t
unb ^Deutung gegeben gu §aben, bie man fo fe()r oerfannt ^at:
Te Spes & albo rara Fides colit -
Yelata pauno —
©pence ^at Unred^t, ba^ er in biefer SteEe eine bünngefleibete
^igur finbet : * aliein er §at Siedet , ba| eg eine 33^alerifdje ^igur
fep, mie aug bem^ufa^e roei^ gefleibct errettet, unb bie Urf ad^e^
a) Dialog. X.
1) (Sä fep wa^rfd^einüc^: „tcefel^alb"
— ' 101
147 roci^ gcüctbct barf id^ nic^t crft mit bcin ©djoliaften, in bcr alten
@crooI}nI)dt furf;cn, ba^ bic ^rieftcr bcr 3:;reuc iljr Dpfcr mit
n)ci^ocrI)ütttcm .Raupte hvadjkn; i<i) I)abe fic näl^cr: meldte ^lei:=
huriQ tarne in einem ©emälbe ber 2^reue ju, aU bie ^leibung ber
Unfd^ulb ? ^ft aber bic 3^igur au§ einem ©cmälbe : raie unnü|
gerbrid^t fid; S3entlet) ben itopf barübcr, ba^ .^offnung unb Xrcue
bem ©lüde al§ 33egleiterinnen beigegeben merben? 2öenn bic^
©cmälbc beä ©lüdä in Slngo mar: mie reidj unb fc^ön märe bie
3Sorftettung bcffelben!
S^tun fängt .^oraj an, über biefe reid^e ©eutung §u 3tEegori'
firen: Hoffnung unb St: reue ftnb bem ©lüdEe gu 33egleiterinnen
gegeben — ju 33cgleiterinnen ? „fo merben fic baffelbe aud() immer
„begleiten! aud^ menn eg fein ^leib änbern, aud) roenn e§ bie
,/^aItäfte ber @rof5en feinblid; ücrlaffen follte. SDa§ ift nur ber
„treulofe ^öbel, baä ift nur eine meineibige §ure, bie aläbenn
gurüd tritt: nur ^interliftige ^reunbe jerftieben, menn bie 2Bein=
„ bed^er teer finb : fo finb nid^t Hoffnung unb ^reue." ^d) fe§e
!§ier fo wenig 3Bieberfprud§ / aU bei einer erbaulichen 3tIIegorifd;en
©cutung, unb jroar einer 3^igur, bie if)rem 9?amen nad^ boppcl*
finnig ift, nur immer fer)n fann.
148 Unb mit biefer Deutung eben bahnet fid§ ^ora§ ben 2Beg,
feinen äluguft, unb ben bamaligen 3wftanb be§ Siömifd^en 9ieid^ä
ber ©lüdägöttin ^u empfehlen — eine 5Raterie, bie feine Dbe
fc^Iie^et. ^d) finbe alfo nii^tä minber, al§ ein 2lbftra!tum, baä
©lud, in if)r abgc()anbclt : roie man etma, menn man fid) bic
Ucbcrfd^rift au§ einem SBörterbuc^e crflärt, meinen fönnte; eä ift
bic ©tüdggöttin in Slnjo, eine Siömifd^gcfinntc ©lüdggöttin, bie auc^
nad^ ben bamaligen Umftänben fid) 9iom§ annelimen foll.
S(u§ 3lntium alfo, aug 5Hom, unb aug ber bamaligen 3eit müf=
fen aud) bic pcrfonifirten '^hecn biefer "Dbe Sii^t nc!^men; ober
man fc^iclct. 3lud^ §r. ^lo§ fd^eint mit feinen Erläuterungen aus
a) ®en größten ^at 3Senttei gefunben. @. feinen §oraj üfeer biefe Obe.
102 :
©tetnett uttb 9)Zütt3ett^ tt)of)I n\<^t bett ©ttbjiüerf gehabt gu ^bett,
fic^ [eI6ft »Ott bem ^oettfd^cn 33aiie biefer ^orajifd^cn Dbe $Red^ett=
fd§a[t git gebett: rote e§ bo(^ bei t§r üorgügltc^ angtenge. SBentt
überhaupt ber @ebrau(j^ perfontfirter ©efc^öpfe au§ einem Sprifd^en
Siebter er!lärt roerben f oEte ; f o ift ber ©rfte ba^u — -^orag , ®r,
ber btefe fd^önen ©efpenfter ungemein liebt, xtnb in @infü§rung
berfelben [e^r d^arafteriftifd^ ift; ein l^enner §oraj geige wn§ biefe
Seite!
3lber auä) ber ©pifd^e Siebter i)at perfonifirte ^been nöt{)ig,
bie man gemeiniglich SRafc^inen gu nennen geroof)nt ift — tüic fott
er fie erfc^affen? 2tl§ ft)mboUfc§e SBefen beg Slünftterg, al§ 149
2lIIegorien, ober al§ ^anbelnbe ©itbjefte? '^znn ein 3)id§ter e§
nöt§ig ^at, fic§ üom Äünftler ju unterf (Reiben , fo iftg ber 5Di(j^ter
ber ©popee, infonber^cit in feinen ?0^af deinen — id^ mollte, ba^
.^r. S. barauf ge!ommen märe!
^d^ mei^, ba^ mand^e fid^ Seibenfd^aften , St^ngenben unb
Safter nnb ein gangeg §eer 50ioralifd^er ^erfonen 311 SRafd^inen
perfonifirt §aben: allein, id^ mei^ aud^, roie froftig, mie überflüf*
fig biefe 9JJafc^inen oft gange @ebic§te herunter erfd^ienen finb,
bloä mcil fie al§ perfonifirte 3lbftra!ta erfd^ienen, locil i^nen ^nbi=
»ibualität fehlte, ©in rair!lic§e§ 2lbftra!tum in ^erfon gu malen,
xi)xn äußere ©eftalt gu geben, um e§ ©id)terifd; befannt gu mad^en,
ge^t ol)ne ©gmbole nid^t att; benn im Innern, im 2Befen eineä
Slbftraften Begriffes liegen nid^t Starben unb ©eftalten. 2)er 3)td^=
ter läuft alfo ©efa^r, ba^, m^nn er unä eine lange «Seite l^erab,
bie Unfd^ulb, ben S^eib, bie ^'laturle^re u. f. m. fpmbolifd^ gemalt
l^at, mir l)intert)er fragen: roie fal^ ba§ ®ing aug? Sitte einzelne
d^arafterifirenbe Sü%^ finb »ergeffen: roie fann id§ fie gufammen
nel^men, ba^ ein gangeg Silb ror mir ftelie? @r l}at bie Slrbeit
ber ©anaiben gel)abt, immer neue 3üge gu fc^öpfen, bie aber
augenblidElid^ roieber roegfd^lüpfen , unb jc^t fte^e td^, unb liabe in
meinem löd^erid^ten Siebe — nid§tg.
a) Vindic. Horat,
— ■ 103 . —
150 yinn [off biefe 2lbftra!te ^erfon al§ 3Jia[d^me ^nbeln; natür*
Iid§ nic|t anberä, al§ au§ t^rem 2Befen, wie bte Unfd^ulb, ber
^Keib, ber 3otn §anbeln mu^. ©o fefie i^ ja jeben il^rer dritte
üoraug : jebe xi)X^x Steben oerrat^e ^ id) \ä)on au§ iJ)rem ^flamen ;
nur biefert 6rau(|e tci§ , nur bte ^bee felbft , itnb ba§ Uebrige rairb
^oetifd^e ©infleibung, ein ^tebejierrat^. 5Daä ganje SBefen illt aug
einem SSegriffe gefd^affen, unb in ein Söort cingef)üfft: !ann e§
mic^ alfo rühren? ®pif(^e S3en)unberung in mir erregen? mir
einen ungemo^nten großen 2ln6Iic! geroä^rcn ? ©ine fold^e ©(^öpfung
burd^ ein 2Bort, ba§ jeber nad^fagen, ba§ jeber »orauä au§ben!en
{ann, ift — ©pielmerf.
Sf^ein! .§omer§ 9}laf deinen finb Mne 2l6ftra!ten S3egriffe: eg
finb ©ubjefte, bie auä fid^ tjanbeln, üoffftimmige ^nbimbua. W.(i)t
fann id§ e§ au§ einer roifffüIjrUd^en ^bee errat^en, mie l^ier unb
ba i^wpiter unb Quno, unb 9Kineroa l^anbeln werben, meil fte
(Sinüeibungen biefer ^bee finb. 2lffe feine ©ötter finb erbid^tete
^erfonen; aber ^erfonen, mit ooffftänbig bcftimmter SDenfart, mit
©d^mad^l^eiten unb ©tärfe, mit ^e^Iern unb Siugenben, mit affem,
mag §u einem bafei)enben 2Befen 'gel^ört. ©ie feigen nic^t bIo§
@eban!en, SBorte, ^anblungen; fonbern id§ fe^e aud§ aug ber Strt,
auä bem ^ufamment^ange biefer @eban!en, äöorte, ^anblungen,
151 ba^ fte aug bem ^nnerften eineg ^nbiüibuumg fliegen : ber ^oet
bezaubert mid§ , ba^ , fo lange ic^ lef e , iä) ein fold^eg Söefcn glaube.
^'i)X Ferren 2lffegoriften , i^r ^^iameufd^öpfer von 9J?afc^inen, il^r
Qbeenbilb^uer ber ©pifc^en ®i(^t!unft — bag tt)ut i^r nid^t ! il^r
malet, i^r fd^ilbert; unb fo lefe iä) ^n^ aud§, atg SKaler, alg
©(Ruberer; nid^t alg S)id^ter, nidjt alg groeite ^romet^eug, nid§t
alg ©d^öpfer unfterblid^er ©ötter unb fterblid^er 3)ienfc§en.
2luc^ bie fleinen äöefen ber ©inbilbung , meldte bie 33a^n beg
§omerifd)cn ©cbic^tg gleid^fam nur einmal querüber burd^ge^en,
%VLxä)t, ©d^redEen, unb bie unerfättlid^ roütenbe ^wietrad^t erfd^einen
1) ertat^c (?)
— ' 104 • —
bei il)m'' pcrfönUd^er, aU Stttegoricn erf cremen: bie Ic|te 3. @.
alä bie ©(^lücftcr unb ©efcttin 93targ, bc§ ?[)^en[(^emöürger§ , mit
i|nt in @c[cttfc^aft, mitten im ©c^tad^tgetümmel. 3)ie^ alleS bäm-
pfet ba§ 2lttegori)d§e in ber i)0^^n .^bee, „ba^ fie, anfangs Hein,
„fid^ ergebe, unb, inbem fie auf bem Soben ber @rbe einl^erge^t,
„i^r §aupt in ben SBollen £)a6e/' rair fe^en immer boc^ met)r eine
^erfon, als einen 33egriff, unter einer ^erfon uorgefteltt.
^ür perfonifirte 2tbftra!ta, für 2((regorif(^e 5)kf deinen, alä
fold^e betrad^tet, ^at §omer feinen ^la^; nur ben Sieben feiner
gelben ^ lä^t er§, bie ©ebete u. f. in. ju Slllegorifiren, bie alfo 152
au§ i£)rem 93iunbe, nic^t aber cigentlidf; an§ feiner ©c^öpf erlaub
!amen, bie alfo gefpro(^cn unb gebadet, nic^t aber 3)id^terifd§ gebil^
bet, gleidjfam im ©ebid^te gefe|en raerben fottten. Slber aud^ felbft
ha fud^t er fie , rao er fann , in bag Sid^t eine§ befte^enben 3Bef enö
gu fleiben; er fU(^t fie in bie ©enealogie ber ©ötter; er giebt
i^nen einen ^iftorifc^en 3ug ju: er matt baä SlEegorifrfje nid^t
aus mit -^räbifaten, fonbern lä^t es faum burc^ ben 9^amcn, burd;
bie ^iftorifd)en 3üge, burd^ bie 2)id§terifd§en Stttribute burc^blid'en.
©0 racnig iflg bei §omer ^auptgraed ju älltegorifiren, unb am
minbeften ju ätilegorifiren für Äünftter. — —
§ier SBinfelmanns SBerf oon ber Slltegorie: id^ bleibe aber
bei jraeen anbern ©efäljrtcn auf bem 3Bege: mie ber ^ünftler ben
Sid^ter, infouberljeit ber gried§ifc§e ^ünftler ^^omer nad^aljmen
fönne? 3)iefe ©efä^rten finb ßapluä unb Se|ing.
13.
Unb bünfe mid^ je^t im beften 2::|eite'' beg Sefeingfd^en 2Berfä,
wo eö bie 33or)c^riften bcs ©rafen cinfd^ränft, mo eä bie %vt ber
a) Iliad. z/. v. 440 — 42. Iliad. /. v. 2.
b) 3. e. 5lgamentnon8 9tebe üon ber ©öttin 2tte T. 78. &c. [91].
'^M^ 9tebe oon ben ®e6eten Iliad. /. v. 498. [502].
c) p. 119 — 149. [444—4621.
— ' 105 - —
153 3>orftcHiuig §oinerä , unb cincg ^ün[tlcrö untcrfc^cibct , roo o§ ein
^Jiuftcr uon praftifd^em ©rfjarffinne ift. 5Diit 33eriDunbcruug alfo
inu^ jcber Sefcr, bor Sc^ingcn ücrfte§et, bie ocrratrrcnbcn SSibcr-
[prüd;e* gelefen ^aben, bic — — bod; J)terü6er barf iä) bie 5^er=
tljeibigung be§ 3Serfafjerä felbft^ alä 6e!annt t)orau§ fe^en.
^d) ge^e alfo ing 2)etail. „Corner bearbeitet fidjtbare unb
„unfic|tbare 2öe[en; biefen Untcrfd^ieb !ann bie 9JiaIerei nid;t ange*
„ben, bei i§r ift al(e§ fidjtbar; unb auf einerlei 2lrt fii^tbar.'"'
„2)a§ 9JtitteI alfo, beffen fi($ bie 9JJaIerei bebienet, un^ ju
,,t)erftet)en ju geben, ba§ in i^ren J^ompofitionen biefe§ ober jeneä
„alä unfid^tbar betrad^tet raerben muffe, ift eine bünne Sßolfe.'^
„®iefe 2Bolfe fd^eint aug §omer felbft entlehnt gu fetin."
„2Ber ftel)t aber nidjt, ba^ bei bem 2)id;ter bag @in§üttcn in
„^^Icbel unb 9Za4)t weiter nic^tä, aU eine poetifd^e 3teben§art,
„für unfic^tbar nmd^en, fepn foll? (Sä §at mi(^ ba^er jebergeit
„befrembet, biefen poetifc^cn Sluäbrud realifirt, unb eine mxh
„lid^e 2BoI!e in bem ©cmälbe angebrad^t §u finben/'''
154 5Jiit bem Untcrf(^iebe , 'om §r. 2. angiebt, bin i<S) gufrieben;
nur ber ©runb beg Unterf d^iebeg , ben er angiebt, ift nid^t ber
meine.
aBüju foll bie SBolte bei bem S)id^ter unb 9}ialer? ^ur SSer =
Füllung. 2Bo fie alfo ni(^t oer^üllen !ann, ba ift fie ni^tSöolfe
mel)r, ba bleibe fie roeg. ©o bei bem 9Jialer. ©ie foll oerl^ül^
len, unb oer^üllet nidjt: fie lä|t ben oerl)üllten gelben nod; fid^t*
bar: er ftel)t Ijinter einer fpanifdjen 3ßanb, unb rufft unä gu:
„id§ hin unfid^tbar, id§ foll ni^t gefe^en raerben: id§ bin nid^t gu
„^aufe." SDiefe Urfad§e, bünft mic^, ift bie roal)re.
2lber bie, ba^ bie Söolte auä einem ®i(^ter entlehnt, bei
i^m nid§t§ al§ eine ^oetifdje 9iebengart, bei bem ilünftler l^ingegen
a) Äto^ gefc^nittene @tetne "^tn unb nsieber-
b) $antb. [neue] äeitung. 1768 No. 97. [VIII, 2 fgg. 2.1
c) Saof. p. 130. [450] d) ^. 137. [454]
e) ^5. 137. f)>. 137. 138. [455].
— - 106 ' —
eine mixtM)c 3BoIfe, unb alfo ein ^oetifd^er 2lu§bruc! auf eine
befrembenbe 2Beife realifirt fep; bie Urfad^e fc^eint minber @tid^
Römers 9^ebel ift ein ^oetifi^er S^^eBel; ift er aber bamit
eine ^Poetifd^e Stebenäart, ein fünftlic^er SluSbrucf, ftatt.,,unji(^t=
„bar werben?"* SBenn Std^itteg nac^ bcm in bie SBolfe »erborg*
nen unb f(^nett entrüsten ^eftor nod§ breimal mit ber Sanje ^u-
ftöjst: foH bie^ „in ber ©prad^e be§ 2)id§terg weiter nid^tg fiei^en,
„a[g ba^ 2ld^ille§ fo roütenb geraefen, ba^ er nod§ breimal gefto=
„^en, e^e er gemerft, ba^ er feinen ^einb ^ üor fid^ |a6e?" ^d^
barf fagen, ba^ id^ bei §omer „eine foId§e ^^rafeöfprad^e be§ 155
,,S)id§ter§" nid§t lenne, unb nid^t !ennen mag. -^omer, ein g^einb
aEer fünftlid^en Figuren ber ©infleibung, bie nid§t§ aB [old^e,
nid^tS aU ^oetifd^er 3terrat§, fepn fotten, (nad^ ^xn. Se^ingg
©rüärung, roag ift biefe SBoIle, biefe ^oetifd^e $Reben§art anber§,
al§ eine fold^e Söortblume?) §omer roirb auf fold^em Segc einer
ber nüd^ternen ©id^ter unfrer 3eiten, bie ^^rofaifd^ beulen, unb
^oetifd^ fpred^en, bereu gradus ad Paruassum bie 3<iwber!ammer
ift, i^re ©ebanfen ber ^rofe in eine ©prad^c beä 3)id^terä, in
^oetifd^e Stcbarten ^u oerroanbetn. Sei fotd^cn mag aläbenn eine
profaifirenbe ©d^ulci-pofttion ©tatt finben: „er marb ntit einer
9BoIfe bebecft, ba§ ift: er marb auä ben Stugen be§ g^einbeg roeg*
gebrad^t: Sld^ill ftie^ breimal nad^ bem bidfen S^tebel: bag ift: er
mar fo miitenb, ba^ er nocf) nidjt ntcrite, fein ^einb fei) meg."
9Bag fäme aber ^eraug, roenn mau fo bei Konter läfe, unb aud^
feine ©ötter, i£)ren .^immel, i^re @erätl)e u. f. ro. burd; ein fol=
djeg, ba§ ift: profaifirte, unb alleg ju ^oetifd^en ^J)rafibu§
mad^te.
3fleitt ! §omer mei^ üon 3^ebarten nid^tg , bie nid^tS al§ fold^e
mären. ®er 9ZebeI, in bcn bie ©ötter f)ülleu, ift bei iljm mir!*
lid^er 9^ebcl, eine üert)üßenbe Söolfe, bie mit §um SBunberbaren
a) p. 137.
1) 8.: feinen geinb nid^t me^r
— c 107 . —
156 feiner ?5^i!tion, mit §um ©pifd^cn i-wS-og feiner @öttcr get)ört. @o
lange er niid; in biefcr ^oetifd^cn Söelt, in roeld^cr ©ötter unb
gelben Mntpfen, raie bezaubert, oeft §ält: fo lange mid^ feine
Wlincxva burc§ biefe rounberbaren unb fc^rcrflid^en 2tuftritte füt)rt,
unb mir bie 2tugen erf)öl^t ^t, nid^t b(o§ ftreitenbc 9}tcnf(^en,
fonbern aud^ fämpfenbe unb »ermunbete ©öttcr gu erblidfen; fo
lange fel§e irf; aud^ biefen ^chd eben fo gläubig, al§ bcn ©ott
felbft, ber bie 3öolfe um feinen Siebling roebt. Seibe, ber ©ott unb
feine 2ßol!e, ^ben ein gleid^ ^oetifc^eS SBcfen; roenn id^ ba§ eine
profaifirc, mu^ audf; l}inter bcn anbern ein @rammatifd§e§ ba§ ift
lommen, unb bann üerliere id^ bie gan^e SJi^tliifd^c ©c^öpfung
in ^omcr. ^d^ Un nid^t me^r in bcm ©pifc^en S^ireffen eine§
3)id^tcrä; fonbern in einer ^iftorifcCjcn ?5^elbfd^lac§t : ii^ lefe nad^
ber 5ra!ti!: xä) fe^e nad^ bem geraö^nlid^en 2lugenmaa^e.
§r. 2. fd^eint barnad^ gefeiten gu l^aben; roenigfteng überre==
bet er un§, barnadj fe^en ya fönnen." „.deinen roirflid^en 9tebel
„fa^c 2ld[jitteg nid^t, unb ba§ ganje ^unftftüdf, momit bie ©ötter
„unfic^tbar mad^tcn, beftanb aucl; nidf^t in bem Giebel — fonbern
„in ber fd^ncKcn ©ntrücfung. ?Rur um juglcid^ mit anju^eigen,
„ba§ bie (Sntrüdfung fo fd^nclt gefd^eljen, ba^ lein menfd§lid§eg
„2luge bem entrückten Körper nad^folgen tonnen, l;üllet il^n ber
157 „S)id^ter üorljer in 9Zebel ein; nid^t meil man anftatt beg entrüdf-
„ten ilörperä einen 9^ebel gefelien, fonbern roeil roir ba§, mag in
„einem 9^ebcl ift, unfidfjtbar beuten." 3Beld^e Unterfdjcibungen !
meldte Slmpl^ibolien ! „deinen mirtlidljcn 9flebel fal)e 2lc§ille§ nid^t."
^a! ber ^oetifc^c ^elb fa^e i^n, unb breimal ftie§ er nod^ mit
feinem ©piek naä) bem 9'^ebel. „3)a§ ^unftftücE, momit bie @öt*
„ter unfid^tbar machten, beftanb in ber fdf;netten ©ntrücfung!"
äßunberbar! roo id^ mir fd^on mirtfame ©ötter, eine munberbare
©ntrüdfung beuten fann, unb beute; bin iclj ba nid^t ein ©crupler,
am 9tebel abbingen ju mollen? „3^ur meil bie ©ntrücfung fdfjuell
„ oorgieng , t)üllt il)n ber 5Did^ter ein ; nic^t , meil man einen 9Zebel
a) p. 138. 139. [455 — 6].
= 108 :
„gefel)cn, fonbetn, roctl tmi'ba§, voa§ in einem '?Rchd ift, unfirfjt=
„ bar bcnfcn." ©o ! unb be^raegen ftö^t 3ld;itteg breinml nad§ bcni
9teBcI, nidjl, roeil er einen 9Ze6et fa^e, fonbern, roeil er ba§,
wag in einem 9Ze6eI ift, fid^ al§ unfic^tbar badete! D bcr ^ome=
mcrifcf;e S)on = Quii'ote ! o ber ßeroantif d§e §omer !
„Sf^eptun üerfinjtert bie Stugen 3t(^itteg; in ber St^^at aber
„finb be§ 2ld^iIIe§ Singen ni($t »erfinftert, fonbern " SSaä
man un§ bod^ fagen roill! S^^eptun gte^t bem 2Jd§itte§ S)un!el nm
bie Singen, er xMt Sleneag fort: er §at i§n in ©id^erlieit gebracht,
i^n ermahnt, nid^t roiber 2(c§itte§ ju ftreiten, i^n »erkffen — nun
mu^ er erft gurüdf fommen, um bem 2lc§ille§ ben^^iebel oon 158
feinen Singen ju nef)men,* unb Sld§iffe§ — I)at feinen 5^cbel
cor Singen gc^bt! e§ ift nur fo fo gefagt, ba^ feine Singen »er-
bun!clt roorben? Sld^iHeg befomntt ba§ Sid^t feiner Slugen
mieber, er erfeuf^et, er ftu|t über ba§ Söunber : er fieljt benSpie^
auf ber @rbe, ben SJlann liinmeg! er erftaunt, er fpric^t mit fid^,
ntit feiner großen ©eele, niut^maa^et auf bie ©ötter — —
„2ßie? mirb ein ^omerifc^er Drt^oboj fagen, ift e§ nic^t ein
fträflictjer Unglaube, an bem 9^ebel ber ©ötter gu gmeifeln, menn
man ein fo augenfd^einlic§e§ Söunber ber 3Serblenbung , eine fo
feierlidpe ©cene fiel)t! 2Ber ^omerifc^e ©ötter glaubt, mu| aud;
bie SiBolle [in] i^rer §anb glauben!"
S)ie SBolfenbogmati! ber ©ried^ifdjen ©öttcr mu^ ^rn. Se^ing
anberä befannt fepn, al§ mir: benn er fä^rt fort, 2)inge ^u
behaupten, bie miber alle fd^öne ©id^tbar!cit ^omerifdjer ©rfdjei^
nungen laufen. „Unfic^tbar fei)n, fagt er, ift ber natürlid^e Qw
„ftanb ber ©ötter |)omer§; e§ bebarf feiner SIenbung, feiner
„ Slbf c^neibung ber Sic^tftralcn , ba^ fie nic^t gefef)cn werben; fon>
„bern e§ bebarf einer @rleud;tung, einer @r^öl)ung be§ fterblidjen
„©efid^tä, vo^nn fie gefe^en roerben fotlen. S^mx lä^t §omer
„aud^ ©ottl^eiten fid^ bann unb mann in eine 2BoI!e l)ütten, aber
„nur algbenn, menn fie »on anbern @ottl)eiten nid^t raoUen gefe=
a) Iliad. Y. v. 341. 342. &c.
— . 109 . —
159 l^en raerben.'"' g^otgcnbeg rotrb ^ctgcn, ba^ §r. 2. in feiner 3Bol*
fenlfieoric ber @rie(f;i[d^ett ©öttcr ein i^e^er [et).
,,Unfid^t6ar fei;n, ift ber natürliche ^uftanb ber ©ötter;"
roie !ommt eö benn, raenn id^ fragen barf, ba^ ©ötter raiber
SBillen fönnen gefe^en roerben? ba^ man fie unü er mutzet
überrafdjen barf, roenn fie nid^t gefeiten fepn luotten? @g war ein
©laubenäartifel bei ben ©ried^en, bafj nid^tä gefä^rlii^er fei), al§
ein foW^er überrafd^enber 2tn6Iidf,'' unb niand;er ungUlcflid^er Un=
fdjulbige I)atte barüber ein Dpfer raerben utüffen. ^attag, bie
feufdjefte ber ©öttinnen, bie vox ileufd^^eit fid§ felbft fauni nadt
gu fe§en wagte, bie too^I am niinbeften unter aü^n (Göttinnen jene
falfdjc ijungfcrnfd^eu befa^, fid^ gu oerfteden, unb boc§ rootten
gefefien ju roerbcn, biefe jungfräulid^e ^^ialtaä voäljkt fid^ ben fidler-
ften, ben gefieimften Drt, um if)re ©orgone abzulegen: fie babet
fid;, unb ein eben fo el^rlic^er ^irefiag überrafd^t fie, fiel^et fie
roiber feinen SSiUen, erblinbet ^nbeffen um ben Unfd^ulbigen
einiger 2)taa^en f(^ablo§ §u (galten, giebt ^affaä — i§m nic^t ba§
©efid^t roieber; benn bie^ lieJ5 i()re Qungfräulid^fcit nid^t gu; fon-
bern bie ©abe ber 3Bciffagung. 2öie l^ätte ^^attag miber il)rcn
unb ^irefiag SBitten überrafi^et roerben fönnen, menn „unfid^tbar
„feiju, ber natürlidje ^uftanb ber ©ötter märe?"
160 9ßie ber ^atta§: fo gieng c§ aud) ber babenben feufc^en
Siana. Ital^bon fa^ fie, cbenfattö mibcr feinen unb ber ©öttin
SSillen, unb marb gu ©teine. ©o gieng e§ felbft bem ^^upiter,
ba er in feinem licbften 33ergnügen einmal feine 3BoIfe Dergeffen
l^atte. @r marb, ba er bei ber SR^ea fc^lief, üon ^aliafmon,
miber SSitten feiner, unb feiner geliebten Seifd^läferin, unb feineg
Ueberrafd^erä , in feiner ©d^äferftunbe geftört — mie baä? Tmnn
„unfid^tbar fepn, ber natürliche 3wftanb ber ©ötter märe/'
^d) will fold^e geftörte ©djäferftunben ber ©ötter unb (BöU
tinnen nid^t aufgälen. 5Jteine 3)iufe ift bieämal nid;t fo, mie bie
©c^roefter be§ Slmorä, bie
a) Saof. p. 140. 141. [456—7]
b) Callimack. hymu. in Pallad, Dianajn &c.
— c 110 = —
— — rote bie 3Jiäbc§en atte t^un,
SSerliebte gern befd^Ieic^et. —
^ä) fü^re, ftatt atter, baö Epigramm au§ ber ätnt^ologie^ an,
in feinem einfältigen Sc^erje , in feiner naiüen ©d^alf §eit : „ Söerbe
„ja niemanb in meinen SBaffern eine ber ^^ajaben, ober bie 33enu§
„mit i^ren ©ratien na<ft geroa^r: feI6ft roenn e§ o^ne SSorfa|
„fe^n fottte; benn immer ift nad§ §omer§ 2(u§fpruc^e ber offenbare
„%nhliä ber ©ötter gefäfirlid^, unb roer barf §omer roiberfpre=
f,ä)^n?" Um bie oerborgne (Sc^alf§eit eingufe^en, bie in biefem
©pigramm liegt, mer!e man fid^ ben ©oppelfinn, ber in bem 161
2Borte „offenbarer ^nhM" liegt; ber ©pigrammatift meint
nacft; .^omer meint „ofine frembe ©in!(eibung, roie bie ©ötter
„finb." 2)ie ©teile Römers beftätigt alfo unfere 2}ieinung: unb
fd^eint gar ein Sljiom in ber ©riec^ifc^en ^^Zpt^ologie geroorben
ju fet)n.
^uno nämlid^, bie bem 2td§ittes ^^u §ülfe roiE, madjt ben
Se^rfprucf) : ^ ba^ , roenn 2tc§iIIe§ einen @ott gegen ftc§ fe^en roürbe :
fo mü^te er erfd^redfen: htnn „ fürc^terlid^ ift ber Slnblicf ber
©Otter, roenn fie offenbar, (roenn fie ofinc ^D^enicf;Iirf)e @in§üttung)
erfd^einen. SBie ift unftc^tbar fepn alfo i^r natürlid^er ^i^fto^ib?
'^aä) biefem 2tjiom fd^eint ^omer in feiner ganzen ©ötter-
bid^tung ju oerfal)ren. ©inb bie ©ötter unter fid^, fo finb fie
aud^ unter fid^ fid^tbar; fotten fie aber unter 9Dienfc^en roirfen —
unerfannt ober erfannt, barnac^ rid^tet fid^ ba§ «Schema i^rer
©rfd^einung. ^I^ö6u§ Stpotto'' fteigt oom §immel l)erab in feiner
ganzen ©öttlid^en ©cftalt: ^öc^er unb Sogen ru^en auf feiner
©d^ulter: auf feiner ©d^ulter tlingen bie Pfeile, hzi feinem gor=
nigen ©ange. 5Run ^tte er fid^ fd^on oon ben .^ö^cn be§ .§im=
melg ^erabgelaffen , unb gieng ber '^aä)t gleid^: bi§ er fid^ roeit
üon ben ©d^iffen nieberfe|en, unb feine ^eftbringenben Pfeile au§= 162
a) Anthol. L. IV. c. 19. epigr. 33.
b) Iliad. Y. v. 131. XcdsTtoi dt S-iol ipalvtad^ai ivccgyels.
c) Iliad. A. V. 47. {vvxtI ioixcög)
— 111 —
laffen fonnte. Sißarum mu§ er ftd^ ber 'ytaä)t ^Idä) , ba§ tft: tnit
®unM kbedt, 6ei ben ©rted^en vorbei fd^Ictd^en, unb nur feine
©eftalt anne{)mett, ba er fern üom Slnbltdfe ber ©d^iffc unb SRen-
fd^en tft ? — SBenn bie ^omerifd^en ©ötter fd^on an ftd^ 5[Renfd^=
ttd^en 2tugen unfid^tbar finb, roenn e§ feiner 2(bfc§neibung ber
Sid^tftrakn bebarf, um ni d^t; fonbern einer @r{)ö!)ung be§ @efid^t§,
um gefe^en ju merben? 2öiK id) nid^t mieber gur ^eiligen ältte-
gorie fliegen, fo ift bie 3BoI!e oergebeng.
Unb raie oft '^ätU fie aläbenn §omer oergebeng! ^n einem
Siebet* fteigt %^ztiä au§ bem 5Jtcere l^eroor, bi§ fie üor i^rem
<So^n linfa^, unb fid§ i§m in @eftatt §u er!ennen gab. ^n einer
Söolfe fteigt fie gum Jupiter ^inauf : eine biegte Söolfe raarf 3upi=
ter^ um fid§, ba er auf ^ba fa^, bie ©d^Iac^t überfe^en, unb
nid§t gefe§en fet)n wollte. ®ine Sßolle ift hd ^omer me^r al§
einmal bie ^leibung ber ©ötter, menn fie in einer (Situation, bie
nid^t auf anbre roürft, in einer intranfitiüen ©teEung erfd^einen.
^i^r Körper ift gmar nur, raie ein Körper, ber Sebenäfaft i§rer
2lbern ift nur gleid^fam roie 33Iut/ b. i. nic§t fo grob unb
irbifd^, alä ein SJienfc^Kd^er Körper; boc^ aber immer S3Iut, ba§
163 gu oergie^en, ein Körper, ber ju oermunben, roie roeit.mel^r gu
feigen ift. (So roirb SSenuä oon SDiomebeg oerrounbet, ob er fie
gleid§ a(g ©öttin ernennet r"^ unb um fie ju tröften, ergäl^It i§re
3)iutter S)ione/ roa§ fd§on t)on je§cr bie ^immlifc^en oon ben
Sterblichen l)aben erleiben muffen, roie SRarä »on ^roeen feiner
tapferen g'einbe gebunben, in§ ©efängni^ geroorfcn, breije^en
9)lonate lang gefangen gehalten, unb mit genauer ^Jlot^ oom SJJler*
!ur lieimlid^ gerettet feg: roie ^uno oerrounbet, ^^luto oerrounbet
— — roaä barf§, bie 5[Rt)t^ologifd;en ©efd^id^tc §er ju erjälen,
bie alle roenigftenä fo üiel geigen, ba^ nad^ ber ^omerifd^en &'ÖU
tertfieorie ber (Sa| gu ^oc§ Hinge: „Unfid^tbar fepn, ift ber ^uftanb
a) Iliad. A. v. 359. (^ür öf^Cxkrj) b) Iliad. 0. v. 50.
c) Iliad. E. V. 340—342. d) Ibid. v. 830. 331.
e) Ibid. V. 381.
112 . —
„ber ©Otter: einer ©r^ö^ung be§ ®e[i(^t§ bebarfg, um nur üon
„5[Ren[d^en gefeJien ju roerben, nid)t aber einer Stbbred^ung ber
„Sic^tftralen, um nid^t gefe^en gu fcr)n.'" 33rauc§tg biefeä nidjt
einmal, raie unmöglich, ba^ dn @ott roiber Sßitten erfannt, gebun-
ben, oermunbet merbe? 2öenn er ben 5[Renfd^li(^en Slugen feiner
5^atur nad^ nid^t blo^ entgel^t, fonbern biefelben burc!^ ein 3Bun=
ber erft er!^öt)et werben [offen, roie finnloS alSbenn, feiner ^f^atur
nad^, üerTOunbbar, für ben gelben übcrrDinblid^ ju fei)n? Man
mirb mir antworten: um einen @ott, um eine ©öttin gu er!en=
nen , mußten beut 3)iomebe§ erft üon einer anbern ©öttin bie Stugen
eröffnet werben; allein §ier rebe id) nur üon bem S^erraunb- 164
barfepn burc^ feine 3^iatur,^ unb fd^Iie^e gerabe !§in: ein wer-
munbbarer Körper mu^ aud§ ein burc^ feine 3ftatur nic^t unfid^t-
barer Körper fei)n: roenn unfer 3luge i§n ber 9^atur beffelben nac^
nid^t treffen tonnte; mie !i3nnte nac§ ber 5Ratur be§ ©ötter-
Ieibe§ meine .ganb il)n treffen?
3Barum aber 5Rineroa bem 2)iomebe§ erft ben 9^ebel t)on ben
9Xugen nel^men mu^te, um ©ötter unb WtQn\d)m in ber ©c^Iad^t
ju unterfc^eiben?'' ^d) tann gerabe meg fagen: rceit er ^oetifd^
einen 5^ebel cor ben 2(ugen Ijatte; aEein id^ raiE §omer ^rofaifd^
erflären. 3Benn bie §omerif(^en ©ötter unmittelbar auf 5Renfd^eh,
unb mit SD^enfd^en mirfen: ^. @. ftreiten, lämpfen, ^ferbe knkn,
fur^, SRenfc^Iid^e %^akn tljun roollen: fo neJ)men fie burd^göngig
bei .§omer aud^ blo^ 3)knfd§lid§e ©eftalten an: e§ t)ci|t algbenn
jebegmal bei .^omer: „er gleid^te fid^ biefem, ober jenem -gelben/""
Unb freilid^ in bicfer ©teid^ung mar ber ©ott nid^t ju erfennen:
benn er mar 9J^enfc^Iid^ eingefleibet: nur au§ ben übermenfd^Iid^en
a) Slucf) ©ötter gegen ©ötter ftnb beru^unbBar , unb Su^iter läßt bev
Suno unb SKmerba bto^en, ba§, irenn fie ntc^t ^utiidtüic^en , er fie auf
Se^n Sa'^te lang unl^eitbat öermunben ivotle. © 404. 415.
b) Iliad. E. V. 116 — 130.
c) Neijtun. (Iliad. N. 45.) tiadjjLtvog KuX/ccvti — Minerva (Tliad.
X. 227.) Jtj-iipößcp tixvue — (Iliad. J. 86. 87.) 7/ (f üv^qI iyJlr) Aao-
ÖÖXüJ &c.
— < 113 .
165 2^()aten, a\x§ ttöttig tüunberbarett Scgc6en§eitm f(^to[fen bic gel-
ben, haf, |ic ober ba ein ©ott [eine §anb mit im ©piete l^aben
müfje. (Sic fürd^teten fid^ alfo, einem fo oerlleibeten ©otte §u 6egeg=
nen, roeil eg Bei il)nen eine 5Jiai"ime geiüorbcn: „feiner lebt knge,
„ber einem ©otte raibcrfteljt , ober fd;abet/' 33^it ©riedjifd^er (S^r-
Ud^feit fragt ein .§elb ben anbern, fo offen gu fet)n, unb gu fagen:
ob er ein ©ott, ober ein ©tcrblid^er fei)? bamit er raiffe, mit
mem er ju ti)un Ijobc. Unb mit ^immlifrfjer Dffen§crgigt'eit cnt=
becft fic^ ber ©ott, menn er inä ©ebriinge gerät!), ba^ man il^m
aug bem Söegc meid^en foUte. — — ^urjnm! roeil baä gan^e
^omerifdjc treffen üott oertteibet loanbeinber ©ötter ift, roeil ber
SDid^ter biefe .^ijpotljefe roiffentlidj [bei] allen i^^'lben mx'o ©treitern
oorau§ fe^t: freiließ fo gcljört eine Mneroa baju, um biefe cingeför*
perten SBefen üor anbern 3Jienfc^en fennbar §u machen. 3(ber
nid^t alfo, ba^ fie baä ©efidjt ©iomebeg erl)öl)en borftc, um
Unfterblid^e ju fc^eit: benn bie Unfterblid^en glid^en l)ier ?Otenfc^en;
fonbern, um il)m biefe unb jene morbenbe 3^igur fennbar §u
madjen, ba^ fie etroaä mel)r fe^, alä roofür er fte anfe^e, ba^ fie
fein 3)tcnfd^, fonbern ein roanbelnber ©ott feg,'' u. f. f. furj!
Ijier erfd^einen bie ©ötter in einem l)inbernben SSe^ifulum glcidj=
166 fam, unb in biefem äicliifulum follen fie fennbar, nic§t fid^tbar
roerben.
9^un aber falle baä 3Se^ifulum roeg, laffet fie blog ©ötter
fepn: bic SBunbe, ber ©djuterj bleibt il)nen, er ift nid^t mit ber
©eftalt roeggcfallcn, in ber fie fid^ 3)Zenfd)lid^ oerförpert. 3Jiarä
fd^reit auf — »erläßt bie (Bä)lad)t , unb gcl)t ^immelauf : bie ©eftalt
beg 2lcama§ ift alfo roeg, unb fel)et ba! bic 3Bolfen§ülle ift um
i§n: mit äßolfen gel)et er ^um .pimmet." Unb nod^ in feiner
§immlifd^en ©eftalt füljlt er ben ©djmerg, ben i^m ein .^Jicnfd^
gufügen fonnte? ift bie SBunbe nid^t ber ©eftalt Slcamaä gcblie*
hm? fie gehört Wiaxä: ber -gtimmlifdjc älr^t mu^ fie l)cilen; fein
©öttlid^er Körper roar feiner ytatm nac§ alfo oerrounbbar, roie
a) Iliad. E. 127 -130. b) Iliad. E. 867.
§evbcvö fämtntl. äBevte. III. 8
— . 114 ^
atfo eben fetner '^Hatux nad§ nic^t fid^tbar? ober gar ni(|t anber§
alä nnmtbar?
^l^ein! mein §omer ift otel gu ftnnltc^, aU ba^ er fein gan=
jeä ©ebid^t burd^ t)on fo geiftigen ©öttern, unb t)on fo feinen
Megorien, roaS bie 2BoHe §ie unb ba bebeutet? raiffen foHte.
©inem ^erftfc^en ©popöiften roürbe eine folrfie innere Unfii^tbarfeit
ber ©Otter gefatten §aben; aEein ein ©ried^ifd^eS 2tuge mili in ber
©popee Quc^ an ©ottfieiten fc^öne Körper unb §immlifc^e ©eftatten
erblichen: e§ roitt fie fd^on i^rer 9^atur naä) in biefer fd^önen
(Sid^tbart'eit fe§en, unb nid^t erft burd^ ein SSunber, ober burcf; 167
bie au^erorbentlid^e ©nabe be§ S)idfjterg, eine @rleud§tung, eine
©r^öl^ung be§ fterblid^en ©efid^tS nöt^ig l^aben, fie an^ufd^auen.
g^ür fold^ ein Sluge finb bie ©rie(^ifc§en ©ötter gefd^affen. ^at
aber ber 2)td§ter e§ nöt^ig, fie nid^t feigen ^u laffen: fo üeibe er
fie in eine 2Bot!e; er raerfe 5RebeI oor unfere Stugen. ©ine fold^e
SBoIfe, in ber fie erfd^ienen, l^at au^erbem ja fo mand^e §of)e
3fiebenbegriffe : ben 93egriff be§ ^immlifd^en unb @rlf)abenen, ber
einem §imm(ifd[;en Sßefen glommt: ift fie glön^enb, fo ber präc^=
tigfte Sl^ron eineä überirbifd^en 3flegenten; bunfel, fo ba§ ©eraanb
be§ ^oi^nigen unb ?5^ür^terKd)cn ; fd^ön büftenb, fo bie 3!5erfün=
bigerin einer lieblichen anggiel^nien ©ott^eit — alle biefe Stieben*
ibeen liegen fd^on in unferm finnlid^en ^ßerftanbe: fie 'i)ahtn ben
©id^tern aller Reiten bie uortreflic^ften 33ilber gef (Raffen: unb §omcr
follte biefen eblen ©ebraud^ ber 2Bol!e unterlaffen, nid^t cingefel^en
liaben? @r attein l)ätte bamit un§ blo§ ein §ofu§pofu§ einer
^oetifc^en 9teben§art mad^en wollen, um l)ier eine ©ntrüdfung, bort
eine innere Unficljtbarfeit , bod^ nid^t fo gcrabe £)erau§ gu fagen —
id^ fage nod^malS, fo tenne id§ Monier nid^t.
^reilid^ in ben fpätern Reiten, ba man bie-^omerifd^e 9)^t)t§o*
logie quinteffenjiirte , xmb au§ ii^r ein paar 3:^ropfen 9)tetap^t)fifd^en
©eift ab^og : ba rou^tc man nid^t gnug t3on ber innern Unftd^tbar*
feit ber ©ötter, von i§ren mtiftif d^en ©rfd^einungen , oon bem Ueber* 168
irbifd^en i!§rer ©pipl^anien u. f. ra. §u oernünfteln; allein fold^e
3:;i}cop^anien , foMje feine 9)tetapl)X)fif über bie Statur ber ©ötter,
— . 115 . —
gel)ört in bcn ^rei§ ber fpätern ^latoniften iirtb ^ytljagoräer, unb
in ba§ !^etligc 3)turme(n iljrer @e!f)einmiffe. ^ä) bcnfc bod^ aber,
ba^ voix f)ier nid^t über ^mnblid^uä, fonbern Jpoiner, rcbcn.
— ^urj! id) bin mit ber Urfad;e jufrtcben, ba^, raenn ber
Tlakx mit feiner SBolfe nic^t unftd^tbar mad^en !nnn , er aud§ bem
S)id^ter bie 2BoI!e nid^t nad^äffen barf: unb roa§ broucfjtg ba wei-
tere 2(Hegorien unb 2)eutungen über ben ©id^ter, unter benen ber
©id^ter üerlol^ren gel^t? ytaä) meinem @efü§Ie gebül^rt ben @rie=
d^ifd^en ©öttern bie fd^önfte ©irfjtbarfeit unb ^ugenb alä ein ^rä=
büat if)re§ 3Befen§: unb ofinc folcfje fidf; einen 2tpoEo, einen S3ac*
d^ug, einen Jupiter beulen ju [ollen, fidj bie Unfid^tbarfeit al§
ben natürlichen 3uftanb ber ©ötter oorfteHcn ju muffen — bag
lann feine @ried^ifd}c ©cele: fein ®ried[;ifd§er S)id§ter unb ^ünft==
kr , ja f elbft fein meifer ©pifur. Mit bem 93egriffe f d^öner ©ic§t=
barfeit ge^t baä Sßefen ber ©öfter, baö 2chm i^rer ©efdjidjte unb
■^^aten , bie fo genau beftimmten ©tuffen il^rer .'^^bcalgeftalten , ba§
Stn^iel^Iid^e if)re§ Umganges mit 9}ienfc^enfinbern : baö ganje ^raft*
üotte ber 9JJt)t^o(ogie oerlofiren. ^d^ fe!§e nid^t me!§r bie fd^önen
169 finnlic^en @riedjifd§en ©öfter : ic^ fc^e fid^fbar [e^n mollenbe ^l}an*
tome! 9}tit einer fold^en .^tjpofljefe ift meine befte 9Jiptf)ologifd^e
unb ^oefifd^e, unb ^unftent3Üdung getöbtet! 3c^ mag bie fe^e-
rifd^e ^^euigfeif nidjf: id^ bleibe hd ber alten ©ried^ifd^en 9ied;t*
gläubigfeit.
14.
„9tud^ bie ©rö^e ber ^omerifd^en ©öfter fann ber 93bler
„nic^t nad;al)men ! " ^ unb mag §r. 2. barüber fagt,"" läuft auf
bie brei Urfad;en Ijinauä: ba^ in ber 9Jtalerei weniger ba§ 2öun^
berbare ber '^oefifd^en ©inbilbung, fonbern me§r bie ©emol)n§eit
a) ?ao!. p. 131 — 136 [451 — 54].
1) 2.: Umnöglid) form ber ^af)kx bem ®otte (aJlarg) bicfe auffcv
ovbenttic^e ©vöffe geben.
8*
— . 116 = —
ju [e^en, bte anfc^auKd^e 2öa^r§eit be§ 2tugeg §errfc§e: groeitenS,
ha^, ba bie 9J{Q(erei inner§aI6 einem 3ftaume arbeitet, aud^ mel^r
bie Proportion unb ©igproportion in Setra($t fomme, al§ bei bem
S)ic^ter, beffen ©inbilbungsfraft in allen SBelten bes 5Jtöglic^cn
unb 2öirfli(^en, nid^t blo^ alfo ^raifc^en |)immel unb ®rbe, unb
am roenigften jraifi^en üier engen (Seiten rair!et. — 2)rittens, ba^,
voo bie ©rö^e bur(^ Äraft, ©tärfe, ©d^nelligteit üom Siebter auä=
gebrüdt toerben fonnte, ber SJialer in biefem 3tu5brucfe i§m gang
nachbleibe, ba er, ber für ben Siaum arbeitet, nii^t eben Äraft,
unb ber, ber für ©inen^ ätnbticf arbeitet, ni(^t eben ©(^nel=
ligfeit ber Seroegung ^um 53titte[punfte feiner 3Birffainfeit machen
fann. — @g fönntc biefen Urfac^en ein fe£)r -|5§i(ofop^ifc§er Man- 170
tel umgeraorfen roerben, raenn er beg 3Jkd§erlo§ng n)ert§ roäre.
^c§ bleibe gar ju gerne bei .^omer , infonber^eit roenn ^r. 2.
ben Stugleger beffelben mad^et. — „@rö^e, ©tärfe, ©c^neUig-
„feit," fagt §r. 2. — „§omer i)at baoon nod^ immer einen
„f)ö§ern rounberbarern @rab für feine ©ötter in $orrat§, al§ er
„feinen t)orjügIid)ften -gelben beilegt, ^n Stnfe^ung ber ©tärfe
„unb ©i^neKigfeit roirb niemanb biefe 2(ffertion in Stbrebe fer)n;
„nur bürfte er fic^ üielleid^t ber (5j:empel nic^t gleid^ erinnern, aug
„n)el(^en e§ erhellet, ba^ ber S)id§ter feinen ©Ottern auc^ eine
„förperlic^e ©rof^e gegeben, bie aUe natürtid^e 33^aa^e roeit
„überfteiget. ©elbft ätusleger bes ;^omer§, alte ]omoi)l alä
„neue, fd^einen fid^ nid^t allezeit biefer rounberbaren ©tatur feiner
„©Otter genugfam erinnert gu ^ah^n; roelc^eä aus ben linbernben
„ßrttärungen abjune^men, bie fie über ben großen §elm ber
„3}iinerüa geben ju muffen glauben.""''
^r. 2. l)at bie ßlarfifd^ = ©rneftifi^e 2tu§gabe be§ §omer§
lliebei angezogen, unb fo finb leidet bie Stusleger bes Römers,
alte foroo^l aU neue, gnugfam gu erfennen, bie fic^ ber munber-
baren ©tatur ber ©ötter ^omcrä nic^t gnug erinnert; fie finb"
a) Saot 135. [453—4] b) E. 744. ed. Clark -Eraest.
1) %: feinen
-^ 117 ^-
171 @u[tat!){u§ , 6Iar!e, bcr burd^ feine 3(ttfül)ning @uftatf)tu§ gcnef)'
mtgt, unb ©nteftt, raeld^er Ic^tere bic ^omerifd^e 33e[d^re{6ung be§
§elnt§ ber ^Jttneroa ine|r auf bie SSeftigfeit, a(§ ©rö^e bcffelbcn
rottt gebogen Totffen. 3B{e mm? tft bie alle natürlid^e ?Oiaa§c racit
übevftetgenbe förperlid^e @rö^e m. (5§arafter ber §omerifd§en ©Ot-
ter? ein eben fo offenbarer, fänntlid^cr unb notf)iDcnbtger 6§araf-
ter^ug, al§ ©c^nedigfeit unb ©tärfe? unb benn nod; jum Ueber=
flu^ '^c^hzn bie alten SReifter ber 33ilbl)auerci , raie §r. S. ü6er=
^eugt ift, ba§ J!o(offa(ifc^e , ba§ fie öfters i^ren (Statuen crt^eitten,
auä bem ^orner entlehnet?
©0 üiel ift leidet ju benfen, ba^, raenn ber Si(^ter feinen
©Ottern eine mel^r alä gelben = unb SfiiefenftärJe giebt, er biefe
©tärfe ü\x6:) nid^t in einen ^rigmäenförper raerbe eingefd^loffen
l^aben: dvoa^ , ba§ roiber alle ^oetifd^e unb 'äl'ienfc^Iicfje SBa^r-
fd^einlid^feit liefe. @§ roäre bem 3tnfd^au[id^en beä S)id)ter§ üöllig
entgegen, ?Jtenfd^enä^n(id^e ©ötter mit unermä^Iic[)er ©tärfe mür-
fen, unb unter bem gemöljnlid^en ©rabe üon 5[Renfd^engefta[t fe§en
gu laffen. ^n mpftifd^en ©etjeimniffen loären foId[;c ©ötter miE-
fommen, roeil man um fo me^r feine ©cfi^icEIid^feit ^^eigen fann,
knoten auf^^ulöfen, je me^r ."Rinoten unb 2Biberfprücf;e man gefdjlun-
gen: aber im g^elbe ber offenbaren ^oefie finb folc^c Söefen SDlifro-
megaä.
2)a^ alfo bie ©tatur beg Körpers ber geäußerten ©tärfe nidfjt
172 burc§au§ , unb fd^on bem finnlid^en 21nblicfe nad^ roieberfpred^e !
^flun aber roeiter: roo fein übermenfd^lid;er ©rab ber ©tärfe
geäußert rairb: ba ift aud6 feine übermenfd^Iid^e ©röße nött)ig,
mären e§ aud§ ©ötter ober ©öttinnen. Qa, mo eö gcgent£)eil§
gum (S^arafter biefer unb fener ©ottf)eit gel)ört, biefe it6crntenfc^=
lic^e ©tärfe nic^t ju befi^en; ba märe bie §r)pergigantifd;e ©tatur
in bem 2(nfd§aulid)en ber Siditfunft ein unteibtic^er SÖiberfprud^.
^d§ benfe, meine Folgerungen finb raaljrfdjcinlic^ , unb fie follen
gemiß roerben. §omer fei ^^vn^v. fein Jupiter, fcin9^eptun, feine
^JJineroe mögen fo groß fe^n, al§ fie motten; eine ^uno oon fönig:=
fidler ©d^ön^eit fc^on nid^t oöllig fo. ©ic mag fo oicl ©roßeä in
— ' 118 ' —
Unrein StnHicfe (jaben, ba^ er fte ^uljäiigtc^t" mnm; fo mzl dx^a-
bene§ in i§rem ©lieberbaue, alä bem SSeibe gebührt, ba§ in Qupt*
ter§ Strmen ru^et: fie mag, raenn fte fic§ ^orntg auf if)rcm §imm=
lifc^en %i)xom reget, ben großen Dlpmp erf c^üttern '' — 3^een
»Ott i^rer .^o^eit unb ©röf^e! ?Rur ba^ biefe im eigentlichen 33er=
ftanbe mir nidjt juerft burcf) bie förperlidjc (Statur Dorgeftellt roerbe:
ba^ ftc^ ni(^t auf biefe, alä auf ben ^auptanblid, mein Stuge
l^eften börfe: fonft cerliere id^ bie Königin ber ©ötter, bie !^err=^
lid^fte ber ©öttinnen auä ben Slugen : ic^ fef)e ein Siiefenroeib. 2öo
'i^at fie alsbcnn, bie Sangftred'ige ? mo ^at fie alsbenn im ^immel
9laum? mie gro^ mu^ i§r ^immlifc^es S^rautgemai^ " fctm, ha^ 173
i^r S^ulfan erbauet? roie gro^ ber @d;tüffel unb bag Bdi)lo^ gu
bicfem ®emad;e,^ bas fein ©Ott eröfnen fann, a(s fie? mie mel
Zentner Stmbrofia mirb fie brauchen, um i()ren Körper'' ju fäu-
bem? mie mel Tonnen Cel, um il}n ju falben? mie gro^ roirb
if)r .^amnx , il)r ©ürtel , il)r «Sd^mud fepn ? roo roirb fie mit i^upi*
ter auf bem 33erge ^ba in il)rer fü^en Unmrmung '' 9^aum l)aben ?
roie, roenn er fie in feine Slrme fa^t, an feine fi3niglic|e 33ruft
brüdt, roie roirb ^ba unb bie (Erbe beben? ^d) mag mä)t
roeiter, gnug! alles ©üj^e unb ©ro^c in bem ©emälbe ^omerä
üon i§rer Stnfleibung, ätuäjierung, unb Umarmung,^ oerfc^roin-
bet mit ber uncrmä^lic^en ©eftalt. 60 balb au(^ nur mit einem
(Einigen fänntlic^en 3wge bie ©igantifc^e ©tatur ^um §auptaugcn=
merfe roürbe: fo fc^roinben bie ©rängen ber Si^önlieit, ober roenn
man lieber mli, ber l)öc§ften 33oEfommen^eit im roeiblidjen ©tie:=
berbaue. 3}^ein Slugc erliegt , roenn cg ing Ungeheure foll , unb
bie Serounberung, bie id) ie|t fül)le, oerroanbelt fic^ in eine 2lrt
üon grauenooHem (5elbftgefül)le , unb Sdjauber unb (Sfel. ^at
a) Boom 15 noTvia 7/(j>;. b) Iliad. d-' . 198. 199.
c) Iliad. I'. 163. etc. d) l'. 168.
e) IdfißQoai rj jxtv TiQvnov äno /poof i/ufQoevrog
^vfj.aTa TiavTCi y.a^rjntv , uktiyparo 6e Xin ikatw.
niad. I'. m. 172.
f) r. 346. etc. g) ^. V. 153. etc.
— ^ 119 = —
174 .gomer nti^t aI[o gut getJian, ba^ er „feiner ©öttin ntc^t [o offen=
„Bar eine !örperKd§c ©röjec gab, bie alle natürliche 5Jlaa^e weit
„überftiege.'"
S3ei feiner 3Senu§ wäre biefe no(^ üon üblerer 3Birfung. 2öenn
fte iljin bie baä fü^e Sachen Uebenbe ©öttin" ift: voo bleibt baä
füjße Sachen im 9iiefengefi(f)te eines SBeibeä? S)er 'IRunb möge
fid§ aud^ nur jum Säd^eln oerjiel^en rooEen: bie Sippen fid^ aud§
nur oon fern baju regen; ber fi(^ öer^ie^enbe SIRunb bünft mic§
SSerjerrung, baä fi(^ melbenbe 2a<^m lüirb ©rimaffe, unb bag
auöbred^enbe Sachen unge£)eure§ ©eläd^tcr. Unb roie ungereimt
bünft mic§ atgbenn biefe 9tief engeftalt , menn fie über eine 3fti|ung
il^rer §aut am ^^inger fc^reiet, f läget, meinet, unb ben gangen
Fimmel erreget!
^urj! roo @rö^e unb «Stärfe nid^t ba§ ^auptftüc! im
(Sljaralter einer ©ottl^eit auämad^t, ba ift bie über-
menfd^lic^c 9^atur aud^ nid^t ein notl)roenbige§ Slugen-
mer!. 2öo ber 6l)arafter ber @ottl)eit bamit aber gar
nid^t beftelien fann, g. @. bie l)öd()fte 35oll!ommen^eit eineä
meiblirfien ©lieberbaueä in ber ;3uno, unb bie liebreigenbfte ©d^ön=
l^eit in ber ^oc§ter ©ioneng : ba bleibe fie unfern ätugen
meg. Siefe tonnen, alä 53ienfd^lid§e Slugen, ba§ ^beal ber l)o!^en
fomo^l als ber lieblid^en ©d^ön^eit eineg 5Renfd§lid§ fd^einenben
^örpcrä, nic^t anberS, al§ mit natürlid^cm 2Raa^e befttmmen:
175 groar mit bem Untcrfc^iebe , ba^ in ber Slalerei bie^ Wlaa^ in ben
©rängen ber ^unft bleibt, in ber ^oefie aber fid§ gu ber ©tuffe
erljeben fann, bie für bie ^I}antafie be§ ?[Renfc^en bie l^öd^fte ift;
ba^ aber au^ bieg .^öc^fte für bie ^liantafie überfc^aulid^, in
feinem natürlid^en SJlaa^e bleibe. @e!§t bieg 2lnfc§auli(^e ©ange
verloren, überfteigt bie ©tatur ber ^uno unb 23enug, aud^ nur in
einer Sinie , bie @rö|c , in meld^er id^ mir f örperlid^e SSolIfommcn-
l)cit unb ©i^önljeit gebcnfe: fo ijat ber Siebter feinen ©inbrudE
t)erfel)lt. 9Za^ einmal angenommenem ß^arafter, lä^t fic§ nid^t,
a) (filo/j.fi8iSr]g Ld(pQoäiTrj.
: 120 ^-
tüie er railt, ben ©Ottern eine ©rö^c geben, bie aEe natürlidje
SRaa^c überftetgt; in bem natiirlid^cn 9Jka^e, ba fid§ lörpcrlicfje
©djön^eit für meine ^J)antafie f)ä(t, mu^ fic^ aud^ feine ©rö^e ber
33enug unb ^uno galten — —
-J^un felbft bie @ottf)eiten, beren ß^arafter unb ;3i^^^üibuali=
tat einmal eine 2(eu|erung üorgüglii^er Stärfe roill: SRinerwa,
ber gciüaltige ©rbumfaffer S^teptun, unb benn ber mäd^tigfte atter
©Otter, ;5itpiter: Unb id) roieber^ole aufs neue: ba^ bei i^nen
bie förperlid^e ©rDJse i§ren ^Äirfungen nur nic§t wie*
berfpre(^e: nid)t aber, ba^ üon ©rö^e auf ©tärfe Bei
.^omer ber ©c^Iu^ gemad^t roerben börfe!
§omer gab uns feinen ©innigen ber ©ötter gemalet: fo auci§
nidjt il^re , „ atteä natürli(^e 53^aa^ itberfteigenbe ©rö^e : " er geigt 176
uns iljre ^f^atur in Sßirtung, in ^emegung.
2)er grofee ^Jupiter! aber ift er bei §omer be^roegen grof,
iueil er, mie jener ßnget be§ Zorans, oon einer feiner ä(ugen=
brauen big jur anbcrn fieben Sagereifen §ätte? Saä mürbe unä
;jupiter ber Ungeheure, nidjt aber ber ©ro^e bunten: .^omer mei^
■ alfo beffern 2ßeg. @r roinft mit feinen fd^märjlic^en Slugenbranen
ber 3:;i)etig fein ^öd§fte§ ^'^i'^jcn gu : bag ätmbrofifdjc ^aar auf bem
unfterbli(^en Raupte beg ^{önigg mattet, unb ber gro^e Dlt)mpu5
bebt"' — ba§ ift ber gro^e Jupiter ! 9cid^t roie lang, fonbern raic
mac^toott feine Slugenbrane unb fein §aar fet): nid^t mie geräu=
mig, fonbern roie gebietcnb ba§ i^ainpt be§ unfterblid^en ^önigä:
baä ift baä 2(ugenmer! beä Sichlers. 2)ag ift i^upiter, ber Mäd)-
tige! S^^^ r ber ©täbteDcrroüfter.
©inmaP roitt biefer ^upitcr feine übermiegenbc Maä)t üor
allen ©öttern redjt auäbrüden : er miffet fi(^ alfo mit i^ncn —
aber an törperlic^er ©rö^e? an Sänge ber Slrme? an ©tärfe ber
©el)nen? unroürbiger, ungeheurer 3tnblid! Jupiter l)at einen
beffern 3>orfd;lag an feine ©ötter unb ©öttinnen. 2ltte folltcn fid;
an bie ^immel^erab l)angenbe golbene ^ette Rängen, unb mit atten
a) Iliad. .£ 528, b) Iliad. &. 17—27.
-^ 121 . —
^Yäftcn gießen : bcn Jupiter ii^ürbett fie bainit ntc§t uom ^immcl jur
177 @rbc reiben !önncn; „i(^ aber/' fä^rt er fort, „rrx^nn iä) gic^ett
„Tüottte, mit ©rbc unb 5Rccr raürbe td§ fie aufjic^cn, algbenn bie
„^ette um ben ©ipfel be§ Dtpmpuä fc^Iirtgen: ha f)ingen fie 3ltte
,,in ber §ö^e. So weit mäd^tiger bin id), aU ©öttcr unb 2Ren=
„fcf)en.'" @g !ann fein erhabener unb einfältiger ^ilb gefunben
raerben, al§ bieg üon ber Uebermad^t beä §öc(jften ©otte§; allein
ein Sitb üon ber Uebergrö^c biefeg @otte§ über ©ötter unb SJien-
feigen finbet fid^ nid^t.
©0 roirb bie ©rö^e S^ieptunuä burc§ feine ©d^ritte'' mcf)r erra-
t()en unb angebeutet, alg gefd^ilbert: benn eine 2tu§meffung feiner
gangen ©eftatt, nad) ^Otaaägabe biefer Schritte, märe ungeheuer
unb nidjt i^omerifdj. 23ielmct)r §at ber meife S)id^ter audj §ier in
2leu^erung ber ©ro^e burc^ bie ©tärfe, unb ber ©tärfe burc^
^33en)egung eine Seiter gefegt, um nad§ ber ©tuffe feiner ©ötter
and) i^nen bie 3Sürbe jujuraiegen, bie bie grö^efte ^raft mit ber
gröf^eften Sparfamteit be§ Stusbrudfg äußert, ©o roie ber §öd§fte
ber ©Otter feine ©rö^e burd§ einen 3ßin!: fo geigt ber 9Md;ftc
178 nadg iljm an ^oljeit, 5Jieptun, bie feinige eine ©tuffe tiefer —
fd^reitenb." 2)ie ©rö^e 5J^inert)en§ mirb mieber "Quxd) il)re ©tärfe
gemeffen, ba fie einen ungef)euren ©tein" ergreift, unb ben Iang=
ftredigen 9}Jar§ gu Sobcn mirft. S^ielleid^t aber legt .^r. 2. meljr
©en)i(^t in biefen ©tein, al^ §omer in i^n legen rooltte. „@r
„mar ein fc^roarger, rauher, großer ©tein, ber gum ©rengftein
„ baljingeiüälget mar üon 9Jtännern «origer 3'^^t'^"-" ^^ ^^'<^ wit
biefem .^omer ben 'IRaagftab mad^en motten: ba^ ein §elb feiner
3eit gleidj groeen 3}{ännern, unb dn ^elb alter ^eit gleid§ groeen
gelben, unb biefer ©tein alfo gleid^ fo üiel oierfac§ gufammen-
a) SBelc^ ein iBtlb gtebt ber auf 3ba bie Sßaage be§ ©döicffatS f)aU
tenbe Su^iter! ®te ©d^aale ber (Sried^en fintt jur (Erbe: bie ©d^aate ber
Srojaner [teigt junt Jpimmet — ane ftarf ift ber wägenbe 2trm bc0 ©otteS !
0. 69 — 75. @otd}e ^Silber Hefert §omer, unb feine SRaaSftäbe!
l) Iliad. N. 10—45. c) Iliad. *. 403.
— 122 > —
gefegten SRannäfräften bered^net raerben müffc, al§ 9Jlänner i^n
gelegt Ratten , md^ td§ fo genau nid^t. ^iDiner !ann üiettetc^t 6Iog
fagen: eg roar ein uralter ©rertjftein. —
2tu(^ bie ©rö^e beä peinig ber aJitnerüa" ift mir noc^ ftrit=
tig; 06 fie na^ 2Raag ober ©craid^te §u krec^nen fep. „Um i^re
„ ©c^ultern legt ^altag bie fürci^terlic^e 2tegig : bie ringsum von
„g^urd^t umgeben, in ber bie ^mictradjt , unb bie ©tärfe, unb
„bie roilbe 9JiorbIu[t: in ber aud^ baä §aupt ber ©orgone, beä
„ abfd^eulid^en Unge^euerg eingegraben mar , fürd^terlid^ , gräulid§,
„baä ©c^redfbilb beg bonnernben Q^vä — aufg ^aupt fe|te fie
„ben golbnen §elm — —
syiazov jcoXecov jXQvlee.Go' dqaQViav.
SBag ift nun bag le^te, ber ben "Jw^oöüern aug ^unbert 179
©täbten gnug mar? @g fep, mie ©rnefti miE, ber ben
ätnfaU einer Slrmec aus ^unbert 6täbten, gefdjroeige benn
aug einer, aug^alten fönnte. Dber mie ber ©d^oUaft mill,
ber bie Silber üon ?^u^t)öl!ern aug Ijunbert Stäbten auf
fid^ §ätte eingegraben §aben lönnen: algbenn ftimmt biefe
©rflärung in ben 3wf'^ww*^'^§t^^S ^^i" Sefdjreibung üon ber für(^=
terlid^en Stegig.- Dber roie anbre moden, ber §elm, ben bie
g-u^üölfer aug §unbert 6täbten §u lieben, ju tragen
i'aum l)inreid^ten: biefe ©rflärung büntt mir nad^ bem %om
§omerg bie befte; benn fie giebt bag ftärffte Silb öon ber innern
'^adji ber ©öttin, bie fid^ l)ier in bem ^Tragen eineg §elmg, auf
eine ftiße er^bne 2Beife äußert. — @g fet) inbeffen meldte üon
biefen (Srflcirungen cg motte: feine ift erbadjt, um bie ©tette ju
linbern, fonbern nur ben Sinn *g»omerg ju erklären, unb nac^
atten bünft mir bod; bie, obgleid^ uralte, bie §r. S. annimmt:^
„ber §elm, unter raeld;em fic^ fo mcl ©treiter, alg l)unbcrt
„<Stäbte in bag g^elb ju ftetten Dermögcn, üerbergen lönnen,'"
biefe bünft mir unter atten bie Ic^te. 3Bo ift ie ein §clm baju
geraefen, um gu fel;en, mie oiel Streiter unter il)m 9taum l)aben?
a) Iliad. E. 737. [743. 44.] b) Saof. ^. 135. [454].
rate müfjcn bic ,§elbcn ftc£)cn, mcnn jic mit bcm ^clutc, rote mit
180 einem ©djeff el f ollen gcmeff en werben ? rote lüäve alfo |)onter auf bte^
ünbifdje ober Siomantifc^e 33ilb gefommen, bie ©treiter üon ^un=
bert ©tiibten, fid) in einem allgemeinen 33Iinbeful}fpiele hierunter
ücrMedien gu laffen? u. f. ro. ^xirjum! .^omer giebt bo(^ fein
''33iaaä ber ^Ocineroe an il^rer (Statur be§ ^örperä gerabeljin; fon^
bern lä^t un§ ben ©c§Iu^ üon i^rem ^elme auf il)re @rö^e, ober,
roenn bie mir fc^idlic^fte (Srflärung gölte, üielmeljr auf iJ)re innere
«Starte, „fie fe^tc ben ^elm aufg §aupt, ber ben Gräften cineg
„^u^oolfg au§ §unbert ©täbten ju fc^affen geben tonnte,'" roeW)
ein ftiHeg 33ilb ifirer ©öttMjen Starte!
9Jiarä, ber SRenfdjenroürger , in allem rot) unb ungetreuer,
in feinent 2tnfal(e unb in feinem @efc§reie — roarum folttc erg
nidjt aud^ in feinem .^inftur^e fet)n? tlnb ba erlaubt fic^ ^omer
bag ^ilb, ba^ er, fo roie er jetin taufcnb 3Jtenfc^en gleich auf*
f (freien, aud) im ^alk fieben i^ufen Sanbeä"' bebeden fann: ein
©igantifc^er ^erl! aber ba§ ift auc^ 3)tar§! Siürbe §omer jeben
aitbern ©ott it)m nac^f djreien , unb im '^alle nac^ftreden taffen?
2öie roürbe roo'^l ber t)ol}en ^uno, ober ber Iieblic!§en 3]enug eine
fo feltene Stellung laffen? — 3wbem mi^t §omer feinen ^olof=
fuö, ba er liegt: aufredet roagte er§ nid;t, un§ ben ungeljeuren
2tufblid abju^roingen. oii^et" iftä blo§ im Üampfe ber ©ötter mit
J81 ©Ottern, roo §omcr alle i^räfte jufammen nimmt, einen @igan=
tentantpf, ber fid) oon einem 'Dienfdjlid^en ®efec§te unterfc^iebe,
gu fdjilbern. ^n Sdjlad^torbnung mit 5)Zenfd;en jufammengeftellt,
^'ül)rer 5J{enfdjlic^er ^eere, ift bie übermenfc^lid^e Statur „bie alle
„natürlid^e 5Jlaa^e roeit überfteiget," gang üerfc^rounben. SRarg
unb 9Jtinerüe, ba fie ein §eer auf bem Sd^ilbe anfüljrcn, tonnen.
fic§ burd) golbene Kleiber, burc^ Sd^önljeit, burdj eine anfe^nlii^e
unb augjcic^nenbe Statur in t^rer.Slüftung unterf (Reiben ; benn fie
follen \a ©öttcr auf bcm Sd^ilbe üorftellen — fie tonnen in bie-
fer anfe§nli(^en ©eftalt üorragen, unb bie ^OZcnfdjcnnölter etroag
a) Iliad. *, 407.
— 124 ' —
mebrigcr^ fetin; aBer an einen fteBen ^ufcn kngcn "Max^ tft ja
t)ier ni(|t ju geben!en, unb t(^ raeijg nid§t, rate §r. S. eine ©teile
für fid^ anfül^ret,^ bie nur fefir raenig üon feiner Stffertion beweis
fet. ^omer linbert bie @rö^e ber unter SKenfd^en roanbelnben
©Otter ^ier fo, aU fie (Starte unb ©rnefti am rorigen Drte nic^t
linbern wollten, unb überhaupt geprt bie 3]orfteIlung auf bem
©c^ilbe ^ier ntc§t jur ©ad§e.
(Sgift^eit, ba^ ic§ ein @nbe mac^e. @rö^e, ©tärte, @(^nel=
Iig!eit finb bei ferner nic§t gleic^ raid^tige ^räbifate , um feine @öt=
ter von feinen üorgüglid^ften .Reiben ^u unterfd^eiben." ©elbft ron
©tärfe unb ©c§nellig!eit roirb niemanb, ber ben §omer aud§ nur
ein einziges mal flüchtig burc^Iaufen , biefe 2tffertion gugeben. S)io* 182
mebeg überroältigt bie unfriegerifd^e 3^enu§ , unb S)iomebe§ mar
bod§ nid^t einmal 3(d§iIIe§. @r überwältigt 2Rar§, unb |ier mag
SDione für mid^ ba§ 2ßort fü^ren.*^
S)er .^^J^^ü^^wald^arafter ber §omerifc§en ©ötter unb ©öt-
tinnen ift alfo bag $auptaugenmer!, nac^ melc^em fid^ auc^ il)re
©rö^e unb ©tärte rid^tet. §ier fommt fein 3tIIgemeinfa^ in 33e=
trad^tung: ß^ralter ift f)ier über ©ott^eit.
@§ giebt alfo bei i^m ©öttinnen, bie an ©tärte unter ben
gelben bleiben: ©öttinnen alfo aud§, bie an ©rö^e ben 9Jicnfc^en
gleid^ feijn muffen: ©ötter, bie zb^n nic^t größer fein börfen.
^ür ba§ erfte ^euge ^mu§ : für ba§ ^roeite ^uno , S^enug , unb
üietteic^t aHe ©öttinnen: für ba§ britte 2lpoKo.
3^erner: ©rö^e tft nieutalS ^aupt^ioccf be§ 3)ic§terä, um au§
itjr ©tär!e gu folgern; fonbern nur immer ba, um beni 33ilbe ber
Maä)t unb .^o^eit nid§t ju mieberfpred^en.
Äann biefe alfo burd§ anbre 33ler!maa[e er!annt merben, um
fo gefälliger bem Siebter: unb metd^eg ift ein beffereä l^ennjeid^en
üon §ol)eit, al§ SRad^t in ber SÖirfung, ©d^nettigfeit in ber ^e=
megung ?
a) Iliad. ^. 516 — 19. b) ?aof. p. 136. [454]
c) 2ao!. p. 135. [453]. d) Iliad. E. 381. etc.
— ' 125 . —
2tug btefcr a([o la^t §omer ouf jene [d^Uc^etx: nid^t aber
umgcfetjil. 2tu§ bem SBtnfc 3^ü§, auä bem ©Cevitt 3fleptung,
auä bem äöurfe bei* 9)iinerüa auf i§re ©rö^e, ntd)t aber im
©egent|ctt.
©0 Tüte @r gerne in feiner ©d^öpfung groifd^en .^immel unb
183 ®rbe bleibt : ^ fo übcrfpannet er aud; nie gern bie ^^antafie in
bem 9)taa^e ber ©rö^e. äöo ein 3ug hierüber nöt^ig tüar, warb
er eingeftreuet , unb gelinbert.
^nfonber^eit unter 3)lenf(^en gelinbert: benn gu einem ©öt-
tertreff en ,'' unb einem ©ötter^immel , ift fd^on eine fleine lieber^
fpannung gum SBunberbaren f-uoqov feiner ©ötter notl^menbig. SBer
!ann etroaä fd^ilbern, baä er nie gefefien, bag er b(o§ burrf; 3D^en=
fd§enerf)ö§ung trifft?
Unb aud^ f)ier iftg für mid^ !ein 2tjiom, „ba^ ber Sid^ter
„feinen ©öttern eine ©rö^e gegeben, bie alle natürlirfje 9)taa^e
„raeit überftciget." SDenn §omer §at bei bem Unenblid^cn felbft
(auter natürlidje '^o.a'^t, unb auc^ be^raegen unter taufcnb anbern
Urfad^en ift er mein ©id^ter.
£)h enblid^ bie Silb^aucr bag ^oloffalifd^e , bag fie i^ren ©öt=
terftatuen öftcrg ert()eilten, aug ^omer entlehnt?" — 2)iefe grage
bün!t mid^ fo, alg jene ^nbianifd^e: roorauf ru^t bie @rbe? auf
einem ©lep^anten! unb raorauf ber ©lep^nt? — SSon wem
nämK(^ mag benn §omer bag Ä'oloffalifd^e entlehnt §aben, bag er,
^ic unb ba, biefcin unb jenem ©otte giebt? Md^ bünft, man
fönne in 3teg9pten ben Urfprung Don biefen unb mefireren ^ome^
184 rif d;en ^been finben, infonber()eit an Drten, ido bag Sllte ber
©ötterer^ätung , rüo bie STrabition üon 3}h)tI)ologif d^en 3lne!boten
f)crrfd;et, bie ftatt beg ©d^önen, nad; roeld;em er fonft feine %oU
ter fd^affet, ing raufte ©ro^e gef)en. ^d§ t)abe Suft, über ein
^aar groben biefer Se^auptung einige fliegenbe ©d§rift(^en ** gu
lefen, bie ju gut fdjeinen, um unter ©d^riften i^rer 2trt ju mx^
a) Iliad. 0. 13—16. b) Iliad. <P. 385 — [408].
c) Saof. )f. 13G. [454] d) Harlos de Jove Homeri &c.
126
fliegen, tn[onber!^ett , ba mir ba 3lufgak im ©anjen betrachtet:
„roaä Vt §omer »ort ^tn Stegpptern entlehnet? mie ^t er bie
„alten (Sagen voriger Reiten in baä ©d^öne feiner .*^xinft üerän==
„bert?" gro^ unb nod^ ungenu|t üorfommt.
15.
©inige 33ilber, bie §r. S. aw§ ^omer anführt,'' finb nic^t
nberfe|t, nur inbirefte, unb nac^ einzelnen 3ügcn üorgeftellt —
fie entl)alten aber nod^ in biefer 3]orftettung fo Diel 2tWn, ba^
id^ an ber Ueberfe^ung .§omer§, burc§ einen Driginalgeift , in
unfere ©prad^e nic^t üerjmeifle. .^(^ lefe @ott Sob ! meinen |)omer
in feiner Sprad^e: nod^ immer aber mürbe ic^ il^n mit ©nt^ücfen
in ber meinigen t)abcn lefen roollen, roenn ein 93ieinf)arb baoon
auc^ nur einen Serfuc^ geliefert !^ätte. Siefer roürbige ?01ann
befa^ fo üiel (äahe be§ 3tusbru(f§, bie ^oefie einer fremben 185
©prad^e in bie unfere ^u profaifiren, ober menn man lieber rai((,
bie ^rofe unfrer ©pradt^e fo gefd^icEt jum einfältigen Stbel ber ^oe=
fie eineg fremben Stusbrudfg gu erl^eben, ba^ i§n bie 3)iufe unfre§
SSaterlanbeä beftimmt ju §aben fc^ien, ber 5Jtunb frember ^f^ationen
unter ung },u roerben. SDie§ ift, roie i<^ glaube, ber ^auptjug
feiner ^^erbienfte; unb mie §ätte er biefe burd§ eine Ueberfe^ung
.^omerg nictit gefteigert! ©ricd^e mu^ id^ übcrbem fd^on merben,
roenn idfj §omer (efe, id^ (efe i§n, roo iä) molk: roarum benn
nic^t in meiner 33Mterfprad;e ? QnsgeEieim mu^ idfi itju bod^ in
biefer fd^on je^o lefen: insgefieim überfe^t i(}n fid^ bie ©eele be§
Seferä, roo fie !ann, fetbft roenn fie i§n ©rie^ifd^ Ijövt: unb irfj
finnlid^er Sefer! id) fann mir oljne biefe geheime ©ebanfenüber-
fe^ung fogar fein roaljrfjaftig nu|bares unb lebenbigeg Sefen §omer§
benfen. dlux benn erft lefe i<^, aU §örte irf) if)n, roenn ic^ mir
il^n überfe^e: er finget mir ©ried^ifd; oor, unb eben fo frfineH, fo
a) 2aot \>. 143. 150. [458. 462].
— < 127 ^-
^armotttfd^, fo cbct fu(f;cn i'^in meine ®eutfrf)en @eban!en nad^jü-
fltegen: atsbenn unb aläbcnn nur oermag id^ intr unb anbern üon
§onter Icbcnbtge Befttmmte 9tec^enfc§aft ju geben, unb i§n mit
ganger ©eele ju fül)Ien. ;3i^ jebem anbern g^aKe, glaube idj, tie-
fet man i^n alg Kommentator, al§ 6d)oIiaft, alg ©c§ulgele[)rter,
ober ©prad^Iel^rting , unb bic§ Se[en ift unbeftimmt ober tobt, ©in
186 anbereg ift, fagt Sßinfelmann, §omer oerfte^en, ein anbere§, fid^
benfelben erüären f önnen ; unb bieä gef d^ief)t in meiner ©eete nid)t
anberä, alg bur^ eine gel^eime IXeberfe^ung , burd^ eine fcfineße
Ummanblung in meine ®en!art unb ©prad^e.
Ueberbem ift bicfe, in S3etrad§t bie Ueberfe^erin ^ontcrä gu
merben, roeit über bie g^ranjöfifdEie unb ©nglifd^e tjinauä; fie allein
fann »ietteid^t einen 93iittelmeg jroifd^en Umfc^rcibung unb ©c^ul=
oerfion , roie bie meiften Sateinifd^en finb , finben : unb biefer 53iit=
telmeg ^^ci^e mit einem 2tltbcutfd§en 3Borte , beffen ftarfer ©ebraud^
un§ burci) fo mand;e fd^Iec^te Stuöitbung oeräd^tlid^ unb läd^erlid^
geiüorben: 3]erbeutfd)ung. greilidj raerbe id^ meinen §omer,
auc^ roenn iUtein^rb il^n überfe|t tjätte, in feiner Urf(^rift immer
fort ftubiren; nur mürbe \6:) mid^ au6) nidjt fd^äinen, bie lieber*
fe^ung neben <xn liegen ju !^aben, bei jebem ftarlen Silbe, bag
idj in meiner 93iutterfprac§e ganj füllten roilt, in fie t)inein in
bliden, mit il)r ju metteifern, — fo tefe id^ ^outer.
33ebürfni^ ift§ alfo nidjt, menn id) mir einen 2)ieinl)arbfdjen
Konter münfi^e: eö ift ^ßatriotiämug, ©efü^ für feine raatire
Sefemetfiobe , @efü§l für meine Muttcrfpradje gegen fo mand^e
fü^tateinifd^e Ucbcrfe^ung oon ^eftor unb 3tnbromad;e 3. @.
187 u. f. xo."" betradjtct: @efül)t enblic^ gegen bie unraidjtigen ©rünbe,''
momit man ein ©enie, baä ju interpretiren ba ift, oout ^oi»'-'^'
abfd^reden, unb Ijinrocgfegnen roilt. 3Bie? roenn '>^ope aud^ fo
gebadet l)ätte: u)o roäre ber ©ngtifc^e §omer geblieben? unb roirb
a) Klotz, epist. Homeric. var. loc.
b) 9tiebel§ Sefcen aJiei^arbS ^. 60. 61.
— « 128 = —
tro^r ein vernünftiger ©nglänber, ber §omer ©riec^ifc^ lefen fann,
ii)n nid^t lefen rootten — roeil il)n $üpe ©nglifi^ geliefert?
2ßenn bieg gute äöort über §oiner §icr nid;t üöllig an feiner
©tette fte^t: fo §ätte eg hoö) irgenbiüo anbcrg eine ©teile »erbient,
nnb ic^ fa§re fort. „(S§ ift nnmöglid^, fagt §r. 2.,'^ bie nmfi=
„falifd^e SJtalerei, roeld^e bie SBorte beg 2)i(^terä mit §ören lafjen,
„in eine anbre Sprad^e überzutragen/' unb an einem anbern
Drte,'' roo er bie fortfc^reitenbe 93ianier .^omerg uortreflic^ ent*
wxMt, entgeht i^m auc^ nic^t ber 3iortJ)eiI, ben i^m feine ©prad§e
geroä!^rte, „bie il^m nic^t allein alle mögliche J^eilieit in Häufung
„unb 3i'tf'^'"W2nfc|ung ber 33cin3Örter lä^t, fonbern auc^ für biefe
„gef)äuften 33ein)örtcr eine fo glücEIid^e Drbnung I)at, ba^ ber
„ nad^t^eiKgen ©ufpenfion itjrer SSejieliung baburi^ abgef)oIfen rairb.
„ 3tn einer ober mef)rern biefer ^equemtic^f eiten fef)It eg ben neuern
„©prad^en burd^gängig. 3(ud^ unfrc ©prac^e §at fie nid§t, ober
„meldjeg einerlei ift, fie fann fie nur feiten o^ne ^i^e^^^sutigfeit
„nu^en."^ 9Jiir ^aben biefe S3emerfungen einen alten ©ebanfen 188
roieber in bie ©eele gebradjt, ben id^ bei §omer immer empfun*
ben, unb ju bem biefe einige 3^9^ i"it enthalten.
§omer fang, e^e ©d^riftftellerifd^e ^rofe ba mar: er mei^
alfo oon feinen gefc^loffenen ^erioben. 9ii(^t , alg ob in i^m fein
einigeg ?punft märe; bie i)at er, mein Sefer: unb i)at er nid^t
gnug , fo fledfe il)m noc^ melircre gu. '^(i) rebe von feinen Unter*
fd^eibunggjeid^en, in meldte unfre ©prac^lclirer bas SBefentlic^e beg
^erioben fe|en, fonbern üon ber ^ufammenorbnung oieler einzel-
nen S^Wr 311 einem ^a^tn ©emälbe, bag ba§er anfängt, mo
ung bie ©ad^e in bie Stugen fiel, 3^9 ^or 3wg ung roeiter fül^rt,
aber biefe 3ügc üerfd^ränfet, fo umfeliret, bafe ber ©inn beg
©anjen aufgehalten, ba^ er nid^t e^er oollenbet ift, big mir ^n
a) 2aot 143. [458] b) 2ao!. p. 181. [479].
1) 2.: Siefen Sort^eit i^at xuTfere ©^rac{)e ntc^t. Ober foE ic^ fagen,
fie i^at i^u, unb fann i^n nur feiten o^ne ^roe^beutigfeit nuljenV 5Bei)be§
ift ein§.
— = 129 ■■
©rtbe finb. Xlnb bteS .<^unftftüc! bc§ ^^ro[aifd)cn Venoben, k()auptc
iä), 'i)at $omcr ntd^t. 93c{ tt)in fällt gleicl^fain Qua, na(i) 3itS ^^^
cinanbcr; er fc^rcitct mit jcbcm 33ctroortc incitcr: t)on feiner 5iser=
[c!^ränfung, üon einer ^ fünftlicf;en ©ufpenfion bc§ (Sinneg roei^ er
nichts. „®er ©riei^c oerbinbet ba§ ©ubjeft gleic!) mit bcni ^^rä-
„bifate,^ unb läf^t bic anbern nachfolgen; er fagt „runbe 9^nber,
„cliernc, ad^tfpeidjic^te.'"' <Bo raiffen mir mit eins, ipouon er
„rebet, itnb rocrben bcr natürlid^en Drbnung be§ ^enfen§ gcmä^,
189 „ crft mit bem ®inge , unb bann mit feinen ^itfälfigfeiten befannt.
„liefen 9Sort!^eit ^at unfrc (Sprache nid^t." i^eine neuere (Sprache
l^at i[}n, bie ^ur ^rofe urfprünglidj gebitbet morbcn.
Unb mcnn in biefem ^yortfcl^rcitenben eben ^omer§ 9}ianicr
befte'^et: unb feine <Bpxaä)c (er pflanzte fie auf feine Siebter fort)
unb nur feine Sprache bie§ ?3^ortfrf;rcitenbe 5ur9}knier, gum ©e=
fe^e il^rer 3ufammenorbnung marf^t: raie in einer Ueberfe|ung;-'^ fo
wirb Isomer in einer Uebcrfc^ung nad^ biefer neuen ßonftruftiong-
manier, bie einmal ein @efe^ unfrer ©pradjen gcraorben, feine
9}ianier, ba§ SBcfen feiner ^oefie, ba§ mit jebcm ^wge ?vort*
fd^rcitenbe »erliercn: er mirb profaifirt werben, ^rofaifirt, nid^t
■ in ben färben, in ben ?5^iguren feiner Silber: fonbern in ber 2trt
il^rer Stellung, in ßompofition unb 9}tanier, unb ba beule id§,
"^at er mel)r »erloljren, als burd^ jebe? 3lnbere! ©in fold^er 3?er'
luft ge^t bie 2trt be§ 2tu§brud§ in feinem ganzen 9Serlc burd^,
er ift bcr größte, bcnn er Ijinbert ben @ang feiner 9Jiüfe.
^d) nel)me fein 33ilb t)om l)erabfteigcnben Slpollo, unb fage:
©0 meit ba§ 2Qhm ü6er ba§ ©emälbe ge!^t , > fo roeit ift l^ier ber
^id^ter über ben ^rofaiften einer nettem ©prad^e: 2(pollo fteigt
von ben §ö^en be§ Dlt)mpu§: ergrimmt: 33ogen unb Kodier auf
a) Saof. 182. [479. 80].
1) feiner (?) 2) 2.: erften ^:)3väbicate
3) „wk in einer Ueberjetsung;" fte'^en geblieben aitg einer älteren
gafjung, bie fo gelautet ^at: „Unb ixienn in 3iif<ininienovbnnng mat^t:
»ie in einer Ueberfel^ung?"
§evber8 iämmtl. SBevtc III. 9
— . 130 ' —
bei* ©d^ulter. ^ä) fe^e t^n ntd^t aMn l^erabft eigen, i<^ ^öre t^tt. 190
2Rtt jebem ©d^ritte erflingen bie ^fette um bie ©d^ulter be§ ^OX'
nigen. ®r ge^t einher, gleic^ ber 9^ac§t. ^un ft^t er gegen ben
©d^iffen ükr, unb fd^neEet — fürd^terKd^ erflingt ber ftlberne
^ogen — • ben crften ^feil auf bie Sllault^iere unb §unbe. ©obann
fa^t er mit bem giftigem ^feik bie Sltenfd^en felbft; unb überall
lobern unaufhörlich .^ol^ftö^e mit Seid^namen. „ ®§ ift unmög^
. lid^/' fagt §r. S. , beffcn 2ßorte iä) mid^ meifteng bebient, ,,bie
„ mufif alif d^e 3)talerei, md(i)t bie §föorte be§ 2)id^ter§ mit pren
„lafjen, in eine anbere ©prad^e mit überzutragen." Hnb eben fo
unmöglid^, fal)rc ic^ fort, ift§ bem ^ortfd^reitenben be§ Silbeä,
ba§ mit jebem 3wge meiter tritt, in einer neuern ©prad^e ^u^
oor %n^ nad^^ufotgen. 9JKt jebem neuen 3Borte ift ^in ©emälbe.
9^un la^t un§ §omer in einer neuern ©prad^e ^ören: e§ fet)
in ^ope felbft, ber geroi^ ba§ ^aa^ feiner ©prad§e fo oerftanb,
al§ fein Siebter oielleidjt üor unb nad^ i§m. Umraerfen mu^ er
bie Söorte, er mu^ unxfc^reiben."' ©in SBort bei §omer wirb il^n:
ein abgetrenntes ßomma, ein fortlaufenber 3wg ftel)t in il)m ein=
jcln ba, mie eine (Srflärung. ^ier nimmt er einen Umftanb oor=^
au§, bort crtlärt er il)n: marum er fet)? furj, bie fortfd^reitenbe
93ianier .^omerä ift weg. ^omerg Silb ift eine auggemalte ©d^il= 191
berei, ein §iftorifd§e§ ©emälbe, ftillfte^enb , nur mit ^oetifd^en
g^arben. 2)ie ^oefie §omer§, aud^ in ^ope'g ©prad^e, ift ^oe*
tifd^e, fc^öngereimte ^rofe.
Um bie ©d;roierigfeit einer §omcrifcl;en Ueberfe^ung §u gei^
gen: füljre id^ noc^ eine @igenl)eit in ^omer an, hk i^ feiner
©prad;manier abgcmcrfet, unb oon unfern ©prac^en norf; weiter
abgeltet, ©ie ift ein geroiffeg 2öieberfommen auf einen ^auptjug,
ber fc^on ba mar, unb jc^t ba§ ^anb fcpn foll, um ba§ S3ilb
roeiter ju fül)ren, unb bie au§ einanbcr fallenben SH^ 3«
einem ©anjen ju oerfnüpfen. ©jempel mögen auc^ ^ erklären.
a) The Iliad. traiislat. by Pope: Book. 1. v. 61 — 72.
1) äBal^rfc^eiiilic^ fe§tt: bieg
— . 131
35er jornige SlpoEo fteigt üom Dlrimpuä: ergrimmt: ,^öd;er unb
Sogen auf ber ©d^ulter — tft bag 33tlb au§? 9^ctn! e§ rofft
fort, aber um bie fd^on gelieferten ^üge ung im 2tuge ju erfial-
ten, fdjeint e§ bie folgenben 6Io§ au§ ben rorigen 3U entroideln.
^öc§er unb Sogen auf ber ©d^ulter? ^a! bie ^sfeile er! langen
auf ber ©d^ulter. ©r grimm t fticg Stpotto nieber? ^a! fie
erftangen auf ber ©diulter beä dornigen! @r ftieg nieber —
er gteng? fie Hangen atfo mit iebem Stritte beä @ange§. 5Zun
ift §omer ba, roo er auägieng: er fd^rttt fort, inbem er jurücftrat:
er §at jeben oergangnen .ßi^Ö erneuert: nod; Ijaben mir ba§ &an^z
vor 2(ugen. Stuf cSen bie 2lrt roKet er fein Sitb rocitcr. SDer
192 le^te ^ug erinnerte un§ an bie %xiÜQ. beg ©c^reitenben , unb roirb
weiter geführt: ber ©d^reitenbe gieng ber 9ta(^t gteid;. 2Be^'
roegen 2(poffo 9taci^t um fid^ geroorfen? §at ber Siebter nid^t S^it
gu fagen , er lä^t eä errat^en , eg mar ein frember 3ug iit feinem
©emätbe I}ier, an bie ju ben!en, bie er ie|t, mit ^^iad^t umbetft,
»orbei ftric^: er ftöret fid^ nid^t im Silbe be§ ge^enbcn ©otteg.
5^un ift ber ©e£)enbc bie (Sd§iffe üorki, roeit oorBei, er fi|t, er
fd^nettet einen ^fei( — trift er, fo ift bag Silb gu @nbe; aber
nod^ mu^ eg nid^t ju ®nbe fepn. ®ag Silb beg !(ingenben
Sogeng märe algbcnn verloren: eg mirb erft mieber crmccft —
fürd§terUd§ alfo erHingt ber filberne Sogen; nun fa^t
ber $f eil , ber erfte , ber anbrc , ^l^iere , ,§unbe , 9)ienf(^en , ©d^ei*
ter!§aufen flammen: fo flogen bie Pfeile beg ©otteg neun STage
burc§ bag |)eer — — 3e|t ift bag ©emälbe ju ©nbe : ber @ott,
Sogen, ^feil, bie SBirfung berfelben, atteg ift üor Stugcn: !ein
3ug rerlol^rcn; feine g^arbe mit einem üorbeifliegcnben SBorte meg-
geftorben: er mtdk jebe ju red^ter 3cit loicberljolenb totcber auf:
bag Silb rollet girfelnb meiter.
©0 mad^en eg nid^t unfre ^oetifdfjcn ©d^ilberer: fie malen
mit iebem SBorte, unb mit jebem 3Borte ift aud§ bie ?5^arbe weg:
ber ^ug oerfd^rounben , am ©nbe §aben mir nur eben bag Sc|te:
. ntd^tg me^r. ©0 aber nid^t ber ßrfte ber S)id[;ter : ^ er webt mie^
1) 2(: ber ©rfte, ber Siebter:
— 132 ' —
bcrf)o(enbe 3^9^ ein, bte ^um jTüettenmal bag Stlb tiefer cinprä- 193
gen, cinbrüd'en, unb einen ©tad^el in ber ©cek gurürf' laffcn, roie
GupoIiS , ber ^omöbienf c^reiber , üon beut größten Siebner ©rie*
c^enlanbeg, bem ^erüleg, fagte. 3)ie ?Okmcr ber ^ompofition
feiner Silber glcii)t ber ©pred)art bee Ulxjffeg, beffen 3ßorte ime
bie ©d;neefIo(fen flogen, baä ift, roie ?ßliniug fagt, crebre, assi-
diie, large. @r Iä|t feinen Stein nnberaegt, um ^um 3icle gu
treffen, unb feine Pfeile finb, roie bie bes $f)ilo!tet§ roieber*
! ni m e n b.
9][tenelau§ roirb ben Siciuber feiner ®I)re unb feiner (Battin üor
bem §eerc anftd)tig , unb „ freuet fic^ raie ein SÖroe , ber auf einen
„großen diaub fiittt/' 9tun roäre ba§ Silb ju ©nbc, aber für
§omer iftö noc^ nii^t tief gnug in ber Seele. 2Ba§ ift ba§: ber
auf einen großen .Körper fällt? ^omcr fä^rt raieberfjolenb
fort: raenn er einen f)örnid}ten ^irfrf), ober eine roilbe
3iege gefunben. 9tun märe un§ micber ba§ Silb feiner ?5^reube
ju meit üom 2(uge entfernet: c§ rollt alfo meiter: l^ungrig mar
er: gierig Derfd)Ungt ers! Unb um beit leljten ©tadlet in
ber ©eele ^^u taffon, non feinem gierigen ©d^Iingen, üon feiner
er^fc^enben ?yreube; fo erroecft ^outer Ijinter i^m eine laute fom-
menbe '^aa,\): fd^nette |)unbc, blü^enbe junge ^aa^cx »erfolgen iljn.
Tarn ift baä 33ilb ganj; i(^ fef)e ben gierigen Söroen, ben "Siaub,
fein ®rf)afrf;en, unb, ma^i ber $Raub fep, feine g^reube, unb feine
bie ©efa^r oergeffenbe ©ierigleit. ©o freute fic^ 3)ienelau§ u. f. ro.'' 194
©ein ©emälbc ift ein i^reigbilb , roo zin 3^9 in ben anbern fällt,
rao baö 2>orige jurüd fe(}rt, um ba§ ^-olgenbe gu entraicfeln.
^d) mü^te alle S3ilber, alle ©leid^niffe ^omerä abfdjreiben,
menn id^ alle 33eifpiete geben rooEte; benn fie finb alie nadj einer
33knier. 9iid^t immer ftrömen neue 3iisc l^erju: bie Ssorigen
fommen micber , nwlen meiter : ber S^anj ber g^iguren tetjrt in fic^i
jurüd, unb brid)t plö^Iid; ah. ^anblung unb ®mpfinbung, 3^^'
ftanb unb Semegung mc(jE)feIn: unb gemeiniglid^ nimmt fid^ ba§
a) Iliad. r. 21.
133 . —
Söort, bag bie ^anblung raiebex* erneuern, ba§ ein Sanb oortger
3üge fei;n fott, aü<^ baburc^ au§, ba^ es einen SSerä anfängt,
unb alfü bie 9f{ebe auf fid} ftü^et. ^ebe§ 33i(b §omcr§ ift eine
9Jiufi!aIifdje 93ia(erei: ber gegebene %on gittert nod) eine 2Bei(e in
unferm D^re: roill er erfterben; fo tönt biefelbe ©aite, ber üorige
%on fomnit ocrftiirft raieber; atte ücreinigen ficf) juui 9>oIIftininns
gen be§ 33ilbe§. @o überininbet .§omer baä ^^inberni^ feiner
^unft, ba^ i^re SBirfung gleid;fam jeben Stugenblic! uerf rl^roinbet ;
fo niad^t er feben 3ug feineg !öilbeg baurenb.
.^rf) ^be ein ^aar groben, von ber feinen J!unft §omer§
in feiner 33iIbercotnpofition , von Seiten ber ©prad^e gegeben, um
gu geigen, ba^ iä) gu einer Ueberfefeung uieEeic^t ©d^roierigfeiten
195 finbe , von bencn niand^e nid^tS toiffen , bie redjt viel von ^onierä
Ueberfe^ung fprerfjen fönnen; inbeffen bringen mid^ auä) biefe
©d;Tüierig!eiten norfj nid^t gur Verzweiflung. %ud) t)kx rairb ba§
©enie 9iat() finben: e§ roirb jerftüden, unb lüieber^olen — fter=
ben laffen , unb tüiebcr üorä 3{uge bringen , unb beni ^orner iDenig-
ftenä nadjeifern. — ^ä) tuoKte, ba^ §r. 2. fidj über bieg SBie-
berfommenbe in §omer§ S3ilbern erftären niöd;te. ^orner fdjilbcrt
ni(^t; rao er aber nui^, ba braudjt er bag angezeigte ilunftftüd,
um mittelft jeben Stugenblid fd^minbcnber , aber tuieberfommenbcr
^öne baä ®an^(^ eineg ©inbrudg ju liefern. - — 2tug ber ^on-
fünft lönnte biefe ©nergie feiner 53ianier am beften erläutert roerben.
16.
Ueber^upt mu^ man nic^t beulen, ba^ ^^in '^fiilofopf) , ber
hzn Unterfdjieb ^lüifc^en ^oeftc unb einer fd^önen ^unft ^n ent-
mideln unternimmt, bantit bag ganje Sßefen ber ®id;tfunft üüII*
ftänbig erflären motte. S^x. 2. jeigt, mag bie 2)idjtfunft gegen
5}ialerei gehalten nidjt fei); um aber gu fctjen, mag fie benn an
fid) in i^rem ganzen 9Befen üöttig feij, mü^te fie mit alten fd^rae*
fterli(^en Sli'tnften unb Sßiffenfdjaften j. @. 5)iufif, 2:an3tunft unb
9tebe!unft üerglid;en, unb '>^t)iIofopI)ifd^ unterfc^ieben merben.
. 134 :
„'^Jfaleret wivü im Staunte; ^oefie burc^ Zeitfolge. Qene 196
„burd; ?^igurcn unb g^arbcn; biefe burd) artifulirte 2^öne. ^ene
„{)at alfo Körper, biefe .ipanblungen gu eigentlichen ©egenftänben."
©0 roeit ift ^r. Se^ing in feiner ©ntraidlung gelommen. '^un
neunte ein ^^ilofop^ifd^er 3:;onfünft(er fein SBer! auf: toie fern
I)a6en '^oefie unb ^onfunft gemeine Siegeln, ba fie beibe bur(^
bie ^eitfol^ge mirfen? 2ßie ge§t jene ab, ba fie ^anblung fin=
get? 5)er 9iebefünft(er fa§re fort: febe Siebe fann .^anblung
f(^ilbern: mie benn bie ^oefie? roie in i§ren üerfc^iebnen ©attun^
gen unb ätrten? — Snblid^ biefe i£§eorien gufammen: fo fjat
man baä SBefen ber -^oefie.
2tu(^ bei ber je|igen einen ©eite ber SSergleic^ung iftg inbef-
fen, als ob mir an bem SBefen ber ^oefie immer ttma^ jur ^ere(^=
nung fe{)Ie. — — 3<^ ne^me Se^ingen ba ba§ 9Bort auf, rao
er bie ©ac§e auä i§ren erften ©rünben herzuleiten üerfpri(^t.^
@r fi^lie^et fo. „ffienn eg mafir ift, ba^ bie Makm gu
,,if)ren ^Jiai^a^mungen gang anbre SJiittel, ober 3^^^^ gebraud^et,
„a(g bie ^oefic; jene nämli(^ ^^iguren unb färben in bem
„3iaume, biefe aber artifulirte SLöne in ber 3eit; vomn unftreitig
„bie 3cic§en ein bequemet 3Jer§ältni^ gu bem 33e5ei(^neten ^ben
„muffen: fo fönnen neben einanber georbnete ^^^'-''^ ^^^ ^wr 197
„ ® egenftänbe , bie mb^n emanber, ober bereu 3:l)eile neben einan-
„ber egiftiren, auf einanber folgenbe Qd<^m aber, au(^ nur @e=
„genftänbe ausbrüden, bie auf einanber, ober bereu %i)Qik auf
„ einanber folgen.
„©egenftänbe, bie mbcn einanber, ober beren ^l;eile neben
„ einanber ejiftiren , l)ei^en Körper, g^olglic^ finb Körper mit il)ren
„fic§tbaren ©igenfd^aften , bie eigentlichen ©egenftänbe ber iOialerei.
„ ©egenftänbe , bie auf einanber , ober beren ^§eile auf ein=
„anber folgen, §ei^en überljaupt ^anbtungen. ^olglic§ finb §anb==
„lungen ber eigentliche ©egenftanb ber ^oefie."
a) 2aot. p. 153. [463]
— ' 135 ^-
3]ieIIetrfjt lüürbe bie ganjc (Sc^lu^fcttc untrüßlic^ fct)n , raentt
fie oott einem ücften fünfte anfienge : nun aber laffet uns ^u it)in
^inan. „SBcnn e§ iüaf)r ift, ba^ bie '}3Jalerci ^u i()ren '?llad)aly
„ mungen ganj anbrc 3Jitttel ober ,3ei<i)'^ti gebraucht , atg bie -^oefie ; "
allerbingg roafir!
„^ene nämlid^ g^iguren unb 3^arbcn in beut 9taume, biefe
„aber artifulirte %öm in ber 3cit.'' ©c^on nid;t [o beftimmt!
benn ber ^oefie finb bie artifuUrten 3:öne nirfjt baä, waä g^arbcn
unb Jiguren ber 9JZalerei finb!
„SSenn unftreitig bie S^^^'^^ *-'i^ bequemeg 3]crl)ältni^ ju
„bcm ?3e3ei^ncten !§aben luüffen.'" (ihm barnit fällt alle SScrglei-
djung weg. 2)ic artifulirten 3:;i3ne fjaben in ber ^oefie nid^t chm
198 baffelbe 3]er^ältni^ 3U i^reni S3e3eic§neten , luaä in ber 'DJalerci
Figuren 'unb Starben ju beut ^§rigen (jaben. können alfo jioei fo
üerfdjiebne 2)inge ein ^Drittes, einen erften @runbfa| juui Unter-
fc^iebe, 3um 3Befen beiber fünfte geben?
5Die 3^^'^'^ i^ci' 3)iakrei finb natürlid^: bie äSerbinbung ber
^eid^en mit ber begeid^neten <Badic ift in ben ©igenfc^aften be§
S3e3etdjneten felbft gegrünbct. 2)ic 3'^it[j'^i^ '^^'^ -^oefie finb roill-
in^xlid): bie artifulirten ^öne Ijabm mit ber ©ad^e ni(^t§ gemein,
bie fie auäbrüden foHen; fonbern finb nur burd^ Qini. allgemeine
(Sonüention für ^cic^en angenommen. ^§re Diatur ift alfo fid;
oöttig ungleich, unb baä Tertium comparationis fd^roinbet.
SIZaterei lüirft ganj im Staunte, ncbm einanber, burd^ ,3ci'
<^tn, bie bie ©ad^e natürlid) geigen, ^oefie aber nid;t fo burd;
bie ©ucceffion, mie jene burd^ ben Staunt, 'ituf ber Jolge
il)rer artifulirten ^öne beruljet ba§ nic^t, raaä in ber 'OJtalerei auf
bem 9^ebeneinanberfet)n ber %\)dk beruhete. Sag ©ucceffioe il)rer
3eid§en ift nid^tä alg conditio, sine qua non, unb alfo blog einige
©infdjränfung : baä (Eoejfiftiren ber 3'^^'^ii ^^t ^^^^ SJialerei aber
ift Statur ber SÜunft, uttb ber ©runb ber ^Jcalerifc^en ©d;önl}eit.
'jpoefie, loenn fie freilid^ burc^ auf einanber folgenbe ^ijne, baä
ift, SBorte rairft: fo ift boc^ ba§ Slufeittanberfolgen ber Slöne, bie
199 ©ucceffion ber SBorte nic^t ber Mttelpunft il^rer Sirfung.
— = 136
Um biefen Unterfcfjicb bcutltc^cr gu machen: mu^ eine 3]er=
gicidjung jiyifi^en jracien burc^ natürtii^e Miüd roirfenbcn fün-
ften gemacht rocrbcn, jraifdjcn 'DZalerct unb Xoniunft. öicr tann
xd) fagcn: '?3Mei*ei rair!t gan^ burc§ ben Siaum, fo rote 5liufif
burd^ bte Zeitfolge. 2ßa§ bei jener ba§ 5Re6eneinanberfei;n ber
3^arben unb g^iguren ift, ber ©runb ber Sc^ön^eit, bas ift 6ei
bicfer bag Stufeinanbcrfolgen ber 2:öne, ber ©runb beg 2öot}lflan=
geä. 2Öie h^i jener auf beni 2(n6Iicfc bes ßocEfiftircnben baä
3BoI)Ige[aI(en , bie Söirfung ber ^unft 6eru()et; fo ift in biefer baö
©ucceffiüe, bie 23erfnüpfung unb 3(6roec^felung ber 2öne bas MiU
td ber 'lÜlufifatifc^en 3Birfung. 3Sie alfo, fann \<i) fortfahren,
jene, bie ^Jlalerei , b(os buri^ ein Slenbroerf , ben 53egriff ber 3eit'
folge in un§ erroeden fann: fo inai^e fie bieg 9le6enrocrf nie ju
i§rer ^auptfadje, näinUd^: alg ?Jtalerei burc^ 3^ar6en, unb borf;
in ber Zeitfolge ju roirfen: fonft gefjet bas SSefen unb alle Sßir-
fung ber ^unft uerlo^ren. hierüber ift bag g^arbenflaoier 3cuge.
Unb alfo im ©cgcntijeilc bie Mii]\t , bie gan,5 bur(^ Zeitfolge roirft,
mac^e es nie jum ^auptgroede, ©egenftänbe bes 9kumg ^Ocufiia-
lifd^ ju fc^itbern, roie unerfa^rnc (Stümper t§un. {jene oerliere
fid^ nie aus bem Soeffiftenten , biefe nie aug ber Succeffion : benn 200
beibe finb bie natürlid^en 33littel if)rer SÖirfung.
Sei ber 'ipoefie aber ift ber Siuftritt gcänbcrt. ^m ift bag
9ZatürIirfje in ben ^t\<i)txi, 3. ©. Sud^ftaben, Sllang, 3::onfo(ge,
5ur 2Sir!ung ber ^$oefie roenig ober ni^tg: ber 6inn, ber burd^
eine roillfüljrlidfie Uebcreinftimmung in ben Söorten liegt, bie ©eele,
bie ben artifulirten 3;önen einroo^nct, ift alles. 2)ie ©ucceffion
ber 2öne fann ber '^oefie nii^t fo rocfcntlic§ beredinet werben, als
ber 'i)JiaIcrei bag ßoeirfiftiren ber färben; benn „bie ^<i\d)<in I}aben
gar nid)t einerlei '^erf)ä(tni^ ^u ber bejcidjneten ©a^e."^^
a) i'aot. \\ 153. [463]
1) i. : toenn unftreittg bie ^ti<i)tn ein bequemes 33er^ä(tni^ ju bem
5Seäeid;neten [}aben muffen:
— . 137 . —
2)er ©runb ift tDanfcnb : wie rotrb ba§ ©cbäubc fci)n ? (St;c
mir bicfcg fc^en, kffot un^ jenen erft auf anbre %xt fid^crn.
3}ialerei luirft im Staunte, unb burd^ eine fünftlidjc ^orftellung
beä 9^aumg. 3Jtufif, unb alle energi[c^e fünfte roivl'en ni^t blos
i n , fonbcvn aud^ buv(^ bie ^'^itfo^Ö'^ / burc^ einen f ünftlid^en ^eit--
n)cd)fel bcr 2;;öne. Sie^e fiel; nid^t baä SBefen bcr ^^oefie au(^ auf
einen füld;en ^auptbegrif bringen, ba fie bur(^ n)illfül)rli(^e i^cu
cljen, burd; ben ©inn bcr 3Sorte auf bie ©eele roirft? 2Sir wol-
len baä 9Jättel bie) er 3Birfung ^raft nennen: unb fo, roie in
ber ^tetapfjpfi! 9Uum, 3ctt unb ^raft brei ©runbbegriffe finb,
201 raie bie 3Jiat§eumtifc^en 2Siffenfdjaften fid; alle auf einen biefer
S3egriffe jurüdfüljren laffen; fo sollen roir au(^ in ber %^zoxk
ber fdjönen SSiffenfc^aften unb Hünfte fagen: bie fünfte, bie
3Berfe liefern, iüir!en im 9kume; bie fünfte, bie burc^ (Energie
mir!en, in ber ^e^tfolge; bie fdjönen SBiffcnfi^aften , ober üielmeljr
bie einzige fdjöne 2öiffenfd;aft , bie ^ßoefie, roirft burc§ ^raft. —
®urc^ ^raft, bie einmal ben 3Sorten beimoljnt, burc!^ £raft, bie
groar burd§ bag Dl)r gcl)t, aber unmittelbar auf bie 6eele mirfet.
®iefe Slraft ift ba§ 3Befen ber ^;|]oefie, nic^t aber baä ßoejfiftente,
ober bie ©ucceffion.
9^un lüirb bie S'^^öc: meldte ©egenftänbe fann biefe ^oetifdjc
^raft beffcr an bie (Seele bringen, ©egenftänbe beS Staumg, coef-
fiftirenbc ©egenftiinbe, ober ©egenftänbe ber ^i^itfucceffionen ? Unb
um mieber finnlic!^ gu reben: in meldjcnt 3)lcbium roirft bie ^oc=
tifd^e ^raft freier, im $Raume, ober in ber 3eit? —
Sie mirft im Staume: baburd^, ba^ fie i§re ganje Siebe
ftnnlid; madjt. 93ei feinem 3eW;^'i^ ww^ bag 3*^id^cn felbft, fon-
bern ber Sinn be§ 3^^*^^^^ empfunbcn roerben; bie ©eele muf5
nid^t bag S^eljifulum ber Äraft , bie ^ SBorte , fonbern bie Kraft
felbft, ben ©inn, empfinben. ©rfte 2lrt ber anfd;aucnbcn C2r=
fänntni^. Sie bringt aber aud§ jeben ©egenftanb gleid;fam fidjt-
lid^^ üor bie (Seele, b. i. fie nimmt fo üiel 3Jterl'maale 3ufammen,
1) %: bev 2) 51 : fitttic^
^ 138 . — •
um mit (Einmal ben ©inbruc! ju mad^en, bcr ^l^antafic tl)rt cor 202
Stugeti ju füfjren, fte mit bcm Stnblicfe ju täufdjcn: ^raeite 2lrt
bcr anfd^auenben l^äuntni^, unb ba§ 2Befen ber ^oefie. ^ene
2trt !ann jeber lebtjaften Sflebc, bie md)t Söortflauberei ober ^f)t=
lofop^ie ift: bte[e Strt ber -^oefie aKein jufommert unb mac^t i^r
SBefen, baä finnlid^ SSoUfommene in ber 9iebe. ^IRan fann
alfo fagen, ba^ ba§ erfte 3BefentIi(^e ber ^poefie rairflid; eine Slrt
von SKalerei, finnlid^e SSorfteUung fet).
©ie roirlt in ber 3eit: benn fie ift 9tebe. ^x^t Mo§
erftlid^, fo fern bie Siebe natiirlid^er Stuäbrud ift, 3. @.
ber Seibenf djaften , ber 33eTDegungen : benn bieä ift ber 9tanb ber
^oefie; fonbern »orgüglid^, inbem fie burc§ bie ©c^neltigfeit , burd^
ba§ ©e^en unb kommen i^rer Sorftettungen , auf bie ©eele wirft,
unb in ber St&wec^felung t§eil§, t()eUg in bem ©anjen, ba§ fie
burd; bie Zeitfolge erbauet, energifd; lüirfet. 3)aä erfte ^at fie
aud) mit einer anbern ©attung ber Siebe gemein; bag (e^te aber,
ba^ fie einer 2lbn)ed)felung , unb gleid^fam 5IReIobie ber 33orfteIlun^
gen , unb ©ineä ©anjen f ä§ig fer) , beffeu %^ziU fid) nad) unb nad^
äußern, beffen 3Sott!omment)eit alfo energefiret — bieg mad^t fie
§u einer SJiufit ber ©eele, roie fie bie @ried)en nannten: unb biefe
gtoeite ©ucceffion l)at .^r. Se^ing nie berühret.
^eineä oon beiben, allein genommen, ift if)r ganjc» 3Sefen 203
Stid^t bie (Snergie, ba§ SRufifalifd^e in xi)X; benn bieg !ann nidjt
Statt finben, wenn nic^t baS ©innlid^e if)rer ^i^orftettungen , ba§
fie ber ©eele oormalet, üorau§gefc|t loirb. Slidjt aber bag Wla-
Ierifd;e in il)r; benn fie wirft energifd), eben in bem 9iad;einanber
bauet fie ben 33egriff üom finnli(^ oollfommnen ©an^en in bie
6eefe : nur beibeä jufammen genommen , fann iö) fagen , ba§
3Befen ber ^oefie ift ^raft, bie aus bem 3iaum, (©egenftänbe,
bie fie finntid; madjt) in ber 3e^f (burdj eine ^-olge oieler ^f;eile
3u ^inem -^oetif(^en ©anjen) wirft: furj alfo finnlid) üoII =
f m m e n e 9i e b e.
9Zad; biefen 3]oraugfe|ungett wollen wir ^u ^rn. Se^ing
jurücf. ^ei i(;m ift ber oorncfimfte ©egenftanb ber ^oefie ^anb^^
— . 139 - —
tutujcn; nur aber @r !ann au§ [einem 33cgriffc ber ©ucccfjion
biefen 33egrif augfinbcn; id) geftet^c c§ gerne, irf; nic^t.
„ ©egenftänbe , bie auf einanber, ober beren %l^nk auf ein-
„anber folgen, finb §anblungen." * 2Bie? ic§ laffe fo oiel icE)
miU auf einanber folgen, icbe§ foH ein Körper, ein tobter StnblicE
fer)n; vermöge ber ©ucceffion ift feineg noä) A^nblung. ^ä) fe^e
bie S'^xt fUel^en, jeben ätugenblic! ben anbern jagen — fe£)e id^
bauiit ^anblung? 3]erfd^iebene Sluftritte ber 9latur fommen mir
üor 3tugen: einzeln: tobte: einanber nac^folgenb: fe{)e id) ^anb-
204 lung? 9tie roirb ^.J^aftettä ^arbenflaüier mit feinem fucceffiüen
SSorfpielen ber färben, unb menn eg aud^ 3SelIen' unb ©c^Ian-
genlinien mären, ^anblungen liefern: nie mirb eine 5[Relobifc|e
^ette t)on ^önen, eine ^ette ijon §anblungen l^eijgen. ^d) läugne
e§ alfo, ba^ ©egenftänbe, bie auf einanber ober beren ^^eile auf
einanber folgen, be^megen überl)aupt ^anblungen §ei^en: unb
^hm fo läugne id), ba^ weil bie 2)ic|tfunft Succeffionen liefrc,
fie be^megen ^anblungen §um ©egenftanbe ^abQ.
SDer 33egriff beg ©ucceffioen ift ju einer ^anblung nur bie
l)albe ^bee: eä mu| ein ©ucceffioe§ burd^ ^raft fe^n: fo
mirb §anblung. ^^ benfe mir ein in ber 3e^tfolge mirfenbeg
SBefen, id) benfe mir 3Seränberungen , bie burd^ bie ^raft einer
©ubftanj auf einanber folgen: fo mirb ^anblung. Unb finb
^anblungen ber ©egenftanb ber 2)id^t!unft, fo mette iclj, roirb
biefer ©egenftanb nie au§ bem trotfnen 33egrif ber ©ucceffion
beftimmt roerben fönnen: Älraft ift ber a)ättelpun!t ilirer Sphäre.
Unb bieä ift bie ilraft, bie bem Innern ber SBorte auflebt,
bie ^auberlraft, bie auf meine ©eele burd^ bie ^^^antafie unb
©rinnerung roirft: fie ift bag äöefen ber ^oefie. — S)er Sefer
fiel)t, ba^ mir finb, roo mir roaren, ba^ nämlid^ bie ^oefie burc^
- roillfüfirlid^e ^eid^en roirfe; bajs in biefem SSillfü^rlic^en, in bem
205 ©inne ber Sßorte gang unb gar bie Kraft ber ^oefie liege; nid^t
a) Saot. p. 154. [464]
— ' 140 —
akr in ber ^-otge bei* %'öm unb 2Öorte, in ben Sauten, fo
fern fie natürliche Saute finb. — ■
§r. S. inbeffen fi^lie^t au§ biefer '^olge von %'6mn unb
äöorten alles ; nur fe^r fpät faEt e§ i^in ein,"" ba^ bie ^^^ei^
ber 5)]oefie uüntüi^rlic^ roären: allein auc^ benn ponberirt er
nid^t, roaä ber ©iniüurf: ^^oejie mxtt burdj w)iElüt)rli(^e Q^id)^n,
fagen molk.
'^enn wie löfet er biefen ©inrourf? „SDaburd;, ba^ mit ber
,,©d^i(bcrung !örperlic§er ©egenftänbe bie Xäufd^ung, ba§ ^aupt=
,,it)er! ber ^oejle, oerlol^ren ge^e, baf^ alfo groar Siebe an fic^,
„aber nid^t bie finnKd^ ootlfommenfte 9tcbe, bie ^^oefie, Körper
,,fd)ilbern tonne."* Sie ©ac§e fd;eint je^t an öefferm Drte. @6cn
weit Me ^oefie nidjt SJiaterifi^ gnug feiin fann, bei @d;ilbe=
rung törperlic^er ©egenftänbe : fo muf, fie fie nidjt fdjilbcrn. ^idjt,
bamit fie nidjt SJiaterei fer), nid^t roeil fie in fucccffiüen %'6nm
fi^ilbert: nid^t tueil ber Siaum baä ©ebiet bes 93kler§, unb blog
Zeitfolge ba§ ©ebiet beä S)id}terg fep — ic§ fet)e bei altem feine
Urfadje. 2)aä ©ucceffioe in ben S-^u gekn, ben wir nur burd; jenen f äffen fonnten?" —
(Sollen biefe 3^ragen t§r ^a befommen : fo befenne ici) bte (S^roäd;e
meines ©ebäd^tniffes, biefen ^mä an mir nid^t erreichen ju fönnen.
3)iögen je^en ohcx nodE) meniger ©emälbe auf bem Schübe fet)n:
möge i^ fie auc^ raerbenb gefe^en §aben; ic^ erftaune über bas
Söerf, aber nid^t mit bem gläubigen (Srftaunen eines; 2(ugen?ieugen,
bem je^t ber ganje ©c^ilb uor ä(ugen, bei bem bas ßonfefutice in
ein (Soerfiftirenbeg üerroanbelt märe. 5Rur in bem Raupte beä 217
©öttlic^en Äünftlers fann ber ©d^ilb mit aikn feinen Figuren ein
9)ia(erifd)eg G)an,3es gcbilbet ()aben; id^ mu^ aufs neue bas (Sd^ilb
l^erum, raenn i^ bie mit jebem fucceffioen ^Bortjugc oerlo^rne
g^igur mieber fe^en fott, unb boc§ wo finb fie, raenn id^ fie gu
einem ganzen <2d;i(be orbnen foK? 3)aö äßerbenfefien |at fiiegu
nid)ts getf)an, unb fann f}ieju nichts t()un, es fei benn, um mid^
noc^ raeiter §u ^erftreuen; bas 9tac|einanber roerbon ift unb
bleibt ber knoten.
|)omers 3prac§e fei fo oortrefUd^, als fie fepn fann, — febeS
SBort liefre ein 33ilb — of)ne alte (Sufpenfion ber öe^ie^ungen —
fo fd^neü fortfc^reitenb , als 2)iane in i^rem ©ange;^ foll bies
fd^nette 5^-ortfc^reitenbe ba fe^n, um gleid^fam bas ^inberni^ bes
^{aums ju minbern, ^u oernid^ten, um baburd^ ben täufd^enben
2(nb[id eines räumlichen ©egenftanbes, eines i^örpers im 5Haume
^u erraeden — bies fann feine 9iebe. 3)asu roo^I faum mirb
§omer feiner fd^reitenben ^Jumier fo treu geblieben fepn: bagu
^b^n ni(^t für jebes Sing nur ©inen 3ug gef)abt; baju am
roenigften bas (Sonfefutice 3Berben geroä^lt ^aben: „um bie 3:^eik
„feineg ©egenftaubes mit bem g^Iuffe ber 9^ebe einerler) ©i^ritt
„galten ^u laffen." 3)ieg fann feine 9tebe: no(^ minber \vilis>
bie 3tebe bes iDic^ters: am minbften rooKte e§ ber ©rfte ber
2)id^ter. ©eine gan^e iOianier jeigt , ba§ er nic^t f ortf d^reitc , um 218
a) p. 166. [471]
b) 2a.ol p. IdO. 181. [478 — 9]
-^ 149 - —
urt§ e§ fei, tüooon es fei, ein 33ilb bes ©an^en burd^ <2uc=
ceffion ?;u geben, fonbcrn er fdjteitet buvrf; bie ST^eilc, meit
i^m an beut 33itbe be§ ©anjen ganj unb gar nic^t lag.
^ä) roottte um aHe§ nid^t, §rn. S. einen falfc^cn ©inn an^
gebid^tet gu fiaben: in bei* ©ac|e felbft mit if)ni ein§, madjen mid)
nur in bem ©runbe bcr <Baä)c feine ©i^Iüffc unb 58cr6inbungen
»erlegen. ®imft jemanb biefer Unterfc^ieb unbeträdjtlid^ — fo liegt
mir nidjtg baran; anbcrn mirb er beträc^tlii^ fc^einen.
^orner ift immer fortfd^reitenb in .^anblungen, meil er bamit
fortf (freiten mu^, roeil aEe'biefe 5ll)eill)anblungen ©tüdc feiner
gangen ^anblung finb, roeil er ein @pifd§er S)i(j^ter ift. ^d^
braud^c alfo bcn 2Bagen ber ^uno, unb ben Scpkx bc§ ?Igamem=
non, unb ben Sogen be§ ^anbaruä nid^t weiter fennen ju
lernen, alä fie in bie §anblung mit cingefloc^ten , mitroirfen
füllen auf meine ©eele. SDarum alfo Ijörc id^ bic ©efd^id^te be§
Sogeng, nid^t bamit mir biefe ftatt ©emälbe fet); fonbern um
einen Segrif t)on feiner ©tärfe, oon ber 5)iad^t feiner Sinne, mit^
l)in üon ber ^raft feiner ©el)ne, feine§ Pfeils, feines ©d^uffeg jum
33orauä in mid^ ju pflanzen. 3Benn nun ^anbaruä ben Sogen
öornimmt, bie ©e^ne anlegt, ben ^^feil anfe^t — abbrüdft! —
219 n)el)e bem 93lenclau§, ben ber 'i]3feil eines fold^en SogenS trift, mir
fennen feine ©tärfe. .^r. S. fann alfo nid^t fagen, e§ fei; §ome*
ren mit feiner ©efd^id)te be§ Sogeng, um fein Silb, unb 6log um
fein Silb ju tl)un gemefen. Um nid^tö minber, al§ ^ierum: bie
©tär!e, bie ^raft beg Sogeng mar feine 'Baä)^: fie, unb nid)t bie
©eftalt beö Sogeng, geljört jum ©ebid^te: fie, unb feine anbre
@igenfd)aft, foll l)ier energifd§ mitmirfen, haf, mir, raenn nadi^er
^anbarug abbrüd't, menn nad)l)er bie ©enne fd^mirrt, ber ^feil
trift — um fo me!^r ben ^feil empfinben. tiefer ©nergie jufolge,
bic in einem ^ ©ebid^te bag .t>rtuptn)erf ift, erlaubt fid) ^omer, aug
ber ©(^ladjt auf bie ^agb ju fpa^ieren, unb bie ©efc^id^te bcg
Sogeng gu bid^ten: benn i^ felje feine anbre Strt, biefcn Segrif
1) feinem (?)
— . 150 ^ —
in aEcr ©tärf'e,^ alä burd^ ©efd^td^tc. 2)urc§ ein ^ilb !önnen roir
e{getttU(^ nur ©eftalt lernen: aug ber ©eftalt muffen mir @ri3^c,
aug biefer @tärfe erft fd^lie^en; burd; eine ©efd^id^te lernen mit
biefe unmittettar — unb löenn eg bem energifc^en ^ünftler, bem
3)ic§ter, blog um biefe ©tärle ju t^un ift, mag folt er fic^ anbre
2tr6eiten aufbürben? ®cr Wiakx male ^ilb, ©eftalt; er aber
mirfe ©tär!e, ©nergic. — Sie roirft auc§ §omer oon Slnfange gu
@nbe ber ^efdjreibung ; nur freilid^ nid^t, roenn i(^ il)n in ber
Umlleibung Icfe, bie §r. S. mit bem ©c§uffe >^anbarug ma(^t;
aug i§r ift blog ein fucceffiüeg , nic^t aber (ber ^auptjmed beg 220
3)i(^terg!) ein energifd^eg 33ilb gu §ören: mobei mir nid^t burd^
fucccffiüe 2:^önc 9)Merifd^, fonbern in jebem 3:^one energifd^
getäufd^t werben, ba^ mir jufammen fahren follen, mmn enb=
lid; ein fold^er Sogen trift.
©in gleid^eg gilt üom Q^'pkx 2lgamemnong: id^ betrad^te bie
©efd)id^te beffelben gar ni(^t ,,al§ einen .tunftgriff, ung bei einem
„einzelnen Singe yermeilen ju mai^en, ol^ne fid^ in bie froftige
,,Sefdjreibung feiner 3:;^eile ein^ulaffen/"' ©ein Qepkv ift ein
uralteg, ilöniglid^eg , ©öttlid^eg ^'-'Ptci'"! 2)er Segrif fott roirl'en;
um alk anbre ^unftgriffe unb älllegorien bleibe i(^ unbefümmert.
2)er Sßagen ber Quno mirb befd;rieben:'' warum? natüiiid^,
weil id^ o§ne ben Sid^ter, biefen Sßagcn nid^t gefelien, weil id^ il)n
erft !ennen lernen mu^, um einen l)immlifd;cn SBagen gu fennen.
SÖarum wirb er jufammengefe^t? Sfiatürlid^, lüeil wir einen ^imtn-
lifd^en SÖagen nie fo gut fennen lernen, alg wenn er erft in feinen
2:§eilen ba liegt, unö jufammen gefegt wirb. Um alfo bie 33or=
treflid[)feit biefeg ©ötterwagcng , um ben innern Söertl) aller feiner
%^^iU, um feinen fünftlid^en S3au ju fd^ilbern, wirb er jufammen
gefe|t, nid)t aber, um biefe ^l)eile fucceffio ju fammlen, ba man
fie coejfiftent nidjt fel)en fann. Sag ^ufammenfe^en ift l)ier fein 221
a) i!ao£. p. 159 — 63. [467-9]
b) lliad. E. v. 722 — 731.
1) Stuggefatten ift ettüa: „borjufteüen"
-^ 151 ^-
^unftgrtf, fein quid pro quo, um unä fo ba§ ©anjc ^u geben:
ben ganzen ätnblicf ju fammkn, tft fein ^ii^ecf be§ 2)i(j^tere; im
^ufammenfe^en [el6ft liegt bie (Energie bev 5Rebe; nirf;tö me!^r.
33ei jebem 2;f)ei(e [ollen mix augvuffen: präclitig! ©öttlic^i i^önig*
lid;! — ift bieg: tft biefer 93egnf finnlid^ üollfommen in ber
«Seele; baö ©anje mit feinen STljeilen mar ntc§t mein iBilb: ba§
mag ein ^utfd^er lernen. — ®er 2Öagen ift jufammen: bie (Energie
alfo üotlenbet : ic^ ruffe nochmals auä : präcljtig ! ©öttlirf; ! ^önig^
li(j^ ! unb laffe '^uno itnb 3)iinerr)a futfc^ieren.
S)er ©cl)ilb 2lcl§ille§"' roirb unter ber ^anb Sulfang : roarum
mirb er? 9Mürlic§, roeil er roerben foll! ätd^illeä ^t 9Saffen
nötljig: %^cti§> fleljet 3]ulfan barum an: er oerfprid^tä, fteljt auf,
arbeitet — roarum foll er nic^t arbeiten? ^m ganzen ^omerifrf;en
(S}ebt(^te finb (Spötter mirffam : iljre 2luftritte roed^feln mit ben ^luf-
triften ber 3}tenfci^en ah : nun ift 91ac§t : bie .'panblung ftelit : 3Sul=
fan Ijaben roir fo lange nic^t gcfeljen: feit bem er alg tjinfenber
93^unbfcljenfe ber ©öfter erfd^ien: 2t(^illeg l)af feine Sßaffen mit
^atroflug oerlol^ren; nun gel)e 3^l}etig ,^um 33ulfan, nun fann
SSulfan fc^mieben: ber ©djilb ift merbenb. — ®ie gan,^e ©cene
gehört jur ^anblung beä ©ebic^fg, jum ©ange ber ©popee, unb
222 ift feine ^igur , bie au^ feinem ^oem oorruffe , feine 53efonberl)eit
ber §omerifd^en Sl^anier. ,3i" äöerben, in ber Schöpfung be§
©d§ilbeg liegt ja §ier alle ^raft ber ©nergic, ber ganje ^roed" be§
2)id§terg. 93ei jeber S^igur, bie 33ulfan aufgräbt, beuntnbere ic^
ben fc^affenben ®ott, bei jeber ^efdjreibung ber 5)?aa^e unb ber
%lä(i)t erfenne iä) bie 5Jiadjt be§ ©c^ilbeg, baä bem 2td)i(lcö
roirb, auf roeld^eä ber in baö ^ntereffe ber |)anbhmg oerfloc^tnc
Sefer fo feljulid;, alg 2:;^etiä, roartet. —
^my. id) fenne feine ©ucceffioncn in .^omer, bie alö £unft=
griffe, alä ^unftgriffe ber ^f^ot^, cineä S3ilbeg, einer ©d^ilberung
roegen, ba fepn füllten: fie finb baä Söefen feineg (Sebid^fg, fie finb
ber Körper ber (Epifd^en ^anblung. ^n jebem 3uge i^reä 3Ser=^
a) Iliad. Z. 478 &c.
— ' 152 . —
bcns mu^ ©nergic, ber 3we(l §oiner§ liegen: mit jeber anbem
^ppot^efe von ^unftgriffen, oon ©tnüeibungen, um ba§ (Soei-fiftente
ber ©c^ilberung gu nermeiben, foinme tc^ au§ bem 5tone ^omcrä.
Qc^ loei^, ba^ btefer 3]orraurf gro^ fep, ba^ fein grö^erä ^inber-
ni^ ber ^raft eineg S)irf)ters gelegt raerben fönne, al§ nic^t in
feinem ^^one gu lefen; altein be^raegcn ne!)me id§ meinen SSorrourf
nid)t jurüif. 3Ber in bem 3u1'xmmenfe|en be§ 9Bagen§ berJ^uno,
nnb in ber ©efdjicfite be§ 33ogeng unb be§ ^^pterä, nnb in bem
Serben beä ©d^ilbes, nic!§tg al§ einen ^unftgrif bemerlen roill,
um einem förperlic^en Silbe ju entfommen: ber rcei^ nid^t, roaä 223
^anblung be§ ©ebic^ts fep, an bem f)at ^omer feine (Energie mv
fel)fet. '^tnn ^omer ein !örperlic^eg 53ilb braud^t, fo fc^itbert erä,
mmn eä auc^ ein 3:f)erftte5 feijn foKte; er mei^ mn leinen ^unft-
griffen, Don feiner -^oetifc^en Sift unb @efät)rbe: g^ortfc^reitung ift
bie ©eele feineg ©poä.
18.
3^un aber ift c^omer auc§ nic§t ber einzige ©id^ter: eg gab
balb nac^ if)m einen 2;r)rtäus, 3tnafreon, ^^inbaru§, 2lefc§t)Iu§ u. f. ro.,
(Sein fi/Tog, feine fortge^enbe ©rgälung, oerroanbelte fid^ me§r unb
mel^r in ein uelog, in ein ©efangartiges, unb brauf in dn eiöog,
in ein ©emälbe; (Gattungen, bie noc^ aber immer ^cefie blieben,
©in Sänger, (/.le'loTtoiog) unb ein Sprifdjer ?Otaler (sidoTtoiog)
2(nafreon unb ^inbar, fte^e alfo gegen ben ©efc^id^tsbid^ter (syro-
7toLog) .§omer.
§omer biegtet cr^älenb: „es gefc^al^ ! es marb!" bei if)m
fann alfo alles ^anblung fepn, unb mu| jur ^anblung eilen,
^ier^in ftrebt bie ©nergie feiner ?OZufe: rounberbare, rü£)renbo
SSegebenl^eiten finb feine 2SeIt: er l^at baä Si^öpfungsroort:
„e§ marb!" 2(nafreon fc^mebt ^röifd^en ©efang unb ©rjälung:
feine (Sr^älung roirb ein Siebd^en, fein Siebi^en zxn enoq bes
Siebesgotteg. ©r fann alfo feine SBenbung: „es loar!" ober
— « 153 > —
224 ,,id; miill" ober „bu fottft!" ijabcn — gnug, tücnn fein f.ielog
oon Suft unb 3^reube f i^attet : eine fro^e ©mpfinbung ift bie (Energie,
bie 3Jiu[c jebeä feiner ©efänge.
^inbar ^at ein gro^eg S^rifi^eä ©emälbe, ein £ab9rinti)i=^
frf;eä Dbengebäube im ©innc, baä eben buri^ anfd^cinenbe 2tu§'
fdjtDcifungen, burd; 5Zebenfiguren in mand^erlci Sid^t ein ©nergifd^eä
©anjeä roerbcn: roo !ein %\)dl für ftc§, rao jeber auf bag ©ange
georbnet, erfd^einen foll: ein sidog: ein ^oetif^eg ©emälbc, bei
bem überall fc^on ber J^ünftler, nic^t bie l^unft, fid^tbar ift. „^c^
finge ! "
2Bo mag nun 9]ergleicfjung ^Btatt finbcn? Sag ^bealganje
^omerg, 2lna!reong, ^nbarg, roie oerfc^ieben ! roic ungleid) bag
3Berf, roorauf fte arbeiten! S)cr eine roiff ni(^tg, alg biditen: er
crjälet: er bezaubert; bag ©anje ber S3egebenf)eit ift fein 2öer!:
er ift ein Sinter üoriger ß'^itcn. Ser anbre raitt nid^t fpred^en;
aug tf)m finget bie greubc; ber Stugbrud einer Ueblidjen ®mpfin=
bung ift fein ©anjeg. 2)er britte fprid^t felbft, bamit man if)n
l^öre: bag ©ange feiner Dbe ift ein ©ebäube mit ©pmntetrie unb
f)0§er ^unft. — ^ann jeber feinen 3i^ed auf feine 2(rt erreid^en:
mir fein ©angeg oottfommen barftetten; mid§ in biefer 21 n =
fd^auung tauf d§en — mag roill idi me§r?
®g ift eine längft angenommene, unb an fid^ unfd^ulbige
225 ^tipot^efe, bag ©an^e jeber ©ebid^tart, alg eine 2trt oon ©emätbe,
Don ©ebäube, oon i^unftroerfe ju betrad^ten, rao aEc ^l^eile ju
i^rem ^aupt^mede, bem ©anjen mitroirfen foHen. Sei alkn ift
ber ^aupt^Tücd '»^octifc^c 2;iäufd^ung; bei alten aber auf oerfd^iebne
3lrt. 2)ie !^o!^e raunberbarc ^Kufion, ju ber mid^ bie ©popee
bezaubert, ift nid§t bie f leine fü^e ©mpfinbung, mit ber mic^ bag
2tna!reontifd§e Sieb befeelen mill ; nod^ ber Stragifd^e 2tffeft, in ben
mid^ ein Si^rauerfpiel ücrfe^et — inbeffen arbeitet jebeg auf feine
^ciufc^ung, nad^ feiner 3trt, mit feinen 9MteIn, etioag im
öottfommcnften ©rabe anfdjauenb oor^uftetten; cg fei; nun bieg
®tmag ®pif(^e ^anblung, ober Xragifd^e ^anblung, ober eine einige
2lnafreontifd§e ©mpfinbung, ober ein üottenbetes (3an^c ^^inbarifd^er
— = 154 —
Silber, ober — alleS mu^ xnbeffen irtner^Ib [einer {Srärtjen, au§
feinen SJiitteln unb feinem 3^ecfc beurt^eilt racrben.
Keine ^inbarifc^e Dbe alfo alä eine öpopee, ber bas '^oxU
fd^rettenbe fehler fein Sieb alä ein Silb, bem ber Utnri^ mangele:
fein Se^rgebic^t aU eine ^ab^l, unb fein g^abetgebid^t, a(g bef(^rei=
bcnbe ^^oefie. ©obalb mir nid^t um ein SBort „^oefie, ^^oem"
ftreitcn raoUen; fo §at jebe eingeführte ©ebidjtart i§r eignes ^beal
— eine ^in ^öi^eres, f(^n)erereg, größeres, als eine anbre; jebe aber
i§r eigenes. 2(u§ einer mu^ id§ nidjt auf bie anbre, ober gar auf 226
bie gan^e Jiicfitfunft ©efe^e bringen.
2öenn alfo „§omer nichts a(§ fortfd^reitenbe §anblungen
„matet, unb für jeben Körper, für jebes ein^^elneä 2)ing nur einen
„3ug 'i)ätk, fo fern es an ber §an4)Iung ^§eil nimmt: "^ fo mag
bamit feinem Gpifd^cn ^^^^cil eine ©nüge gef(f;e§en. 5Bietteic|t
aber, ba^ ein C^ian, ein Milton, ein Klopftod f(f;on ein anberes
^beal f)ätten, roo fie nid)t mit jebem >^ua,c fortfd)rciten , roo fic^
i^re 9J^ufe einen anbern öang mai)lU? 'i^ielleic^t alfo, ba^ bies
g-ortf(^reitenbe b(o§ Jpomers (Spifc^e ?Olanier, nic^t einmal bie
5JJanier feiner 3)t(^tart übert)aupt fep? — 3)er Kunftric^ter fott
f)ier ein furrfitfames i^ielleid^t fagen; bas @enie entfc^eibet mit ber
ftarfen ©timme bes 33eifpie(g.
9^oc§ minber barf irfj, roenn nüc^ bie -^^rariä Römers auf bie
S3emerfung füt)ret: „§omer fc§ilbert nic^tä als fortfc^reitenbe
„§anb(ungen," fogleid) ben |)auptfa| brauf f erlagen : „bie ^oefie
fd)ilbert nii^ts, alö fortfc^rettenbe öanblungen — folglich finb
^anblungen ber eigentliche ©egenftanb ber ^^oefie." SBenn idjS
bei §omer bemerfe, ha% „er alte einzelne 3)inge nur burc§ i^ren
„2(ntl)ei( an biefen öanbtungen, gemeiniglich nur m.it einem 3wge,
„male,''*' fo barf nic^t gleich ber Stempel brauf: „folglich fd)ilbert 227
a) Saof. p. 155. [465]
b) Sitte .Körper, bie in §omer§ ©ebic^te mitwirfen foEeu, »erben
mit fo oiet ^ÜQtn gefc^ittert, a(§ tnitaitfen f ollen. Stuf einen fc^rän!et
fxc^ §omer fetten ein ; wenn e§ auc^ nur ein »Stein, (Serät^, Sogen, u. f. ».
— 155 —
aurf; bte ^oefte nur Körper anbeutungätocifc burc| .^anblungen ;
foIglt(^ fann auä) bte ^oefte in t§ren fortfc^reitenben ^^Zac^^
af)ntungen nur eine einige (Sigen[c§aft ber Körper nu|en/' unb raaä
barau§ me^r folgen \oli, an 9tegeln mn ber ©in^eit ber ''IRale=
rijc^en 33eiir)örter , oon ber ©par[amfeit in ben ©c^ilberungen !ör*
perlic^er ©egenftänbe — — u. f. ro. 3)a^ biefe @runbfä|c nid§t
au§ einer ^aupteigenfd^aft ber ^oefie fliegen, 5. @. auä beni ©uc*
ceffioen i^rer 2:;öne, lüoraug jie §r. 2. l^ergeleitet , i[t beroiefen.
®a^ fie auä), unb raenn fie alle in §omer§ ^rajiä fo ©tatt fänben,
tüie ^x. 2. glaubt, boc^ aud^ nid^t auä bem ©ucceffiüen ber $oe[ie
überhaupt, fonbern au§ [einem nähern (Spifc^en 3w)e(le fliegen, ift
auc^ gezeigt- Sßarum fott nun biefer ®pi[(^e %on §omer§ ber
ganzen S)ic^tfunft, %on, unb @runb[a| unb @efe| fo gar o^ne
@in[d§Iie^ung geben, at§ er fic§ bei §rn. 2. melbet?
^ä) gittre cor bem 33lutbabe, baä ^ bie ©ä|e: „^anblungen
228 ^Jittb bie eigentlichen ©egenftänbe ber ^oefie: ^oefie fi^übert ^ör-
„per, aber nur anbeutungiroeife burd^ §anblungen: jebe ©a(^e
„nur mit einem ^wge ^ u. f. ra."" unter alten unb neuen ^^oeten
anrichten muffen. §r. 2. ^ätte nid^t befennen börfen, ba^ if)n bie
^rojig ^omerg barauf gebracht; man fie^t eg einem jeben beinaf)e
an, unb !aum — faum bleibt ber einige ^omer alöbenn 3)id^ter.
33on 2:t)rt(iu§ big @Ieim, unb oon ©leim roieber nac§ 3(nafreon
gurüdf: oon D^ian ju 5IRilton, unb oon Mopftodf ju SSirgil, rairb
aufgeräumt — erfdijrecflid^e Süd'e. S)er 3)oginatif(^en , ber utalen=
ben, ber ^bt)ttenbid^ter nid^t gu gebenfen.
to'dxt — er nimmt fid) immer 3eit/ fo öiet (äi9enf(^aften feines fiöt|5er8
anpfü^^ren, al§ ^ier (S^^ifc^ energifircn foKen. ©c^tlbert er eine @adje
nur mit einem äuge: fo ift biefer meiftenS aßgemein, imb filr biefen Ort
unbebeutenb: eg finb bie gewöhnlichen SSeinamen, bie er ju jeber @ac^e '^at,
bie if)m oft föteberfommt-
a) Saof. ^. 154. 55. [464]
1) 31: ben
2) i.: (SBen fo fann an^ bie ^]3oefie in i^ren fortfc^reitenben 9^ac^=
a^mungen nnr eine einjige (Sigenfc^aft ber Mxptx nu^en.
: 156 —
^r. S. l§at fi(^ gegen einige berfelben erflärt, unb au§ feinen
@runb[ä^en fid^ no(^ gegen mehrere erftären muffen. „2)ie auä-
„fül^rlic^en ©emälbe förperlid^er ©egenftänbe finb ol^ne ben oben
„erroäl^nten ^unftgriff .^omer§, ba§ 6oet*fiftirenbe berfelbcn in ein
„rairllid^eg ©uccefftüeg gu uerraanbeln " (e§ ift oben erractfjnt, ba§
.^omet oon fold^cm ^unftgriffe ni(^t§ roei^, unb ein ^unftgrif, voa§,
fönnte ber gu einem fo großen ^''^^ät al§ ^unflgrif rcof)! t§un?)
— „finb jeber^eit oon ben feinften 3iid)tern für ein froftigeä @piel=
„roerf erfannt roorben, gu roelc^em roenig, ober gar fein ©enie
„gelört.'"" SSon biefen feinften Stic^tern werben angeführt: §oraj,
^ope, ^leift, 9JiarmonteI; mic§ bünft aber, ba^ fie für §rn. £.
nid§t fo in§ Unbeflimmte I}tn beroeifen. §ora,3 am angeführten 229
Drte, '' fc^ilt nic^t bie für -^oetifc^e ©tümper, bie einen .-^apn,
2tltar, Sai^, Strom u. f. m. malen, fonbern am unrechten Drte
malen:
Inceptis gravibus plerumque & magna professis
Piirpureus, late qui splendeat, mius & alter
AssuitiU' paunus, cum lucus & ara Dianse &c.
Aut flumen Rhenum, aut pluvius describitur arcus.
Sed nunc non erat bis locus. — —
^ope erflärte ein bloä malen beg ©ebic^t für ein ©aftgebot
auf lauter 33rül)en; bamit aber !^at er ja nid^t ,,iebe§ ausfü^rlidjc
©emälbe förperlidier ©egenftänbe," ba§ nur ol)ne ben .?)omcrifc^en
S^unftgrif erfd^iene/ für ein froftigeg Spielmerf of)nc ©enie erflärt.
2)er §r. o. ^leift, bünft mid;, roollte in feinen g^rüling eine
älrt üon g^abel legen (ein $lan ift fofern fdjon brinn, ba^ fein
©ebi(^t nic^t eine 9}^enge oon 33ilbern, bie er au§ bem unenblidien
S^aumc ber verjüngten ©d;öpfung bloö auf gerat^e mof)!, balb f)ie,
balb ba, geriffen, fonbern, nac^ ber Eingabe einer fritifdjcn ©d^rift,
ein Spaziergang ift, ber bie ©egenftänbe in ber natürlichen Drb=
nung fd^ilbert, in ber fie fid^ feinen Slugcn bargeboten) er mollte,
fage idf), eine /^^abel l)inein legen; ja nid;t aber jebe ausfül^rlii^e
a) p. 173. 74. [474 — 5] b) De arte poetica v. 14.
— 157 ' —
230 ©d^itberung förpevüd^er ©egenftänbe , al§ ein froftiges ©pielmerf,
^inauS irerfen. Unb "Diarmontel enblid; roiff pvax au§ ber ^bpUe
me^r 3)ioral, unb weniger ^^§9fifd;c 33t(ber traben ; ob aber baburc^
bie 3bi;tte eine mit 33i(bem nur fparfam burd^flodjtene 3^otge von
©mpfinbungen, unb luenn bies, eben baburd^ aud; „eine fortfd^rei-
„tenbe ?yoIge von i^anblungen raerbe, wo Körper nur mit einem
„3uge gefd^ilbert raerben follen," roei^ id) nid;t, unb naä)
§rn. 2. ift fie im anbern ?^aHe ni(^t ^oefie.
^anblung, 8eibenf(^aft, ©mpfinbung! — au(^ x^ tiebe fie in
©ebic^ten über aUeS: aud; id^ §affe nii^tS fo [e^r, aU tobte ftiff=
ftel^enbe ©(^itberunggfud^t , inf onber^eit , roenn fie Seiten, Stätter,
©ebid^te einnimmt; aber nid^t mit bem töbtUd^en §affe, um jebeö
einjctnc augfül^rlid^e ©emälbe, roenn eä aud^ coe^-fiftent gefd^ilbert
mürbe, ju oerbannen, nid)t mit bem tijbtlic^en §affe, um jeben
Körper nur mit einem 33eiroorte an ber ^anblung ^§eil nehmen
gu laffen, unb benn aud^ nid^t auä bem nämlid^en ©runbe, roeit
bie ^oefie in fucceffioen ^önen fd^ilbert, ober meit ^omer bieg
xmb jeneä mad^t, unb nid§t ntac^t — — um be^raitten nid^t.
3öenn tc§ Sing oon .^omer lerne, fo ift§, ba^ 5)3oefie ener-
gifc§ mir!e: nie in ber 2tbfid§t, um hd bem legten ^uge ein SBerf,
93ilb, ©emälbe (obwohl fucceffioe) ju liefern, fonbern, ba^ fc^on
231 raäl^renb ber ©nergie bie ganje ^raft empfunben , unb ^ roerben
muffe, ^d^ (erne üon §omer, ba^ bie SBirfung ber ^oefie nie
aufg D^r, burc^ 3:;öne, nic^t aufs ©ebäc^tni^, mie lange id^ einen
3ug au§ ber ©ucceffion he^alU, fonbern auf meine ^^antafie
mirfe; oon Iiieraül alfo, fonft nirgenbgt)er, bered^net roerben muffe.
©0 ftelle id; fie gegen bie 2)ialerei, unb beüage, ba^ §r. £. biefen
SRittelpunft be§ Sßefenä ber ^ocfie „3Birfung auf unfre ©eele,
©nergie," nid^t jum 2(ugenmer!e genommen.
1) luggefaüen ift ein in ber SSebeutmig mit „em^^funbeu" bet=
tüanbteS ^avtict^ium.
158
19.
9}^alerei toirft nid^t anä bem S^aume attein, b. i. Körper:
[onbern auä) im Siaume, burd^ ©tgenfc^aften befjeI6en, bie fie ju
if)rem 3wecfe anrid^tet. SRi<^t 6Io§ alfo , ba^ fein ©egenftanb ber
5[RaIerei o^ne ©id§tbar!eit unb ©eftalt ©tatt finbe; fonbern <Bxd)U
barfeit unb ©eftatt finb auä) bie ©igenfd^aften ber Körper: burd^
bie fie roirfet. ^oefie aber, roenn fie nid^t burd§ ben Siaitiu roirfet,
b. i. coei-fiftent , burd^ g^arben unb Figuren; fo folgt nod^ nid^t,
ba^ fie nid^t au§ bem Staunte wirfen, b. i. 5lörper von (Seiten
ber ©id^tbarfeit unb ©eftalt fd^ilbern fönne. 2tug bem TlitUl
i§rer SSirfung folgt bieg nid^t : h^nn fie roirft burd^ ben ©eift, unb
nid^t burd^ ben fucceffioen S^on ber äßorte.
93klerei roirfet biird^ 'färben unb g^iguren fürä Stuge: ^oefie,
burd^ ben Sinn ber Söorte auf bie untern ©eelenfräfte, üorjügUdf; 232
bie ^f)antafie. 3)a nun bie ^anblung ber ^()antafie innner ein
2tnfd)auen genannt werben mag; fo fann audi) bie ^oefie, fo fern
fie berfelben einen 33egrif, ein ^tlb anfd^auenb mac^t, füglidfj eine
9}uxlerin für bie ^^t^antafic genannt werben: unb jebeä &ün^^ ©ineg.
©ebid^tä, ift ba§ ©anje ^im§ Äunftraerfg.
dlm ha bie 9)ZaIerei ein 2Berf ^eroorbringt , ba§ roäfjrenb
ber 2trbeit nod^ 9fiid^ts, nad^ ber S^otfenbung 3ftteä ift, unb giüar
in bem ©anjen beg 2tnblidfä Sttteä: fo ift bie ^oefie ©nergifdf),
bag ift, mäfirenb i^rer 2trbeit mu^ bie ©eele fd§on atteg empfinben;
nid^t roenn bie ©ncrgie geenbigt ift, erft ju empfinben anfangen,
unb erft burd§ Stecapitulation ber ©ucceffionen euxpfinben roollen.
^ab^ iä) alfo eine gange ©d^ilberung ber ©d^ön^eit ^inburd^ ni(^tg
empfunben: fo wirb mir ber le^te 2(nblidf nic^tg gen)ä§ren. —
SRalerei miti bag 2(uge täufd^en: ^oefie aber bie ?P^antafie
— nur roieber nid^t merfmä^ig, ba^ iä) in ber 93efd^reibung bag
®ing erfenne; fonbern bei jeber SSorftellung eg gu bem Sm^(SQ
fe^e, gu bem eg mir ber Siebter üorfüt)ret. 2)ie 2lrt ber S^äufrfjung
ift alfo bei jeber ©ebid^tart oerfd^ieben , bei allen ©emälben nur
jroiefad^ : entroeber täufrfjenbe ©df;ön|eit, ober täufd;enbe 9Ba§r§eit.
: 159
2lu§ biefem ^wede mu^ alfo ba§ 2ßcrif ber ."Runft unb bte ©nergie
be§ $Dtc^ter§ gefd^ä^t tüerben.
233 ®er ^ünftler alfo wirft burd§ ©eftalten für ba§ &an^i @ineä
Slnblidä, Mg jur ^äüfd^ung beg 2lugeg; ber SDid^ter burd^ bie
geiftige ^raft ber 9öortc roii^renb ber ©ucceffion, Hg jur ooU^
fommenften S^äufd^ung auf bie ©eele. 3Ber alfo ?5^ar!6e unb 2ßort,
3*^itfolge unb 3tugen6lt(f, ©eftalt unb ^xa\t mit einanber t)crgleid§en
fann, t)ergkirf;e. —
3}iand;eg ju biefer Slufgabe t)at ein fd^arffinniger ©nglänber*
üorgejeid^net, ber im ©efdjuiadEe beg ©§aftegburi ein ©efprädj über
bie ^unft, unb ein anbreg über bie S^onfunft, 3)klerei unb Sid^t-
fünft gegeben. — ©d^abe nur! ba^ er im legten, ftatt blog ben
Unter fd^ieb §mifd;en biefen breien J^ünften gu entroideln, auf bie
leere ©rille gerätl^, ben S^orgug ju beftimmen, ben eine üor ber
anbern l)abe. ^^^^fi^ß^ oöllig ungleichartigen 2)ingen läuft eine
blo^e 9iangorbnung auf einen fo ©djüler^aften Söettftreit t)inaug,
alg Dor einigen ^aliren bie 9Jialerei, 3}iufif, ^oefic unb ©d^aufpiel=
fünft, unter ber 2luffid;t eineg 3)iagifterg ber SBeltroeiglieit , förm=
lid§ unb feicrlid§ l)aben eingeben muffen.''
Saffet ung fe^en, mag i^arrig für ©eiten beg Unterfd^iebeg
234 finbet. S'^'^^\^ mad)t er bie fe^r beutlid^e (Sintl^eilung groifdjen
5lünften, bie ein SSerf liefern, unb Mnften, bie bur(^ (Energie
roirfen. ^ene finb, bereu 2Sirfung coe^fiftirenbc ^§eile ^at, mie eine
33ilbfäule, ein ©emcilbe: biefe, bie fucceffioe roirfen, 3. ®. %an^,
3Jiufif. Ser 5)iittelpunft beg Se^ingfd^en SBerfeg, in meldten alle
©tralen fallen, ift alfo fd§on üon älriftoteleg angegeben. 2Benn
bie äöirfung einer J^unft ©nergie ift: fo fann bie ä5ollfommenl)eit
fold^er Äunft nur TOäl;rcnb ber Sauer roa^rgenommen werben;
a) 3. §arrig ®t\\ix'dä)t ü6er bie Äunft: über bie SWufit, SJiaterei
unb 'ipoefie: über bie ©Uidfetigfeit.
b) 3Bettftveit ber iWalevei, 2Kuftf, $ocfic unb ©c^aufptdfuuft: 9iebeu
— ge'^alten vmtei- ber luffid;t Söotfgaug ii^ubwig ©väfeit^a'^nS, ber 3BeU=
ttjei§^eit 9}kgifterg. SSaireut:^ 1746.
-^ 160 ' —
ift fie ein 90 er!: fo ift bie S^ottfommenl^eit nid^t roäl^renb ber
©nergte, fonbern erft rtad^^er, fid^tbar.
SOUIerei, Sljuftf iittb 3)id§t{'uttfi finb atte SRtmtfd;,
rtad^a^menb; t)er[d^teben aber burrf; bie 5}tittel ber ^aä)a^munq;
bie 93UIerei mtmiftret burc§ 5^ui* i^nb g^arbe; bie 3:;onfunft
burd^ S3eTDegung unb Stöne — 2)klerei unb STonfunft burd^
natürlid^e; bie ^oefie burd^ ein !ünftUc^e§ unb wiUfü^X'
Ud^eg 9JiitteL — Siefen Unterfd^ieb ^t ber SSerf. ber ^§i[ofo=
p^ifc^en Schriften aufä grünblid^fte anä einanber gefegt.
^ebe Jlunft f)at i£)re ©egenftänbe. S)ie dJiahxü 3:)inge
unb Segebeniieiten , bie fid^ burd^ ?yigur unb g^arbe nuäbrüdfen
laffen: Körper: ilräfte ber ©eele, bie fid; im Körper äußern:
.^anblungen unb Gegebenheiten, beren SSottftänbigfeit auf einer
furjen unb augcn[d^einlid^en g^olge üon 3^eränberungen beruhet:
^anblungen, beren 3?eränberungen attc bie ganje 2)auer ber 3^oIgc 235
l^inburd) fid§ ftets gleid^förmig finb: §anb(ungen, bie in, ©inen
3eitpun!t jufammenlauf en : piel me§r bekannte al§ unbefannte ^anb-
lungen — ?Okn fie^t, bafj üon biefer ©eite betrad^tet, Se^ingg
Saofoon nic^t uottenbet kr), ha er überhaupt mel^r für ben S)id^ter,
aU Wlakx, gefd^rieben. —
©egenftänb« ber 2;on!unft: Singe unb 3?orfatten§eiten,
bie Dorjügtid^ burd; Geraegung unb %öm auSgebrüdt werben
fönnen: biefe finb allerlei Geroegungen, 3:'öne, (Stimmen, Seiben-
fd;aften burd^ 3::öne u. f. ro.
©egenftänbe ber ^oefie finb bie Dbjefte beiber vorigen
fünfte. 3ue^ft, fo fern fic burd^ natürtid^e Wdtkl nac^gea^met
werben. §icr mar leidet gu erad^ten, ba^ bie ^]]oefie ber 50ialerei
nachbleiben muffe: benn alles lief bal^in aus, ba^ SBorte feine
färben, unb ber 3Kunb fein pnfel fci). 2luc^ baä ift mir befrem=
benb, roie Ijier bie ^oefic ber S^onfunft an natürlid^en ^önen
gleid^fommen fönne: ^ur^! bie SSergleid^ung ift übel gerat^en.
2)urd^ bebcutenbe Söorte, al§ burd^ millfülirlid^e üerab-
rebete ^^x(l^^n, unb bieg follte eigentlid^ ber >Punft ber Se^ing-
fd^en ißergleid^ung fegn.
— ^ 161 - —
^n ben eigentKd^en ©egenftänben ber Ratetet (b. i. bie burd^
g^arben, g^iguren, unb ©teffungen d^arafterifirt finb — beren »off-
ftänbtge (Sinfid^t nid^t »ort einer S^olge ber 93egeben§e{ten abfiängt
236 — raenigfteng üort einer furjen unb in bie 3lugen fallcnben
?5^oIge — mo alle ntannid^faltigc 9^cbenumftänbe in einen untt)ei(=
baren 3eitpun!t jufamnicnlaufen) in allen biefen ©egenftänben
bleibt ber SDid^ter bem 'DJ^aler nad^: benn erftüd^ jener alpxt
burd^ n)itt!ü§rKc^e ^eii^en, biefer burd^ bie Statur nad^ : biefer ^eigt
alle§ in bem nämlid^en 2lugenblidfe, roie in ber Statur; jener nur
t^eilraeife, gergliebernb; unb alfo langroeittg ober bunfeL
®§ giebt auc§ ©egenflänbe, bie ber S)ic§tfiinft eigen finb:
§anblungen, bie in bie Sänge bauern, unb bie ein für bie 5Dklerei
prägnanter 2lugenbIidE in ©inä bringt: ©itten, Seibenfd^aften,
©mpfinbungen , unb ß^araftere an fid^, bie fic§ am meiften burd§
5Rebe geigen. §ier bleibt bie 'ällalcrei »öHig nad^, leibet leine 3Ser=
gleid^ung — — -
^arri§ ge^t nac^lier in bie ©ränjen ber ^oefic unb ^onlunft,
roo id^ il)m nid^t nad^folgen mag. §ier münfc^e id^ ber 35id§tlunft
nod§ einen Se^ing. @r betrad^tet genauer ben fittlid^en, ben
geiftigen @inbru(f ber ^oefie: eine roieber unberührte ©aite, bie id^
auc§ nid^t berül^ren mag. ^d^ raoHtc meine Sefer blog auf einen
©(^riftfteller aufmerlfam mad^en, ber mit Se^ingen einerlei @egen>
ftanb bearbeitet, in mand^em meiter gelommen, unb fd^arffinnig
gnug mar, feinen ©egenftanb furg unb bünbig gu erfd^öpfen, mznn
237 er ftatt be§ leeren 3flangftreite§ auf nid^tS, alg auf Unterfd^ieb, Ijier-
nad§ auf ßJränjen, benn auf @efe|e ^ätte felien motten.
20.
{S^ mitt nid^t fagen, ba^ ^r. Se^ing nid^t, bem ^aupt<imedfe
feineg Sud^e§ nac§ , gegen ßaplug , unb gegen 6at;lu§ 3lff en an
Unterfd^eibung 9ted)t behalte: nur nid^t immer an ©rünben ber
tlnterf c^eibung , unb am menigften im ^auptgrunbe. @r bünft
§evbev§ fätrnntt. SBcilc. III. 11
— . 162 ' —
mt(| ii-nnicr no(^ auf bem l^aI6ert Sßege, al§ roenn bie ^oefte
burd^ ©ucceffton auf ein 2Berf arbeiten follte, unb nid^t fd^on
eben in ber ©ucceffion ii)x 2öer! liefere.
3!)er ©id^ter, g. @. ber un§ ©c^ön^eit malen roottte, e§ fei
nun ein ßonftantinuS 9Jianaffc§, ober Slrioft, gieng nid^t barauf
au§ , um hinten nad^ ju fragen : roie f a^e -gelena , mie f a^e 2tkina
aug?* un§ mit feiner 33cfd^reibung ein ooHftänbigeg ^ilb gu l^in-
terlaffen, u. f. m. ®r fü^rt un§ burd^ bie S^^eile, um jeben ber-
fetben al§ fd^ön anfd^auenb ju machen, um, menn mir alle ^^ei(e
üergeffen Ratten, fo niel anfd^einenb ju roiffen : §etena, 2l(cina mar
reigenb. §at Slrioft auf §rn. Se^ing bamit feine SBirfung gemad^t,
fo roirb er t)iel(eid§t auf biejenigen feiner Sanbegleute ©inbrüdfe
mad^en, bie bie ©d§önJ)eit in einer Sticina rate in einer gel^auenen
S3enu§ t^eilraeife anjuerfennen geraö^nt finb: ober raenn Strioft 238
felbft eine 3llcina fä§e, raürbe er oieEeid^t auf folc^em 3ßege —
Unb überljaupt lann man ^ier aug einer SSergleid^ung raenig foI=
gern. §omer malt feine Helena nic^t;'' raarum? roeil fie i^n
nic^t ange(}et, raeil er oon Slnfange bi§ gu ©nbe feines ©ebid^tg
ni(^t gü ber ?^rage ^eit tjat: roie fa^c fie au§? fonbern immer,
raa§ trug fid^ tjier unb bamit ^u? §clena fommt, hk ©reife
feigen fie: mie anberg, al§ baf; fie fü!§Ien unb fagen mußten, raa§
fie füllten ^ unb fagten; nic^t aber tä^t §omer fie ba§ füllen unb
fagen, um „burd§ Sßirfung an^ujeigen, bajs §etena fd^ön fct);" —
Strioft fiingegen, ber §omer Italiens, ber aber t)om ©ried^ifd^en
§omer 2ltteä ef)er, aU bieg beftänbige g^ortfc^rciten ber ^anblung
^at , 2trioft , ber fein ganzes ©ebic^t burd^ nic^t ba§ SBerf ^ ^u fei=
ner 9]^anicr mad^t: „©g raarb, eg marb, eg raarb," fonbern aud^
„eg mar," xmb „raie mar eg?" Slrioft Iiätte entraeber fo nid^t
fragen fottcn, ober er mu^te ung burd^ bie 3:;§eile führen. —
9tirf)t, ba^ mir nac^i)er bie 3^§eitc fammlen, juf ammenfe|en ; nid^t,
ba^ nac^^er bie ^Ijantafie ftreben foll , fid^ bag ©anje ©ineg ^unft=
a) 2aof. p. 204. [492] b) p. 202. 215. [491. 498]
1) n-. fügten 2) SBott (?)
— . 163 ' —
vo^xU ju benfen; im ©d^tlberrt fel6ft, im 3)uv(^füJ)ren burd) [eine
%^cxk l^at er feinen ^mzä errei(j§en rootten — ob er i£)n crreid^t?
®aüon mag jcber bcn!en maS er miU; gnug, er raollte x^n mä^-
renb ber Energie erreid^en.
239 2öenn ber ®icf;tcr bie ©c^önt)eit lieber in SBivfung , in SSeroe-
gung, b. i. rei^enb üorftettet, fo t|ut erä nid^t, bamit biefe fid^
beroegenbe ©d^önl^cit bem fic^ beroegenben 3Ser[e entfprcd^e; nid^t
al§ mznn jeber S^9, ^^^^ ©(^ilberung, ber ?^orm, ©eftalt, unb
nid^t Söirfung, nid^t 33en)egung ift, befeioegen unpoetifdfj raürbe:"
fonbern id^ generalifire ben ©a| lebiglid^ fo: „jebe ©c^ilberung
„ber (Sc§önl)eit mirfe energifd^" b. i. gu bem 3'üccfe be§ ©id^-
ter§, 3U bem fie ba ift, unb benn roäl^renb jebem 3uge, ben fie
liefert, ^iernad; möge ftd^ 3lrioft oerantroorten : aber baä Se^ing*
fd^e ©ebot: „©d^ön^eit be§ ^örperä jeige fid^ bei bem 2)id§ter blo§
„burd^ 2Birfung, blo§ burd; 33emegimg/"' räumt ^u oiel auf.
3u t)iel felbft in §omer; benn ic§ roci^ mo^l nid§t, ob hd
ber ganzen Quno, menn er fie nid^t förperlid§, menn er fie nur
burd^ ein Seimort fc^ilbern moHte, fein rairffamerer , fein reiben-
berer 3ug fet), .al§ ber, bie mei^ettbogic^te ^uno, (man erlaube
mir ba§ ungeheure SBort!) ob biefer eine Qua, ber fei, burd; ben
fie an ber ^anblung 3:;i)eil nel^me, ber burc^ il^ren Körper ^anb-
lung bejeid^ne, u. f. f. «So feine fd^ön!nieid§te 33rifeig, unb feine
blauäugid;te ^alla§, unb fein breitfd§ulterid§ter 3lia£, unb fein
gefc^rainbfü^iger 2ld^iEe§, unb feine fd^ön^aarige ^elena — mo ift
240 |ier 2ßirfung , 33emcgung , Steig , .^anblung ? — Qmmer ein fc^ö-
ner Suxu^\ an bie 2)ic§ter:'' „5!)ialet im§ ba§ 2Bol)lgefaßen, bie
„^iineigung, bie Siebe, bag ©ntjüden, rocld^eä bie ©d^önl^eit oer*
„urfad^et" — (menn bie§ nämlic§ bie ©nergie eurcä ©ebic^tg mill!)
fo l)abt i^r bie ©d^önl^eit felbft gefd^ilbert/ (nämlid^ fo fern i^x
fie nac§ ber oorigen ^arentljefe fd^ilbern muffet:) '^lldji aber umge=
a) Sao!. p. 217. [499] b) ^. 215. [216 = 499. greteS ©tat.]
c) p. 215. [499]
1) t : unb \f)t ^(lU bie ©cftön^ett felbft gemaljlet.
11*
. 164 . —
!e^rt: i^t ©id^ter, [c^ttbert feine Brperlic^e ©d^ön^ett; fönnet t^r
fte ntd^t biiri^gängig in '3i^^, in 2Bir!ung fd^ilbern; ber %oxm
■naä) muffe eud§ fein 3wg entraifd^en: ber ©eftalt nad^ fd^ilbert fie
nid^t. — ©0 nmgefe^rt ^ak ic^ auf ben ©a| raenig 3iitrauen.
2Ber fann leugnen, ba|3 in mand^er ©ebid^tart ber erotifd^en
^oefie förperlid^e ©d^ön^ett gefd^ilbert raerben muffe, unb raer
mu^ nid^t aBbenn aud§ ^ugcben, ba^ manche 5t:§ei(e biefer för*
perlid^en ©d^önfieit in Steig, in Seroegung, nid^t gefd^ilbert merben
fönnen? ©inmal t) orauä gefegt , ba^ 3trioft ein ©emälbe feiner
2llcine liefern fottte unb raoEte: raie fonnte er mo^t if)re 9]afe,
§al§, 3ö§ne, Slrme in Sßirfung fc^ilbern? §r. 2. fragt:" maS
eine 3^afe fe^, an roetd^er ber 9Zeib nid^tä gu kffern finbet: unb
id^ frage: mag eine ^f^afe fer), bie fid§ in Steig, in fd^öner 33eroe=
gung geige? — 2lrioft mu^te alfo entmeber fold^e 3:;^eile au§Iaf=^
fen, unb ba er§ nun einmal auf ©d^ilberung angefe^t: fo mürbe
bie 2luälaffung einem Italiener fo gefdjienen §aben, alä jene feine 241
So6fatr)re, auf ein fd^öneä aber gro^nafirf)te§ 9)täbd^en, bie alle
^§ei(e il)reä @efid^t§ gum Fimmel er^ob , unb bei ©d^ilberung ber
3Rafe o^nmäc^tig aufhörte. Dber er mu^te fold^e 3üge, bie fidf)
nidjt anberä , aU burd^ bie ^orm anf d^auenb madfjen liefen , fd^on
fo fd^ilbern, unb fid^ befto mel^r an anbern Steigüotten geiftigen
3ügen erholen, ^ä) ()alte biefe ^ermifd^ung aud^ gu fe!§r nad^
bem ©efd^macfe ber Italiener, al§ ba^ fie fic^ burc^ bie oorftel^enbe
Se^ingfd^e ßritif biefe unb bergleid^en ©d^ilberungen , von benen
il^re ^id^ter üoE finb, mürben rauben laffen. 9Zod§ minber gilt
bie Hrfai^e,'' marum 2lrioft «til feiner ©d^ilberung Unrecht ^aben
foK: „roa§ für ein S3ilb geben biefe allgemeinen Formeln? ^n
„bem 9)Zunbe eine§ ^eid^e^meifterg ,es C"iff'^^; "^t
bie unfc^ulbige g^reube über eine luftige ^rife, bie unfi^ulbig lädier-
249 lid) roirb. 2Säre ^Ijerfit ein fold;er; er fer) aud) buinm, er fcri
aud^ l)ä^lid) am 5lörper; loenn er nii^t bog^aft l)anbeltc — o fo
a) Saof. \>. 233. 34. [508 — 9] b) AfxtTQotni]g.
c) Exokwa. d) EnHi ccxoO/li«, ov xara xoGfiov.
e) Ti Ol Eiaairo ysloüov AQ-yeioiaiv.
1) 2t: bie [bie yeloiori];?]
^ 170 . —
üergebe iä) eg Ul^ffeä ntd^t, ba^ er fo mit i§m umgeJiet. Sa^ ben
^ä^ltc|cn, ber ftc^ fd^ön, ben Summen, ber fic^ fing, ben ^dO)tn,
ber fic^ tapfer bünft, nur immer of)ne blutige <Sd)mieIe auf bem
3ftücfen laufen! S,a^ o Ulpjjeg, nur immer beinen 3epter rul^en,
unb menn bu nad^ beiner ^tugljeit bid) felbft lenneft, fo fprid) ju
bem, ber bir blog läc^erlidj auf ber 9cafe fpielt, roas Dnlel
STobiag ©^anbp gu jener ?^liege: „®e(), armer 3;;eufel! roarum
„foHte iä) bir maS t^un? bie 2Belt ift geroi^ meit gnug, mid) unb
„btc§ gu faffen."' ^fiuft bu ba§ nid^t? roittft bu einen t)ä^lid^=^
lächerlichen bafür abprügeln, ba^ er I)ä^Iic| unb täc^erlic^ ift?
Ulriffeä fo
3)o(^ fo ift ber ^omerifd^e SCfierfiteä nic^t; er cerbient, ma§
er be!am: mir fagen mit ben @ried§en im ^omer: „nie ^t UIt)f=
„feä eblcr ge!§anbelt, al§ je|t!" mir gönnen i{)m gern feine Strac^t
©erläge. 9So bleibt alfo ba§ Unfi^äblid^e , baä ov cp^aQTrMv,
ba§ 2triftotek§ gum Säd^crlidjen fobert? bem UIt)ffe§ unb 2tgamem=
non f Grabet freilid; fein bogartiges SSerläuntben nic§t; aber für
feinen eignen 9tüdcn gef)t e§ nid^t fo gut ab; benn mem mirb ein
blutiger (Sd^raielenooßer 9lüden, al§ ein ov cp&aQTiyiov xi , ober,
al§ ein guteä Untertleib bunten. 2tu(^ ben ©ried^en tonnten
©daläge, al§ ©daläge, fein ©(^aufpiel be§ Säd;er(id^en fd^einen;
menn i^r fd^abenfrot)er §a^ gegen 'J^erfiteg i^nen nid^t in biefer 250
©träfe ba§: S^iid^t ju oiel! ba§ S^iel met)r oerbient! t)ätte
füllen taffen. S)er erfte ©tric^ com Sädierlid^en, baä Unfd^äb-
lic^e, ift alfo giemlid^ groeifeltiaft : unb ber anbre, ber Sontraft
giDif(^en 3SoIIfomment)eiten unb UnüotItommen§eiten,
erliegt bei 5lf)erfite§ unter bem ©inbrude be§ UnDoUfommenen,
be§ an fid^ felbft ^ä^Iid^en. 2tuc^ roer ein @ried§e werben fann,
mirb 5tt)erfiteg in biefem Sichte fet)en.
9lur raeil .g)omer leine einzige ^erfon feiner 2BeIt §um ^beal
beä t)öd)ft ^ollfommnen ober UnooIIlommnen mai^et: fo ocrtreibet
er aViö:) bier bie übermäßige g^arbe be§ §äßlid)en etroag, baß fein
%^zx'\\it% nid)t üor allen Figuren feineä @ebic§t§ üorruffe. ^ai er
lein ©uteg, fo l)at er boc^ nod^ ba§ ©ute an fid^, baß er auf fid^
— . 171 . —
[elbft einen SBertf) fe^t, ba^ er, feine Serebf aui!ett , feine ^lug^eit
unb @^rltdj!eit mag fo leibig fer)n, tüie fie wiU, fid^ boc^ biefe
§ä^Ii(f;feit nid^t zutrauet: fo rairb ber fonft gang unb gar 33erac§^
ten§'§affengTüürbige boc^ etraaä leiblid^er; eg gei)t auf ein Säc^er*
Iic§e§ §inaus. 9^ur ift biefeg Sefete fo fef)r 9lebenjug, e§ liegt fo
roenig in feinem ß§ara!ter, ba|3 e§ fic§, aB ein frember S^o,, nur
üorüberge^enb, nur §inten nac| einmifd^et. §omer lä^t feine ^ä^*
Ulilfeit auf etraaä Unfc^äblid^eä auslaufen, um fein gang ^'d^^
lidieä, gang SSerabfd^euunggraürbigegi gu linbern; nid^t aber
251 umgefe[)rt: „§omer mad^t ben STf^erfiteg f)ä^li(^, um i§n Idc^erlic^
„gu ntad^en: nic^t feine blo^e ^ä^li(^feit mad£)t ifin läd^erlid^; aber
„auc§ oljne §a^Iidj!eit märe er niij^t läc§erlic§ geraorben u. f. ro.
©djöne Unterfc^eibungen ! nur ©c^abe, ba^ §omer an i^nen fo
unfdjulbig ift, alä ic^. ©ein Slljerfit ift gang ^ä^Iic^, nur e§ nimmt
mit if)m ein Iä(^erlic^eg @nbe. ©efe^t inbeffen, 2::i)erfite§ märe ber,
für ben i§n,§r. £. erfennet: fo finb feine Seobad^tungen überhaupt,
^^I)ilofopl)ifd^ unb richtig.
yiun aber ^at ^h^n biefer täc§erlic§e 2;!()erfiteg unfdiulbiger
Sßeife gu einem anbern S3u(^e t)on 284. ©eiten @elegen|eit geben
muffen, in meld^em er s. v. bie -Hauptfigur augmac^t. ^x. ^to^
I)at i§n roürbig geachtet, meifteng über il)n ein 33änbc§en Epistola-
rum Homericarum (t)ietteicf)t ein graeiter 9ticciug) gu fd^reiben, unb
i^n barinn feiertid^ in bie %ä)t gu erflären, in ben 33ann gu tl)un,
ing ^euer gu roerfen — furg, aug -ipomer auggurotten. ^ä) ^abe
gefagt, ba^ über 2:[)erfiteg bie .^omerif d^en Briefe gefd^rieben;
benn au^er bem, ba^ er i^nen ben meiften ^nf)alt, b. i. bie meifte
©etegenljeit, umf)er gu fd^märmen, oerfd^affet; fo mürbe id^, vo^nn
td§ SSerfaffer ber Briefe märe, eg meinem Sefer banfen, wtnn er
bie übrigen 5)kterien,^ fo o^ne Prüfung, oorbeifd^Ieid^en (äffet.
252 §t. Mo1^ alfo mad§t nadfj einem ©ingange üon ad)tge§en ©ei=
ten, in benen er ung, nadf; feiner ß)emoI)nI)eit, nid^tg mel)r fagt,
alg: id§ bin auf bem Sanbe, unb lefe, bie fe{)r neue 33emer*
1) 21: äRatereien
— ' 172 = —
futtg:'' ba^ ein großer ©etft auc§ g^e^kr fiabe — ba^ o^ontei* felBft
guraetlen frfilunimere, ba^ man biefe ©teilen be§ ©c^lximtnerg bemer-
ken börfe — ba^ @r unb nac^ aller geftetgerter ©rroartnng
fommt ba§ gro^e unb Brette ^eifpiel:** „ba^ ^omer gefi^Iummert,
„glaube ti^, erl)elle <xxi ben Drten, rao er, — eg fe^ nun,
„ba^ er fic^ bamit nac§ ben ©ttten feineg 3e^talter§ bequemet,
„bie nod^ nid§t gnug gefeilt maren, unb bei i^rer ©tnfalt etroaS
„33äurifc^e§ unb 9^aul)e§ l)aben; ober roeil e§ fd^roer ift, jurüd
„gu galten, rooDon toir glauben, e§ roerbe ben Sefern
„Sachen ermeclen; ober burc§ einen ^el)ltritt feiner Seurt^ei*
„lunggfraft — lurj! mo er fic^ ju bem ^erab Id^t, roooon id§
„l)alte, e§ fc^icfe fic^ gu ber Söürbe unb ©rnft^ftigleit be§ ©pi*
„f(^en ©ebici^teä gang unb gar nic^t. ^^"^ meine aber, ba^
„.^omer baburc^, ba^ er gumeilen, an einem feljr unfc^idlic^en Drte,
„feine Sefer lad^enb machen mill, ba^ er baburi^ fein ©öttlic^eä
„@ebid^t mit nic^t leichten ^^lecfen befubele, bie il)m (bem @e=
„bid§te nämlic^) eine nid^t geringe SSerunftaltung, bem Sefer
„ aber — SSerbru^ ermecfen. Sie ©ac§e roirb au§ bem jroeiten 253
„33ud)e erl)ellen — — ■" Db id^ glcic§ meinen ernft^aften 2(utor
feljr eljrerbietig, raie ein 3De!ret ber Sorbonne überfe|e, unb feinen
©t^l, ber im üollen 5D^onbe gebilbet roorben,
— — for scuU
That's empty, wlien the Moon is füll,
mit allen feinen ©elenfen unb ©liebern gern ganj liefre; fo fann
id^ bod) ein ^aar ©eiten'' überfpringen, in benen er .^omerä 2luf=
tritt be§ 2:l)erfiteö oorbringt. 2ßa§ ^orner gefagt, ift mir mas
2llte§, aber raaö barüber gefagt roirb, etroag 9*ieue§. „^f^un mill
„icl) nic^t läugnen, ba^ ^omer alles gefammlet, maä ben 2tnblid
„beä SKenfrfien l)a^lid^ unb läc^ erlief madien fann; unb auc^ bas
„fel)e ic^ lei(i)t ein, marum Claudius Belurgerius (v. Nie. Eiy-
„ thraei Pinacoth. p. 205. & Vinceut. Paravicini Singul. Erud.
a) Klotz, epist. Homer, p. 24. b) p. 24. c) p. 25. 26.
— = 178 . —
„Cent. III. n. 12. p. 150.) ftc^ an btefem «Silbe be§ ST^er^
„fiteg, t)on ber ^anb etne§ gefc^idten ^ünftlerg gemalt, fo fe|r
„ ergö|et. ^mmer aber rootten roxi' bcn Bpxuä) Quintiliani betrad^*
„ten: Nihil potest placere, quod non decet, ju 3)eut[d^: 'iRxä)t§
„tann gefallen, trag mä)t anftänbig ift. 2Benrt biefer SRenfrf) etroa
„in einer ©att)re, ober in einem anbern ^offengebid^te aufträte: fo
254 „mürbe er mic§ ni(^t roenig ergoßen, unb ic^ mürbe bem Siebter
„gern ba§ Sob be§ 2Bi|eg, unb ber ©rfinbung crt^eilen.
„Sed nunc non erat his locus &c. &c.
Witt ©rkubni^ beg ^rn. Chr. Ad. Klotzius, unb Claudius
Belurgerius roiE iä) l^ier eine lange ©teile au§ ^oraj, unb Sei^
fpiele au§ SSirgil, ^affo, unb roer mei^ mol)er?* übergeben, bie
t)on ber 33elefenl)eit bc§ §rn. 33riefftetter§ jeigen, unb ben (Sa^
l)ier burd^ [ic§ felbft, am beften beftätigen: ba^ mand^eg ju fe^r
unred^ter ^eit f ommen fönne. ^d§ miff bei 2::i)erfite§ bleiben. „ ©o
„raie e§ unfc^icflid^ ift, in einer ©(^erjfad^e ^rauerfpiele gu ermedfen,
„fo auc^ in einer ernft^aften ©ad^e ju lad^en, tu er mürbe bag
„für anftänbig l}altcn? f)ier mo Uen mir nid^t lachen, mir finb
„oott ©rmartung, bie ung ber ^oet felbft eingeflöffet, mag bie
„©ad^c für einen 2(uggang nehmen mirb. 3Bir fef)en ba§ gan^e
„i^rieggl^eer erregt, jufammen taufenb: mir motten roiffen, ob bie
„®rie(^en mieber bieSSaffen ergreifen, ober nac^ §aufe gelten mer-
„ben: unb fie^e! ba ftö^t ung jeneg gra^engeftc^t (^u ©ried^ifd^
„f.iOQf.iolvyxiov\) auf, unb !^ält ung ©ilenbe bei ber Schleppe
„jurüdf. 3Bir roiberftreben, mir finb auf ben unmiUig,
„ber ung bag Ungel)euer jufc^id'te, unb ba, mo mir ernft^aft,
255 „nid^t blog fei)n rooUten, fonbern aud^ mußten, la(^en mir
„leiber." Sllle ^od^ac^tung für beg $rn. Klotzius ©rnft^aftigleit
unb feine ©d^Ieppe! motttc id^ ^ier nur ein $aar ^leinigMten fru-
gen: ob nämlid) §omer ung mit einer 33ürgermeifter - ober ©d^o-
liaften * ^^erud'c oorfinge? ob fein ^l)erfiteg benn alg eine ^offen*
a) p. 28— 30.
— . 174 ^
figur, aU ein ©trtg jxim 2a^^n auftrete? ^ft bieg rti^t, tritt er
je|t in biefem fritifd^en 3e^tpun!te, aU ein Stebner im 9ftamen ber
ganzen ©riec^ifd^en (Sanaitte auf, alleS abjufagen, n)a§ fold^e S^l^er-
jtte§ in bcr ©riec^ifc^en 3Irmee auf ifiren ^erjen f)atten: geroi^! fo
!ann §omer feinen gelegenern 3eitpwn!t finben, al§ biefcn, unb
ba§ ßolorit, in bem 2;f)erfite§ erfd^eint, ift fo bem (gpifc^en 2^one
gemä^ , ba^ xd) mir il)n in feinem anbern benfen f ann. ^f^ic^t 'i)äp
lid^er; fonft tjerbient er ben 2lugen6li(f tobtgefc^Iagen gu werben;
ni(^t frömmer; fonft roürbe er fc^roeigen, unb fo mürbe fein^erotb
fepn, ber auij^ bie Stimme beä ^öbel§ einmal f)ören lie^e. ^d^
bin atfo üor meiner (S($leppe unb oor einem unanftänbigen Sad^en
fidler! 3!)er ernft^afte §omer^ aber, ber feinen 2:;§erfite§ gang anber§,
nämlid^ al§ ein unnü^eä ?yra^engefid^t, al§ ein Ungef)euer, ba§ fid^
gum 2aä)m üorbrängt , f ennet , unb baüor f ef)r Bange ift , f äf)rt fort :
„2Benn mir hingegen ben 9)^enfd^en megraerfen, menn mir
,,alle bie SSerfe roegfd^neiben, ta^t fet)cn, ob mir nid^t eine
„ernfte 5Rine bel)alten werben?* ^^ fage eö nodf; einmal, 256
„§omer§ 5l^erfite§ gefällt mir nid§t, unb mirb mir nie gefallen,
„ menn i^n aurf) 5)iebea roieber oerfüngte. SIßegjagen rooEen mir ben
„SRenfc^en, ober menn er fid; miberfe^te, unb fid^ erfüf)nte, Un§
„aud^, fo roic bie @ried)ifd()en g^elbl)crren, gu fd^mä£)en, fo foH er
„mit umgebret)ctem ©enidfe f)erau§. S^vax jroeifeln mir nid^t, ba^
„auc^ ®r feine SScrt^eibiger finben, ba^ firf) ©inige finbcn werben,
„bie an ben artigen jungen nirf)t motten §anb angelegt f)aben.
„SDenn e§ giebt Seute, bie mit ben ?Olufen unb mit ber ^f)i[ofo=
„pf)ia in feinem Umgange, in feiner 33c!anntfd^aft ftel)en, bie
„bie SBiffenfd^aften bIo§ al§ ^anbrocrf gelernt, bie ba fd^reien
u. f. m. — "** 3ße^e mir! btefer fd^eltenbe fel)r crnft^fte ^on
ge^t eilf ©eiten burd^, unb wie fottte id§§ nun wagen, einen 5S^f)er*
fite§ §omer§ gu retten, ber of)ne ©runb unb llrfa(^e oerurt^eilt
ift. 3öef)e mir! fo gcI)Dre aud^ ^d^ aläbenn unter bie 2mk, bie
*) [Epist. Hom. p. 31.] **) [p. 44].
1) §otttertft (?)
-^ 175 ■ —
mit ben alten Jungfern, ben '^DJuj'en, unb mit ber el^rbaren ®ame
^l^ilofop^ia in feinem Umgange fteJien, bcnn x^:^ fiätte geglaubt,
2;!)erfit märe gu mel gcfd^e^en. ^c^ lege alfo üott ernfttiafter @f)r^
erbictung bie §anb auf ben 3)^unb, unb reid^c b(o§ mit gejiemen==
ber 2td^tung bem h. t. größten Kenner §omer§ in ©eutfd^knb bie=
fen alten ©id^ter jum nochmaligen 3)urc^lefen bar: benn au§ bie=
257 fen unb anbern Urtlieilen, bie er über .^omer l)ie unb bort gefäl=
let, l)aben riele Sefer mit JHed^t gemut^ma^et, er fenne benfelben
oietteic^t nur noc^ au§ bem erften flüd^tigen 2)urc^laufe, ben er,
mie er un§ felbft mit ber liebenäraürbigften Dffenl)erjig!eit ergälilt,''
einmal mit feinem ©tubenburfd^en in 24 '2:^agen burd^ ben ganzen
§omer §in angeftetlet, um nur o^ngefä^r tixoQ& üon ber g^orm
be§ ganzen 2öer!§ ju raiffen, unb fid) eine Copiam vocabulorum
anguf (Raffen. 3f^un fann bieg freiließ nod^ nid^t Ijei^en §omer in
§omer§ ©inne lefen, unb eä fd^eint au§ biefem flüd^tigcn ®urc^^
guge il)m manches au§ §omer entraifc^et gu fepn, mand^eS aber fid^
in il)m angellebet p l)aben, ma§ nur @r fo bemerket, künftig
!ann id^ baoon mefir groben geben ; jc^t miebertiole ic^§ ron ^l)er=
fiteä. 2öie id^ il)n fenne, ift er nid^t ba, um läd^erlid^ §u fepn,
um un§ bie (Schleppe ju jerrei^en, um un§ gum unge^iemenben
258 unartigen Sad^en ^u bringen. 9lod§ ift er ba, um blo§ ^^lid^ ju
fet)n, bamit boc^ nic^t lauter fc^öne Seute t)or ^rofa fetin mögen.
D^tod^ ift er am unred^ten Drtc ba, ba^ man il)m ba§ ©enicf umbre*
^en börfte. @r gcl)ört mit jur ^anblung be§ ©ebid^tg, unb ift
ber SRunb beg @riec^ifc(;en ^öbelg, ber fi^ je^t erklären foll ober
gar nid^t. @r ift nid§t lädjerlid^, fonbern f)ä^lid§, unb um nur
a) Hortabatur vero idem (Baunieisterus) me inprimis ad studiiun
graecarum litterarum , quarum in me erat levis cognüio. Hinc una
cum Neomanno, aequali et familiari meo, divina Homeri carmina non
tarn legi , quam deuoraui, ut intra viginti circiter quatuor dierum
spatium omnia perlegeremus. Fuit enira tum nobis illud tantum modo
propositum , ut formam aliquam magni operis et speciem animo infor-
maremus atque verborum nobis compararemus copiam. In praef.
Eleg. p. 8.
— ■ 176
bte§ §ä^Ii($e einiger ma^en ju linbern, fo lä^t e§ §omer auf (Sinen
üerlleinerrtben ^uq, f)tnaus(aufen : ftatt xl)n al§ .'^ronoerbrec^er ju
tobten, il)n nur geltnber ftrafen; ftatt il^n gang jum 3(6fc^eue ju
machen, »erfö^nt er tt)n hmä) einen ^f^cbcnjug gule^t mit bem
§errn.^ 3§m einen anbern ßijaratter ju geben, f)ei|t au§ ber
Sateinif(^en Ueberfe^ung urt^eilen, unb in ^omerifc^en ^Briefen bie=
fe§ an Süag ju (egen, iff — ^oä) iä) fel)re lieber gu tneinem
lieben Se^ing, bei bem ic^ überaK unter f)altenbe ©rünbe finbe —
22. 259
Unb graar je^t gu i^m aU ^fpc^ologen. „S)er 2)ic^ter nu|t
„bie §ä^Iic^feit, um bie »ermifditen ßmpfinbungen be§ Säd^erlid^en
„unb ©c^rec!(i(^en IfierDorjubringen.'"*
3uerft bemerfe id): ba^ fo rerfd)ieben an fic^ biefe groo ©at=
tungen t)ermifcf)ter Gmpfinbungen Sc^rccflic^es unb Säi^erlii^es fe^n
mögen, fo balb fönnen fie fic§ in einanber oerroanbcln. ©as 3c^re(f=
lic^e, al§ unfc^äblid^ erfannt, roirb eben, raeil e§ un§ f(^redlid^
bünite, läc^erlid); ba§ Sä(^erli(^e, aU fci^äbtirf) erfannt, ^hcn raeil
e§ uns nur läd^erlic^ bünite, fc!^re(fli(^. S>ieIIeic^t raerben beibe-
alfo ba§ §ä^Iicf;c aus ©iner Urfac^e, i§rer oermanbten 9latur nad§,
nu^en? 2Bir rooKen forfi^en:
9^i(^t alles Säc^erlid)e barf !^ä^Ii^ fei;n. Unter ber großen
■^Dlenge unfd^äblirfier ^ontrafte grcifd^en 5>o[Ifommenf)eiten unb UnooU^
fommenl^eiten giebtö groar aud§ einen, ber — f)ä^Iic| fc^ön ^ei|t.
a) 2)ie lateinifc^e UeBetfetjung frei(icf) f^ti($t »ort verbis scurrilibus.
bon bem non pront decehat ,- bon bem quodcunque videtuv o-iclicuhim
Argiuis: unb au§ i'^r fann man atfo fidjet ben Si^erfite^, fo in tateinift^c
^"^rafeS übet je^en: hie homo seurram ac/ere, risum reliquorum Graeco-
rum captare solebat, deäecet carminis grauitatem etc. StUeS itac^ ber
Iatetnif($en UeBevfe^ung gut unb richtig; »er »irb aber §omcr in einer
tateinifc^en Ueberfe^ung (efen?
b) 2aot p. 232.' 233. [508 — 9. greie§ ©tat]. *) [p. 512. XXIV.]
1) §eere (V) 2) 2(: dicebat
— . 177 —
unb fic^ auf mancherlei Jöeife äußert, j. @. ^ä^üä) fet)n, wnb fic^
|(|ön bünfen, 'i)'d^liä) fepn unb für frf)ön erfanttt roerben, ^ä^U(|
je^n, unb burd; Slugjterung fdjört fcijrt lüotten u. f. ro. 2tHein,
biefe eigne ©attung läc^erlidjer ^ontrafte mac^t noc^ nid^t alte &aU
260 tungen, bie gange 3lrt aug. 2)er ©djroai^^^ftari'e, ber Kein ©ro^e,
ber xinroid^tig SBid^tige^ in ieber %xt, finb eben foldje (ädjerlii^e
©efd^öpfe, aU ber t)ä^Iid^ (Sd^öne.
©0 barf auc^ nic^t atte§ ©ci^redlid^e Ijti^lid) fepn. 9Senn ein
äßefen feiner ^öl)ern 9Zatur, feiner großem Ueberinadjt inegen, un§
©d^reden" gebietet; fo barf bieg ©d;redlid;e roeber in bem ©egen=
ftanbe mit g^ormen, nodj in unfrer ©eele mit ©mpfinbungen beg
§ä^Ii(|en t)ergefettf(^aftet fepn. ©in Ungcmitter 3. @. ober menn
id^g in ein 33ilb üerroanbele, ein 5Donnerroerfenber Jupiter, !ann
fürd^terlid^, fi^redlid^ fei^n, aber o§ne 3>erjerrung be§ ©efic^tä, o^ne
^ä^Iid^e formen, ©in brüdenber Söroe g. @. !ann felbft, ro^nn xä)
mxä) in ©ic§erl)eit füljle, mir ein fc^redlidjer, ein ©djaubercotter;
feinegrcegeg aber be^megen ein fiii^lic^er Stnblid fei;n.
@§ folgt alfo: ba^, um bie »ermifd^ten ©inpfinbimgen be§
Säd^ertic^en ober ©d^redlid^en fierworjubringen, §ä^lid^feit nid;t
jebegmal, nic§t f($Iedjtt)in alg ^ngrebienä gebrau(^t roerben börfe.
@§ wirb bal^er bem 2i>efen einer ^unft anl)eim gefteHt werben !ön*
nen, ob fie ba§, roaä fie ni(^t brauchen barf, braudjen fönne, ma§
fie nid^t fd^led^terbingg braudjen barf, !)ic unb bort braudjen
rooUe. ^ö) faljre fort:
261 Unter ben unfd^äblid^en ^ontraften, bie ba§ Säd^erlic^e mad;en,
giebtg namentlidj audj ben ^ontraft be§ ^ä^lid^ ©d^önen; jum
Säd^erlidjen alfo fann ^ä^Iid)!eit mirflid^ ein mefentlid^eä ^ngrebienä
fepn, um eg f) error jubringen, ^n fdjrcdlid^en ©egenftänben
gehört bie g^orm ber §ä^Iid)!eit eigentlich gar nid;t mit ju ber ^^^ee
be§ ©d^äblid^en, be§ g^urd^t erregenben fclbft; ©c^auber unb UnmiKe
a) ®te meiften ^ometifc^en (Söttet finb f^vcdfic^ ; aBev beßiücgcn ancf;
1) 31: Söiljige [ijgt BweiteS Sälbc^en ^ 214]
Jpevbevg j;immtr. äBevfe. III. 12
: 178 —
am ^ä^Kc^en ftnb groo ©mpfinbimgen, bte in tf)rer yiatux üerfd§te=
ben ftnb: folglich fanrt gum ©c^recflid^en bag §ä^({(^e nie eigentUd^
aU n)e[cntttd;e§ ^ngrebieng lüirfen: nie eg alfo f)erüor6ringen.
3n ^araKelcn lä^t fid^ ba£)er fauin i£)r kiberfeitiger ©ebraud^
be^anbeln.
Söo ba§ §ä^Iic§e §nm Särfjerlidjen jutrift: ba treffe eg roefent*
lief) ju : e§ gefiöre mit gum ^ontraft : eg f ann nic^t megbteiben.
)SiO c§ wegbleiben fann, ift§ auc^ ein ^ennjeii^en, ba^ e§ raeg*
bleiben mu^ — ©o evlldrt ^r. 2. mit 9iec§t e§ für eine alberne
3){öndjöfra|e , ba^ ber meife unb rec^tfd^affene Stefop in ber I)ä^=
Hd^en ©eftalt 5l^erfite§ burd; biefelbe im ^ontraft feiner fc^önen
(Seele Iäd;erlic^ raerben folle.
2;räfe aber ba§ §ä^lic§e jum ©c^redlid^en ; fo fönnte e§ bIo§
al§ SRebenibee gutreffen; e§ gel)örte nic^t in bie ®mpfinbung be§
©d^anberS. @g mii^ alfo nic^t anbcrg al§> roie ein 9tebeningrebieng
gugetni jd^t werben : bamit eg bie §axiptempfinbung ja nid^t fc^roäc^e, 262
bamit ber ©d^auber nid^t Unmille raerbe, roenn er§ nid)t wer-
ben fott.
2Ö0 ein ©egenftanb burd§ ba§ ;3i'tÖ^'cbieng be§ ^ä^lidien lädier*
liä) werben foll; ba fann er, fo lange er in ben ©renken ber
3Bal}rfd^einli(^!eit bleibt nnb ben ^ontraft abwieget, nie gu lyd^^
1x6) fei;n. Slber bag ^ä^lic^e §um ©d§redlid;en fann allerbingS ju
fet)r üerftärft, unb alö ^auptingrebienä bel)anbelt, ba§ ©diredlid^e
tDirfli(^ l^inbern. ©inen ©egenftanb gang l)ä^lid) füllen, fo ba^
bie ^bee beg Unwillen^ , be§ ®!el§ , jebe anbere t)erbun!elt , l^ei^t
gewi^ nid^t, i^n ganj fürd^terlid^ empfinben. 3!)ag @efül)l beg
©d^redlid^en ift Sdjauber ber ^urd^t : bag 33lut tritt gum §erjen
prüd: S3lä^e bebedt baö @cfid§t : ^älte läuft ben Körper ^erab; balb
aber nimmt fid^ bie 3tatur jur ©elbftoertlieibigung jufawmen: bag
Slut tritt uerftärft in feinen vorigen ©ang: bie Söangen rotten fid^:
bag g^euer breitet fid^ wieber aug: bie ^urd^t ift oorbei: ber©d;reden
ift in 3ürn oerwanbelf. ©o erzeugte, gebar unb töbtete fic^ bie
©mpfinbung beö Sd)redlid)en. — älber bie (^mpfinbung beg §ä^*
lidjen uiio weit anberg: ber 3J(if3ton, bie wiberwärtige (Srfd)einung,
— . 179 . —
bie mix f)ä^Kd^ nennen, roixtt auc^ in meinem Sieroengebäube '3}ii^'
263 ton, 2Biberraärtig!eit : e§ bringt meine (Saiten bcr @mpfinbung
raibrig an einanber; eg Irattct in meiner 3Zatur. ®ie ©mpfinbung
beg ^ä^Iid^en burd^läuft alfo meinen .<R;örper ganj anbers, aU ba§
@efül)t be§ ©djrecf Ii(^en : fie ge£)ören nidjt in ®in§.
Unb aud^ gufammengefd^lagen üermifd^en fie fi(^ !aum. 2)er
graufame Stid^arb ber Sritte* erregt mir ©(j^ reden; ber an
©eele unb Körper f)ä^Udjc Siic^arb Slbjd^eu. ®ie ^ä^li^feit
feiner ©eele , ben 3lbfc§eu meiner ©mpfinbung gegen it)n , f ann too^I
bie §ä^Iid;feit feineä .^örperö t)erftär!en; mit meinem ©c^reden aber,
mit feinem Sf)ara!ter beg g^ürd^terlid^en , (}at fie nidjtg gu t^un.
9Senn ic§ bie abfd)culi(^c ©eele ©bmunbä*" au§ einem roof)I=
gebilbcten Körper fpred;en l^öre: fo lann iö) ben fd^öncn Körper
nod^ bef lagen, ber einer fo fd^roarjen ©eete jur 3Bol)nung bienen
mu^; i(^ fann i§n lieben, raenn ic!^ feinen (Sinrool^ner f)affe: ber
2lbfc§eu an ber ©eelc mirb alfo burd; ben Körper nicl^t oerftärft,
ober id^ roitt nod} mefir fagen, gcfd^rodd^et. 2lber ber ©c^ reden,
roeldien bie fc^marjen fürc^terlid;en 2(nf daläge ©bmunbS erregen, ift
gang etroag anberä, er mirft, of)ngeac§tet feineg fdjöncn ^'örper§,
264 eben fo in noßcm 93taa^e. (Sbmunb ber 33öfew)id^t, ift mir abfd^eu*
Ii(^; ©bmiinb, bcr fd^äblid^e SSöferaid^t, fd^rcdtid;.
3^enn id§ e§ alfo §rn. Sc^ing jugebe: „ba^ fd)äb(id^c ^ä^-
„Iid)!eit altejcit fd^redlid; feij,''" fo mirb §r. S. eg mir jugeben, ba^
fie e§ nid^t megen i^rer c^d^lid^f eit , fonbcrn blog megcn i()rer ©d^äb-
lic^feit fei;: bajj alfo ber Siebter burd§ bag ^ä^Ud^e nie bie ©mpfin-
bung bcg ©(^redlid^en I)erüor bringen, bafj er fie, cigentlidj
gefproc^en, nie Derftär!cn fönne: furj, ba^ ©d^redlii^eg unb §ä^'
lid^eg, jmo gang üerfd^iebcne Strien ber ©egenftänbc; 'gurc^t unb
ätbfd;eu grao ganj ücrfdjiebene Strien bcr ©mpfinbung feyn. .§err
Se^ing Ijat üieHeidjt fagen motten: „2tbfdjcu gegen bie l)ä^lid^e ©eclc
„bcg anbcrn mirb burdj Slbfdjcn an feinem Ijiif^lidjen iR'örpcr Dcr^
a) t'aot p. 238. [511] b) p. 237 [511]
c) p. 236. [510]
12 =
— ' 180 ' —
„ftär!t: ber ^id§ter fönne \xä) alfo ber formen be§ ^ä^Iic^en Bebte*
„nett, um Stbft^eu gu üerftär!en/' 3(I§bentt ^at er Siecht; aber
aud) feine SSerfd^roifterung ber ©mpfinbungen artgegeben: benn Slb-
fd§eu bleibt Stbfc^eu; ba§ .^ä^Iii^e, bas ^(bfc^eulic^e fet) in ©eek
ober Körper.
^d^ l^abe bie ©mpfinbung am ^ä^Hc^en ber ?^ormen Stbfd^eu
genannt: §r. S. glaubt/ fie 6fel nennen gu tonnen, unb get)et
barinn üon §rn. ^Dienbelfoljn ab , ber ©fei nur in ben niebrigen 265
(Sinnen ©efc^macf, ©eruc^ unb @efüt)I; nid;t aber in ©egenftän*
ben be§ ©efi^tS, unb faum be§ ©et)öre finben raiH.'' SDer (Sprai^-
gebrauch, ber in ©ad^en, mo o§ auf ntdjts als ©efü^I antommt,
immer get)ört werben lann, fd^eint auf ber Seite bes le^tern %\)\'
lofopt)en; nur, menn ic^ nic^t irre, mit folgenben Unterfd^eibungen.
^m cigentlidjen 33erftanbe fc^eint (Sfel bem (Sinne be§ ©efd^modfg
ju^ulommen; nid^t aber bloä übermäßige 'Süßigfeit/ fonbern jebc
lüibrige Scrü^rung unfcrcr ©efc^madsneroen »erurfac^et ©fei. 2)a§er
bie große 3>erld^ieben§eit be§ ©efd^nmdg auf »erfc^icbenen ^wngen,
nac^ bem if)rc ^bern fo unb nid^t anbers geftimmt finb, fo unb ni^t
anbcrg angenehm ober roibrig [berül^rt] roerben fönnen. §icr ift alfo
©fei eine §aupteigenj(^aft bc§ Hebelgefi^macfg, ber nic^t üon ber ^u
langen Sauer einförmiger Scrül)rungen unfrer ©efc^madäfibern , raie
§r. 3)ienbelfol)n meinet: fonbern, roie i(^ glaube, oon jeber unferer
3^atur roibrigen Serü^rung berfelben ^errüf)ret. ©eroiffe @efc^mad§=
arten finb efell)aft nac^ ber allgemeinen ©mpfinbung; anbere nac^
bem (Eigenfinne ßiner Scatur, ba§ ift, nac^ ber befonbern (Span-
nung ber gibern in biefem einzelnen Subjefte. ©eraiffe älrten be§ 266
@fel§ finb angebol)ren, raenn bie SBerfjeuge beä @ef(^maclg urfprüng*
lid^ fo unb nic^t anbcrs gebilbet finb; anbre finb angeroöl)net, unb
bur(^ lange Slffociationen ber "^tz^ jur 9iatur geraorbcn. 6inige§
ift efelljaft, roenn rairs foften; ein anberes, roenn roirS gefoftet
^ben, nad^ bem bie roibrige ^erüljrung fd;nell ober langfam
a) Saof. ^. 247. [516] b) 2itt. S3r. 2;^. 5. @. 101.
c) 2itt. 33v. e6. baf.
— = 181 —
gefdjaljc u. f. m. Sa§ ©feltjafte, roaS in ©cgcnftänben be§ ®e*
fc^madä baä Stuge präoccupivt, i[t nid^tS alä 3Siebcrf)olung üortgcr
©enfattonen, aber eine fo ftar!e äßieberfjolung , ba^ fic felbft Sen-
fatton erregt, unb alfo mit berfelben nermifd^t rairb. — ^n @egen*
ftänben be§ ©cfd^macfg f)at alfo ba§ Sluge nic^tg ©feli^afteg.
©efdjmad unb ©erud} finb in unfrer ?Ratur buri^ ein get)ei==
meg SSanb ber Drganifation vereinigt: bie ©tärfe beg ©inen pflegt
nid^t ol^ne bie ©tär!e beä anbern ju [epn, imb ber 33erluft beg
©inen ben 3]erluft beg anbern nac^ fid^ ju jieljen. ^wnäc^ft alfo
fommt ber @!et bem ©erud^e gu, burd^ eine wibrige 33etDegung
b'er ©erud^gfibern ; barf id) aber jagen, ba^ er i§m blog ^ufomme,
burd^ bag S3anb ber äljnlid^en Drganifation mit bem ©efd^made?
^d^ glaube faft: aud^ ein efel£)after @erud; erregt ©rbred^en, b. i.
mibrige S3erüf)rung ber ©efd^madgorgane. @r äußert fid^ alfo burc^
267 ben ©efc^mad: er fommt bem ©erud^e ju, blog alg einem mit bem
©efc^mad'e oerbunbnen ©inne: jeber anbere unangenehme i @. ju
ftarfe, gu betäubenbe ©eruc^ i)ei^t nic^t elel^ft.
Sem ©efüt)(e fommt @fel fd^on fei)r uneigentlid^ ju. „@ine
„ju gro^e 2öeid^l)eit ber Körper, bie ben berüf)renben ^ibern nid^t
„gnug miberfte^en,"* 3. ©. ein 2(ntaften beg ©ammetg, feiner ^aare,
K. fann im eigentlichen 3.^erftanbe ^hm fo raenig efeUjaft fiei^en,
alg bag fogenannte ^i|eln: eg ift SÖibrigfeit, ein lieterogeneg
@efü()t, eine I)eterogene 33erül)rung, alg i<^ mag: unb jraar 3Bt=
brigfeit bur(^ bag ju Sanfte. S^iun giebtg eine anbere 2öibrig=
feit, ba§ ©efüf)! einer heterogenen ^^ierüenfpannung, burd^ bag gu
heftige, ju ©eraaltfame. ©0 freifd^t ung ein ©riffel ing Df)r,
ber einen ©tein l^inunter frattet: mir füllten unfer ganjeg SZeroen-
gebäube mibrig erfd^üttert : mir mollen aug ber §aut fahren ; aber
erbrechen motten mir ung nid^t. SBibrig ift ber ©egenftanb für unfer
fü^lenbeg Df)r; nid^t aber efelf)aft.
S)em ©el)öre, afg folc^em, fommt @fel nod^ minber gu:
benn „eine unmittelbare g^otge von pollfommenen (Sonfonanjen""
a) Sitt. 33t. eb. baf. [100]. b) Sitt. «r. [101].
— • 182 . —
iann Ueberbtu|; aber eigerttKd^ nur beut (gfcl errüeilen, Bei bem 268
@efdjina(f ber §auptfinn roärc, unb bte ©ü^iglett ber Tom nur
einpfänbe, fo fern fte mit ber ©ü^igleit, in SInfeljung be§ ©efrfimacEg,
3(et)nlic^lett {)ätte. ©in fotc^er allein roürbe in ber übermäßigen
(Sonfonan§ auö) eine 2lel)nlic^feit mit übermäßiger ©üßigleit, fo(g=
lid} an klönen, @M empfinben; lein anbrer! ^ä) fage mit
g^Ieiße, empfinben, bunfel empfinben; benn oon bem Haren §in=
gubenlen ift i)ier nidjt bie 9tebe.
@nbli(^: elelf)afte ©egenftänbe für§ SCnge. §r. S. glaubt,""
„baß ein ^euermaal in bem @efi(^te, eine §afenfc§arte , eine
,,gepletfc§te ^Rafe mit uorragenben Si5(^ern, ein gänjlic^er 5JJ:angel
„ber Stugenbraunen, fic^ mol)l fo nennen ließen: baß mir etroag
„babei empfinben, ma§ ^ bem @!el nal)e fomme, baß, je järtlid^er
„ba§ ^Temperament ift, mir befto meljr üon ben 93en)egungen im
„Körper füljlen mcrben, bie mv bem ©rbrec^en uor^ergeljen/' ^c§
mag bei fo unfii^ern ©adjcn beg bunlelften @efül)l§ über 9^amen
nic^t ftreiten: inbeffen büntt mid), baß baä järtlic^fte Temperament,
unb baju im jarteften ^wftanbe ber @mpfinbung> j. @. eine f(^roan*
gere ^rau, folc^e ©egenftänbe el)er mibrig, al§ etelljaft nennen,
el)er baüor gurüd" f (Räubern, unb in Dl)nmad)t fallen, al§ ]iä) brü-
ber erbred^en roerbe: baß bie unangenel)me ©mpfinbxtng immer alfo 269
el)er SBibrigt'eit be§ ©efüljlS, Stbfd^eu beä 2tnblid§ , alä @fel, gu
nennen fe^. @§ fet) inbeffen barum, baß ein folc^er 2tnblid Seme*
gungcn erregen Iann, bie üor bem ®rbrec§en üorauä gel)en: giebt
^r. 2. zbtn bamit ba§ (Erbrechen nid^t für bie fid^erfte Sßirfung be§
@!el§ an? Unb ba ba§ @rbred;en eigentlich nur bem ©inne beä
(S)ef(^mad"§ jutommt: fo muß, wmn ba§ 3(uge ®!el empfänbe, e§
blog burc^ eine Slffociation t)on ©efc^madäibeen folc^en empfinben,
unb über bie ^ürtlic^feit be§ 3:^emperament§ mag id^ nic|t ftreiten.
@nug für mic§: baß ®!el eigentlid^ nur bem ©cfc^made, unb
bem @erud§e, al§ einem mit bem ©efd^made »erbunbnen ©inne.
a) Sao!. p. 247. 48. [516. 17]
1) S.: xvdä}i2
— « 183 '^-
;;u!oimne. 2)a§ grobe ©efüljl bcv üluigcn ©inne cinpfinbet ^Sibrig-
feit, unb nid)t @!el; eä feri benn, ba^ in biefcin unb jenem ©üb-
jefte bas ©efül)( eineä ©tnncö in ber !örpcrlid§en Drganifation,
über in bem jur 91atur geiüorbnen Saufe ber 33egriffe mit bem
©efd^madfe, unb bem @erud;e, gleid)fam in näi)crm 33anbe ftei)en.
@§ giebt nämlid) 5l)tenfd)en, bei benen ber ©efi^mad, miti}in auä)
ber ©erud), unter ben groben ©innen gleid)fant bie I)err[c^enbften
finb, unb ben finnlic^en ©mpfinbungen in^gefamt alfo 2:;on ju geben
üermögen: bei foli^en fann fid^ ein miberlic^er 3lnblid, ein roibriger
270 ©c^all, ein mibrigeS ®efül}I mef)r bem ©fei näf)ern: b. i. 33en)e-
gungen erregen, bie oor bem @rbred;en t)orau§ p get)en pflegen.
Slffein, biefe 33efonberI)eit in ber ©timmung be§ 5Rerüengebäube§
(}inbert nid)t , bafe aud; in if)nen unmittelbare SÖibrigfeit beä @ef ü§I§,
@efic^t§, ©eijörä, üon ber mittelbaren Söibrigfeit in biefen ©innen
burd^ ^ülfe eineä fremben ©innes, be§ @efc§mad§, unterfd^ieben
fei)n foHte. 3)a8 ©felljafte !ann fii^ mel)r ober weniger, nac^ bem
bie Drganifation geftimmt ift , in iebe unangeneljme finnlid^e @mpfin=
bung einmij(^cn; nidjt aber jebc unangenel)me finnlid^e ©mpfinbung,
jebe Söibrigfeit in einem ©inne ift be^§alb @!el.
^ommt alfo ber @fel üor^üglii^ bem ©efd^made, unb anbern
©innen nur fo fern ju, al^ fie mit i!^m oerbunben finb, ober fid)
an feine ©teile fe^en fönnen: fo —
@ilt erftlic^ auf bie ?5^rage: äöarum ift in ben fc^önen fünften
unb 3Biffenf djaften ber @fel nic^t fd^ön? bie Urfac^e'' fo allgemein
nid^t; roeil ber ®kl blo§ ben bunfeln ©innen jufomntt: benn bem
bunf elften ©inne unter allen, bem @cfül)le, fommt er nic^t ju.
9iod) minber ift ber 3Bibermille, ben §ä^lid^!eit roirfet, fo
271 gcinjlic^ oon ber 9Zatur beS (Steig, al§ §r. S. meinet;" benn $ä^=
lic^f eit äußert fic^ bloä bem Stuge; @!el eigentlich nur bem @e=
fd^made.
a) Sitt. S3r. %% 5. eB. baf.
b) Saol. p. 247. [516. 17]
— . 184 > —
2lm mittbeftert alfo tann fic§ jur 9^ac^a'^mung ba§ (S!el§afte
rottfommen fo, rote baä ^ä^Iic^e, üerl)alten."' Safjet ung jebe ber
breierlet ^Rad^a^mungen be§ Säc^erlii^en, .§ä^(t(^en, 6!el§aften burc§=^
fragen.
23.
®ag ^ä^Iic^e !ann in ber ®{(^t!unft gebraucht werben, um
ba§ Säc^erlt(^e ju erroecfen, nnb, rate gefagt, ^t bte 2)t(^tfun[t
alöbenn in 3]eranftaltung ^ ber g^ormen leine anbre ßinfd^rdnfung,
alö 3ßaf)rfc^cinlic^feit unb ©(eid^geröii^t beä ^ontraftg, nämlic^ ba§
f(i§einbar ©c^öne. 2t6cr baä ^ä^lic^e, ein ^ngrebienS beS Säc§er=
liefen Bei bem 3)^aler? ^^ann ber 9)ialer fein §ä^lic^e§ in ^on^
traft beä fexjn rooEenben Q6)'öncn fc^en, ba^ ba§ Säc^erlid^e f)er:=
rorbK(ft: fo root)l. 2)a bieg aber feiten ift, ba felbft bei ber geift-
reic^ften ipogartf)f(^cn (Sonipofition bie 9}ialerei immer augenfd^ein=
ti(i^er t)ä^Ii(^e formen, alä ben lächerlichen Itontraft burd^ I)ä^lid§e
formen fc^ilbert: fo bleibt fie gleirfjfam !örperli(^,^ um bem ©id^ter
be§ Särf;erlic§cn folgen ju fönnen. 2)er Siebter trift ben @eift' bc§ 272
Säc^erlidjen huxä) ba§ .^ä^lic^c; ber ^ünftler bleibt am Körper beg
^ä^li^en fleben — unb bie ^auptfad^e ift unfid^tbar. ^ener
ftimmt meine ©eele, unb mein 5)iunb lachet willig; biefer !i|elt
mic§ l)ä^li(^, unb id) foll ladjen!
S)ag §ä^li(^e gum ©c^redlid^en? 9iid)t§! in ^oefie unb 9}iale=
ret niditg. 3Bill aber ber Sid^ter 2tbf(^cu erregen: eine abfd^eu*
lic^e, bögartige, grimmige ©eele an fic^ fc^on, mirb fid^ burci^ ij'd^-
lid§e SSerjerrungen äußern, ©oll ber Slbfc^eu oerftärft roerben; fo
gebe eBie §Qr^
buin roiebertegt n)erben foltte?
2. 3Som Sto^if^en Sommentar über §i>raj. SBie fe^r er ben %on ber
§orajifd)en ^oefie toerfc^te? an ber erften Obe ^ora^ gescigt. %nä)
anbre '^aben ben 2;Dn biefer Obe nic^t getroffen. SSon bem ^oetifd^en
SBortbaue be8 S^oriamben.
3. ?luc^ aus bem Sone ber j^weiten Obe erläutert uu8 §r. Ä(o^ ficber
weg. ''Prüfung einiger anbrer fo genannter neuer ßrtäuterungeu
§orajen§.
4. iß5ie wenig §r. Sto^ big'^er jum §orajifcbcn ©efc^made beigetragen?
äweifet gegen bie ©rtäuterungSmet^obe §orajen8 , nac& SSatteuy Spanier.
2öie fe'^r biefe bie §orojifd^e Obe jerftüde unb jertege? Äto^enS iße=
griff bon ben Sigreffionen, unb bem S'^arafter ^^inbarg.
§evbei-§ (ämmtl. SBevIe. III. 13
— . 194 ■■
5. UeBer bie ^araHetenmac^eret 6et eittem 3)t(^ter. lieber ben ®emmen=
gefc^macf bei 2e[ung beffetben. lieber ben 9)it§btauc^ gelehrter (Som=
mentare. ®eBner§ fc^ä^bareS Seugniß barüber-
6. SJieine 3lrt, §otaj unb neue §oraje ju lefen.
7. D^iacbfc^rift unb ©nberftärung.
ühiv ciniße iJto^ifiiöc ©ifjviften.
1.
^d) f)a6e mtd^ an^eifd^tg getrtad^t, auf mehrere ^Io|ifd^e
3tnnTer!iingen über §omer ju merfen, .unb tc§ mu^ mein
SJBort erfüllen. Ser '3:!abel forool^I, al§ ba§ Sob, ba§ auf ben
©rften ber S)ic§ter fällt, trift auf ben 9)ZitteIpun!t ber ®rte(^ifc§en
Sitteratur, unb I}at immer aud^ auf entferntere ^un!te im J^reife
ber @elel)rfamfeit einen ®inf(u^. @§ roirb alfo lohnen, mit ben
^omerifc^en S3riefen'' in ber §anb ein Suftmälbd^en ber alten
@riec§tfc§en 5Rufen ju befuc§en.
2öie mu^ i(^ mid^ aber burd§ fü^e ^reunbfc^aftSbejeigungen,
8 unb lange SSorbereitungen burd^minben unb burd^brängen,'' um nur
erft auf eine 5Raterie gu fommen. §r. ^lo| irret in biefen Srie=
fen fo lierum , ba^ feine ?0^ufe rüoljl nid§t§ minber , al§ eine ©d^me*
fter ber .^omerifc^en 5)tufe, fepn fann, bie ftatt vom ^rojanifd^en
Kriege, unb r»om (Si ber Seba anzufangen, lieber gleii^ mitten in
bie ^anblung l^inein greift — f.ü]VLv aeide S-ea, a. t. l. —
Ser ^omerifd^e Srieffteller nimmt fid§ gu erft red^t fel)r 3ett, feinen
^reunb unb ©önner ju umarmen," bie fel)r mittelmäßigen SSerfe
beffelben, bie t)on ganj Seutfd^lanb für mittelmäßig erlannt ftnb,
^itnmelliodl) ju crtieben,*^ un§ auf beut Sanbgute beffelben^ (mie
a) Epist. Homer. Altenb. 1764. b) p. 5 — 24.
c) p. 5. 6. d) p. 6. 7. conf. Act. litter. Vol. I. p. 245 — 49.
e) p. 8. 9.
13*
— . 196 .
SBoileau von getüiffen SBortmalern fagt) oon S^errafje gu S^errofje
ju füfiren, ba§ Sanbleben/ unb bie une!)elt(^ett Äinber'' ju loben,
über bie §ärte ber 9tegina ^ecunia/ unb über bie UnbanfbarMt
wnfer§ Qaf)rf)unbertä gegen ^oeten"^ §u flogen, einen großen 2)iini=
fter, ber faft bitrc^ ein folc^es 2oh erniebrigt wirb, bc^roegen"
^VL rüJjmen, weit er \i)m ertaubt, auf bem Sanbe einige ^eit gujoi*
bringen. @r fäi)rt fort, alle fetige ^Vergnügungen bafelbft*' un§
liebfofenb oorgujeigen: bie SSüc^er, bie er mit fic^ genommen, unb
enblid^^ — „2Bie aber bie Siditer oom 3eo§, fo mill id; Dom 9
„§omer beginnen."
5Kod^ finb mir nic^t in ber SRaterie. §r. ^I. geigt erft, ba^
er mit feinem §omerifc^en 2;abcl nic^t ju ungelcf)rten Serärfitern
^omerä gehöre ,*" ba| niemanb in ber 2BeIt bie alten ©(^riftfteffer
mit mei)r Seraunberung unb ©ntgütfen lefe, als er, ha^ §omer
bei allen biefen ^-e^lern, bie §r. ^Io| ii)m geigen roitt, noc^ immer
gro^ bleibe,' ba^ — unb bie§ attes in fo erregenbem 3:^one, mit
fo üiel, ob gleic^ längft befannten, Seifpielen unb 2lKgemeinfä|en,
ba^ man feinen anbern, al§ jenen 6t)ffifc^en 3)i(^ter'' lieft, unb
jebeS ^fatt mit ber bemunbernben ^^rage umfd^fägt: raa§ roill aus
bem SIMnnlein raerben? 2Sas f)at biefer gro^e ^O^ann bem fef)ler==
l^aften §omer Uner^örteä gu geigen, ha^i fo oiel ^Vorbereitung unb
Sfufmerffamfeit ucrbiente ?
SVietteid^t ift mein Sefer fo ungebulbig, als iä), unb auf mid^
unroittig, ba| id^ ben neuen ^omeromaftir noc^ ni^t felbft reben
loffe; allein, roenn §r. Äl. groeen 33ogen fang oorbercitet, roie
mürbe es benn bem 3:ione meines SBerfs entfprec^en, nid^t aud^
üorgubereiten ? ^ä) mu^ alfo (Schritt f)a(ten: fonft fommen mir
alle brei, §r. ÄIo§, ber Sefer unb id^ aus bem Statte.
a) Epist. Homer, p. 10 — 12. b) p. 12. 13. c) p. 13. 14.
d) p. 15. 16. e) p. 16. 17. f) p. 18. g) p. 18.
h) p. 19. i) p. 20—23.
k) Fortunani Priami cantabo. Horat. A. P. [137].
-— 197 ' —
10 2Btc nun? Qft§ roofil fo Ici^t, ^omer ju t ab ein? td^
meine fo (eici^t für un§, in unfrcr ^zit, S)en!art unb Sprache?
(g§ fotttc [(feinen. 3)enn finb roir nid^t in @cle^rfain!eit unb SBif*
fenfc^aft, unb ©tuffe ber ßultur unglcid^ f)ö^er, atä baö Zeitalter
Römers? ^ft bie 2Belt nid^t brei taufenb ^a^r älter, unb alfo
auä) oieEeid^t brei taufenbmal erfatjrner unb flüger geroorben?
^niet al\o nid^t ber 2tltüater §omer »or bem ©efd^madfe unb
Urt^eite un[er§ 3ßitalter§, roie vox bem Tribunal bcg jüngften
©erid^tS? Unb mie benn nid^t oor einem 33orfi^er unb gel)eimen
Sfiat^e bcffelben? ^d^ fottte faft glauben! ober beinal)e nid^t glau=
Ben: benn unfer 3al)rl)unbert mag in aUzm, roaS @elel)rfam!eit
§ei^t, fo ^od^ gekommen fei)n, alä e§ will unb ift; fo ift§ bod§ in
allem, maä jur ^oetifd^en 33eurt^eilung .g>omerg gel)ört, nid^t
]§öl)er; ja id^ behaupte, ba^ e§ l)ierinn bem ^a^rl)unberte gebor-
ner ©riechen, bie §omer§ ^eitgei^offen, ober raenigftens Sanbäleute
unb trüber einer ©prad^e mit il)m waren, weit !§inten nad^ fep.
SSir finb nic^t nur nid^t l)öl)er ^inauf, mir finb geroiffer ma^en
au§ ber Söelt l)inaug gerüdft, in ber .^omer bid^tete, fd^ilberte
unb fang.
.^omerä ©pracfje ift nid^t bie unfre. @r fang; ba biefelbe
no(^ blo§ in bem 5)iunbe ber artüulirt fpred^enben 5Renfd§en, raie
er fie nennet, lebte, nod^ feine ^üdier-, nod^ feine @rammatifd§e,
11 unb am menigftcn eine raiffenf(^aftlid§e ©prad§e mar. @r bequemte
fid^ alfo ben 2lrti!utationen ber ^unge feiner SRenfi^en, ben 33eu=
gungen, unb bem SBortgebraud^e ber lebcnben 2öelt, in aller Un=
fd^ulb unb ©infalt feineä 3ß^talter§. 2ßer fann i^n nun l)ören,
al§ ob er fpräd^e? taufenb SBörter Ijaben il^ren Sinn allmälid§
umroanbeln, ober fid§ in il)rem @ebraurf;e feitroärtä biegen unb
üerf einem muffen. SRüffen, ol)ne ba^ e§ jemanb wollte, unb
bemerkte; benn ber ©eift ber 3*^it oeränberte fic^. 2Ran behielt
immer ba§ Sßort, man glaubte aurf) immer, benfelben Segriff ju
l)aben; benn in ber gemeinen Sprache be§ Umganges roec^felt man
flare, unb nid§t beutlid^e ^been: unb bod^ fo, wie fid^ SebenSart,
unb ber ©cift beä ^a§r§unbert§ änberte, fo ^atte fic^ aui^ ber
— « lys ^-
intt)oI)ttenbe ©eift uielcr 3ßi3rter üeränbert. Se^r fpät enblii^ warb
bte ©prad^e tt)tffenfc§aftU(^. 2)er SBörtcrfaminkr, ber bie 33egrtffe
auä einanber fe^en, beutlic^ mad^en foEte, fanb einige üielteii^t
fdjon gar ni(^t in feiner lebenben Sprache; er wu^te xaii)cn, unb
bie 3}iufe gebe, ba^ er unter (junberten nur einmal übel geratljen
l)ätte. S3ei einem anbern befinirte er nac^ beut S3egriffe feiner
3cit: raie aber, menn biefer bloä ein jüngerer, ein abftammenber
Segriff geroefen roäre? Sei einem britten na^m er Dielleic^t gar
nur eine üerfeinernbe Sebeutung be§ ^l)ilofopl)en, eine 9Rebenbeftim=
mung biefer unb jener ©cljule, ^l^roüing, ©efte, 50tenf(^engattung, 12
unb trug fie ein. 9]un fomme nac§ brei taufenb ^al)ren ein
SRenfd^ au§ einer fremben ©prai^e, aug einer gang anbern 2ßelt,
urtl^eile unb rid^te, unb mäc!le Sßörter, fidlerer mürbe er bie Sudler
ber ßumäifc^en ©pbille in Crbnung bringen!
2Ser mir nid^t glaubt, lefe Ijierüber bie 3[5orrebe be§ arbeit==
famen ^ol)nfon§ gn feinem ©nglifc^en Sßörterbud^e, unb er mirb
cor einer ^tritif gittern, bie il)n brei taufenb ^a§re gurüd^, in
einen fo frül)en 3e^tpun!t ber ©ried)ifd^en (Sprache, alä in welchem
ber $Did;tcr ilirer ,^ugenb ^oiner fang, merfen mill. ^znn \ä)on
gur ^zxt Slriftoteles geboljrne ©ried^en über einzelne äBörler ipomerä
jraeifelljaft rcaren: werben mir alsbenn nid^t meit öfter, roenn eg
infonber^eit auf 3Bürbe ber SBörter anfommt, in ber ©prad^e be§
el)rlidf;en ©and^o ^-panfa fagen muffen : @ott raei^ , roie §omcr Ijätte
bi(f)ten füllen. '^6) rebe nic^t t)on bem ©inne beffelben, fon-
bern üon bem ©efüljle feiner ©pifc^en Sffiürbe in ber ©prad^e: unb
gum Seljufc be§ le|tern, rei d^en bie üielen ^ülfgmittel unter ben
©riei^en felbft ba gu, §omer beurtl)eilen gu moEen?
^clj gebe ein Seifpiel, baä id§ braud^en werbe. 3)a§ SBcrt
yeloiov l)ie^ in ben Reiten ber alten ©ried^ifd^en ©infalt, über-
Ijttupt, ma§ greube, roa§ Sad^en ermedet, ol}ne ba^ bieg Sad^en
ber ?^reube nod^ ein ©eläc^ter beä ©potteg fein borfte. Sag yeloiov 13
in einem 9Jlenfd^en mar ber 6l)ara!ter eineg fü^en innigen @efal=
len§: bag yeloiov in einer ©ad^e, in einer 3iebe, in einem 2luf*
tritte war 2lnnel)mlid§!eit. '^t me|r bie Reiten t)on biefer unfd^ul-
— . 199 = —
bigen ©infalt abratrfjen; befto me^r rourbe ber Segriff bc§ „Sädjer-
tilgen" barauä. 2)aä yeloiov in einem ^D^enfc^Iid^en (S^arafter
warb ba§ „Pquante" be§ 2öi|Iingeä, unb enblid) gan^ bie 3laX'
renfappe eineg ©eden: ba§ yeloiov in einem Sluftritte raarb ba§
„ Säd^erKd^e/' unb enblid^ ba§ „^Selac^enämürbigc." Sßeli^e Umroanb*
lung von ^ijbeen! SBer nun in einem alten 2)ic^ter ber Einfalt ba§
yeloiov allemal für eine ^offenret^erei nehmen mitt, meil ettüa in
ber Sateinifd^en Ueberfe^ung „ridiculum" ftef)t, unb barnad^ einen
SJlenfci^end^arafter in §omer Sängelang beurt^eiten, unb tabeln, unb
jjerbammen rooEtc, ber lönnte freiließ fein 2Börterbuc§, unb feine
Uebcrfe^ung, unb bie SJleinung einiger alten ©rammatüer auf fei=
ner ©eite §aben, nid^t aber barum aud^ ben urfprünglic^en .^oiner.
Ueber ben mu^ man nid^t auä Ueberfe^ung unb 2ßörterbu^e, fon*
bern au§ bem lebenbigen @ebrauc§e feiner ^eit urt^eilen, ober baä
fid^erfte äßort mahlen: ovy. oidal
3tt)citeng. Söenn bie tobte, bie !örperli(^e 9^atur, bie §omer
malet, fi(^ feit i()m fc^on fe^r oeränbert I)at, mie oiel mel)r bie
^iktur ber 5lienfcf)en, bie Slknier ber ß()ara!tere, bie 9Züancen, in
14 benen fic^ Seibenfd^aften äußern ! ©ine ©ried^if c^e ©eele toar geroi^
üon anbrer ©eftalt unb Sauart, alä eine ©eele, bie unfre ißdt
bilbet. 2Bie oerfd^ieben bie ©inbrüdfe ber ®rjief)ung, bie "^rieb^
febern be§ 6taatg, bie Segriffe ber 3fteligion, bie (Einrichtung beg
2ibQn^, ber Stnftric^ beä Umgangeg! 2Bic oerfdjieben alfo ba§
Urtl)eil über bie Sßürbe ber 9)ienfc^^eit, über bie Sefd^affenljeit be§
"Patrioten, über bie 5Ratur ber ©ötter, über , bie ©rkubniffe beö
3Sergnügen§, über Slnftanb unb S^äit — roie oerfc^ieben bamafö
unb je^t! ©0 raeit Sitten oon Serlin, fo meit muffen fid^ bie
^ugenbeinbrüde ^omerä t)ierüber oon bem Urt^eile cine§ feiner §eu=
tigen ^unftridjter entfernen. 2ßer bie @efd)id^te bc§ ?Olenfd^tid^en
©eifteS in allen ^wifdjenjeiten jroifi^en §omer unb un§ fennet, raer
ben UiuTOanblungen unb Sermifd^ungen ber Segriffe oon ^Jienfd^-
lidt)cr Statur , 3fteIigion, @ele!)rf amfeit , Sürgerlid^em ^ntereffe, ©itt^
famleit unb 3öo{)lftanbe in aUm biefen Qzxkn nad^gefpüret, raer
Slugen ^at, um ben Drt ju feljen, auf meldten i^n bie gufammen
200 ' —
gefegten Gräfte fo üieler 3"^i['^c^i<il^i^|wnbei;te gerüorfen ^aben, ber
tüirb in allem, v)a§ 6f)ara!ter einer 5!Jtenfc§enfeeIe ift, ungemein
rücf^attenb fei;n. @r mirb .^omer, ben ©c^öpfer 9)lenf(^Ii(|er (5l)a*
raftere, ftubiren; er mirb in ben Reiten befjelben nad^ ber bama-
ligen ©eftalt biefer fo wichtigen Segriffe forfd^en: aber, roie ein 15
Slreopagit im g^inftern urtljeilen? Slaum!
2)er SSerfolg rairb Seifpiele liefern, mie fd^ielenb e§ fep, über
ben Uebelftanb §omerif(^er ©ötter unb gelben, unb SRenfd^en nad;
ben Segriffen unfrer ^^it S" nrtl)eilen. — Qe^t raill id^ nur fra*
gen: ob ^omer liabe fehlen l'önnen, ba^ er fid^ naä) ben ©itten
feiner 3^^^ bequemctc? unb nad^ raelc^en er fid^ benn l)ätte richten
fotten?-^
§omer mu^te fid^ nad§ ben «Sitten ber ßeit t)or i^m beque==
men: benn aug biefer frfiilberte er feine gelben, unb mag er alfo
in berfelben für Segriffe »on ^elbengrö^e , .Reiben! lugl)eit unb 2ßol)l^
ftanb fanb, warb bie Safiä feineg @ebict;t§. Söenn biefe gelben-
grö^e o^ne Seibcäftärle , o§ne ©d^nelligleit , ol)ne Silbigfeit ber Sei=
bcnfc^aft, ol)ne eine eble ©infalt in fingen Slnfdljlägen, ol)ne eine
lu^ne 9iaul)igfeit nid;t beftefjen tonnte: fo mürben aud^ alle biefe
ßl)araltere feinem @ebid;te eigen.
Stuf fold^er ©runblage ftanb fein ©ebäube: ®in ©ebid^t für
feine 3cit. 3)ic Sorftellungen ber oerfloffencn ;3tt^i"|unberte foll=
ten in ber ©prad^e feineg Qdtaikxä, nac§ bem ©efü^le eine§ ©an-
gerg, ber in biefem ßc^^olter gebilbet mar, nad^ bem Slugenmerfe
einer 3öelt üon 3wl)örern, bie naä) il)rer ^eit bad)ten, »orgefteKet
merben: fo fang .gtomcr, unb anberg tonnte er nid^t fingen —
©in Sarbe üoriger Reiten für feine i^nt. 3Ber fic^ in biefe 16
gurüd" fe|en fann, in ©rjie^ung unb ©itten, unb Seibenfd^aften
unb 6^ar altere, unb ©prad^e unb S^teligion — für ben fingt -gomer,
für leinen anbern.
@g ift lädCierlid), Dom ^omer; fobern, ba^ er fic^ nac§ ben ©it=
ten einer funftigen 3^^^ l)ätte rid^ten foUen. 2)aju gehört &ah^
a) Epist. Homer, p. 24.
— ' 201 . —
bcv SBeif jagung, unb nod§ trag iitc^r, bie ©abc unmögüd)c SDinge
ju t^un. 2Bcnn ratr fobern, ba^ ^omer für unfre 3ett unb ®en!==
art f)ätte [d^rciben fotten, fo f)ätte e§ ein alter ^nbianer unb ^er*
fer , ber .^oineren in feiner ©pradje Ia§ , auc^ ^ fobern f önnen ! <Bo
aud) ein fd^olaftifd^er Tt'6n<^ be§ funfgetjenten ^i^^^'^jwnbertä, wenn
er ükr ^oincr fam! fo aud^ ein ^ottentottifc^er ^unftrid^ter, toenn
einmal ber ©eniuä ber SBiffenfd^aften ©uropa oerlaffen, unb mit
Homeren in ber §anb nad^ bem Sßorgebirge ber guten Hoffnung
gießen mirb! fo aud^ ein jeber ^l)or »on ©infiebler, ber auf einer
©äu(e, wie ©imon ber Stplite, alt unb grau mürbe! 2(tte mer=
ben algbenn im vereinigten 6^ore mit unferm Sateinifd^en ^errault
anftimmen !önnen : * Homerum dormitasse aliquoties , apparet.
Quod iis in locis inprimis patere existimo, ubi . . . suae aetatis
moribus inservit nondum politis satis, & cum simplicitate rusti-
17 cum aliquid & asperum habentibus. Unb maä mürbe auä §omer,
menn er fi(^ na^ iebem ^unftric^ter §ätte rid^ten motten?
^'fein! mein §omer fott fidj nidit nad^ meinem ^^itatter gcrid^=
tet l)aben, bie ©itten beö feinigen mögen fo meit a6ge£)en, al§ fie
motten, ^d; hin gu Befd^eiben, il}n summam vim & mensuram
ingenii bumani gu nennen : ^ benn roer bin ic^ , ba^ ic^ bie gef amm=
tcn Gräfte ber 9Zatur mögen, unb baä 93iaa|5 erfaffen mottte, ba§
bie 3)tenfur be§ 5[Renfd^Ii^en ©cifteö entl)ält? 9Ber bin i<^ , ba^
iä) bie Sinic jieljcn tonnte : fo l)0(^ reid^t ^omer , unb f o f)od§ tann
ber 5Dtenfd§lid^e ©eift reid^en! (So fe^r i<^ ii)n, aU bie äble @rft*
geburt ber fd^önen SDid^terif d^en ^JZatur in ©ried^enlanb, liebe; fo
gern idj it)n, al§ ben SSater affer ©riedjifd^cn S)id^ter, neretire: fo
blöbe bin ic^, i§n, als ben Umfang, alö bas 3Jiaa^ be§ SJienfc^^^
lid^en ©eiftcö, ju betrad^ten: fo blöbe, eg abmägen §u motten, mi^
a) Epist. Homer, p. 24.
b) p. 19. 3(^ iveiö btefen ^luSbrud, aU Qtwö^nlidjt Satetnifc^e ^lß1)xa.^
ftö; attein xd) mag feine '^^rafiS, bie eS urfprüngtid; nic^t wax, bie feine
SSa^r^eit l^intev ftc^ '^at.
1) 21: ber aud; Homeren ... la§, fobern fönnen.
— . 202 —
aucf) nur bie 2)ic^terifc§c 3^atur if)re Gräfte in iJ)m er[rf)öpfet.
@o lange wir StpoIIo nt^t ben 2öunf(^ erfüllet, bie 3DletamorpI}o[cn "
be§ 3)fenfc§lic§en ©eifteg au^ in einer fold^en ?OIetamorp{)ofe met-
neg ©eifteg burc^roanbeln nnb burdileben ju fönnen: fo lange id^
nid^t mit ben ©Brciern ein @6räer , mit ben 2trabern ein Slraber, 18
mit ben ©lalben ein ©falbe, mit ben Sarben ein 33arbe, toefent^
Iid§, nn'D burc§ eine Umroanblung meiner felbft geraorben bin, um
5[Ro|eg unb §iob, unb D^ian in iljrer 3eit unb 3^atur gu füllen:
fo lange gittere id§ vor bem Hrtljeile : „ §omer ift bie ^öd^fte SRaffe
„gefammelter Strafte beg ^^oetifd^en ©eifteä, bag Ijöc^fte 9)ka^ ber
„3)i(^terifc^en 9Zatur." Unb ift frfion bei (Siner einzigen ©eite ber
Statur, unb beg ?[Renfd^lid^en ©eifteg, alg Sic§terifc§eg ©enie ift,
ift ba bieg Urtl)eil fd^on fo ferner: raie lann id^ ben Umfang
gefammter ©eiftegfräfte, bag 5)ka^ ber gangen 9Jienfd§ennatur in
tl)m berechnen! 3ßo mei^ id^, ob bie ^ftatur bei Silbung eineg
Sllcibiabeg unb ^eritleg, unb ©emoft^eneg , alg ©efc^öpfe iljrer
3eit betrachtet, fid^ nid^t me^r erfi^öpft, alg bei §omer? S[Öo
raei^ id^, ob ein ^lato, ein S3aco, ein Stemton,"
— — bag S^d erfd^affner ©eifter,
biefer bilbenben 'DZutter nid^t mel)r in il)rer Strt gefoftet, alg ^oiner
in ber feinigen? ©in fold^er Sobfprud§ geljt ing Ungeljeure; unb
rocnn ^omer summa vis, & quasi mensura ingenii humani ift, fo
tüirb ber, fo i§n nod^ beurtl)eilen unb tabeln lann, ein oolliger
Hebermenfi^! lieroorragenb über bie ©djranfen beg 9Jienfd^lic^en
©eifteg. $Da trete ic^ jurüdf, um ben Iritifd^en ©Ott anzubeten.
^ä) betrad^te .^omer blog , alg ben glüdlid^ften ^oetifd^en ^opf 19
feineg :3tt^i''^nttbertg , feiner 3^ation, bem feiner oon allen, bie
xijn nadialjmen raolltcn, gleid§ fommen fonnte; aber bie 3lnla=
gen gu feinem glücflicljen ©enie fud^e id§ nid^t au^er feiner 9^atur,
unb bem Qtitalkv , bag il)n bilbete. 'i^e mdjv id) biefeä fenncn
lerne, befto mel)r lerne id^ mir ^omer erflären, unb befto meljr
fd^roinbet ber ©ebanfe, i^n, „alg einen Siebter aller 3eiten unb
„SSölfer,"' nad^ bem Sürgerred^te meiner 3^^t unb Station, gu
-^ 203 ^-
kurtljcilcn. 9tur gar gu fe§r ^be td^ä gelernt, raic roeit wir in
einem Zeiträume jroeier ^al^rtaufenbc oon ber ^oeti[c§cn 9latur
abge!ominen, eine gleid^fani Sürgerlid^e ©eek erijalten, roie wenig,
xi<n6^ ben ©inbrütfen unfrer ©rgieiiung, ©rierfjifd^c ^^latur in ung
rairfe! lüie weit ^uben unb ßt^riften un§ uutgebilbet Ijaben, um
nid^t aug eingepflanzten 93egriffen ber 5Ji9tI)oIogie auc§ über .^onterö
©Otter ju benfen! wie roeit ''Dtorgenlänber , Monier, g^rangofen,
33ritten, .Italiener unb SDeutfc^e, xo<inu i(| ben Stoufjeaufd^en Slug^
bruc! lüagcn barf , unfer ©eljirn t)on ber ©riedjifd^en S)en!art raeg^
gebilbet t)aben wögen, raenn rair über bie 3Bürbe ber ?Oienf(^Uc|en
Statur, über i^elbengrö^e, über bie @rnft§aftig!eit ber (^popee, über
3u^t unb Stnftanb beulen! 2Bie gelehrt mu^ alfo ein 3tuge fepn,
um §omer gan§ in ber Xrac§t jeineg Zeitalters feljen: roie geleiert
20 ein £)l)x, il)n in ber <Spra(^e [einer 9iation fo ganj l)i3ren: unb
mie biegfam eine ©eele, um ilc^etn Ijat ben Dli^mp aufgeflärt: bie SBolfen
finb oorüber. Sie 9iu^e, bie ^immlif(^e greube befuc^t bie SBo^«
nung ber feiigen ©ötter röieber : ber fü^c 9Teftar fliegt für alle :
bei allen finbet fid; bas unjerftörbare iscrgnügen, bie unauglöfc^-
— ' 211 . —
Itd^ ewige ©eltgMt roicbcv ein, unb fängt an, 'iio. fie SSulfan fo
gefdjäftig ju i§rem SSergnügen fel)en:
^oßegog ö^aQ evcogro y£?uog fxay.aQeoot Qeoioiv
Q.g idor Hrfaigov dia dcof^ata Ttoiixvvovza.
©0 fc^maujen fie ben ganzen ^ag I}ina6 bi§ jur untergel^enben
©onne : i£)r $cr,^ kgel^rt nichts : fie fpeifen SCmbrofia be§ §iinine(§,
fie t)ören bie ^xikx be§ 2tpo((o , imb ben SBed^felgefang ber 9Jiufen :
fie gef)en enblid^ üergnügt jeber in bo§ §imin(ifd^e ©emad^, ba§
i()ni ber fünftlid^e arbcitfonie 3sulf an erbauet : ;5wpitcr felbft befteigt
fein Ijot)e§ fönigli^eä Seite, unb neben \i)m bie auf golbnem
^^rone :prangenbe l^w^o ' — ©elige ©ötter ! feiige 2öo{)nungen
be§ DIt)mpu§!
32 3Bie |at nun SSuIfan feine ©ac^e au§gerid)tet ? ©tanb er
auf, um einen lahmen ©aufler ju niad)en, unb nid)t§ niet)r?
Unroürbige SsorfteKung : §omer erroedte if)n, um bie ©ötter au§
einanber p bringen, um beut Dlpmp ben ^rieben ju geben, ©r-
reii^te er biefen '^m^ä burd; ^offen, burd; ©aufeteien? 9iod;
unraürbigerc SSorftettung: er fprid;t fo anftänbig, fo d;arafteriftifd;,
alg ein 3Sul!an nur fpred;en fann, unb f)ier nur fpredien foKte.
Säuft brittcns ber 2Iuftritt auf ein ^öbelljafteg ©eUic^ter f)inau§,
baö fidj S3audj unb (Seiten ftentmet, unb fo fortmä^ret? Tiod)
uniüürbigerc Qbee, nid^t iDcrt^, bie feligcn greuben beg DlpmpS
au^ nur t)on fern ^u fefien. Unb cnblic^: mar gar bieg ^öbel-
gelädjter §omer§ ©nbjroed? — — ^c§ merbe unmillig: mer bie
gange ©pifobe burc^ an nid;t§ als an 3SuIfan§ t)infenbem ?yu^e,
unb an ben artigen ©rinxa^en be§ 9)hmbfc|en{en feine 2lugen mei*
bet, raer nid;tg bei §omer q(§ bie§ fic§t, mer alle ©ötter I)ierinn
nac§ ftd) beurtf)ei(t, bem fönnte es in biefem §immel, roie Dormal§
bem 3?ullan felbft, get)en: ber kc^e lieber in ben S3ufcn!
Homerus loco admodum inepto, dum risum lectorum captare
voluit, non levibus carnien divinum maculis adspersit, quae Uli
non exiguam deformitatera , lectorique molestiam concilient. Huc
referre potes locura, uhi deum Vulcmmm Mstrionem agere mhet.
14*
— = 212 . —
Quid enim aliud agit, quando diis vinum infundit ^ qui claudum 33
huno pincernam magno risu proseguuntur? etc. §r. ^l. geftel^e bei
btefer ©teile,* entraeber, ba^ er b'Slrgenfon, ober ber Sateint*
fd^en Ueberfe^ung §omerg gefolget, ober roemgftenä §omer ntd^t in
feinem gangen ©inne nef)me. ®ie gemeine Sateinifi^e Ueberfe^ung
freiließ, bie raei^ t)on einem immonso risu excitato, unb einem
S3itaube ift§ auc^ gu vergeben, raenn er ben gangen §immel§faal
Don ©eläd^ter ber ©ötter über baä Saufen xinb 3ftennen S^utfang
erf drallen lä^t: (tous les Dieux, qui le voyant s'agiter et courir
de tous cotes , fönt retentir d'un rire eclatant la voüte Celeste).
Qn ber ©pra{^e §omer§ aber, nnb infonberlieit in ber einfältigen
©prac^e feineg ^^^talterg ift „ber acßegog ysltog ber feligen
©Otter" lein xmmürbiger, unanftänbiger 2(ugbru(!: er begeic^net
bie eroige §eiter!eit, bie ungerftörbare 3^reube, bie i^re ©tirn xvk^
ber einnal^m, ba§ feiige Säckeln, ba§ bei bem Slnblidfe be§ ?Reltar*
fd^enlenben @otte§ auf ifirem Slntli^e fc^roebte. SlllerbingS gugleid^
ein Heiner ^ua, Don Suftigfeit über feine ©eftalt, unb ba^ er feine
©ai^e fo raol)! gemacht, mifd^et fid§ ein; burc^aug aber fein unenb*
Ii(^eg ^öbelgeläd^ter über einen l^infenben, roadelnben ©aufler;
burc^aug tritt S^ulfan nid^t auf, einen folc^en 9krren üorgufteI=
len, an bem man fid^ fatt lachen folle. 2Ber ift ber ^omerift, im 34
©eifte ^omerg, ber il)n unb feinen 33ulfan, unb feine ©öfter gu
fold^em ^öbel erniebrigen fann!''
^ä) roenigften» nid^t. 53ei mir erreid^t baä ©efd^äfte ä^ulfang,
bie ^uno, unb ben Jupiter, unb ben ^immel gu befänftigen, feine
äBirfung mit jebem neuen S^erfe. SJtit jebem fül)le id^ gleid^fam
a) p. 25.
b) 36) ^offe bo(^ nic^t, bafe man mir 'ijJlato'g Urt^eit (de Eepubl.
L. 3.) bagegen anführen lüetbe : beuuH^tato toill ^icr, wie er, ober ©oftateS
in anbern ©tetten, feinen Ausleger J^omerS, fonbcrn ben S[Rorattften , ben
@taat§tel^rer feiner ä^it au8 §oniev ma(^en- llnb fd;timm gnug, trenn
ber '^öhd ber ®rted)en btefe ©teile fo na^nt , wenn er bie (Sötter fid^ §ier=
au8 atS (piloyslcoTccg bad;te, unb it;neu luenigften^ im ©eläc^ter nac^ftve-
ben nioüte!
— ' 213 ' —
einen gdinbcrn @rab üon bcr iöcrocöung bcä ©turmeö, mit jobciii
einen neuen fünften 2lbfall §ur 9iu^e beg DltiinpuS: bis burd) alle
©tiiffen bcä geiuinbevten ©djraungeä bic feiige ^reube, baö Ijiunn*
tifd^e Sad;en ber ©ötter 'i)cxx>oxhxi<i)t , unb nun baä frolje 3tni6rO'
fifc^e g^eft anfängt. iBuIfan luai* ^yricbcnäftifter , a>ulfan bcr ©cber
be§ j^efteg, unb .§omer crneuret noc^ baä gute Slnbenfen, baä er
fid^ biefen 2;ag geftiftet, baburc^, ba^ bei bent ©d^Iuffe beffelben
jeber ber ©äfte in bas ©emad; geljt, „baä i^nen 33ulfan erbauet/'
— 5lienianb iann fic^ eine Seele gtben, bie ßr nid^t l^at: aber
35 mic§ bün!t , ba^ üon |ebem bef änftigenben 33erfe .^omerg , (nac^
Suciang Stugbrude'' bei feinem ©benbilbe ber ©c§önl)eit,) eine
i^onigfü^e gpur in mir jurüd bleibe, ba^ mit jebem 3Borte fid;
bei* 3lufru§r ber l)immlifc^en Unrul^c mef)r bänbige, unb enblic^
•bei bem älugbrudje ber fcligen unjerftörbaren .^reube bleibet ein
©d^o gurüd, bag mid^ bie ßitter beg 3IpoHo unb ben ©efang ber
5Jlufen l^ören lä^t, unb fo fd;lie^e id^ .^omerg erften ©efang.
3.
Unb fo begleite id^ it)n aud; bei ber ©cene ^I^erfiteg. ^mn
^t. ^lo^ biefelbe nid^t aug ber Sateinifdjen Ueberfe|ung beurtf)eiltc,
fo mürbe er !aum bag yeloLov^ fonbern bag aiaxQov ju i^rem
^auptc^araf'ter mad^cn : roenn er fie nid^t aug bem 3ufammenl)ange
riffe, fo mürbe er finben, ba^ fie nid§t blog an il)rem Drte ftel)e/
fonbern aud^, roetd^eg nod^ lü^ner ift, nirgenbg anberg ftet)enfönne:
unb mmn |)r. ^l fid^ auf bie Reiten 3id§iIIg unb ^omerg erin*
nerte: fo mürbe er finben/ ba^ bag ßolorit beg 9Zieberträc^tigen,
^öbeU)aften, ^ä^Iid^en im Sl^fierfiteg Original ©ried^ifc^ fei;, nad§
ben ©itten ber bamaligen 3eit i^^t anberg, unb nad§ bem ©pi-
■A) Ti Xd'rjjavov IvdiaTQißstv, y.al TTeQißo/j-ßeTv rä (ora xa&dnsQ
ijXM Tiva TtaQarHvaaav ttiv axQoaaiv, xal ix^ij tüv loywv fxski/Qa
«TT« X. T. l. Lucian. tixov. [13]
b) p. 31, c) p. 31. d) p. 32.
— . 214 . —
fdjett Qmtä(^ ^omer§ ni(^t fd^roärger, unb nid;t lüci^er fe^n t'önm. 36
§icr ntu^ ic^ alfo igx. Mo^zn üerlafjen ; beim er rebet mir S3ogett*
lang mn einem ^offenrei^er, von einem unteiblid^en ©auf (er, t)on
einem befd^roerlic^en unanftänbigen Sa($enern)ecfer t)or, ben ic§ nic^t
!enne.
Seina^e eben fo tief ift§, raenn er ben Qant Utpffeä unb
^ru§ tabelt." 3Ba§ biefeg ©ejänf in ber Dbt)ffee^ ift, ba§ finb
bie ^ii^^ereien jmifc^en %ä)ilUä unb 2tgamemnon'' in ber ^zU
ben^^liabe, nur nac^ SSerfcfjieben^eit be§ 6toffeg unb ber 5!Jien=
f d;engattung : S'^^^^ hkibt an fic§ S'^^^- ^^^"^ ^«^^ ^^^fer ^aber
unter SRcnfrfien, ift ber ^ciitf unter ben ©öttern, ber fid^ noc§ mel^r
unb öfter auägeid^net. — Unb roaä biefer; ba§ finb i)unbert ©ce-
nen, bie aläbenn aug ^onicr megmüffen, raenn eine folc^e ehrbar
feine ßritil unfreä ^c^^S^^oflcn gelten follte, fein §elb ber ^liabe,
bie raenigften Stuftritte ber Dbpffee finb aläbenn für unfern 3^^-
luä: benn f)ei^t eg auf§ neue:
— ibis, Homere, foras.
'^znn eä barauf anfäme, fönnte ic^ ^x. M. felbft noc^ eine 9teit)e
unmürbiger , unanftänbiger , unartiger 3^0*^ ^''^ §omer anfül^ren,
„wo §omer gefd^Iummert, afe metc^eg, i^ glaube, au§ ben Der^
„tern erf)ettet, roo er fid§ ben ©itten feiner ^zit bequemet, bie
„no(^ nic^t gnug gefeilt, bei itjrer (äinfalt ztmaä S3äurifd;e6 unb 37
„3ftauf)e§ I}aben, \m er fic§ gu bem t)erablä^t, roaä ber SBürbe
„unb @r£)aben^eit be§ ©pifc^en @ebi(^t§, raie id^ ad§te, gar nid^t
„gejiemet: roo er benifelben nid)t leidste "Jled'en angefpri|t, roo er
„eä nid^t auf eine geringe 2trt ücrunftaltet, mo er bem Sefer einen
„nid^t Ikinen 33erbru^ erroedet." Ueber alle§ fönnte id^ mit vk^
fen S3eifpielen auf märten, unb alsbenn im mürbigen %on auf
§omer fd^mä!)en; ob aber barauö ^omerifd^e Sriefe, ober eine
©at^re mürbe: mag ber Kenner ^omerg urt^eilen, unb ©ott
Sob! ba^ 2)eutfd§(anb malere Kenner §omerg befi^et!
a) p. 25. b) Odyss. L. 18. c) Iliad. «'.
— . 215 > —
:^e|t nui^ iä) ^omcv »crlaffen, bcnn iä) fcljc, ba^ .^r. Ä(o|,
^otniQ, rote bie ©öttinn 2ttc kt ^otncr, auf bcn köpfen bcr grö=
^eften ©enteg aller 3^^^^^ wnb ^ölUx tüanbelt." „Säd)crHc§c§ mit
„bem ©rnft^aften, mit bem ^f^ad^bvucfe ©d§ev^, unb bas ©ro^e
,, mit bem 5Ziebrigen t)ermi[c^en, Ijat ^u aller ^e^t für unanftän=^
„ big angefe^en werben follen , mu^ t)on jebem getabelt roerbcn , es
„fer) hznn, mer mit Sopej bi Siega glau6t, eä ftel}e il)m
„frei, mit 58ernaci§lä^igung alter Siegeln, maä unb roic cr§ rooKe
„ üorjubringen , unb ba§ 2öal)rc mit ber %abd, bie ^omöbie mit
„bem ^rauerfpiele , ba§ Säd^erlii^e mit bem @rnft!)aften fo ju »er*
38„mif(i§en, ba^ aller Unterfc^ieb groifd^en bem ©occu§ unb
„^otliurn aufhöre." Unb ba§ follte 2op^ bi SSega geglaubt
l;aben? 3)ag fann §r. ^lo| »on einem 5Dianne fc^reiben, beffen
S^amen i^m ©lirfurd^t erroecfen follte? S)cr ©panifc^e Siebter mag
felbft reben,*" er mirb boc§ beffer miffen, mag er glaube, ober
nic§t glaube, al§ ^x. M. „S)em §immel fei gebanft, nod^
„e^e id^ Döllig jelin ^al^re gemefen bin, ^abe ic^ bie
„^üc!§er burd^gelefen, bie t)on ben Siegeln ber brama =
„tifi^en ©id^tfunft l)anbeln. Stlä iä) aber ju fc^reiben anfieng,
„fanb x^ bie ^omöbie bei unä befc^affen, nic^t mie bie 3llten
„gebadet l^abcn, ba^ man fte nad§ i§nen einrichten mürbe; fonbcrn
„mie fie üiele Unraiffenbe oerunftaltet , bie bem 2?olfe iljren^ gro==
„ben @efd)ma(f beigebracht 'i)ah^n. SDiefer fd^led^te ©efdjmacf
„ift fo fel^r eingeriffen, ba^ berjenige, ber e§ magt, nad;
„ben Siegeln ^u arbeiten, in @efa|r ftel)t, olinc Stu^m unb
„^elol^nung ju fterben; benn unter Seuten, bie fic| ber 33er=
„nunft nid)t bebienen wollen, oermag bie @erool)nl)eit mel;r,
„alä alle 33orftellungen. ©ä ift mal)r, ba^ id§ gumeilen ben
„Siegeln ber ^unft, bie fo menige fennen, gefolgt bin; fo
„balb id^ aber, auf ber anbern©eite, jene blenbenben Ungeljeuer,
„moju bag 3]olf fc^aarenraeife läuft, unb meiere ba§ ^-rauenjinuncr
a) p. 32. 33. b) 91eue SBifct b. \ä). 2B. 1. 8. 2. @t. p. 213.
1) 2t: biefen
-^ 216 ^-
„nergöttert; fo Batb id§ biefc auftreten fel)c, fo !cl)re td^ fogleic^ 39
„^u meiner barbarifd^en ©eröoljul^ett gurüd, unb mmn xä) eine
„Äomöbic fc^rciben foll, oerfd^Iie^e id^ gefd^roinbc ben Slri-
„ftoteleä unb ben ^oraj unter 5 ©d^töffern, unb tege
„ben Stieren^ unb ^Iautu§ an§ meiner ©tubterftube meg,
„bamit fie nid^t ju üagen anfangen: benn bie SBal^r'^eit
,4 d^ reit auä uielcn Sudlern laut t)ert)or, u. f. m." 9iur
ein .^r. c^Io| fann alfo fdöreiben:" Lupum Felicem de Vega,
Carpionem persuasum hahuisse ^ Heere sihi^ omnihus praeceptis
neglectis, q^mseunque res, quocunque modo in scenam produccre
etc. iit omne socci et cothurni discrimen tollatur.
5ßon einem ^erfuleä gef)t§ jum anbern, com ©panifd^en
.^omer jum 33ritti[d^en : von Sopeg jum ^Jitlton.'' ,, ©o mie in
„großen 3?or;;ügen, fo ift aud) "^icrin 3JliIton bem §omer gleirf;:
„id; fel)e i[)n fd^crjen unb fpotten, mo er ernft£)aft unb nad)*
„brüdlid) fein fottte." ^Jiun merben ©teilen angefül^rt, bie längft
in (Snglanb fetbft bcffere 3:;abkr unb juglcid^ i§re 3^ertf;eibtger
gefunben, ber ©treit ©abrielä mit bem ©atan, ber bittre ©pott
im 'T]^unbe ©atanä, ber Simbuä ber ©itelMt u. f. m. $r. M.
fdjiage 3lbbifon, ober bie erfte beftc (SngKfd^e äluggabe 5RiItonä
mit 2lnmertungen , ober and) nur unfere ältere gute ©djmeijer*
überfe|ung auf: — er mtrb finben, ba^ feine SSormürfe mieber^
|olt, mit ©riinben üorgetragen, unb mit ©rünben mibericgt — 40
oerattet finb.
SKit ©rünben ucrattet:' unb er fjat geglaubt, @rünbc nid^t
anfüf)ren ju börfcn. "Der ©a^ fetbft: „in einem (Spifdjen ©ebid^te
„mill man ernfttjaft fei^n, folglid) fott man nidjt ladjen, fotglidj
„foE ftdj aud^ feine ©pur beä Säd^erlid^en einftel)len/' bünfte il;m
@runb gnug: er ir)iebcrI)olt iljn alfo alä ein SJti'iom, ba§ mo^
gar ein §auptgefe| ber ©popee roerben fönntc. ©in fold^es furd^t^
bare§ .^auptgefe| über bie I)öd;fte ®id;tung§art be§ 3)Zenfd)Iid§en
a) Epist. Hom. p. 33. b) p. 34. 35.
1) iBetfc^rieBen ftatt: »iberlegt (?)
— « 217 . —
©eifteg üerbtent bod^ , c^e eö fo unBeftiimnt cin(]cfü|rt unirbe , eine
33erat§[(f;Iagung.
SDcutlid^ untcrfd^ieben I)at ba§ ^roBIciu ücrfdjicbnc Seiten.
Robert cg btc Proprietät bc§ (äpifd^en ®ebid;t§, unb bic (Son-
gruenj aller 33f)cile beffelBen , ba^ !ein ^ug beä Särfjerlid^cn erfrfieinc?
Dber fobert e§ ineine ©mpfinbung, jebe SciDegung ntcincr ©eele,
bic fiel; jum Sad;cn neiget, ju unterbrücfen , um nidjt bie ©pifd^e
3öir!ung in wir ju fdjrüäd;en'? ?^obert eä bie SBürbc @pi[(^er
^erfonen, ba^ fie nid^t lüd)m, ober bo| id) nid;t über fie kc^c? —
Tiix fdjeint bie k^k g^rage bie fa^lidjfte : Süffet un^ a(fo bic @ad;e
am leid^teflen @nbc angreifen.
g^obcrt eä bie ^Sürbe ©pifdjer ^erfoncn, ha^ id) nid)t über
fie ladjcV burdjiücg ladjz, fo lad^e, ba^ bie§ bcr %on meiner Ünu
pfinbung bleibe — rocr fann nod; fragen? 2(ug bcr (Spopee mirb
41 algbenn eine S3urlcg!e, ein tomifd^eö ©ebidjt: ober menn bcr ©id^-
ter eä eigentlid^ nic^t eimnat gum ^J^ede Ijatte, 2ad]cn 511 erregen,
unb erregt e§ bod^: fd^afft er ©fei, 33erad)tung, Slliöücrgnügen.
SBürbig fer) bcr ©pifd^e ^clb ; nid^t aber feinem .^auptdjaraftcr nad)
Iäc^erlid§.
3)aoon alfo toar bic 3tcbc nid;t; aber fann ber i^clb nid)t tjie
unb ba eine Slö^e oerratljcn, bie lädjcrlid; fei;? ^d) bitte f)ier
ben Untcrfdjicb 5iüif(^en läc^erlid) unb b da djcnäiu er tfj ju
beobad)ten. ©0 balb b^t S^dh aud) nur in einer i^ß^^^ti^ttö ^^^^
Seite giebt, bie nid)t anbcrä, alä beladjcnärocrtf), fcijn fann;
aber belad^engiüertl) nad^ @runbfä|en, unb mit Siechte :• freilid) fo
I)at fid; bcr Sidjtcr mit biefem Süq,c felbft gefd)abet; bcnn nid^tö
fjcbt bic Sffiürbe feiner ^^crfon fo feljr auf, aU biefer 2lnftrid;.
2)en 33eIad;cnSn)crtl;cn oerad^ten mir juglcidj: er bünft uns nie-
brig : unb roie üiel ocrliert nn @pifc§eä Subjeft , eine Gpifd^c |)anb=
lung, bic bieg märe?
.^ie^cr ber SSorfaff Uhjffcg mit ^rug" — märe er roirflid;
nieberträd^tig unb unraürbig oon Seiten UIt)ffeg, ücrminbcrte er
a) Odyss. 0' v. 1—110.
— . 218 . —
bie .§oc^acE)tung , bie mx für bert alten, ujett gereifetcn, abgehär-
teten Wlann Ijabcn, müßten lotr in ber 3^oIge üeriüünfc^en, i^n in
biefer Situation gefannt gu ^ben; aEerbingg unterfd^reibe i^ al§-
benn: Iri cum Ulysse concertatio epici carminis gravitatem 42
minime decet. Söer aber, ber §omer auc^ nur auä ber Heber-
fe|ung fennet, roirb bieg finben? 2)er arme Ult)fje§, fo roeit
fjcrunter gefommen, ba^ er vox feiner eignen %i)üxz in .3tt)a!a
enblic^, alä ein etenber jerlumpter Settier, anlanget: unb, fiefie
ba! ftö^t i§m ein anbrer Bettler in ben 2öeg; ein 33ettler von
einer ganj anbern 2trt, ber frä^ige, nic^tsroürbige ^ru§. S>iefer
Süberlid^e raill jenen ei^rraürbigen @rei§ üon ber S^^üre raegbrän^
gen, raegfto^en, roegfd;recfen ; unb lU^ffeö, je^t nid^tä, als ein
33ettrer , antroortet i§m fo ru^ig , fo unneibif^ , aber aud§ mit fol-
d§er gefegten ?yaffung, ba^ ber anbre, roie es auc^ bei gelehrten
Bettlern geroö^nlid^ ift, nur gu Schimpf = unb ©c^eltroorten feine
3uf(u(^t nimmt. 2)er anraefenbe ä(ntinou§ l^ört 'o^n SettlergoIiatJ),
freut fic^ nad^ feinem (S^arafter barüber, erjältä ben ^^reiern ber
'^enelope, unb f)at ben luftigen ßinfatt: ber Qu^S^ wnb 2llte foE=
ten fämpfen — freilit^ ein ©infall, ben nur bie Seele eineg 3tnti=
nouä für fc^ön galten, unb nur Sc^roelgcr, roie feine 3)Iitgenoffen,
bittigen fonnten. 2)er umxtannk ©rei§ rebet miber bie Unbittig^
feit beä Sorfd;lage§ , ben man il)m , einem alten 2)lanne , tljue ;
aber, ba Ijicr bie Sac^e feiner @§re, alB 33ettler betrachtet, unb
alä ein hungriger bie Sai^e feineg SRagenä im Spiele ift: fo faf-
fet er ©ntf^lu^. 6r gürtet fic^, unb felbft bie üppigen 3ufc^auer 43
bcmunbern ben 33au feines .^elbenförpers. @r ermäget, ob ©in
Sd^lag feinem 3itternben, fc^road^en, unb au§ ^rä^igfeit entnerü-
kn ©egner ben !Job geben fotte; unb feine ®ro^mut§ fprid^t ba§
milbere Urtl)eil. ©r fd§ont beä ©lenben: ein 33adfenftrcid§ ift ^u
feinem Siege, ,5u ber (Sntmafnung feines unraürbigen ?^-einbe§
gnug: ba liegt ber jämmerlid^e ?Dtenfc§ blutenb unb ol)nmä(^tig.
Ulpffeg rid^tet il)n an bie SBanb auf, unb giebt il)m feinen Sett^
lerftab in bie §anb, um §unbe roeg gu mehren, nid^t um über
-Bettler ben c^errn fpielen gu raotten.
— « 219 . —
2ßa§ ift nun in ber ©eft^idjtc Uniüürbtges , Unanftänbigeg
für bcn lUt)ffcä'? 2)a^ er jum 33cttlcr Ijcruntcr gd'ouimcn? ©o
niu^ man ben gangen Sauf bcr Dbtiffec, baä ©ubjeft beä gangen
©ebid^ts änbern. ©o mn% bte SRufe ^outcrä gar nic^t ben befin^
gen, ben fie befingen roottte:
avÖQa /tolvTQ07tov — — og f.iala jtolXa
jcXayyßrj — — —
üo'kXiov d' avi)-Q(.oyaov lÖEv agea, vxa voov eyvcj
JJoXXa (5' y ev Ttovroj Ttad-ev alyea ov yMta S-if-iov
^4Qvv(.ievog riv te ipi^'/Jp' — — —
<Bo fc^reibe man eine beffere, anftänbigere , artigere Dbgffee, bie
i^ren gelben im 3SoI)Iftanbe laffe, i§n in bem 2trme einer ©öttin
nac§ ^tt^afa trage, auf ein meic^eä ^olfter fe|e, unb mag man
M mel^r für 2)ecenj !^inein gu bringen miffe. Qd^ mag fie nid^t lefen,
!ein ©riedje roirb fie lefen rooEen.
Dber ift§ unanftänbig, "oa^ Ulriffes fic^ bem unoerfd^ämten
33ettler nic^t gleid^, al§ §err be§ ^aufeg, al§ Ul^ffeä, al§ Jlönig
entberfet — mal^rlid^! eine tüürbige, fetjr gelegene, feJir glaubmür-
bige, fet}r @pifc§e ©ntbecEung!
Dber, ba| UIt)ffeg ben g^reicrn bei feiner ^enelope fidf)
nad) iljrem ^umut^en mit einntal üerratf)e? SBieber ein mürbigcr
3SerratI), ber nic^tä mel^r, alä ben gangen Sauf ber Dbpffee, ftört.
Dber , ba^ er feinem 33ettter begegne '? ©o mirb aber in ber
fiä) nä^ernben ©ntbecEung eine Südfe; unb ein cgiauptaugenmer!
Römers »erfc^minbet , ba^ ber ai'riQ ^rolvTQO/rog fi^ auc^ in bie=
fer tiefften Situation, a(g ein UIt)ffe§ ytolcTQO/tog geigen fottte.
,3n bem fid^ gubereitenbcn 2(u§gange gefc^ie^t ein ©prung —
unb i(^ mag biefen ©prung nic^t. ^c§ railt gerne ben UIt)ffe§,
al§ einen 33ettler, fefien, roenn er auc^ nur in biefen Kleibern
meine 2tc^tung, alg Ulr)ffeg, fic^ gu ermerben mei^; unb mie feljr
raei^ er biefeä? ©o, mie bei feiner ©ürtung unb ©ntblö^ung,
feine -Spelben^üfte, feine erijabne 33ruft, feine ftarfen Sinne, fein
— ' 220 —
oefter Slücfcn bcn c^elben aud^ im ScttlerSrotfc üerratljcn:'' fo foH
biefer ©ieg cor ber Bä)wdk , unb üor ben Slugen [einer fd;tüel= 45
gerifc^eu j^einbc bag ^^or^cid^en fei)n oon großem 2^(}atett im ^aufe,
üon uncrmartetertt ©ntroidelungen. 5^irfjt5 ift, maä ben gro^mü=
tt)igen unb tapfern Uli)jfe§ au6) t)ier erniebrigt; üielmeljr mürbe mit
2lu§Iaffung biefcg 3Iuftritte§, bie Steigerung feiner ®ntf)üllung,
unb ber fanfte allmälid^e ^ortflu^ ber gangen Dbtjffee ge§emmet.
2Bo ift nun ba§ Selad^engroertljc, bag llnanftäubige ? mo iftö
infonbertjeit, nac^ bcn ©itten Xll^ffeä, nad^ ben 3citett, nad^ bem
^mecfe Römers? ^ä) mollte, ba^ es §r. ^I. geige.
@6en fo menig finbe ic^ bie Sieben in bem SD^unbe ©abrielä,
aud^ nur einem 3^9^ nadj, belad^enäuicrtf) unb unmürbig feiner
©röj^e: benn eben bie üeräd^tlic^e Begegnung gegen ben bumm
fpottenben Satan ift bie Mim feiner <§oIjeit —
— tliG warlike Angel mov'cl,
Disdainfully half smiling thus reply'd &c.
^d) fü^Ie in feinem 93etragen fo menig ^eroorfpringenbeg,
uttb fo üiel d^aratteriftifdjen ©egenfa| gmifd^en il)m, unb feinem
©egenparte , ba^ iä) mit Slbbifon gern biefen 3Bortmei^fcI für einen
ber c^arafteriftifdjten im gangen 9)tiIton Ijalte.
5)cr (St)arafter Sldjilleg fep fo gro^ in feinen g^e^lern , alä in
feinen 2:ugenben; bicfe 'geiler gehören gu einer ©riedjifdien ^el-
benfeele, gu einem 3ld)illeä; aber md^rljaftig 6elad;engmert(j,
unmürbig, unanftonbig fet) er ni(^t, unb mo ift ers? 5Kur 46
nc[)me man i^n, unb jeben gelben einer ©popee nad) ben SSegrif-
fen feineä Sanbcg, unb feiner 3eit; fo"ft ^<^^^ freilid^ ein el)rba=
rer, feiner unb ernft^after Äunftrid^ter einen l^ö^ern SIettier gum
2(tl)emI)olen nöt§ig I^aben, um einen Ulpffeg, roie einen au§ ber
(Sanaitte in Settlergfleibern , unb nic^t in einem anfel)nlic^en ßarof^
feße etma, ober mit prächtiger ©quipage, gu fe^en — —
2)od^ ic^ fe^re um: menn eine mürbige @pifd)e ^erfon nid^t
fielad^enämcrtf) fer)n mu^, barf fie aui^ feI6ft nid^t lachen? SBeld^e
a) Odyss. a' v. 66. &c.
— 221
g^rage ! tüefc^e SSerraivrung ber 93egriffe ! 9Jlu^ ein §elb bie Söürbe
feineg ©pifc^en 6§arafterg baburd^ behaupten, ba^ er, raie ein
^art§äu[er, nur [ein memento mori! ernft^aft unb fauertöpfifc^
grnnje? 3Serge6en bic ©ötter baburdj i§rer f)innnlif(^en ^ol^eit,
ba^ fie tad^en? ©tört ^omer bamit bie feierti^e .^armonie feines
©ebid^tS, ba^ feine ©ried^cn über ben ^ä^lic^en 3;§erfite§ nad^ fei*
ner ^üi^tigung lad)^n? D bie abent^euerlid^e ^Jiönd^äfeierlid^feit !
©0 rootten roir ba§ 9Bort yelaeiv, mit allen feinen Slbfönunlin-
gen, au§ §omer auäftreidjcn : fo rootten wir bie 5Dtine beg Dis-
dainfuUy half- smiling üon bem 2tntli|e beg !§errlid§en Mltonifd^en
©ngelg raegroifd^en, unb in tiefe fritifd^e ^lunjeln üerroanbeln: fo
foll au§ ber ganzen ^'JKabe ein @otJ)ifd^e§ ^lofter, unb aug feinen
47 gelben eine did^c feierlid^er ^rätaten raerben, benen ber ©ruft
^^(id^e '^alkn in bie ©tirne geMffen, unb bie, wie ber üortref-
' Kd^e ^ubibraä —
a Knight he was, whose very Sight wou'd
Entitle him Mirrour of Knighthood
That never bow'd his stubborn Knee
To any Thing but Chivahy
His tawny Beard was tli' equal Grace
Both of his Wisdom and his Face — —
3t(gbenn, algbenn motten rair biefc §0(^anfel^nIic§en ^erfonen,
bie ©efd;öpfe unfrer ®^r6arf eit , mit beni jufriebnen 33lid'e anfe£)en,
a(ä unfer §onterift, ba er ben 3:;§erfite§ auö §ouier, in einer
glüdlic^en ©tunbe feineä ^opfä, auäraerfen loollte, unb ju fid^
fetbft fprai^:* „vok aber, roenn mir biefen 9Jtenfd^en t;inaug voüv
„fen, unb äffe SSerfe roegfc^nitten , bie yon i()m §anbeln; la^
„feljen, ob mir nid)t ernft^aft bleiben roerben? noune retinebimus
„animi gravitatem? — " ^errlid^er ©infaff! „mer Iad;en miff,
„foff in einer ©atgre unb J^omöbie auftreten, nidjt in einer 6po*
a) Epist. Hom. jj. 31.
— < 222 » —
„pee — in gravi ridere, quis. decere existimat?" !§errlt(^er
(Sinfain
^c^ tf)ue e§ ungern, ba^ ic^ §rn. ^l. ©pifd^en SSerboten fo
etraag ©c^ulb geben mn^; aber rote fann ic§ anberg? @r fül^rt
ja Setfpiele, roo !aum ba§ Söort Sa(|en im S^^e^te §omerg fte^t,
of)ne ^u nnterfuc^en, ob roir, ob ber Sefer lad^c? ob eine ^er- 48
fon fet), mit ber mir %^dl ne^menb lad^cn? ob mir un§ nic^t
üielme^r über ha§ Sad;cn beffelben ärgern? ob biefer Unmitte nid^t
eben bie 2lbfid§t beg 2)ic§ter§ geroefen? 9^id^t§ oon allem! $Die
(Sd^melger bei ber ^enclope lad^en; UIt)ffe§ nnb ^ru§ geben ba^n
2lnla^ — in ber ©popec foK feiner lad^en: — U(i)ffu§ unb ^rug
au§ ber Db^ffee §inmeg! S)ic St^eufcl in SJtilton jpotten nnb
lachen : fie beraeifen groar baburd^ nid§t§ anber§ , al§ ba^ fie St^eu-
fei, bumme 33öferoid^ter finb, unb Iad}en fo c^arafteriftijd^, al§ fie
nid^t reben fönnten — aber bod^ lachen fie, unb in ber ©popee
foll feiner lachen — roeg bamit!
@^e nun ein fo feierliches ©ebot gegeben roirb, foE üoraug
au§gemad;t roerben: ob ba§ Sachen ein roirflid^ enteIE)renber 3wg
eines 50tenf d)en* eine§ gelben = eines ®ötterantli|eg fei? Db e§
nic^t %alU geben fönne, ba baS .^ol^nläd^eln forool^l, als baS
§ol)nIad§en, unb baS Säd^eln ber ^rcube fomoI)t, als baS g^reu-
bengeläcöter , ben ®pifd;en S^'^'^^ ^"^t beförbern mu^? Dh nid§t
ein !§ol)ntad)enbcr ©atan, unb ein erl^aben läd^elnber @ngel, feiig
lädjelnbe ©ötter, unb närrifd) lac^enbe Söottüftlinge , unb fd^aben-
frol) ladjenbe ©ricd^en gum gan^^en ©pifc^en ©emälbe unentbehr-
liche ©ruppen auSmadjen fönnen? Dh ber ^on jeber ©popec
gleid^ l)odj gcftimmct fep, unb aud} bie ßoncente beS ©rnftS in
gleid^em 53taa^e l)aben muffe ?^ Dh alle ^crfonen, bie im ©poS 49
erfc^einen, mic in ber ;3Kcibe, bis axif einen ^tjerfiteS; mie im
^arabiefc SRiltonS, bis auf ben ©atan; roie in ber Dbpffee, bis
auf bie freier; mic im Dlpmp, bis auf SSullan; mie auf bem
^^eater, bis auf ben Sidjterpu^er , gleidj ernft^aft, gro^, gelben-
1) 31: muffen
— ' 223 . —
mä^ig, SBunberraürbtg fepn foHen? ©ittb bicfeg^ragcn auggemad^t,
[o tann ha§ obige ©e&ot gegeben werben: fo lange mill i^ mid)
inbeffen mit ^riftram ©l^anbx; erfiolcn, unb oeft »erftd^ert fctin,
,,ba^ bieg fur^e Seben nur babitrd; ctroag »ciiängert wirb, raenn
„man beftänbig aufgeräumt ift; unb nod^ mc^r, raenn man lad^et."
Sßenigfteng iad)c id) fo lange für mid^, unb für feine ®pifd)e ''^ex-
fon im Reiben- 6If)riften- unb I^w^cntl^ume.
4.
'^od) id) foHte ernftt^aft reben : rool^Ian alfo ! mir raollen crnft*
^aftcrn Ueberfc^Iag matfjcn.
^ann bie ©pifd^e 2Bürbe mit einem belad^enSmcrt^en (Sl^araf=
ter bcfte^en, menn biefer §auptrfjarafter bcr ©popce fepn fott?
3fJein, unb menn er au<^ nur einige Unroürbe in einzelnen %älkn
l^ätte , norf; nein ! Stber fann ein mürbiger @pifc[jer 61f)ara!ter audf;
Iad;en ? 2Benn ant redeten Drte , menn im gcfiörigen 3)iaa^e , menn
^u ©rreidfjung be§ ©pifd^en Smcd§ — marum nicfjt'? 2) er erfte
Unterfcf^icb, bcn $r. M. nidjt beobad^tet: Sad^en unb Säd^er-
50 lid^ feijn, b. i. 3x1m Sad^en ba ftel^en — roeld^ ein Xlnterfd}icb !
3meiten§: bie 3Bürbe ber ©pifd^en §auptperfon, gebül^rt bie
aud^ jeber ?^igur, bie in ber ©popee auftritt? Unmöglidj! unb
eben bei feinen jraoen ^erfoncn mu^ biefe 2Bürbe gan,^ gkid; fepn.
©inige muffen, chm um bie 2öürbc ©pifd^er gelben inö Sid^t ju
fe^en, mit i§nen f ontraftircn , unb llnl^elben fepn: Unfraut unter
bem SBeijen, unb ©atane um ber ©ngel mitten. 3Senn eg alfo
©inen 2(djiffeg geben fann, ben ^apferften ber SRiinner oor ^roja,
menn mit i§m taufenb Reiben, bie ©tuffenmeife an 3^apferfeit
fjerunter fteigen; marum nid;t aud^ ©inen feigen ^^erfite§. 35>enn
fo »iel eble, fd^öne, roürbige ©eelen; marum nid)t aud; ©ine, bie
()ä^Iid)fte unter allen, bie vox %vo\a gefommen roaren? 3)iefe,
ba§ ^öilb ber llneblen unter ben ©riedjen , fann mit ber gel)örigen
©pifc^en ©r^ö^ung fo gut unb smedmä^ig im ©ebidjte erfdjeinen,
— . 224 : —
al§ unter ben ©ried^en vov %voia bie Uneblen. 2Bcnn in einem
3:;rauerfpiele fd§on nic^t lauter gelben fepn muffen ; fo lonnte in
ber raeit großem 3Belt x)on 5Kenfc^en, bie §omer in ber ^liabe
fd^uff , auc§ ein 3::^erfite§ fcyn muffen. . 2ßirb feine ©inroirfung
mit ben übrigen ©emid^ten ber ^lia'Oi nur jufammen gewogen:
erfd^eint er an. Drte unb ©teile: nid^t of)ne 9tu§en, mit 3wedfe: —
oortref Ud§! — S)ieg ift ber gmeite üerfäumte Unterfd^ieb. 51
S)ie SBürbe ber ©popee fällt auf ba§ ©anje beö ©e-
bic§t§, auf jebe einzelne, infonberl^eit jebe 9iZebenperfon
nur in bem 3)laa^e, in meld^em fie gum ©angen beiträgt:
fo mu^ gravitas epici carminis bere(^net roerben.
3^un f)at, -unb mer raei^ ba§ nic^t? bie Proprietät, bie ©igen*
l^eit be§ ©pifd^en 2Ber!ä im ©angen nid)tg weniger, alg baä Säd^er*
lid^e, jum ^aupttone; aber t'ann nid^t ein 33e(ad[)engroert!)eg in
einem %^^ih gur (Songruenj beg ©anjen gehören, unb ein %i)tX'
fiteä, ein 2)ämon mit jur i^^xrmonie beg SBerIg einftimmen? 9^id^t§
ift l^ier fo fonberbar, alä eine ©cene J)erau§ ju |eben; o|ne gu
betrad^ten, roie fie mitten im SSerfolge fi(^ ausnimmt, ober, beffer
gu fagen, fid^ fortbränget, fi(^ auä anbern entroidfelt, unb anbere
t)orbringet, fo, ba^ fie nid^tS alö eine ^onreil)e ^m ©pmp^onie
beä ©anjen bleibet, ©in 3:§erfite§ an fidl; fet), mag er molle,
ma§ ift er jum ©anjen ber ^U'^^e? 2ßaä ift er in feinem 3^er=
folge? 3J^ifd§en fid^ in i^m -Spoitterg ©ucceffionen ber ätuftritte,
ba^ il)re Starben fd^neibenb werben, ba^ ber ^oetifd^e 3Jialer fie
nid^t ücrfd^moljen , ba^ fie in i§rer ©ucceffion nid^t Ston galten,
ba| baö 3tuge beä Seferä feine 3ftul)eftatt finbe, nid§t weiter gelten
wolle? 2Ber lann ba§ fagen?
^Dritteng enblic^: bie fid^erfte ^ritif eineg @ebid^t§ ift bie
5)teil)e meiner ©mpfinbungen ; unb in 3lbfid^t auf biefe ift ba§
Sädljcrlic^e fe^r oerfc^ieben. ©ntwcber fo, ba^ id) lad^e, unb e§ 52
ber ©nbgwed" be§ 2)idjter§ war, ntein Sad^en- ju erregen, er t§ue
e§ ernft^aft, ober fd^ergliaft; ober ba^ id^ etwaä SSelarfjenäwer-
t^e§ erblidf'e, unb üeräd^tlid^ lad^e, mid; ärgere, ©o finb mir
bie üppig läc^elnben .ßwfcljflii'-'v bei bem üorgebad^ten Sluftritte jwi-
— = 225 ' —
f(f)cn tltt)ffcö unb ^ru§ juiüibcr: [ic (adjcn; aber faum Iad;e
iä) tntt il}ncn. ©o ii:)trb ber f)ä|Uc^c St^f^erfiteä ben ®ricd)cn
bclad^engipci'tl); brum aber ift er n\d)t, um i^ncn läc^crUd)
^u fet)rt. ©0 freuen firfj bie ©ötter im Dlt)mp, unb ber f^mpa-
tl)eti[d;e Sefer [ott ftd) mit iljnen freuen. — 2luf W Slrt merf;=
[ein bie ©mpfinbungen unfrer ©eele bie Sänge eineö ©ebid^tö f;erab,
unb nur ber !ann ba§ &an^c beurt^eilen, ber bie ganje 3leif)e
biefer ©ucceffionen fid; auf einnml anfc^auenb mad^en Bunte. Sa
bieg aber unmö^Kd; ift: fo fdjminuue id) fanft ben ©trom fjerab,
unb folge beut S)id)ter, ber ©in @efü()l nad; bem anbern in mir
aufrufft, !^iWj utit bem anbern ücrfc^ntelget, unb bie 33ii§!(änge
in einanbcr auflöfet: fo mirb ber f)armonifd;e ©nflang beS ©anjen.
^ft biefe Harmonie bei einer ©popee aber nid;t ^erounberung?
^reilid;! ^f^iemanb aber ben!e, ba^ biefe ^auptempfinbung bie (Sin-
nige, eine gan^e ©popee (jin, fepn muffe: benn rocr fann einen
langen ftarren 33Iid in bie ^öl)e ertragen? iO^itleiben unb ©(^reden,
53 unb 3tbfd)cu unb 3ovn , unb SSerbrujj unb S^erad^tung , alk§ fann
nad; einanbcr, an feinem Drte, erreget merben, mmn fid; nur
jebe ©mpfinbung fo auä einer anbern, in eine britte ergießet unb
ücrlieret, ba^ ju le^t ein @djo, raie bie ©timme ber SDtufen in
meiner «Seele, bleibe, ba§ S3erounberung fep. Siefen ^auptunter-
fc§ieb l)at §r. M. nid;t beobad^tet: ob idj lad^e, ober midj über
ein Sad;en ärgere; freubig ober Ijönifd; laci^e — ob id; etma§ lädier-
lid; ober beladjenämertl) füljle — alles ift il^m einerlei, menn nur
üom Sachen bie 5Rebe ift.
Unb wer iftö rool)l, ber bie ©mpfinbungen ber ©eele bcffer
unb natürlidjer auf einanbcr folgen laffe, alö §omcr? i^ann benn
ein Sefer uon ©ricdjifdjem ßJcfüljle, ber 90tuftf ber (Seele Ijat , e§
bei $omer uncmpfunben gelaffen traben, raie er einen 3:^on ber
©eele au§ bem anbern entroidelt , unb in einen anbern auflöfet —
n)ie feine Stimmung bei il)m über bie anbern üorfdircien, mel^r
alg fie jum ©anjen ©inbrud nac^laffen foll. — SBer bie§ empfun=
ben, raer bieg al§ eine ftetige i^raft ber .§omerifdjcn SDcxife gefül)lt:
wie fottte ber nidjt gittern, ben ^^abcl nieber ju fd^reiben; „öomer
§crbev8 fämmtl. SBevle. III. 15
— « 226 > —
„roetd^t oft aug ber ©raüität unb SDtgnität be§ ©ptfci^en ©efangeä:
„^omer rairbg fd^toer, jurüc! ju ^alkn, roag Sad^en erregen
„formte, unb bringt§ am ungefd^tdfteften Drte an: §omer l^at,
„burc§ folc^e Unartigfeit , fein ©ebtd^t nic^t roenig entfteEt: er
„mac§t ben Sefer ummllig, üerbrü^Ud^: man mu^ ©teffen, ©eiten 54
„au§ t§m roegroerfen, um im STone feines ©ebid^tS gu bleiben."
D ©öttlici^er ©änger! mmn bu auflebeft, fo gieb bod^ erft beinen
Sefern D\)v: gieb i§nen SJlufif ber ©eele!
3)ie ^ritif über ben e^rraürbig läc^crlid^en ^ater 6er)a mit
feinem IJ^fuSfinblein " fonn id^ übergeben; fie gehört nid^t ^ie^er,
benn ßeca roottte fc^on fo ein §eroifc^fomifc§e§ @ebi(^t, ober lie-
ber ein - 9larrengemifd§e , fd^reiben : unb meldte ®§re ! roenn ein
6eoa groifd^en .^omer unb Sope bi SSega unb 'JUJitton ftel^et! —
©0 fann idf; auc§ bie lange ©(^ulbcflamation miber bie ©efd^madf*
lofen ilenner ber Otiten'' überfd^tagen : bie ©elegen^eit, bie fie an
biefcn Drt gebrat^t, fc^eint fie — — bod^ roer mitt beuten? —
©in ©lüdf iftö , in einem ^uc^e , roie bie ^omerifd^en 33riefe , raie*
ber jroölf ©eiten roeg fdf;tagen fönnen; unb fief)e! eä mar 9Zid^tä!
Stiid^tg für .^omer; für 3öiffenfc|aft, für ©efd^mact' 9?id^tä! —
5.
©tatt ung §omerifd§e S3etrad^tungen mitjut^eil'en , fd^üttet
§r. ^L einen locum commuuem aug feinem ßotteftaneenbud^e : ob
eg ung frei fle^c, ^eibnifc^e 3Jir)t§oIogien in ©ebic^ten ju abopti*
ren?" unb, nad) feinen SSorbereitungen gu aä)kn, ift biefe 3tb§anb== 55
tung feljr mid^tig.
Qu erft oon ber 9)h;tf)oIogie in geiftUd^en ©ebid^ten. ^on^-
nu§, ©annajaro, (Slaubian, (toie ber nad^ Drbnung unb 3«^
famment)ang'' i)ie§er f'ommt, roiffe bie allfe^enbe 5Jtufe) ßamoenä,
a) p. 36 &c. b) p. 44 — 55. c) p. 55.
tl) 3d} iDeijj, o'^ne bie atlfe^^enbc 2}Ju[e nött}ig ^u §a6en, ba^ §t. ÄIo^
"•^parent^elen tieSt, iii (Sincr »iebcv ßiiie, unb iiibiefer noc^ eine, uiib in
: 227 . —
SDante, Petrarca, 2lrtofto, SKarino, 2;affo, SJliUon,
grifd^Iin, ^einfiuä — w^lä) ©einenge »on 9^amen! — iüer=
ben über ber profanen Slipt^ologie in i§ren ©ebid^ten \ä)ar\, unb,
naö) ber 9ieil)e ^in, getabelt. ^d) glaube nid^t, ba^ eine Äritif,
bie auf S)ic|ter fo ücrfd^iebner Reiten unb ©egenben mit einerlei
3)iad;tf|)ruc§e fällt, fo grünblid^, fo prüfcnb fet), alg fie über
9Jiänner t)on fo oerfd^iebner Sät, unb fo üerfi^iebneni 2Bert^e
fet)n follte.
©inige üon biefen ^ben Sateinifci^ gebid^tet: ein ^unlt,
ber bie ©ac^c fel)r »eränbert; benn raer fann genau ein §aar
3n)ifc§en jie^en, wo bie Sateinifd^e ©pradjc aufhöre, unb bie Ufur=
56 patiott ber 9lömifd^en Senfart anfange, ^d) toei^ , Jpr. .^l. 'i)at
bie ©ad^e bei ©elegen^eit ber 9tecenfion eineg grünblicl) Sateini-
fd^en Sud^eg fel)r leidet entfd^ieben : * eine fpagl^afte SSerraunberung
über furcifer, ein paar Unterfdjeibungen , unb einige ©egencitatio*
nen — fo ift ber knoten gelöfet, unb Stlejanber ift (Sieger beä
Drientä. 2tber nac^benfenbe Siebl)aber ber Sateinifc^en ©prad^e
raerben bei manchen Sßorten unb Sluäbrüclen noc^ fel)r gweifel^aft
bleiben; fie werben mit einem ©olbgeraid^tc abmägen, mie meit
man(^e nid^tS, al§ Sateinifd^e $l)rafeg, anberc fd^on SSel^ifula ber
9tömifc§en 2)enfart finb: fie merben alfo auf bie je^ige Sateinifd^e
^oefie ein 3Jiigtrauen fe|en, bafe fie un§ nid^t, ftatt 9tömifd^gro=
^er ©ebanfen, einen 2:;eppid§ üon 3ftömifd^en SÖortblumen fticfe,
ba^ man alfo oielleic^t oon melirern neulateinifc^en SSergmac^ern
ba§ Urtl^eil fällen lönne, mag .^r. ^l. über ©annagaro fället:"
ber britten jur Slof^ noc^ eine ßtcrte macf;en fanu; ift ba§ afcet 2tnorb=
imng? — ^u bem, bamit id^ auc^ eine ^arent^efe ntac^e, gebe id) bem
feligeu ©eßner öor §rn. Stob, juenig[ten§ bei mir, 9tec[;t, baß OtoibS
'iProfev^ine ju na'i)t bem tinbifcben fei) (uimis puella), o!^ne ba^
bavüber ein überlabne^ ©etic^t Staubianfcber SJtvf^otogie getobt «»erbe.
a) Act. liter. Vol. I. P. III. p. 250. &c. Funccü de lectione
auctov. elassicor. P. II.
b) Epist. Hoiu. p. 58.
15*
— ■ 228 ' —
Praeter sermonis Latini elegantiam, nihil in iis carminibus,^
quocl multa laude dignum sit, invenio. Parum aut nihil potius
finxit: complures versus Horatio ^ surripuit: similis Horatio , ^ sed
ut simia homini &c.
Unb allcrbingg tft aud^ bei ber 9Jct)t^oIogte für mid^ ber
Unterfd^teb oft ^^roetfel^aft grtxtg, wo bie Gebart aufhöre, unb ein W
©cbanfc anfange? 6§ §at ^rn. M. gefallen,'' bei SSiba fo gar
p billigen, ba^ baö ^eilige 33rot Ceres ^eifecn fönne, xinb ba^,
ber poctif d^en ^^firafiS raegen, ^u billigen, ba^ 6^riftu§ bem Ssolfc
liba Cerealia auSgetl^eilet, blo^ ber 9^ac§a!^mung 35irgil§ wegen;
unb gilt ha^, raaä foHte nic^t gelten? So wirb mxä) innner bie
unmt)t^oIogifd^e ©prac^e platt, gemein, unpoetifc^ bünfen tonnen;
unb fo rairb enbtic^ ein Sateinifd^e§ ©ebid^t eine ©eifenblafc , röo
met fc^önc "g^arben in ber «Sonne mir üorfpielen; id^ greife bar-
nacf; , unb fie finb nic^t§ ! — @§ roaren Sateinifc^e ^§rafe§.
3lud^ §rn. M. fo genannte ^orajifc^e Dben^ finb nic^t o§ne
50i9tJ)oIogie : fie reben nom Gradivus, unb von ber Venus, t)on
Musis unb Camoenis, vom pater Lyaeus, bem ein ganzer 5DitI)t)=
rambe Sl^^ttiologifc^ gefungcn roirb , oon Raunen unb 2)rt)aben,
üon '3l9mpt)en unb D^ajaben, von ^ierinnen, t)on Diis unb Dea-
bus, rom Phoebus, unb üom Pindus, üon Mavors unb Bellona,
uon Cynthia unb Flora, ein ganjeS §eer Stttegorif^er ^erfonen
ungerechnet. ?5^ragt man mic^, roaä alle biefe 9^amen J)icr foKen?
nac^ ber -Dknier ^rn. M. in feinen ^onterifc^cn Briefen mu^ icfj
entmeber fagen: unfd^idtid^, eitte @ele!)rfamfeit: »erbrü^lic^eg, ns
frembe§ ©efc^roä^: ober ic^ fage: fc^önc ^ßoetifd^e ''^^rafeä! 9tun
banfe, mein lieber Sefer!
2tlg bie fdjöne Sateinifc^e ^oefte nac^ jener langen Barbarei
micber ermac^te: alg bie ©annagarg unb Siba'ö, unb Sembo'g
a) Epist. Hom. p. 83. 84. h) Klotz Opusc. Poet. — Carmina
orania, unb bei vodä^tm Xitd i^rer Zitd man fie fonft nennen tuitt.
1) Kl.: in eo carmine (de partu Virginis).
2) Kl.: Virgilio
-^ 229 . —
urtb ^racaftor'ä , gciücd't üom ©ctftc bcr luicber aufgelebten 9töuier,
fangen: lueldjcr -^f)ö6u§ SlpoIIo tjätte t§nen bamalä ba§ D^r jupfcn
iönncn? ,,2)iefer 2(ugbrutf ift ju SJiijtljotogifrfj , btefeö 9tönUf(^c
„S3ilb I)at ttod^ nt^t gnug burd^ ben ©cbraud;, unb burd^ bie
„ ©etüol^n^eit feine 9Jit)t^ologifd^c 9Mur abgelegt — weg bamit!
„Stbcr l)kx mein liekv 3]iba! ftel;e Ceres ftatt panis; bort Musa
„ftatt poetica facultas: Neptunus pro mari: Vulcanus pro igue:
„Lyaeus pro vino. In Ms licet originem suam superstitioui
„debeant, tarnen amisssa fere est^ ut ita dicam, prima vis 8f
„ abolita : carmini vero Latino non exiguam elegantiam eadcm
„ conciliant ! '"■ D ber artige ^Ijöbug 2tpoIIo ! 2Benn biefe aber=
gläubifd^en Sßijrter i^re erfte ^raft üerlotjren ^ben, raenn fie it^re
9Zatur augge^ogen, roenn iljx &miä)t roeg ift; fo wögen alte folij^e
elegantise non exiguse in ben Dr!u§! ©ie finb ein elenber g^Iit-
terftaat, eine ?]3oetif($e Sprache o!§ne ^oetifi^en Sinn, ein ©c|ut=
gefd^raä^. ^\t nur bann ein SJtptl^oIogifd^er Stugbrud braud^bar,
59 raenn it)m bie ©eraol^n^eit, ber afftäglid^e ©ebraud^ feine urfprüng^
lid^e SBilbüoIle Sebeutung entnommen: fo ift er ein Stebejierratf)
o§ne Sßefen; unb nor fold^er ^oefie be^üt' un§ liebe ^immlifd^e
mm
SMn! für ©d^ututä^ige ^;p§rafeg|äger mitt id§ bie ©rmeder ber
Sateinifd^en ©id^tfunft nid§t netimen; aber um fo fd^merer roirb mir
bie ©ntfd^eibung : „mie meit !ann eine roirüid^ ^^oetifd^e, unb in
„it)ren ^oraj unb 3]irgil oer^iüdfte ©eete, in i^rer ^oetif d^en Se^
,,geifterung, aud^ gleid^fam an feine ©ötter unb geiftigen 3Sefen
„gläubig merben? 2Bie meit lann fid^ bie ^ora^ifd^e Saune, ber
„ SSirgilianifc^e ©eift, infonberl)eit , menn i<i) in il)rer ©prad^e
„ finge , einftellen , ba^ id§ SRritliologie oon i^rer 2)id}tunggart unab=^
„getrennet unb unabtrennlid^ erblide, ba^ id^, inbemid^, roie fie,
„fingen mill, aud} mit it)rer 9Jtt)t§ologie finge." 2öer fann §ier
au§ bem Stegreife antworten? mer fann in ber ©eele berer, bie
n)ir!lid^ mit @ntl)ufiaämuä bid^teten, ©renken sielten, mie 9iömifd)e
a) Epist. Hom. p, 82. 83.
— « 230 « —
Segeifterung, Segeiftevung au§ ben Stömern gefc^öpft, Segetfterung,
bie fid^ felbft in 9lömi[c§e ©prac^e ergo^ , ^ie unb ba einen ©c^rttt
tüeiter im 9tu§bru(fe ^urütf bleiben, I)ie unb ba ztma^ oorfiii^tiger
in ber W^ti)oloQ,k fet)n fottten: benn fte bic^teten bod^ I)eilig.
^un \a benn! tmmerljin ^ eilig; aber 33iba unb feine 3)iitgefä§r=
ten bic^teten aud§ Satcinifd), unb, ^um Unglüde, raottten fie
aud§ Sfiömifc^ biegten; nun fielen lüir üor einer breifad^en 2Bege= 60
[(Reibung — raer fann aEe brei mit einmal gel)en, o^ne auf !et=
ner ju rueit l}in gu manfen?
^ä) felje Mnen anbcrn Stall), alä ba^ man über ein Ijet^^
ligeg (Bu'id niemals Satein, id) meine 3ftömifc§ Satein, gebid^tet
Ijätte! benn immer ift eine ^Kifd^ung von ©prad§* unb 2)en!arten
uuücrmciblid^. 3)er Orient foll fid§ in ben Dccibent ftürgen, ©eift
ber ^Religion, unb ber 2lltrömifd§en ^oefie fotten fid^ umarmen;
ein feltneS ^aar! aug ßicero fott ein Sompenbium ber ^^eologie
gefc^öpft, unb bod§ fein Stömifd^er Segriff ba^in übertragen, unb
feinem Segriffe ber Drt§obo£ie etmaä »on feiner fpftematifd^en
(Strenge benoutmcn roerben — fd^roere Serbinbuitg! ©annajaro
mill de partu Virginis fc^reiben, unb jugleid^ nie feinen SSirgil
üerlaffen: Suc^anan einen Baptistes fd^reiben, unb boc§ feine
^uben Stömifc^ fpred^en laffen — mibrige 3Sermifc§ung ! lieber^
lä^t fic^ ber 3)ic§ter bem ©elfte feiner 9ieligion; fo wirb er ^ü^
bifd^== fo roirb er ß^riftlid^latein ju fpred^en in ©efaljr fommen;
folgt er bem ©elfte ber $Römifc§en ?Poefie, ^enfart unb ©prad^e;
n)ie weit üon ^ubäa ah mirb ber il)n l)infü|ren! Sßill er,, alä
ein ^ellenifte, auf beiben 2Begen ge|en, unb ©leid^geroid^t ^al==
ten — unroürbige, ermattenbe Sßac^famfeit ! brüc^enbeg ^od^ be§
©elftes , ber in ber ^oefie nid;t§ fo fel)r , alg ?yrel§eit , liebet. ®er
furc^tfame matte 3)lc§ter rairb an ber ©rbe fried^en, unb nie fld§ 61
auffd^rolngen fönnen: benn er fc§rleb für ble ßenfur jraeier ^nqui-
fttionen, eine 6l)riftlld^e (ober ^üblfd^e) unb ^im 3ftümlfd^e! — .
3Jicln Sftatl) alfo, ba^ man nie ben Sogen ber Stömlfd^en ^oefie
nac§ fo roelt t)on $Rom entlegnen ©egenftänbcn fpannen mollte,
wenn man aud^ ^;]]lnbarifd§e Pfeile §ätte: man trlft nic^t!
-^ 231 ^ —
@s oerftel)t fidf), ba^ bic ®id;tungäartcn nidjt alle gleid^e
©djiüicrttjfciten Ijahm. ßinc t^ijiunc, ein Sctjvgcbidjt , eine Qan^
tak ift e^cv geiftUci^ unb bod^ Satcinifc^ ju liefern; al§ ein
^rauerfpiel, eine 3)irf;tung, ein Suftfpiel, eine ©popee. ^ud^a-
nang i^uben treten afö ^uben auf; Sateinifd^e, 3flömifd^e ^ubcn
in (Galiläa ! g^rifd^ling ^fnmel in 5Jtefopotaniien , unb bafelbft mit
ßlaff enlatein ! ©annajarg ßerberug, Kentauren, $r)bern, ^roteug,
im <BtaUi gu Sett)Ie{)em ! bei einem SCrauerfpiete , Suftfpiele , §el-
bengebid^te, meldte S)i§l§armonie, unb bod§ faft raie unoermeiblid^ !
.^r. ^I. alfo glitte über alle biefe ©id^ter nic^t blo^ fein fritifd^cä
Urt^eil üom 3:;§rone l^inunter fprec^en, baä von anbern fc^on fo
oft gefprod^en ift, fonb'ern lieber ouf bie Urfad^en bringen fottcn,
bie biefen 3Rännern 3i^ß"Ö auftegten. D^m biefe§ ift feine ^ri=
tit eine gute lange ßtaff enleftion / unb roem ift bamit gebient?
62 S^iiknä, au<S) bie Reiten unb Sauber mu^ man untcrfc^ei*
ben, in bcnen ein 5Did^tcr lebte, in benen unb für meldte er fd^rieb.
2)ie meiften ber gerügten ^oeten finb Italiener, au§ bem Sanbe
ber 2lltert§ümer alfo, au§ ober oor ben Reiten, ba ber @cfd§madE
beg alten ©räcieng unb Satiuntä mieber auflebte: 3öer mirb nun
einen ©ante, Petrarca, ©anna^ar, 3Siba, 2lriofto, Xaffo, 93tarino
au§ allen biefen Bcitoerbinbungen rücken, unb fo fd§led§tt)in oor
bag @ertd§t einer fremben 3ett , eineg fremben Sanbeg f obern ; "oa^
fte bag ^eilige mit bem IXn^eiligen oermifdjet? 2)er ©eift ber
alten ©ried^ifc^en SR^tljologie , aug feinem 3?aterlanbe oertrieben,
flol) nad^ Italien: Italien gab er bie S)en!maale feiner ©rö^e in
^oefie unb ^unft unb äöeigl^eit: in Italien ermad^te er mieber;
erraad^enb aber fanb er ein Sanb, mit einer fremben, ber (Sljrift-
lid^en Steligion bebedt. ^nbeffen ftrebte er in bie ^ölie, fd^affte
ftd) 33en)unberer , 2lnbeter unb ?Rad^al)mer; 9kc§al^mer, bie in ben
33e9riffen einer anbern 9teligion, 2)en!art, unb Sprache erlogen
waren: roag anberg alfo, alg eine SSermifd^ung ^toeener frember
©tröme, bie gegen einanber braufeten, unb enblid^ gufammen flof=
a) Epist. Hom. p. 58—86.
— « 232 >—
fen. ®er G^riftltdje Slünftter, bem 3lpoI(o ptofan iwar, fiel bod^
oor tl^m, al§ uor bem I)öd;ften 3)en!maate bet ^unft, nieber: bte
©tatuen ber Götter toarert (Befd^öpfe be§ 3t6 er glaub eng , aber aud§
©efd^öpfc ber fc^önften ©rtec^tfcl^en .^unft : -^ora^ unb 33irgil toaren ö3
Siebter einer fremben S^teligion; ^ugleid^ aber 2)ic§ter ber cbclften
9Zatur, ber üortref lic^ften ©pradje : bie ^R^tljologie eine ©ammlung
t)on ^ra^enmärc^en ; aber auc§ eine 3Bclt üoE fel)r ^oetifd^er '^hz^n.
Unter foldjen alfo lebten bantals ©id^ter unb ^ünftler: fie n)an=
belten unter I}eibnifd^en Btatnm, unb ^eibnifd^en Sid^tern, unb
l^eibnifdjen ©prad^en: baä 9^eue, bie ?[RorgenrötI)e beä ©efd^madg,
f)atte breifadj [tariere 3Sir!ung auf fie: fie tüurben felbft 3f{öniifdje
Sid^ter, unb neugried^ifdjc ^ünftter unb 6f)riftlic§e Reiben. 2)er
ßarbinal ber Sftömifc^cn l^ird^e roar ein !§eibnif(^er Sembo, ber
neue ^orag 33iba Sifd;of yon ßremona: ha§ £inb mit ß§rtftlid)em
Söaffer getauft, marb mit Ijeibnifdjen Segriffen be§ ©c^önen genät)=^
rct: bie 3Sermifd§ung roarb ©efdjiuad ber 3^^^ unb be§ Sanbeä.
Seo ber 'Qzf)nk »ergab ßl)riftlid§e ©ünben, unb roanbte bie ^eiligen
Summen auf baö un!)eilige ©d§i3ne ber Reiben: in bie Sl^empel
^taiienä fam ©aoib unb 2lpotto , @f)riftu§ unb Selial neben ein=
anbcr, unb bie @efd§id^te Jupiters unb Seba auf bie 5t§üre beg
Ijeil. Stömifc^tatl^olifd^en 5]3eter§.
2Ber fann nun o§nc 9flüdfid§t auf 3cit, Sanb, unb ©prad^e
©annajar unb 33iba, ©ante unb Petrarca, 2(riofto unb S^affo,
unb toen roei^ id^ me^r? tabetn,* o|ne fie ju erflciren, otinc un§
auf if)re ^a^rljunbcrte aufmertfant ^u madjen, ba bie fd^olaftifc^e ei
3BortgrübIerei, unb bie ©prai^e ber SRönc^sanbad^t ber ©eift ber
^Religion mar, ba bag Sanb üon biefer ©eite unter dla<^t unb
©untel tag, ober ba ber Ijettere ®efd§mad an ben Stntüett in ^oe^^
fie, ^unft unb ©prad^e übermanb, fii^ in 2(tteg §ineinbrängen,
unb bem ©anjcn ber fd^önen Sitteratur feine neue 33ilbung geben
mu^te. ©a alfo tonnte Sante in feiner ©öttlid^en ^omöbie 6§ri=
a) Epist. Hom. p. 73 ~ 75. etc.
— = 233 • —
ften, S^tben unb Reiben, ©ötter, ©ngel unb ^^^eufel burdj einan*
bcv mifc^ett: ba formte Slrioft
le Donne, i Cavalier, 1' arme, gli amori
le cortesie, 1' audaci imprese — — —
che furo al tempo, che passaro i Mori
d' Africa il mare u. f. m.
Befiitgen, unb mitten innc aud§ be§ ©ti)j unb 3td§erort§ etmäljnen.
©0 unbillig bie 33ritttfd^en Prose - Critiks bcm ©penfcr feine ^cen,
unb ©l^alefpear feine ^ejen üorgerüclt : fo unbillig alte Italiener
unb ^ortugiefen, unb ©nglänber nadj bem ^^itbegriffe meiner
9teIigion unb Söiffenfd^aft beurt{)eilen — au\ bie Söeife roirb aEeg
ein 6^ao§.
^lopftoc! (ic§ mei^ !eine ^ö^ete ^nftanj!) ^topftod fang bem
5Reffia§ feinen emigen ©efang im ©eifte ber S^eligion feiner S^^it
naä) ben @ efic^tgpunf ten feineä ^origontg, nad§ ben ©inbrüden
65 feineg ^er^eng ; racr einerlei 5Zatur , einerlei Witkl ber Silbung,
(Seiten ber 2lnfd^auung, (Sin ^erj unb (Sine ©eele mit i^m l)at,
mirb il)n aug ganger ©eele lefen. ©inem Deft, 3. (S. merben
fdjon üiele 3Sorfte((ung§arten Xalmubifc^ bünlen; einem Sl)rift==
Iid§en ©d^üler beg ^oran§ merben mand§e au§ 2(rabien entlehnt
üorfommen: einem ?5^ofter ober ©terne in (Snglanb, unb audj baä
" finb (Sljriften! merben manche noij§ meit befrembenber erfc^einen;
unb enblic^ einem ortljoboi'en (E^riften be§ jmölftcn ober groangig-
ften ^a^r^unbertä? — beffen Urt^eil über ben 3)le^ia§ möchte ic^
lefen. 2Bie? menn nun ein fold^er nac§ feiner S^^i fromm unb
feiig urt^eilte? Unbilliger ^Rid^ter! er fottte fic§ in unfre ^e^t
jurüd'fe^en/ au§ iljr ben!en unb fprec^en: er foKte md)X alg beö
9Zi!omad§u§ Stuge I)aben, uut ^elena anjufd^auen. ©0 mie ber
oberfte Sftid^ter affmiffenb fegn mu^, um gleic^fam bie eigent^üm^^
li^e ?!}ioraIität eineö jeben ^ergenS gu fennen : fo fer) (man erlouBe
mir bie Heine S3(a§p§entie t)om (Sleid^niffe!) fo fei; ber 3iic§ter über
1) 21 : jurüdjufe^en
— i 234 . —
Reiten unb SSöIfer, au(^ beä ©efi^mads biefer Reiten unb 3]ölfer
!unbig, ober et greift blinb in bert Soostopf ber ^a^r!)unberte,
um niä)t§ al§ ein magereg !ritifc^e§ 9tcgel(^en J)erau§sulangen.
Unb SRilton! — 2Ber Mtton mit allen oorigen 5!}li|(^ern
ber 3fteIigionen in einen glütjenben Dfen gufammen raerfen raitt,''
'i)at mä)t behalt, ba^ bei i^m biefe 9Jit)t§Dtogif(^en S^orfteKungä* 66
arten nic^t roefentlirfj jum 33aue feine§ ©cbid^tg, fonbern nur jur
Stuggierung beffelben gel^ören. (Sr bringt fie nic^t (roenigfteng nie
offenbar!) in bie 3eit, au§ meieret, fonbern in bie 3eit, für
meldte er finget: unb fo rocrben fie ©tcid^niffe, ©d^mucf,
S}erjierung feiner ©egenftänbe; nid^t eigentlid) ©egenftänbe felbft.
@r fingt für feine 3^^^; biefer f darneben unter anbern aud^ aus
f)eibnifc§en ©c^riftftettern 3Sorftettungen im ©ebäc^tniffe , bie feine
^eilige 33orftelIung ge^nfad^ oerftärfen, unb einprägen — einprä==
gen, ba^ e§ faum in feiner ^eiligen @efrf)ic^te fold^e ftarfe unb
3^ad^brudfit)oHe ^ülfgoorfteKungen gäbe — roarum alfo foEte er
jene martenbe ^bcen in ber ©eete feiner Sefer nid^t roccfen? marum
fie nid^t aufruffen, um feinen f)eiUgen @eban!en bcfto tiefer in bie
©eele gu prägen? Unb ba§ t§ut 50ülton!
@r t^utä an meit me^r (Steifen, atg mein Sateinifc^er 2(utor
anführet; boppelt aber ärgertg mid^, ba^ er eben bie fü^eften im
ganzen 3]^iIton tabelt, auä einem ^u<^^,^ ba§ bie grö^eften ©eg-
ner beffelben mit Sobfprüc^en |aben überhäufen muffen; nämlid§
„ bie feltge Siebe ber ©tammüäter be§ 9}Zenfd^cngefd§Ied§t§ in Sben."
2tud§ SBinfelmann, ber in ©ried^ifd^e (Sc|önf)eiten ent^üd't, bie 9Jii(=
tonifd^en S3efd^reibungen für fc^iJngemalte ©orgoncn erflärte, nimmt 67
biefe ©cenc oon feinem gu ©ried^ifd^en Urtf)eil auä," unb in ber
(Sprad^e 3}^iIton§ infonber^eit felbft f)errfd^et ^icr eine ©ü^igfeit,
eine 2(nmut§, bie ung in ba§ ^arabie§ felbft oerfe^et — unh
fie^e! in biefem ^^arabiefe Qhzn ^eigt fid^ ^ine falte §anb beä
a) Epist. Homer, p. 79. b) Parad. lost. B. IV.
c) @efc^. b. tunft, p. 28. [2B2B. 3, 137]
— ' 235 > —
ßrttüug, um mä einige ber fd^önften ^rücfite 3:;obbtingenb ju
berühren.
SKilton l)at fein @ben mit alter ^rac^t unb Sä)'6ni)dt gcfc^il*
bert: S3äumc, g^Uiffe, Quellen, Suftraälber, murmeinbe 2öaffer=
fätte, ba§ 6t)or ber SSögel, ber §auc§ ber g^rü^Iingglüfte, ber ®e*
rud§ ber 2Biefen unb Sßälber — ein§ nac§ bem anbern fliegt mie
^alfam in un[re <5eele: meine ^^^antafie ift erfüttet: mein Stuge,
D^r , unb atte ©inne gefättigt : ic§ f c^roimme im 2:;raume ber 2öol=
luft. Unb SKilton miE mic^ in biefem 3::raum er^Iten ! S)a meine
©inne gefättigt jtnb; fo fprid;t er ju meiner ©eele: er rufft atte
Qbeen [c^öner ©egenben unb Suftörter, bie in meiner ©inbilbungg^
fraft fc^lafen, auf: unb roo giebt eg me^r, aU au§ @riec§entanb
unb feinen 2)idf;tern be§ 3]ergnügenä ? 3)iefe fotten mid^ in mei*
nem S^raume fortmiegen, xä) fott bie g'reube ber 2Bieberfef)ung
genießen, unb fo nad^bem auf fanften unb unmer!lid§en ©tuffen
meine ©eete von bem Seblofen fid^ immer lebenber |in, auf=
68 gefd^mungen, unb je^t in bem 531ufi!alifd^en ßI)ore ber 25ögel unb
ber Süfte, unb ber gitternben SBälber f darnebet: fo fängt fie, wie
auä einem fanften ©c^laf ermac^t, an, bie t)olben Silber Doriger
Reiten, bie Erinnerungen ber ^ugenb gu fammlen:"
— — while universal Fan
Knit with the Graces and the Hours in dance
Led on th' eternal spring. Not that fair iield
Of Enna, where Proserpin gathering flowers
Herself a fairer flowr etc. — — —
— — — — — nor that sweet grove
Of Daphne by Orontes, and th' inspir'd
Castalian spring, might with this Paradise
Of Eden strive; nor that Nyscian ile
Girt with the river Triton etc. — —
©0 fc^roebt unfre berauf d^te ©inbÜbunggfraft raeiter, un'o !ommt
enblid^ mm Serge Stmara au§ 2let^iopien ^uxM, um im ^ara=
a) Parad. lost. Book IV. v. 266.
— . 236 ' —
biefe unenbU(^ me^r, al§ in allen bicfcn 3*^it^f^'9^9ettbett gu fin=
bett. ^ft bieg eine (Sntljeiligung beg ©cbirfjtä? fo iftä eine (Ent*
Ijeiligung bcä §öd;ften unter bcn ^;propI)eten, be§ ^oetifii^en ^efaiag,
Se^oüal) einen ©Ott ber ©ötter gu nennen , unb xi)n @e[änge lang
mit biefen ]§eibni[(^en ^Iö|en ^u üevgleid^en ! aber lüie ergaben!
SRilton Ijat un§ ba§ erftc ^aar big juni ©ntjüden gefd^ilbert,
ben 33au i^rer ©lieber, unb iljre vergnügte SJJaljIjeit, unb ilire 69
Sieöfofungen , unb bie I;oIbe Umarmung ber @üa unb — bag
SicMiid^cIn 2lbamg.^
as JujDiter
On Juno smiles, wheii he impregus the clouds
That shed May flow'rs — —
Söelc^ ein Silb! ^ftg (Erniebrigung für Slbam, in il)m ben
füffenben Jupiter ju fef)en? 2tbam füfjrt (Bva gur Srautlaube,
unb ba unfre ©eele burd§ ben fid^tbaren Stnblid bcrfelben mit
^reube unb ©firfurc^t gleic^fam erfüllet roorben; ba bag 3(uge
nid§t met)r fprei^en fann: fielie! fo fpric^t bie ^§antafie, gleid;fam
in einen 2;raum üoriger Reiten oerfentet:^
— — iu shadier bower
More sacred and sequester'd, tliough but feignd
Pan or Sylvanus uever slept, nor Nymph
Nor Faunus haunted. — — -
©0 biegtet 5Ri(ton : feine profanen @Ieid}niffe ftnb nic^tg alg .^ülfg-
üorftettungen jum ©ienfte feiner l^eiKgen 33orfteEungen : er nimmt
gu i^nen feine ^uftud^t, menn 2öorte inneri)aI6 bem Greife feiner
3fteIigion nid^t ^riebfebern geben, feine ^bee fo I)od§ ^u fpielen,
alg er fie liaben mill : unb nur bann irret feine ^^ntafie in biefe
3aubergegenben ber ©ried^ifci^en' S)ic^tung, menn er fi^on unfre
©inne erfüllet, unb je^t ber Seele "^txi lä^t, bie 33ilber il)rer 70
^ugenb gu fammlen. .konnte er bieg nid^t t^un, alg ©id^ter?
©6en baburd^ fd^lägt er ja <xxi unfern @eift, ba^ er gleid^fam fid§
a) B. IV. V. 499. b) B. IV. v. 705.
237 . —
fctBft bid^tc. Dber ctroa nxdjt al§ Sidjtcr ber ^Religion? 3Ba§ ift
ber 9teltgton roürbtgcr, aU fold^e SScrglctd^ungcn ju i^ver ®r()ö'
f)ung? ®ic S3tbcl, ja ^c^oüal) fcI6ft in if)V fprid;t al[o.
5Ktd^t§, nid^tS tüunbcrt mid^ fo fcl)V, al§ ba^ ein comptUrtcr
S^abel, ber in S3ritartmen lärtgft ücrlac^t, imb ocradjtct ift, 'Oin
nur bic Saubcr'ä nnb 50iagni'g unb äsoltaive'S gegen SDiilton
f)aBen aufbringen fönncn, unb längft bainit jur 9{ul)c gegangen,
ba^ biefer, ol^nc ©rünbc unb Urfadfjcn, roiebcr aufgeraärmt, in
©eutfd^Ianb angefjört lucrben fönne! ©ineut ßritifuS, ber 9}ii(ton
bto§ au§ au§geriffenen 3mcgationen f'ennen mag, fann fo etroa§
crmartet fomnten, bem aber wag ic^ feinen beffern SoI)n für fei=^
nen 2^abel roünfd^en, aU ba^ er il^n nie im ^wfammenljange fen-
nen lerne!'' — —
71 «Sd^abe, ba^ unferm Sateinifc^en .^omeriften bie S3iblifd;en
ßpopeen, bie wir in unfrer Sprad^e f)aben, 5. @. ein '^oaf), !^aioh,
u. f. f. unbefannt ober nid^t in feiner Kompilation angefül^rt geme^
fen : meld^ ein ge(ef)rteg JKegifter 53iptf)ologifd;er ^errlid^feiten mürbe
er ba e:rcerpirt !§aben, jiir g^reube alter frommen (5l)riften, unb
3ur Setire ber Sliänner in 3üi^id)!
6.
Wlan fielet, mie menig Ueberjeugung ba§ falzte 3>erbot in§
2ttlgemeine t)in: „lein ^Hhjtfiologifd^er ^^tame fomme in ein geift*
„ lict)e§ ©ebidjt ! " für mid) I)abe : id; mu^ mid; alfo fd^on fetbft
nadj ©rän^icn ber 9Jh;tt)ologie unb eines 6[)riftlid;cn ©ebiditä
umfe^^en.
a) S)a§ §v. M. x^n fc^roertid) fo (5cfannt, fönntc ic^ au8 bet offen«
fear ungerechten 2lnfc&utbigung beteetfen: SD^Htton fage '^ier nic^t einmal fein
'Bo.i'oa 35enia: nt est in fabulis, ut poetae aiunt, aut älia eiusmodi,
quibus excusari illa possunt. ^wax, wenn ev§ andj nic^t fagte? S'tun
aber ntnß ja §t. It. to. 705. ba§ though hnt fcign'd nid;t getcfen Baben,
unb trcv vpitb eine ®teüc anf iil^ven , bie man nic^t getefcn t;at ?
— ' 238 . —
3uerft rechne iä), rote gefagt, bte Sateimfc^e ©prad^e ni^t
mit: benn fc^roer tft§, gu beftimmen, roo ber Sateimfd^e Stugbrud'
aufi)öre, unb ber 9lattonaIrömtfc§e, ber 3)Jt)t§ologifc§e 3. @. anfange.
9tod^ fd^roerer tftä, über [0 frembe ©egenftänbe, al§ ein ^eiliger
©efang liefert, Sateinifc^, unb im ©eifte ber Sftömer ju bid^ten;
benn entroeber rairb ber ^ube unb ß^rift romanifiren , ober ber
9ia(^f olger SSirgilö unb §oraj jubaifiren, ^elfenifiren muffen.
^roeitenä red^ne id^ bie ^dUn nid^t mit, ba bie 3)iptl^otogie
gleid^fam bie groeite 3)lutter be§ ^oetifd^en ©eifteä mar: unb bieg
ift bie Sßieberauflebung berfelben in Italien, ^n ber ^unft fpra* 72
d^en bie fd^önften 3}^t)t^otogifd§en ^been bem Sluge; in ber roieber
erftanbnen ^oefie bem D§re: ftatt be§ trodfnen 2triftotele§ roarb
ber 9Jlpt!^oIogifd^e , 2iIIegorifd§e ^iato ber Sieblinggroeife ^tatienä:
folc^e Segriffe füttten bie (Seele, ©ntroeber roäi)Ite man bie 2aku
nifc^e ©prad^e ba^u, unb in il^r fd^ien gleid^fam bie -D^ptl^otogie
fd^on eingewebt, unb unabtrennlid^ ; ober man roäf)lte bod^ 9Jiptf)0'
logifd^e 3)id§ter gum ©ingigen 33orbiIbe; roie fonnte fic§ nun ber
begeifterte 9^ac§a^mer fagen : fie^e ! ^ier f)ört bie 50ianier beg SDid^-
ter§ auf, unb ba fängt feine 9teligion anl Unb roer fid^ bieg
aud^ ^tte fagen fönnen, ber rooKte fidCjg nid^t fagen, benn äd^t
Satein, äc§t Siömifd^ ^u bidfjten, mar ja nad) bem 3eitbegriffe, ber
einzige, ber l^öd^fte ^roecE feiner 3Rufe. — ©old^e Reiten alfo
fott man erflären, ein attgemeiner S^abel foftet roenig.
3)ritteng fd^reibc id^ aud§ nid^t oon ben Reiten, ba bie 9teli=
gion, fo roie fie bamalg ^errfd^enb roar, !ein retneg §eiUgeg ©ebid^t
geben lonnte: ba bie Segriffe oon i^r oiel gu bunfel, unbeftimmt,
gebrod^en unb abergläubifd^ roaren, atg ba^ ein ©ebid^t, bag für
ben ^errfd;enben Serftanb gefd^rieben roäre, für ung ort^oboj,
roie ein ©ebetbuc^, fet;n fönne. ©0 3. ©. bie Reiten bcg 2) ante,
2trioftg, 3::affo, (Samoeng u. f. ro. Senn biefe 2)id§ter in bem
elenben @ef(^madte i^rer 3eit ^^oetifd^eg ©erät§, ober roenigfteng 73
greii)eit fanben, mit biefem unb jenem (Btahe: beg 2lberglaubeng
^oetifc^e Sßunber ju t^un, roarum nid^t? £)ag ^elbengebid^t eineg
3D{önd;g aug ^abua auf feinen ^eiligen Slntoniug, ober eineg
— - 239 > —
3}ia9länber§ auf feinen §eiL Raxl 33orromäu§ fei immer ben
Segenben feineg Drbeng, feiner ©tabt, feiner 3*^^^^^ feiner eignen
©rgie^ung angemeffen: benn anber§ !ann ber eiirmürbige ^ater
nic§t bid^ten. Unb rao raerbe id^ an einen 3fliefen, an ein @e*
fd^öpf feines Qa^r^unbertg , mit einem ^'i^ergmaa^c meiner ^ixt,
mit einem !ritifd^en Stegelc^en, Einzutreten, o§ne ba^ mid^ feine
©rö^e nid^t befc^äme!
2tIfo blog von einem in ber Sieligion erleud^teten ^cit*
punüe: unb roo mei^ ber 6ritifu§, wenn biefer ^citpuntt t)ot(
Sid^t, ober nur voU 93(enbefrf;ein bc§ Sic§t§ ift? roo fott er§, al§
Sritifuä, miffen? 3)ag mag ber ©otteggele^rte , ber ^olemifuä
entfdpeiben; nic^t ber ^oetifd^e ^unftrid^ter. 2)er S)ic§ter nimmt
ben §errfdfjenben 9teIigton§gefd§madf, ober beffer, fein eigneg 3f{eU=
gionggefül^I , roie er bagu gebitbet morben, feinen eignen ^origont
oon 9ieIigiongau§ftd§ten , unb bid;tet. Unb fo mu^ ber ßritifuö
i§n rid§ten. 3^id§t ba^ er abfolute äßa^rJieit fud^e, nid^t ba^ er
frage, ob bicfe unb jene 3ieligiongüorfteEung aud^ red[;tgläubig
genau, ejegetifd^ nd^tig, p^ilofopl^ifd^ erraiefen; fonbern ob fie
74 roafirfd^einlid^ fei), ob fie fönne poetifd^ geglaubt, gefüllt, beider-
gigt werben. 1)a§ ift bei einem ^übifd^d^riftlid^en ©ebid^te nid§t
fd^ted§tf)in bie 3^rage: ob l^iftorifd^ genau, ber ^ube feine Slffelten
fo gemai)lt ober nid^t; auf ben %u^ raärc oielleid^t fein ^ob
2lbam§, unb fein ^ob 2tbel§ möglid§; fonbern ob fie, nad^
geroiffen allgemein angenommenen S3orau§fe|ungen, fo
i^aben fpred§en fönnen. — ^d^ folge alfo beut 9ic(igiongbcgriffe
meiner 3e^t, ot)nc roeiterc Umroege: raiefern »erträgt er fid^
mit 3)it)t§oIogifc^en ^been?
1. ^n jebem ^oem, roo Sid^tung ^errfd^t, rao ^erfonen ber
S)id§tung auftreten , fönnen freilid^ ni(^t 3Befen ber ^eibnifd^en unb
ß^riftlid^en 3ieligion neben einanber l^anbclnb oorgefteltet roer*
ben ; nid§t mit einanber gleid§ raefentfid^c ©ubftanjen gur ^anblung
beä ®ebid§ts ferjn. ^^nn bie 3}iufc unb ber f)eiL ©eift, ein
©abriet unb ein Slpotto, eine Tlaxia au§ ben ©egenben be§ §im=
melg, unb eine 3)iane jugleid^, auf einerlei Slrt ^soetifdjc (Ejfiften^,
— = 240 ' —
^oetifc^e §onbIurtg auf bcm ©d;aupla^c cineS Ijetltgcn ©cbtd^teS
bekommen; fo flogen fie ftc§ in unferer ©cele. ^^va ^octifd^en
©ubfianjcn I)eben cirtanber auf: mein 2luge fä^rt über if)re kiber-
feitige ©egenraart (^urü(f : bie 3::äufd§ung gel)t v^xloi)lxn, uW!) mit
i^r ber ganje 3wecE i^rer ^octifd^en @r[c§etnung. ©in 2:^raucrfpiel
fold^er 2trt mag üicllcic^t norfj in einem 2öin!el von Italien, ©pa- 75
nien, ober oon S3öl)men xmb kapern au§flel)lidj fcpn: eine ©popee
von fotrfjer SJiifrfjung mag ber ©§ri[tlirfjen "öarbarei gefatten; ringö
um un§ frfjeint ba§ Sirfjt einer geläuterten 9ieIigion ^u ftar!, alä
ba]s ni($t ©ine foId;c 2)i(j^tung bie anbre in ben Sd;attcn brän^
gen mü^te.
ytux fe^e xd) glci(j§ eine ©infdjränfung ^in^u. Td(l^t bc^roegen
!önnen beiberlei ©efrfjöpfe nic§t auf @inem (Sdjaupla^e , in gleid^
ftarfem Sidjt erfrf;einen, weil bie @inc 2trt n)al)rc, bie anbere
Sügcnmefen, ober narf; ^r. ^lo^enä ©prad^e/ inepta, ridicula,
falsa , impia , uno verbo superstitionis propria finb , quae a veri
Dei cultoribus usurpari non possunt. '3^cnn ein folc^er 2)ic§ter
fd^reibt nic^t eigentlid^, aU ein frommer rechtgläubiger ßlirift, al§
ein S)iener be§ einzig magren ©otteg, ber cor aller 3Jiptl)ologie
al§ Dor einem ungereimten, läc^erlidjen , gottlofen, abergläubifcljen
^rame fo üiel 3Ibfc^eu ^at, mie uor bem böfen g^einbe ber ^ölle;
fonbern — als S)ici^ter. ©r fc^reibt nidjt eine§ feiigen ^obeä unb bes
^immelreici§§ roegen, fonbern nur, (ber gottlofe 53tenfd;!) um poe-
Itfd^ feine Sefer ju täufc^en. ©r oerabfd^euet alfo hk 9)^r)tf)ologie,
nid^t als ein ungöttlid^eS SSefen, unb al§ eine ©efd^id^te meltlic^er
Süfte, fonbern roeil fie in feinem I^eiligen ^oem feinem 3"3cde,
feiner Saufbalin ber ©ebanfen frembe, unb bem ^oetifd; anfc§auen=^ 76
ben Sefer mibrig fepn niu^. 2luf einem anbern ©c^aupla^e tonnte
eben berfelbe Sefer biefe und^riftlid^en, gottlofen ©efd^öpfe ber Sügen
gang bel^aglic§ fel)en, unb üiellcid^t ohm ber Siebter, menn er ein
Sßielanb ift, mit ^euer bearbeiten; aber auf biefen gel^ören fie
nid^t „ber ^oetifd^en 2öa^rfd^einlid)fcit Ijalben." 2)enn
a) p. 56. big 86. auf jcbcr Seite.
— 2n ■■ — ■
trenn bte 5JZa|djtncn bcr Ijcibnifcljen StoUijion biö ,^itr 2:;äiifd;ung
geglaubt loerben [oKcn; uiic benn au§ eben ber "lOIalcfjinc 6f)rift=
lid^e Sffiefen? ©ic lütrfen bem anfc^auenben 3(uge gegen einanber,
fie Ijeben an 2öat)rfd;einUd)!cit etnanber auf.
2. 2lud; raenn ber S)id)ter allein fpvtd;t: [o fpredie er in
©ineiu ©ebic^te üon beiben nid^t ganj auf (Sine 2lrt; al§ raenn er
an beibe gleid) glaubte, unb fie beibe mit einerlei SBaljrl^eit
bef)anbelte. ©ine 2(nruffung an ben I)eil. @cift unb an bie .<i^al=
(iope jugleic^ ift ungereimt; nic!§t mieber al§ ©ottlofigfeit , aU
©ünbe roiber ben ^cil. ©eift, foubcrn ber ^oetifc^en ^äufd;ung
f)alben. ©nttüeber finb beibe bem 3)ic^ter aläbenn 2Sefen üon glei-
d)er ^oetifdien ©j-fiftcn^^; bie§ mieberfprid;t fid} - ober beibe nur
Sftebegicrrat^ , nur ^oetifd;e g^iguren: bie§ befeibigt ben Sefer nod^
mel^r, benn er fommt baburd^ ^u fidj gurüd, um ben S[öort!ünft=
ler oljne inneres SBefen unb Seben geroa^r ^^u werben — ober
@in§ üon beiben i)at nur ''^oetifd)e 2öa()rl)eit ; unb marum fteljt
77 aläbenn ba§ 2lnbere ba? @§ l)inbert bie Söirfuug be§ ©rften.
Qn biefem ©tüde t)at f reilid; niemanb f o gefünbigt , aU ©annajar ;
iä) mieberljole e§ aber nodjmalg — gefünbigt, nidjt mibcr ben
"^eil. ©eift, fonbern miber bie ^soetifd^e 2öal}rl)eit unb ^llufion.
3. 2Ö0 bieg nid^t ift, mo bie ^oetifd^e 9Ba[jrl)eit unb Söafjr-
fc^einlidjteit nic^t barunter leibet , mo eg ber ßongruität be§ @ebidjt§
nidjt entgegen ift, an ?0^pt()ologifd)c 9iamen, an erbic^tete @egen=
ben gu beuten — immert)in! S)ie 5[)ci)tljologie ift einem guten
■^fieile nad) Ijiftorifc^, ober 3lIIegorifd^ ; felbft ba§ J^^'-'I^J^ft'-' ^^
i^r mifc^et fid) mit @efd^id)te unb 3tffegorie; marum foKte fie al§
folc§e nidjt auftreten? 2Benn fie befannt gnug, anfdjauenb, unb
eine ©d^öpferin grof^er 33egriffe jur 2Biirbe eben be§ 61}riftlid;en
Dbj[e!t§ ift: fo fniet fie aU ein Dpfer üor beut Stltare ber dMi^
gion. ©elbfl 3Migion roollte fie I)ier nid§t feiju, fie marb alö
©efd)id)te, al§ Stffegorie, afö alte ©age, ober al§ belannte ®id)*
tung gebraucht: unb ba oft mit einer 3Bir!ung, bie anber§ moI)cr
tttd)t erfc|t werben tonnte — t)ortref(id) ! ©o 9)ülton, fo 3)oung,
fo oft bie SDi^ter ber Offenbarung!
§evbcv« fämmtL aBcrte. III. 16
— « 242 • —
@§ fann ttid^tä , aU ein SReft ber Ste6Itng§fefte [einer ^ugenb *
geroefen fet)tt, roenn $r. .^I. jeben 2Rpt§oIogif(^en 9^amen, jebeä 78
fabettjafte @Ieid§ni^ oug 6§riftlid^en ©ebic^ten, al§ gottlog/ falfd^,
ungereimt, täc§erlic|, aSergläuBifd^ auä!ra|en roitt. 2t6ergtäu^
Hfd^? SJiu^ id^ benn einen ^tuto glauben, m^nn i6) mid^ mit
5[Rilton an bie fc^öne g^lur (unb an nid^tg me§r , al§ an bie fd^öne
g^lur,) erinnere, roo er feine ^roferpinc entfülirt l^aben foU?
Säd^erlidb? 9^un roarum benn, menn id^ mit einer (Erinnerung
an ben !üffenben Jupiter gro^e Qbeen erraerfe? Saffet Jupiter
oorje^t nur ber ^öd^fte .§elb fepn, ben ein 3)ic^ter benfen konnte;
mie erf)ö^t ba§ 5Mton§ Slbam! Ungereimt? g^alfd^? 3ln
fic§ felbft immer! aber ber f)iftori[c^e ober Slffegorifc^e (Sinn, in
bem id^ fie angieße, ber ift nid^t ungereimt, ber ift nid^t falfd^!
Unb enblid^ gottlog? 9tun ja bod^, ja! unb id) glaube e§
§errn ^Io|cn fo , al§ voenn iä) iJ)n nod§ in ber SSorftabt gu @ör*
li^^ prebigen ^örte; aHein ^x. ^lo| roirb aföbenn feinen ßoKegen
fennen, ber 2lbbten aud^ ber ©ünbc miber ben^eil. ©cift befd^ul^
bigte, meil er eine nic^tämürbige ©atpre üerbeutf d^et ^ttc? ^d)
fe§e in 9Mton, ?)oung, unb im merjigften Kapitel ^efaia, mag
mid^ anbetrifft, nid^tg ©ottlofcg.
4. 2(ber üierteng: rao in einem ß^riftlic^en ©ebid^te bie 9)lt)* 79
tf)oIogie leinen ^oettfd^en D^u^en fc^affet; allerbingg, ba bleibe fie
roeg, benn jebeg SJcii^ige, jebeg ber ^oetifd^en 3Birfung 3©ibrige
mu^ raegbkiben. ^ä) banle alfo im ^^^amen aller maleren ^oe=
ten eineg ^. ©ujetg ^rn. .^lo^en freunblid§ für bie drlaubni^,
„bod^ ^f^eptun für ba§ 9Jleer, unb Sereg ftatt Srot, unb SSulfan
a) Pro ingenii sui — ^ favebat maxime Zinzendorfianorum parti-
bus, nihilque aliquoties propius abfuit, quam ut eorum sodalitati
nomen daret. Harles. vit. philolog. in vita Klotz, p. 184. P. I.
b) Gorlitii cum esset, dixit saepius in villis suburbanis pro
sacris rostris ad populum, quod etiam aliquoties in patria ((ät ja!) ab
illo factum est. Harles. vit. philol. ibid.
1) ,, sui inconstantia" Harles.
— . 243 - —
,,ftatt %mix, urtb Si)äu§ ftatt SBetn, and) im geiftltd^en ©ebtd^tc
„jagen 311 fönnert; benn btefe 2Sortc Ijätkn fci^on t§re 3)it)tJ)oIo*
„gtfd^e ^raft üerlo^vcn; fie bräd^ten aber eine nid^t geringe ©leganj
„in ba§ ©ebid^t." ®(enbe ©leganj! ^b^n mo fie i^re alte J^raft
abgelegt ^abm, unb btoä al§ SBortfd^inud gelten; ba n)irb§ gerabe
ba§ erfte @e[e^ be§ raa^ren 3)ic§ter§, jumal be§ ^eiligen 2)id^=
ter§, ben S3ettcl roegjuraerfcn.
^<^ fammle ba§ ^erauägebrad^te, unb ba jetgc irf; ja bo(^
beinahe ein Facit utit §rn. J^lo^en auf? ^f^ic^t t)öHig; unb am
meiften ift bic 9led§nung§art »crf (Rieben , roic rair unfer ?yacit f)cr-
augbringen. §r. ^l. t§ut einen 3)iad^t[prud^ : !ein 3ug ber 3}lt)tf)o=
logie fomme in ein geiftlici^cg @ebirf;t! id§ ne^mc mir bic ^reil^cit,
ben @a^ [0 einjuf d^ränfen , ba^ er bei jebem Unraal)rfd§einlid^en
in ber ^oefie gelten mu§. §r. ^l. giebt ftatt ©rünbe bic 9^amcn :
§eibnifd§ , gottloä , falfc^ ,. abergläubifd^ , bumm , lac^erlic^ , unge*
80 reimt ; iä) barf fagen : immerf)in ! roenn eä nur l)ier nid^t unma^r*
fc^einlid^, unpoetifc^, ber ^ttufion entgegen ift; beförbert e§ biefe —
t) ortref Ud^ ! §r. M. tabelt bie grö^eften 3)id§tcr; iä) entfd^ulbige
einige, unb rette fie au§ it^rer Q^it; anbre lobe ic^, unb !önnte
eine 2tbf)anblung geben: „uon ber üortreflid^cn 2ßür!ung frember
„ SleligionSibecn in einem 6()riftlid§en ©cbic^te!" ^r. M. erlaubt
bie 9)t9tl)oIogie nirgenbg, al§ mo fie au§ bem gradu ad Parnas-
sum geborgt, eine 33lumenlcfe ^oetifc§er ^I)rafe§ o§nc 9}Jt)t^oIo=
gifd^en ©inn feri; id^ marnc uor nid§t§ fo fef^r, at§ üor foId;er
finnlofen 5)li)t{)ologic, oor fold^em ?Oit)t£)oIogifd§cn Unfinne ! §r. ^t.
fiat fromm unb ß^riftlid^ gefd^rieben; id§ münfd^tc, al§ ^unftrid^==
ter ber ^oefte, grünblid^, unb nad^ bem ©efü^le ^oetifd^er Sefcr
gcurtl)eilt ^u ^aben. ©0 gel;c id^ über biefe 5[Ratorie mit §rn. ^i.
au§ cinanber.
7.
2ßar fie aber fo (anger llnterfud^ung mertf)? Qd^ glaube:
benn meldjcn 33etf)Ic^emitifd^en ^inbermorb mürbe §rn. ^l. 3>erbot
IG*
— ' '24A
in bcin ©r^benftcn unfrer geiftlic^en 1)iä)kx ftiften! unb unjre
geiftlidjen 2)td;tcr (eine ©attung '^oefie, in welcher mir 2)eutfc|e
nur ben dritten nac^fteJien) [inb bie @J)re unfrer Station.
©er ^eiligfte unter allen, Älopftocf, unb bas l^eiligfte ©ebic^t 81
be[fel6en, ber 9Jte^ias! Stber von melc^er Söirfung ift bie l^eib-
nifd^e, bie 2)ir)tl)ologi[(^e 3^ömerin in bemjel6en/ ^ortia! 2Bie,
menn fie ju beten anfängt:
■ — • — — ''Diit aufgel^obnen ringenben ^änben
©tanb fie mit 2lugen, bie ftarr jutn bämniernben ^immel l)in=
auffal)n,
Unb fo jroeifelt' i^r ^erg: D bu, ber ©rftc ber ©ötter!
®er bie 3Belt au§ 9cäc^ten erfc^uff , unb 5Jtenfc^en ein .§erj gab !
9Sie bein 9tamen auc§ ^ei^t, ©ott! ;3upiter! ober Qeljooal)!
9^omulu§ ober 3l6ral)am§ ©Ott! — — —
!^\t er bir fo feftlic^, ber Slnblic!, bie leibenbe Slugenb,
©Ott! üon bcinein Dlpmpus ju fel}n? ®r ift e§ ben 5Jien=
fc^en ! u. f. ro.
©ie fä^rt mit biefem l)ol)cn ©efüljle ju beten fort, unb id)
hin über &a§ ^erj ber (E§riftli(^en Sefer be§ 9)^e^ia§ gemi^, ba^
baffelbe nur feiten eine fo !§o§e ©tuffe ber Seiüunbcrung ^^efu
crreidjt l}a6cn roirb , alg mit biefem lieibnifc^en ©cbete.
^ortia erhält ü^ren ^^raum : '' bie ©rfc^einung beg <Sofra=
te§ ! — — .§immel ! roo gel)ört <Sofrate§ , ber !^eibnifc^e ©ofrateg,
in einen 93te^iaö? Unb bod; roci^ id) , ba^ biefer 2:raum, um 82
mit ^lopftod" ju reben, fid), uor nielen (Spifobcn be§ ''Dle^iaS, in
bie ©eele be§ Seferä gießen, unb immer aus ben Sieblingsgeban-
fen, bie er am feurigften bcnfct, neue ©ebanfen entroideln roirb,
— — in feinem^ ^erjen bie feinften
^arteften ©aiten gemiffer §u treffen , unb gang i§n ^ gu rül^ren.
a) 2)ev SJkffiag. ©efang 6. h) ©efang 7.
1) Ät: „il^vcm," „fie" [tooii ^ortia]
— 245 . —
©cfjon rocnn ^ovtta anljcU: — —
©ofvatcg ... 'qVoüx bu fcnnft iijn nid^t; aber id) fdjaure üov
g^reubcn,
'^mn id) t§n nenne ! baS cbelftc Se6cn , ba§ jemalä cjcIcBt univb,
J^rönt' er mit einem 2::obe, bcr fel6[t bieö Seben erl;öl)te!
©ofratcä . . . immer Ijah' id) ben 2Beifen berounbert ! fein 33ilbni^
Unaufljörlic^ bctradjtet, iljn \al) id) im 3:;raume. 3)a nannt' er
©einen unfterblic§en 9iamen: ^d) , ©ofratcä ii. f. ro.
^^nn ^rn. Kl. einzige Urfac^e gelten foff: „ba§ ^eilige foH
„nidjt mit beut Un[}ci(igen üermifdjt raerben!" fo müßten biefe
©pifoben au§ 5lie^ia§ raeg, unb mir finb jie unter ben tfjeuerften.
Klopftocfg ©alomo! Hin ^iblifdjeä 6ii|et, unb alle Sefer
83 fjaben mit mir, ben ßontraft bcr (jeibnif d^en ©cenen für 'oaSi 5HüI)-
renbfte im ganzen 2:rauerfpiele geilten, äiienn ©alomo rüljren
foll: mie anberä, al§ burc§ feine §eibnifd;en ^^üeifel. äöie, raenn-
ber Slroftlofe f taget:
^ülfe! (Selber meine g^reunbe
^^ermögenö nidjt. —
©in D^aud^, bem 3^cinb' ein fü^er Dpferbampf,
Witaa, bicfeg §aus oerfUegen! meine Kinber
^crfc^mettert locrben — —
— — ic^ lüill CS leidster tragen,
2tl§ roaä mir unter beiner ?^lügel ©chatten,
D ?yricbe! bieg mein ^erj ucrjeljrt — bas 2d)m
3um ^obe madjt! unb faum bes ''^Jiüben 3i-if^wiijt
Sen ^ob noc^ bleiben lä^t! ©ie ift bafjin
^ie §errlic^l'eit , bie mir gegeben marb!
2)al}in ift meine 3Bci§t)eit, famt bcr 9hil},
2)ie fie mir gab! — 3Bcnn bu cö bift, o 'Ocolodj!
3Sor allen ©eiftern ^D^oloc^ bu!
1) m.: S^atfot. fobve a3oii mir nic^t .pütfe. (Satomo.
©etter meine gteunbe u. f. tu.
— ' 246 . —
2)et: mir bieg alleä na^m; roomit erzürnt i^ bid^?
Unb ^aB' iä) tiä) erzürnt, fo la^ bod} enblid^
2)urc§§ ^tut |o üieler ÄnaBen bid^ üerfö^ncn!
Unb ßalb foinmen ©ängerinnen S[Ro{od§§! unb 5|]riefter 3)io^
lod^ä! unb Dpfer 9}bIod)g! ja felbft roagt eä Jllop[to(f, groeen
@ö|en rebenb einjufü£)ren. ^c^ mag über bie le^te ©cene nid^t
urt{)eiten; aber bie rüJ)renbften Stuftritte bleiben in «Salomo immer
bie ^eibnif(^en. 2Bie rü^rt j. ®. bie unmenfrfjlid^e abgöttifc^e äßutf) 84
im Dpferge[ange 9)loIodjö !
^c^ mag bie Sobmerfc^en ©popeen nid^t burd^ge^en. 2Bären
in iJ)nen bie 9)^t)t§ologi[d§en ©id^tungen nur oft etroag raal^rfd^ein^
lidier für bie ^^it, unb für ben Drt i^reg ©d§aupta|eg; am ^^u
ligen unb Un^eiligen, an äBa^r^eit unb (Srbid^tung, an ^übifd^
unb §eibnifd^ liegt, menn id§ nid^tS anberS bagegen {)ätte, nid^tä!
^d^ fü§Ie e§, ein fo unbeftimmt gefagter (Sinfatt ift ju ftro=
l)ern, al§ 'oaf, i<^ fo viel 9Dtine mad)e, if)n raeg ju 'i)Qhzn', '^i^^
kx , bie gemi^ feineg überfpannten @ntf)ufiagmu§ befd^ulbigt wer-
ben fönnen, mieberlegen x^n. 9Jtad^tüoI( ift 3. @. in ber S^tamler-
fd^en 5Rl)apfobie t)on einem ©ebete — 5Dkd§tt)ott in i^rer 3Serbin=
bung für bcn, ber ben ^erfif d^en 9Zad^brudE fennet, bie lül^ne
Slnrebe :
— Unb Dromajeg unb @ott! —
oI)ne bod^ eine Ijübfd^e 2Bortpf)rafig fcpn gu foHen. ©tar! ift in
^leiftg 6§riftlid)em ©ebidfjte üon ber Ungufriebenl^eit ber SRpt^oIo-
gifdje SSorrourf:
— SDenfft bu, roie 9^iefen ber %abd,
Stuf Reifen greifen ju I)äufen, unb, burd^ ben Unfinn
beroaffnet,
®en ©i^ ber @ott§eit gu ftürmen?
Unb enbKd§ in ben üortrcflid^en ©renabier§(iebern : oon mzU Sb
d§er 2Birlung ift bie |artc 33ermifd^ung beg ß^riftentl^umg , unb
ber 3}h;tf)ologie in bem 93lunbe eineg garten ©olbaten. ©ein ©ott
— . 247 ^-
tft ii)m leberjett, unb in jebem ©efauöe affeä: oov unb nad^ bei'
'5ä)la^t: im Si^reffen, unb im ©iegc.
— — — löär tl)rer ttod^ fo üiel,
<Bo fc^lag id^ fie mit @ott!
— — mag t'antt miber unfern ©ott
3:;l)erefia unb Srüp — —
2Rit red^tem ß^riftenmut^e ftreitet er; unb mit rechter
ßl^riftenbemutJ) , ©ott banfenb , preifet er ©ott nad^ bem ©iege ;
mie aber? §at ber ©renabier barum an gehörigem Drte aud^ nid^t
feinen 5Rar§ unb StpoU? fann er ni^t barum aud§ üon feinem
3^riebrid§ fagen:
%xd^ mie ein ©ott, oon g^urd^t unb ©rau§
(Ste^t er — — bu 'i)ol)tx ^afd^fopott
©a^ft i§n, im ^elbenangefid^t
$Den 2Rarg, unb ben SlpoU.
Xlnb foKte be^megen mein ©renabier fein äd^ter, guter ßl^ri-
ftenmann bleiben?
2)er, xomn er ftirbt, befommt gum So^n
^m ^immel l^olf)en ©i|! —
Unb be^tjalb foltten feine Sieber nidfjt immer ber Söürbe n)ert§
86 fcijn, bie ii)nen ätbbt anroünfd^t, üor ber @d§Iad§t gefungen ju
fet)n? ©ntmeber mu^ überall bie 33^pt[)otogie §ier nid^t me^r
3)it)t^oIogie ; eine liebe SBörterblume fepn, ober raeg bamit!
-.^nbeffen roill .^r. M. ung auc^ in geiftlii^cn ©ebid^ten nid^t
ganj leer t)om 9Zu§en ber 3)J9t^oIogie ausgeben laffen, unb fd^lägt
üor:* ,, 33ef(^reibungen ber ©öttli(^en SBeiä^eit unb 9Kad^t, i)o()e
„Silber ber ©ötttii^en ^Jiajeftät, oft fo üortrefUd), fo cri)aben,
„ba^ man fid^ faum üorfteHen fann, mie fie in ben ©eift ungläu=
„ biger (Sterblichen ^ben fommen tonnen , unb burd^ beren gefd^idfte
„'?Ra<^a^nmna, ber ^oet feinem ©ebid^te bie grö^efte SBürbe geben
a) Epist. Homer, p, 86.
— : 248 ' —
„formte." JDer ^^orfdjlag ift fvounn, aber audj tücnig mc£)r.
Söcmx JQX. M. n\d)t glaubt, ba^ ©ott jelbft in bie ©eelc be§
ßljviftlidjm ^^octcu 33ilbev einfd^iebe, fo Umn erä nid)t frewbe
firtben, haf> grof3c ©eiflcr unter ben Reiben auä) gro^e Singe
Ijaben benfen tonnen, [ie auc§ üon xljxcn ©Ottern beuten muffen,
■^d^ mag leine SSergleid^ungen, infonber^eit in (Baä)m, bie geroiffe
Sefer fo gern um,^ute§ren pflegen ; allein loer raanbelte unter eblern
33ilbern: ber alte, ober ber l^eutige ©rieche? ^ener jtxjifd^en fei-
nen ©Ottern; biefer jraifdjen feinen gemalten "^eiligen, ber ^apift
3TOif(^en feinen gef)auenen 3Jtärtrern. Unb bei mem ruar (id) rebe
bloä von ^^oetifd;en 33ilbern) ein foldjer Stnblid gelegner, um 87
gro^e ©ebanfen gu uied'en?
3u bem: 33efd§reibungen ber 9Seig§eit, 3)iac§t, 9)laieftät, finb
cigentlid^ feine '9)ti)tl)ologie mel)r; eä finb 3)id^terifc^e Silber über
ä)h;t^ologifd}e ©egenftänbe; mit il)nen Ijat alfo ^v. kl. feinen
©ebraud^ ber eigentlichen ©ötterlelire uorgef(^lagen. Saju ift bie=
fer Siorfdjlag fo gemein, fo befannt, fo gebraudjt —
,3a, menn i<i) fagen foll, nic^t einmal fo l)pc^nötl)ig. ^d;
gebe es gern gu, baf5 an 3Xbbilbungen ber ©c^ön^eit, ber 5Jülbc,
unb einer gemiffen ^Otenfd; liefen äöürbe ber ©ott^eit, man uon
@ried)cn unb ^tömcrn lernen fönne, infonberljeit , wag bie fdjöne
iiiirjc, baä unübertrieben ^^rädjtige, tiaä Slngemeffene im
Slusbrude fold;er Sefc^reibungen betrifft. Slber 3Beiöl)eit, 9J^ac^t,
^Jcajeftät, alles §ol)e, unb gleidjfam Unbegreif lidje in ber
©ottlieit — barinn finb bie Sidjter bes ''Dtorgenlanbeä , unb bie
(Srftcn berfelben, bie Sid^ter bes alten ^i^unbeä, eine rocit reichere,
unerfdjöpflid^e Quelle. -3n folc^en Silbern finb ein ©ilius ^ta^
licus, Düib, Birgit un':» ©laubian gegen einen .§iob, dJtO'
feä, ^ßf'^i'^^ wi^^ (^^^ 2)aüib, roie ein 2::ropfen gegen einen
Dcean: unb «Sdjanbe ifts, an einem tropfen ju leden, roenn ein
Slbgrunb oon ©rö^e, .§oljeit, 3}laieftat öor uns ift. "'^tur eine
©efül)llofe fritifd^e Seele, bie l)ierinn einen ^DJilton unb ^lop- 88
ftod Ijinter einen ©iliuä Italiens unb (Slaubian anfüljren;
bie oerfdjoffcnen ^urpurlappen aus einem Düib unb ©iliuä ben
— . 249 . —
i3ei[lltd)cn Sidjtcvn un[vcr Stclitßion, al§> dlaxitäkn, alä treuere
33üvl)tlba\ üüvtjaltcn barf, iinb in xmfern IjeUicjm 33üd;cvn, unb
in unfern ^ofjcn 9uxd;at)mevn bcrfelkn , bas (Sonncnmccr üon 3){ajie=
ftät, bcn Dtetjcnbogcn von präd}tigen färben nic^t crblidcn will,
in lücldjcm „bie ©rö^o unb 9Jtadjt &otk§>" gcnuxlet roirb.
,3d; cjebe eö §u, ba^ biefe 'ü3iorgcnIänbij'(^cn 33i(bcr aud) oft"
ein Morgenlänbifd^eö Stuge fobern: baf3 fie oft in einer ^üttc be§
Drientg erfd;cinen, btc unä biefelben frcmbe, ober in einem ©lanje,
ber un§ biefelben betciubenb niai^t. ©in geiftlid;er 2)ic§ter aber,
unb ber ßritüuä biefeä 2)i(^terä, fottte bem bie .^ülk unü6eru)inb=
lic^ fex^n? ©ottte er ixid;t, ben ©puren eineä großen 3)ii(^aelig
folgetxb, fid^ fold^e 33ilber gleic^faui in bie ©prac^e unb ©enfart
feitteg Dcciberxtä überfe|en, unb fie aläbcnn mit Drientalifdjer
SBärme füljlen! 3)ie ^sroben, bie biefcr 3SerbienftooIk DJkxxn gegc==
bcn, liegen in iljrer (Sntxx)idelung ba, unb xx)ie oerftäuben gegen
fie bie ©c^Iad'en eines ßlaubianä! S3Iog ha^ Seii^te, baä unfrer
©cniart näljcre, bie für un§ fa^Iidjere (Sx)ibenj biefer SRÖnxifd^en
Silber iftä, bie un§ biefelben empfielt. SBixren bie Drientalifd;en
nad^ unferm 2(ugenmaa^e: fo loäre ber ^^orf(^tag unleiblidj. 9i.ann
89 man fie nid^t aber nad; feincnx 2lugenmaa^e ftellen? nid^t feinen
JöUd gu iljuen erijeben? geroöljuen? unb fannft bu ba§ nic^t, fo
fie^e bie *©onne in biefem ifjreux ftralenbeix äBafferbilbe. ©ielje
ben ^Ibglanj Drieixtalifdjcr .^'-''fjcit in einem Ällopftod; oon (Srbc
bift bu, vomn bu an einen ©ilius .^talicus Ijierinn, alä ^orbilb,
gurüd eileft.
8.
„ 2Iuc^ ^'ünftler foKen (^ott unb (Sljriftuö mürbig bilben ! " ''
SBie tobt ift, maä c§r. M. Ijierüber fagt, gegen bas, maä aixbre
gefagt Ijaben. $ier ift 5tlopftod, ba er SÜUtxt'elmatxn beurtljeitet,
unb iiiem ift c§ xxidjt ein feljengxüertf^er Slnblid, ^meen fotd;e
a) p. 97. 98.
— ' 250 —
aiMmtcr, jroct ®nben beg 9)Zenfc^Iic^en ©cifteä, giüet ©rtreme ®eut-
fd)cr Driginale, con benen ber (Sine unter, ber anbre ükt 2)eutfc§==
lanb feinen Dxt fanb — iö) jage, iflg nic§t ein merfroürbiger
älnblid , fo(c§e groeen Marfgrafen 3)eut|(^er §o§eit üon iJ)ren ©renj-
fteinen jufammcn treten gu fel)en, gufammen fprec^en ju ^ören.
Saä ©tüd i^reä @e[präc§§ im norbifc^en 3(uffef)er^ ift mir eine
2trt üon ^^änomenon! „Ser einzige 2Beg für unä, unnad^a^m*
„Kc^ ju werben, fagt 2BinMmann, ift bie 9fJacf)a§mung ber 2llten."
„^ä) mürbe, oerfe^t .^lopftod", biefe ©infc^ränfung §injufe|en: in
„benen 2trten ber ©c^önf)eiten, bie fie erf(^öpft §akn. '^^nn mel=
„d§eg ©enie mürbe nic^t erfd^reden muffen, V3^nn eg fid^ nic^t erlau= 90
„ben bürfte, an ber 2lUgemeinI)eit jeneg ©a|e§ §u jroeifeln?
„^abzn g. @. bie ©ried^en bie SSorftettungen augbrüdfen tonnen,
„bie mir un§ von ®ngetn mai^en muffen? 2l6er mie üortrefflic^
„^ben fie nid^t oft bie ©ötter oorgeftettt! ©oltten mir nic§t bie
„ (Sngel fo mad^en ? ©emi^ nii^t ücEig fo ! 2Bir foKten jene SSor-
„ftettungen ber ©btter übertreffen. Signier groar finb mir, oon
„biefem Uebertreffen , fel)r meit entfernt gemefen.- 2ßir malen Mn^
„berd^en, ^rauenjimmer , unb raenn mir un§ rec^t t)oc§ fdCiraingen,
„fd^öne Jünglinge; geben biefen Figuren ^^lüget, unb bilben unä
„ein, (Engel oorgefteKt gu £)aben. So gar 9lapf)aclä 9Jlid;aeI ift
„ein Jüngling; unb er fottte bod^ menigfteng ein Jupiter fepn,
„ber chm gebonnert ^at. 2öenn nun Stap^ael oottenbä einen
„3:'obe§engel l^ätte mad^en fotten; 3. (S. einen, burd^ beffen bloßen
„Stnblidf ber erftgebo^rne ©ofin ^fiaraoä nieberfinft. ?Därf)aeI
„Stngeto alfo, roirb man fagcn. 9Zein, ber an6) nid^t: benn er
„übertrieb ju oft. Scr (Sontour bc§ magren ©ro^en ift fefir fein!
„3ßenn bie §anb nur ein ftein menig rudt: fo fann e§ übertrie-
„hin merben. 3Ber alfo? 33icttci(^t ein nod§ ungebo^rner ^ünft=
„ler, bem eS aufbet)alten ift, bie Ijeilige (Sefdjid^tc mürbig üorju*
„ftellen, nämlid^ bie meiften f(^on oft mieber^olten , neu, unb bann
„üiele fet)r erhabene, bie nod^ niemals gemad;t morben finb. 2Bie 91
a) 9£orb. %n\\t^. 3. Sß. @t. 150. [©.259 — 261]
— . 251 . —
„tüürbe iä) niic§ freuen, rocnn er fc^on lebte, unb bte[e§ läfe. @r
„ift c§, ber nod) md raaS anberg fagcn lüürbe, alä bie ©riechen
„I)akn [agen lönnen. ©ott üorpftellen , tDürbe er ft(^ niemals
„unterfangen; niematg! Stber ben 33erfö{)ner ber 5DZenfd§en eint^^
„gernm^en würbtg abjuMlben, würbe er alle i^räfte feines ©enteä
„anftrengen, unb fid) ben großen ©mpfinbungen , tüeldie bie ^teli-
„gion giebt, gang überlaffen."
^d^ laffe über biefe 5^topftodfc^en ©ebanlen gerne einem jeben
feine ©ebanlen; aber, iDenn iä) fie, unb bie beiben Sluffä^e beffel*
htn ^erfafferg über bie ^oetifc^e ßompofition einiger 33iblifd^en
@emälbe,°- unb einige fülle 2ßin!e 3Binlelmann§ in ben «Schriften
beffelben, unb üerf(^iebene offenbarere Slnmerlungen 2Bebbg, über
bie ©emälbe ber Steligion, jufattinten fe|e: fo bünft mid; bie§
^to^ifc^e ©emifc^e barüber
— — ©taub, ben ber Sßinb jerftreut.
^r. ^l. ftnbet unter allen , bie über ben ©lang um ba§ $aupt
ber ^eiligen gefi^rieben, feinen, ber bie ?Dkler barüber getabelt
Ijätte : er t§ut§ , unb fielet nic^t , roa§ ein f olc^er 33ogen gur ?9kj[e=
ftät ©otte§ tl}un follte? 2ll§ J^reiSbogen freilid^ nid^tS, aber menn
92 fi(^ nur feitraärtg einige rüdbleibenbe ©tralen üerlieren: fo fe^e
iä) nid^t, roie biefe liinberlic^ mären. JBei ©eftalten ber ^eiligen
ftnb fie eine einmal angenommene ©pmbole, unb ber ©eftalt ©ot==
te§, (menn ©ott anberS 5[Renfd)li(^ geftaltet raerben folt,) ein 3^^^
(|en ber SRafeftät, fo fern, alg ber ©id^ter finget:
— & avertens rosea cervice refulsit,
Ambrosiaeque comse divinum vertice odorem
Splravere — —
ober fo fern bie 33iblifd^en ©idjter aud^ l)ierinn gro^e ©emälbe oom
©lange beg ^errn geben, liefen lann ber 2)ic^ter innerljalb ber
©renken feiner ^unft fo befd^eiben folgen, alö bie ©riedien ben
^oetifd)en ©timbolen iljrer 9ieligion folgten.
a) @t. 173. 174. 186. iJiorb. Muffel;. 3. X^.
— « 252 . —
gerncr ^t §r. ^I. ben ©infall,'" au(^ ?^I^ügeI formten au§
bctt ©öttlii^en 53tlbungen ber 2llten beibehalten raerben. ^ä) miii
glauben , er meine nur etroa (Sngel , ober ben geflügelten SIi| in
ber §anb @otte§: benn ber ©ottf)eit felbft J-lügel ju geben, £)alte
id), (^r. Ä(. [ü§re mir nod) ein fo langes 9icgifter oon ©Ottern
an, bie befannter 3Beife geflügelt gebilbct rourben,) unferm §öd^*
ften @otte £)alte id^ ein '>^aar ^"Uigel ganj unraürbig. Äaum roür-
big ber (Sngel, nac§ ben eblen 33egriffen unfrer 9leligion; roenn
ni(^t, a(§ unterfi^eibenbe Symbole, racnn nid)t ctma im ^luge, um 93
bcnfelben bem 3(uge raaljrfrfieinlid} ju nmd^en. ©elbft bie ©riechen,
nad;bem fie bie SlKegorie nac§ unb nai^ abgeftreift Ratten, in i^ren
fd)önften unb ebelften S3ilbungen, marfen bem Jupiter bie g^Iügel
ab, bamit er nic^t lüie ein :3f'i^'oincnippuö beä Suciang erf(^eine,
unb gaben fie feinem 2(b(er. ^n ber 2()at, ben 2lIIer^öc^ften mit
einem ^aar ©iinfeflügeln cor mir ju feljen, ift unleibUd^cr, aU,
xijn graubärtig, unb als ©reiö, gu erblid'en. Sie§ giebt noi^ eine
leibliche Slllegorie uon il)m, bem eroigen 33ater; aber raaS foll feneä
ju ber ^bee beä älKgegenmärtigen ? —
„2)ie ©riedjen bilbeten :3up^t*^i^ ^^f i-'inem S)iDnnermagen/'
9lun l}at es |)r. 5Jti(^aeliä längft gezeigt, ba^ bie Cherubim, bie
2)onnerpferbc ber ^uben, maljrfc^einlid) ©efdjöpfe ber Slegpptifdjen
©inbilbungsfraft finb, unb ba^ bie ©riechen i§re Sonnerpferbe
Jupiters ebenfalls baljer urfprünglii^ cntlel}net: lönnte auc^ gezeigt
rocrben. ^ier fliegen alfo an^ ßiner Üuelle jraeen ^lüffe, unb bie
^oeten beiberlei 3^eligionen fi^einen nidjt anbers uerfd^iebcn ^^u fer)n,
alg ba^ fie fic^ ßine Sßorftellung, jeber nad; ber Slrt feiner 9Jation,
gcbac^t l)aben. Söarum follte alfo ber (Sl}riftlic§e Äünftler nic^t
biefe ^ilbung ber uerf(^nnfterten ©ric(^ifd;en i^orftellungsart abler-
nen? röarum follte er nid^t aud) ben magren ©ott roie einen bon=
nernben {jupiter bilben, ber feinen Sonnermagen unb Sonnerpferbe
mit bem Schalle bes ©diredens bur(^ ben meiten .^immel jaget? 94:
a) p. 108. 109.
— . 253 -—
^r. ^I. {)at für gut befunbcn, bicfc 33orfte((ung§ai't anjuprei*
\cn;'' imb id) fänbe e§ beinahe gut, baoor §u lüavnen. ©er Segrif
bcr ©ottljeit, bcr jc^t, alg |)auptc§arafter , ben ©emüt^ern bor
9Jtenf d^en heivoo^mt, ift cii)aBncr unb gereinigter, olö ba^ er ein
fo(dje§ 33ilb ertrüge, ^n ben finnli(^en Reiten ber ^übifdien S)i(j§*
ter voax „ furdjtbare Maä)t" gleid^fam ber §auptan6Ii(f, mit bein
nian fic^ ben ^errn badete ; man fc^rieb nad^ einem ^bol ber ©rjic*
f)ting, unb nac§ einem f)errfd;enben 3ettbcgriff e , bem S^agen @otte§
bie geraaltigen Bonner gu, bie über ba6 .^ii'^^f'^e Sanb fiinjogen,
unb baljin auä, auf biefen finnlid^en 33egrif, get)en auc§ bie t)öd;*
ften 33i(ber ber ^ropljeten. .^rre id^ nid^t , fo ift bie gemeine S^or-
ftettunggart unfrer 6()riftlid;en 3^^ten barinn fanfter. 3)ag erfte
33ilb, ba§ mix imä üon unferm ©otte machen, ift üielme!^r ba§
^ilb üon bem »oUtommenften, roeifeften, gütigften SÖefen,
bem 33ater, unb unfic^tbaren ©r^alter ber SÖelt; afe »on einem
jornigen Donnerer, uon einem allmächtigen 3Seltocrit)üfter. ©off
alfo ja ber ^ödifte gebilbet raerben, fo jeigc man i^n in biefer,
95 für un§ ber roürbigften ©tettung, ober gar nii^t. 3)ie ^roptieten
be§ alten ^unbe§ fd)uffen 33i[ber für i^rc 3*^^t, unb aud^ in biefer
nid}t für ben bitbenben ^ünftler: nid)t für ben 3Xnb{id beä
©d;önen; fonbern für ^oetifd^e ©eelen, unb in biefen nid^t§ a(§
ber 9teIigiongbegriffe Ijalbcn. 2)ev ^ünftler unfrer 3eit tt)äte alfo
Unred^t, roenn er fid) foId;enfaK§ bamit, alä mit 53iblifd§en ^Sor-
ftelfungen, rechtfertigen mollte; benn bev ^unft f)at bie S3ibe( mof}!
feine Silbergatterie liefern ro ollen.
@g bleibt alfo nur ba§ S^orbilb ber alten Äunft übrig, bie
iljrcn ;3upii'^^' Sonnerfal^renb bilbete — aber iä) antworte, bas
TOar aud^ il)r Jupiter, unb nidjt unfer @ott! ^ener feinem (Sl)a*
rafter nad; ber 5Donnerer, ber
a) p. 115 — 122. Ostendi uno, eoque satis illustri exemplo, quo-
modo iuiitari jiossint nostri artifices veterum mouimeiita — ijit ba6
nic^t biet?
— = 254 ' —
^EXarrjQ ivteoraTog ßgovrag
dy.af.iavT67todog
Zevg
Tüte t^n ^inbar nennt, erljabner, aU bte fpätern 2)tc^ter, bie §r.
^lo^ anführt. I^upiter f)atte einmal nad§ altem guten §er!ommen
bie g^unction, bei* vif'ißQeuhrjg, YMrcaßdrrjg, fulminans gu fepn,
nnb raie man i^n mef)r nennen roill; al§ folc^er fonnte er ^ferbe
jagen unb 9iofje lenlen: bas ^ar ^ooialifcf). 6tn foIdBer aber ift
m<i)t unfer ©ott bem ^auptdjarafter nac^; unb eine foI(^e ^unft*
üorftcKung nii^t @öttlic§. 2)ie Äunft arbeitet für ©inen craigen 96
2lnbU(f; roeld^ ein Stnblicf aber, ©ott vor meinen 2(ugen oercroigt
gu feigen, alg — einen ^ornigen ^-u^rmann!
S)a§u mu| §r. M. au5 ^omer, Pnbar unb allen ©riechen
roiffen, ba^ in benen ^^^ten, ba fid^ 9)^r)tf)o(ogie erzeugte, unb bie
^unft galt, ein ^ferb, roie nod^ bei ben S(rabern unb 2(egr)ptcrn,
ein fe{)r roürbigeö ©efc^öpf , unb ?pferbeüerrid)tungen fe§r eble ^anb-
tfiierungen raaren — bei ung ni(^t rm^x. . aBa§ [agt mir a([o
bieg S3ilb ©ottes? S^id^tg, ober etraag Unraürbigcg. — Ser
^ünftkr braudje es alfo ni(^t, unb lafje ben i^Io^ifd^en (Sinfatt
immer lieber mieber tjerunglüdfen.
Ueber^aupt roei^ ic| noc^ feinen 3)ur(^rocg, um ^raifc^en ben
^Öi^ften g^oberungen ber ^Religion unb ber Jlunft mit einer 33il=^
bung ©otteg, in[onberJ)eit für fid^ felbft, mit ©nugtijuung meiner
felbft, buri^julommen. 2)ie 9^e(igion geigt mir i^za 3^ot(fommen=
ften, ben StUgnugfamen, ben ©eift: bie .^unft bilbet Körper, ©ei-
ftcr geben feine ?^igur, bas 3]oIffommenfte §at fein Si(b. ^r. ^t.
raenbe nid^t ein:^ „©ott fc^rcibe fic^ ja felbft |)änbe, §alg, J-ü^e,
9flafe ju." Sefannt! aber jebeg üon biefen ^Ijeilraeife, nid^ts
mit bem anbern gufammenliangenb , ba^ es ein ©angeg bilben
foKte, jebeg ©lieb alg ein finnlii^eg Silb ©iner feiner ßigenfc^af= 97
ten. ^ie gange 2(ntf)rDpomorpf)ie ©otteg im alten Sunbe ift alfo
a) p. 98. Ipse Deus sibi manus tribuit, dorsum, na.sum , pedes
etc. ift ber ®runb nidit bünbig?
— 255 ' —
nid§t btibertb, fonberrt anbeutenb, fpmboltfd^ : unb in roeitem ^ßer^^
ftanbe ber 2t(ten atfo, Stffegorie. ©a^u ift btefc 2tttegorte nur
^oetifd^: ba§ ftd§t6are S3ilb ratrb von bem getftigen ©lange, ben
e§ bebeuten fott, üerfd^tungen; e§ üerfd^rainbet mit bem SBorte,
unb bie Qbee, bie jurüc! bleibt, ift eine ©igenfd^aft ber ©ott^eit.
SBenn !ann nun ber ^ünftler bie SSefd^reibung ber 33ibcl für
eine ©rlaubni^ ()alten, @ott nad^jubilben? 3öenn er feine SSil-
bung ber ©ott^eit in jebem ©liebe berfelbcn auc§ fo anbeutenb,
fo 3ltIegorifc§ mad^en !ann, ba^ ba§ ^^^^n oerfd^minbet, unb
nid^tg al§ ber bezeichnete 33egriff jurüdfbleibt — in feinem anbern
%alk fe^e id^ ©rlaubni^. ^ann ic^ ©ott fo jeid^nen, ba^ mir bei
feiner .^anb ber 3lttmäc^tige einfällt, ber Söelten mägt, unb ®rben
anrühret, ba^ fie ijerge^en; au^er biefer 33ebeutung ber 2lffmad§t
aber ba§ ^e^cn, bie §anb fclbft, nid§t§ fep: lann id^ ©otte§
D'i)X unb Sluge bIo§ afö ©innbilbcr feiner 2tIIroiffen!E)eit barftetten,
ba^ fie weiter feinen ©inbrudf laffen: ©otteä %u^ nid^t an fid§,
fonbern al§ ben, beffen ©d^emel ber ®rbball ift, nic^t al§ ben
'Xl)di eineä 9[Renfc§Iid^en Körpers — fann id^ fo ben ©eift malen
unb bitben, ba^ ber Körper nid§t§, alä ©innbilb be§ ©eiftcä, unb
98 jmar be§ roUfommenften ©eifteS, ift: fo fann idfj ein ^ilbni^ be§
§örf)ften mad^en au§ 2Iutorität ber ©d^rift.
S)a bieg nid^t ift: fo (äffe ic^ xf)X 33eifpiel meg, unb Der-
gleid^e blo§ ?5^oberung ber 9teIigion unb 33ebürfni^ ber ^unft —
unb fiet)e! faft überaß ©egenfa^. ©ott ber Unmä^tidije — bag
SBefen ber ^unft im ©ro^en unb ©d^önen finb ©d^ranfen. ©ott
ber ©roige, unb fielje einen erzeugten .Körper, ©ott ber 2tl(mäd§=
tige, ber ba miß unb e§ gef(^ie^t; bie J^unft fann feine ^aä)t
auSbrüdEen oJine 2lnfünbigung einer 33emcgung. ©ott ber 3ßürf*
fame; bie ^unft fennt feine SBürffamfeit ofine 33emcgung: ©ott
ber Unraanbelbare, unb fie^e! jeber Stuäbrudf ber ^unft manbel^
bar unb roegeilenb! 3Ber fann i'§n faffen? raer fann i'^n bilben?
©er einzige roürbige 2tu§brud^ für i^n röäre bie fetigfte, äff*
gnugfame 9iuf)e; affein auä) ha erfdfieint er nur alg ber feligfte,
affgnugfame 5[Renfd§: unb raeif bie ^[Renfd^Iid^e 9fluf)e 'nur bei einer
■ — ' 256 ' —
%^kx t)on tranftttoen ^anblungcn mögKd^ ift; fo ift and) alsbenn
bei ber gebtibcten ©ott^cit bcr ^egrif non Unit)ür!fam!eit beinahe
iirtüermetblic^ : ber Segrif »on 2lHina{^t, äUIraifjettfiett, 2(ttraets§ett,
©intüürlung rairb in feinen Stusbrucf ber 9^u^e «erfc^Iungen , bag
S3ilb ift fein ©ott me^r. 9lapl)ael§ fc^affenber ©ott fte{)t mit
gefenftem Sluge, mit geigenbem g^ingcr:
^ann ber bcrounbern, ©r, ber bie Sterne gemad^t Ijat?
9tapl^ael§ eroiger SSatcr fte!§t roie ein grauer ©reig : ift ba§ ber ©ott, 99
ber bo bleibet, roie er ift? ©Ott fet)e 3. ®. auf bie @rbe f)erab:
ift ba§ ber 2ttlroiffenbe , roa§ fiel^et er eroig auf bie ^uget Ijerunter?
©ief)et er aud) roas neben il^m ift? ©ott roäge bie @rbe: fie '^at
ein 'Maa^ o,ea,zn ©ott, unb mu^ baju ein proportionirteä 'S'ka^
'i)ah^n: roa§ f)at ba§ 93ilb für einen 33aII in ber §anb, um bamif
ju fpieten? — 9lun fe^e man no(^ gar unroürbigere 'isorfteKun-
gen: einen ^(o^ifc^en ^oftitton mit einem Sranbe in einer .§anb
atif einen 9Bagen — Blasphemien! „2Bie roollet it)r mi(^ bilben?
unb roem roollet i§r mirf) ücrgleic^cn?" fpric^t ^e^ooal).
„ßl}riftu§ atä einen SlpoIIo im 33e[t)ebere,'"' chm al§
roenn 6^riftu§ einen ^tit^on im ^oi^rtc getöbtct — boc^ l^ierüber
wag ein ^lopftocE" in ber t)orange5iogencn ©tettc, unb ein 33(ann
üon ber entgegen gefe^tcften Senfart, So ebb, fpred^en. Ser ^sati-
fanifi^e 2fpoIlo roenigftenö fd^eint nidjt bem ß^araftcr be§ (ErlöferS
bem §auptanblicfc nad), unb in ber Beftimmung feine§ Sebenä ju
entfpred}en, fonft — — S)oc^ iä) tperbe tf)eo(ogifcf) , ba id) boc^
in ber ©c^ule eine§ ^oetifd^en unb Munftcritifus bin — —
Unb ei ! ba lerne id; roieber ©troaä 9ieuc5 ! ©ott auf einem 100
Sonnerroagcn fa^renb ! „ ^on 6f)rift[id)cn ^oeten erinnere id} mid;
feinen, ber biefeö Bilb braudie, a(§ 'DJiilton"^ — .deinen oon
ß^riftlii^en 3)id;tern? ^xn. ^l. ©cbäc^tni^ mu^ i^m ben ärgften
a) p. 111. 112. §r. Ät. ^at für gut gefunben, feei bcr ©etcgen^eit
bie Siufetmamtifc^e 33efdn'eiBmig $l(^.ioßD'8 in fein Latein Einzugießen.
h) p. 1^0.
— 257 . —
(Stvetc^ gefptett !§abcn; benn bag tnctnige erinnert fic^ Bei alfen
ß^riftltd^cn ©ic^tern fetncö fjäufigern, gemeinern, bcfanntern 33i(=
be§. ®enn ift ©leim, ber J^rieggfänger, fein 6§rift?
SÖer ^at bid^, ^anbur,
in 2lngft gefegt, in '^luä)t gebracht?
©Ott, ber auf äöolfen fxifir.
^ft steift fein (S^rift? —
@ro^ ift ber ^err! 2)ic §iinmel o^nc S<^^
ftnb feine SBo^nungen,
fein äöagen finb bie bonnernbc ©craöl!,
unb S3U|e fein ©efpann;
nnb rate ber prächtige ^on weiter baä ^ilb malet, gramer fein
e^rift? —
%tnn mm bcin Sßagen, ©ott ber ©ötter,
5!Jieffta§, bonnert, unb int Söettcr
SDaf)in fä^rt ^ —
9^ am I er bei ber Grippe ^efu fein ß^rift? —
^cf)Ot)a^ fähret burd^ ben ^itnntcl,
unb ftel)t fein feligeg ©cfc^fed^t.
3Bir fe^en 9Jiaieftät!
101 Unb fo glaube iä) , benn iä) ^be au§ bent ©ebäd^tniffe gefc^rieben,
fo 3BieIanb, S3obmer unb jeber ©J)rifttic^e ^oet; ic^ fenne fein
befanntereä 33ilb be§ bonnernben ©ottcg. 3^ur S^Iopftocf, menn
i(^ mic^ red)t erinnere, brau(^t bieg S3ilb ni^t: fein ©ott fteigt
f) erunter, ben S)te^ia§ gu richten: er rofft ttic^t auf eiitem ^onncr=
tragen, er ift felbft ju crt)aben, um ^u bonnern. ©ein ©erapt)
©loa fi^on fann taufenb S)onner faffen, unb aud^ ber ftet)t nur
auf einer äöotfe. Dl)ne ^i^e^fet festen .^lopftocEen ba§ Silb ,^u
niebrig felbft in ber ^ßoefie, für ben —
3!)er Söelten ge'^eim unb ftitt ben Untergang juioinft —
§evbcrg fämmtl. saSevfe. III. 17
— ' 258 —
unb ^ro^ barf§ fel^r »ontel^m für bte £unft empfelEiten? ©o tft§
rtad^ jenem ©emälbe @a(aton§: ma§ §omer auäfpiee, max ben^
anbern 2tinbrofia!
9.
SDte %xag,Q roirb roeltlic^er.'' Spönnen Sicfiter, bte ntc^t über
Sachen ber 9^eItgion bid^tcn, bie 9)it)tf)ologie Braud^en? ^c^ t^äU
am beften, bIo§ ^u überfe|en; aber auc^ baä rairb mir fc^raer. 2öer
!ann einen ?0^ann ertragen, ber bte 9JJt)t!)oIogte nxä)t anber§ fen*
net, aU ba^ cö ,, ©riechen unb Stöniern fo beliebt,*" S^teptun
„einen ©ott be§ ^Jieeres ^u nennen," alg ba^ e§ „ben 2Bieber=
„ fierftellern ber 3Bifjenfc^aften ^ fo beliebt, ° aixd) bie 9Jtptf)oIogie 102
„ber Sitten (ot)ne weitere ©rünbe,) beizubehalten:" at§ ba| fie
„auf bem ^rrt^um unb bem 2lber glauben*^ ber 2t(ten beruhe:"
aU ba^ fie „nic^tg al§ ein 'Dtantenregtfter ," ©d^äüe ol^ne @e«
„banfen enttjalte," alä ba^ fie*^ „ein bloßer ^litterftaat mittel^
„mäßiger Sl'öpfe fep, um it)re ©ebit^te mit ^unbertmal gebrauchten
„ @Iei(^niffen aufjuftü^en : " ttjer bie 93it)tt)oIogie in ©ebid^ten blog
alg fo (Stmag fennet, roie ift ber eine§ 33effern ju belehren? Tlan
mü^te t)ont 2Xnfange anfangen, ba^ »on t'pomer bi§ gu 33irgil nod^
etroaö anbcr§ in bem ©ebraud^ i^rer 9}^t)t^oIogie liege, al§ böfe
Qrrt^ümer unb und^riftüc^er 2lberglauben — nämlic^ fe§r ^^oetifd^e
^been. Unb fo l)ätte man erft eine !5ßorau§fe|ung!
3)arauf märe ju jeigen, ba^ t)on ben 2öieberl)erftellern ber
SBiffenfd^aften bie 9Jtt)tl)ologie nod^ ettoa anberg roo^er l)abe fönnen
betbeljalten tnerben, nic^t al§ ein beliebiges ©utad^ten. S^iel-
leidet nämlid^ ber Sprad^e, ber ^unft, ber ^oefic, unb alten ®in=
!leibungen ber ^]]tatonif(^en SBeis^cit tijegen. Dh fie fie übel
nad§geal)met: banon ift bie 9tebe nid^t, fonbern ob fie fie nad^a^-
a) Epist. Homer, p. 124—135. b) p. 124. c) p. 125.
d) p. 125. e) p. 126. f) p. 127.
1) 21: betn 2) 'ä: 2öiffenf(^aft
— « 259 - —
men börfen? Unb trer toet^ e§ ba ntd^t, ba^ rotr nof^trenbtg
103 mit ber böfen irrtgen 5[Ri)t^oIogte jugleid^ alle§ f)ättcn üerlteren
müfjert: ©prad^e, ^oefte, SBtfjenf c^aft , ^unft ber 2llten — eine
fd^roere 33erbanmittg! 3Bir raoHen ben irrigen, abergläuBijc^cn
^e|er bulben; benn mit i§m "Ratten roir, mic bic 6()riften §u
Julians be§ 2lbtrünnigen Reiten, gu üiel üerlol^ren! 3)a§ raäre
bte groeite SSoraugfe^ung.
hieraus roürbe auä) bie ©rftaunengüotte S^rage beantraortet :
raarum bie§ böfe ©ing, ba§ bod^ bloS auf beut :3i*i^t^uw unb
3tberglau6en ber 2l(ten bcrul^et, Ijabc bei6cl)altcn toerben !önnen?
eine ^linb§eit, bie ^a^rf)unberte burc§ gebaurel! @§ roäre alfo
unmaßgeblich ju jeigen: „baß bie 3)txjt§o(ogie in i^rem ©ebrauc^e
„mo^I etroag nte^r, al§ ©c^all o^ne ©inn, Söorte of)ne S3ebeutung,
„unnü^er g^Iitterftaat , @ottlofig!eit unb Stberglauben gemefen fex)
„unb fepn Jönne." 9Sie tief muß eine foId)c 3)ebuction anfangen!
Unb mag tiat unfer (S§rift(ic§e§ Sfaufmafjer mit bem gan^ anbern
9Ber!e gu t^n, in einer fe{)r befannten, fel)r Qbeen^ xmb S3ilber=
reid^en ©prac^e ^oetifd^e ^wedfe ju erreidien?
g^reilic^ fönnte eg eine feine 2lufgabe bleiben: „raie meit mir
„im ©ebraud^e mancherlei ?Olt)tf)ologifd§er Qbeen ben ©ried^en unb
„^Römern nur befd^eiben narfitreten muffen?" 2(I(ein hieran ift
bei meinem 2lutor, unb bei bem berüi)mten SSorrebner 2lpoIIoborg
nid)t ju gebenlen; fiier lommt aud^ nid^tg raeniger, alg ^rrtl^unt
unb 2tbergtaubc, in 33etrarf)t: bie bei i^m alleg finb. @nug! baß
104 eg if)m beliebt , in allen neuern S)ic§tern bie S[Rpt§oIogie für fd^at-
lenben Unfinn, für f)unbcrttnal gebrauditen ^litterftaat ju erlennen,
unb nun frage id^ jeben guten 2)id^ter unfreg 3]aterlanbcg : ift fo
©tmag nid^t unter ber J^ritü?
Sffiie aber, roenn §r. ^I." ung einen ganj neuen @rfa| ber
5IRi)t{)ologie gäbe? — ®^e mir fein neueg ©efd^en! preifen, fo
laffet ung erft fe^en, ob eg ber 2lnnal)me mert^ fer», unb benn
erft, ob eg alg 2leqtiiüalent gelten fonne? „3Sag einige befürc^=
a) p. 126.
17*
— ■ 260 > —
,,kn, ba^, tüenn fte bte alte SJ'l^t'^oIogie üertören, t^re SSerfe ialt
„uttb matt roerben börften — bte %m<i)t tft oergebeng. Siefert
„un§ bo(^ xmfevc ()euttgc 2öclt folc^ eine ?[Renge neuer @eban!en
,,iinb 33ilber, ba^ e§ einem glü(f(id;en ilopfe nie an Qkxxat^t feiner
„©ebid^te fef)len fann" (eben aU roenn ein glücflid^er ^opf ben
Zettel moltte unb brauchte!). „S3eben!e, roie mand^eä in bcr 5Katur=
„lel^re burd) bie SSemü'^ung ber SJienjc^en ie|t entmid'elt ift, roaä
„üormalg entroeber unbetannt, ober fe§r bunfel ferin mu^te. S3emer!e
„ferner, ba^ ber ^rei§ ber ßrbe in neuern Reiten glei^fam erweis
„tert fet), burct) ©ntbedung ber Sänber, bie üormalg unbefannt
„roaren, unb eviüägc, roelc§ eine 9Jienge 3iei^i^<it^en bem ^oeten
„baraug ern)a(|fe, raeit beffer, aU bie 3^amen einer ^uno, ^tuto,
„ 6erberu§ , 3ft^abanmntuä unb Sharon." ^ä) roei^ , ba^ biefer 105
'SiaÜ) in bie ^öpfe mel^rerer ingeniosorum gefommen: benn 9iat^'
geben, fagt ^lato, ift boc§ eine ©öttlid^e ©ad^e; unb gegebene
$Ratt)fd)läge prüfen, bädjte id), nod§ eine ©öttttd^ere.
^c§ fe|e DorauS, baf? f)ier bie 3^rage nic§tg weniger, al§
Söortgierrat^, ©id^terifd^en ©d^mud betreffe, benn jebcr ^iei^*
xaii), ber nid^t au§ ber 'BadiQ felbft entfpringet, ber erft gefud^t
merben mu^, ift 3^cf)(er; mir fudjen alfo eine innere Sereid^erung
ber 5ßoefte in i^rem 2Befen ftatt ber 5)Ii)tt)oIogie.
„®ntöedungen ber 9taturtel)re ! " SttterbingS! w^nn fie fo
befannt, fo fäi)ig ber ^4^oetifc^en ©prad^e, fo reid^ an S3ilbern, fo
anfc^aulid; finb — al§ bie ''Dipt^ologic ; al(erbing§ ! ©o üerfd^roinbe
jene, roie ©Ratten gegen bie ©onne, roie %ahd gegen bie äöaf^rljcit:
unb bie ©d^öpfung eineä 9lerotonä, Sfieuentt^tä, ©roammer==
bamg, 33uffong, Sieaumurö, St^ournefortS unb ^allerg
trete an bie ©teile beä g^abelframä eineä SlpoUoborä, ober
3^ataU§ Someg. Slber ^u roeld^cr eigentlid^en g^unction foE fie
ba§in treten? ©in^elner ©leii^niffe, 33ilber ^Iber? 9)iit 3?er=
gnügen erinnere id^ mi(^ jroar ber feligen Stugenblide, bie mir bie
tiefen 5^aturgleid^niffe eineg .^aUerä, bie unerroarteten Slrjnei*
gteic^niffe eine§ SBitt^ofg, ber faft gang au§ biefer 3Belt t)on
2Biffenfd§aften gcbid^tet, bie faft immer öfonomif d;en Silber eine§ 106
— . 261 ' —
S)i)er§ gebrad^t 'i)abc\x; aber mit 3)t{gDei*gnügcn auc^ ber unfcligcn
2(ugcttblidfe, bie mir bie geteert fcpn foticnben ©leic^niffe eines
6urtiu§ u. a. ertüetfct. 33(og aU ©leidjttiffe betrad^tet, finb bie
Offenbarungen ber neuem 9iatur!unbe lange nid^t fo beg Sidjtg ber
2lnfrf;auung fä§ig, oft [o frfjmcr poetifd) unb o^ne ^unftfprac^e aug=
gubrüd'en: fo oft über bie ©pl}äre beg common scnse unfrer ^^it,
für meldten boc^ ©ebi^te gefdjriebcn werben muffen, erl)oben: fo
oft für biefen o^ne Kommentar bunfel, unb mer will über ein
©leic^ni^ benn einen Kommentar lefen? enb(id) rocit feltner an bie
eigentlichen ©egenftänbe ber ^oetifd^en Sßelt gränjenb, um ein 2)ritte§
ber 33ergleid^ung gu l^aben, bag beibe nal)e ^ufammenbringc — unb
baä maren fie bloö al§ @leid§niffe. ©leidjniffe aber finb ^ödjftenS
in Sefjrgebic^ten bag Söefen ber ^oefie: ©leidjniffe aber finb geroi^
nidjt ber mid^tigfte @ebrauc| ber ^Jtpttjologie : @(eid;niffe alfo mad^en
t)ier feinen ©egenfa^, nid^t bie 3}h)tf)oIogie unnöt^ig, nidjt bie
3laturlel^re gur 3)ci}t§oIogie.
grabet, SDid^tung, ^anblungen, bie big gur ^äufc^ung cin=
bringen , finb baä 2öefen ber 3)ic^tfunft, unb mie raeit meniger tann
l^ier bie 91aturlef)re jutragen? ^ann fie ber ©popee unb gelben-
oper ?Otaf deinen f (Raffen, bie mit ber :3n^ioi^uaIität, mit ber l)o^cn
107 unb f(^önen Statur, mit ber d;ara!teriftifdjen Seftanb^eit, mit ber
brannten Slnfc^auHc^feit, mit ber ^äufd^ungggabe Rubeln tonnen,
al§ in §omer bie ©ötter ber 9)tt)t^oIogie ^anbeln — motjlan! fo
treten ©nomen unb ©t)Ipl)en, unb ?li;mpl)en unb ©alaumnberg,
bie ganje ©c^öpfung beg S^^cop^raftug ^aracelfug, unb ßorncUug
2lgrippa, bie perfonifiirte ganje Dtaturlunbe in bie ©teile 9Dlt)tI)oIo=
gifd^er 2öefen. ^ann fie bem 2)rama, ber '^inbarifc^en unb §ora-'-
gifc^en Dbe, ber g^abcl, ber ©r^älung , ber ^bptte fo üiele, fo fdjöne ^
unb fo reid^e 2)i(^tung fdiaffcn, alg bie 33h;t^oIogie ber alten 3)id;ter
biefen ©attungen f(^uff, fo trete fie auf. ^ier laffe id) meine Sefer
mit aller @emäc§Iic^!eit alle S)id§ter beg 2IItertf)umg in allen 3(rten
ber ®id^t!unft, unb in jeber i(}re glücklichen g^ictionen aug bem 5Bor*
rat|e ber ?Dtr)tl)ologie — nac^jälllen: alle neuere ©idjter, bie aug
biefer Quette, eg fep auf mag Strt eg motte, glüdlid^ gefd;öpft, big
^ 262 : —
auf unfern lieben warnten SSielanb gu — alSbenn überfc^lage er,
ob tt;m b a § allt^ ^f^aturfunbe erf e|en fönne, unb t^ue ben 2Iug=
fprud^. 9)^eine§ 2öiffenä giebt biefe einzelne Segriffe, ^änntniffe,
2Biffenfc§aft; bie ^oefie roill @efd^i(^te, §anbIung§ool(e 33egeben=
Reiten, täufc^enbe ?^abeln — welche beibe ®nbe!
^<^ fage nidjt, ba^ nic^t aug ber 9ktur!unbe unfre ®ic§tfunft
nod^ fe§r mit 3Ba^rf)citen unb 33ilbern bereichert werben fönne, ba^
auä biefen 9Ba§r()eiten unb 33ilbern üon einem ^oetifd^en ^opfc 108
nid^t fo glücfli(^e ?^ictionen gef (Raffen werben müßten, al§ ein ^on-
tenette über bie äßirbel bc§ S)eg*ßarteä roi^ige ©infälle biegten
tonnte — aber ba^ biefe moglidje 2(u§beute bem un§äf)Ibaren Sfteid^-
tljume ä)h;t§oIogifrfjer 2)idjtungen unb @ef(j§ic§te unb g^abetn je
gleid^foinmen, ba^ fie benfelben oöllig Überlei mai^en tonnte, baä
leugne i(^ t)öl(ig! äluö ber ^Oipttiologie ^h^n lerne man, bie Statur-
tunbe bic^terifc§ §u bilben, nic^t aber auä ber 9Zaturfunbe bie My)t^O'
logie ju iperbannen.
^meitenä : „neuere (Sntbedungen neuer Sanber unb Söelten!"
unb ma§ §aben un§ biefe für bie 2)irf)ttunft entbeden laffen, baä
ber ?Olr)tt;oIogie gleidj gölte? 33äume unb ^^Pftangen? ©o oiel ein
^nbianifi^cr -^Uniug, ein 9iump^, eine 9)ierian u. a. bie Sßelt
beg ^räutertennerä, unb ben 33egrif ber Schöpfung @otte§ erroeitern:
fo ötel S^ergnügen unb 9^u|en man in einem 3Jtatabarifd^en
©arten finbe; fo bod; ba§ roenigfte jum ©ebrauc^e ber magren
3)id;tung. S)ie flauten ber neuen Ä'^räuter finb unpoetifc^ ; i^re
©eftalt unb Unterfc^ieb ni(^t burd^gängig belannt, nur ber Qzi<i)mx,
nid^t ber 3Bortnmkr, fann fie anfc^auenb finnlic§ machen, ^ubem
finb fotdjc 33rode§fd;e STJalereien ja nid^t ^auptjraede ber '^x6)U
*tunft, unb roaä g. @. ber 3]erfaffer be§ 3w<fcrro^rä '^oetifd^eg in
fein $oem gebradjt, ift bem minbften 3:l)eile nad§ auä ber ^flanje 109
felbft gepreßt; eä ift 3(u^fd;n)eifung.
©0 ©egenben? 2lu^erorbentIid; milbe ©egenben, äöüften,
©ebirge, SBafferfäHe finb rüf)renb, aber nur fo fern fie befanntc
^bccn m^dm, bie unä fd^on beimotjuen. Qd; mürbe S^^iagarenö
SBafferfall in (^reug nid;t fo füllen, wenn id^ nid;t fc^on raufd;enbe
— ' 263 . —
SBaffevfättc fennete, unb I}iev bIo§ meine Segriffe ftcigcn börften.
<Bä)kd)tl')in neue Sefc^reibungen geroäljren alfo biefe (^ntbed'ungen
laum: benn ob ber alk ©ried^e unb 3iömer bie Söafferfcittc beö
9Zil£>, ben @uripu§, ben .Dl^uipuS, bie (Scilla unb ßljarpbbis mir
über ^iftorifd^e 3Sa§rf)eit evl)oben, ift nid;t bie g^rage, nur ob er
fte mir täufc^enb gebid^tet? unb oon il§m alfo lerne man aurfj bie
neucrlid^er befannten ©egenben — ©rainger feinen Slmerifanifc^en
^la^regen, unb anbre i^re feurigen Siiftmeteore bi-d^ten; (benn
nac§ i)iftorif(^en 33ilbern fudje ic§ in 9teifebefdjreibungen) unb fänben
ha bie meiften fold^er ©cenenbid^tungen in ben 3IIten, nur nad^
33efd^affen§eit il)reä Sanbeg nid;t fd^on 3>orbilber? SBie feierlich roarb
auä bem 2lctna bie SBerfftatt ber (Spflopen, auä ber ©egenb bei
^oj^uolo ber 3(d§eron, auä ben Sl^effaUft^en ©egenben bie 33erge
ber SRufen, aug ben ^nfeln beä äRöriä bie ©Itjfäifdjen gelber u. f. m.
^n Sanbgeumlben mögen rair alfo neu fepn, im ©eifte beg '>;]]oetif djen
110 Sanbmaleng, in Sid;tungen barüber muffen mir oon ben 2t(ten lernen.
2)aju ift iljre 9}i9tl)ologie: id; fel^e fie alfo ni(^t entbet)rlic§, id) fclje
nid^t einmal, rec^t genommen, einen ©egenfa|.
„ S5iellei(^t alfo neue %i)kx - unb ä)cenfd§en - ©attungen ? "
©ut! aber in bie 9laturgefdjid)te geljören biefe beffer, als in bie
^oefie; unb loenn aud) für biefe, alg ©egenftänbe, SilbergteidE)niffe
• — mag trift biefeg bie 5Dir)tl)ologie gum ©egenfa^e? ©ine ^abel,
eine ^oetifi^e !J)id;tunggIel)re. ift ja fein 33ilberfaal ©ried;if(^er 3;l)iere,
33^enfd^en, ^flan^en, ©egenben — beibe l}cben fid) nod; nid^t auf;
üielmel)r fann bie 9Jit)tl)ologie SO^ufter bleiben, in biefcr neuern %i)kx'
joelt gu biegten.
©oll eg ©egenfa^ roerben, fo mu^ bie neuentbcdte 9ßelt ung
ftatt ber ©riec^if^en eine ©allcrie foldjer unb befferer fabeln,
©efd)idjte, ©idjtungen liefern, ©ic $ottentottifd;e ©otterleljre, ilunft-
begriffe, ^iftorien, ©ebanfeneinfleibungen muffen an bie ©teile ber
©riedjifc^cn treten. 3)er '"^ad^alamai ber Peruaner roirb .S^og/
ber (Sl)emiin ber ßaraiben roirb ber gro^e ^an, unb ber Slreä-
!oDi ber ^uronen ber fd;öne Stpollo. ©tatt ber fd;önen ©enien ber
©ried)cn roollen roir bie .^onbatfonfonag ber ^^oquoifen, unb
— . 2Q4.
ftatt ber cblen, ^octifc^reid^en unb fd^önen ^abelüerrici^tungen ber
alten ^omcrifd^en ©ötter, t^rcr ®tnratr!ung in bie 9BeIt, nnb i^rer
2:i)atcn unter ben 9}ienfc§en wollen roir %xa^mq,^]ö)x<^t^ ber 3lfrica= 111
nifc^en D^egern — roeW; ein S^aufc^! Unb Si^aufc^ [ott boc§ fepn?
bie neuentbecf'te 3ßelt folt nng bod^ bas reid^Iic^ unb überreid^lid^
geben tonnen, loag ung bie eknbe ©riec^ifc^e 3)^9tf)otogie giebt?
Unb tüag giebt biefe für bie ^^oefie anbers, alei 2)i(^tungen, ©6^=
fc^id^te, fabeln, in bie ^oetifc^e (Sompofition gelegt roirb, uns
3U täufc^en, gu oergnügen.
^ätkn unferm ^^erf. rid^tige unb genaue 33egriffe t)om 2öe[en
ber ^oefie, unb ooni loefenttidjen ©ebrauc^e ber SDipt^ologie in ber
SDid^tf'unft ber Sitten beigeir)ot)nt : fo roürbe er fic^ fein ©bift gegen
biefe, unb feine 3]orfc§läge jur ©d^abloslialtung jener, felbft erlaffen
l)aben. ^efet räci^t fid) an it)m ^alliope, roie bort Sacd^uä am
S^furguS, ba biefer feinen 2Sein ausrotten wollte; fie lä^t i§n
nämlid^ bie Sinie paffiren, unb fd^idt il)n nad^ 9)io^ren unb 5Diala=
baren, um, loie ein Drpl;euö unb .^omer auä Sleg^pten gurüdju=
fommen, — ber 3]ater einer neuen ^^oefie, bie feit ©ried^en
unb 5Römer Reiten nirf;t geraefen.
Nou usitata, nee tenui ferar
Penna biformis per liquidum aethera
Vates, neque in terris morabor
Longius, invidiaque maior
Vrbes relinquam : non ego pauperum
Sanguis parentum, non ego — —
Stygia cohibebor unda.
lam iam residunt cniribus aspcrac 112
Pclles et album mutor in alitem
Superne: nascunturque leves
Per digitos humerosque plumae.
Iam Dacdaleo ocyor Icaro
Visam gcmentis littora liospori
— ' 265 . —
Syrtesque Gaetulas canorus
Ales, Hyperboreosque campos.
Me Colchus etc. c. §eil ^ur glüdlii^en Steife!
drittens unb enblid^ „Slllegovte:" S^ugenben unb Safter,
„biefc unb anbrc ©einüt^äaffecten — tücnn i^nen bcv ©ic^ter
„i^örper beileget, fo roirb er tf)eil§ auf allen ^Jtünjen unb ®bel=
„fteinen, tl)eil§ in ©ebid^ten, rael(^e finben, bic er bequem gebrau*
„d^en lann;" unb nun ge§t§ in ein 9tegifter.
„33equcm gebraud^en f'ann?" §r. J^lo| beliebe ju fagen in
raeld^er ©ebid^tart? ^n ©popeen? 9cic lönnen ba SReg-SameS
„^ubicitia, g^ertiUtaä, 3^ibe§, ©ecuritaä, ßopia, ^u-
„ftitia, SSeritag, 33oIupta§, ^ra, 3)i§corbia, ^inpubentia,
„^noibia u. f. m." bag ausrichten, n)a§ §omerg ©ötter unb ®öU
tinnen roirfen. ®g finb Sarcen allgemeiner 33egriffe, benen perfön^^
lic^e S3eftanbf)eit, inbinibuette 93e§eii^nung , ^iftorifd^er ß^rafter fet)It,
bei benen iitan jcben 5lritt an§ bem ^fiamen üoraug fie!^t, bie an^
113 einem 2ßorte, roie jene ^ropf)etinnen, au§ f)o(em S3auc§e fprec^en,
SBortgefpenfter. ©ic geben lein perfönlidjeg ^ntereffe, feine inbioi-
buelle |)anblung, leine einzelne (S^ralterprobe : fie rühren nid^t,
fie täufd^en nid^t: fie gerfpringen, mie SBafferblafen.
The earth hath bubbles, as the water has,
And these are of them. Whither are them vanished?
2tlfo in ^bpUen, g^abeln, ©r^älungen, überall, wo eä auf
oorgeft eilte g^iction anlommt? ^aum! unb eine lange SlUe-
gorifc^e ®id^tung , ein 2lttegorif(^er ^raum mad^t mir in fonft t)or*
treflid^en 3öod^enb(ättern ,'' wenn er nic^t au^erorbentlid^ lurj ift,
^opffd^merjen. SBenn 2lt(egorie 3Bai)rt)eit einlleiben foll, bamit fie
me^r einne!)me, unb ftäricrn ©inbrucE mad^e, fo mu^ fie biefelbe
nic^t üerbeden, unb ben 2tugen n)egfte£)Ien. 2)ag g^rappante, baä
a) p. 127. 128. &c.
b) 3^ fü^^rc nur (StnS an, ben Eambler, eine ©c^rift toott ÜJJenfc^en=
fenntniß, unb tooE fd^täfriger ^lUegotien.
— 266 —
2tu^erorbentIic§e im erften 2tn6Uc!e ber ©nttoidfelung gefättt, unb
lä^t bauer^aftc ©puren in ber ©eele; roirb mir aber feitenlang
bie 2)iü^e beä ©ntroicfeing gum orbentlirfien @e[(j^äfte gemacht; —
fott ic^ nid^t bie ^ruc^t hinter bcn 33Iättern unoermutljet erJ)af(^en,
fonbern pxm ^^agroerfe Blätter Kauben, eine ganje ^iction I)inburc§
bie Slllegorifc^en 33ta§len entlleiben, unb bei jebem 3wge neu ent* 114
lleiben; marum lie^ mic^, ba e§ f)ier blog auf 3ßal)r§eit unb 3)Jü§e
anfommt, ber S)i(^ter bie 2Baf)r^eit nic|t nacft fel)en? oJ)ne 3}lü^e
ber ©ntfkibung? o§ne langeg ©efuc^? 3}citten im 2lttegorif(^en
S^raume unfrer Sßod^enblätter fc^Iafe x<^ ein, unb oieEeic^t üiele
Sefer mit mir.
9ftic§tä bleibt übrig, als fleine ©ebic^te, ober ©infätte in ©e^^
bid^ten: Silber, ©leid^nifje, ©pigramme. Sieber, Dben — 33ilber
unb ©leid^niffe? voo^l unb bie alte 9)lt)tl)oIogie ift üott fd^öner
2lttegorien! Epigramme? ©in ©pigramm ift ein Son=9J^ot in ber
3)ic^t!unft, eg gefalle bur(^ feinen Btadjzl, ober feine au^erorbent-
tid^e ©implicität. Stber Sieb er? Dben? «Selten fönncn lange
burd^auS Slllegorifc^c Sieber unb Dben gefallen! Qd^ banfe'
e§ Ugen, ba^ er mir feinen fc^önen 3}^orpl}eug, al§ einen STraum-
gott, nic^t al§ ein 2tttegorifd§e§ ©efpenft ber 3:;räume, Dorftellt. ^d^
banfe e§ ben SDic^tern ber greube, unb beg Slmorg, ba^ fie biefem
©otte, biefer ©öttin nic^t, alä ©efpenftern eine§ abftr alten Begriffes,
§u gut aEegorifiren, fonbern lieber einem ©ottc ber Siebe, einer
©öttin ber '^-reube gu @l)ren fingen, ^eneg mirb ein trodfncr ©id^en-
frang oon fpntbolif c§en ^räbicatcn , bie§ eine 9teil)e oon ®mpfin=^
bungen, bie einem foli^en gebi(^tcten SBefcn überl)aupt geziemen —
ein merllid^er Unterfi^ieb!
^mn ^ageborn ber g^rcube finget, bleibet er freilid^ nid§t 115
mit jebem 3^0^ ^^^^ 2tllegoric treu, unb mollte e§ audj nid)t blei-
ben. ©eine g^reubc ift il)m eine ©öttin , ber baä S3ergnügen gefällt,
nicC;t ein 3tttegorifd^e§ ©erippe berfelben. @r tann fid§ alfo benfen,
ba^ fein Sieb „biefelbe oergrö^ere, ba^ fie baä ©lüdf ber 2ßelt,
„bie ^raft ber ©eele, ba§ Ijalbc 2ibQn fei; ba^ fie bie -Vernunft
„erweitere, u. f. m." -^räbifate, bie ber ^^reube überliaupt jufom*
: 267 > —
mcn, nic^t aber beut perfonifürtcn Segriffe berfclben, bcr grcubcn*
göttin, bcr ^ageborn fro{)e ©inpfinbungen opfert, nid^t bem 2lttC'
gorifc[;en Söortgeinälbc — —
3tainler I)at fein Sieb in ein fol(i^e§ ©emälbe rteränbern rootten.
©r löfc^te bie ©tricfje auä, bie bei ber 2tttegorifc|en g^igur nid^t
(Statt fanben; er tljat neue ^ingu, bie fie fic^tbarer wad^ten. ®r
gab ber ?5^reube Jlinber, er madite fie felbft jum ^inbe beä |)im=
mel§, er oerraanbette bie ilenncr, perfonnetter in Sid^ter ber ^reube;
er machte lieber eine lange '^arentl)efe,*e!)e er biefe mit einer anbern
Stßegorifc^en ^erfon, bem ©lüde, !)ätte oermifrfjen laffen; er gebot
ii)x bie ©efellfc^aft unüernünftiger S3ac(^anten ju fKei)en; — furj!
er blieb, in iebem 3uge, bem 33ilbe einer älttegorifdien ^erfon treu.
§at er bag Sieb oerbeffert? 2ll§ ein Stttegorifc^eg ^;]]oem, freiließ;
aber, alg ein ©efang ber ©mpfinbungen, ber g^reubengöttin gefungen,
116 ol)ne biefelbe in§ ©tamm = unb äBapenbud^ §u malen ? — !aum !
aEe, mie mid^ bünft, l)aben Stamlern getabelt, unb feiner ben ©runb
berührt, ber i^n üerfü^rt l)abe, unb ein Siamler wirb nie ol)ne
©runb irren. Söitt id^ ein 2llIcgorifc§e§ Se^rlieb auf bie ^reube;
fo u)äl)le id§ Siamlern — mill ic§ einen g^reubengefang, ber g^reu*
bengöttin gefungen, fo §ageborn!
9Zur gar gu fe^r ift ^3tamler ein greunb fold^er Sttlegorien,
unb jerftört baburrf) oft bie Harmonie be§ Siebes. @efü§l ift ber
^on ber Sieber, unb nic^t eine (Sl)arafteriftif Stllcgorifd^er SBefen,
bie, roenn fie einmal eine tobte ©pmbole mitten in bie 9teil)e Spri^^
fdjer ©mpfinbungen l^inein ftö|t, allcg, mie @i§, erfältet. ^age==
born fingt im ^one be§ fanfteften älbenboergnügeng feinen 5)Ior=
pl)eug, bie 3Bünfc§e, ba§ 3]erlangen fcine§ ^crjenä: 9tamler nimmt
eine Stegpptifc^e l^o^le, unb rci|t eine §ierogli;pl)e baraug. 3)ie
f(^n)ar3e |)ierogl9pl)e aber fi^redft baä (Sl)or aller Slbenbfreuben aus
einanber: — —
©Ott ber träume, .tinb ber 9'Jadljt,
®a§ mit 3)iol)n in Rauben
©aufelnbe ©eftalten mad^t — —
— . 268 . —
©trug! fd^ön ju einer ®et)ife auf ein S3ilb be§ Sd^Iafeä, nid^t
gum Sr)rifrf;en ©efange, nii^t gu einem ^agebornfd^en Siebe.
©oUte, in ©ebid^ten ber Siek, Slmor nii^tg, al§ bie perfoni^ 117
ficirte Siebe, bag 2(bftractum biefeg S3egnffeä in Stllegorijd^e ©eftalt
eingeüeibet [ei;n — arme 2)ic§ter ber 2khzl ba§ 9^eic§ eurer ^§an==
tafie ift üermüftet. 9^ic§t me^r ber 9)it)tI)oIogifd)e 3lmor mit allen
feinen ©efd^ici^td^en ; eine 2}^etap^t)fifd^e 93k§fe ift euer ©efang. 3llä==
benn 3. @. finb bie .^acobif^en 3:;änbeleien üon ßinem Stmor, von
biefem unb jenem Slmor, üoin Stmor, ber Serc^en fängt, ber je^t
üerfd^minbet ; je^t un§ eine ©tunbe triebe tä^t; je^t unoermut^et
unter (S(^miebe!nec^ten beim S^orbeipaffiren gefunben mirb; je|t, roie
ein fliegenbeä ^u(fen in ber ^aut n)ieber!ommt ; fabe. 2ll§benn
fc^rumpft bag didä) erotifd^er 3Befen in bie roenigen fteifen §err=
Iidf)feiten ein, bie ^x. M. üon feinen ©ennnen un^ oorjält, unb
aud; bie finb nid^t ol)ne Mptfjologifrfje 3üge. • ^urg! toenn
|)r. M. feine Scf^auptungen nur ^alb überbad^t, faum ^äü^ er§ fi(^
felbft oerantroortet , ben 5Dhjt^oIogifd^en 2(d^t§bann niebcrgufd^reiben,
ber atte unfre 3)id§ter au§ feiner ^;]]oetifc§en 9iepubli! treibet, ^c^
t)offe, bie 9)tufe roerbe bem neuen ^lato, für einen fo bünbigen
9ftcic§gfd)Iu^, fanfte 9tu^e oerlie^en ^aben!
10.
5Der 9left ber .^omerifc^en Briefe mirb ung, roie id^ glaube,
hm SBeg Derfürjen.
§r. M. lobt §omer über feine genaue ©Ijarafteriftif ber ^el- 118
ben;*" längft längft bcmerft, befannt, unb bcffcr in§ Sid^t gcfe|t.
§r. ^t. oert^cibigt §omer, ba^ er fic() in ^leinigfeiten roicbcr*
f)ole.^ Sängft t)ertl)eibigt, unb fonft f(^on genauer auf bie „9tu§e=
„pun!te feiner ©pifd^en 53^ufe," unb auf eine Heine fü^e
©cfd^mä|igfeit ber ©riechen jurüd gefüt)rt.
a) p. 136 — 144. b) p. 144 — 147.-
— c 269 . — I
§r. ^I. fd^tüetft weit au§ über bte 9Zac^Iä^tg!eit ber ^ünftler
in ^^ebenfad^en.'' S^ic^tg 9leue§!
Uebcr bte eble 3^ac^lä^ig!eit ber ©c^riftfieller." ©in @emifc§e
ol^ne ©runbfä^e unb 33cftimmung , ba§ unä erft bie raeife ©impli*
cttät, unb bie ftrenge ©d^ön^eit im ©rneftifc^en Sluffa^e'^ biefeg .^n*
f)alt§ um ^ef)nmal me^r füllen lä^t. ©rnefti, in bem ©eifte be§
(Sicero, beftimmt, beroeifct, fi^ränlet ein, mad^t bie eble 3flad§Iä^ig*
feit, bie er empfielt, liebenSraürbig ; unb ba er ju tWn ber 3eit mit
ber abgemcffenften ©orgfalt fprid^t: [o fommt er bem 2Ri§brau(^e
feiner Sef)re juüor. Unter ben ^änben unferg Slutorä roirb bie
liebengraürbige 9iac§Iä^ig!eit §u einer SlegeUofcn unb unftäten ^ran*
119 c^ejja, fo in feiner Se^re unb fo in feinem Seifpiele. 2?ergeben§
gab i^m bie SJiufe bie &ah^ beä leichten 33ortrageg, wenn biefer
unüberbac^t, oljne $Ian, ©rünbe unb Drbnung uml)er fc^roetfet.
deinem prüfenben Sefer tüirb biefe leichte ^reif)eit, „fc^öne 9^ac§Iäf=
„figfeit ber Sitten" bünfen; bem §alb!enner aber, unb bem läjjigen
©d^üter, ber nur auf fold^e- Set)ren roartet, mirb fie fomot)! im
Unterrid^te, aU S3eifpiete, »erberblid^.
§r. M. rergleid^t ba§ ^omerifc^e 33ilb ber ^wieti^ad^t mit ben
©emätben anbrer SDid^ter.** ^c§ mürbe nid^t »ergteid^en motten,
roenn iä) bie anbern ®id§ter nid^t gelefen. 35a§ 53ilb ber ^wietrad^t
in Strioft , in 5taffo, unb roo raei^ id^ me§r ? inf onberljeit baä illop-
ftocff(^e gro^e Silb ber Sletigiongjraietrac^t,'' fottte nid^t üergeffen
fet)n: benn ba§ te^te übcrtrift §omer.
§r. ^I. giebt bie ©cene üon §eftorä %o'Q^, unb ben ."klagen
über i^n, au§ ^omer/ ^<H) mei^ nid^t, roic id§ bie @abe nennen
folt. 5Kid^t Ueberfe|ung, nid^t freie @!pf)rafe: roeber Sateinifd^e
^eriobenprofe , noc§ §omerif^e ßabenjen; ein roibrigeg, unb infon^
ber^eit, „in ben Stnbungen ber 9iebe," rcibrige§ 9Jiittelbing,
in bem- ^onter, oljne ©tärle unb 2^hcn, jerriffen ba liegt.
a) p. 148-158. b) p. 158 — 188.
c) Ernest. Opusc. i)hilol. critic. p. 126. ®ie Sitatiot: bicfcS ©tüdS
im Indice be§ genannten 58uc^§ ift ju corvigiren.
d) p. 188 — 223. e) 35ievt. ©efang p. 120. f) p. 224-232.
— - 270 ' —
^x. ^I. gte'bt itttg ju btefen ^Renfd^Hd^ rüt)rcnben klagen ^atal^
(elen, unb bie kfannte ©efc^tc^te be§ Ugoltno in Satemifd^en 3Ser== 120
fen.^ 9^ad) bem Gradu ad Parnassum finb bie SSerfe fc§ön; mit
ber 9)Iein{)arbfc|en ^rofe üerglic^cn, matt unb !raftIo§. 2)ie ^Rad^t
ber (Simplicität be§ Italieners; bie furje 2But{) be§ ©c^merjes in
bemfclben, bei jebem neuen Stnfatte; bie rü^renben ©infd^iebfcl bef=
felben, bie, wie ein einfilbtgeS 2l(^! bie Sftebe ftören, ift J)ier in
fd^öne Sateittifdie S^erfe üerflofjen, ganj üerflofjen.
^r. ^l. giebt ben Stuftritt ber 3tnbroma(^e, unb be§ 2tftt)ana£
mit parallelen rüf)renber ^inberfcenen.'' ^c^ mei^ nic^t, roer ein
SDeutfc^er tft, unb bie ©cene bc§ Senoni -im ?Ote^ia§ auälaffen: id^
roei^ nic^t, roer i^inberfcenen parallelifiren , unb nic§t§ au§ ben
2;rauerfpie(en ber dritten nennen barf. Mc^t mit §omer§ 2lftt)a*
naE, aber roof)! mit ©i}atcfpearfc^cn ©cenen fonnte Seffingg Strabette
t3ergli(^en roerben, rcenn c§ »erglic^en fe^n foKte.
^r. M. geigt, ba^ bie 9tömer oft @ried)ifc^e 3)ic^ter unb ^ünftter
nac^gea^met.'' ^yx befannt!
2)a^ §omer oft ba§ ©tillfc^roetgen fef)r glüdlic^ gebrandet.**
2)ic angefüt)rten Scifpiete finb nic^t gcfonbert. ^n einigen ift§ ein
©tittfd^meigen ber 3Beiäf)eit, in anbcrn ber §of)eit, in anbern bc§
3iffe!t§ ; gar nic^t alle unb jebe gu einem unb bem nämlichen ^vozät.
^n einigen ift§ ein eilfertige^, in anbern ein betäubenbeg, in britten 121
ein f(^mer/ilid)c§ , unausfprerfjlid^ fd^mer^Hc^eS ©tillfc^raeigen ; unb
enblid) ein 3ug beg ©rf)abnen. 2)en legten ^at ?Olofe§ 9)tenbeföfof)n
entroid'elt, unb bie erften ^tte §r. ^l. fo entroicfeln fotten. — —
S)a§ @nbe ber ^omerifc^en 33riefe üerliert fi(^ üöllig im Sanbe.
2)er SSerf affer befennet: „er fiabe gef daneben, raa§ i()m in bie ©e-
„banfen, unb in bie g^eber gelommen, ba^ er ein gute§ ©emiffcn
„bem Stumme geteerter 3^erbienfte rorjie^c, ba^ ein anbrer 3(u§teger
„§omer§ freiließ auc§ anbre S)inge über benfelben fagen fönne: Ego
„vero quid habeo, quo me extollam? Voluntas atque ardor nun-
a) p. 233 — 51. L)p. 251 — 67. c) p. 274 &c.
d)p. 271-81.
— ' 271 ' —
„quam defuit, sed defuere alia* — — " '^lux me? raenn ^t.
M. ^omei'tf(^e 33nefe [i^mkn voollk, raaruin, ba^ er nid^tg n)ür=
bigerä fd^rteb? roenn er ba§ 2lnben!en Römers erneuern roollte,
TOarunt tt)at er ntc§t, rote jener ^t)erfagora§ bei Sudan, an ^orner
ein ©ebet, ifjn raürbig f (^reiben ju loffen? 3Barum übergab er
ber 3Bett feine ©d^erbenfammlung üon ?Oleinungen für ^omerifd^e
33riefe?
21I§ §omerif($e 33riefe ^at fein S3uc^, bem ^n^lte nac§, ber
eineä ^t)eil§ ni(^t tief gnug überbackt, anbern %\)dl^, gar §u gemein,
unb auf allen ©c^eibroegen befannt ift, unb, bem 35ortrage nad§,
ber au§ einer ^arent^efe üon Sliaterie, levissimus transfuga! in eine
122 anbre fällt, unb feine erfd^öpft; in beiben !^aben bie §omerifd§en
S3riefe »ielleid^t nur ben fieberen 9Zu^en, ^omer burc^ eine feine
?5^igur, bie man Ironie nennt, ^u loben, ©ie Itagen i§n al§ einen
unjeitigen Sac^er, an, bamit man e§ befto tiefer bei ii)m füf)Ie; aKe§
fer) bei il^m an feinem Drte. ©ie befd^ulbigen it)n ber Ungef(^Hffen*
^eit ber ©itten feiner 3e^t, bamit man in biefen bie eble ©infalt
fo me^r bemunbere, liebe, unb fennen lerne, ©ie fobern i^n vor,
ba^ er bem Sefer mand^mal befc^roerlic^ falle; unb um fo fleißiger
übe ic^ mid^, bie 5}tufil in i{)m ju empfinben, bie eine ©mpfinbung,
raie eine 3ßette auä ber anbern I)ebt, unb in eine britte fort mälzet.
(Sie loben nur 7TaQSQya an ^omer, ba^ ic^ ba§ eigentliche 2Befen
feiner 5JIufe befto inniger »erel^ren lerne, ©ie f (feinen , il^n nur au§
parallelen fül)len ju raollen; ic§ liebe bie ©d)önt)eiten in il^m, bie
fid§ nid^t plenis buccis üergleic^en, bie fid^ laum in 2tugenfd^ein fe|en,
faum in Söorte 'einfaffen ; aber befto melir, an il)rem Drte, ^omerifd^
empfinben laffen. ©ie nehmen feinetraegen ©elegenljeit, bie Tlx)Ü)0^
(ogie ju verbannen, unb ju üerlleinern; id^, bie ©c^önl)eit, xmb ^oe=
tifc^e ßongruität ber ^omerifd^en 9}it)tt)ologic ju bel^erjigen. ©ie
galten e§ für bie fd^önfte 9^ad§lä^ig!eit, üom .^unbertften aufä ^au*
fenbfte ju fommen; mein ^omer immer bei ber ©tange ju bleiben
— — ©0 mill id; fie ^u erft; aläbenn ben ©ried^en felbft lefen,
a) p. 282.
— = 272
unb tl)m na^'ija jebeSmal em <BtM biefer $omenf(^en 33rtefe 123
opfern!
— — animamque poetse
His saltem accumulem donis, & fungar inani
Munere
n.
Hefter bie (Si^oom^flftiöfeU SBirgils.
1.
2)er 33erfafjer ^otiterifc^er 33rtefe bietet mir feine §anb bar/
mid§ üon ber S3ilbfäule beö ©riec^if c^en , ,^ur ©tatue beä Stömifd^en
^omerg ^u führen, unb mir benfelben in aller ©rö^e itnb £iekn§=
TOÜrbigfeit ^n geigen. 2)a^ bieg fein ^wec! fer) , bezeuget ber lange
©ingang^ oon klagen, ba^ man bie Sitten nic^t rei^t lefe, treibe;
fte alfo auä) nic^t fo lieben fönne, als — al§ ^r. ^I. ung oer^
mut^Iic^ an 33irgil geigen roitt.
S)aju aber, ba^u bünit mic^ ba§ ^lo^ifd^e ^§ema roof)! nirf)t 124
bag geroäf)Itefte. 3lo<i) fo genau au5gefüf)rt, fann eg ung 3]irgil,
alg einen f(^aami)aften , feufd^en, jüi^tigen 3)ic^ter, oorftetten, eg
!ann if)n ung, alg einen 5]^oraIif(^ reinen ®efel(f(^after , empfel)-
len; ob aber be^roegen, alg einen unterl)altenben , -liebengroürbigen
©efellfrfiafter ? ob, alg einen nortreflidien ^^oeten, beffen ©enie
begeiftern, beffen ^oetif^e ^unft lel)ren fönne? Sag fel^e iä), im
%^^ma, md)t unmittelbar entl)alten. Slnmerfungen l)ierüber roer-
ben Stugfi^meifungen ferin muffen, ober — furj! bie lange .'Ria*
genüorrebe üom unmürbigen, ©enielofen, unpoetif (^en , unangenel)*
a) De verecundia Virgilii. v. Klotz, opusc. var. arguni. p. 242. &c.
b) p. 242 — 44.
— . 273 = —
men ©eferaud^e bev iUtm, ftef)t rtid;t an t§rem Drte. 2tud^ ba§
felbft ift ein unpoetifd;ev ©ebraud^ 9]irgi[ei, rocnn ic^ in i^m bav=
auf auäget^c, ^it'^Jt unb ^eufc^^eit auf jufud^en ; nid}t fein ©enie,
feine ^unft, feine '»^ioetifd^e 2tber. <Btatt bie (Sd^önl^eiten, bie ent*
jüdfenben ©d^ön!§eitcn feiner 9)iufe, ju 6etrad§ten, ifts wo^ eine
Tuürbigere Dcularinfpection, ob 93ivgils 50tufe auä) — eine reine,
i'eufdje i^nngfcr fcij? Sßürbige S3einü^ving, aber für fromme ©ro^-
tanten, unb für ^unfterfal^rne Hebammen mürbig, nid^t für ben
entjüdten Siebijaber in ber erften Umarmung.
Um aller feuf d;en 5tRufen unb ©ratien roiffen! raitt idj ber
©d}aamIofig!eit ber Siebter ni(^t ba§ 2Bort rebcn, unb bie (Sdjaam-
125 ^ftig!eit ber ©d^riftftetter überijaupt f)erunterfe^en. ^d) loünfdje,
ba^ ber ©eift ber feinern Seben^art, ober roarum barf id^ nid^t
fagen? be§ jüc^tigen 6()riftent()um§, fid^ aud^ in ©d^riften geige,
unb ba^ man minber bie S^rfurc^t »erläugne, bie nmn ber SBürbe
beg ^ublicumg fd^ulbig ift — ein 9^ame , ber ben 93^e^ ^ ©d^rift-
ftellern unfrer ^^it beina'^e fo frembe, Utopifd) unb täd^erlid^
geworben, aU er, ben ©ried^en, infonberf)cit bie für Sitten, für
bie 3BeIt unb Slad^roelt f (^rieben, etjrtpürbig mar. 2)er 3)coraHfd)e
©eift, mit meld^em unfer ^^o^j^'^ji^i^^crt burd^brungen fet)n fönnte,
fottte un§ einen 9Jioralifd^en Sßcrberb, ben unfre ©c^rift ftiften
tonne, mic^tigcr unb gemiffen^fter mad;en, aU jeljn ^soetifd^e <Bä)'6n'-
Reiten. ®ie§ gilt aud^, unb nod; mel^r von ^oeten; bcnn
i§r ©ift ift fü^er, fliegt leidster ein, mirft länger unb ftärfer.
2luc§ roill id^ ba§ nidjt gefagt Ijaben, ba^ man in 33ilbung
ber ^ugenb über bie i)Jtoralifc^en S3efd§affenl}eiten eines 2)id§ter§
völlig ^inmeg, unb nur bie ^oetif d;en ©d)önt}eiten anfel)en folle:
ba^ ein S?irgil unb ßatull glcid; gute Stutoren ber ^ugenb fer)n,
unb bie ^riapea etroa bie golbenen ©prüdje ^ijtljagoraä abroec^feln
tonnten, ^or mem folt man mel}r ©Ijrfurd^t tjaben, als oor einer
unoerborbnen ^ugenbfeele ! Unter einer 5Jienge beobadjtenber ^üna^^
linge ift man oor ben ©^raufen be§ fc^ärfften ^ublicmnS.
126 ®ieg atteg an feinen Drt geftellt, ift l)ier bie ^-rage: ob man
bei 2)id)tern, al§ S)id)tern, oorjjüglid^ axif 33emertung il)rer ©d;aam
§etbei-§ fämtntl. äBcvtc. lll. 18
— « 274 . —
«nb Sf^etnigfett ausgeben? ob bei* ^oetifc^e ^unftrtc^ter ^uerft ein
3uc^trtd^ter feijn jolle? Unb ba§, glaxik i<^, foll er, »ermöge
^oeti[d^er Qm^ä^, «nb be§ ^oetif(^en @efüf)l§ {)alkn, nic^t. ^ä)
üerftelje §nt. ^I. nic^t, loenn er fagt:'" quanta enim stultitia est,
ea de se commemorare facinora, qua? si quisquam alius a iiobis
patrata esse diceret, coelum commoveremus & terram, injuriam-
que nobis fieri clamaremus, gravi poena expiandam, maculamque
omni modo delendam nostr« famse iiiuri ? Hujus tarnen bonse
famse cur ipsi negligentes sumus? 3)enrt ^r. M. roirb bod^ nic§t
bie bona fama eineS ^oeten für ben ^nl^alt galten, ben er befin*
get? ©r rairb bod; nic^t Se^ingä bona fama barnad) beuri^eilen,
wenn er fingt: •
@§ bonnert. Qa c§ bonnert fei)r.
2öeg mit bem SSeirte! 9Ba§? nid^t trinfen?
9cein, S3ruber! nein! ber ^cudjler |)eer
9)tag fncdjtifd; auf bie ^niec finfen u. f. ro.
5Rid;t feine bona fama barauä beurtfjeilen , roenn er an feiner
31ngelifa nidjtg aus.^ufe^en finbet, a{§ — —
(Einen ^e()Ier treff' id; an, 127
S5cr alleä nichtig mac^t.
©ie liebet i^ren 5D^ann.
9lic^t feine bona fama barauö beurtf)ei(en , menn er mit bem
^obe capituliret, ein unb !ein %x\xk fein nmdjte, Sllejanberg
Sßunfrf; nad;a()met, ber ^aulfjeit Soblieber finget u. f. m. 5Denn
fonft, menn Sef5ing ^lofe märe, certe coelum commoveret & ter-
ram, injuriamque sibi fieri clamaret, gravi poena expiandam,
maculamque omni modo delendam sui;e famae inuri : quod quis-
quam alius a nobis patrata esse diceret, qupe de nobis facinora
ipsi commemorabamus. Unglüd gnug aber, ba^ Sej^ing, ©teini,
Uj, SBei^e, ©erftenberg, Sßielanb auf foId;e bonam famam nid)t
achteten.
a) p. i:!49.
— ■ 275 ' —
@g iDürc hod) xcä)t artig, locnit fünftig ein So6rcbnci* imfrea
T)eut[d)cn 3tna!veon§ ber boiiae famai bcfjcrben ein [o(d;eä ©Ijren-
benfinaal au§ [einen 3tna!veontifdjen Siebevd)en erbauen moHte , a(§
§r. i^arleS aug einigen [ef)r djarafteriftif d^en ©teilen ber ^[ot3if^en
®ebi(^te, ba er ftd; fetbft, alö ^elb , a(g 3^reunb, aU ©eleljrter,
alä Steifer, atg 2)id)ter 2C. mit ®id)teri[d;er Dffenfjerjigfeit prei[et,
128 fe^r ern[tf)aft unb bünbig (}at errichten lootten" — — armer
©(eint! melje atebenn beiner bonse fam»!
„<Bä)on in feiner ^ugenb, mirb ber 33iograpf) beffelBen [e'^r
„2(utf)entif erjälen: fdjon in feiner Qugenb geigte fid; in ©leimen
„ber üppige ^ang jum meiblidjen ©efd;Ied)te, ber i(jm feine mei=
„ften ©ebidjte nad^^er eingegeben, 3llg fein Spater i()n bie eble
„9kd;enhmft'' nac!^ ^^funben unb ^f)alern, unb äöinfpeln unb
„Zentnern, unb bie gülbenc Siegel = be = ^ri (ef)ren lüollte, badjte
„ ber unartige 9inahc fdjon an ni^tä , aU 33Mbd)en. 9cid;tä fo6aIb
„lernte er, aU fpieten, tiiffen, unb mar nad;f)er ®d;aam(oö gnug,
„anbre in biefe Qd)uk ein,^ulaben, unb i()nen bieg, alä bie erfte
„Section, anjupreifen." ©eine ßttern moKten, nad; ßljriftlic^er
„3ud)t unb @riua()nung,'' i()n ju etmaS 9Ki^[id;em an()a(ten: feine
„fromme unb 6f)riftlid)e 53iutter beftimmte il)n jum efjrmürbigen
„©eelforger: fein ^sater ^uin 'DJiebiciner; aber nid;t'3 (ernte ber
„i^nabe. 6r beftimmte i()n jum älbuocaten; aud; ba maren i()m
„nur bie §änbe( ber ^^er(iebten fein Slram, unb mer rneif^, mie
„mandjc xmgeredjte 3]ert(jeibigung, um eines fdjnöben iio(jneS roi('
„ (en — — bodj ein 6()rift fo(( nid)t (ieb(oö urt()ei(en. 9iur bau-
„ret midj baä eigne ©eftäubnifj beffen, bag er an fid; felbft ju
129 „rü()men maget. Sein ganjeö ©efd^äfte" fd;(afenb, tväumenb,
„madjenb, ift an 3)uibd;en beuten; \a oft, befennet er, ()abe baä
a) Quoil ad aniinuni quidem attiiict, aliquoties illius iniaginem
carminibus intexuit. Nani & in Opuse. poet. Humana iuquit fortis
snhjiciam mihi &c. p. 172. 7o. 74. 75. 7(j. 77. 78.
b) ®(eim§ l'iebcv %^. 1. \^. 2. c) ^. 23. d) V- 2.).
e) vv 10.
18
*
— c 276 = —
„9^aufc§en ber ^üjfe t§n guin ©c^Iafe einrotegen muffen — mzx
,,iDe{^, toag oor^ei* gegangen? ©elbft ntd^t btc fd^önfte ©egenb,
„unb bie fdjöne ©efettfc^aft eineä ^(eifts mar bem SSeriBÖlinten
„gum 3Sergnügen nic^t gnug oi)ne feine SDorig:" benn an biefer,
„unb am 3Betne §teng fein §er§ nnb feine ©eele. ^n folc^er
„2)enlart ift e§ ni(^t ju Berounbern, ba^ i^m infonber^eit bie ^ie=
,,ner ®otte§ im Söege finb:^ benn bie werben ju feiner Ueppig*
„ feit nic^t fülle gefc^roiegen ^ah^n ; akr ber 9Bo{)llüftige fuc^te fid^
„lieber gu üer^ärten. ©ein böfe§ ©emiffen mag i^m raof)! guwei-
,,(en äugefe^t §aben; aber er entf erlägt fic§ bem ©efc^rei beffelben;
„er fpottet über §ö((e nnb Teufel;'' er fc^er^t mit bem 2:iobe,'^
„rairb aber feinen ©pott unter ben §änben beffelben treuer gnng
„()aben bejahen muffen. @r oerloc^t ben ©ifer ber @otteggeIef)r=
„ten, nnb t)at fic§ eine 3}ioral uon Sebengpflic^ten ° gewimmert,
„ bie 2tt§eiftifd) , gottlog , nnb ber gangen 9Jienf(^Iic§en ©efetlfc^aft 130
„f(^äblid) ift, nnb bie roir anführen rooKten, trenn mir es nic^t
„für nnfre ß^riftenpf(i(^t (jielten, unä frember ©ünben nic^t tf)dU
„f)aftig gu mad^en. "^a , roenn bod^ nur bie blü^enben Qa^re
„xmferS gefäf)r(ic§en ©i^riftfteKerg mit folc^en Slänbeteien fort
„gegangen mären; nun aber roä^It er fic§ nod; u. f. ra. — —
BONiE. FAM^. POET^
FRIDERICI. GÜILIELMI. GLEIMI
HOC. MONVMENTVM
AD. REGVLAM. POETICO. CRITICAM
VIHL PERILLVSTRIS
CHRISTIANI ADOLPHI KLOTZI
POSVIT, A.
a) :p. 3. b) )f. 3. c) |). 3. d) ^. 19.
e) ^. 39. 3m @rn[te i«eiß i($, ba& ein [e^v evbautic^ev ©c^viftfteöer
fic^ ükt bie SBorte:
@oü id^ mir ben §immet tüünfc^en?
IRein! bann »üünfd^t' ic^ ja ju ftetßen!
red}t fromm geärgert, nnb [i^ gegen bie SfJedevcien mit bem %i>\)k anc^ in
feinen blof^cn SobeSfcf^viften oft gnug erfläret-
— = 277 —
©eroi^, fo tüenig fic^ 33rubei* 9}oti! auf bie 6afuifti[djcn
©trcitfrageu [eine§ 2)tbiug, iinb auf bic ©ubtUitiitcn be§ alten
©rübicrä ©t)anbi) ücvftel^en lüoKtc: [o unlieb miU id) bei meinem
SBorte geljalten fe^n, um jeber deinen ©djnurre von @cbid)te iljre
Moxal unb ^eufd^tjeit üorjugcid^nen , e§ bei beut frommen Sßielanb
131 auöjumeffen unb auSsuroägen, raic üiel ©rabe ßljtiftlidje ^uc^t in
feinen !omif d^en ©rjätungen, ober, roie üiel Quentd^en unfd;ulbige
(Sinfalt in 9^oft§ ©djdferftunben entljalten fep mögen. 2)ev Se^te
ift geftorben, aber ben böfen SÖielanb, U§, ©leim unb Sefjing
empfeljle ic^ gur frülj^eitigen 33ü^ung unb Se!el)rung, bei §rn.
^lo^'' bie STobegangft , unb bie reuige ^alinobie eines ßampang,
ben bußfertigen legten 9Bunf(^ beä Sa-g^ontaine, bag fdjredlidje
©nbe ber lüberltdjen Seute Slegnicr unb ©recourt, unb bie
fd^arfe @panortI)ofe be§ 33eid)tt)aterg 9)oung ju lefcn, unb tfjrä*
nenbtüäßrige SSußlieber, ober bi§ jum ©öffnen erbaulidje ^'irdjen-
gefcinge, al§ Dpfer — bod) ic^ bin ja lein ßafuifte.
Slffe rü^renbe ^obegfätte unb Sußgebanlen übergangen, netjutc
id) bei §err ^lo|en nur ©inä in Slnfprud^, baß bie bona fama
el)rlic§er ^xä)kx niä)t nad^ iljren ©efängen beurtljeitt mcrben muffe,
baß fie feit emiger 3eit bag ^riüilegiunt üon iljrent Sügengott
Stpotto empfangen, ®inge üon fid; felbft fagen gu tonnen, bic
itinen fein anbrer, ber bonae fainae megen, nac^fagcn barf: unb
baß man itinen, biefen Ieid;tfinnigen ©c^teuberern oon ©infällen,
ch^n n\ä)t burd^auä ben Stüdfprung metiren börfe , ben Spencer tjin*
ter ben ©djilb %iaTc naljm: castum decet esse poetam, versus etc.
132 baß e§ roemgfteng immer einen roefenttid^en Unterfd^icb jtoifdjen ber
©ittti(^feit ber S^erfe unb beg Sebeng gebe u. f. ro. 2Ber mit bie-
fen 9iettungen nid)t aufrieben ift, menbe fid) an bag %x<^iü beg
ätpollo, Tüo er bag Original beg ^riüilegiumg finbet.
^c^ rebe alg ^riüatlefer fort. 2)er^ 3)id^ter, alg ©idjter,
mad^t fid^ anljeifd^ig, ung auf eine ober bie anbre 2lrt mit einer
a) )3. 151-158.
1) 2t: „Set" fe^tt.
■ 278 —
^iction ju täufd)en, täufc^enb ju üergnügert, bies ift fein @cfe^:
Unb baljin ftveben aurf; feine ^mcdt, er mag 61}ai'a!tere fd^ilbern,
ober bie ^abcl bid^ten, ober bie 9^ebc beftimwen, ober felbft reben:
Unb ba I)inau§ foK er auä) beurtl)ei(et iinb gelefen raerben. 9te^=^
inet i^r benn, fann er fagen, ntein ©cbic^t jur §anb, um Seicht-
üiiter meines Se6en§ abzugeben, um meine 3wc^t- unb @t;renraärter,
über um meine ^octif d}en Sefer ^ufetin? 3Bie, vomn i^x ba§ erfte
wolfet, raarum blättert if)r lieber nirfjt in .f^enfelg legten (3tun=
ben, unb traget bal)in, auJ3cr anbern Seifpielen, auc§ ba§ @nbe
bußfertiger ©djriftfteltcr; eincS an Seib unb ©eete Iranten ©am-
panuS, eines ^J-ontaine, auä bem feine Pflegerin, gef^roeige fein
Ie|ter @emiffen§ratf), machen tonnte, maä er lüoltte? SSoljer, baß
idj euer ©rbauungsftifter fcpn foll, ba idj mid^ gegen euc^ §u nic^tg
Dcrftanben, alg euc^ burd) meine grabet, burd^ mein 2)rama, burd^
bie ©Uten meiner ^erfonen , bur(^ meine eigne S^teben, gu — tau*
fdjcn ? Söoltet i()r eure ©eele biefem ittuforifdjen S^tei^e nic^t öffnen ; 133
fo fdjiaget mein Suc^ ju; mir finb teine Seute für einanber; an
mic^ Ijabt if)r fein meljrereä 5Red§t, alg id^ eui^ gebe, nämlid; baß
id) euc^ mit ©idjtungen in 3:raum fe^en, nid^t baß ic^ eudj
mad^enb klaren rooKte. Stuf unmittelbare 9}loralen, troden unb
fdjliifrig, raie it)r felbft, fommt bei mir nid§t gu S^ifd^e: mtxxn
it)r euc^ meine [afterl)aften 6()arattere, meine Sl^änbcleien ?0^ora*
lif dj merten raoKt, fo tljutä nic^t um barnac^ ju fianbeln, fon-
bertt um fie ju ertennen. ©eroöljnet eud), auä meinem teic§t=
finnigen unb fc^erjljaftem ©efc^raä^e nur immer baju, aud^ in ■
fi^ma^ljaftcn 3tuftrittett bicfer 2trt, mo fie eud^ rairflidj im Scben
crfdjeinen, ©efc^mad gu beroeifcn, fie auc^ t)inter itiren ?[)^a§!en
nic^t ju üertenncn, unb euer Xlrtl^eil fd^on längft^er barüber fidjer
§u f)aben — 9lu|en gnug üon meinem ©efc^mä^e. ^n meinem
33u(^e lönnt ifjr immer oljue Soften ber Unfdjulb ladjen; nur
muffet iijr mid) roeber im 23öfen noc§ im ©uten, juerft unb
oorjüglid^ für ©troas neljmen motten, mag id^ nid6t bin — @it=
tenle^rer burdj SBorfc^rift ober Scifpielc. SSirgit ift ein ©pifc^cr
Siebter, lein (Suftoä bes fed^ften ©ebots.
— 279 > —
^d) mit nidjt fagcn, ba^ irf; bie ©orgfalt bei' ®td)tcr für (Sljr-
haxMt unb ^i^'^t etraa ücrfpotten, ober gcringfc^ä^ig madjcn lüoUtc:
fte bleibt jd}ä^bai* unb nad^aljuienöroürbig. Slber auf fte, aU auf
134 §auptaugcnmer! ausgeben, f'ann feine ^oetifc^e Sefet beffclbcn bilben,
jcigt leinen ^^oetifd^en Sefer bef jelben an, üerrüdt üicline()v bie @pl)ärc
eines bloä ^oetifd)cn SefenS üöHtg. ?^'Vomm wag fie ferin, aber aud)
nic^tg weiter; ic^ will ba§ 2luge meines ^ünglingg nic^t oervüö(jncn,
bei S)i(^tern bcvgeftalt einen ^unbfc^after ber @l)rbarteit abzugeben,
fünft wirb er tein ^^ioctifc^er .^üngling. ©in tugenbl)after Jüngling
aber ? Siecht gut ! „ 3)ie 2::ugenb , fagt ber Sanbpriefter von 9Baf e-
„ fielb, bie immer unb immer eine ©djilbwadje nötljig Ijat , ift taum
„ber ©djilbwadje wcrtt)!" — — •
2.
^ener frug: wa§ ift 2öal)rl)cit? unb id) werbe woljl feljr weit^
läuftig, ma§ ©(^aam^aftigfeit fet)? fragen muffen, ba ^r. äUo| nidjt
etwa über bie pcrfönl'idjc 6(^aantf)aftigfeit 3]irgilö allein, fonbern anä)
unb infonbertjeit über bie ©c^aand)aftig!eit, bie in feinen ©ebic^ten
(jerrfdjt, fprid)t,.unb mit Sldgcmeinfä^en auf fo oiel anbre fd^aam-
Ijafte unb fd;aamIofc @ried;en unb Siömer beian jieljt, ba^ mir über
ba§ weite 5l()ema Slngft unb bange wirb. Wlan erlaube mir alfo,
mid; auf eine 33efid;tigung ber ©d;aamglieber fo yiclcr ©djriftftellcr,
au§ ücrfc^iebenen Reiten unb 33öl!ern unb (Gattungen, jum 3]orauö
mit ber ?5rage ju wapnen : „ worinn bie ©c^aamljaftigleit übcrljaupt
„beftelje? wie fid; einzeln äußere?"
135 Qn feiner Sleu^erung ift bie ©d;aam woljl 93icnfd;lid;er unb
in unferm 3ßefen profunber, al§ wenn fie ein ©d)leier wirb, bie
Steigungen ber Siebe ju bcbeden. Slouffeau mag xmterfudjen , mmn
ber Dtenfc§ au§ einem üierfü^igen ^Ijiere ein aufred;tgeljcnber 9)ienfd)
geworben; feitbem er ein aufred)tgeljenber 93ienfdj ift, fo fd;cint bem
triebe ber Siebe ein anbrer ^rieb jum ®efellfd;after gegeben ju
fegn, ber Ijei^t ©d;aam; infonberljeit beim fd^wädjern @efd;ledjte.
— ■ 280 = —
©elbft an 3:§ietett toilt man etwas 2(e^nlic^e§ mit i^tn Bemerft Iiabert;
tt)0 aber and) nidjt, fo ift boc^ fel6ft bei 5)lenfrf)Iicfjen 3:^ieren, ben
Söilben, bie natürlidjfte .^anbtung bcg @efdjlec§t§ nid^t oljtte biefe
^üHe; unb man fönnte üietteid^t 9ßal}rfrfjeinlic§!eiten angeben, raarum
fie barofjne nirfjt fepn borfte? 3]ieKeidjt ift bei SRenfd^en ber erfte
^rieb weniger .^nftinft, weniger S^aturjug, al§ bei 5l§ieren; ba^
er alfo burd) ben "^Rd^ eineg Slriump^S, burdj fleine ju überfteigenbe
©d;roierig!eiten, bnrd) bie bcg(eitenbe ©djaam üerftär!t werben mu^te.
SSietteidjt war, infonber[}cit beim fdjwäc^crn ©efdjled;te, biefer ©djteier
nötljig, weil in if}m, wie im ©c^leier ber SSenuä bei §omer, bie
Siebe, ber 9teij, unb baS 3]erlangen woljneten, weil er ein Sanb
fe^n fottte, Jupiter fo an ben SSitten ber ^uno gu fnüpfen, alä
^uno fonft, wznn eä auf ©ewalt an!am, an ber gülbnen ^ette
^upiterä tjieng : oieEeidjt würbe oljue biefcn S3orI}ang wieberum ber 136
SCrieb beg anbern @efd)ted;t§, fo wie bie übrigen, nic^t in ben
(Sd;ran!en bes 33ebürfniffcsi bleiben, unb benn, me^^r al§ alte übrige,
bag SRenfc^engefdjIedjt ju ©runbe richten — SSietteic^t fer) SSictteid^t:
bie ^olge felbft ift gewi^: bie 9Zatur gab auä weifen Urfac^en ber
©öttin ©enetf)t)lliä eine SSorgängerinn :
— — bie woljlbewad^te ©djaam
3)ie ^üngfte ber 6(jaritinnen.
2öorte eineä äBeltweifen (bergteic§en wir |c|t nid^t fo gar oiele
^aben), bunten mid^ Ijierüber fo neugefagt, unb bodj fo altmenfc§=
lid; empfunben, ba^ meine Sefer i^n gerne ftatt meiner |ören wer-
ben.** „3)ie ©djaamljaftigteit ift ein ©etjeimni^ ber 3^atiir, fo wot)t
„einer Steigung ©d^ranten ^u fe^en, bie fel^r unbänbig ift, unb
„inbem fie ben 9iuf ber Sfiatur »or fid^ f)at, fic^ immer mit guten
„fittlic§en ©igenfd^aften ju »ertragen fd^eint, wenn fie gleid^ aus-
„fd;weift. ©ie ift bemnad^ aB tin Supplement ber ©runbfä^e Ijöd^ft
„nött)ig: benn eä giebt leinen y^atl, ba bie 9Zeigung fo Ieid)t gum
„©op^iften wirb, gefättige @runbfä|e ^u erflügetn, aiä ^ier. ®ie
„ bient aber aud^ juglcic^, um einen ©e^eimni^oolten 3?or^ng felbft
a) Äant§ SSetrac^tnngen üfeet bag ©cfjöne unb «Srl^aBene. ^. 61—65.
— . 281 ^-
137 ,,oor bie ge^^temenbften unb ttött)tgftcn ,3^cc!e ber 9latur ju jie^en,
,bainit btc gav ju gemeine 33efaimtfcfjaft mit ben[cl6en nid^t @!e(,
,ober ^um minbeften ©leirfjgültigfcit ocranlafje, in Sln[c(jung ber
, ©nbab jidjtett eine§ ^riekS, roorauf bie feinften unb lebtjafteften
, Steigungen bev mcn[djlid;en 9tatur gepfropft finb. 2)iefe (Sigen=
Jdjaft ift bem fd;önen @cfd;(ec^t üorjüglid; eigen, unb ifjui feljr
,anftänbig. ßö ift audj eine plumpe unb »erädjtlidjc Ungejogenljeit,
f'ouvfi) bie 2lrt pöbelhafter ©(^erje, roeldje man 3oten nennet, bie
,järtUd^e ©ittfant!eit beffelben in SSerkgenljcit ober Unraillen ju
,fe|en. 3Bei( inbeffen, man mag nun um ba^ ©eljcimni^ fo weit
, ![)erumgef)en , alg man immer mitt, bie ©efd^Iec^tcrneigung bod)
, allen übrigen Steigen enblid; jum ©runbc liegt, unb ein ^u'auen-
,3immer, immer alg ein g^rauen^immer ber angeneljuie ©egenftanb
, einer raoljlgcfitteten Unterljaltung ift, fo mödjte barauä oielleidjt
,ju erllaren fegn, marum fonft artige 9Jtannöperfonen fic^ bisweilen
,bie 3^reil)eit nehmen, burd) ben f leinen 3Jiutl)roillen iljrer ©i^erjc
, einige feine 2lnfpielungen burd^fdjeinen ju laffen, meldte mad^en,
,ba^ man fie lofe ober f(^al!l)aft nennet, unb roo, inbem fie
,tt)eber burd^ au§fpäl}enbe Slide beleibigen, nod^ bie Std;tung ju
, »erleben gebenden, fie glauben, beredjtigt ju feijtt, bie ^^erfon, bie
,e§ mit unroilliger unb fpröber 93iine aufnimmt, eine (Slirbar-
138 „!eit§pebantinn ju nennen. Qc^ füljre biefeä nur an, meil e§
gemeiniglich alg ein etmaä fü!^ner ^ug oom fd^önen Umgänge
angefe^en toirb, auc§ in ber 2::i)at oon jel)er oiel Sffii^ ift barauf
üerfc^roenbet roorben ; ma§ aber ba§ Urtljeil nad§ moralifc^er Strenge
anlangt, fo gehöret ba§ nid^t Ijieljer, ba ic^ in ber ©mpfinbung beä
©c^önen nur bie (Srfd^einungen ju beobachten unb ju erläutern Ijabe."
^d) finbe bie 33eobad^tungen meines ^^Ijilofop^en fo genau unb
unterf(^eibenb , ba^ i^ fie auf ber ^a^n meines Qm^ä^^ al§ ein
mürbigeä SSorbilb, nad^jual)men unb ju errcid^en münf(^e. — @§
giebt fid§ alfo bie ?^rage; roie fern unb morinn bie (Sd;aam§aftigf'eit
eines ©d^riftftellcrS fid^ äußern folle?
^r. ,^lo^ antiDortet für feinen ©pifdjen ^^jjoeten: barinn, ba^
ber ^nl)alt feines ©ebid^ts forgfältig auSgemäl)lt, ba^ roenn in bem=
' 282 ■■ :
felben ®ingc üor!ommcn, bie nacEt gefagt, bas Dl)X beleibtgen, et
ber (Sd§aainl)aftigleit [einer Sefer fd;one, ba^ er ba§ %wAOfpaxov,
bag ift, SluSbrücfe, bie groeibeutig fdjcinen formen, oermeibe —
man fief)t, ba^ mit biefem ?^adjroer!e noc§ ni(^t§ gefagt ift, ba^
baljinein erft 3iealicn foinmen müfjen, et)e man nttljeilen fönnte.
3)a fängt §r. ^lo| gum Unglüd am unred^ten ©nbe, rom /ta/.o-
cpazov, an.""
5)a§ '/.axocparov ift nad^ Quintilianä 33efd)rei6ung,^ si mala 139
consuetudine in obscoenum intellectum sermo detortus est: unb nun
fage man, roie es ein i^enn^eidien ber roaljrcn ©d)aaml)aftig!eit eine§
33oIl5? roie e§ bie erfte ^^rok üon ber <3d)aaml)aftigfeit eineä ©c^rift-
ftetterg, eineg ^oeten, fepn fönne? ©in 3]oIf, baö in ben ©rängen
ber magren ©c^aam^ftigtcit bleibt, wirb \\6) nidjt einfallen taffen,
biefen unb jenen Slusbrud auf einen obfcönen (Sinn mit ben paaren
I)erbei gu reiben, e§ pirb nidjt au§ Sßorten, qiiae longissime ab
obscoenitate absunt, occasionem turpitudinis rapere, es mirb nic§t§
üom 'Aa/Mfatov miffen. ©o 3. ®. bie biblifdjen ©idjter in iljren
Reiten ber unfdjulbigen ©infalt: fo bie alten ©riedjen; fo, nac^ ben
58eif fielen thtn be§ Quintiliang, bie alten 5Römer. ^^r ©allu^
ftiuä backte baran nid)t, ba^ eine fpätere üppige ^eit fein ductare
exercitus unb patrare bellmii obfcön üerfteljen mürbe: er fagte eä
sancte & religiöse: er begieng alfo ein^ '/.ayMcparov. 3ßer mar
nun eljrbarer, ber e§ begieng, ot)nc ba| erä roollte, ober ber es
juerft 5um v.avMfpaxov mad^te, ber bie 33ebeutung beffclbcn obfcön
t)erbrel)ete, ber ben Sluöbrud notl)jüd)tigte? DI)ne 23eben!cn, ber
le^te! unb zh^w ba§ 33olf, ber ©d^riftftctter ift ber e^rbarfte, ber
oon feinem yiay.ocpccTov mei^ — gcrabe ba§ Siiberfpiel, als ma§
§err ^lo^ bet)auptet.
2öie gutljerjig ift nun bie S3cmunbcrung unfrcg ©(^riftftcllerg, 140
ber l)inter allen ^^robcn, bie Quintilian üon bem üerberbten ^i^e
a) p. 254. b) liistit. orator. VIII. 3.
1) fein (?)
— « 283 ' —
feiner ^cit, Sübcrlt(^!citert 3U finbcrt, [clbft nic^t oljnc SBibcriDillcn
gicbt, ausruft: „Tantum in Romanis verecundiac Studium! tam
„diligenter castis auribus pepercerunt!" — Scilicet! 2llä raenn
bc^iücgen bie ^vanjöfifd^e DIation unb ©pradjc bie ^üd)ttgfte 3JJatronc
roärc, rocil fic einen Xle&erfluf, foId;er Stnftänbigfeiten Ijat, ba^,
inenn nidjt iebcr 2tu§brudf fei)r forgfättig, unb nad) bcr neueften
3Dftobebebeutung gcroiiljlt n)ürbe, ber el)rbarfte, crnfttjaftefte 5Renf(^
jeben Stugcnblid in bie Serlegenl)eit fontnit, eine ©efellfd^aft ißmcU
beutigMtenfrämer ladien gu ntad;en! %{§ inenn fid) biefe ©prai^e
an 3udjt unb ©ijrbarfeit fo l)0(^ ^craufgcfi^roungen, al§ je^t ein
junger SBil^Iing nad) ber 9Jiobe feinen üjrer alten ©c^riftftellcr meljr,
D^^ne Säd)eln unb ^?er(ad)en, oljuc f)unbert anftö^igc unb niebrige
9Iusbrüd"e gu finbcn, lefen lann! D bie güi^tige ^Ration! bie ^üd^*
tige ©pradje! Tantum fuit in Gallis verecundiae Studium! tam
diligenter castis auribus pepercerunt! mirb cinft ein üinftigcr
^io^ be§ neunjeljuten ^a^rl^unbertS fagen fönnen.
^(^ töitt ben Unterfd;ieb ing Sic^t fefeen. S^x ^cit einer ein-
fältigen Unfd^ulb l)at jcbe 'Baäjc, bie genannt werben foll, einen
9lainen, unb ba§ ift il)r ^^iame. ®arf bie <Bad)z nid^t genannt
141 werben: gut! fo wirb üon felbft ber 9^ante aud) nid;t genannt
werben; niufj jene, warum nidjt aud) biefer? 93Ud§aelt§, biefer
^Ijilolog üon fcljr ridjttgem ©efüljle, Ijat «Stellen auS ^O^orgenlün-
bern angefüljrt, aus bcnen iljre 5"i'cil)eit in SiebeSauöbrüden erljellet;
er Ijat aber nidjt ben UrtljeilSfprud^ über fie gefället, ba^ fie be^-
wegen Seutc oljue ©Ijrbarfeit unb ©djaanx wären: bcnn bei iljnen
waren einmal folc^e Sfiebarten, ®letd;niffc, SBorte, infonberljeit in
ber ©prad)e beä 2lffe!t§, bcS ,3orng, ber (Siferfuci^t nidjtö ©d)änb-
lid§c§. (Sdjlinun gnug! wirb man fagen; meinetwegen! fd;limm
gnug! aber wenn eine foldje freie Dffenljeit leinen weitern 9lu|en
l)ätte, fo wäre eö bcr, ba^ nehm iljr feine feine 3>üeibeutigfeiten in
ber ©pradje ftatt fänben. 3Bte folltc ein 33olf fd;meidjclnbe g'ci'^'^Cr
»erlarote ?5^reunbe, liftige Siebe braud^eit, baä fic| au§ einem 9iaube,
au§ ©ewalttljätigfcit ntc^tö mad^et? unb wie folltc eine ©pradjc ein
gel)eimeg feines za/.oyaTOj' forgfältig gu oerl)üten Ijaben, ba eg fein
« 284: . —
offenbares yM/oOcparov fjat, ba e§ in ben (Sc§ran!en feiner 9^atur=
Bcbürfniffe jebeg nennet, wa§> eä nennen mu^; xinb nidjtä weiter
nennen will? 2Ber it)irb mel)r Derftetjen lüoKen, al§ roag ber anbre
fagt, er Ijätte ja, raenn biefer ntefjr Ijättc fagen rooKen, cg gerabe
aug gefagt!
(So üerftcl)t \iä), ba^ ein foIrf)er 3citpun!t ber offnen 9Zatur*
fprac^e ?^rei§eiten Ijaben muffe, bie eine fpätcre ^dt „Xlnanftdn* 142
bigfeiten" nennen lann. ©ic nenne fie fo; nur fie nenne fie nicfjt
fo in altern imüer£)oInern Bebten, wo man t)on ber 9tcgelnfd)aam
beg 2)e!orum noc^ nidjt fo oiel mu^te. '^^ bleibe bei einem mi^*
braurfjten ^cifpielc meines 2tutorö. ßr oergteid^t §omer unb 33irgil
in 2(nfet)ung be§ 2lnftänbigen ; unb mic anberä, wenn er au§ feinem
J^opf urt^eikn roollte, al§ ba^ er für biefen fpredjen mufate.''
^I)nx gefällt in t^omer ber Siebegantrag nid)t, ben ^arig an feine
^etena tljut; unb mir, röenn ic§ eine ^liabe fc^rciben follte, mi^fcittt
bie ©teile fo menig , ba^ iä) bem ©ried^en bie unfrfjulbige ©infalt feiner
3eit bencibe. 2llg ein feiger ^lüdjtling ift ^arig bem ^wcüampf ent=
tonnen: unrül)mli(^ warb er unfid;tbar: feine 33ef(^ü^erin S3enug mu^te
ii)n ben .^änben feineg ftreitbaren ©egncrg, SRenelaug, entneljmen.
S^ic^t gnug! fie mu^ i()m für feine ©tunbe ber feigen 2(ngft im S^^^'
gefed^te fo gleid^ auc§ eine ©tunbe ber @rl)oIung in ben 2(rmen ber
^elena f (Renten: ^elena mu^ fic^ gu einer fo ungelegnen ^eit §u einer
6c^äferftunbe mit bem bequemen, ber fie iljrem rechtmäßigen @emal)l
entroanbt, unb fe^t ber 3:^apfer!eit beffelben nic^t !)atte ©tanb Ijalten
fönnen, ben fie in 2tbfid)t auf männli^e ©treitbarfeit oerac^ten
muf5te. (Sin folc^er madjt il)r je|t ben Siebegantrag — roie d^ara!*
teriftifc^ ! toie malenb ! ^ — 2)er mo^Ilüftige @f)ebrcd)er fteljt ung oor 14:3
2(ugen, ber 5!)ienelaug fein fd^öneg SSeib enttocnbcn, ber aug bem
3roeifampfc unrüljmlii^ flief)en, ber fogleid§ mieber in ben 2(rmen
a) p. 264.
b) Saß iä) nic^t ber (Srfte bin, ber ba§ in Konter finbet, mag 9)ia =
i-tmug 2;^ttug i^eigeit, ber in feiner jineiten 9tebe ijon bet ©olratifc^eu
Sietie bie 2iebe§e:pifoben in §otner genau unb S^avattermäJ3tg claBificirt.
: 285 . —
ber .^etena feinen Drt fud;cn fonntc — bag ift ^artä! Sötr laffen
ben raeidjlic^en 3)iener ber S3enug in ben 2(rnten bei* geraubten
©attin, iinb feieren mit ^evac^tung feiner ju ber Strmee jurücf, rao
man i^n fud§t, wnb nidjt finbet! roo 3}tene(aue rao()I nidjt glaubt,
ba^ er ba fei, wo er ift. §omer fd^lie^t feinen ©cfang.
Söenn §oiner für unfrc Reiten gefungen; freiließ! fo l^ätte er
fid^ aug beiu anftänbigen: non probo! eineä el^rbaren iRiunftridjterg,
raag mad)m, ober nid^t machen foHen; n)a§ ge§t e§ niid) an? 2tber
je^t, 5U feiner 3eit auf eine fo fimpte unfc^ulbige Slrt, a(g erg
erjagtet: nein! ba finbe id^ feine ©pur üom 2tnftö^igen, Une^rbaren^
©d^aamlofen : nid^tg, roag bie @t)rbarfeit feiner ^ufjörer Derle^t,
unb bie SBangen feiner ©pifd^en 3)iufe mit ©d^aamrötlje färben barf :
nid^tg, al§ einen fef)r d^arafterifirenben 3ug beg ^^arig. ©ott irf;
il^n in galante S3ufenuerfud^e eineg fran3Öfif(^en %bhi, foll ic^ bag
144 Setragen ber ^elena in ^üc^tige 3tgacerien einer fpröben ©d^önen
»erroanbeln ? ©ott bie fromme unfc^ulbige ©rjäljlung ^omerg ein
finnreid^eg: ic§ fage raol;! nic^tg; aber ic^ roill eg fagen: id^ merfe!
werben ? S)er ganje ^^ed" §omerg, ^arig unb .^elena ung im fort*
ge^enben ©trome feiner ©popee gu f(^il[bern, ift roeg: nun iftg ein
artigeg yMy.ocpaTov geraorben. 33ei §omer aber in einer Qzit, mo
eg Mn xay.offttzov mar, bie ©adje felbft anftänbig gu nennen, be=
borfte man fein ya7.o(paTov, etraag anberg bagegen ju nennen, unb
bod^ bag Unel)rbare ju t)erftel)en: furj! ber un^alante '>^arig f)at
roenigfteng feine ^üdjtige ^weibeutigfeiten nötf)ig. ^d^ fage, ftatt
eineg anftänbigen non probo! ein roa^rf)aftig ef)rbareg: haud equi-
dem miror, invideo magis ! ^
1) „©elfeft bie freie ^Inrebe be§ ^^ari§ an bie §elena im ©c^Iafgcmac^e,
unb bie ijettraute 3ufantmenfunft SupiterS mit ber Suno auf 3ba, §at,
tüenn ii^ mic^ in bie ^titm beg 5(tti)atev§ juvüdfe^e, für mic() yiiäjt^ unöev=
fc^ämteS. @§ ift nid}t§ aU unfdjutbtge Offen'^eit bort ber 9)?enfc^ti(^en unb
'i)kx ber ©ötttic^menfcöti^eu Biegungen: @(^aamto§, afeer uid^t unberfc^ämt.
3c^, ber fo je^r ben ^:)3via^i§mu8 ber Siebter ^aßet, atS i:^n femanb
t^aßen tanit, id) finbe in biefen i8efd)retbimgen §omer§ in feitier ©^srad^e
unb nad) feiner ^dt 6etrad)tet, baö füßefte @emä(be bev Sfatur, fo genau
— " 286 . —
Saffet fic^ aber bic S^^^^^ änbent: eg fange bag ganj anbre
3)ing gu roirfen an, toag tütr ß^rbarfeit, 2(nftanb nennen, oljne
hoä) eben STugenb bariinter gu ücrfteljen : 3)tngc, bte nmn aud^ o^e
3f|ed'erei itnb ^oten fagen roottte, wirb nmn oft ntd^t nennen tüotten,
nidjt nennen börfen, unb enblid; nic^t ju nennen tüiffen. 3)urrf;
einen allgemeinen 9teid§gfrf;hi^ axif bem 5ReicE)§tage ber (g§r6av!cit
n)iirben fol(^e ^Benennungen für unjüc^tig erüärt, au§ ber ©prad^e
geworfen; nic^t aber baruni aud; bie ©adjcn felbft für unjüd^tig
erilört, nid^t barum bie ^egierbe roeggefd;affet, fotc^e 9iantenlofe
©ac^en um fo lieber nennen, unb ba man fic nid^t nennen barf, 145
artig anbeuten gu rooKen. 3)ag ift ber Urfprung galanter Qm^U
beutigfeiten ! 3"3cen, brei 2(u§brüde mürben au§ ber ©pradje bcö
Slnftanbeä meggebannet, unb bem ^öbel überlaffen; jroan^ig Um*
fd^reibungen aber, fünfzig üerbUimte 9lebarten, unb I)unbcrt S'^cU
beutigfeiten, mobei nur ber feine ^opf etraaS mertt, bagegen einge^
nommen, unb baä ()ie^ gefittete, üblid;e, ,^üd^tige ©prad^e beg ^al^r-
^unbertä. 3i'"^t^9! meinetroegen! fo jüdjtig, ba^ ßrebittonfd^e S^omane
atte möglidje Unjüd^tigfeiten, mit aller feinen S^^^^r vortragen, mit
aUen lüfternen ^äufd^ungen, burd; bie, roie burc^ einen kidjten g^Ior
bie üppigen steige b(o§ burd}f(^immern, unö atte ©cenen unb Slfte
ber Uneljrbarfeit fe^r ehrbar maljlcn fönnen. llcbHd;? atterbingä
fo üblid), ba^ raer bie neucftc S^erbrefjung biefeö ober beg äUiäbrud'ö,
ba§ Unglüd f)at, nid^t ju oerfte^en, nad^ atten ©efc^en beg Ueblidjen,
nad^ ber neueften 33ebeutung beg artigen 3Börterbud;g, in @efaf)r
gerät!), ber ernft()aftefte ^otenrei^er ju werben, ©efittet? fo gefittet,
baJ5 man mit bem ©ittfaiucn ber artigen Seit atte ©itten ber Xu*
genb befd^ämen, atte 33iufen unb ©ratien ber ma()ren ©ittfamfeit
errötl)enb madjen fann! 3)ag ftnb bie artigen 'Jrüdjte beg löblidjen
im (Soutouv be8 3)Jenfc{;ticf;eti, be§ ®rie({;ifc{;en, be§ ^4^oetifcf;eu, unb (Spifcf;en
aSoI^tftaitbeS eitigefrfytoßen, baß eine Siiiie barübev ?lugfd)>ucifiing, eiiiei'iuie_
bavmtter aber — uid)t§ aB trocfue !i^ei"f)üUmig fei)u univbe. SiJenit bie @ac^e
nidjt lu betit'at fd^ieiie, ober memt irf; über fd/lüVifviäe 5ad)eu fo fltüd'ticf;
at§ ^eßiug, tt)e9n)ifd)en fömite: [o umrbe id; bieg geigen." (3lu§ bem „9ieun=^
ten 5Bvtet" gegen Stofj. 9)Jfc.)
— ' 287 ^ —
-/.ay.ocpaTovl Tantum fuit in Eomanis verecundiae Studium! tarn
diligenter castis auribus pepercerunt!
146 Quintilian fclbft rebet in bor angebogenen ©tcUe, gegen bic
(Sud^t, %ayiO(paTa ju finben, offenbar. @r nennet fie ein 3]erbre!^en,
ein 35erber6en ber 9tebe: er fe^t, raenn bie üppigen 9^önicr feiner
3eit, ba§ roaö ein alter ©c^riftfteder sancte et religiöse gefagt
i)atte, auf einen une^rbaren ©inn jogen, fein fpottenbeä si diis
placet! ba^n: er rairft bie ©d;ulb auf bie Sefenben folc^er 3(rt,
ba^ fie bie 9iebe üerbürben, mi^6raud§tcn ; ba^ bei fold^er (Sc(jaam==
tofen ©d^aaml)aftig!eit enblit^ lein e§rbare§ 3Bort ntel)r el)rbar feijn
werbe; er t)ält e§ für ein Derberbteä Zeitalter, beni er b(o§ au§
'^Sloti) nad^geben niüffe, „quatenus verba honesta moribus perdidi-
„mus et evincentibus vitiis cedendum est." @r I}at alfo roaljrlid^
nid^t baran gebadet, ba^ £)inter fein fd^eltenbeö: quod si recipias,
nil loqui tutum est ! ein ef)rbarer £Io^ beä arfjtje^nten ^^ß^i^^unbertS
bie frommen ©eufger: tantum fuit in Romanis, verecundiae Stu-
dium! tarn diligenter castis auribus pepercerunt! im ©rnfte nadj-
feufjen, unb fold^e ^erecunbia mit atlenx ©rnfte jum erften ©tüd'c
ber 3iirgilianifc^en ^eufdjf)eit machen merbe. ^eufd;e 3tömeroI)ren !
artigeg ^ungfernlob auf S^irgil! 3)a§ raenigfte, bag §err Mlo|
gefielen mirb, ift, ba^ er Quin tili an nid;t nerftanben, unb bas
raatire äöefen ber ©djaamljaftigleit tooljl nidjt überbackt l)ahQ.
147 3.
i^on Sßorten fange id} bie @l)rbarfeit nidjt an; fonbern t)on
©ebanfen; unb t)on meldjen? '^d) fetje, ba^ S^x. ^I. mic^ in ju
tiefe ©eleljrfamfeit, in ju bunte '';|il)ilofopl)ie füljre; id; miff lieber
auf bem ebnen ©tege ber 9tatur bleiben. 9hir gebe bie ©öttin,
bereu 2ßefen id; ttnterfud^e, ba^, inbem idj§ xmterfudje, id; nid)t
felbft i§ren Stltar entioeilje!
3uerft: womit ift bie 6djaamf)aftigfeit natürltd^er gefellet, alö
mit ben 9angimgen ber Siebe? 2)er Siebe marb fie oon ber 9latur,
alö Sd^roefter, aU ©efellin, alö 3tuffel)erin, mitgegeben, an bereu
— , 288 . —
§anb fie au(| bie 9Bür!ungert, bie W'taä)t, bic Sieije berfeI6en fo fel^r
bcfövbert. 9Zirf)tg jiert bie SiekSgöttin fo fe§r, alä bie garbe ber
Unfc^ulb, fanfte ©c^aaiuröt^e, bie in |ic§ gefdimiegete 5Jcine ber
Befc^eibenen ©infalt. 3Benn alfo unter allen ^ugenben ©ine ba§
Stnrerfjt ^ätte, in ber 2(iregorie als ein g^rauenjimnter üorgefteKt gu
werben: fo ift bie ©c^aam^aftigfeit baju bie (Srfte. ©ie ift ber 9^eis
ber Siebe, unb bie Si^ugenb bes ©efd^lec^tö, bas bie Dktur gum Iie=
bensroürbigen 2;()eile ber 33ienfc^t)eit beftimnite: fie alfo eine raeib-
lid^e 2;ngenb. ©in Sßeib oljne S^'^^, fogt ba§ Strabifd^e ©prüd^-
TOort, ift eine ©peifc o()ne ©alj: unb nod; füglic^cr fönnte bieg
(gprüc^raort von ber Siebe felbft gelten, ©ine Siebe o§ne (Sd^aam 148
ift nic^t Siebe me^r: fie ift ©fei. m<i)U efetf)after§ in ber 3Belt,
üU eine förmlii^e ©jpofition ber Siebe.
Söenn bieg in ber 9latur, bei einer fo not^roenbigen, unb für
ba§ 93tenfc^Iic^e ©efc^Ie^t unentbet)rlic^en 9Zeigung, ©tatt finbet:
raie roeit me^r in äöorten! in 3Borten an bie 9BeIt unb 9^ac^n)e(t!
in SÖorten, jum S^ergnügen! Sttte ©mpfinbungen be§ 3]ergnügeng
gerflie^en bei einem ©c^aamlofen Silbe; fie Derraanbeln \iä) in ©fei!
§omer, in feiner 33ef(^reibung ber groeiten 33rautnadjt* groifi^en
Jupiter unb ^uno, mag alte S(nne{)mli (gleiten, bie fic^ cor Stugen
legen laffen, geigen: 'Dk §of)e ©eftalt, ben ©c^mud", bie ^rac^t ber
Königin be§ §immelg : alte ©ratien unb Steige im ©ürtel ber 9]enu§ :
alte ©mpfinbungen ber Siebe, unb bes Verlangens im ^ergen ^^upi-
ters — aber nun? bede fie bic l)immlifd§e 3Solfe! 2)a liegt fie in
ben 3lrmen bes ^öc^ften ©ottes, unb unter itjuen blüljen Kräuter
unb Slumen aus bem ©c^oo^e ber ©rbe l^eroor; ba§ l)immlif(^e
^aar felbft aber umfi^atte ^ bie golbne 3Bolfe, ba^ felbft bie alt-
fe^enbe ©onne fie nid^t erblide! — ©o bi(^tet ^omer; unb ic^
fel)e feinen 2öeg, raeiter gu biegten, als bie artigen ^löeibeutigfeiten,
üon benen er nichts raei^ — —
a) Iliad. S v. 346.
1) 31: umfdjattete
— • 289 . —
149 3it^ö(^ft äußert ftd) bte 5^atureinpfinbung, üon ber td^ rebe,
in S^cnnung ber ücrborgenen %i)Qik unfreä ^örperg, bte unfre ©prad^e,
gum %^dk, [(^on mit bein ^f^amcn ber ^ugenb fel6ft bejeid^net.
^ä) fage: gunäd^ft; aber abfteigenb gunäi^ft; benn e§ tft unftreitig,
ba^ biefc ©attung von ©c^aamfiafttgfeit ntd^t fd^on attein von ber
Sftatur, fonbern aud^ von ber ^olücffe, ©efe^c erhält, ^n einem
2BörterBud^e, in einer S^taturle^ire mag biefeg unb jeneg 9Bort rec^t
gctegentlid^ unb |c§aamIo§ fte£)en; nur aber nic^t fo getegentlid^ in
offenbarer 9?ebe, in ©c^riften, too cg nic^t f)in ge'^ören mu^, in
äöerfen beg 3?ergnügen§, unb ber ©efellfc^aft. Seit bem ^teiber bie
füllen ber ©d§önf)eit unb ^ä^Iid^fcit geroorben : feit bem 'i)ahin aud^
einige ^^^amcn, gleic^fam t)erbedft, feiten merben muffen; unb, mit
ber 3e^tr f^^^ fiß 9'^!'' unfid^tbar geroorben. 9)iit bem Unterfd^iebe,
ba^, roo fie unfi^tbar fe^n fonnten, raeit fie ni<i)t genannt werben
borften: ba roar i^x 3?erf(f)roinben eine ?yoIge einer 5Raturempfin==
bung; tüo fie aber genannt merben muffen, unb bod§ nid^t genannt
roerben borften; ba mar i£)re Une^^rbarfeit eine gefettfc^aftlic^e S^er-
abrebung; ein S3ertrag ber !)ö(^ften ^oliteffe.
9^od^ offenbarer finb anbre 3!5erabrebungen , bie immer §ei^en
fönnten, roie fie roottten; nur 9^aturempfinbungen ber (Sd^aaml)aftig==
!eit foKten fie eigentlich nic^t l^ei^en. ®ieg finb alle 33eleibigungen
150 beä gefettfi^aftlic^en äÖoI)Iftanbc§, roo man eine 2trt von 33erroeife
befürchtet, ober fid^ felbft giebt. ©in ^inb f)alt feine Kleiber fcfjmu^ig,
feine ©trumpfe nadjld^ig, feine §aare unorbentUi^. „©c^ämc birf)!"
ift ber allgemeine Smu\ ber SRutter; unb baö J^inb, infonberf)eit
ba§ 3)täbc^en, lernt fid§ im ©rnftc fdf;ämen. ©§ lernt, fic§ fd^ämen,
unb mu^te e§ lernen: benn, al§ 3flaturempfinbung, lag fold^e ©d^aam
nid^t in il)m. ©ie lernte fie blo§ au§ bem Sßorte: üon ba flieg fie
in§ Dljr, in bie ©ecle, unb jur ©efellfd^aft aud) auf bie 2öangen:
mit bem 3Borte warb enblid) aud; ber 33egriff, mit bem 93egrtffe bie
©mpfinbung felbft geläufig. 3tn fic^ immer ein gefellfd^aftlid; notl)*
roenbiger 33egriff, eine gefellfd^aftlid; üortreflic^e ©mpfinbung; nur
nenne man fie immer lieber ein erroorbneä ©efül)l be§ gefelligen
2tnftanbe§; ober folt fie ja ©d^aam l)ei^en, fo mag man fie, al0
^evbevä fämmtl. SBerle. III. 19
— < 290 .—
eine gefellfc^aftlti^ fortmrte ©d^aanienipfinburtg, Betrad^ten, tntt bem
©efü^te in ung, fo roic e§ ati§ ben .^änben bei* dlatux Imn, eigertt-
M) mä)t ©inertei.
Unfer ©prad^gebrauc^, unb, ma§ noc§ ärger tft, unfre gemeine
©r3tel)ung »errüed^felt fie: ninn lernt, fid; von ^Jugenb auf über eine
mibrige 9Ba^I bcr ^leibungSfarben , über uninobifd^e ©tüde be§
Stnpu^eg, über uiigrat^ne Komplimente fdjäincn, big jur 9iöt^e
fdjämen, fid) fd^ämen, al§ ob un§ hk ©teine auä^ulac^en fdjienen ; 151
aber mie lange f)at man fc^on bie Kunft in bie ©tette ber 9iatur
ge[e|t, xmb 93ien[d)Iic^e 3]erabrebungen ju ^Naturtrieben erhoben?
Sßie lange aber, frage id) weiter, ^at eg nic^t aud) ()albf(uge (Spötter
gegeben, bie, ba fie dtmaä in folc^en Qa<^tn 9;)ienfc§Iic^ oerabrebet,
gefellfdjaftlidj eingerid^tet fanben; enblid^ atte§ im 9)ienfc^en für
9)tenf(^Iic^ üerabrebet, für roil(für(ic§ eingepflanjet , hielten, ©ie
beftürmten alfo auc§ bie ^eiligen ©efe^e ber 9Natur : fie entmeifieten
alfo auc^ ben 2l(tar ber liebengroürbigften ^ugenb ©d^aaml)aftig!eit:
ja fie, bie fred^ften ßpnifer, unb ber ^öbel ber ©pifureer hamkn
enblidj bcr llnnerf(^amt§eit felbft Stltäre. Söenn' bie 3sermifc^ung
beg Sfngenommenen mit bem 9NatürIidjen in biefer (Smpfinbung alfo
meit abfüljrcn fann: ic^ badete, fo tonnte bod^ ber $t)ilofop^ frei
unterfdjeiben börfen , unb bag @efel5 beg Slriftoteleg anroenben :
ben Jünglingen mac^t ©üjaaml)aftigfeit @t)re, ben (et)renben %lUn
aber ©d^anbe. ^ä) faljre alfo fort.
3)ie !ünftlid)e gefettfd)aftlic§e ©(^aandjaftigteit fann fid^ »er-
fdjieben äußern: in ber «Sorgfalt, feinen Körper ju probuciren:
„Sieinlidjfeit, 2(nftanb, u. f. m. ," in tjunbert ©ebärben, Söorten,
«Stellungen, 3:;i)aten, bie, alg artig, alg fc^ön, üerabrebet finb: ba
mollen mir fie „ätnftänbigleiten, 2(rtigfeiten" nennen: gnug! fie
finb gefellfd^aftlid} gebilbet. S)ie ®mpfinbung barüber flieg nid^t
aug bem ^er^en auf bie aSangen, fonbern erft aug eingepflanzten 152
Gegriffen ing .gteri; ^inein: fie rid;tet fid; alfo nad) biefen einge*
pflan^^ten 33egriffen. 3)a fie oon ber Kunft, ntan nenne biefe ©r-
jie^ung, ober Sebengart, ober Stuffe ber (Sultur, ober ©efd^mad,
fid§ ju betragen, ober ^^soliteffe, ober ©alanterie, ober, mie man
^— 291 ■ —
lüoKe — ^(^ fagc, ba fie von ber ilunft einer ©efellfd^aft ©efe^e
empfängt, fo ^at fie fic^ auc§ immer na(j§ ber 93efd)affen^eit, nad§
bem ^one bcr ©efetlfd^aft, nad) Zeitalter, DIation, u. f. ro. geftim=^
met. ©ie ift ein ^inb ber ^Olobe, iinb alfo üeränberlid^, roie ber
©eift i^rcr 3)LUtter. ^e|t wirb fie in biefer .^illeibertrad^t, in biefem
Sluöbrucfe, in biefer Stellung befd^ämt, in roel(^er fie fur^ üoraug
nic^t befc^iimt marb, unb balb f)ernac| nic|t mel)r befdjämt fepn
wirb, ^n biefer ©efellfd^aft roirb bie ©cutfc^e ©prac^e, in jener
bie 2)cutfd)e ®§rlic^!eit, in biefer bcr granjöfifc^e Söinb, in jener
bie 3^vanjöfifrf;e ©prad^e, 3Becl^feIgroeife lädjerlic^ nnb befc^ämenb,
ober anftänbig. 2öcr fidj in foldien ©ad;en mit ätnftänbigfeiten
brüften fann, rairb fic^ audj über folc^e Unanftänbigf'eiten befd^ämen
laffen. ®ie ©djaam ift ^ier ein ©efd^öpf be§ 2öal)n§ ber 3)tenfc§en,
nnb mu^ fid; alfo burdjauS nad; i^rem ©d^öpfer richten.
^c^ l)abe nur nod^ eine Unterfc^eibung nötl)ig. 2öie biefe
gefel(fd;aftlid; formirte ©d;aain nidjt eigentlich ein ©efdjöpf ber
153 9catur ift; fo ift fie aud) nidjt not^rocnbig mit S^iugenb einerlei:
fie ift mn ber 3)toraHfc^en ©(^aam üöKig oerfdjieben. 2((g jener
©pötter üom parterre ()erauf rief: „2tn biefen S)amen ift nid;tg
„fo feufdj, al§ bie Dljren!" fo mag man ifin immer unüerfd^iimt,
fünbigcnb gegen bie @efe:|e be§ gefeU'fd^aftUdien Stnftanbeä Ijaben
crtennen tonnen: fo unmat)r, fo gerabe gegen 3){oraIif(^e ©c^aam*
I)aftigteit rebete er eben nic^t. 3Benn man it)n gefragt Ijiitte: mie?
Unüerfd^ämter ! mu^ benn an einer ^ame baä Dt)r nidjt feufd;
fepn? unb ba§ ber 2tnftänbig!eit wegen! fo f)ätte er ermiebern
börfen: unb, eben ber Slnftänbigfeit wegen, barf ba an eben ber=
felben S)ame moljl notljroenbig Sllleä fo t'eufd; feyn., alg ba§ Dl)X?
— 9'tidjt, aU wenn e§ nid;t feijn lönnte, fonbern fepn mü^te: al§
TOenn bie S3ürgevlid^e , fd^on bie 93loraUfd)e ©djaaml)aftigfeit märe,
xmb ba§ ift fie nid)t! ®ie 5[Roralifd§e ©d;aaml)aftigteit oor ©inem
Safter, aU Safter, ift gang etmag Slnberö!
Dft fdjeincn fie fidfi natje ^^u lommen; aber oft ju nal)e, fo,
ba^ bie ©ine bie Slnbre unnöt^ig gu madjen glaubt. 2)a bie ^^'oli-
tifd^e STugenb oft al§ ber ©djoin bcr maf)ren ^ugenb gilt : fo lä^t
19*
^ 292 —
man fi(^ oft mit bem ©d^eine begnügen, unb natürlich, ba^ man
aläbenn um fo melir auf ben ©d§ein erpxij^t fei^n wirb, je raeniger man
baä 3Befen 'i)at. 2Ber mit gefärbtem @(afe, mie mit ©belgefteinen,
prangen barf, roirb bicfe um fo me§r aufpu^en, fte um fo mel)r gur 154
©djau fteKen, unb metie bem ! ber aläbenn ntc§t auc§ gefärbtes ® laö \)at.
^e menigcr man oiclfeii^t eine 3^ugenb inne §at, befto me^r rairb man
fid^ üietteid^t im ^anjleiftijlc biefer SCugenb üben : je untüchtiger man
benft, befto me^r »ietteic^t bie Sleufd^^eit feineg D^r§ fc^onen, befto
euer, befto mäkliger unb üppiger in ber SBortmürbe roerben; befto e^er
nad) ^meibeutigleiten t)af(^en. SBer biefe am beften fcnnet, mer biefe
in einer ©efcttfd^aft juerft, unb »ietteid^t einzig unb allein, aufmerft,
unb barüber anftänbig crröt^et, unb artig barüber in Unmilten gerät^
— artig, freiließ artig unb anftänbig ift biefer fd^aaml^afte Unmille,
ob aber aud^ be^raegen wirf Ud^ unb notfiraenbig , eine ©d^aamröt^e
ber unmiffenben Unfd^ulb, ber unmittigenStugenb? 9^ic^t nottiracnbig !
^d§ ^ahe blos ben Unterfcfjieb ber S3egriffe, groifd^en 9fiatur=
empfinbung, gefettfd^aftlid^er unh 3)^oraIifd§er ©c^aam entmidfelt;
unb oer^ülk, roie ©otrateä, ba er oon ber Siebe bit^prambifirte,
mein ©efid^t, um feiner oon breien gu nat)e gu treten. 9lur eben
au§ S^erel^rung raitt id^ bie 9^aturempfinbung nic§t mit ßoquetterie,
unb bie fc^önfte ber Si^ugenben nid^t mit ifjrer 9ta(^äfferin, ber
ungüdjtigen ©§rbar!eitgpebantin oerroedjfelt ^ben. 33ieffeid^t finb
Scfer, bie aud^ bie (Srfte oon breien für einen @efellfd§aft§trieb
t)alten, benen roieberfpred^e id^ nid§t; fie ift aber alSbenn menigftenS
ein Zögling ber 9}ienfc^Iid^en , nic^t bIo§ 33ürgerlid§en, nid^t bloä 155
artigen ©efcUfdjaft : fie ift nä()er unfrer ^^catur; unb ba§ nur ^abc
id^ fagen moEen.
4.
3ßie? menn mir nun je^t, ba mir biefe ©öttinnen ber ©d^aam*
i^aftigtcit einigermaßen uon ©efic^te, ober nadj i^ren §üttcn roenig-
ftenä IjalKn unterfdieiben gelernet, unä nad^ if)nen unter oerfd^iebncn
S^ölfern, in oerfd;iebnen Zeitaltern, umfe^en mürben: raie fie ba
— 293 « —
erfdjienen? — Miä) bürilt, ol)nc 3>orausfc|ungett l^ierüBer lä^t fic^
faum oon bcr ©c^aam(;aftics!eit eincg frcmben 5ßo(fg, einer abge=
ftortmcn 3eit, ober gar freinbcr S]ölfer, abgeftorbncr S^itm reben;
nocf; roemget laffen fie fic^ üerglcti^en , nod^ raemger aus einer
fremben ©(^aam^eit beurtl)ei(en. — ^d) raage mic§ al[o an einen
f)iftori[d^en unb geograp£)t[d^en S3Iid" über Reiten unb 3?ölfer —
nid^t aber an eine ©cograpfiie ber Suä)t, ober an eine ©d)aam=
I)iftorie aller S^^^^^-
^cnn bei einem Sßeibe bie roo^Ibewac^te «Sd^aam bie g^ütjrerin
it}rer ^ugenben ift, roie Siana bei 3]irgi[ il)rer Dreabcn: tücnn,
naä) ber raeiblid^en ^^Jioral, ©d^aaui unb Qu(^t porjüglidj 3:^ugcnb
"^ei^et, unb bei niand^en aud^ beinaljc bie ©teile aller übrigen %u=
genben ücrtritt: fo tüirb man bie[e ©mpfinbung aud§ eigentlid^ ba
156 mirl'en feigen, mo in ben 9Zeigungen ber Siebe ba§ jarte ©efdjlecljt
mit unä einerlei ©emic^t in bie ©d^aale legt, um ben ^on ber
Siebe ju beftimmen. 3)ie§ ift in ben ®egpott[(j§en Slorgenlänbern,
n)o bie 2öeibcrl)aremä Sel^ältniffe üon ©claoinnen finb, nid^t. ^ier
ift nur bcr @(^lei)er, unb bas ©d^lo^ ba§ ©iegel bcr ©c^aauiljaftig*
feit: nur bie fi^roarjen 33erf(^nittcncn bie eigentlidjen Bud^tmeiftcr,
unb Qu(!i)th\x)ai)XQX : nur bie SJtauer besi ©crailg bie ©renge ber
Jleufd^l^cit. Xa mit bicfcr ®j:tremität, fo gut bcr ^eufdjljcit, als
ber Un!eufc§^eit, i^re Spljäre gu mirfen benommen mirb: ba bcr
©dileper, unb bag ©d^lo^ nur bie ©emüt^er ber 3Beiber um fo
meljr crl)i^en, fo mu^ natürlidj aud; bie ©d^aam, je melir fie äu^er*
li(^ beraac^t mirb, um fo met)r oor bem entflieljcn, ber fie hQtvaäjm
lie^, unb fo fann e§ kommen, ba^ oft bag fd^aamliafte ©efd^lcd^t
ba§ fc^aamlofe Ijci^en lönntc. 2)a eg oermöge feiner Statur §u erft,
unb am ftär!ften, unb am längften bie Steigungen ber Siebe fül)lt:
n)a§ mirb auä i^m, menn man biefen ^egierben bie ®ede, bie
§ülte raegnimmt, bie iljnen bie n)ol)ltl)ätige S^iatur gab?
3)o(| i(| fage nur fo oiel. ^n eineut ^ublifum, roo ba§
g^rauenjimmcr nidjt mit jum ^^ublüum gel)ört: ba fann auc§ il)re
ioeiblidjc ©ittlidjfeit feine ßinflüffc in ben 2:on bcs Sebcng äußern,
ba wirb nur ber ntännlic^e ßljarafter bie Senlart beg ©anjen
— . 294 ■■
bejeidjttert. llnb ba mmbie ©rfjaammttgfctt, id) fage bamtt eBen 157
niäjt, bie innere gudjt, üovjüglid) eine tüciblidje 2;ugcnb fegn foUtc,
um rtietteidjt, (bodj waä geljt mic^ bie§ 3?ieMd§t an:) fo roirb
man ftdj in einet bloßen 3Jtannggc[ett[djaft eine gemiffe Dffenfjeit
nid^t üerübeln, bie immer Unbefc^eibcnfjeit 't)ie^e, mcnn Beibe @e*
fdjiedjter in gleidjem 5)ka^e if)rc 6timme jum 2^one be§ ©angen
geben. 2)ie ©ränjen bcä jüdjtigen 2tnftanbe§ roerbcn etmaS weiter
I)inau§ gcrüdt, bie ©djaamljaftigfeit mirb nici^t me§r, als eine
mal)rljafte miinnlidjc S3cfdjcibung , [eijn börfcn , unb aI[o audj feine
©rajie ber Sßeiblidjfeit fc^n motten. $Daä ift ber erfte Unterfd^ieb,
ber fid; eräugen fann.
(Sin (Snglifdjcr SScItuieifer erflärt Ijierüber, ob er gleid^ eigent=
lidj nur uon ber eigentlid; ge[ettjc§aftlidjett , 33ürgernd;en ©d^aam
rebet, meine ©ebanfen: „Unter ben 2lUcn, fagt |)ume,* marb ber
,, ßljarafter be§ fd;önen ©efdjkdjtä für burdjljin I)äu§Iid; get)a(ten :
„fic mürben nid^t, al§ ein ^i}eil ber politen SBelt, ober ber guten
„ ©ejettfdjaft , getjalten. 2)ieä üietteidjt ift bie maljrc Urfac^e,
„marum bie 2l(ten un§ fein einziges ©tüd ber ^^laifanterie I)in'-
„terlaffen, ba§ oortreflidj märe u. f. m." ^c^ neljme f)ier feine
äßorte no($ attgemeiner, afs ba^ fie für, ober gegen bie ©alante=
rie entfd^eiben fottten; fie fotten nur für bie (Sd;aaml)aftigfeit ent= 158
fdieiben.
9^id^t oKe ßlimata unb Aktionen festen alfo felbft ben 3]or*
ftettungen unb Slusbrüden ber Siebe einerlei ©d;ranfen. ®ie l;i|i=
gen 2)^orgenlänber, bie in it)ren ©efcften faft eine 33elo^nung auf
bett feften, ber in ben erften Reiten ber 3Bilbl)eit ein einfameä
Frauenzimmer eljrbar gelaffen, maren audj in S3ilbern bicfer älrt
beinalje unbiinbig. ^c i"el)r fie iljre ©djönljeiten üerfd^loffcn unb
überfd^leierten : befto unerröttjenber , äöerfc unb ©lieber ber Siebe,
infonberljeit in ber ©pradje ber Seibenfc^aft , ber @iferfud;t, be§
ftrafenben ^otneS ju nennen. 'Man nenne il)re Freiheiten aber
a) Essays and Treatises of several Subjects. Vol. I. Essai XVII.
p. 192.
— ' 295 > —
nid)t j^vcifjoitcn bcr 9Iatuv , foiibcrii , einer entarteten 9tatur , eines
2)efpüti[c^ - orientalifdjen 3Seikuauitgan(3cö. 9}iic^acUö Ijat bei ben
^Jiorgenlänbern bicä nid;t bloö angezeigt /' [oiibcrn aud; ^uut !J;[jeile
erflärt. ©r toar gu fcl^r Kenner ber Drientalif djen 9iatur, als
ba^ er [ie 6Io§ (Stjriftlidj Tjätte uerbannnen, ober artig unb woljU
anftdnbig barüber üerunc3limpfen foHen: er entioidelte ben ©runb
iljrcr Sicenj.
33ei ben 9löuiern finbet fid} nur, auf eine anbrc SBeife, eine
Unterbrüdung bic[er Sittlii^f cit , bic ic^ au§ itjrein, üon jetjer,
roljein 6Ijara!ter er!läre: au§ beni ilricgerifdjen , bas itjuen jur
159 9ktur lüarb , auä ber uuinnlidjen ^ärte , bic eine fo ^arte (Sntpfin=
bung leidjt cttuaä erftiden tonnte, ^n ben meiften iljrer S)ic^ter,
unb faft audj itjrer ©d;rift[tel[er überfjaupt, t)err[d;t eine folclje
nidnnlidje ©d^aainlofigteit : roo raoEte id; wir aber aufgeben , alte
groben baüon aus tfjrem Sucrej, ^tautuS, -^orag, Dütb,
^etron, :3wüenal, äRartiat, ßatuU, ^^ibuU, ^roperj
u. f. m. ju fautmlen, unb ein roaljrcs ^eft ber ^riapcen anguftel^
len. .^unie nuxg atfü für nndj rcbcn : ^ tlie scurrility of thc
ancients , in many instances , is quite shoking , and exceeds all
bolief. Tlicir vanity too is often not a little offensive; as well
as the common licentiousncss and immodesty of their style.
Quicunque impudicus, adulter^ ganeo , manu, ventre,- PENE , bona
fatria laceraverat, says Sallust in one of tlie gravest and most
moral passages of this histoiy. Nain fuit ante Helenavt cunmis
teterrima belli Caussa is au expression of Horacc in traciug the
origin of moral good and evil u. f. xo. 50ttt foldjen 33eifpielen
fäfjrt ber ^ipijilofopl) fort, ju jeigen, ba^ bie 3ftönicr oft unfc^aam^
Ijaft geroefcn, audj too fie nid;t fdjaamlos, nidjt unt'eufd^ feijn inott^
ten: unb ^htxi foId;e Seifpiele niüf jen bie Ä^orijonttjötjc einer 9{önii=
f(^en ©ittfant!eit beftintnien, tüenn man nidjt blog in bie 3Sclt
Ijinein fabeln, ober toben tnitt.
a) Lowth de sacra Poesi Heferteor. Pra3l. VIII. p. 135.
b) Essays Vol. I. on the Eise of Arts aud Sciences, p. 181. &c.
— 296
2lu(^ I)ier lieltctt bie (Srted^ert eine geroiffe fd§öne 5}lttte jtot^ 160
fc^en ?[RorgertIänbern unb S^ömern. 2)ie Stfiattfc^e ^i|e in etraag
abgefüllt burd^ bie (^uropäi[d^c ^IRä^igJcit, beftiminte eben ben mit*
lern %on einer loarmen Siebe, einer fanften 2öo{)lIuft, ber 5[Rate=
rien biefer 2lrt bei il)nen burdjgängig ju c^arafterifircn fd^eint.
SSietteic^t Ijat feine ©pradje ber SBelt ein fo jü|eg SBörterbud) ber
Siebe, feine 9(^ation eine SJ^enge fo einfältig unfc^ulbiger Siebes-
gemälbe, lein ^eitpunft ber ^^olitur üietteid^t bie Urbanität auf ben
finipcltt unb feinen Söeltgcnu^ ^lurüd" geführt, alg ber ageiai^iog
ber ©riedjen. S)ie Siebesfd^ilberungen il)rer ^oeten, bie 5[Renf(^*
t)eitggefe|e ifjrer beften ^I)iIt)fopl[}en , bie Ijiftorifdjen ©emälbe ifirer
Sebengart in ben beften Reiten, finb fo fel)r in ben ©(^raufen
ber fdjönen, unfd}ulbig einfältigen 9Mur, al§ fie »on unfrer I)eu»
tigen ©alanterie unb ^^oliteffe, unb .^ofartigfeit entfernt fetin
mögen, ^d) münfdje bem ©d^riftfteEer " ©ried^ifdjcs ©efü^I, ber
über bie ©d^aarnfjaftigfeit t^omcrö fc^reiben mill : fo mie id^ä einem
anbern, fonft feinen unb fdjä^baren Kenner*' gcmünfdjt Ijätte, ba
er üon ben ©itten ©riedjifdjer ©id^ter ju fdjreibcn unternafim.
^d^ roci^, ba^ idj in iöcifpielen biefer S(rt nid^t blog bie
galanten Ferren, fonbcrn aud) mandje fromme (Stjrbarfeitspebanten 161
unfrer Qdt gegen mid§ Ijaben mürbe , bie mit bem ehrbaren ©d^rift*
ftetter, über ben id^ fdjretbe, oft gnug ausruffen börften"": atque
etiam fateor ipse , mihi non omnino probari hunc locum , quem
reliquae epici carminis maiestati detrahere puto (ber gemD§nIid§e
Sieblingätabel unferö 33erfafferö) aber t)ie(Ieid;t aud^, bafe bie Ken-
ner ber ©riechen infonber^eit in i§ren ^oetifdjen Reiten auf mei=
^er ©eite fet)n börf ten: atque etiam fateor contra, mihi, tan-
quam Graeco , & Graccc sentienti , omnino probari hunc locum,
quem molli Graecorum de venustate iudicio optime respondere
puto. Unb in ber 3::^at, menn bie feine ^onifd;e Sßoljlluft nid^t
a) Harles de verecnndia Homer, libell. ijroinissus.
b) Utbtx bie ©itten ber @riec^if(i^en S>i^ter X^. I.
c) p. 264. de verecund. Virgil.
— . 297 = —
bem ^oetifc^en ©elfte ber ©riechen 6l)ara!ter gegeben ^ätte: löie
otel fdjöne 5tinbev bev ^oefic von i^oinet uiib 3lna!reon, unb
©appt)0 an, bi§ auf ^f)co!rit unb ^Diofdjuö ju, raürben (£mbi't)D'
nen ber ^bcalifd^en 9BoI)lIuft geblieben fegn! Unb raer, na(| bem
^(ofterjmangc unfver ^eit, eine bcurtljeilen , unä eine rauben roilt,
ber raube un§ lieber bie 3)Zutter mit allen ^inbern! alle üppige
Silber ©riedjifdjcr SJoI)l(uft ! — $Dag ift ein tuürbiger, jüdjtiger,
fd^aamljafter ^unftrid;ter unfrer 3eit-
2)cr ^raeite ^un!t ©riedjifc^er g^reiljeit betrift ba§ 5^adenbe
tl)rer Silber, unb fo aud; i^rer Sluäbrüde be§ ^tadenben in ber
©pradje. äßer fennct l^ier nid;t bie ©riedjifdje ?5^reil)eit? allein,
162 raer ^ fie l'ennet , rairb fie üerbainmen ? ®inem Seljrer ber ^unft
muffen SBorte erlaubt fct)n, bie feinem anbern, unb einem ®rie=
c^en, bie feinem S)eutfcl^en erlaubt finb. ^liidjt nur, ba^ bie l;err*
lid^ften 2)enfmaale ber ^unft cor il)ren Slugen nadenb, bloä ftan-
ben, unb iljre liunft über^upt mel^r ba§ fdjönc 5Radte, al§ baä
jüdjtig Ser^üllte liebte: aud^ in ber 'Jiatur felbft bilbete fi(^ Ijier
eine 2lrt von eigner 5iationalgried;ifcl§er ©djaaml)aftig!eit beg 2luges,
bie niemanbcn frcmbe bünfen fatm, alg mer unter iljuen nodj fein
©riedje geroorbcn. '^Jtadte Jünger, nadte Kämpfer, nadte Dl^m^
pif c§e ©ieger , nadte babenbe ©djönen , nadte STänje , nadte ©piele,
nadte "gefte , Ijalbnadte ^rac^tcn — unb iljre 2)id;tl'unft f ollte ein-
preffenbe Sllofterlumpen bulben? .^Ijre beften ©djriftftellcr follten
eine 9ionnencljrbarfeit fid) einanber eingefteljen , bie baö 2luge beä
gan;;en ©riedjenlanbes , unb bie 3ii"9c ber 3lclteften, @l)rmürbig'
ften unb g^einftcn be§ ^ublifum fid; nidjt eingeftanb? bie fic^ felbft
bie ^l)ilo[opl)en in iljrcn ©ittenftunben nidjt eingeftanben? ^n
einem fünfte, mo eä fo fe§r auf ©eroo^nl)eit ber 2lugen
anfommt, follte man, benfe id^, eben biefe 3tugengen)of)nljeit bod)
raoljl bei einem Solle ju diatljc ^ie^cn, ba§ fidj in il)r fo fel;r
auäjeidjnet. 3^od; je^t ift bag ©efüljl ber Italiener über biefen
^unlt, üon bem ©efüljle 9iorblidjer ©uropäer, fel)r üerfd;ieben:
1) »er, ber (?) *
-^ 298 —
itnb fte ftttb hoä), beut einen %l)dk nad), felbft ja ^^Jorblldje @uro* 163
päcr: unb fie jinb bodj, beut anbern ^tieüe nad), nod) feine ©rie*
cfjen an 9htur : unb fie lüoljncn bodj nur unter zertrümmerten
^teften ®ried)i[d^er i^unft: unb fie ijahcn bodj eine Sieligion, bie
fo feljr bie ä^erljüttung liebet: unb fie finb fc^on in einer Sebeng-
art, bie fdjon üom 33ürgerlic^en SÖoIjIftanbc , unb ber ^olitcffe
gebilbet luorben — 2öic? unb bie ©riedjen, gum ©efüljle ber
äÖoIjUuft geboljren, Don ^utgenb auf unter ben ©djönljeiten bet
offnen 9Iatur ermad^fen, jur Suft unb ^^reube bei itjren ©pielen
eingeroei^et , unb nod) nidjt ^um fclawifi^en >|]uppeniüof)Iftanbc t)er=
bammt, fie foEten nidjt eine eigne ©ittlidjfeit be§ 9iadenben Ijaben
börfen? fie rooUten mir uerbammcn, menn fie nidjt nad^ S^Zonnen-
tradjten ifjre ^q'ü fdjilbern? fie foKen fidj nidjt ber .^ugenb ber
SBelt, ber llnfdjulb iljreö .ß^-'ttftfterö erfreuen börfen, von unfern
jüdjtigen ÜserfjüIIungen frei ju fepn? fie foUen üerfdjlcicrte ^er=
fianifdje Figuren, ßljineferfd^önfjeiten mit rerljitltten T^i^Ö^^^IP^I*^^
merben? unb iljre 3)i(^ter eine SrifeiS mit fdjönen .^nieen, eine
(Spartanerin mit fdjöneit .^üften, eine ä?enu§ Stnnbijomene, einen
33acdju§ mit fdjönem 33audje, einen 83atfjr)ttug , wie iljn 2(na!reon
feljen roitt:
IVhjQiov ro TcvQ e%ovtiov
^ffehj TtoLYjOov aidco
Hmpujv d^ehsoav rßt].
md)t unfdjulbig ^üc^tig nennen börfen, ba ganj ©riec^enlanb fie 164
fo ficf)et. ©0 menig idj biefe ^reitjeiten jum ^rioilegium unfrer
,3eit, ftatt einer uralten ©eutfdjen Sefdjcibenljeit , Ijabcn roill; fo
menig mitt ic§§ ben ©riedjen, in ber ?Oiorgenrötfje itjrer ©ittlidjfeit
ongeftritten (jaben. ^c^ roitt üielmeljr mit ber Unfc^ulb, mit ber
^tato feinen ©reifen erlaubt, bie (Spiele ber muntern ^ugenb anju-
feljen , au§ meinem greifen Zeitalter (jinauStreten , unb bie ^reuben
@ried)ifdjer ^ugenb, unb bie Tcaturfpradje ©riedjifdjer Siebter, unb
nadte @(^öne ber ©riedjifdjen Kunft, unb bie ^^()i[ofopt)ie ber Siebe
bei einem (Sot'rates fo bctradjten, als mfnn idj midj felbft in bie
— c 299 —
muntere Unfdjulb biefer äBeltiucjeub ^urürffel^cn , unb ju , einem
@vierfji[d;ert ©efüljle äuvücf uerjünöet müvbe — bann !ann id;
©viedjen Icfen.
©in britter ^un!t ©riedjifdjcv ^rci^eit !ann eigent(id) nic§t
©djaamljaftigMt Ijct^en, ev betrifft; ben 2lnftanb bcr SWnicjfcit, ber
3ievbe, ber 5Ißürbe, unb rccr fennet ba nidjt bie 'J^aubenveinljeit
ber ©riedjen? dTdd) freuctg, roic evnft(ja[t mein 2lutor über bcn
Untcrfdjicb bcv SBortiüüvbe jroifdjen ovO-og unb -/.07i:Qog, ^mifdjen
■/io/rQog unb y.orig bifputirt : '' lüie offenljerjig er eine ©teile ^omerä
mit feinem J^opffcl^ütteln begleitet: me offcndit fcrc, ut libere
165 sentcntiam dicam, liaec iraago — mie er bei [oldjcr J^leinigfcit
©elcgenljcit nimmt, audj ber ©rncftifdjen Sluäcjabe .§omerä einen
Siebeöjtreidj ju .üerfe|en, ba^ fie bag ovS-og, bag bau berben Stjaj:
um ^Kunb unb 9Zafe fliegt, unb ben xoyiQog, in meldjem fid)
^riamuä mätjct, nidjt in ein artiges quidui potius per puherem?
»erbottmctfdjet unb uerljöfUdjet I)at. 93iid; freuet bie roürbige
SDifpütc, xtnb idj cmpfc()le nädjftenä ben Unterfdjieb jmifdjcn ovU-og
unb %07tqog einem bünbigen Concilio xo/i:QOJvri.i(i), ut libere sen-
tentiam dicat.
2ßa§ gölte e§ aber, raenn roir auc^ einen eljrlid)cn (Sct)tljen
mit baljin fdjidten, ber fidj fd^on einmal mit Solon über eine
fold;e ^ot^materic befprod^cn, ber fidj nidjt gnug luunbcrn !onnte,
ba er bie rocttringcnben Jünglinge fid) im ©taube mälzen f al) , ber
über biefen mit fotdjem böfen Ueberguffe gi;pfirten Figuren feltfamc
Stugen ntad)t, immer mieber barauf jurüdfommt, unb ficl§ enblid)
oon bem ©ricdjifdjen @efe|gcbcr fdjtüer, fdjmer biefe ^^otljübungcn
erklären lä^t. ©s ift ber 3lnadjarfi§ beg SucianS. tiefer gute
J^aljKopf mag teuren , baf? bie öftern freien Seibeöübungen ber alten
©riedjen öon i^wgenb auf, auf @rbe. Staub unb ^oti) if^nen einen
folc^en 2lnblid beä Sljar ober ^riamuS , ben ifjuen §omer vorlegt,
moljl nic^t fo efel gemadjt I)aben börften, alö unö, bie mir auf
^flafter unb ''^olfter treten. — —
a) p. 269. 270.
— c 300 = —
3Son ber eigentlid^en 3lnftänbtg!ett imfrer ^^xt, üon ber .^of* 166
politeffe uttfreg 2BoI)Iftanbe§ ijabm bie ©riedjen mit allem i^rem
ageiGf-iog an ber ^anb ber Stttifd^cn ^^znu§ ntd^tä geraupt: ganj
nt(^tg gemußt, „©c^abe gnug für fic!" ^mmerfiin ©d^abe! nur
noc^ me^r ©c^abe um ben ehrbaren ^abet unfrer Äunftrid^ter, bie
üma^ in ©ricd^enlanb fuc^en, roorauf leiit ©rieche Slnfpruc^ machen
will, unb bag nid^t ju fc§ä|en rüiffen, raag fid^ an freiem eblert
@efüt)Ie unter ben ©riei^en finbet! D ba^ eine SRufe, eine ber
6()arttinnen fel6ft, au§ ©riec^cnlanb auflebte, um un§ i§re Sieb*
lingsfreunbin , bie ©riedjifc^e ©c^aamtiaftigleit , ^u geigen, nur ba^
biefe feine ^lofter* ober ^ofpuppe fet)!
5.
^c§ barf nic^t meiter : benn ic^ l)dbt nur ben Unterfd^ieb , ber
graifc^en ^Rationen unb Reiten fe^n !önne, anzeigen, unb e§ mer!=
lid^ mad;en wollen, ba^ mer über bie ©c^aamf)aftig!eit ©ried^ifd^er
unb Stömifdjer Slutoren urt^eilen moEc , au§ einem 9^ationaIgefüI)Ie
berfelben urtt)ei(cn muffe. §r. ^(o^ fjat baö erfte gcmottt, unb
baä Ie|tc ttirfjt geroollt; in feiner 2lbl)anblung alfo finb bie mag-
ren unb falfdjen ©attungen oon ©d^aaml)aftig!eit, bie natürlichen
unb !ünftlid^en Strien berfelben, ber ©ried^ifd;e unb 9tömifd^e ©e=
fd^mad hierüber, alle Reiten, unb allerlei ©diriftftelter beiber
^f^ationcn auf eine fo feltne SBeife üermifd^et, ba^ ber ben!enbe 167
Sefer nad; allen ©emeinfä^en hinten nad; Suft be!ommt, ^^u fra-
gen: mei^ bicfcr 9iebner aud^, mag ©d§aaml)aftig!eit feg?
®in paarmal ^be id; meinem S3erfaffer fd^on ©emeinfä^e,
bie er au§fd;üttet, ©c^ulb gegeben, unb in allen feinen Stblianb-
lungen liegen gnug Seifpiele baoon oor Stugen. ^^'t)^ berfelben
ift bamit fo belaben, alg ein ©ot^ifdjeg ©ebäube mit 9iebemt)er!en,
ba^ man redjt fuc^en mu^, mo bie ßljrie felbft anfange, ^n ber
%i)at, wenn id) bie Ijcrjlid^e Siebe eineä älutorä ju fold;en 6oEef=
taneenbroden unb ®cmeinfä|en betradjte: fo fielet mir in feiner
bepadten 3){ufe ber leib^fte Runter ^^ubibras oor 2tugen:
— « 301 > —
His Back, or rather Burthen, show'd
As if it stoop'd with its own Load.
For as Aeneas bore his Sire
üpon his Shoulders thro' the Fire;
Our Knight did bear no less a Pack
Of his own Buttocks on his Back
Which now had almost got the Upper-
Hand of Im ITead , for want his Crupper.
Unb roenn id§ nun biefe liebe 9J{ufe uni!e|re, unb bie (jer^^
ttd^e Siebe ber[elben gu gelef)rten Stationen nodj ju ©efid^te ne!^*
men mu^l fie|c ba fte^t auc§ ber umgefe^rte dWtUx nad) feinem
35orbevt^eile :
168 Tg poise this equally he bore
A Paunch of the same Bulk before
Which still he had a special Care ■
To keep well - cramm'd with thrifty Fare;
As White -Pot^ Buttermilk and Gurds
Such as a Country - House affords* u. f. vo.
2ßelc^ ein fc§önc§ 33ilb! 33e!anntc ©emeinörter o,\\. unre($ter Stelle;
gelehrte ßitationen, bie nic§tg jur ©ad)e tl)un; SKafd^inen t)on
taufenb 33üd§ei*rt, um eine ^leinigfeit fortjufpielen, bie faum einen
?^ingerbntcE oerbient — : anbre fo üiel überhaupt beulen laffen,
ba^ man befonberä für feine einzelne 3}iaterie felbft ^lu beulen
üergi^t, au§ SBüften in ^Dtoräfte geratfien, mie aubev§? al§ ba^
bie§ enblic^ bie üerbrü^lid^e ?yrage beut Sefer abjmingt: roo ift
benn ber 3ßeg? mo finb mir? mie meit finb mir gefommenV —
3(^ mag nid^t gern eine Sefd^ulbigung o^ne Verneig uorbringen;
td^ mu^ alfo bie ©d^uld;rie gergliebern.
*) pUtg bem „ aicunten SSvief " gegen Äto^ im 3tt3eitcn ©tild be8
^2;ovfo:] Hudibras Canto. 1. p. m. 29 unb 30. ®ie ©eutfc^en Sefer mö=
gen fic^ bie fc^ötte imb tveffetibe 58efd&rei6ung in bev fc^ä^baren 3üv($ifd^en
UeBerfe^ung :p. 21. auffcf)tagen.
— < 302 - —
Init. Parura recte tractari a multis veteres scriptores.^ ^räc§=
tiger (Eintritt! nur ba^ er, raie ic^ bcn)ie[en, ni(^t für biefe ©d§aam=
xintcrfud;ung gef)ört. Sc^ing, ba er ^oraj in einem ä^nlic^en
g^alle t)crtt)eibigen raitt, fdjiDingt \\&) freiließ nid^t fo l^od^: fein
Eingang gel)ört aber gunt (Sebäube.
Dictum: Verecundiam tribui Virgilio, sed mire.*" Sßeldje 169
Verecundia? bie perfönitdje ober bie @c§riftftellerifc§e Verecuiidia
be§ 3Sirgi(§? S)o(^ roa§ braudjcn mir ba§ ^u roiffen, über ein
nnbeftinmiteS ^fjenia Ui^t fid) am beften rI}etoriftren. %tii alfo nod;
Exord. Verecundia i^oetae copiosius exponitur." 3)tan X)er=»
ftet)e bie§ copiosius nidjt fo, ba^ e§ beftimmter, reicher an ©rün-
bcn ()ct^e : S)enn roie menig §r. ^I. bie§ in feinem ganzen Libello
beobad^tet, wirb ber 3]erfoIg geben. 5Die§ Exordium ift, rote bi(=
lig ein exordium feijn mu^ — ein vorläufiges Slic^tä !
Log. commmi. I. Stoicorum de turpitudine verborum opi-
nio.*^ 9Sa§ foll ber allgemeine ^t^röfter §ier ? foU man, um ©c^aam*
^aftigfeit ^u beftimmen, üon SSorten anfangen? üon ber Se^rmei*
nung einer (Sefte anfangen, bie nid^t ^ie^er get)ört: nidit für S>ir'
gil : nic^t für§ ©pifd^e ©ebic^t : nidjt für Siirgilä ©itten — fön=
nen auggcriffene (Sitationen gelten , ba mir roa§ turpia verba finb ?
roie fie beurtl;eilt merben folfen ? nod^ nid^t roiffen — noc^ nid^t
roiffen, roer l^iidji gehabt, ob ber ©toüer, ober ber ßtjnifer, ober
ber homo sui judicii, ^eter ^aile, ober ber ^r. Gatal^erus unb
Rittershusius , unb Petitus , unb Balzacius , unb Arnaldus , unb
Bergerus, ober ber faf)le Stuöfprud; be§ §errn Klotzius I)inten 170
nad^:" atque etiam^ si accuratius rem considero, homines quasi
consensisse inter se et firme statuisse videntur, unam eandemque
rem certis verbis expressam laedere pudorem, eandemque aliis
enunciatam aequis auribus audiri et salua verecundia. SÖie?
menn ba§ ber ganje Urfprung ber ©djaaml^aftigleit ift, ba^ eine
unb biefelbe ©ad^c mit gemiffen äßorten gefagt, fc^aam^ft, mit
a) Opusc. var. argum. p. 242 — 244. b) p. 244. 245.
c) p. 245. 246 d) p. 247. 248. e) p. 248. 249.
— - 303 ' —
geittiffert, fcf;aain(o§ fey — \vdd)c Su[t6Ia[c üon ©c^aam'^afttgfeit?
2ÖeId}c 3:;[)0i'I;ctt , mit fo((^cv Suftblafc fämpfcn 511 raottcn? 2Ödd)
ein roüvbiger 3iertvag, fotdje 2lugenblcnbe jum Ijcilitjftcn SSerbünb*
niffe 311 maä)tn? D mmn man auf einer fo lüeitlättfticjen $Rei[e
von 33ele[enf)eit im geleierten Utopien nid;tö meljr erlernet — meine
(Sonbolenj gur Söieberfunft mit allen gelehrten ßitationen!
Zoc. commun. IL Poetas inprimis decere pudoremP 3Ber
§at an bem 9legeldjen je gejroeifelt? 2öer l^at e§ aber audj je
be^iücgen geglaubt, meil bie ^oefte ba§ oortreflid^fte ©efc^en! ber
©Otter, meil e§ eine 9Mi't)eit i[t, ba§ felbft non fid; ju erroiifinen,
• mag fein anbrer, ol^ne unfre bona fama gu beleibigen, üon ung
ermäl^nen tonnte u. f. id. ©lenbe ©ad^en!
Consect. Plinii opinio non probatur.'' ®ie citirte ©teile, bei
TOeld^er biefcr SRanbtitel ftetjt, gel)ört meines 2öifjen§ beut (^ai\x\\.
171 ^^limu§ l)at mit [einen S3riefen, alö $Kömer, al§ ein 3f{ömcr [einer
3eit Sted^t. 3öa§ [oll ber Consularis vir bei einigen muntern
feilen? maS [oll bie levitas Pliniana bei 3]ertl)eibigung [old^er
^t-'ilen? ^liniug mar ja fein älllonge = Sürgermeifter in **; unb
einige lo[e 3Ser[e x)on iljm fein 9ftatl)[d;lu^ ber <3tabt 9^om.
Loc. commun. III. Conceclenda videtur aliqua libertas."
©näbige ^reiljeit! §ulbreid;fte ©rlaubni^! für bie alle ^>oeten non
Slnafreon ju ©leim, unb t)on Doib biä §u SÖielanb, untertljänig
banfen [ollen. Sa^ man ja aber bag ^rioilegium nid;t mi^6raud;e,
[0 ift au§ ber ^Deti[cl§en g^reiljeit mieber nidjtä, alg ein clenbeS
9J(orali[djeg SHegelc^en , geroorben, ot}ne ''^oeti[dje 33e[timmt^eit, ol)ne
genaue ©ingriinjung in bie ©attungen ber ©ebid;te, ol)ne fjiefige
3(b5roedung. Unb [ielie! ba§ (Solleftaneenbuc^ wirb rebenber:
lllustr. I. a Campani Palinodia
IL a voto Fontanii
III. a morte Addison!
IV. a Regnierii et Grecurtii levitate.''
a) p. 249. b) p. 250. c) p. 250. 251.
d) p. 252. 253.
-^ 304 . —
<Sd^öne ©efellfc^aft ! ber ^apift 6ampanu§, in feiner Sleltgton,
nad^ feiner 3ett, nai^ feinen ©d^riften, naä) feiner bamaligen 3^af=
fung — unb ber von je ^er reifbefonnene la g^ontaine in fei^
nein legten SBunfd^c! — e^rtüürbige Su^prebiger! 3ßelc§ ein Uj 172
unb Sßielanb rairb nid^t ^ vor i^nen bic §änbe falten , feine Sie=
bereden nic^t gleid^ oerSrennen! — Man t^ut un§ einen ©efal*
len , roenn man un§ religiös ; nid^t aber , ba^ man un§ ü!6ergl[äu=^
bifd^, nnb eine gute ©ad^e burd^ ben unüberbac^tcn Sieroeggrunb
Iärf;erlic^ mad^en raitt. —
Ueberbem roaä fott 2lbbifon |ier? ^^ üerc^re ben feiigen
3)oung in biefem 3eugniffc von if)m: üi^tteid^t f)at er aud^ feine
Stbftd^t erreirf;t, um t)om 2tnben!en an benfclben einige fd^roarje
3üge mit ^ope u. f. ro. megjumifcfjen , unb eine im llntergef)en glän-
genbe ©onne in feinem 9tamen bar^ufteffen — mag foll ba§ aber
^ier? — ■ Unb benn überhaupt t^ätz ^r. ilIo| am beften, raenn
er mit beut gotttofen Fontanio, Regnierio, Grecurtio unb anbern
fd^aamtofen ^ranjöfif d§en 3)id^tern, unter benen roo^I Voltarius oben
an fielen mirb, ein 6^rift(id§e§ 2(uto = ba*^e üornä^me. S)ie
gtaminc mürbe meit günben, unb bie f(^aamtofen Boccacios, Areti-
nos, Wielandios u. f. ro. aud^ alä einen 93ann ber ©rbe megtfiun.
3um S'totljfaEe börfte ficfi aud^ bei einigen biefer, bie fc^on oa^
ftorben, i§r te|ter Sßitte, al§ 33u^fpieget, gur 33ere(^tigung eineg
fotd^en i^ertilgenä von ber ©rbc, uorfinben, roie etroa S^irgil ein
Xeftament über feine Sieneibe gab: unb roo eg firf; nid^t fänbe,
börfte man nur bic noc^ lebenbcn fd^aamlofen ©id^ter ß^riftlid^
tobten, unb il)nen ben legten SÖillcn erzwingen : fo ift baä 2luto= 173
ba=^e gcrid;tlid^ unb teftamcntarifcfj fertig, unb —
2)ocf; id^ fpotte, unb mer iann roolil über fo (Btma§ anberg,
alg fpotten. 9ieuig inbeffen finbe icf; mid; ^^u mcineiii gelehrten
libello gurüd: unb ©ottlob! enblid^ am 3:;t)ema,
1) %'. „ttii^t" mt
— - 305
Them. Virgilii verecundia triplex." Ulli SSirgil mag id;
nti(j^ nid^t Be!üiuiiiern , fonbern nur erft ü6cr bic ^to|i[cI;cn 33cgriffc
ron ©d§aanif)aftig!eit, unb fiel^e! ba ift ratcber ßrifpin ! fein ItebeS
'/.ayMcfaxov oor ber ©tirn.
I. KavMcpaxov}' @g fei gniig, gezeigt ju I)a6en, ba^ §r.
Mlol Quiittitian nur l^alb üerftanben, ba^ e§ nur ein fe§r ungu^^
werlä^igeä ^wngfernlob über bie ^euf(^l)eit eines 3*^italterg, einer
91ation, einer ©pradjc, eineg S(^riftftettev§ fe^, über ba§ -/a-/o-
(faxov fid; gu n)äl;lig, gu efel bciueifen. äßer jur ©atyre £uft
^ätte, lönntc biefe erfte ^ungfcrnprobe unferS SliitorS fel)r d)xhax,
al§ \>a.^ SBcfen ber (Sdjaain!§aftig!eit unb zhm bamit fd;on Iäd;erlid^
barftetten.
IL Ab omni obscenitate per totum carmen et per partes
abhorret.*" ,§icr roerben ©ried^en unb 3flömer, raa^re unb falfdjc
Dbfcönitäten , raai)re unb falfd^e Stnftänbigfeiten burd^ einanber
174 geraorfen : o^ne ®runbfä|e unb Seftiiniiiungen liegen fic ba : wer
n)itt ben jufanimcngefloffenen Unrat^ fonbern?
III. Verecundia in verbis et formulis.*^ 2)er üorige klumpe !
obscena, sordida, humilia etc. atte§ in einer ©rubel o()ne einigen
beftinunten 33egrif unb Unterfd^eibung ! Üh Sßorftettungen , ober
nur if)re 2lu§brüde bcleibigen? ob biefe Seleibigung ©fei, ober
©d^aain, ober nur galanter Unroiffe fe^, ben fie erregen? ob e§
roiber 'qo.^ kleine beä 2luge§ ini 93egriffe felbft, ober loiber bie ^uc^t
beä D!^r§ im Slusbrudc? ob roiber bie natürlid^e ©d^aam, ober bic
gefellfdjaftlic^e 2lnftänbig!eit, ober nur roiber bie ©prad;roürbe fet)?
ob biefe unter allen SSöllern, gu alUn Reiten, in atten ©attun-
gen ber ©djriftftetterei biefelbe fep? — 2llleg (Einerlei unb Uner=
roogcn: fo getabelt: fo gelobt — roogu !ann ba§ ©emifd^e bienen?
-283.
äBerte.
III.
P-
*
a) p. 254.
d) p. 266 -
§evbev8 jätmntt.
254.
c) p. 255 — 266.
20
306
6.
Um 33trg{(g ©d^aaiii^aftigfett ,^u Betoeifen. Söoju bag aber
o^ne 33eft{mmung ber Segriffe, o^ne Drt unb Drbmmg? ®g tft
immer ein falf(^er ©efc^macf, ein Ue6erMei6[eI ber alten ^^iloIo=^
gifdjen 9Zotenma(^cr , ©teilen unb ©arfjen jufammen ju ^ufen,
bie fo gut anberä wo, aU l^ier ftel^en fönnen, bie §ier nid^tg jur
©a($e t§un, fonbern bie Hauptfigur melme^r auälöfd^en. Unb baö 175
ift bod^ ber ^lo^ifd^e ©efc^mad" in alkn eignen @d)rift(^en beffel^
ben. §ier trete id^ in einen [o großen äßalb fahler frember com*
pilirter ©teilen, ba^ mein ©(^riftftetter Siirgil faft barunter üer*
[(^roinbct.
Hm bie ©dfjaamf)aftigfeit 3>irgit§ gu beraeifen? ^at unfer Slutor
ba geraupt, voa§ er beraeifen fott: unb i)at er, roa§ er ju beroei-
fen fd^eint, beraiefen? S^irgifg ©djaam^ftigfeit fann zweierlei
bebeuten: bie ^üc^tigleit feine§ pcrfönlid^en (S^arafterg, ober feine
©firbarfeit alä ©d^riftfteller. 33eibe finb gang ücrfd^iebne (Ba(^m;
§r. Mo^ ^at fte ni(^t unterfd;ieben ; er beroeifet auf atte beibe log,
unb beroeifet feine.
9Zid;t redjt bie ©d^aamljaftigfeit 3]irgi(g alg ©c^riftfteUer: 3)enn
rcoburd^ beroeifet er fie? 3)urc^ bag v.axoqaxov"^ @r, bag vmao-
cparov eineg Jiömerg, eineg anti! fpred^enben 2)idjterg, eineg grä-
cifirenben ©pifc^en S)ic^terg fennen, aufjä^Ien, beurtfieilen? 2öer
roei^ eg ni(^t, ba^ bie feinften 3"3eibeutigfeiten blog auf bem
fd)Iüpfrigen 2Bi|e einiger 3citgenoffen, auf bem roanbelbaren ©gen-
finne eineg üppigen ©prac§gebrauc§g , ober ©prad^mi^braud^g , Bern-
!^en? 2öer roeif? nid^t, ba^ eg am roenigften jum y.cc/M(paTov
gehöre, roie ein 3i>ort auggefprod;en roerbe (quomodo veteres pro-
nunciarint verba'') fonbern roie biefc unb jene @ef ettf(^aft , biefer 176
unb ber SBortmädter fie uerftanben, ober mi^oerftanben; (mala
consuetudine in obscenum intellectiMn detorsezint.) 2ßer roei^
nid;t, ba^ eben ein ard^aifirenber ©djriftftetter, toofür ^^irgit
a) p. 255.
— . 307 ' —
bc!annt tft, am crften ©efal)r läuft, bcn 3Reulingen bcr «Sprad^e
obfcön 311 TöerbenV ba^ ein ©pifd^er ®{d;tcr, infonbcrf^eit bcr bew
©enie einer fremben l^ol^en ©prad^e nadjeifert, bcr erfte [er),
nnfdjulbige '/.axocpara ju nmdjen, it)ie fie ja für nnfre üerbUdjcne
©ottfd^ebianer feiner mel^r, alä ."Rlopftorf , gemad^t ^at? äBcr roei^
nid^t, ba^ ein ©pifd^er 2)idjter immer lieber einen f)oIjen alten
ftarf'en 3tuäbrud' sancte et religiöse fe^en, al§ für bie D^ren
einiger 3wd;t!rämer au§laffen mirb? Hnb raer meif? nid}t, '^o.'^i!,
nad^ ber 3lu§Iegung be§ ©ermu§, imb nad; ber Tortur, bie (Sei*
fuä bem S5irgilifdjen
incipiunt agitata tumescere
antl)un fonnte, fein S)id[)ter üiellcid^t unfd;ulbiger 2Beife für bie
2öi|linge jüngerer iJtömer mel)r /MVoOcpara gemad;t Ijaben fann,
olg eben S?irgil? Unb raenn fold;e ©teilen nidjt yor 9JJi§beutun*
gen fidier geblieben, n)cld)e roären'g benn? Unb meld; ein iinmür-
biger 33egriff, einen ©pif d;en S)idjter (^uerft unb uornel)mlid; ju
fold^em ©^rbarfeit^pebanten ^^u mad;en? Unb raie yergeblid;, jeljt
in i^irgil groben beg vM/Mq^aTor, ober be§ ücrmiebenen '/.ayMqa-
Tov auffinben ju motten? — — D beä ©c^u^rebnerg für ^ir-
177 gil! @r ift im ©tanbe, il)n mit feiner ©djußrebe felbft in 5öer*
bad;t gu bringen, felbft fd;aamrotl) ju madjen! Slm beften,
ba^ er l^inter ba§ gange Non-sense biefeg ^auptftüd'g l)inten nad;
fagt: 33om S^irgil raupte id^ l^ierüber ni(^tg gu fagen!
Ober fott eä bie ©djaamf)aftigfeit ^Birgilä augmad;en, ba^ man
i§n gegen bie Stuölegungen eineö ©eroinS rettet?" ©0 l)at man
il)n längft, unb mir roerben fel)en, roie fern gerettet.
Dber fott e§ bie ©djaamljaftigfeit 33irgil§ auämadjen , ba^ er
bie Umarmung bcr 2)ibo nic^t malen motten?'' Unb roer mirb
fie malen motten? §at benn §omcr feine Umarmung ber Helena
genmlet? D^ngeadjtct bcg I^i3flid;en non probo! unferg Slutorg
finbe i^ Homeren in feiner unfc^ulbig einfältigen ©rgälung feu==
a) p. 25G. b) 11. t2Gl-2G3.
20'
— c 308 = —
fd^er, al§ SSirgiten in feinem @l§anbt)[(j§en : 9}tarf;t bie %'i)ixx 3«!
unb be§ fnl^len: iion decet talis pictura carminis epici dignita-
tem! bin ic^, ro^nn nid^tä weiter ift, ^ergUc^ mübe.
S3ei §omer ift 6log ba§ ß§arafteriftifc^e im eintrage bc§ ^^art§
ber Qmed ber 5Rufe; \v^nn bei* 2tntrag, unb graar gu ber 3cit, in
bcr «Situation töegfättt; fo falle bie ganje ©tette meg: fo kaud;t
bie 3)tufe biefen ©d^ritt nid^t. 33ei 3?irgi(en iftg bie Umarmung
feineg ^aare§ felbft, bie in ba§ SBefen beg ©ebid^tä üerfIoc(;ten ift: 178
biefe ©c^äferftunbe , biefer ©ingang in bie $öle ein ^auptfnoten
feiner ©popee:
nie dies primus leti, primusque malorum
Caussa fuit.
2ßer ift nun fd^aam^after , ber eine fold^e Ba<i)Z, nur beiläufig,
nur i§rem Stntrage nad^, nur al§ ß^arafterjug , mitnal^m; ober
ber fie in bag Söefen feiner ©popee mit einfnüpfte, ber üon i§r
fo üiel abfangen Ui^t, ber auf fie, alg auf eine ^aupt^nblung,
unfer Sluge rid^tet? — ^eneä t^ut ^omerj bieg SSirgil -.— raef^
fen 5DZufe cerbient ef)er ein non probo?
Ueberbem iftä unpaffenb, bie i^i^^^O'^ifc^e SiebeSfcene in §omcr
mit ber SDibonifd^en aud§ nur üon meitem in 33ergleic^ gu fc^cn;"
fie finb fo roenig gu parattelifiren , alg ©ötter unb 5Dtenfc^en über=
fjaupt. ©0 in ^oiner, al§ in 33irgil, Ijaben bie ©ötter i^r eige=
ncg ©tiquette: unb beiben fe^e man alfo ©ölter in 3SergIeid§ung,
ober nid^tä. ^a fte§e alfo gegen ben ^omerifdjcn Jupiter unb
:3uno,'' ein 3Sirgilianifc^er S5ulcan unb SSenug," unb rocr malet
fdjaam^after, ber @ricd§e ober ber 9iömer? 2)er ©riedjc, ber,
xmg bei ben fc^önen SSorbereitungen gu ergö|en, feine .»^unft ante^
gct; ober bcr Stömer, ber fein 3Ber! barauf fe|et, um bie erreg- 179
ten ©mpfinbungen felbft augjumaten? S)er @ried§e, ber mit fei=
ner ^oetifc^cn ©d^ilberung »on ^rad^t unb ©d^ön^eit bcr ^uno,
a)p. 2G4. b) Iliad. E [292 — 351]
c) Aeiield. VIII [370 — 40Ü]
— . 309 ^
mit [einer fc^önen 2lHcgot;i[(^ctt 2)ic§tung vom ©ürtcl bei' 33enug,
unfer Stuge ftictjlt; ober ber Siöiner, bcr cg rcc§t cigentlicfj auf bie
Siebcäumarmung felbft rid^tet? ^er (^ried;e, bei bem lüiv bie eble
Silbung ber .^uno in einer gang unfc^ulbigcn Gelegenheit antref*
fen, ba fie fic| [c^niüd't: ober ber JRömer, ber un§ bie ©c§nee*
tr)ei|en 3?enu§arme nur aläbenn geigt, mznn fie [ic^ um SSutcan
fdjiingen, wenn fie xi)\n ben @Ie!trifc!§en ?5^unfen ber Siebe burc§
, Seib unb ©eele jagen? 3)er ©ried^e, ber un§ bie I)immtif(^e ^öni*
gin in it)rem 33rautgemac|e , nur bei oerfd^loffenen 3:;()üren, ent=
tteibet, fie nur babenb, fotbenb, gierenb geigt, unb baä Uebrige
unter ben ©ürtel ber SSenuä cer^ülkt ; ber fie auf ^ba um 5^id)tä
fo lange, fo angefegentUc^ beforgt ferm la^t, al§ um SSerborgcn*
{)eit, um nid^t gefefien gu merben: befc^ämt geigt fie 3eü§ ben ^
ringsum offnen ^"oa: fc^aamf)aft begeuget fie, roie, wenn fie Don
anbern belauf d^et mürben, fie feinem ©otte unter bie 3Iugen mürbe
treten fönnen: güd^tig fd}lägt fie xi)m fein @f)ebette, feine ©d^Iaf^^
fammer oor: fie Iä|t fic§ nid^t anberg, aU burd§ bie bidfte goI=
bene 2BoIfe fidler mad^en: ber 9iömer überlebt feine S3enu§ alter
180 biefer 33eforgtic^!eiten : ungeftört fängt fie i^r Siebegfpiel felbft an.
Sei §omer mu^ ^uno in einer gang anbern 2(bfid§t ben ^ha üor*
beigiel)en, gang, mie e§ fd^eint, o^ne 2lbfi(^t, il§m ba§ §erg ent=
menben, fid^ an^Iten, unb burc§ ein au^erorbentlic^eg SSertangen
il;reä ©fiegemalg, burcl^ ba§ offne Siebeäbetänntni^ , ba^ biefe
©c^äferftunbe alk , atte feine ©d^äferftunben nad^ Flamen unb Qai}l
übertreffe, u. f. ro. fid§ meigernb in bie golbne 9Bol!e giel^en taffen:
bei Siirgil fe|t e§ 3]enug mit it)ren Umarmungen offenbar barauf
an. Sei §omer ift bie ©d;äferftunbc nur ein 9JtttteI , bie Stugen
beä ^upiterä burd§ ben ©d^Iaf gu feffetn; bei SSirgil ift fie ber
?[Rar!tprei§ , ba^ Senuä i^re Slbfid^ten erreid^e — 3Ser ift fd^aam*
Vfter, anftänbiger, ebler? @eroi§: fo roeit ^uno bie Senuä an
^ot)eit unb 2lbel: fo roeit Übertrift §omer feinen 9lömifd^en 3ilaä)'
at)mer an innerer 9Bürbe unb ©d^aam^ftigfeit. ^ener ergälet
1) 2(: bem
— < 310 ^-
uttf(j^ulbig, offenfierjig urtb, raenn man raill, langrocilig: ber Slömet
rerftecft, üerfütjet; er I)at [ein: ^c§ !önnte mef)r fagen! fetter
erhält @pt[c^, ü6erge()enb: btefev umlel, bamtt er g^unlett errege —
tüer oerliert bei ber SSergleic^uitg?
@ä bleibt SSirgilä ^\x&)i in Sßorten unb ^^ormeltt über.'' ^n
aSorten unb ^^ormeln? darüber foHte 3)Mcenag urt^eilen: rair,
jc^t, na(^ ber Stnalogie unfrer ©prarf;e, nad; ben roenigen .§ülf§*
mittein ju einem Sejicon ber äöortroürbe bamaliger ^^\i, !aum! 181
^zxn %\)zxl ber (Sprache [}ängt fo fefir Don 9^ebenbegriffen beä ®e*
brau(^§, üom ©igenfinne ber 2)iobe oä, alä biefer: unb in meinem
Slutor finbc ic^ fo roenig 3}iaterialien ju einem Söörterbud^e ber
©prac^raürbe über S^irgil: fo mentg 9]irgil ein Sejicon ber Siebe
geben motten. Ueberbem maä t^utä gur ©c^aamfiaftigfeit SSirgilä,
ob er stercus ober fimus gcfagt;'' ob er ba§ vomere genannt, ober
nod§ etter umfdjrieben. 2öaä tf)utg jur 6d§aam§aftigfeit 3Sirgil§,
mie fein unb fd^lüpfrig er I)ier unb ba baä 2Bort 2khz r)erf)öf'
Ii(|et, votnw nic^t bcroiefen roirb, bafe in ben S^orftellungen felbft
I}ier nic^tg, alä 3"c§t^öe^^ entfialten fep, unb bag alleä in 3?irgil,
alä bem 9iömer.
^n SSirgit, alg bem Stömer. 3)enn l)ätte beffen Sefc§eiben§eit
nid)t barnad) beftimmt werben follen, ma§ für ein ©eift ber ®c§aam==
I)aftig!eit, nad^ ©prad^e, 3Serfaffung, Sebenäart unb ^mpfinbung,
fic^ einmal unter 't)m Siömern formirt unb gebilbet? mag für (Sin*
brüde, befonberä bem @c§riftftellerpublicum ber Stömer, il)re erfte
©c^riftftetter unb 3)idjter gegeben? mie meit biefe 2)ecen5 ben ©rie-
chen gefolget , ober fic^ üon i^nen abgelenlet ? mie ^oc§ fie jur ^di
^^irgilg geraefen? roo er bag 9}iufter ber ©riechen befolget, ober
oerlaffen? roo mut^ma^lic^ oerlaf Jen muffen, roo nad^jufolgen ju 182
blöbe geroefen? 2Bie roeit roir je^t über biefen %uxdi urt^eilen
fönnen, ober fd^roeigen muffen? — ©o ^ätte ber 9lömifd^e SSirgil
erfd^einen fotten: ber 9tömer feiner ^eit: ber 2)id§ter: ber (Epifd;e
JDid^ter: 33irgil.
a) p. 266. b) 268. 69.
— . 311 ' —
Uttb ber er[c§eint in unferm Satcinifc^cn libcllo nirgenbä.
3Ric|tg, ma§ [einen urfprünglic^en, 9^attoneßen, ^cttnm^igcn, Sätet*
nifc^en, 5ßoeti[d§en, ©pifci^en (5()aralter, von biefer ©eite au§,
entn)trf elte ; un§, con ii)X ouä, in bie 9BcIt ber S^tömer fü!)rte; bie[e
ung in abftec^enbem Sichte gegen bie ©ittfaniMt ber ©riedjen,
unb ber 5Zeuern geigte, unb nn^ atteS anbere üergefjen Ie!^rte —
baoon '?Rid)t§. SDZon ^ätk un§, mel^r gefagt, raenn ber erfte 6eftc
©d^ultröfter, rao 33lumen unb loci communes an§> SSirgil gefammlet
finb, raie er 5. ©. amare, amor, amicitia, Venus &c. ^oeti[(^ auä-
brückt: etraa ein anbrer baju, wo er mit ben ©ried^en gegen ein*
anber geljalten ift, jur .^anb genommen, unb in 3RefIejion gebogen
märe. SBenn ic§ alleS g^rembe, Unnü^e mcgmerfe, ma§ bleibt mir
über bie 33e[d)eibenf)eit SSirgilä übrig? ©er g^Iitterftaat ift ber
^uppe abgezogen; ba fte§t bie ©tange ^olg mit it)rcm bemalten
^opfe! bie bürre 3lb^anblung mit itjrem lod'enben ^L^ema!
183 7.
Unb ba§ betraf nur bie ©d§aaml)aftig!cit 5BirgiI§, alä eineg
©d^riftftellerä; nun mar aber biefe, roie mid) büntt, chcn nid)t baö,
maä iä) \nä)k. ^r. M. legt bie ©teilen ©onatug unb ©eruiuä
gum ©runbe,^ unb ma§ tonnte alfo ber Sefer erraarten, al§ ba^
er jic§ über biefe Bklkn, über bie 2(nfc§ulbigungen berfelben, furj!
über bie perfönlid^e G^ratterfc^aam^aftigMt 33irgilg erflären möd^te;
üiellei(^t aber, ba^ i^n feine ßolleftaneen über biefen ^unt't »er*
laffen l)aben; benn er lenf'et fein artig ab. 2)onatu§ fagt: 33irgil
foE fd^öne Knaben geliebet; er foll bie ^lotia .^ieria gelaunt; er
foll in biefem ?)]unlte nic§t bie Jungfer gemefen fepn, für bie er
galt, ©eroiug fagt beinahe eben ba§; unb §r. ^l. l)ätte raiffen
fönnen, ba^ fd^on lange üor§er auä) SJiartial unb Slpulejug auä)
fo ®troa§ gefagt Ratten, ba^ e§ eine allgemeine ©age üon SSirgil
gemefen, 'aa^ — furj! alleä baä fagt baä ©erüc^t, unb ^r. M.
a) p. 244.
— . 312 —
fceroeifet, ba^ feine äteneibe, unb bie ©ebid^te feine§ ^'^amenä feine
^urenlicber finb — roev tüill bag betuiefen Ijabm?
§r. ^l meinet ^raar," ba^ @in§ bag Stnbre aufhiebe; ba^ e§
eben fo f et) , al§ wenn i§n jetnanb für einen gelehrten ©rainmaticuä
I}ielte, unb i£)ni bodj jeige, bajs er n)eber.@ried§ifc^ noc^ Sateinifd^ 184
red^t oerftanben; allein, ba§ weine xd) nic^t. SSirgil !ann immer
ein fc^aam^afteä ©efic^t Q^^aU, anftänbig gefprodjen (ore probus),
immer eine fromme, eble ©eele (animo probus), unb eine anftän-
bige Sebenäart bemiefen (caetera vita probus); unb bod^ f(^öne ^na^
ben geliebt, unb boc^ bie ^(otia .^ieria gelaunt l)abeu. Qc^ fe^c
nid^tS, ba§ fic§ aufljcbe, unb infonberi)eit gu ben 3ß^ten 3Räcena§,
I;ätte auff)eben börfen. .^ftä benn fo roicberfpred^enb , ba^ ein
5Renfc§, jur fanften 3Bot)Uuft geboren, aud^ bieg ©anfte in feiner
53tine jeige, ba^ ba§, mag in ber meiblic^en 2Rine fd^mad^tenb, ein
Siebreij ber SSenug roäre; in einem männlid^en ©efid^te eine %xt
von llnfd^ulb, oon jungfräulicher Sefd^eibcn'^eit , üon f(^aam§after
Frömmigkeit werbe? Dl)ne bie ^l)t)fiognomien ber 2kht ftubirt ju
l)abcn, fel)e id^ beibeg nic^t gufammenliangenb , unb ba alfo ore
probus Virgilius. Tlu^ ferner ber, ber fd^öne Knaben liebt, benn
bamit aller Sürgerlid^en @§rbar!eit, unb, ber fie unfd^ulbig liebt,
alter St^ugenb ber ©eele entfagen? Unb fie^e! ba ift animo, cae-
tera vita probus Yirgilius — roo ift ber ungereimte 3Biberfpruc^,
infonberl;eit ju "om S^ikn 9}iäcenag?
@g fet) inbeffen, ober nicfjt; mag mill §r. ^l. mit feinem
ganzen Süd^lein? ®in §elbengebid§t , ein ©ebic^t üon ber ^elb^
mirt^fd^aft, ©c^äferpoefien , fönnen SSirgitcn immer, alg 3)id^ter,
unb, raenn man mill, alg befdjeibnen 3)id§ter, geigen; aber auf 185
fein äzhm, auf feinen 6l)ara!ter, unb infonberl)eit auf bie fromme
SKine feineg ©efid^tg fönnen fie meniger bemeifen, alg ©roiftg ^re^
bigt über bie 2)reieinig!eit bemeifen !ann, ba^ er in bie Siergefell*
fd^aften, alg ein oerfleibeter ©ati^r, gegangen; ba^ er fein SRärctjen
üon ber ^Tonne gefc^rieben. Sßenn biefe Stb^anblung bemeifen foll,
a) p. 245.
— - 313 —
bix^ er im SSerfianbe 2)onatu§ orc probus gerocfen, Beraeifet fie
nidjtg. 2öcr ratrb fageit, ba^ bcfnücgcn 2). Sutt)cr jüd^tig auSgc-
fcljen; ober, ba^ er in feinen 2^tfd)rebcn jebcS 2Bort auf bie ©olb*
toage gelegt, raeil firfj nichts üon fo^er Slrt in feinem ©efangbucfje
Bcfinbet? 2Benn ^ßirgtl scriptis probus ift: mufe er barum auä)
ore probus geroefen fe^n? 3"$ wei^ nid^t, roie burd^ foldjen 2ßeg
©traag auf ^^irgilä perfönlid^en 6^ara!ter folge.
%iXx unä iftä fc^raer, ctma^ auf i^n au§jumad§en; ob e§ aber
ganj unmöglid^ fet», ob 3Sirgi(§ perfönlid^er 61§arafter ganj jroci=
beutig bleiben muffe, fet)e id) au(j§ nti^t fo |elle, ba^ id§ §rn.
^lo^eng non licet aliquid certi liac de re statuere" unterf(j^reiben
börftc. ?Dcir feljlet bie ^unft Se^ingg, S^irgil, feinem gen)öl)nlid)en
ßl)arafter nad^, fo ^n retten, alg er feinen ^oraj gerettet l)at; unb
au^er bem fehlet mir ber Drt baju. ^d^ roill alfo menigftenS
186 einige ^Materialien anfüljren, bie ein anbrer cermel^ren unb orbnen
!önnte, um 23irgil§ ©c^aamljaftigfeit ^u retten, ober rocnigftcnS
genauer be§ ©egenf^eilS überzeugt gu merben.
2)er ^aupt^euge über SSirgilg IXnmä^igfeit pflegt 3)onatu§ gu
fepn: aber mcr ift ®onatu§? 3111er 2öal)rfd§einlic§!eit nac§, ift
ba§ 2Qhm 3Sirgil§, ba§ unter feinem 9Zamen ge^t, oon jüngerer
§anb, unb lann faum ben ©runbjügen nad^, bem ©rammatifer
felbft ^uge^ijren." S)cr Slutor ber 2(n!lage ift alfo ungemi^, unb
fo, röie er fie oorträgt, bie 3ln!lage felbft. Fama est, eum libi-
dinis pronioris in pueros fuisse, unb üon roem rü^rt biefe Fama
l^er? S)a§ liebe ©oll, ba§ geroö^nlid^e 3Jlan fagt ^at, mie Se^ing
fic§ munter auäbrüdt, fd}on manchen eljrlid^en Tlann um feinen
eljrlid^en 91amen gebrad)t. ilurj ! al§ .^auptjeuge, alä erfter
2tn!läger, !ann biefer 3)onatu§ oljne ^opf unb 9}iunb nid^t gelten:
er trete jurüdf, bi§ bie 5Rei§e an il)n lommt.
©eroiuä tritt auf: aber ©eroiuS ift ein 3lu§legcr, ein ©rübler
über SSirgil; unb ma§ lä^t fid^ nic^t auggrübeln? Bdm fpätere
(Sage gilt nod^ roeniger, alä bie erfte; benn raaS lie^ fid^ jroifd^en
^ a) p. 245. b) V. Hein. Virgil. p. CXVII.
— . 314 . —
3]irgil unb Scrüius nid^t oKcs fagett, unb triebet fagen? oI)ne ba^
es jemanb jule^t befräftigen, o^ne ba^ e§ jemanb roieberlegen
fonttte? Gin 3eugnt| alfo, ^a!§r§unberte nad^l^er, aus einer [o
trüben ÜueHe, ober nielmefir aus bem fo raeit abgeleiteten 2(bflufje 187
einer fo trüben Quelle gilt nic^t. @g müfjen frühere ^ei^ßen gegen
33irgit auftreten, Don benen etröa bie Sage tarn, bie ber Segeben=^
l§eit näJ)er raaren, unb ba finb: $r. M. t)at fie nii^t für gut befun--
ben, anjufüiiren ober abju^ören, 93^artial unb Stpulejus.
Unb raag fagt benn ?OIartial au§?^ (Sr fingt baä alte Sieb,
ba^ ein ''IRäcenaS einen Maxo mit feinen @efc^en!en l^erüor gebrarfjt:
ba^ eä gut fep, ein 33irgil ju werben, roenn man fein Sanbgut
jurücE, roenn man JReic^t^ümer oben barüber, roenn man alleä
befommt, roas unfer $erg Tüünfd^et; g. @. einen fd^önen 2((ej:i5 —
Accipe divitias & vatum maximus esto
Tu, licet & nostrum, dixit, Alexin amcs.
Adstabat domini mensis pulcherrimus ille,
Marmorea fundens nigra Falerna manu;
Et libata dabat roseis carchesia labris,
Qu8e poterant ipsura sollicitare Jovem.
Excidit attonito pinguis Galathea poetae
Thestylis, & rubras messibus usta genas.
Protinus Italiam concepit, & arma , virumque —
2Ba§ f)at nun 9)krtial Söfeä ausgefagt? Ungrünblid^eg, feiet)*
ten §albn)i|, ber il)m nit^t oiel @§re mad^t, mo^l; aber 33öfeä,
baä 3]irgit§ 9^amen befleckt? 9'Jid;t§. "^6) lerne 3^irgit aus biefem 188
(Epigramm blos als einen glüctlic^en Siebter, alä einen ungemeffe*
nen ©ünftling feineg §errn, unb, raenn man raiti, oX§> einen
feinen 2ßol)IIüftling, fcnnen; anbers nid^t. ©eine geraubten ©üter
t)at er jurüdE; reiche ©ef(^enfe nad^ reid^en ©efd^enten; if)m ftet)t
ber fd^öne junge Stlejis bei -Dläcen faum an, unb fogleid§ ift er
fein eigen. 2)a fi^t nun ^^irgil axi feiner ©öttertafel, unb fein
a) Lib. VIII. 56.
— = 315 —
fd^öner ©angmebeg oot {§m! bei foldjem ©anrimcbcä lä^t ftc§ fret^
Iic§ ^dm üorige fetfte Sanbfc^öne, ©alattjca, tüoI)I ücrgeffen; ba lä^t
fici^ vooi)l dn arma virumque anftimmen — — 3Ran fielet, roo
3JiartiaI mit feinem ^infenben ©c^luffe ^inau§ mitt; aber im min^»
beften nic^t auf SSirgilg @{)re. 2Bar e§ benn ©c^aamlofigfeit, einen
Stiejig t)om SRecänag jum ©efd^enlc annehmen, i§n lieben, fid§
an il)m, aU 9)Zunbf(^en!en, bei Sli^afel erfreuen, fd^öne Seute unb,
nac§ Stömifi^er 2öirt!)fc^aft, fc^öne J?naben um fic^ ju fel)en? ^ä)
raei^ nid^t, melc^er @§rbare nid^t in ber ©teile 3Sirgilä, in feiner
@unft 5Diecänaö, in feiner feinen 2lrt, biefe @unft p. genießen,
fer)n lönnte. 3Son bögartiger 2lnfpielung fe£)e i<^ im (Epigramm
nid^tg, ganj unö gar nid^tg. Unb ift ''IRartial rao§I ber 5Dlann,
fo dtmaä ju üerf c^meigen , menn erg §ätte fagen tonnen? Qft er
nic^t eben ber, ber gemife ;;u erft bie berüd^tigtc 35irgiUanifd§e ©flöge
189 angezogen !§ätte, raenn fie i^m unter einer bögartigen 2lllegorie,
unb nic^t anberg, l)ätte betannt fepn muffen? 3Ber ben roi^igen
3Jienfd§enfreunblic§en 2)lartial tennet, rairb in fol(^em g^alle fol(^ Se=
tragen fel)r epigrammatifd§, fel)r ?[Rartialiftifd§ finben. 2)a er gegen*
t^eilg nic^tg barüber äußert, an xrnljv alg einem Drte nid^tg
äußert: fo ift SRartial nid^t blog lein B^uge gegen SSirgil, fonbern
bur(^ fein ©tißfi^meigen faft auc^ ein 3euge für il)n. ©in böfer
2ßi|ling, roie er, l^ätte 2?irgilcn geroijj ni(^t fo l)öflid§ burd^n)ifrf;en
laffen, menn er ©c^aamlofigfeit alg 3Sirgitg .^auptüergnügen gefannt
l)ätte. 2öie? er §ätte 3Sirgilg ©lud unb SSergnügen befd§reien
motten, unb fo etroag fid^ tonnen entroifd^en laffen?
„©d^on aber 2lpuleiug'' beutet ja bie berüd^tigte ©flöge auf
„feine Siebegl)änbel mit bem Sllejig.'" ©ut! id^ ne^me fein 2Bort
für ©traag me^r, alg SDeutung, für ^ei^S^^^ (^^', ^^'^ rcofür melir
lann id^g nehmen? 3Sirgil alfo f)ah<t fein ©d^äfergebid^t auf ben
.Knaben feineg g^reunbeg gemacht; er fet)g, ber unter bem 9Zamen
©oribong fpred^e, unb fü^le, unb feufje, roeil eg 2(pule|ug fagt
— moju aber fagt eg älpulejug? — ©troa um SSirgilg Unmäßig-
a) Apul. Apolog.
— - 316 > —
!eit 3U tabeln, unb feine böfen ©Uten ju fdjelten? UtngcJelirt!
«litten unter Slpologien für bie Siebl)aber ber ©c^önl^eit fü§rt er
i§n noc§ mit einem Sobe ber Sefd^eiben^eit an, ba^ er ber 3^amett
[einer ©ünftlinge im ©ebid^te gefc^onet. ©d^lcd^teä Sob ! mirb man 190
fagen, über eine ^^abeläroertlje §anbtung; elenbe Sefleibung eincg
%ct)ktä, xijn 9IamenIo§ gu begel^en! 2lber mo mag ber '^zijkx,
bie 3:;abelgn)ertf)e ^anblung benn bei Stpulej mofjnen?
^d) mag feine neue 33ertf)eibigung ber ©ofratifd^en Siebe über^
nehmen, ba fc^on me()r, alg einer, fie uert^eibiget \)at: i<^ betradite
SSirgit nic^t me§r, afä ©ofratifcfjen Siebljaber feines %Uix§, fonbern
al§ bcn Siebcgfänger beffelben; unb raelc§ ein brennenber Sicbe§=
gefang? mer fönnte bie ^(amme noc§ entfcJ^uIbigen? — ^c^ hin§i,
ber fie entfd^ulbigt; unb eh^n ber 2tpuleju§, ber meinen (Sflogiften
für einen Siebeäfänger in feinem, ob gleid^ »erbecEten, 9^amen an=
giebt, mag il^n auc^ re(^tfertigen. @r rebe: Quanto modestius
Mantuanus Poeta, qui itidem., ut ego, puerum aniici sui Pollionis
Bucolico ludicro laudans — — 2Bie? fo ift 9]irgit§ ©lloge, nad^
2lpuleiu§ 3£i^9^i^r ^^o§ ein fdierjIiafteS Sob- ein fd^erg^afteä
§irtengcbi(^t geroefen? fo unfc^ulbig, ba^ 2(pulej fic^ nid^t fidlerer
ftellen iann, al§ mit if)m in eine (Slaffe? fo unfd^ulbig, ba^ eä
gu 2lputej§ ^zxizn offenbar nur für einen ©pa^, für eine fc^erg^^
J^afte 2:änbetei galt? — SBag fott ben Stputej gegen i§n; er ift
ber befte g^reunb für i^n.
Unb roaä ift maljrfcfieinlic^er, al§ 21puleju§ 9ta(^ric^t? ^c^
ftelle mir ben ^übfc^en jungen beä ^ollio, unb ba§ f(^aaml;afte 191
Qungfrauengefic^t, ben jüc^tigen S^irgil, üor, mie er nad^ i^m
fd^ielet; roie er fein Sluge an i§m meibet, i§n lobet, i§m lieb*
iofet. ^ottio mac^t bie Qo.6)^ gum ©pa^e: fein ?5reunb folt erft
ein (Soribon merben; foK erft um Sllep§ toerben. 3]irgil roirb
(Eoribon: er »erraanbett fid^ in einen ^oetifc^en ©c^äfer: a^mt
2;;^eo!riten na(^, unb fe^t fid^ nad^ ©icilien mit feinem Stiejig. 2)a
flaget er ben äöälbern ungefüf)Ite Seiben: ba ädfjjt er über feine
unempfunbne S^erjraeiflung : ba feuf^t er über feine SSerad^tung,
über bie ©pröbigfeit fcineä Sieblingeg — ba mirb feine graeite ©flöge.
— 317 —
©in fetncg SoBgebid^t auf Sllejtä! eine fc^öne ^octifdje Sie6e§==
löerbung — roert^ eine§ [c^önen J^naSen, raertf) eineg Sllejig.
ä?irgil ^at i^n fid^ erjungen: ba ftel}t er nun, raie SJtartial bid^tete,
vox bem %x\d)Z [eine§ neuen ^errn, ein irbifc^er ©an^mebeg, unb
gie^t mit toei^er 9}tarmorf)anb g^alernerioein : ba f oftet er mit 3flo[en==
lippen ben 2::ranf, ben ein Jupiter felbft beneiben fönnte. 2)a
fann ber im ©d^auen gefättigte SDid^ter rüoi)l [eine alte gefunbe
Sanbgalat^ee, feine oerbrannte 2;§efti;l[iö üergeffen: ber feine 2öo§l=
lüftling, ber ent^altfame Sßirgil, f)at beffere ?5^reuben, bie i§m —
fein ludicrmn BBKolrAov, fein feineg Sobgebid^t hxaä)k.
@o fprad^ ba§ 3l(tert^um mm SSirgil: aber von je^er §at eä
192 auc^ nid^t an Klotziis* gefehlt, bie bie bona fama eineä 2)ici)terg
au§ feinen ©ebic^ten beurt^eiten, bie ben feinen «Sd^Iu^ machen
konnten: Quid? ea de se ipse commemorat facinora poeta, cur
non alius quisque ab illo patrata esse diceret? 3Son jel^er 'i)at
e§ nid^t an Seuten gefe^Iet, bie nidCit nacf; ben ©d^riften, fonbern
nacC) ben 3lnetbotd^en eines 3(utor§ begierig, folc^c ^;]]erfonaIien ^Ib
aufJ)örten, unb ^Ib bid^teten, unb fie benn, raenn fie befd^eiben
maren, mit einem ungebetnen ®r foll! ber 2BeIt empf afjlen, ober,
raenn fie bie ^efd^eiben^eit nxd)t brauchten , mit einem gemiffenfiaften
©r ^at! aufbrangen. Unb bag ift ba§ Unglüci" 33irgil§, bag ift
bag UnglüdE fo mand^er Unfc^ulbigen geraefen.
3uerft 2)onatug — boc^ nein! mie gefagt, 2)onatuS nic^t felbft,
fonbern fein ^i^f'^^^i^'^'^ftopplcr , fein ©rgänger — biefer '>]]feubo =
S)onatu§ alfo, mag fonnte er beffcr, a(ä ben 33iograp^ifc§en ©runb^
ri^, 'am er üorfanb, mit 2lnefbotd^en gu ergänzen, mit perfonetten
Sügen ^ufamnien ju ftoppeln? Unb ju biefer fo angenehmen, ben
Sefern fo beluftigenben ©adje, wie gelegen roar iJ)m ber S3rocfe,
ben 2lpuleji entfallen laffen! Stpulejuä erhält: S^irgil i)aU feine
Sieblinge nad^ ©ofrateS 2(rt gehabt — freilid^, bag unleugbar!
aber bilbe eg aug; fage: roen 33irgi(^ fo geliebet? unb fe|e ben
a) Opusc. var. arg. p. 249.
1) 3t: ©ofvateS (Bcrfdjticbeu).
: 318 ■■
]^öflid§en locus communis t)orau§ : eum libidinis pronioris in pueros
fuisse — ^reilid§ ein ungereimter 2öieber[pru(^ ! eine imer^örte fid^ 193
felbft ftrafenbe Süge: benn voo f)at ©ofrateg fo geliebt? 3tber,
lüag [d^abet baä? ein man fogt; ein fama est! fann fd§on ©troaä
bei bem ^öbeltefer gur 9totl) gubecfen; xinb für vom anbern werben
Stnefboten fabricirt? <Bo voax eine Süge, eine miberfinnige Süge
fertig: roiberfinnig , benn meldjer '^l^n\d), ber bei fi(^ felbft ift,
roirb of)ne 9lücffi(^t beibeg glauben fönnen, eum libidinis pronioris
in pueros fuisse, unb bod^ eum amasse ut Socrates — unb bod§
vita et animo probum fuisse. ©o roenig ic^ mir oon ber ©itt==
li(^feit ber bamaligen ^)tömerroelt gro^e 33egriffe mad^e: fo !ann
ber SBieberfprud^ borf) in fid; felbft nid^t ©tatt finben. @r ift
6l)i!ane, er ift ^erläumbung, S^erbre^ung eineä alten gutherzigen
Slutorg.
^^ol^er aber bie Knaben, bie man i^m unterfd^ob? 2öa§ mei^
id^ ba'§? ©nug! SlpulejuS l^atte 'om 9^amen SllejiS für einen
erbid^teten 9iamen angegeben, unb nun tonnte unter il^m roa§ el^er,
al§ ein Sllejanber, «erborgen liegen, ber nur ing ©t)lbenmaa^ nid^t
tonnte? 9^ur nod^ ein Sebc§, eine ^lotia §icria, ober Seria,
ober Slleria, ober roie man bie Slelia Sälia ßrifpig nennen
wolle, ba^u, unb bie Slrabition ift gum x)ölligen DJiärd^en geraorben.
2Bie anberg, alg ba^ jc|t jeber grünblid^e 2lu§leger ber (Soribong^
efloge fold^e artige (Erläuterung nid^t auglaffen fann? ®r laffe
lieber, um berfelbcn noc^ mel)r ©eroi^^eit, um feinem %z^k mel^r 194
Slnfdfjaulidjfeit ju geben, nod^ gar baS fama est, vulgatum est,
meg: benn raer raill liier ©cfdjid^te? ba§ 3)tärd^en erläutert ja fo
fd^ön! — armer 3Lnrgil! ber Stab ift über bid; gebrod^en! beine
fd;aamlofe ßfloge liegt ja ber Sßelt uor 3lxigen! 3)a ift bein
©erüiuS !
9lun fage mir ein ^^oetifd^er Sefer, roie, roenn bie ©flöge
eine l)iftorifc^n)al)re Sicbeöflannne fepn foll, bie beften ©teilen erflärt
merben f ollen. 9Bo waren benn bie bunfeln äBälber, bie ßorpbon
mit feinen klagen erfüllte? 2öo ift bie 2Bal;rl^eit beg ©d;äferreid^*
t^umg, ben er preifet? ißo finb feine |)eerbcn in ©icilien, feine
— = 319 > —
2lmart)ttig, 3;^eftt)U§, SRenalfag? 2öo ber 33ad§, in bem er neu*
üä) juerft fid^ gefef)en? 2Bo feine gan^e (Sd^äferraelt, in ber bie
©flöge lebet? ^ft fie ^oetifc^, ift fie 3)ic^teri[c^ — wie? unb
ber ^nl)aU \oll niä)t ©idjterifd^ jer)n? ^l)X raottet, luag i§r nid^t
beuten fönnet, ber SJiufe, unb raaä if)r nid^t beuten jodet, benx
3>irgit, alä Wl^n'i^in aufbürbenV 3^r raottct bog ©ebic^t ju einem
Ungetreuer oon ^iftorifd^er ©flöge, oon 3lllegori[rfjer ®efd)i(^te t)er*
bmnnien? SBie? toenn irf) jebeni Siebter ba§ auf feine bona fama
anred^nen wollte, roag feine 33tufe fingt — ^^rannifdje !i>erftünts
nielung! raer wollte nod^ ^id^ter fet)n?
195 ,,,3a aber, alte ©age, ^iftorifd^c ^^rabition!" 2öag 2^rabition?
Sie ^at fid^ au§ 9}iartial, anä ^tpulejuS, unb roo raei^ id^ we^r
^er? entfponnen, unb SRartial unb Stpulejug ftrafen bie ^rabition
felbft Sügen. S)er eine fd^roeigt, ber eine nennt eg ein „fdjerg^
„^afteä Sobgebid^t": id^ ^be 3'^ngen, bie älter finb, al§ bie
2:rabition.
2tber bag ift ©d^abe, ba^ man auf ber anbern ©eite rettenb
faft immer ju roeit gegangen, unb bamit 9>irgilg guter <Bad)i felbft
gefd^abet. $Dte ©flöge foll blo§ ^^octifd;e§ ©jercitium, foll ganj
o§ne bie geringfle lebenbige 3lnfpielung, ©orpbon xmb 2tlejig f ollen
ganj 9tomantifd§e SBefen fepn, unb bieg ift freilid^, nad; bem, mag
9Jtartial unb Stpulejug fagen, ju »iel verneinet, äiirgil fann immer
ber üerfleibete ©orpbon, 2tlei-ig immer ber fd^öne ^unge beg ^ollio,
bie ©flöge immer ein ^nbioibualgebic^t fepn: nur eg ift eine $oe*
tifd^e 3)iagferabe; ein feineg Sobgebidjt, ein ludicrum, nad^ ^^eo^
fritg SRanier.
Man tl^ut alfo am beften, menn man biefe entraid'elt, menn
man bie bem @ried;en nad§geal)mten ©teilen anmerfet, roenn man
geigt, ba^ ber gange 33au beg ©ebid^tg feine §albgefd;i(^te, unb
feine ^albpoefie gulaffe, ba^ ber ^oet nad; feinem ^lane einnmt
fo i)ahi bid^ten muffen, ba^ — bod^ mag gäi^le idj bag l)er, bag
196 in ber legten, fd^önften Sluggabe 33irgilg fo fein unb genau" erfüllet
a) Eclog. II. p. 14. etc.
— . 320 . —
TDorbcn. @g tft feine ^artt)e{Uc§!ett, roenn id^ Befenne, ba^ bie
^eintfd^e SCuägabe SSirgilS bie @rfte in i^rer 2(rt feg, unb ba^
fte in bem biäJier fo fetir »erfäumten ©efd^äfle, einen ©c^riftftettev
beä 3Wtertf)um§ in bem eigenen ©e[d§ntatfe beffelfeen, jebeS 3ßort
wnb jene 9^ote an i§rer ©tette, neu unb unentbe!)rK(^ , o^ne ben
2)un[t unenblid^er ^araffelftettcn unb unbvaud^barer ßitationen, mit
bem ftittcn ^lei^e, unb bem ruhigen ©efü^Ie ber Sd^önljeit — iä)
fage, einen fd^önen ©d^riftftelffer beg 3lltertf)um§ [o ju commen*
tiren, bagu mad)t bie ^einifd^e 2luögaBc 2>irgilg ®pod^e.
III.
Uefier einige .^orajiftfje Slettungen unb (frlnnterunßen. 197
1.
3Son Stettungen beg f(f;oamt)aften 3?irgit§ auf Slettungen inei-
ne§ ^oraj. Vindiciae Horatii Flacci.'' — —
^c^, (SnbeSunterf (^rickner , Betenne, gelobe unb fc^möre vor
bem §od^gela^rten SlpoEo, üov feinen lieben %'öä)tQxn, unb r»or
atten ä<i)kn unb unäc^ten ©ö§nen beg- unb berfelben, ba^ id)
glaube amb für mal)X l^alte, roaSma^en ein Horatius Flaccus f.
^orajiuä g^taccug , auf ber 3Be[t geraefen , unb bie Dben , ©atriren
unb S3riefe t)erfertigt, ^k von if)m verfertigt finb, bie id^ alfo
bemfelben auf feinerlei 2lrt abfpred^en unb entroenben, nod^ nad;
meinem beften 2Biffen unb ©emiffen anbern nid^t ,^uerf'ennen , nodf;
hm ^eiUofcn 33e^auptungen be§ .^arbuinS unb alfer ^arbuine bei^
treten, fonbern vov alkx 2Belt be^xipten miß, ba^ ^oxa^ hin
anbrer in ber 2Belt al§ ^oraj gemefen: fo roa^r — —
a) Klotz. Vindic. Horat. Flacc.
— « 321 ■ —
198 9^un! raic foinme id§ an eine [o fd^rcrf (id^c ©ibeäformel ? ätd^!
mein lieber lefenber g^reunb ! luo^u tann man nii^t im evften feier*
lid^cn @efül;(e fommen, voenn man auä einem ängftUd^en Xvaume,
von 3)torra[t, uon ©anbiüüfte mit ©§ren l^inaue; iftV — 3iöifje
alfo, ba^ ic§ mid§ eben, bem großen Stpotto [ei '^anil burc() ein
S3ucl^, ober melmefir burd^ ein ©eroimtnel von Stationen burd;-
gearbeitet, ba§ auf 280 ©eiten, f. jrcei l^unbert iinb ac^tjig (Sei=
ten, mit einem ©d^atten anä ©roiftä ^Jionbe, mit einem 5iarren
firfjt, unb nic^tg bemeifet, ate ba^ -Öora^ <Öoi"fl5 gcroefen — bieä
aber mit fo üielcn (Sitationcn rü(f= unb üorraärtg beraeifet, ba^,
mmn id) bie ^ä(fte baoon auffc^togen mü^te, mid§ üictleid;t ber
jüngfte ^ag mit alkn l^eiligen ©ngeln überrafd^en tonnte. @ott
Sob alfo, ba^ id^ burd; bin, unb faum roilt id^ mieber jurüd.
Sebäd^tHd^ fd^reibe id;§ nieber: faum lieber jurüd: benn fo
gerne id^ in oortreflid^en ©i^riften bie jroeite 3fteife ti^ue: fo fel)r
idjä mir jum @e[e^e gemad^t, fein oortreflid^eö 33udj nur einmal
fjin^utefen: fo erfreulid^ mir ber erfte befte Sßinf ift, bie ©djriftcn
unfrer Söinfelmanng unb Se^ingg, .^ageborne unb 9JJenbeIg[of)nc
noc^ , unb nodjutalä ju burdiraanbern : fo fd^roer roirb mir bie
9iüdfef)r I)ier; unb id) glaube, meinen i^efern einen roafiren Sie*
199 begbienft ju t^un, menn id; fie burd^ S^orjeigung meineg Steife-
Journals auf ben fanbigen, morräftigen unb immer augfd^meifen-
ben 3ßeg vorbereite.
9Jian fennet ^arbuin , unb feine, eg fei nun aberrai^igen ober
(eid^tfinnigen 33e^uptungen, ba^ bag nteifte 3t(tert§um fein Alfter*
t§um fe^. WlaQ aber l^inter feinen gelehrten 5larrl^eiten aud^ fo
viel ^efuiterei fteden, alg ba mill — ic^ glaube, nmn l)ätte nur
immer fummarifc^ gegen il)n ocrfaliren, auf einzelne (Sinmürfc fid;
benn nur einlaffen börfen, roo biefe burd^ ©onberbarfeit unb fal*
fd;en 3lnftrii^ blenben fönnten. ^iele oon i^nen finb oöllig unter
einer 9i>ieberlegung : feiner Stuf merf famfeit , feiner Slntraort mertl).
SSiele finb 33ädje, bie fid; oon felbft im ©anbe verlieren, menn
nmn bie Quelle verftopft. 3.^iele falten auf bie (Srbe, menn man
nur ben statum caussae, ben ^|sunft ber'J-rage, nid;t aug ber Sldjt
§evt>ev3 fämmtt. aßeite. ill. * 21
— . 322 ^-
läffet: uttb ba§ (e^te mu^ feiner, ber einigermaßen gegen einen
§arbuin roürbig fd^reiben roiH. Sei einem lebenben, nod) fc^rei-
benben^ Stutor fann man eä nöt£)ig f)aben, auf einzelne nugas fid^
fritifd^ f)erablafjen ^u muffen, menn er nämlid^ eine Sun^i ^at,
bie fold^e nugas anbetet : aber über ^arbuin ift fd^on gerid^tet. SDie
Tiaä)mdt, fo üiele mürbige ?DMnner, bie über einen unfinnigen
3::obten urtf)eitten, ^aben bag Urt^eil f(^on gegen i^n gefprocfjen:
baä Urtljeil ift allgemein angenommen: ber 3wftanb unfrer Sitte-
ratur madjt, ruenn aud§ §ier unb ba nod^ eine neue ^pilje, ein
junger .^arbuin , auffd^öffe , eine lange formelle Sßieberlegung in 200
allen 9^i(^tgmürbigfeiten , langroeilig, nid^töroürbig , efel^aft. ^c^
fel)e ein fleineg linbifd^eä ?[Räbd§en, ba§, nad^bem einmal ber ©aal
aufgeräumt morben , fid^ hinten nad^ bamit abgiebt , in einem 3Bin=
M unnü^en ©taub meggutuif c^en , unb glaubt, fie l)abe ben ©aal
aufgeräumet.
^ä) tann nid^t oer^elen, baß bti ben Viudiciis, bie oor mir
liegen, bieä mel)r alg einmal mir eingefallen, ^arbuins 33e§aup*
tungen in ilirer Quelle faum angeje§en: jebe feiner einzelnen S3er==
brel^ungen unb miberfinnigen Einfälle langfam mitgenommen, mit
gelel)rten ßitationen big jum Ueberbruffe roieberlegt: babei immer
fo entfernte Umfd^roeife, fo fc^öne Stuäroege, baß man oft nid;t
weiß, TOO man fe^? mie ba§ §ie^er fomme? — 3)enfe man fid)
einmal fold^e Vindicias unb urtlieile. Dft iftä §um Sad)en, vo^nn
ein tl)öri(^ter Einfall , ein ßinmurf ber Unroiffen^eit ober ^ül)n=
l)eit fo ernftl)aft, fo gelehrt, fo grünblic^ roieberlegt roirb, o§ne baß
man babei ©troag, olg citirte 33ü(^ertitel lerne. 9iod) öfter aber
iftä jum 2tergern, wenn man alle§ 9iotl)iöenbige unb 9^u^bare
vorbei, fo meit abgefül)rt wirb, baß man ben au§ bem lieben QoU
leftaneentröfter auägefd)ütteten locus commuuis moljl überaß anbers,
nur ni(^t ^ier, fuc^en unb finben mollte.
.^arbuin §. ®. fc^ießt ben ftumpfen ^^feil gegen ^ora^ ah : 201
baß , ba bie ©atr)ren beffelben fo ganj anberg , alä feine Dt>m
1) 21; fd^veieubcu
— 323 — -
fepn, ^oraj bie Dben nid^t gefrfiriebcn ^abe, foldje Dben fauin
^abc [rfireiben !önncn. i^rbuin al[o roct^ fo ftd^cr ju [(^He^en,
al§ in unfern Reiten §r. 2)u[d;, bcr es Sc^ingen in bie 2tugen
bemonftrirt i)at, ba^ ®r, Sc^ing, bcr (SatuU in Äteinigleiten,
burd)aug fein tragifd;eg ©enie fepn fönne. 9Saö [oH nun bcr
3fietter ^oxaf? 2)en ^arbuinfdjen StnfaH alä tl)öric§t geigen, unb
baju ftnb für SSernünftige ein ^aar 2Borte gnug! — ^a! utein
Sefer! fo raof)lfeil fommen roir Bei unferm SSinbej nic^t ahl 2(uf
fed^ä langen Seiten^ fd)üttct er uns ben locus communis auä, ben
er, etroa alö i^nabe, üormatg in feine (SoIIeftanecn jufammengetra*
gen; uon omnia possumus omues; sunt autem, quibus etiam
plura tcntare licuit! unb fo treten n)iber ba§ Suftfpiel beg toHen
§arbuinä ni(^t weniger, aU jraet unb funfgig beraafnete ?Oiänner
auf, 33eifpiele, bie (^uerft, nad^ ^riegglift, mit i^m geuieinf^aft*
lid^c Sac^e §u mad^en fc^einen. ^lö|Iid^ aber brirfjt ber hinter«
f)a(t ^erüor, unb^arbuin! bu bift oerlo^ren! — 9lun fage man:
foH biefe ©jeiupelarmee gegen .^arbuin ftreiten? 9tic^t§ fleingrö-
^er§! nid^t^ läd^erlid^crS ! ober foff fie eine 2(uöeinanberfe|ung beä
©a|eä fepn: raie fern ein ©enie fic^ an ©inerlei unb an 9Jtef)rer'
202 lei wagen börfe? fo fenne ic^ nid^tg armfeligcrg. @g ift ein gufam-
mengetragneö Stegifter befannter ä)tater* unb ©ic^ternamen , baä
id^ fogleid^ an§ bem ©ebäd^tniffe oerme^ren tonnte: cö ift eine
gelehrte Uebung, bie id^ nirgcnb§, aU im ^ageregifter ber Seetüre
eineä i^ünglingeg, lefen mag: ot)ne @runbfä|e unb ©ränjfd^eibung:
o^ne ^opf unb %n^ — rudis indigestaque moles.
^arbuin füt)rt eine ^Utünge uon -Spora^ an, ber ^arbuin felbft
ba§ Slltert^um abfpri^t, bie nid^tä jur Streitfrage tf)ut. i^err
i^lo| alfo t)ättc ben fpanifd^en Deuter fte£)cn laffen, ober ftiß raeg=
fd^ieben tonnen; er fte^t i§m ja ni(^t im SÖege. 9iid^t bod^! fo
mürben ja neunjetju ©eiten leer bleiben ,*" „ba^ un§ allerbingä alte
„^Jtüngen auf ©ele^rte übrig ftnb! auf meldte? ju raetd^er 3eit
„gepräget? ein S^ergeid^ni^ ber 33ü(^er hierüber 2c. 2i>ar ber |)ar=
a) p. 18—23. h) p. 33 etc.
21*
— 324 : —
butrtfc^e 9^ebeneinf all : „nur auf g^ürften ^at ba^ ■ 3(Itertf)um oor^
„gügltc^ DJ^ünjert gepräget/' biefen großen Umfprung roerti)? ^ä)
nenne i§n Umfprung: 3(6§anblung, üoKftänbige 3l6§anblung über
bie beregte 9Jiaterie i[t er mä)t: in ben .g)ora3{f(^en ^i^^f^ gehöret
er nid^t: er ift an locus communis, in einer müßigen ©tunbe auä
beuT SJtüngenfad^e einer Sibliot^ef gufannnengetragen.
S)er x^efuit voxil baä SBort ales carminis nic^t »erbauen , unb 203
ber roeije ©e^ner, ber Maa^ raupte, i)at in einer f leinen Slote
gegen iE)n gnug gefagt. .^Io| ift gelehrter unb grünblic^er: auä-
füf)rli(^ jeigt er,* ba^ ^^oeten, ba^ @ebi(^te mit S^ögeln oerglic^en
werben: ausfü^rlid^ fe|t er nac^ Sc^mibs Jtegifter §um ^^inbar,
eine 3lci^e non Stellen f)er, ba er fi(^ mit einem 2(bler, raer roei^?
TDomit me^r — »ergleic^e: ausführlich bie Stellen, auf bie i^n
raieber 5|3inbar brachte — — 3)er 3)knn ift fe§r gete§rt ! Söeld^e
S3e[efenf)eit ! meiere (Sitationen! 9iun aber fcfjlage, mein lieber
bemunbernber Änabe! beinen Ug, beinen ©leim, beinen ©erften=^
berg, beinen Diamler, beinen Gramer, beinen ßreuj, unb roen bu
TOOÜeft, auf: bu roirft einen Ug f)ören:
SBo^in, rao^in rei^t ungemol^nte SButt)
'D^ic^ auf ber Dbe fü^nen g^Iügeln u. f. ro.
unb nid^t blos ha^ ©leid^nip, bie ^of)c ^inbarifdje StIIegorie fetbft,
in biefer unb anbern Ujifd^en Dben; in @[eim§ ^rieggUebern oft
einen ©efang,
^oä) mie bes 2lblers ©onnenftug,
im Sfiamler ben 3(nfang
^u bir entfliegt mein ©efang, u. f. ro.
unb in ben bir fo lieben Jänbeleien gar eine gan^e mef)r aU
.^orajifdje S^erraanblung in einen isogel fmben. 9tun fage! fannft 204
bu nid^t mit beiner Sekfcnfjeit i^bcn ba§, roas .^r. Älo^ mit ber
feinigen?
a) p. 95. etc.
— . 325 —
©e^ner rüilT bei bem Befannten: anlniae magiiac prodiguni
Paullum einen ©egcnfa^ finben, unb finbet freilid^ bainit nur ein
froftigeg 2BortfpieI. §err 5llo| nimmt ©e^nern fein Söort fo Ijoc^
auf, a(g |ätte er felbft ba§ gräulic^fte Sßortfpiel begangen, unb
in eben bem Dti^em fü!^rt er eine S^tei^e von SSortfpielen * an, bic
man bei ben Sllten, hm ©ried^en, ben3ftömern, bie bod) auc^ bcr
aiilac Aiigusti gefallen mollten, fänbe. 2Biber men rebet ber Vin-
dex, miber ^arbuin, raiber ©e^ner ober roiber ftc^ felbft? Unb
für wen ift er fo geteert?
®r finbet ein 33ilb be§ ßupibo.'' ©ie()e ba! in Sllcip^ron,
in 3lriftänet, in SJtufäuä, in U^, in S^^affo auc§ ein Silbdjen!
äöir wollen bie g^iguren jufammentragen — ei! ba ftelit ja eine
gan§e ©atterie üon ^upibo'ä! (Sc§on über ba§ ^iift^^^^icntragen
fann fid^ ja bag leidet frölic^e ^erj etneg 2(utorg fo freuen, als
wäre man ber 2llbano, ber alle biefe Siebeggötter gemacht '^aüe.
?^reilid§ finb biefe paar ©eftalten be§ 2(mor§ immer arntfelig, gegen
bie, bie met^rere ©id^ter oon 2ina!reon big ju ©leim unb anbern
Ujifd^en ©c§ilberungen gegeben — mag |inbert bag aber ju einer
fünftigen ©efd^id^te beg Slmorg? &im gute @ac^e ift an jebem
205 Dtte gut, unb biefe gute ©ac§e alfo — beraunbre, roer roill; ic^
übcrfd^lage fte.
S)er einzige ^all, rao ein fold^er ^l)ilologifd^er ^ ^arattelen*
!ram nod§ einiger ma^en leiblid^ mirb, ift — nun mag anberg,
alg ein ©treit über ein ^ort; ©d^abe aber, ba^ ^arbuin l)ier
meifteng unter ber (Sritif ift. ©ein ©efd^rei : bag ift nid^t Satein !
bag ift Unpoetifc^; oerrät§ oft grobe Unmiffen^eit, oft nod§ grö=
bere ^ü§nl)eit, bie ©prai^e ber 3ftömer gmeitaufenb ^al)re ^uxM
kennen, unb bie D^teologifd^e ©prac§e eineg $orag jmeitaufenb ^a§re
gurüd prüfen ^u motten. 2öie menig ©lauben roei^ fid§ .§arbuin
t)on biefer ©eite auc^ nur bei einem ^alblenner ber Sateinifc^en
a) p. 119. seq. b) p. 249.
1) 2t: ^'^tIo[o^^i[(^er
— - 326 —
Sprache ju r)crf(f;affcn unb rate fummarifd; tüar gegen einen \oU
djcn 3^I)oren ju ücr[at)ren? — 2l5er mm! finb ba nic^t eine
?[Renge üon §ülfgmitteln? unfdglii^e Kommentatoren über bie 5Rö-=
mifd^cn ©c^viftftcltcr , bie nie eine ©teile Mo§ für fic|, an i^rem
Drt erläutern, fonbern bei S^eranlafjung eineg 3Bort§, alle anber^
rocitige mögliche unb unmöglid;e 3SorfommcnI)citcn befjelben beiläu-
fig auffjäufen. 3Bie? l^at I)ier nidjt bie ganje ©cnealogie Satei=
nifc^er SBortfritüer unb Ttotenmac^cr vorgearbeitet? !ann ^ier nid)t
ein mäßiger Scfud; biefer 2öortmär!tc, biefer ©ammclplä^c frem=
ber S3elefen]§cit Söunber tf)un? — @o !omme benn, liebe ®öt=
tin geban!enIo[er ©cbulb ! lomin ju -^ülfe ! — 9Zimm Sejica unb
Stegiftcr jur .^anb , jage , unb rocrbe nad) äljntidjen 2ßorten unb '206
Siebarten, mad^e ein ©cftöbcr »on ßitationen unb äöortftetten, um
— einen tobten -^unb fdjtoetgenb ^u machen! — ^n ber %^atl
nad) meinem ©efü^c mu^ id^ be!ennen, ba^ id^ eine folc^e ^^i-
lologifc^e^ SJJüIjc nie anber§, alg nac^ Q\mde unb ©ebrauc^e,
fc^ä|cn !ann; mo ber aber üerfc^minbet — o! ba tft un[er ^aljx^
t)unbert ©Ott Sob! [o rocit, unnü^e ^fZamenregifter unb ßoIIe!ta=^
neen felbft gu überfi^Iagen.
2)er ^efuit läugnet, ba^ baö 2Bort parcns fonft von Jupiter
gebrandet toerbe. Sa^ cg nid^t gcbraudjt merben: ber ©d^riftftelfcr
ber ^ora^ifd^en Dben braudjt§ , unb .^arbuin fann ja leinen SeroeiS
füfiren, ba^ mer parens braudje, !ein §ora^ fepn fönne. — §err
£Io| aber^ nimmt fid^ bie 5Ridje, ©teilen ju citiren: mo parens
unb roo genitor, unb mo pator, unb roaS mei^ id) mel)r? »or*
!omme, unb tljut babci fo raid^tig, al§ mtnn ber, ber parens
gebraudjt, mirtlidj «ö^raj fepn mü^te. ^orag fingt: stat nive can-
didum Soracte; unb §err i^Io| mei^,'' mie eine Icbenbige 6on*
corban^, mer fonft bag stat in biefem cUn nid)t, aber gnug! in
anberm SSerftanbe gebrandet I;abe. Qft ein 3Sortregifter nid^t eine
a) p. 118. seq. b) p, 110.
1) 1: )3t)irofo^3'^if(^c
-^ 327 ^-
f)errttc§c Badjz? — ^rf; Bcvuffc mtcf; auf meine Sefer. SJJart
tt)ue einen Minben ©riff in bie Vindicias meines 2lutof§ : 2)rci
'207 (jogcn ®inä, unb man rairb eine Steüjc Sudler- ober SQ3ortcitatio=
neu ofjne '?R\x1^^n unb ©ebraui^ eines benfenben SieM)abev§ ^oraj
aufgreifen.
2öie !Iein Ij'dttm bie Vindiciae Horatii o^ne biefen elenben
SBortgefd^mutft ferm muffen! ^arbuin ba mieberlegt, roo cr§ oer*
bient: i§m ben 2Beg gteic^ anfangs üerl)auen: nur bie fc^einbar-
ften feiner ©inmürfe entblößt : (benn bie f(^n)äc|ftett am roeitUiuf*
tigften wieberregen , ift Rapier = unb ^e^toei'^erb !) jebeSmal in ben
^unlt ber 3^rage, o^ne Umfc^meife eingebrungen : fo fprec^e man.
©0 'i)at neulid^ (benn bie altern mill i^ nid^t anfüf)ren) nculid;
noc^ gegen §arbuin SRid^aelig' gefproc§en; aber alg Md;aelig,
als gegen ^arbuin, roürbig, furg, Bünbig. ^^Zur ad^! feine 2l6fer*
tigung ift ja faum ac§t, unb nic^t 180 ©eiten fang; fie ift ja tei*
ber ! nur ®in ^aragrapl} , leiber ! oTjue Ijunbert unnü^e Stationen,
unb (ba§ grij^te leiber!) fetbft gebac^t. — Lugete, Veneres,
Cupidinesque !
^nbeffen tröfte ic| mi($ mit einem 9teifenben in Italien, ben
iä) gerne lefe:'' „Man hnn '^offen, fagt er, ba^ ber gute ©efd^mac!
„unb hk ©rünblidjfeit , meiere bie ^errfd^aft über bie Söiffenfdjaf-
„ten unb ®elel)rfam!eit bereits ausgebreitet !§aben, enblid§ ben
208 „ abgef d^macften ^on üerbannen roerbe, meld^er nod§ in ben meljre-
„ften gelehrten SlbJianblungen Italiens {)errfd§et, ba^ man biefe
„ 2lbf)atxblungen nur auf baSjenige, roaS fie oerfpred^en , einfc§rän>
„ten, unb fie üon ben locis communibus einer fc^einbaren ©eler)r=
„famfeit unb taufenbmal roieber^olten unb überall anjutreffenben
„<Sad§en reinigen werbe." ^d^ roei^ leinen meiner SanbeSleute,
beffen ©d^riften fämnttlic^ unb fonberS id^ ein folc^eS 6ritifc§es
3^egefeuer me^r münfd^en börfte, als ben libellis beS 2lutorS, über
ben iä) fc^reibe. 3^^^^ börfte üon feinen bisherigen alSbenn roo^l
a) etnleit. in§ ^. Z. )p. 15.
b) Oroßte^ yi<x<i)xi6jttn öon Statten.
328 —
trcniß üBrig Bleiben; roarum aber foH man ntrfjt in ^wfunft Bei
il)nt noä) einmal bie 3*^^^ cine§ Beffern @ef(^ntac!5 unb einet ree(==
lern @elel}rfanifeit Ijoffen?
2.
Acceclit Commeutarius in carmina poetae. <Sc^on einige ^ar>
buinfd;e ©treitigfeitcn fönnen freitid) bem ^ 3^ä(^er öorajeng @ete*
genfjcit fd;affen, il)n gu erläutern, unb id) raollte, ba^ §r. ^to^
leine foldje ©clegenljcit oerjäunit Ijätk. ^nbeffe-n rcünfc^te ic^ ben
Commontarius immer üon ben Viiidiciis lieBer aBgefonbcrt: benn
nun, mcnn §r. .^lo^ feine (Streitigfeiten mit §arbuin, unb feinen
(Eommentar üBer ^oraj, unb benn noä) manche lieBe 33eifeitgeban==
!en unter cinanbcr fortlaufen läf,t, bie ßitationcn be§ 2)i(^terg
unter I)unbert anbere Stationen üergräBt, Bei §arbuin ©elegen^^ 209
I)eit ju commentiren, unb Beim Kommentar mieber (Gelegenheit
nimmt, ausjufd^mcifen — mcldje 53erimrrung! melc^ ein 6§aoä
üon §8u(^e!
UeBerbem ift eine ?5^cdjtf(|ule nie ber redete ^ta| , einen ®id^-
tcr ruljig ju lefen , mit ganjer (Seele ju füllten , unb gleidjfam mit
neuer §eiter!eit ber Seele ju erläutern; bie (Sj:egeten be§ fjeilig^
ften Su(^e§ IjaBcn non biefer 2Bal}rl)cit ju BetrüBte Seifpiele gege-
ben. 2Benn ^arbuin fagt: bieg SBort ift Sarbarifc^, Unpoetifdj
u. f. m. unb §r. M. fid) raieber befleißt, bie Satinität, bie ^oefie
be§ 9öort§ ju erhärten: mie lei(^t ift ba bie 2tu§fc^n)eifung auf
ber entgegen gefegten Seite, .^arbuin jum ^offen mel)r 9'Jac^brud
barinn ju finben , al§ barinn liegt , alö §oraj l)inein legen mollte.
^c| bin gerai^, ba^, menn i}x. ^lo^. Bei fünftigen ^a^'^e'^/ i^te^
ber feinen Kommentar coutntentirete ; er manches ^urüdjielien merbe,
1) 51: ton bem (öielteic^t: »or ben?). SRfc. bet älteren 9tebactton:
„Sdjon bie §arbuinfc^en ©tveitigf eilen finb tion bet 51tt, baB fte bem 9iäc^er
iporajcnS oft (Sclegeul;eit geben" —
— < 3^:» > —
Jüo er je|t tn einzelnen 3Borten , aU ein guter ßoccejaner , .^u ütef
'Jlac^brud" fanb. ©o J)at cä oHcmal bie jugenblicfjc ©inHIbungS-
fraft ber Sluäfeger gcmad^t, ba^ fic nur gar ju oft, bei il)rem
ciujelnctt ^'iadjbrude , bcn 5Zad)bruc! , ben %on be§ ©anjen \i^wä^'
tcn: eg mod)te nun bieä ©anje bie 33t6et, ober ein ^oct fct)n.
S(l§benn folgt gemeiniglici^ auf ben empl;atifc§cn 2lusleger ein
anberer oon ber locifen '3)M^ig!eit cineä ©e^nerS, lucnn er I)inter
210 33ajter, ober eineä ©rncfti, toenn er ^inter ßfarfe einljcr [parieret,
unb ntit faltem, rul^igem Stute bie SluStegung feineg 33orgänger§
loäget. §r. ^I. raürbe biefer Ucbcrtreibung be§ 2(usbru(fe§ mef)r
entgangen fct)n, loenn er nid;t chcn im (Streite mit einem anbcrn
ben ^oetcn f)ätte commentiren, [onbcrn fid^ ben ru'^igen (Sinbrüct'en
beffelöen, o()ne einen frembcn ©egcnfto^, ^ätte überlaffcn mollen.
^a, id§ 'i)ahi noc^ ©inä auf bem ^erjen, ba§ id^ Beim Sefen
ber ^lo^if djen ©c^riftcn über ^oraj me^r, aU einmal, empfunben.
9Ziemanb in ber 2Bclt fprid^t bei aller @clegenl)cit oom ingenio
amoeuo, oom sensu boni & pulcri lieber, alä .^r. ^l. unb nie-
manb in ber 2öelt Ijat bie ^ritiler meljr, unb big jum Ucberbruffc
nieljr getabelt, tamquam omiiis vcnustatis cxpertes, alö ®r. 33ci
bem 3lnfange cineä jeben ©c§riftd;eng , in ber Tlitk, unh am @nbe,
finbet er immer @elegcnl)cit unb ^la§ , fein Ingenium venustura,
elegaus, pulcrum ju preifen, gegen bie Criticos aller ^Qikn ju
preifcn, es feiner 3^^^/ <^^§ eine Sluäna^me, alg ben Slnfang einer
©poc^e, alä ben ©tifter einer neuen gülbnen 3*-'^t ^eä ©efd^madä
anjurüljmcn; inbeffen fe§e ic§ bod^ bieg Ingenium venustum nid^t
immer, mo ic§g fe^cn roill. §r. ^lo^, ben id^ nid^t bie @t)rc
l)abe, öon $erfon gu fennen, fd^eint eine feurige, jarte (Seele gu
liaben, bie ben (Sinbrud be§ Sd^önen lebljaft füllet, unb mit ber
211 ©inbilbunggfraft oft auSbilbet. Söill man mir inbeffen ein 3lber
erlauben: fo glaube id§ biefe ©inbrüde feineg ©efüljlg nod§ ju
fc^nell, ju oorübergel^enb , alg ba^ fie ©runbfä^e, felbftgefül)lte
©runbfii^e bcg Schönen jurüdlaffen , unb einen gemiffen unb oeften
©efc^mad bilben könnten. @r er^afd^te, roag il^m auf ber erften
gluckt begegnete; allein feiten fd^eint bieg ©mpfunbne noc^ ju ber
— 330
SSefttgfeit ber Seele gebiel)cn ju fe^rt, bic man nur burc| do^ms
teifeä 3iocfjben!en , unb burc^ (Seftftprüfung er§ä(t. lieber ein^
jelne ^ilberc^en, über bie Dberfläi^e be§ ©efdimacf § , fo roeit 3Bort=^
fritif, eine flüd^tige (Smpfinbung ober ©ebäcfjtni^ f)inrei(^t, mag
if)m fein UrtE)eiI gelingen; reo aber bie ©mpfinbung in ben 3]er:=
ftanb gleid^fam übergebt, roo e§ auf ein reife§ fetSftgebilbeteg Urt^etl
über ein ©angeg, fur^! tno e§ auf ©runbfä^e anfommt, ba fcnne
td^ wenige, bie ftd§ im Urtfjeile fo untreu loerben fönnten, at§
@r fid; felbft. '^oä) id; railt o§ne üorgefa^te 5[Reinung ju
feinem ßommentar: mie fd^roer tt)irb§, in biefem ©tauk ©olb ju
fud^en.
Hör. L. 1. Od. 1. ^(^ be!tage, ba^ §r. ^l. un§ mit feiner
gekörten Erläuterung ganj auä bem 2^one, ber im &a^zn ber
Dbe f^errfc^t, megerläutert : unä mit feinen furd^tbaren ßitationen
ben ganzen (Sinn be§ Siebeg, bie ganje fd^önc (Stimmung ber
(Seele, in ber ^oraj fang, megcommentirt — unb mer fönnte
gefäf)rli(^er commentircn? — harter ^at biesmal ben ^auptton
ber Dbe mit feiner Ueberfdirift fef)r gut ausgebrüdt : Horatius 212
fatetur, se cum cseteris mortalibus insanire. @r ^ätt nämli(^ fei-
nem 5[Räcen bie ganjc Sl'tanmc^faUigfeit ber 9J^enfd;(idjen 33eftrebun-
gen t)er: ba^ freiließ jeber feine ^f^eigung ^abe; ba^ eä aber feiner
G.n if)rer tteinen Sofig üon 2::§or§cit fe^Ie. S)er fammlet fic^
Dlpmpifd^en ©taub; bem iftg fein l^öd^fter SBunfd^, ein ^kl umju-
faf)ren; ben mad^t ein ^^almen^meig feiig, rote bie Dlpmpifd^en
©Otter: gro^, mie bie Ferren ber @rbe. tiefer, xotxvx i§m ber
roanbelbare ^öbel ein ^aar, ein 2)rei ßt;rcnfteEen juer!ennet;
jener, ba^, roas in Sibt)en geernbtet roirb, zhtn in feiner, unb
in Mne§ anbern 3)^enfd§en ©d^eure liege u. f. ro. furj! jeber I^at
feinen Ä'opf, unb ber ift i^m fein ©lüdggott, raarum fottte id)
ni(^t ben meinen §aben? 2)er fann eineä roilben ©^roeing megen
9Zäc§te lang unter freiem, laltem ^immel bauren, unb id^ —
Me doctarum hederse praemia frontium
Dis miscent superis : me gelidum nemus &c.
^ 331 . —
3Benn jcber auf feine 2lrt fdjtüärint, lüavum follte ic^ ntd^t
andi) auf bic lucintgc fdjraärmcn? 9Jian taffe mir ba§ ©lud", ba^
ciu paar ^i^ß^ÖC nuf meiner (Stirne mid^ in meiner ^mpfinbung
unter bie ©ötter üerfe^en, ba^ irf; in falten Rainen mit ©atgren
213 unb 9ii)mp^en Umgang pflege; ba^ id; StEeä tiabe , raenn meine
'D^ufe mir eine 2)ic^terftunbe gönnet, unb menn bu mic§, o 9JJä=
cen! iDÜrbigeft, midj unter bie Sijrifdjcn ©id^ter einzutragen —
fo reid^t mein er!)akner (Sd;eitel bi§ an bie ©terne! — Scfer
üon ^oragifdjcm ©efütjle roerben im ©anjen biefer Dbc bcn dou
mir angcgeBcnen STon nidöt oerfennen: fie roerben finben, ba^ fid;
eine üeine ©d;attirung in bie g^arbe beg Säc^erlid^cn , über bie
6l)ara!terifti! 3JJenfd)Iid}er 3^eiguiigen, in biefer Dbe ausbreite: ba^
c§ eigentlid; ber S^^^ -Öoraj fet), jebe berfetben, eigentlid^ bei
einer feinen ©d^roac!^I)eit, ju f äffen, nur fo gelinbe gu f äffen, al§
c§ überljaupt i^ovajenä 2trt ift , nur roeife , nur mit cljrbarer Wdm
ju lädjeln, §u fpotten, alä ob er bie 2ßa§rl)eit fage. — (So rebet
er üon anbern, fo auä) von fidj.
Sf^un benfe man fid§ ben foutifd^cn 2luf tritt, roenn ber 6om=
mentator, ber biefe gange ^orajifdjc 9Jtanier nid^t füljlt, baju fommt,
um ein foldjeä Siebd;en feiner Saune, feines ftiUen oergnügten
2Inlcid;elnä , alä ein Seljrbuc^ üoH ernft()after J)iftatorifdjer ©prüc^e,
annimmt, itim red§t gelei)rt aufI)ord^t, unb, roaä er nodj nid;t
gelel)rt gnug gefagt, nodj gelehrter umfdjreibet. 9Jian benfe fid^
bieä, (efe:* Dts immixtum esse super is & secerni populo unam qui-
dcni, candemque rem designant, scd illud sigüilicantius est,
214 rcmque clariorem reddit. TJtraque sententia nihil aliud innuit,
quam Ingenium Poetse lyrici concipicndis visionibus aptum , inipe-
tum, virtutcm, eumque furorem, quo äff latus sibi in nemora &
specus agi, in societatem Deorum admitti, in coelo versari,
numina videre, Bacchum carmina &c. &c. 3Jlan laffe mid; nid^t
roeiter fc^reiben, mag al(e§ ber Si;rifc^e @ntf)ufiagmu§ feg? roie ifju
33oiIeau befd^reibe? roie er gum Sprifd^en S)id^ter nöt^ig feg?
a) Vindic. p. 65. 66.
— = 332 —
33ortrefIi(^e <Sacf}en : nur von beten Se^re |)oi'a,^ ftc^ ^ter ntd;t
träumen lä^t. ^ßietteidjt , ba^ man fic^ in ber muntern ©efettfrfiaft
2Räcena§ über ben ^octif d^en ^aroEpärnuä, über fein ©efü^I für
eine 3)ic§terftunbe , über feine Siebe jur @infam!eit, unb ^oetifc^en
(Stitte, über feine Segierbe nad) 3)i(^tertobe , furj! über fein ^^oc=
tifc^es Temperament luftig gemad^t; unb ba rä^et fid) §ora^. @r
bringt feinem lieben 'IRäcenaä zin ©ebidjtd^en, ba§ ganj unfc^ulbig
unb el^rbar anfängt: freiließ finb Seute, bie anberä benfen: ber
fo, unb jener fo; ber liebt biefe: unb ber jene !J(}or{)eit; etit)a§
©(^raäc^e mu^ man ja jebem Siebljaber feiner ©ac^e oerjeifjen:
roarum mir nic^t ba§ 33i^d;en %i)ox^txt bei ber meinigen? — ©o
launigt aber, mit fo f)alblä(^e(nbem ©rnfte, fo unraid^tig wichtig
in ber Sljarafteriftif jeber einzelnen 5feigung, unb fcineg eignen
Slemperamentg , ba^ tbtn biefe Tlim ja ber %on beg ganzen
<BtM§ mirb. 2öie mürbe fid) nun ber urbane Sf^ömer freuen, 215
wenn er fein fc§alff)afteö ©elbfttob fo ciceronianifc^ commentirt läfe:
Si tuum, inquit, docte Maecenas, Judicium accesserit, si tibi pla-
cuerint carmina mea, tuque me in lyricorum, quos Grsecia admi-
rata est, numerum retuleris, tum mihi beatissimus videbor, tum
nihil ad gloriam, ad laudem, ad felicitatem meam addi poterit:
quemadmodum simili sensu dicitur: ccelum digito attingere. Vide
de formula Schraderum in Observ. ad Musseum c. 10. p. 203. &c.
3Bcnn er \xd) fo efirbar ausgelegt fälie,'' raie tüürbe er lächeln?
ober üielmel)r, rcie mürbe er ung über unfre gelefjrten Stugleger
bebauten ?
'^znn nun roirb ber ü^t i§r ©eift, bie lebenbige ©ra^ie ber
2tnfc^auli(^feit genommen: ber 3:on eineg Siebeg uerfe^It, unb
©inn unb Seben, unb Stffeft unb Sttteg »erfe^lt. 2öag ift unan=
genet)mer, als ein 'D^ufifalifc^eä ©tüd in einer miberfinnigen %tvX'
peratur: unb ein ©ebic^t, im miberfinnigen 3::one ju lefen! roeg
mit bem Seiern! .^at ^oraj ein ernft£)afteg , ooßftänbigeg, grünb==
lic^eg Silb oon ber 33iannic^faltig!eit 5!Jtenf(^li(^et 6{)ata!tete o^zhiXi
a) p. 66.
^ 333 > —
tüotten, lüie ungrünblid^, unooKftänbig, töte fel^r von einer ^^ekn-
feite, tüie oft na{)e am 5linbif(^en ? Ijat §oraj feine S)ic§tergabe,
unb feine S)id§tergefinnung ernfttjaft unb ooltftänbig fd^ilbcrn raotten:
yiG unauäftef)Ud^ ! fleingro^ , finbifc^ ! • ©in Sorberjroeig fott if)n unter
bie ©Otter cerfe^en: bie 9lt)mpf)en unb ©ati;ren fotten ^^soetifclje
^^rafeä für feine £i;rif(^e 33egeifterung fepn: wenn 33iäcen feinen
9^amen in fein 2)ic§terbu(^ einträgt, raitt er mit feiner ©d)eitel an
bie ©terne ! — D ber %1}0X ! unb mit atter ^f)rafeoIogifc^en 3(u§*
legung nod) ein 3;;f)or! S)ie Saune ber ganjen Cbe ift weg: fie
ift ein unau§fte§lic^eg ©ic^tereEercitium !
^ä) mitt ni(^t nachblättern, ob mel^rere bie Dbe fo meife com:=
mentirt : oermutiili^ ! 2)enn mag ift bod^ für ba§ §eer ber 6(^0-
liaften unb 3Bortcommentatoren eine unerhörtere ©ac§e, alg auf
Saune, auf (Stimmung be§ 2)icl^terton§ gu merfen? aber ba§ meiä
ic^, ba^ id) mit 9JJitteiben bie fritifd;e 2;ortur gelefen, bie bie %uä^
leger, unb unter i^nen aud§ §r. M. biefer Dbe angetljan. ^\t§
nid§t §u bebauern, roie fid^ Sentlei über bie impeditam & sale^
brosam orationem ber Dbe germartert: mie er fie jerrei^t, mie
ernftl^aft er barüber !unftricf)tert : ba^ bod) bor fein 9tarr fep, ber
nic§t §u oc^iffe rooUe; ha^ es boc^ maljrl^aftig laum voai)x fet),
ba^ ein großer 9tei(^tf)um ung unter bie ©ötter erl^ebe; ba^ baf)in
ber 9ßeg fo leidet, fo gebaf)nt nic^t fet), ba^ bie Dl^mpifd^en
©ieger raürflid^ laoS-eoi geraefen u. f. m. mag giebt fic^ ber arme
S3entlei für unnü^e Mül)^? Sßag für unnü|e 9)H§e, raenn §r.
^l. ^l^rafeg auffuc§t, mie ein Sorbeertranj bie ©ieger mürüid^
217 ^abe ju ©Ottern machen fönnen? mie .^orag fic§ i^ah^ unter bie
©Otter oerfe^t, fic^ an ben ^immel empor ragenb ben!en fönnen?
9ßag für eine red^t (uftig 2::ragifalifd;e 9^ac§af)mung , roenn §ora:=
jianer re(^t ^orajifi^ ju fepn glauben, mtnn fie, mie er, fi^on mit
bem ©d)eitel an ben ^immel fto^en, unb mag er launifd; fagt,
mit rcd}t guter 33efinnung, unb, fo ©ott miß! red)t ^oragifdj naä)=
plappern! 2Bag für ein f)übf(^eg ©bcnbilb cnblic^ in ber Sangif(^en
Ueberfe^ung, raenn biefe fein fd;alff)afte ?Dtine ^oraj, ing e^rbarfte
^rieftergefidjt umgcbilbet, unb mit aUem forpulenten ©rnfte anhebt:
^^ 334 —»
Wläcm, — — —
9)Jem <Sd§u|, unb [ü^er 3flu^m! @g freuen fid^ üiele,
SSetttt ber olijtnpifd^e ©tauB bett Söagen bebecE'et u. f. m.
Unb wenn ein marfif(| ©c^roein baä &axn burd^geriffen,
Unb mid^ gefeilt gelcfirter Stirnen 2o^n, ®pf)eu,
3)en ©Ottern ju; mic^ unterfd;eibct »om ^öbel
@in mi)kx aßalb
2ßenn bu nii^ gu ben Dbenbid;tern gcietteft,
©0 rüi)r i(^ mit erl}abnem '^Raäm bie ©terne!
^ft ^orag nid^t ein braoer ^ert? — Unb ba^u nmd^t i^n aud)
'^x. ^loi§, raie id^ benfen fottte.
^ä) raei^, iä) fomtne nic§t bei allen gelehrten Sefern ^orag
bamit an, ba^ id^ fage; fo etiüag roieberfpric^t bew Simone be§
©anjen; eg jerftöil bie iparmonie beg gangen Sprifd^cn ©efangeä; 218
benn roaS ift Xon, Harmonie beä ©anjen? 2}ie (Smpfinbung
baüon lä^t fid^ beni Dl)re ieineä 33tenfd^en geben, ©o mu^ x(^
benn leibcr! umgefe^rt fagen, ba^ ber ^i^on be§ ©rnftes fc^on
ejegetifd^ SBiebcrfprüd^c in bie Dbe bringe: ba^ eS ja nic^täroürbig
üon ^oraj raäre, von ben Dlpmpifc^en ©iegern nirf)tg gu fagen,
alg ba^ fie ^tauh fammlen, unb mit bem 3Rabe umlenlen; ba^
unter ben Stömern bie ebien, ©öttergleii^en ©piele fid^ eigcntlid^
nic^t fo gefunben, mie bei ben ©riechen; ba^ bag S3ein)ort man*
bei bare ätömer alöbenn bem ©inne ^oxa^ felbft entgegen, ba|
c§ magrer ®egenfa| groifd^en proprio horreo, unb Libycis areis
fet); ba^ baö roa^re rjD-og in bem patrios agros, bie befte ^raft
beä numquam dimoveas oerlolircn gcl)e: ba^ ber SBieberfprud; in
bem metueus , unb mox reficit rates f roftig raerbe : bajj ba§ nee
partem soliclo de die, aller ^to|ifd^en gelehrten Erläuterung unge-
ad^tet, fein magrer ©egenfa^ me^r bleibe: ba^ xd) alsbenn nid)t
fel)e, raarum »om Kriege lihtn ber lituo tubao pei-mistus sonitus
reiben, warum bie Kriege ^ier thtn matribus detestata l)ci^en
muffen : marum eben ba§ 33krfifd;e ©d;mein thzn üor ^oraj gu
fielen fcmmt: marum er eben fold)c Slrmfeligleiten, alö Sol)n ber
— 335 —
^{(^tfunft, anführen; toaruin er &'6tkv unb SSoIf, unb ©terne,
einen arnifeligen Soi)n! breimal fagen; loarum er eben bie SRid^tä-
219 n)ürbig!eit rodeten wüffe; in ein S)i(^tervegifter geflecft ju roerben,
alä ob auf ber affeg berul^e: warum ^hm ein \o pofjirlirfjcg 23ilb
fd^Iie^en foll. — J^urj! i^raj niu^ fo nüdjtern, [o jufaniinen*
fiangenb, fo fkingro^ in ber Dbe, in feiner erften Dbe roerben,
als ic^ f(^on nid^t juerft bies bemer!t, alä jeber aber roerben inu^,
wenn man ein launifc^eä ©tücf oon il^m ernftl^aft umfd^rauben
miU. — S)a Ijei^ts:
©in Sitjor fagt läd^erlic§, mag ßato raeiglic^ fprad^.
5Der arme ^oroj! feine erfte Dbe bilbet aläbenn too^I faum baä
TCQOG10710V Trjlavyeg, mag 5)]inbar gur ®^renpforte eineg St)rifd;en
©ebäubeö roollte.
Ueber einzelne ^lo^ifc^e Erläuterungen fann id^ mid; nidjt
einlaffen: manche !§aben oerfel^len muffen, roeil ber ©inn beg &anim
oerfe^lt ift. Söarunt aber miebcriiolt §r. il(o| fo üiet befannte
©ac^en: alg, ba^ terrarum dominos eine Slppofition gu deos, mag
ba§ partem solido de die demere fep? (Seiner ift ja in aller
^änben. Quid vero docti videamur? removeamus paullum iliam
eruditionis speciem, & simpliciter interpretemur."' ^d^ mottte biefe
äßorte jum äBa^Ifprud^e beg ganjen Älo^ifd^en ßommentarg tjaben.
3lo(i) ein 9i>ort über bie erfte Dbe, benn roer mirb nid^t üon
220 ^oraj menigfteng bie ©rfte Dbe inne t)aben? .^r. M. referirt*"
bag dimoveas fe(^g 3[>erfe rüdroärtg, big auf hunc & illum; ober
umgefe^rt bag hunc & illum auf dimoveas; allein bie 9ielation
bünft mid^ bem ^aue be§ |)orajifd§en ^^erioben in biefem ©^Iben*
ma^e entgegen; fie mad^t ben 3^lug beg ßl)oriamben matt. Wi,an
erinnere fid^ beg ^ilbeg, bag bag ftolg^örcnbe !lopftodfd}e Dl^r'' üon
biefer Strt @f)oriambifd^er Dbe l)inmirft: „mitten im Jluge fd^mebt
„fie, unb fe^t algbenn mit^ einmal raieber ben ^lua, fort." dluxi
a) p. 63. b) p. 61. 62.
c) iBou 9fail;a[;m. bcv gvicd;. ©ijtßemnaßc. a)kffia8 33. 2. [■B- 10]
1) iKo^itüct; auf
— 336 = —
fliege man einmal auf ben g^ittigen biefer Dbe; man füf)te, mie
§orag bie 2l6fä^e [einer 9Jiaterie unb feiner ^erioben fo red§t in
ben (3t)I6enf(ang einfüge: mie beinahe jebeä 2Bort, unb jeber @e=
banfe t)on feiner ©tette ©tär!e empfange : mie in jebem 3Serfe Stnfang,
ßäfur unb ßnbe aud^ ben (Sinn jebegmal unterfc^eibe, aufhalte,
ftü^e, !§ebe: roie bie ©inpaffung aller einzelnen Siebeglieber baä
®a^^ px einem fünftlic^en ©ebäube, auä) in 2lbfic§t beä Stirifd^en
Stuöbrucfä mac^e? — 2Ber bieg empfinbet, bem roirb ber Sprifd^e
33au, baä fpmmetrifd^e Sunt, quos — himc — illum n)ot)l nici^t
3eit laffen, in einem graeiten ©türfe beä ©ebäubeg, baä fid§ mit
einem ^articipium fc^on mieber, a(g ein eignet ©ange anfieng,
(jinten nac^ ein dimoveas ju fuc^en: foEte aud; im ?3'Iuge ber (Sf)o= 221
riambe bas hunc, illum, mitten inne groifd^en iuvat unb dimoveas
o§ne eigentliche Kuppel ftef)en bleiben, ^wi^^^i* $Römif(^, ^oetifc^,
ß^oriambif (^ : ba jenes gtyar gut ^rofaif(^ unb ßonftructionlmä^ig,
aber bie ^üUq, ben fc^roebenben g'Iug bes (Siilbenma^eg ^erftört.
Dignum certe Critico, fagt §r. ^t. üon Sentlei, qui singula verba
examinat, nee tam se Horatianae eloquentiae flumine abripi
patitur, quam &c. 3!?on roeuT gölte bieg bei Stuglegung beg ©anjen
ber Dbe nocf; roo^l me§r, alg t)on Sentlei?
3.
Rorat. L. 1. Od. 2. 2(ttc§ Unnü^e unb ^Kebenroer! bei «Seite!
nic^tg, alg roa^rc unb neue (Erläuterung, fud;enb; a^\ fo —
erläutert mic^ §r. ^L roieber aug bem Stone ber Dbe; er ^erftört
mir bie Harmonie beg St)rif(^en ©angen. 5Jiirf) mibert ber klumpe
üon locus communis,'' in melc^m Slllerlei 3(uguft mit 9)ier!ur l)a.ht
fönncn mürbig üerglii^en roerben, benn er ftürjt, roie eine einfin-
fenbe 33om6e bag ganje ©ebäube beo ©efangeg nieber. ^d; roitt
mic^ eriEIaren.
a) p. 77 — 82.
— 337 —
^oraj fängt mit einer ©rjälung fd^rcdflii^cr Reiten, grausamer
33orbebeutungen einer ©ötttidjen 91ac§e, trauriger 2öunber,5ei(^en,
222 unb no(^ traurigerer SSorfättc an. @r toenbet fic§: roetn roirb
.Jupiter ba§ 3tmt auftragen, baä 33oI! gu entfünbigcn? 3Birb
SlpoHo, ober 3Senu§, ober Max^, ober 5Rer!ur crf c!§einen '? ?]Stö^^
lid^ bricht er ah, unb raenbet fic§ an 3tuguftu§, aber fo gef(^ic!t,
ba^ felbft bcr ftrengfte S^iepublüaner bag Sob billigen , bie Söcn*
bung fi^ön finben tonnte. ®er fd^nette unoermutl^ete Ucbergang oon
©Ottern auf ben ^aifer, oon rädjenben, brol^enben, fd^re(flid;cn
©Ottern auf ben 3Sater beg 3?aterlanbe§ , üon ©Ottern, bie am
'^iuk ber 9iömer Städte genommen, auf ben, bcr fein ©(^raert
gegen bie Sarbaren roanbte — S)ie§ ift ber ©ang ber Sprifc^en
SRufe, bieä ift ber ^auptgug be§ ^ora^ifc^en Sobeg.
Unb roie fc^ön mei^ er bie beiben ©tüde beg tobenben ©egcn=
fa|e§ gu oerf(^rän!en. Sag Sanb ift üoff fc^redlid^er SSorboten,
unb üott ©träfe ber ©ötter geroefen: bag ©trafraetter ift vorbei;
roer mirb fid§ ber S^ömer, fie gu entfünbigen, annefimen? 3lpoiro?
@r ift augur Apollo. Senug? ©ie ift bie SRutter ber 9^ömer.
5Karg? (Sr ift ber 33ater berfelben. mexiux? @r ift ber S3ote bcr
©ötter mit feinem ßabuceug. ©iner fteige I)erab 9iom gu entfün-
bigen. 2ßer iftg? §icr ein oerftolner SBinf auf Stuguftug t^ut
gro^e Söirtung: ber 33ote ber ©ötter ift ba! 9)ierfur in bcr ©eftalt
2tuguft. 2llg 33ote ber ©ötter, alfo ^at er ßäfarg Xob geräd^ct:
223 _ — patiens vocari
Caesaris ultor.
Sltg Sote ber ©ötter giebt er je^t dtoin ©ntfünbigung unb triebe,
©ogleic^ rerfdiroinben SBunberjeid^en, ©ötter unb ^iäc^er. „Sang,
^aifer, unb glüdlid) fei unter bcincm SSoIfc: unb mcnbc bcinen
2lrm (oon ben ?5^einben beincg 3}orgängerg unb §aufcg ab, lieber)
auf bie g^einbe 3ftomg, bie S3arbarn! SDag finb i^riegc, (nid^t roie
bie, bie bu im 5^amcn ber 5)tac§götter gefül}ret fjaft: bella non
habitura triumphos, fonbern) bie bir ^riump'^c bringen tonnen:
bann bift bu ein Später beineg 3^atertanbeg. — .^rre id^ nid^t, fo
§erbev8 fämmtl. SOSerle. III. 22
— 338 —
ift ba§ ber Slon, ber im ©an^^jcn ber Dbe l^errfd^t! unb bie ^ein-
I)cit, btc oortge 9tad)e bes ßäfarg, ben ftrafenben ©öttern, bie
je^ige entfünbigte Sfiulje Storno bein ll'aifer sujufd^reiben , ift gleid§==
jam bie leknbe, bie Siömifd^c ©ra^ie ber Dbe.
yiun foiniiic jemanb, unb fc^reibe ©eitenlang ben 3)lpt§oIo=
gi[d§en locus communis auß: roaS 9)ier!uf für ein guter Menfd^,
ba^ er berebt, auc^ ein ©rfinber b^r Gitter, au^ ein 2tuffe^er ber
^ampffpicle, unb roaä roei^ ic^ me^r? geraefen, ba^ 2lugiift mxh
lic^ mit i§m oerglid^en werben fönne — elenber Sluäraurf ber
3)tt)t^ologie ! <Bo menig, alä mit 3)ter!ur, bem liftigen 33etrüger,
bem ©c^afbiebe; fo mcnig toirb er mit 9Jter!ur bem ©rfinber ber
(Eitter, bem Sluffeficr ber Ä^autpffpielc u. f. ro. Dergli(^en. §ier ift 224
93ter!ur „ein 93ote ber ©ötter/' (Säfarä ^ob ju rächen (patiens
vocari Caesaiis ultor) ober roenn malt nod) me^r mill, 9iom gu
entfünbigen; nid^tg met)r! 3)er ^]ioet giebt auä) nid^t fo eigentliij^ •
unb au§fül)rlic§ bem Sluguft bie ^^räbifate 33ier!urg, ba^ ein tünf*
tiger 2(uäleger fo mand^es ©djöne barüber fagen fönne: Augustus
personam Mercurii induens pacifer, salus generis humani, elo-
quens etc. äBir ron ©otteö ©naben, unter bem Silbe 9Jlerfur§,
ber g^riebengeber, bie Suft ber 3BeIt, berebt, ein Siebl)aber ber
5Jiufen, unb raas ber ?tRi)t§oIogif(^e Kram ung üom ?Oter!ur me§r
fagen möge, ©o üiel id^ fet)e, fo mad)t $oraj nur eine polite
©intleibung. 9tid^t Stuguft fott e§ fei;n, ber (Säfarä 2:ob cor-
mala gerä(^et: bie ©ötter felbft finbä geroefen, unb ber Sote
ber ©Otter felbft. §ätte eä bem Siebter gefallen, ben räc^enben
Slpotto ober ben erzürnten 5Jtarg julelt ju fe^en: fo l)ätte er,
nur mit umgeänberter ©infleibung, ben Sfömern benfelben @e*
bauten fagen tonnen, ber je^t bie Dbe burd; !^errfd)et: „bie S^ikn
„ber ©trafen unb ©trafbebeutungen finb oorbei: man beute ni(j§t
„met)r an Unfälle, mobci bie ©ötter felbft il}rc i^anh im ©piele
„gehabt: je|t l)abcn mir einen ©ntfünbiger, einen Spater beä Siolfg,
„einen Sluguft!" Unb meldte Dbe tonnte mit ber (Sinfleibung,
bie iqoxü'q gen)äl)let, ber 3^^^ roürbiger fegn, bie ©e^ner bei biefer
Dbe annimmt.
— < im —
225 <Bd)on gefaßt, ba^ iä) inid^ über einzelne SÖortftreitigfeiten
ntd^t einlafje, aber roelc^e uttTüürbige ©d^raierigfeit, bie fid; §r.
mo^ über bie 3ßorte inac^t:"
— ulmo,
nota quae sedes fuerat columbis ;
eine ©(^n)ierig!eit , bei ber er fo gar gum gefäl§rlid)ften 9Jtittel greifen
iini^: quid prohibet, quo minus' Horatio aliquid humani accidisse
dicamus? .^c^ rooKte raiffen, wo ^orajen benn l^ier 9)Jenf(^li(^!eiten
börfen entfallen fepn. ^d^ bin Mn ^äger, aber baä roei^ ic§, ba^
nie{)r alä eine ©attung üon Rauben, bie fogenannten Slingeltauben,
oben auf 33äumen niften ; imb columba ift ja ein ^auptgef d^lei^t.
— ©inige 33lätter §arbuinf(^c 3lid^tgn)ürbigfeiten roeggefij^Iagen, imb
ba fallen mir roieber bie f(^recflic§en 2Borte inä ©efic^t:'' immo
totus locus non recte intellectus ab interprctibus. Sa^ fe^en!
i. /. Od. IV. dum graves Cyclopum
Vulcanus ardens urit ofiicinas.
ytun 'i)'6xz man ben ©rläutercr : ffrcwes expono per sulphureas
officinas; has officinas urit i. e. igne et flammis implet: Vulcanus
ardens i. e. qui plenus est flammis, dum in loco, ubi omnia lucent
226 igne, versatur. Quid prohibet, quo minus hunc locum ita inter-
preteris? ®ilt bie ?5rage: quid prohibet? auö) mic^: fo antmorte
i(^: atte§ ift juroiber! ba§ ganje §orajifd;e 33ilb »crfc^rainbet bamit.
^e|t fet)e iä) ben cor ^i^e unb 3(rbeit glü^enben SSuIfan; nid^t
einen, beut ber ©lang be§ %mQXä ba§ ©cfidjt rottet: nid^t einen,
ber einen ^eueräbranb in bie ©d^racfelljöle trägt, unb bamit fic
t)ott g^lammen mai^t: fonbern, ber fid^g fauer merbcn lä^t (inbe^
ba^ feine ®emaf)Iin tanjt) e§ fei nun, ba^ er ba§ ^euer anfad^t, '
ober bag glüf)enbe (Sifen mit bem Stmbofe, auf ber eigentlichen
äöert'ftäte ber 6x)flopen, !)ammert. @nug urit officinas, unb jraar
graves officinas; id§ fann fein rielfagenber fontraftirenber 33ein)ort
ju ber in füf)fer 9cad§t bei ftittem ^D^onbfd^eine tanjenben 3Senu§
a) p. 69. b) p. 93.
— ' 340 ■ —
finben. S)tc ^lo^ifd^c ©rläuterung tann geIeJirt unb Sergn)er!§*
Tttä^tg fet)n: fte fontrafttrt nid^t, fte ift md§t poettfd^.
lam te premet nox, fabulaeque manes.* 2)a§ (Somma, 'öa^
mit fo oielem ©eräufd^e grrtfclett fabulae unb manes gefe|t ratrb,
ift nid^tä 9^eue§: unb bod^ (äffe iä) nid^t einmal gu fe§r comma-
tiftren, benn fie gehören gufammen: „eine ^i^obtenbetanntfd^aft, von
„ber fo üiele ©efc^ic^td^en lauten/' ^ä) f daläge einige Dben weiter,
unb raieber eine neue unb üietteid^t roieber üerfe^^lte ©rflärung:
Od. X, 3. fte^t unter 9Jter!urg Sobfprüc^en bag ©abinifd^e 227
Söort : catus :
— — qui feros cultus hominum recentum
Voce formasti catus —
unb raer raei^, mag catus ift? ^r. ^to| fott e§ fagen.'' JVm sola
voce hoc fecit, sed catus li. e. acutus studia uniuscuiusque secta-
tus ad animos velut descendit, et callide ita quemque movere
studuit, ut illius cupiditates poscere videbantur. ©ntroeber id§
uerfte^e §ora^ nidjt, ober §r. ^lo| ()at i§n nid^t cerftanben. 9)^er*
!ur, benfe id&, Mlbete bie erften SBilben, tf)eil§, ba^ er, ber fd§arf=
finnige SRerfur, i^nen ©prad^e gab; t§eil§ ba^ er i§re ©lieber
bilbete; jcneä, nac§ ber aEgemcinen Sl^rabition, bie SJienfd^en fepn
burd^ bie ©prad^c gefittet geworben ; bieg, um i§nen bie tf)ierifd^e
^Iump§eit bc§ ."^örperä abjugeroö^nen. ^ft bie§ ber SSerftanb beg
5Di(^ter§: fo ift bag quomodo leniverü hominum animos mo^l nid^tg;
fo iftg raol)! fein @egenfa|: non sola voce hoc fecit, sed catus:
fo l^at mein Kommentator ein 9Zon=fenfe gefagt. ^ft bieg aber ni^t
ber SSerftanb beg ©ic^terg; raoEte er fagen: 5Rer!ur §abc ben
X^iermenfd^en täglid^ eine berebte ^rebigt gehalten, in ber er catus
auf bie Steigungen unb ©emüt^gart jebeg feiner refpefticen Ferren
^u^örer gefe§en, fid^ ju if)nen l;erabgetaffen , unb nad^ oottbrad^ter
^rebigt fie jum g^ed^tpla^e geführt — ift bieg ber ©inn beg 2)id^= 228
terg, fo bitte id^, ber id^ nid^t fo catus mie 9Jlerfur bin, um
SBergei^ung.
a) p. 94. b) p. 112.
-^ 341 . —
Od. XII. 42. 43. ^oraj fingt : saeva paupertas tulit hunc
et illum etc. unb tüte begannt, ba^ eine fc^raere 2lrmutf), eine
brücfenbe 9fZot§ bie grö^eften SJiänner fieroorbrad^te '? Ecce autem
supercilium dialectici distinguentis : '^ saeva paupertas aliis vide-
tur, nou Visa est Caraillo Curioque. ©o genau eben wollte x6)
ba§ nic§t befiaupten. (Bhm aiid) ben !^ärtlic§en 9tömern fonnte
boc^ oft bie Saft ber 3)ürftigteit, be§ ©lenbeg, ber SSerbannung
empfinbbar, n)ür!lid§ euipfinbbar fegn. (Sin Samittuä, ein §einric§
t)on 9Zaüarra, fonnte roürflic^ ben 2)ru(f ber 3fiotI) fü'^len, unb
eben bieg ©efü^I, bie Saft ber ^lottiraenbigfeit bilbete fie, vok nad^
ber bekannten ^^abel, ber gebrüdfte ^almbauw.
3Zo(^ immer beim erften 33ud§e be§ ^orag? ^a! unb id^ fel^e
bie ©trid^e am 9ianbe meines Sud^ä fid^ nid^t minbern: fonbern
metiren. 2Benig ©rläuterungen, bie neu mären, ©tid^ l^ielten, eine
neue Sluägabe oerbienten. 3J?eiften§ ftrauc^elt ber Kommentator,
inbem er erläutert, felbft au§ bem ^fabe ber Dbe §oraj, unb bie
roic^tigften 9tettungen gegen ^arbuin finbe id^ in ber ©e^nerifd^cn
229 Stuägabe ^orag fd^on »orgegeid^net , aber nad^ @e§nerfd^er SBeife,
ba§ tft raeife, lurg, unb bünbig — Söoju inbeffen fott bie unfe=
lige 5[Rüf)e , jeben Strid^ auf bem 3ftanbe meineä ©remptarä in üiele
2Borte erft ju oerroanbeln : ^ier ^arentJ)efen , roo (Seiten unb WdU
ter nidjt §erge!§ören: bort ^ragejeid^en , rao iä) ungeroi^; Ijier 9M=
len, mo id^ gegenfeittger SReinung bin, unb bort ein öfters ! jum
3eidC)en eineä ^erglid^en Ohe. Qc§ mitt bamit lieber auf bie Lectio-
nes Venusinas märten; je|t eine attgemeine 2tnmer!ung.
S)er unoerfd^ämte ^arbuin fprid^t'' bem mo^IÜingenbften ber
Sr)rifd^en SRömer allen 2ßof)IHang ah, alle ^Barbarei ju: ^r. Hlo^
alfo follte ^orajenä St)rifd§en 2ßo^IfIang retten; allein — er ^at
it)n nic^t gerettet. (Sr roieberlegt ^arbuin burd^ (Sitationen, unb
burd^ einige fd^ale SSeifpiele, ba^ biefer unb jener 3?erö bei iljui
ein @d^o feineä ©inneä fep; allein mem mar an (Stmas gelegen,
maä (Stümpern oft me^ir glüdft, als 2)id^tern, menigfteng jene oft
a) p. 122. b) p. 51. 52.
— • 342 > —
g-nug übertreiben. @r ^ätte uns auf ben, bem §ora,^ eigenen,
Sririfi^en 2So§Ifkng aufmerffam ntai^en, in biefem unb jenem
©plbeninaa^e bie SieblingSgänge §orag bemerfen follen, nac§ benen
er bie SBorte ftettet, unb fic| einen ^erioben [(Raffet, ©ininal
raäre eä 3eit, ba^ ein 2)eut[d§er pDionpjiuä e§ entroirfelte, roie ba§
aHgemeine 2)ing , roa§ roir ^eriobe nennen , nur eigentli(^ Sieben 230
jufomme, unb ba^ übrigens, fo roie jebe ©attung be§ SSorlrageS,
]o auä) jebes ^auptfplbenmaafe ber 2)i(i)tfunft , gieic^fam feinen
eignen ^erioben von 35inftur, ^u^^tui^/ wnb Goncinnität, bas ift
feine eignen 2öort6inbungen , 33erfc^ränfungen unb 2öo{)[fIänge
^ab^, roorüber fic^, roer fic^ roie ^lopftocf auä^ubrücfen roü^te, bei
.^öraj geroi^ juerft bie angenef)mften 'Setrad^tungen ntai^en liefen.
%n fo (Stroag t)at ör. i^Io^ nic^t gebacfit.
4.
Unb f)at überhaupt mit feinen bisherigen ^orajifc^en ©c^rif^
ten roenig jum 53e[)ufe bes '^oetifc^en Sefens/ jum Sefen Jporaj
in ^ora§ Sinne beigetragen, ©injelne 53ilberc§en, etroa ein sectis
iu iuvenes unguibus, ein Oscula, quae Veuus quinta parte sui
etc. \)at er mit ©efü^Ie bes Schönen aus einanber gefegt; mit ber
3}ietI)obe, mit bem ©efc^made überf)aupt, ^u bem feine Schriften
führen, §orag ju lefen, bin ic§ um fo roeniger aufrieben.
Seine Schrift, de felici audacia Horatii,'' (bie, eine Ü)lengc
froftiger itdgcmeinfd^e ^ abgerechnet, eine feiner beften Sc^riftc^en,
unb me^r a(s ein specimen Academicum ift,) biefe Schrift, fage
id) , ift , fo fef)r fie fic^ mit ii)X^v fc^önen (Sritif f elbft oorjeigt, für 231
mic§ fein 3)iufter bes ©efc^maifg, -öorag ^u lefen. Sie ift naö)
a) Opucc. var. argum. p. 114.
b) Audacia et fertilitas saepe scriptoribus tributa : audacia poe-
tis necessaria: etc.
1) %: Sefen
343
beut ^adjrcgiftcv bcö Ucbcn 33attcuj: gcjimmcvt, unc mau bei einer
Dbe ©primg, 3lbroi^ung, Uinfdjracifung, ätnfang uub @nbc, u. [. ro.
beinerfcn unb fid^ abfted'en niüffe/ eben als toenn ^oraj je nad)
foldjen 2l6ftcdungen / raie über ein ©c^ult^ema, gearbeitet Ijätte.
3ln fidj ift fold) g^ac^raerf, eine fo(d)e ^opi! ber Dbe, immer gut,
fo fern eg nur ben ^emert'ungsgeift bei ein3etncn Dben ftärfen will.
©0 balb cä aber orbentlic^eä ©erüft , unb notfimenbige ©rflärungö-
art ber Dbe toirb: [o ift§ mir juroiber. !^ö) roei^, ba^ ic^ i)ier
gegen bie ^Jiobe [c^reibe; benn [eit einiger ^^it ^irfeln mir Seut-
fc^en fein ®ebid;t fo gern ah, a(ä eine D'oc, fo icie bie S^ranjo-
fen il^r 3)rama nac^ alkn brei ©inl^eiten nur abjir!e(n tonnen;
unb bag l^ei^t benn bie 53tanier |)oraj. Unb ic^ fenne feine '3Jta*
nier, in ber ^oraj meljv jerriffcn, unb feic^ter nad^gea^mt loerben
tonnte, alä biefe. ^c^ §abe angefangen, bie otelten ^ora^, bie
^inter jcber KIo|if(^en 9iubrif: abgcriffener 3(nfang, ©prung,
©igreffion, u. f. ra. ftel^en, auf^^ubtättern ; efet^aft aber roarb mir
mein Stufblättern balb , unb ii^ oerlotjr oft babei ben 3inn mei-
nes lieben i^oraj. ^d) fd^lug baö 23uc^ ju, unb lernte auä ^x\al)'
rung , baf5 ^orag auf feiner Tortur mef)r fönne gebef}nt unb genurr*
tert merben, als auf folc^em 3iegelngerüfte.
232 1. x\bruijta carminum initia. Söic? roenn eä I)ier ©efe^
ber ^orajifdjen Dbe mürbe:" arripit lyram poeta, ncc (piaerens
verba, quibus ordiatur Carmen, non soUicitus, quam formulam
primo loco ponat, quodcunque ii, quibus cxcitatur, motus ver-
bum suggermit, eloquitur — meldjer unförmliche ^arent^prfuö
mürbe unfere ^oraje hqd(!i)mn. 31ur uon raenigen Jpora^ifc^en
Dben fann man eigentlich biefe plöi3lid;e 3tbgebroc!§enl)eit bes 2tn^
fangeä fagen, unb bei jebcr, roo fie fic^ finbet, ^t fic eine 2lrt
t)on 33efonberl)eit in i[;rer Urfad^e. S)ag fo oft miprauc^te: quo
me, Bacche, rapis? ift fein allgemeines @efe|, es ift ein einjel-
a) p. 130—40. b) p. 130.
1) 21: Slbrtec^ungen
— ' 344 ' —
ncä/ unb barf ic^ feigen, fonberbareä Setfptel ©er ^oet bii^tet
bte gange Dbe burd§ eine förmlid^e Si^runfenfieit : t)ott feines S3acd§ug
in §ölen unb Sßälbev getrieben, raei^ er fettft nic§t, roie if)m
gefc^ie^t: fein ©eift fc^roebt um^er, ober üielmefir rairb §tnn)egge=
riffen, nii^tg Slleine§,^ ni(^t§ Sterbliches ju fingen unb — er
finget Stuguft. ©d^öne SobeSeinlleibung ; roie $Iato feinen @ofra=
te§ üom trunfenen 2lkibiabe§ loben lä^t: fo fann §ier ber trun=
fene ^laccug bitfiprantbifiren ; eä ftimmt init bem ganzen Simone ber
Dbe. ^n 3lbfic§t auf biefen ift ber 2lnfang nid§t abgebrochen, roeit
alle§ in ber Dbe abgebrod^en, Eingeworfen, trunfen ift: ja, bie
gange Dbe, furg unb bünbig, ift ein abgebrod^neg ©tüdf eines
^^oetifd^en sv^Eioiiö.^ ^i^un fomme ein nüi^terner ßlaffififateur, 233
unb inad^e if)n folgenbergeftalt guni locus communis : ^ Poeta admi-
ratus egregia facta Augusti , atque plenus liac cogitatione , Augu-
stique magnitudine excitatus sibi a Baccho abripi videtur, fo ift
bie §arntonie ber gangen £)'b'i gerftört. Sßeld^er ^wfammen^ng,
bie 3::§aten 2tuguftg beiounbernb überbenfen, unb com Sacci^ug
fortgeriffen werben? 3^iüd§terne ^^runfen^eit ! Un^oragifd^er §orag !
3^ein ! mein 9tömer beraufdfit fid^ nid^t ©efe^mii^ig , um 2tuguftuä
gu fingen: er fingt Sluguft, raeit i^n Sacd^uä treibt, roeil er fid^
begeiftert fü{)It. 2)a§ Sob beä ^aiferä oerliert atteg, wenn eä ein
ftubirteg Sob ift: eg ift alfo nur ein tiingeraorfner , mitten in ber
Segeifterung gefüllter @eban!e, unb ^dxa,i folgt feinem 33acc§ug
meiter, o£)ne an 2tuguft gu beuten. 2)ie Klo^ifc^e ©rllärung beä
2lnfange§ ift alfo nüchtern, fie ift miber ben 3::on ber Dbe.
^d) laffe mid^ auf bie übrigen 33eif|}iele nid^t ein; fage aber
nur fo üiel: .^eber unoermut^ete 2(nfang fd^eint abgebrod^en; fo
balb aber ber abgebrochene ätnfang merfbar roirb, unb ben 3::on
ber gangen Dbe übcrfd^reiet: fo ift er leine ©d^öniieit met)r, er ift
ein ^ef)Ier ber Dbe. @r frappirt nid§t met)r angenehm, fonbern er
a) p. 131.
1) 21: ®ro6c3 (nil parvum . . . nil mortale. Horat. C. III, 25, 17).
2) §e^ne: iv^^ovaiaa/xov.
— . 345 —
beftürmet unfcv D!§r ent[e|Uc§. <Bo finb bic neuem ^orajianer
234 oftmalg ; fie fangen an , alä raottten fie mit t^rcr Dbe ben Dl^mp
beftürmen, unb fte^e ba; fie liegen im ©anbe. ^eüä nieft, e§
Mi|t! fieng iener an, unb iä) — n)ünf(i§e i§m, ftc§ auäjuniefen.
Ä'ein älnfang alfo fann o§ne ben S-on beä ©anjen in Setrac^t
lomnien: fein abgeri^ner Stnfang an fid; ift ein Qziä)^n bei* ^ü^n-
^eit, mmn er nic^t »erfolgt, raenn er nic^t auggefü^rt roirb. Unb
eine burd^^in au§gefü£)rte Stbgebroc^en^eit ber ©ebanfen ^at §ora§
nur bei raenigen Oben: etraa, wo eine Sid^tung, ein @efi(^t,
(IL 19. Epod. 7.) ein fd^nelkr 3Sorfatt, eine auffobernbe ©timnie
ba^u ©elegenf)eit giebt. Unb folcj^e Dben unterfd^eiben fid§ burc§*
au§ im ©anjen.
3tnbernfattg mac^t §ora§ fol(^e fd^reienbe Stnfänge fid^ roo^l
Ttic§t jur ©emo^ntjeit. ®ie me!E)reften feiner aud^ erhabnen Dben
fangen fic§ mit einer langfamen ©efe^t^eit: feine le^renben Dben
ru^ig : unb feine Dben ber g^reube meiftenä fanft an. 2Bo in ber
Dbe: quis desiderio sit pudor aut modus etc. ber lü£)ne abge=
brod^ne Slnfang fep:" fe^e id^ nic§t. Söag ift fanfter unb beinat)e
ßtegifd§, a(§ wenn ein ©leim um feinen ©tille anftimmt:
3Ber mäßigt fid^ in fo geredetem Seibe?
2)er meine ^^-reub' unb alter 9)lenf(^en ^reube,
$Der ?[Rufen ©l)re raar,
S)er ift nid^t mef)r!
285 S)ie ert)abenften , bie !ü§nften ber Ugifd^en Dben fangen fid§
md^ig an: nur benn ift ber Stnfang abgebrochen, menn üma ein
Si;rifd^er Ueberfatt, ein Sprifd^eä Slenbroer! un§ bereitet werben
foll, unb baä ift meifteng tur§, au^erorbentlic^. 2)ie abgebroi^ne
§t)mne beä (Sallimac^ug ift EvS-siOfiog , unb bie oortreflid^ften ^in=
barifd^en Dben finb beut Slnfange nad^ fe{)r gefe|t, unb mä^ig.
^d^ fenne feine 9tegel, bie al§ locus communis oon ^oraj abge=
gogen, unb oI)ne S^erbinbung §um erften ©tüd'e feinet Sprifd^en
a) p. 132.
— = 34(; —
Dbenbaucs crtjoben, aud) a6gc6roc^ner , bas i\t ^albixt unb md)x
ju uti^bcuten f ep , alg bie : „ er f c^reit abgebrochen , o^ne crft 2ßorte
„ju fud^en, auf!"
2. Longae digressioues. ©in neuer ßanon ber ^ora^tfc^en
Dbe, unb oft ein fe!§r mipraud^ter ßanon. 9Dceiften§ liegt in
§orag bei betn Stnfc^eine einer folc^en Sigreffion raaö 2Bi(^tigerg
jiun ©runbe, roaä er nntnef)inen, aber nid)t jum ©efe^e, fonbern
nad) ber i^^^^oibualfituation feiner Dbe fo mitnei^men roottte; oft
iftg auc^ roirflid^ feine Sigreffion, roag rair fo pi nennen belieben.
.!poraj ermuntert ben "Z^aliardjuä gur g^röUd^f eit : f ep gutes 3}iutf)ä,
unb permitte divis cetera, qui simul stravere ventos etc. 9öer
fann fi(^ nun ben 6r!lärer fo einfattenb beulen:^ Permitte divis
cetera. Hie desinere poterat poeta. Ad sensum nihil require- 236
batur amplius. Poetae vero vividum iugenium, dum deos cogi-
tat, statim descriptionem aliquam immensae potestatis deorum
praebet. — 2öa§ fann ^räceptorntä^igerg gefagt werben? ,{j(^
fei)e ^ ^ora^ , raie einen 6c^ulfnabcn über fein 3:£)eina arbeiten,
unb ben Sei)rer barneben : gut ! gnug ! ber S^erftanb ift auä : ■ jum
^^ema roirb nid)ts mei)r crfobert; aber nun! eine fieine 2(mplifi==
cation. Permitte Divis cetera raar bas le^te: ®i3tter alfo — mie
fönnen ©ötrer etrca umf(^rieben roerbcn? fälit beiner lebhaften
(Sinbilbungöfraft — — beä armen ^orag! 3Benn 3::^aliardj
jur g'reube ermunteri; merbcn mu^te, mag natürlicher, alä ba^ er
mi^üergnügt mar, ba^ er Unglücf fjatte? Unb maö für ein ^oe- -
tifc^er S3ilb oom Unglücfe, al§ ©türm, Seefturm? Unb roaö für
ein pa^lic§er Silb in baö @angc biefer Sßinterobe? äöer füf)(t
nic^t fein (^aminf euer mit boppcitem J-rcubenfc^auer gleic^fam , m^nn
ber 9Binb um bie genfter rafet, menn man fi(^ ©eeftürnte babei
gebenft, menn uon ?Jieer§gefa^ren baneben erjä^ft röirb? 2öo ift
Ijicr bie minbefte Sigreffion oom 2;;f)ema ber Dbe?
a) p. 135.
1) %: fal^C
— « 347 ' —
@ä ift feine Stgreffion/ wenn ^oraj in feiner jiociten Dbe
eine fuvje 33efc^vei6ung ber Reiten S)eu!aliong gicbt: bcnn fo foI=
len bie bamaligen ©(^redrounbergetten in Sf^oin gebadet werben. @r
237 t)erme§rt alfo ba§ ©rawfen im ^wrücfbenfen an fie, rao erä nici^t
bur(^ i^re eigne Si^ilberung ti)nn fonnte, burc^ ein au§gemalte§
©leid^ni^ alter, graufer, fc^red'lic^er Reiten. Sie ©mpfinbung, ber
!J£on ber Dbe roirb mit bem 3wge ber graufen Unorbnung t)er=
ftärft, unb ift bas ©igreffion? 9lur ein @efü{)Hofer ©(^oliaft
fonntc f (^reiben: leviter in re tarn atroci, & piscium, & palum-
borum meminit ; benn if)m fiel nii^tä, a[§ baä @erid§t ?^ifd^e unb bie
ilauben, ins) ©efic^t; mmn §r. ^lo| aber bag ©raufen beg 2lnben=
!eng an Reiten fü^It , roo g^ifcEie auf ben ©ipfeln ber 33äume fd^Tüim-
men, unb bie armen SBa^erfi^euen, furc^tfamen ^^auben SlngftüoH in
ben glutljen arbeiten: fo foEte er nid)t ben ©c^oliaften nac^fc^reiben.
I. 34. Vbi currum lovis memorat, foll ^orag eine 3)igref=
fion machen?'' Unb roer raupte benn nic^t, ba^ t)ier bie eine,
ober bie anbere ©rtldrung ber Dbe angenommen , ber 2)onnerit)agen
.^upiterä ba§ 33c!ei)runggmittel beg .^oraj, folglich nad^ febem mög=
liefen ©inne ber §auptgegenftanb ber Dbe ift? .^ftg benn 2)igref==
fion, ein -I)onnern)etter p 6cfd}reiben, raenn ber gerül)rte 2)ic^ter
fi(^ f)infe|t, eä gu befc^reiben; ober gar, voenn eä feine ganje
iDen!art änbern f ann ? ^ä) beule : eine Dbe auf ä Ungeraitter , ot)nc
Ungeioitter, ift nic^tg.
238 I. 22. Vbi lupum, (|ui ipsi pepercerat , nominat. 3)igref=^
fion?'' Q^hm bag 3lbenti)euer mit bem SBolfe ift ja bie 3Seranlaf=
fung ber Dbe: eben barüber mac§t ja ^oraj bie ^oetif(^e 93emer=
lung, mit ber er anfängt: unb tbm barüber fa^t er ja ben $oeti=
f(^en @ntfd§Iu^, mit bem er enbigt. ©g ift boc^ graufam, ung.
üor feljenben 3tugen ben Mttelpunft beg ^^i^^e^^ ä^m S3erüt)rungg=
punfte ber STangente machen gu motten.
SBag fott id) bie roeitern Sitationen eineg ßommentatorg nac^=
f (plagen, ber fein ©cfü^l barüber oerläugnet, mag .^auptgegenftanb,
a) p. 136. b) p. 136. c) p. 136.
348
roas ^ouptton ber Dbe fei; ober nic[;t? tner fann mit einem foId)cn
barüber einig raerben, roag 2)igve[fion fep, quod ad argumentum
pertineat, nee ne? §r. ^t. ^at fd^on gn einer anbern ^^it"
©ebanlen über bie IDigreffion, unb groar bei bem ^oeten, in bem
fte am mer!barften roirb, bei ^inbar geäußert, bie mid^ beina{)e
üerjroeifeln lafjen, ba^ iä) ^-^inbar fenne, unb ben ^lan feineg
sLÖog ftubirt !^abe. ^6) f)a6e groar nid^t ben Seiften beä Sftüderä^
felberä, nod^ bie ©d^ulbifpofition beg ©rafmug ©d^mib; aber aud^
gerai^ nid^t bie 2)igreffionen in i()m gefnnben, bie ^r. ^l. ^M^x^'
felbern Dorbemonftrirt.
Non recte Vir Cl. intellexisse videtur naturam & originem
digressionum illarum Pindaricarum. ©d^ön ! unfer Vir Cl. fe|t 239
fid§ alfo gured§t, bem 3fiieberlänber bie Statur, unb ben Urfprung
■JlSinbarifc^er 2)igreffionen gu erttären.
Odam , quae hoc nomine digna sit , Pindaricam ammo valde
commoto oriri, facile mihi dabunt, qui vel legerint eiusmodi car-
mina. Unb roenn ic§ aud^ burc§ ben Strumpf, ben §r. 9iX. auf
feine ^e^uptung fe^et, für einen Unmiffenben in ^ßinbar -gelten
mü^te: fo fenne id^ leine, ic§ fage mit g^lei^e feine Dbe in -^in=
bar, bie gu il^rem (Sf)arafter l)ättc, aug einer gerül^rten, erreg-
ten, fei)r erregten Seele ju entfpringen. %l§> einen f)ol)en,
erl)abnen, fliegenben ©eift, ber, nad^ feinem eignen Silbe, bie
Ijüd^fte Slütl)e jeber ^oetifc^en ©d§önl)eit bricht, fenne ic^ meinen
alten -^inbar roo^l; aber eine erregte, fel^r erregte ©eele, bie bie==
feä erregten ^uftartbeg roegen auf S)igreffionen auäf (^tceift ? — ^c^
3ucl"e bie 21(^feln ! nur ein größerer 5lenner ^^inbars , alä id^ , fann
grandes affectus^' jum ßljarafter ^inbarg, gu feinem Unterfd^iebä*
d^arafter üon 2)at)ib mad^en.
Quid cantavit Pindarus, certe in iis, quae ad nostram seta-
tcm pervenerunt , carminibus ? Vnum idemque est omnium argu-
mentum: Victoria e ludis reportata. In his quomodo potcrat &
a) Klotz, act. litter. Vol. I. p. 122.
b) Klotz, act. litter. Vol. II. p. 151.
: 349 . —
varietatem adhibere, & fastidio occurrere, nisi liberius hanc rem
240 tractaret &c." ®er alte tal^me ^röfter üon ©ntfc^ulbigung ! %x^U
iiäl, tüer feine ©efättge blo§ au§ bei* Ueber[d;rift : Olvf.i7tiovL%ai,
IIvd-iovi%ai , Nef.i£ovr/.ai , Igi.aovmai attfte'^t, ber fann ^inbar
^er^Itd^ bellagen, ba^ er über foIc§ eine ^leinigfeit [o oiel ^ahz
leiern, unb i^m fd^on iui 3Sorauä 2lbla^ ertl)ei(en, raenn ber arme
Seiergmann §at auSfi^meifen muffen, um bod) ©troaä gu fagen.
9Ber aber bie ©ried^ifd^en 3eiten, unb baä 9Zational^ unb ©tabt-
unb 3^amilien* unb ^erfonalintereffe ber ©rie(|ifc§en ©piele unb
©ieger fennet, ber roirb jebe ^inbarifd^e Dbe für nid^tg, alä mofür
fie ^^inbar giebt, für ein Qnbiüibualftüdf galten: zm sidog feines
©iegerä, ein 33ilb beffelben nac§ ©ried^if d^en 33egriffen, unb o!
TOelc^ ein 5£l^ema ift je reid^er, alg ein fold^eä ^nbiüibuattl^ema !
roeld^ ^l§ema reid^er, al§ baä Sob eineä ebeln @ried§ifd§en 3üng==
lingeg, eineä gelben, eineä ©iegerä! unb t)on allen feinen Sobroür*
bigen ©eiten! unb nad^ jeber 2tugfid^t ©ried^ifc^er @d§ä|bar!eit !
^ier ein 9iationaI^ bort ein 3^amilien= bort ein perfönlid^eä Sob! —
2Ser !ann nun mit bem, ber ba§ §auptt§ema ^inbarg in feinen
Reiten, unb in feinem ^nbioibualfatte für eine roüfte unb roilbe
2lugfd§n3eifung feineä aufgebrad^ten @e^irn§ f)ält, mer mag mit
bem roeiter über eine Sigreffton ftreiten? einzelne ©jempel unter=
fud^en? 3Ber ba§ gange ^inbarifdfie ©efanggefd^äfte für ein ^oe*
tif(^eg ©jercitium ^ait, eine abgebrofd^ene SRaterie, einen ©piel^
241 fampf , einen Söettlauf , ein SaUfc^Iagen; benn roag ift jeneg mef)r?
neu auägegiert, fd^ön »ariirt, präd^tig amplificirt in SSerfe ju jroin*
gen: bem Jlenner pnbarä ift erlaubt ju fd^reiben:'" Nempe, si
quid videmus, de tota re ita iudicandum est: Exornandi argu-
menti causa adsumere Pindarum plerumque ea, quae cum illo
aliquo modo conjuncta sint: interdum verecunde (roeld^ ein ^räcep-
torurti)eil !) in his versari & modeste, saepius audacius, liberius-
que euagari, atque etiara, quae longius petita sint, non tarn
a) Klotz, act. litter. Vol. I. p. 124.
b) Klotz, act. litter. Vol. I. p. 128.
— - 350 ' —
adducere^ quam traliere (rote ungleich roäre ^inbar bcm 33orbtIbe
feineg @efange§, bem ebeln ^^ünglingc, ber geroi^ ja bie lürgefte
Sa^Tl naf)in !) diutius etiam interdum in iis morari, quam reliqiia
foti videantur, sed habere poetam iion solum excusaUonem neces-
süatis — — ^(^ frf)ret6e nid^t rociter. %\vc folc^en tljexiren
©c^ulpinbar mit allen feinen 3)igrejfionen banfe. ^^ießeic^t roirb
mir ein anbrer Drt 9Jiu^e gekn, ben eblen @rie(^ifd)en ^inbar
gu geid^nen, ben man fo je£)r Dcrfennct: unb ba aud^ bie -^oraji-
fd^en Dben mitzunehmen, bie ic^ in ^inbars 9)canier glaube.
III. Saltus in carmine ab alia re in aliam. Mic§ bünit,
ber Sierfajjer roirb felbft ben ©pott, über bie fo genannte fcienti-
fifrfie 9J2et§obe / ^ier nid^t für Drtmii^ig , unb feine S3cifpiele nii^t 242
immer für bie geroäf)Itcften Ijaltcn. 2)er %on ber ganzen fieben*
ben Dbe roirb jerftört, roenn man fie in ber ^^^i^vap^rafc be§ S^er*
faffer» liefet.'' äßie? ^oraj roollte es bem ''^lancuä yorraifonniren,
ba^ ^uüerlä^ig 9i^obo§, 33titt)lene, (Sorintl), unb eine ganje ©eo*
grapl)ie fd^öner ©egenben, nid^t fo üiel 3ieigc ^be, alö bie 5Libur=
tinifd^e villa beä ^^lancu§: baö roollte mein lä^iger ^oraj beliaup*
ten roollen? ^^tid^ts minberl er lä^t jebem Drte feine S^or^üge:
er lä^t jeben, roaS er roill, loben: „mir gefällt meine villa, unb
„OXLÖ^ SDu fet) in bcinem ^ibur oergnügt: eä roirb fd^on alleg
„gellen: alleg ©d^limme fd^on mit ber '^txi beffer roerben." ^d^
fel^e t)ier feinen ^^oetifd)en »Sprung, feine ©tapelgered;tigfeit ber
Dbe; eä ift ein ^olitifc^cr Uebergang, bie artige 2iJcnbung eine§
^ofmanncs, ber fid^ nad^ feinen ^dizn rid^tel — Söer roollte
barauä einen locus communis ber Dbenfül)nl)eit mad^cn?
SBeitcr l^in roill id^ nid^t nad^fud^en. ^^ fage überhaupt,
ba^ ic§ mir meinen ^^oraj felbft in feiner iiprifdjen ^ül)nl)cit nirf;t
na(^ fold^en 2tllgemeinfäd§ern roiE jer^dfen laffen, fo fe^r fie unter
ung (§r. Rl. ^t einige SBortmä^ig a\x^ 53attcuj: überfc^et") 5}tobe
geworben, ©eit bem roir in 2)eutfd;lanb biefc fünftlid;e Dbenform 243
a) Opusc. p. 137. b) p. 138.
c) p. 130. 135. &c. couf. mit «atteuj; eiiiteit 3. sö. p. 20. 21.
: 351 —
mit t^tem abgebrod^nen Stnfangc, unb i^xex f(^önen 3)tgre[fton,
unb t£)rem !ünftli(^en ©prunge, unb t£)rei- üinftlid^en Unorbnung,
unb t§ren fc^önen ©trop^enübergängen , unb artigen ©njambementg
rec^t §anbn)er!smä^ig geformet unb gegofjen: feit bem ift menig
Sf^eueg im ©eifte J)o£)er Oben erfc^ienen. ©lüdlic^e 3::f)eorie pon
ber l§o!^en ^üf)nf)eit eineg 3)i(^ter§, bie ung bag eigne ©efüljl foI=
d^er S)ici^ter!ü§n§eit einfdiläfert.
5.
®er jmeite Slbmeg, §orag gu lefen, ift, wenn fie §aupt*
gefc^macf roirb, bie ^arallelenmac^erei. ^r. ül. barf nur ein gro=
^eg 33ilb, einen gefallenben ©ebanfen in einem Siebter finben : fo
ftel^t i§m balb ein anbrer, unb nodj ein anbrer, unb enblidj fo
»tele anbre gu Sienfte, ba^ ber »orige ©ebante glatt roeg ift.
5^un ift eine foldje 9trbeit bei einer mäßigen 33elefeni^eit , ober
einem mäßigen @ebrauc§e üon Siegiftern, ä(ntf)oIogien , Florilegiis,
unb wie bie ©ammelplä|e me^r I)ei^en, giemlidj leicht: fie fann
auc^ bei Slnfängern, ober bei bunfeln, »erbedten ©teilen manc§=
mal nu^bar fepn; im ©angen ift fie oerberblic§. ©c^abe um bie
©d^ön^eit, bie ic§ erft aug ^unbert S^ergteicl^ungen fc^ön finben
244 foll : ©c^abe um bie ©(^öne , bie mid^ erft burd^ il)ren ^'iamen rei=
jet, bie mir nur benn gefället, roenn fie neben anbern fte!§et. 3)er
2lnblidf, bag innere fd)nelle ©efü^l eineg ^oetifd^en 93ilbeg mu^
bag §erj entraenben: mer blog burd^ 33ergleid§ungen , burd§ ^aral=
lelen ©mpfinbung befommt, bem fd^abetg nid^t, wenn er feine §abe.
®ag fc^önfte 33ilb eineg 2tutorg mu^ mit ben SBorten, an
ber ©teile, bag fdjönfte fepn, ba erg faget, ba eg ftel)et: eine
33lume, bie in i^rem ©rbreii^e bie natürlidjfte , bie fdjönfte ift.
?Dtan murale fie aug , man üerpflanje fie unter ge^n anbre ©attun*
gen il)reg ©efd^led^tg, aber nid^t il^rer 2lrt, il^reg ^immelftrid^g,
il)reg SSobeng , unb man l)at [i!§r] i^ren^la^, il)re ^^tatur, i^re befte
©c^ön^eit genommen. Qe^e ©attung ber ^oefie, jeber eigent^üm=
— ■ 352 ' —
Ud§e ^KJec! gtebt auc^ bem Silbe ©eift unb Seben, nid^t bIo§ Kolo-
rit unb ©eraanb: man rei^c e§ aus feinem Drte, au§ feiner SSer=
binbung, auä feiner Socalroirfung , unb e§ ift ein Schatten, ^m^
mer iftg ein SSerberb ber S)ic^tfunft geroefen, auä ii)X 3lnt{)ologien
gu fammlen, unb faft immer ein lalter ©ebraud^ be§ Sid^terS,
il^m einzelne Gebern ju entrupfcn, fie mit anbern jufammen ^u
legen: ba roirb, nad^ ber alten '^ahzl, bie roei^efte ©d^roanfeber
üon ber ftruppic^ten Stblersfebcr oerje^rt.
^ä) lönnte je^n gegen ein 53eifpicl meines 2lutor§ über biefen
^araKelengefd^madf anfüt)ren; benn eä ift jq fein aüerliebfter ©e-
fc^madf. Unb für mirf) immer ber fältefte. Sold^e SSilberc^en an 245
fid^ finb ©pielroerf : fo l^inter einanber geftellt, mer mag fie tefen?
@r ift aud^ fel)r unfid^er. Ser ©pifd^e S)id^ter giebt feinem ©eban*
i'en ein ©pifd^eg, ber Sprifd^e ein Sprifd^es, ber 2)ramatifc^e ein
S)ramatif(^eg ©eroanb: jebe S^it, jebe (£pra(^e, jeber ^"^^cf giebt
bem Silbe roieber feine eigne ?^arbe. 9^un flidfe ein bclefener 5Rann
t)on ©efd^matfe eine S^ieifie foId§er Silber ofine 2{bftc^t unb Qmzd
an einanber — ein Settlerrod'! ein §ar[efin§pu|! @r ift aud^
feiten töeber erläuternb, nod^ ^octif(^. ^"^ könnte Seifpiete geben,
roie roeit man ung mit fold^em @ef(^macfc roegerläutern, unb üom
%om beg ^soeten fortleiten fönne. 50ian mirb nie bas ©an^c eineg
Sid^terg, eineä ©ebid^tg red^t innig füllen, rec^t mit feiner «Seele
oerfolgen, raenn man an (Stellen flebt. ^Ritten im Sonnenlid^te
roirb man blinb, m<^nn man mit einer jOienge Sid^ter, Sampen,
g^adfetn, ^er^en fonxmt, unter bem Sorraanbe, ba^ eine Sieifie fol-
c^er SIenbroerfe ^inter einanber bod^ red^t fc^ön (äffe. Siedet fd^ön
für ben, ber Suft ^at.
ytoä) roenigcr fann ein ©enie mit ber ©efd^mad^sooEen ®r!Iä*
rungSmet^obe jufrieben fctjn, bie id^ ben eblen ©emmengefc^madf
nennen roitl. ^ä) lobe bie ftitten, bie eblen Serbienfte eines Sip=
pert§ um ben ©ef(^mac^ an ben Stntifen in 2)eutfc^(anb; aber §r.
M. fottte faum ber Sobrebner beffelben fepn: burd§ ba§ Seifpiel
feineg eignen ©ebraud^S lobt er i§n fd^roerlid^. 2i>eld^er leibige 246
^'ram ber meiften ©emmengele^rfamfeit in ben Älo^ifd^en Sd^riften!
-— 353 > —
©elten, ba^ er eine ratci^tige ©teile neu erläutert: oft, bafe er inü|i(5
ba fteJ)t, unb oft, ba^ mix tt)n gar TOcgroünfd^en ; benn er bringt
un§ au§ beni ^oetifi^en %om beg ©anjen. 3)er (Eupibo, ber a(g
^ünftler üor bem ^opfe be§ ©otratcg, $(ato, ^oraj ft|t, fdjni^c
i^n, nur er üerftümmle if)n nid^t, er fd^one it)iu T^af unb 2Sange.
D'^ne ba^ man nnr§ öorbemonftrire, erfenne id; ben vielfäl*
tigen, nu^baren ©ebraui^ ber gefd^nittenen ©teine, unb n)iinfd)te
bei ber ^lo^ifdtjen ©c^rift, ba^ nid^t bloä ber 3^u|cn ber Sippert-
frfjen ®a!tt)Iiott)e! fo obentiin (benn bag inef)refte neue 91u^6are
biefer ©c^rift rairb- man bei Sippert felbft, unb tncKeic^t eblcr unb
einfältiger finben) fonbern in mand^en groben [o ge^^eigt märe,
mie Semolrit bie Serocgung bemonftrirte : nämlic^, id§ bcroege midfj
felbft! 2l6er ba§ müj3te un§ ^r. ^loft bocf; nidjt bereben raollen,
ba^ bei Sefung ber Siebter ber 2lnblicE ber ©entmen ung eigentlid;
^oetifc^en 3tnblicf gemäl)re. ©ine Hauptfigur, eine ©tellung, etroa
ein 6l}aralter, fo fern er fidj lörperlid) äußert — ba§ fann bie
iRunft fc^ilbern. 3lber bem 3)ic§ter, beffen 33Iid immer aufg ©anje
get)t, tüie ber freie Slid ber ^uno, ber mit jebem einzelnen 33ilbe
nur auf bie ^auptmirlung feiner ©nergie fort arbeitet: ber nidjt
247 für baä 2luge artige, fpielenbe Figuren unb puppen, unb 93ilber
unb ^änbeleien, (rool)in unfre ^cit t)erfällt:) fonbern für bie ©eele,
für bie @inbilbung§!raft, für ben 3]erftanb, für bie 2lffelten feu=
rige ©ebanfen reben mill, bem berüljrt fie nur immer ben ©aum
feines ItleibeS. S>ill fie fid) an il)n l)ängen: foll ic§ bei jebem
33ilbc§en ^onterä, ''^inbars unb -§oraj crft nac^feljcn, roie benn
biefer unb jener alte Äunftler bag ^ngurd;en gebilbct: foll id^ l)ier
lange .tlo^ifd)e Goinpilationen burc^laufen, loie eg oon einer anbern
©eite augfel)e — Ijinbernbeg ©äumni^! eg Ijält ben 2)id)tcr auf,
unb gerftüdt il)n mit feinen (Erläuterungen; ober biefer gemaltige
Säufer rei^t fic^ log, unb eilt gu feinem 3^cle unaufljaltfam : ber
©emmenjäljler aber — ba liegt er Sängelang auf bem ^Jtüden!
^nfonber^eit bitte id^ für ben $oetifd§en Qiingling im erften
feurigen Sefen eineg ®ic|terg: ba^ man iljn bod; ba nid;t mit
fdjönen Sltünjerläuterungen unb ©emiueneinfidjten in bem ^^oetifd^cn
§evbev§ fämnirt. 2Bevfe. III. 23
— " ,354 > —
Saufe feiner @tnbilbxing§!raft ftöre! ba^ man t^n boc^ nid^t jeben
2lugenblicf ^müä §alte, um bod^ ein ©teinc^en ju kmerfen, unb
i^n üom fü^en fortraaKenben 3::ranme fetner SieHingSibee p. raecEen,
unb bie unauftiattfame ©rgie^ung feiner ©eele augenblidtid^ ju
üerftopfen. '^ö) mag nid^t (Sat)lu§ in ber §anb l^aben, menn id^
§omcr lefe, unb nod^ racniger münfd^te id^, il^n gnr §anb gehabt
gu ()aSen, ba id§ i§n ba§ erftemal lag. §r. M." freue ftd^ in ber 248
^bee, mie fd^ön fid^ 3SirgiI mit allen Erläuterungen aug gefc^nit=
tenen Steinen muffe (efen laffen: id§ miß it)n mir nid^t fo üorlefen
laffen. ^üx mid^ liegt §oraj unter bem S^lo|ifd§en ßontmentar,
roie jener Stiefe unter einem 33erge roll 2ava unb ©teine : id^ finbe
feine ©lieber jerftütft unb ^erftreuet, roie bie ©lieber jeneg 3lbft)r=
t^uä. ^\t§ benn nic^t einmal Stxt, ©elel)rfam!eit, Selefenl)eit unb
."fCunftgefd^madl fdjä^en, unb bocl; bie ©darauf en il)re§ @ekaud§§
beftimmen §u börfen?
®amit ber nid^t ein S3arbar l)ei^e, ber fo üma§ fagen barf:
fo rebe ber Quiutilian 2)eutf d^lanbS , ber geleierte ©e|ner:" „©eit
„bem bie auä ben Quellen felbft gef(^ö|)fte ©ele^rfamfeit ab^unel)men
„anfing; bie f eltner mürben, bie jebe ©attung alter ©d^riftfteller
„felbft nad^fd^lugen; nod; aber fold^e übrig maren, bie etraa ©inen
bcrfelben fennen unb üerfte^en mod^ten: feit bem entftanb ba§
3tu§legergefd^led()t , ba§ aller Drten l^er, aug ©ebärf;tni^= unb
„Senfmaalen^ gufammenfd^leppte , raa§ nur ttma §ur Erläuterung
„beffelben bienen fönnte; fo ba^ bie, benen ber übrige 35orratl)
„üon ©elcl)rfamfeit fe^te, bie fid^ nidit alleä felbft üerfdjaffen
„tonnten, raa§ gur Erflärung feine§ ©inneg gel)örte, burd^ bie 249
„2lrbeit anbrer unterftü^t, nid^tä miffen börften. — — S3ei 9Bie=
„ berauf lebung bcv SlUffenfd^aften ^ fanben ftd) ©clclirte, bie burd^
„roeitläufttge, unb nadj bem ©efd;made ber bamaligen 3eit, meit
rr
a) Uefcer ben ©eBtaud) bev gefd^nittnen ©teilte ^in unb njiebev-
b) PivTef. in Liv.
1) G.: ex omni memoria atque monumeutis
2) sub felicem illam literarum instauratiouem
— 355 ■ —
„unb breit belefene 3SorIefungen ^ bie alten ©c^rtftfteHer crflärten.
„©eg Mancinelli, Pomponii, Beroaldi, Calderini, Ascensii SSor-
„lefungeit würben mit großem g^lei^e gehöret, nnb noc^ je^t füUen^
„i§re S3änbe ganje 33iHiot§e!en. SSor anbern ift !)ier bie 3)Kif)fam==
„feit beg Mc. Perotti^ begannt, ber, um ©in äiuc§ 9JcartiaI§ ju
„crflären, gange ©d^ä|e £ateinifd§er ©prad^e unb ©ele^rfamfeit auS-
,Jc§üttete, unb ein Cornu copise gab, auä bem faft alle§ gefainutlet
„werben fann, mag man ie^t au§ 3Börterbü(i)ern fammlet, unb
„aug bem fid^ aud} bie 3Börterbüci§er fe!§r bereid^ert. "* — —
„3fiac^l}er gab (Salmafiuä un§ fein ungelf)euere§ 2ßcr! über ben
„©olinug;^ in bem er aber raebcr mit ®ele:§rfaml'eit, norfj 3)igref==
„fionen 37ia^ mu^te u. f. m. — — „tiefer @eiDoI)n^eit folgen
„oft bie Se^rer ber ^^ilologiev** bie jur ©rflärung eine§ 93u(|§,'
„fo üiel fie nur fönnen, ben größten Apparat »on @ele{)rfamfeit
„ juf ammentragen , unb nirfjtg unangefüfjrt lafjen, mag fic^ nur
„einiger ma^en, aud^ nur burd) Umfdiroeifc, bal^in mol^l fönntc
„jietjen laffen. g^e^^Ien einigen l^iegu eingefammlete ^iUfgmittel —
250 „ ei ! bie ® nel)men bie Commentarios anberer, 9Börterbüd§er, unb
„fotd^e 2:röfter^ ju $ülfe, unb mifjen eg fo meit ju bringen, ba^
„man i^re Sluffd^e für gro^e ©d^apammern anfe^e.^^' 5[Rögen fie
„bod§! (Neque carbones esse dixerim equidera, fagt (Seiner: roer
„roilf, fage eg nad§) oft aber fann man fid^ fold^cn 9leidjt§um mit
„minberm ^eitoerlufte fammkn." Statt gu beuten, fa^re x<^ in
©e^ner fort: er rebet je^t eigentlid; »om 3*-'^*bröde[n eineg 3(utor§
in ber <Bd)uk', allein ber ©d§abe ift überalt berfelbe.
1) praelectionibus — ad doctrinae non vulgaris, iit tnm eraiit
tempora, ostentationem coraparatis
2) rumpuiit 3) Sipontini episcopi
4) quoruni [lexica] illud cornu copiae rivulos auxit uon mediocritev.
5) portentosum opus Plinianarum in Solinum exercitationum
6) humanioruin literarura professores
7) publieas in bonos libros rocitationes ita fcre instituunt
8) at ii 9) et id genus praesidia
10) perficiuntque dietatis suis, ut magnos tliesaurns sibi impertitos
iuventus arbitretur.
23*
— = 356 —
„2Bir rootten unä alfo einmal bte ?5^abel jeneg t)on feiner
„©d^roefter jerftürften 2l6fi)rt{)ug gebenfen, unb fie iing »orftetten,
„ba| fie i§ren S3ruber nii^t ©lieber = fonbern ©elenltoeife gerliatfet,^
„unb ^ier ein ^albeä 3(uge (bie anbre .^älfte liegt weit ab!) bort
„bie .^ätfte wm re(^ten D§re,^ Ijier ben britten 3::f)eit ber ?Rafe,
„bort ein <Btnd oom Slugenbraune u. f. \v.^ ^ingeroorfen , al(e§
„loeit au§ einanber geraorfen l^ätte: roie boc^? f)ätte ber SSater aud^
„iDO^I orgroöfjnen fönnen: ba§ fet) fein ©o§n? ©ben fo roenig,
„alä ein ber Dptif Unerfa^rner eine Stnamorp^ofe fid^ roirb fontm*
„len, unb rec^t oorg 2(uge bringen* tonnen. 3ft§ aber nid^t ihm
„fo mit ber t)eutigen @r(äuterungämet§obe ber Slaffifc^en @d;rift=
„ftellcr? jebeä ein^^etne SBort erflärt, bic ^^erioben au§ einanber
„gebogen, jeben »ierten ^ag, ein fteineä ^enfum auf bie Slrt in
„f leine Srocfen gerftücf't. .^ftä möglirf), ba^ ein ^^u^S^ng aud^ 251
„üon ©celenfräften/'* unb gutein @ebä(^tniffe, biefe mit ©rffärungen
„überlabnen unb aufgebunfteten %^zik, fic^ fo gegenroärtig erl)alten,
„fie fo ocrbinben fönne, ba^ ein .'Rörper, id^ roill nid)t fagen, ein
„fd^öner i^örper; nein! nur attenfaßg ein Körper, baraus werbe;
„ba^ er nur, mag er lefe, bet)alte, unb barüber 9tec§enf(^aft gebe."
©e^ner giebt 93eifpiek, bie eigentlich nic^t für mid^ gehören; ic^
erinnere meine Sefer baran: roie oft eö möglich fer), fold^ergeftalt
feinen ©d^riftfteiler fo ganj auä bem ©efid^te §u oerlieren, ba^ man
enblid^ nic^tä minber, alä it)n, erläutert, anführet unb tennet. @r
fa§re fort:
„2(ud^ baf)er, ober id^ mü^te mid^ fet)r irren, aud^ bal^er •
„unter anbern ^ rü^rt ber Stupor psedagogicus, ber faft gum ©prid^-
„raorte geroorben, ha^ man Seute fiei)t, bie einen guten %i)cil i^reä
„ iiebenS unter bcix roeifeften ©eiftern oon ber 2ßelt jubringcn, unb
1) non tota fratris membra dissipasse — sed articulatim conci-
disse fratrem. 2) auriculam dextram
3) digitum auricularem, quin unguem, et praeputium adeo —
4) deforiiiatam colligere 5) ingeiiio
6) „unter anDern" 3uf<i§-
— . 357 : —
„bod§ bal)er ntd^tg, al§ 3Borte, mitbringen; ftatt {"^nen glcid^ ju
„lüerbcn; ftatt, rote fie, benfen, fd^Ite^en, rcb.en ju lernen. —
„Um [o minber fann jemanb kt foI(^er SangfamMt oon ber
„roa^ren ©eftalt nnb ©d^önfieit eine§ 33u(^g einen ©inbruc! be!om*
„men: benn, je leb^fter/ um fo üerbrü^Iic^er roirb§ it)m fetin,
„ficl§ ju Beroegen, unb nid^t roeiter ju fomnxen (se movere quidem,
252 „sed non promovere) tnfonbert)eit ba er, ber Umfc^roeife roegen,^
„eine ©tette, ein S^ilb^ groei, brei, üiermal ^ören mu^te.
„©0 roie aber bei fol^er ^^^ftütfung unb ^ei^^^ilung ber
„S3egriff ber ©ad^e* t)erIo!^ren gef)t: fo ermattet, ober erlöfd^et aud^
„bie Suft 3U lefen, bie [onft üor,^üglid) baburd; erl}alten unb ange=
„feuert''' roirb, ba^ wir ^u ®nbe eilen, ba^ roir ben ganzen 3Ser=
„tauf*^ ju rotffen verlangen, ©c^on biefer S^tei^ mad)t, ba^ Seute,
„bie fonft übrigeng feine Sefefud^t tiaben,^ einen 2::elemad§, 3flobin=^
„fon, ©ulliüer gteic^f am oerf Illingen, unb fie nic^t roeglegen, e§e
„fie ^u @nbe finb; ein ^omer, S?irgi(, '^lautuä, 2:;erenj, Doib,
„©ueton, Surtiuä t}ingegcn, zbzn fo angenel^me ©d^riftfteffer, erre-
„gen ber ^ugenb ©c^auber, roeil fie nie ein beträchtliches ©tücf,
„gleic^fam in einem Dtt)em raegtiefet, um t)om gan,^en Körper ^^u
„urtt)eilen, um burd^ bie (Srroartung beg enblid^en 2lu§fatteg ange*
„frifd^t §u roerben.^ — —
„Unb geroife burd§ ein fo ftätigeg, mü£)fameg unb ängftlid^eö
„Sefen roirb man laum bie 2tlten oerfteI)en lernen.^ SSenige SBorte
„^ben einen fo geroiffen unb beftimmten ©inn, ba^ fie überalt
„Einerlei bebeuten: au§ ber 9^ad^barfdjaft, aug bem 3ufammen=
„l)ange ber ganzen S^ebe, au§ ber 9teil)e ber <Ba&)m, befommen fie
1) ingeniosior 2) praeter ambages reliquas
3) „ein «ßitb" 3ufa^.
4) rei aut negotii de quo tractatur notitia
5) „unb angefeuert" 3ufaö- t>) totum quäle sit
7) minime alioquin acres 8) solicitari
9) fieri vix potest, ut intelligere discat antiquos libros, qui in
stataria (molliamus age usurpando verbum, quo aptius nulluni repe-
rimus) illa, laboriosa anxiaque lectione diu nimis contineatur.
— « 358 - —
„i^rett 3Bert§;' mtbergiro, im 93^unbe anbtev ^erf orten, in attbrer
„5!}latcrie 6ebeiiten fie anber§. Um bieg überaß gu t)erfte{)en; um 253
„e§ fogIetd§ ju evreid^en, nid^t, maS ein Sßort bebeuten fönne, fon=
„bern bebeute, lann nic^t anberg, alg huxä) Dietfad^eg ^orttefen
,,me(er S^üc^ev, gefdjc^en u. f. m."
©e^ner rebet nod^ raeiter vom ©c^ulgebvaud^e fort: i<^ voitl
nur !)inju[e|en, ba^, wenn laum ber 3Bortuerftanb, faum ber ge=
iüöl)nlic§e ^iftorifd^e ©inn bei foId;en ßommentarien unb ©rläute^
rungen erreicht roerbe: ei ber erfte feurige fd^neHe Stnblid", ber ba
bilbet? ei baä -^oetifdje Sluge, bag mit einem 3lbler§blic!e aufg
©ange, unb t)om ©anjen auf %i)^ik ()inläuft? ei ber eble unnenn-
bare ©inn, ber atten fremben ^.tunber megmirft, unb J)injueilct,
baä nad'te gange 33ilb yom ©eifte eine§ 2tutorg gu umarmen, ju
lieben, anzubeten? @i ber? —
@r ^öre ben fü^Iadenben 3tutor:'' „?i&Qnn man einem jungen
,3}lenfc^en, bem bie 9^atur eine feine ©eele unb ein empfinblic^eg
,§er5 gegeben, biefe ©teine geigt, erflärt, unb fie mit ben §ome=
,rifd§en 3]erfen uergleid^t, meldte ^liidjte lann man fid§ nid)t üon
, einem fold^en Unterri(^te üerfpred^en! Sie ©rjälung gel^t felbft
,in §anblung über: mir glauben nid§t mefir bie @efd§id)te gu
,Iefen, mir fef)en fie felbft mit an: mir moljnen 'o^n 2{uftritten
, bei : in ber ©inbilbungöfraft »erfe^en mir un§ nad^ ^roja , in 254
,bag @ried)ifc^e Sager, unb fd^auen bie unfterblid^en gelben üon
,3tngefidjt. 3Iuf biefe Slrt füllen töir bag 9lad^brüdli(^e, baä
,©rl)abne, bag ©c^öne ber altm 3)id)ter boppelt, unb ein garteg
,@emüt(j nimmt einen ©inbrud an, ben eg beftänbig be!^ält, unb
,ber fid^ in ben ebelften 2Öir!ungen äußert, ©eitbcm id^ ben
,9]eptun gefeiten, roie it)n bie ©öttUi^e .*Runft eineg alten ©tein-
,fc^neiberg abgebilbet, Ijat ber 58irgilianifd;e 9leptun in meiner @in==
,bilbung 2cbm unb ©eele betommen. 3]ier ^ferbc" — — o
mer fann ben fü^en %on meiter Ijören! S)ag alleg, roirb ber ^oe-
a) lieber bie ^efc^it. ©tetuc ['*), 144].
1) aestimanda sunt;
— 359 —
tifd^c i^üngting fagen, ba§ aik§ erft, fett bu ba§ (Steinigen fa^cft?
©0 ^atte ber 3]{rgiliani[c§e 9Zeptitn t)or^cr nic^t 2cWn unb (Seele?
©0 gteng bei bir bte ^omcrifdje ©rjälung nidjt in ^anblung über'?
Su fa§e[t fte nid^t felbft? bu uioljnteft nid;t ben Stuftvitten bei?
bu roarft nid;t in SCroja? im @ried;i[c|en Sager? fannteft bie @rie^
c^ifi^en gelben nid^t Wog üon Slngefid^te ? fonbern von ©eele, von
©eete? fa^eft fie [pred^en, 2tffe!tüott [pred^en, I^anbeln, \mkn — —
bag al(e§ fa^eft bu lefenb nid)t? dlux üoin ©teine be!ame[t bu
(Sinbrud? D bu ^ätteft §oiner nid;t lefen [oKen! bei wir lebte,
ba t(^ la§ — Soc^ roarum rootten roir ben $oetif(^en Jüngling
weiter reben laffen? 33ei roem roirb benn bie ©c^ilberung Römers
in allen ©tellungen, ©mpfinbungen, Sieben, ^anblungen iin fort-
255 gcljenben ©trome beä @poö, benn mit ben einzelnen 33ilberc^en, bie
nn§ ein 2tbbrud gemährt, einerlei 3Sir!ung tl)un? au6) nur ju
Dergleichen fepn? Unb bie ganje ^$oetifc§e Energie .^omerg? —
6.
'Otoc^nmlg gefagt: man müfje auö) in ^oeten ben ©ebraud)
fo alter, fo aud^ ber ^"unftbelefen^eit (^unftfänntni^, ^Ijilofopljic
ber ^unft, iann ic§§ mol)l bei ^rn. Kloben faum nennen) fel)r
loben, TOO er ju rcd^tcr 3eit l'ommt: aber ba^ eine ^liabe in ©tcinen
mel)r, alg bie in ;^erfen, beä ^oetifd^en 3tnblidg fäl)ig, me^r als
jene ^ur Silbung eineä ^^oeten, ober aud^ nur jur ^^oetif d^en ^llu-
fion mit jener gleid^ energifd} fey, 'oaö molk mid) nienmnb bereben.
^unft gemährt *Runftanblid; ber ift mit ber fucceffiocn ©nergie bc§
©iditerg gar nid^t einerlei, faum ju oergleid^en, unb §err ^lo|
fed)te inuner in ber ©tille mit bem ©djatten bes Saofoong, nie ju
oermirren. .^c^ mollte, ba^ §r. Mo^ burd^ [eine ©ele^rfamfeit
unb ^unfterläuterungen ung nie bie Jlraft beg SDic^terg, bie fid^
nur fortgel)enb äußert, geftöret l)ätte.
^6) fd;reibe über ^oraj: mer will, ber l)öre mid^ non meiner
(§r!lärunggmctl)obe biefeg S)id§terg jd^ma^en. ^i^crft ift bag augge=
— . 360 - —
\nad)t, ba^ feiner meiner ^orajianer aus ^oraj Satein ober 9tö= 256
inifc^e 3(Itertf)ünicr lernen folle. Sieber fomme xd) jebem juüor:
lieber präüenire id^ i()n unüermerft, mit ber SBelt, in ber iä) iijn
füfiren mill, mit ber Sprache, in ber ber 3)i(^ter [pred^en rairb:
intoermerft fud^e id) il}m bie ganje Situation unterjufc^ieben , itjm
ben ^^fab üon ©ebanfen unb SBilbern oon weitem gu geigen, roo
mir ben S)ic^ter finben werben, ^d) fange an: unb ol^ne 93emer'
fung einzelner Sd^öntjctten, jc^öner Slusbrüdfe, geraäfjlter ^^rafes,
jage id) feine Dbe §inab; id) fliege mit i^m, ober fc^roimme ben
Strom feineg ©efangeö ()inuntcr. Unlieb, roenn mic^ mein ^u^
Ijörer ftörte, unlieb, menn fein 3(uge an Äleinigfeiten fangen bliebe :
benn fo mürbe ber gan,^e 3ii^ccf bes 3)ic^ter^, bie 2trt oon 'Xäw
fd;ung geftört, in bie mid; fein ©efang fefecn folt. ^^c^ bin barinn
gefegt, id) bin ju ßnbc: bas ©an^e ber Dbe, (Sin öaupteinbrud,
in roenigen, aber mädjtigen 3ügen, lebt in meiner Seele: bie
Situation ber .§ora,3ifd^en Dbe fteljt mir uor älugen, unb — mein
S3ud^ ift ju. 9tid;t com ^;]]apiere, au§ bem tiefen ©runbe meiner
Seele Ijole ic^ biefe menigcn, mäd^tigen Ginbrüde l^eroor: mir ift
bie Dbe ein ©anjcg ber ßmpfinbung geroorben. 2)ie§ beroalire id^:
bie roenigen jufaminenfUe^enben 3ügc bes 33ilbes bleiben in meiner
Seele: bie§ ift ©nergie, bie mir bie 'Diufc fucceffio bereitet, fie
roill idj um leine fpätere 2)iüertiffements in Klofeifdjen ßommen* 257
tarien geben.
3)a§ ^^ud) roirb roieber auf gef (plagen, unb nun ijabt id) fteine
9iul)eplä|e, xUusfdjiueifungen, Umrocge aber nic^t. 2)er Sauf be§
3)id^ter5 ift mir 3(ugenmerf, unb roenn i^ mir fagc: fjier roar ber
öefic^tspunft — roie reid}, roie prä(^tig, roie anlodenb! ba§ aEes
naljm ber 2)i^ter ins 3(uge: fo mu^te er anfangen, unb fortfahren,
.^enes unb bieg fam bem 2)idf)ter in feinem Saufe jur §anb, unb
roie ein Strom, in ben fid^ Ströme ftürjen, roäl,^t fein ©efang fid^
präd^tiger fort, i^^er ein ^xl§: anprallcnb naljiu er anbern SBeg,
ober fdjlängclte fidi burd^s geblümte %f)al: überall aber ber 3ftömer,
ber 3iömer feiner 3cit, als — S)id^ter. ^d) fage, roenn id) mir
bieg je|t bcutlid^er entroidle ; fo um beg ©ottcg mitten ! ben!e id^ an
^ 361 > —
!cinc 3lllgcntc{nregcln ! an feinen Songin unb 33attcuj.', an !einc
'^-iicljcr bcv Dbcnfabrü. Siefer Stöiucr, unb biefct Siebter, unb
bic[c Situation, unb biefc Dbc i[t mein 2(tteg |c|t. <Bo roeit ba§
Dbcngenic unb —
dlo^ bcnltä an feine @clcgenf)eit, [el6ft — raie? etraa 3Bort=
fritifen ^u mad)en? ctraa ükr einen ©e^ncr, eines f leinen /^ef)Itrittä
ruegen, feitenlang bie 3td^[eln ju jiefjen? dma bie 33entler)§ unb
258 Sajterg unb ©anabong ju oerläumben? — o irer lüirb nod^ an
[o ctroaä benfen? @g benft felbft nod§ nid)t an — eine @elegen==
f)eit, biefe Dbe nadj^ubilben. „®a§ ift üiel!" roirb man [agcn. ^a
baä ift üiet ! unb üortreflid; , ba^ e§ an fo etroaä nidjt benft. ©inft
fto^e il}m eine Situation auf: 2(poIIo roede if)n mit bei* Seier: er
roirb fingen, i^orajifdj ober - üielleidjt me'^r afg ^orajifc^ fingen;
oljue aber, baj3 bem geneigten Sefer baöei nichts, al§ 'ipurpurhppen
beä 9tömerg, ju @cfid}te fämen, of)ne il)m bie proelia virginum,
unb bie iras faciles unb ba§ moa virtute me involvo ctroa na(^=
gulallen.
9iun gebe ic^ if)m einige fogenannte Horatios secundos in bie
§anb. @r läuft bie erfte Dbe burd^:"" „2td§ ber ganje 33au bcr=
„f eitlen fd)on befannt; aber ein§ üermiffe ic^, ^oraj ben Saumeifter.
„3^reilid^ finb f)ier bie fontes vitrei unb ber in nemore obvius
„Amor, unb bie gaudia amantiuni, unb bie risus hilares, unb bie
„blandi oculi, unb bie colla lactea, unb bie mellea basia, unb
„bie grata silentia alle biefe ^ora^ifdje ^Ölümd^en finb f)ier
„auf einen .Raufen, aber ad)! jufammengelefen unb uerborret." §ier
äußert fid) ber ignis insolitus, unb bie vis iu pectore nova ba==
259 burdj, ba^ ber 2)id)ter fic^ in feiner erften ^oetifc^en 2Sutf) —
„9iun! nid^t etroa ben ^aU abfd;neibet, ober fic|, roie jener Söroen^
„fd^e ^tonmn^enpoet, mit bem ?^ebcrmeffer in bie 3tugen läuft?"
©0 böfe mä)tl ba^ er fid; ein '33i9rtt)enfrän5(^en fted^tet. „-J^i(^t§
„me'^r?" 9tO(^ etroa§! auf bie Siecommenbation be§ Slmorö, (man
beule! aber er tannk bag ^^cärrc^en aud) genau: eg mar ber ©cm-
a) Klotz Carm. Omn. Carin. I.
— . 362 —
mcnamor, alis consjncuus Amor) auf bie @mpfe§Iung bcfjelben fängt
bcr, ber im 3BaIbe rul^ig lag, auf eimnal an, — feine Sateinifi^e
6§loe ju befingen,
i^re fc§öne fd^roarje Slugen,
i^re fü^e ^oniglüffe,
i^re leidste bro^nbe 3)tinen,
i^re — —
!urj, ^unbert S)inge, bie er auf bie @mpfei)Iung SImorg fo uner==
"^ört unb ungefe^en fingen lann, al§ ber 9titter »on ber traurigen
©eftalt feine SDulcinea. ^d^ fage fingen; aber beffer:
2)ie e§ i^m je^t beliebt, in S^erfen Dorjutragen,
(juvat dicere versibus.) Unb bie§ beliebt il)ni, fo oft bie ftitte
9^ad)t anbricht, fo oft bie Suna ii)r fd^öneä §aupt oorftrerft, fo
oft e§ ber @c§o beliebt nac^jufeufsen. — ?[Rein unoerborbner Sefer
-gtoraj roirft fol(^e ^ora^e gurüct", eg fe^It i^nen (Sinä: ber ©eift
§ora§ im %<xxiitn ber Dbe.
2Ber aber fein Dbengenie ift ? ber foE roenigfteng ein ^üng= 260
ling üon ©efd^marfe werben, ©o fang ber 9tömer, ba§ ift feine
^tXi] fo wir nic^t — raer Ijat S^or^üge? 60 fang §ora§: ba§
ift fein SBortbau, feine Sieblingsgegenftänbe, feine beften Heber*
gänge, bie ßompofition feiner ©emälbe, bie Einpflanzung berfelben
in bieg unb jcne§ ©glbenmaa^: bieg roiiljlt er iet3t, bies irgenbmo
anberä. 9lun enb(i(^ — roie auägefuc^t %IU§>\ ©ebanfe, ^Ben-
bung, StuöbrucE, SBort! baä ift feine ^Dlanier, ba§ ift mein lieber
i^orag! — Unb ruenn mein .Jüngling aud§ üon ber ^ritit '^rofeffion
machte: wtnn \&) x'qm auc^ nac^tjer ooKftänbigeö fritifc^eö ©erätl)
lux §anb legte, unb bie üornel)mften Slbraege ber Kritifer jeigte —
niemafö n)ei(^e er bodj aus bem ©leife, aug ber Dbenidufion bes
3)ic^terg — — 2Bie roeit fid; §err ^lo% mit feinen biölierigen
.^orajifdjen SBerfc^en um biefe üerbient gemacht, beurtl)eile ein
anbrer.
363
7.
^c^ f^He^e, unb firtbe nöt^ig, folgenbeä §in§u ^u fe^en-
g^rctUd^ I)abe iä) btegmal, ftatt in Jlritifd^eit äöälbern, oft in Äri*
tijd^en nugis i)ei'uinroanbeln muffen : allein raarum fd^reibt ^r. ^lo|
261 fold^e am liebften? marum ^at er faft nic^tsi, alä fold^c, gef einrieben?
marum fpridjt er bei i^nen in fo üorne^men %om? raarum lä^t
man fic^ von biefem 2::one fo übevftimmen, ba^ man fie alg Dffen=
barungen StpoIIo'ä lobet?
Sag mu^ un§ freiließ §err Mo^ nii^t überreben motten, ba^
feine S3ermcife, unb Sobfprüc^e auf ^omer, ba^ feine 5!}Jt)tf)ologif d^en
Slc^täftrakn, ba^ feine fd^öne .^unftoorf daläge au§ unfrer Sieligion,
ba^ feine ©djaamüifionen, ba^ feine ^orajifd^en ©infälte ©traaS,
aud^ nur einen g^unfen 9leueg enthielten; blog ben mittetmä^igft
betefenen ;^efer lann feine ?Oiine fo ©traag überreben. 3lber ba^
alle bicfe fogenannten 3(ltertl)um§fd;riften ooll geiler unb ^rrtfiümer,
unb burc^gängig mit bem feic^teften Urtf)ei(e abgefaffet finb: baä
mitt x6) nic^t ben Sefer überreben, baä mag er felbft beurtt)eiten.
9Sie id^ aber an bieä Urt^eil fomnte? ^ii^t anber§, alä auf
einem feJ)r erlaubten Söegc. ^ä) Ijabc nid^t bie @f)re, -iperrn ^to|
üon ^erfon ju fennen, ober mit it)m in einiger 3]erbinbung gu
fteljen; aber feine Scf^rifti^en l)abe iö) gelefen, überbackt, feid^t ge=^
funben, unb mhliä) mid^ gemunbert, ba^ jeumnb fie anber§ finben
lönnen. S^ax roarum mid^ gemunbert? midj felbft l)at beim erften
262 Sefen bie Sateinifi^c Sprad^e, unb bie Ieid)te unb bod^ fo oorne^me
5[Rine blenben fönncn; aber beim jmeiten Sefen mar ber S)uft oer*
flogen, unb eben bie 33iine, mit ber er feine ©d^rift über ba§
©tubium beg 3tltert()umg, feine 'S){ün5enfd^mecfereige =
fd^id)te u. f. ro. fd)reiben — bie gute 3)eutfd^c ßf)rlic^f eit , mit ber
fo »icle biefe 3Tmc Ijabm anfeilen fönnen; freitid)! bie, unb nid^tä
mci)x, J)at mic^ ju einem !ritifc^en Spaziergange in feinen ©d^riften
lüftern gemacht, mit bem ic^ fortzufahren gebenfe.
^6) l)ah2 eigentlich nid^t für, audj nid^t gegen §r. ,^lo|
gefd^rieben. ^ft aber jemanb, ber meinen ©rünben ©egengrünbe,
— . 364 —
unb meinen ^n^eifett^ Scroctfe entgegen [c^en raitt : trol)! ! mein 9Zame
ift feine ©ünbe, ilin rooHc, ntan alfo nic^t erratlE)en, ober roei^agen;
menn aber meine ©d^rift ©ünbe fepn foll, fo bin id§ ber ©rfte, fie
auf ben ®rften 2Bin! §u prüfen; ju üerbammen ober gn »ert^ei*
bigen. Stimmt aber i^^wanb gu bem elenben Mitki feine 3uflnd§t,
bie ©ad^e in ^erfoneIlt)ermutt)ungen, in leere 2tttgemeinf ä|e , in
5^ebenfgc^en , ober gar in bie ©egenb beä Säd^erlid^en, ober ber
^öbelfd^impfe gu fpieten: fo erfläre iä) mic|, baj5 ic^ bie§ alö ba§
fid}erfte ^enngeic^en üom ilreffenben meineg Urtl^eils anfeilen, unb
ru^ig fortfafiren roerbe. Unb über^upt ^ah^ xd) gu »iel 2td)tung 263
gegen mid^ felbft, al§ ba^ i^ mit bem SSerfaffer beä Anti-Bur-
mannus, be§ Funus Petri Burmanni secundi, ber Siebe be§ 3Ril*
p§io ad compotores, unb be§ ©c§ulmeiftergebici^t§ auf ben %o'b
S3urmann§, einen geleierten ©treit füf)ren rooKte; oielleid^t roirb bas
^ublüum aud) ©troag von ber 2tdetung gegen micl^ t)aben, mir
einen folc^en ©treit gu erlaffen.
Irtttfdje MDälber.
Dber
einige Betrachtungen
bie
^iffcnftfmft Mh üunft
betreffenb,
na(^ 9)iaa^gabc neuerer (Schriften.
DrittcB H3ölb(l)£n
no(^ über einige Älo^if(^e ©d;riften.
— There are — — wlio will draw a man's character from no other
helps in the world, but merely from his evacuations; — but this often
gives a very incorrect out-line, — unless, indeed, you take a sketcli of
bis repletions too; and by correcting one drawing from the other,
Compound one good figure out of them both —
Tristram Shandy. Vol. I. Chap. 23.
3ftiga, bei §artfnod;, 1769.
(3) ^ortebe.
©in i^uTtfttid^ter fott Tii(^t anbete, ai§> ein fcöfeg ^erg,
Ijahm !önnen — ift bieg, fo loelje bem SSerf. ber Äritifd^en
SBälber. @r f)ot mit ©rimm unb ^itterfeit: er l)at, roei^
©Ott, au§> vodd)m fd^TOargen ©rünben unb p roeli^en döfen
Slbfic^ten gefd^rieben — niger est! — —
3tlfo mu§ ein ilunftric^ter ein böfeS §erg Ijaben! worum?
raeil er ^etiler au[fu(^et, unb roer geljler auffuc^et, ber —
Slber mit einer ©rlaubni^! n)enn er fie nit^t auffu(j^t, nidjt
ouffud^en barf, wenn fie it)m in ooHem SJiaa^e felbft suftrömenV
(4) — Sonn follte er fie bebeden! get)Ier bebeden, haS' t§ut bie
SOtenfd^enliebe ! — ^ebeden alfoV aber ruenn fie fi($ nidjt
bebeden liefen, menn fie, bebedet, unb mit einem fanften
3Sel)i!ulum üerfc^ludet, um fo f(^äblid^er mären, iftg ba nid^t
boppelte 9)ienf c^enliebe , fie gu entloroen? S)oppelte 9}ienf(^en^
liebe; benn fo roirb ber junge unerfat)rne Sefer gemamet, fie
nid}t für 3::ugenben an§ufe§en unb angunelimen: ber feljlertjafte
©djriftftetter felbft, menn er nod^ §u beffern ift, gebeffert, ober
raenigfteng batjin gebracht, noc^malg gu prüfen, auszutilgen ober
§u üerftärfen. 3*^ \d)^ ^^ feinem %ailt 9^u|lofen 9}ienf(^ent)aJ3.
2ßag ber mebenbe 3Binb mad^fenben 33äumen ift, 6tär!ung
ifjre§ Stammes, ha§> ift ber 2öieberfpru(^ für unfere ^[Reinungen
unb Se^rfä^e. ©in freunbfc^aftlid^eS ©efpräc^, ein ^ro unb
kontra im Umgänge, ober im lebenbigen SSortrage, bringt oft
weiter, als l)unbert einfame S)ifcuffionen auf einem unb bem^
felben ^fabe. 3) ort wirb jebe ^bee gemanbt, tjentilirt, geprüft,
(5) unb alfo entmeber beftärltr ober gefd^wäd^t: ber ©eift möc^fet
in bem 3^nfte ber 3l!abemie, wie ber Seib in ben Hebungen
ber ^atöftra.
. : 368 ' — -
„2l6er baju finb :3ournaIe, !^titVinQtnl" 3lud) meine ^rt=
ttfc^en SBalber mögen [o etwa§ feijn, unb luoKen nod^ me^r
ferm. Gin Journal gibt 2(ug§üge unb nur über bieg unb ein
anbereg ©injelne feine 9)leinung: ber ^txg,ikh^xa eines ganzen
Su(f)§ tfjut mef)r, aU — üielleic^t felbft fein ^^erfaffer getfjan.
Qiä) in ben ^lan be§ ©anjen fe|en, f)ier unb im ßinjcln auf
bie ^eljler ober ©(^önf)eiten äeigen, ergangen, baic ttjun oieEeic^t
nur einige ^ou^'^^ö^^' ^<^^ ^fi fo fdjraer, al§ felbft ©cfjreiben,
unb eben bei Dem elenbeften S^uc^e am fdjiuerften. .tlo^eu'-o
SJtüuäbüd^Iein unrb i[)m nid}t bie Ijalbe Slrbeit gefoftet baben,
bie feine 3lna(i)fe mir; uieKeic^t aber mirb biefe auc^ um bie
^alfte nü|lic^er luerben fönncn, alsS jeneS felbft. ©in gerglie^
berteg 53ud) ift bod; bilbenbcr, a[§> ein jufammen gefc^mierteö.
<Bolitt mein o^^O^^^B tjierinn nidjt gelten: fo mag ber ßng=' (6)
lifd)e ©Tüift* jeugen: er giebt fo umftänbttdjen 3c^9t^cberungen
einen Sßerttj, oon bem id) mir gern aui^ nur bie ^älfte 3u==
eignen wollte, ©ben Oaber luirb man aud) ha§> oft illeinfügige
in meinen S)ifputationcn entfd)ulbigen. Sodte hü§> luSgefunbne
oft nic^t wiä)ÜQ fei/rt: fo fuc^e man an ber 9}tet(jobe felbft gu
lernen.
^c^ ^be bagu Schriften gemäfjlt, bie befannt gnug maren,
unb über bie, wenn id; gefettet tjabe, id) menigftenio auf meine
itoften gefeljlet. 35on Sepingö Saofoon erinnere iä) mid^ feine
einzige (Erinnerung, hk ic§ gemacht, fonft gelcfen ju Ijaben, unb
über Älo|en§ ©d^riften war, mas iä) urtljeilte, auc^ nod^ ni(^t
geurtl)eilt. i)a iljr S^erf. fti^ ber meiften 3eitungen unb ;3oür^
nale in 3)eutfc^lanD uerfic^ert l)at, unb biefe bod) leiber! für
bas ^ublifum fc^on gelten: mas mar nic^t ber 3Jtann geworben V
unb mag finb feine '£d)riften! 2ßaö ift nic^t §r. Oiiebel ge^'
loorben? unb was finb feine 2;beorie unb feine 33riefeV
§ier ben 3:;on ber ©leicbljeit unb be§ SSerbienfteS Ijcx^u^ (7)
ftellen: jene Sobfi^reienbe , aäts> überfdjreienbe Stimmen etroaS
*) 5Bertl;eib. be§ ä)iä§vc^en8 uou ber 2;onue.
— 369 —
ju mäßigen, ba§ mar meine Slbfic^t. Se^ingg Soofoort raar,
bünfte mid^, ttoc^ nidjt roürbig gelobt: benn er war no(^ ntd^t
(){§ auf fein 2Befen bur(^brungen. tlo^en^ ©d^riften über=
fi^raänglid) gelobt, unb üerbienten ni(^t, angefetien ju roerben.
9tiebelS S^fieorte übermäßig gelobt, unb ift ha§> mittelmä^igfte,
unorbentlic^fte 2öer!, ba§> i<^ mir ber) einer Siljeorie benfen
fann. §ier ber ilriti! bie ©timme ber f^reil)eit roieber ju geben:
ba» Xlnroürbige öffentlich ju tabeln, bamit bem Sserbienfte fein
Sob noc^ angenel)m fetjn fönnte — ha^i mar meine patriotifdje
aibfic^t!
„3lber fo ernftliaft, fo bitter!" Tiod) immer patriotifd^er
©ruft! ic^ mag bie fü^tönenbe Sammartige Stimme ni($t: mag
(8) nic^t ben fc^meic^elljaft fic^ bürfenben ^on, in bem bie fprei^eur
bie roieber gelobt fet)n motten. SJian table mic^ ! man table mic^
(jeftig! i<^ mag nid^t friec^en! unb raenn e^ 2}iobe be^ ^alir^
l)unbert§ roäre!
„(grnft^aft alfo, aber raarum bitter? roarum mit ©atte?"
ajiit ©atte gegen bie ^erfon im geringften nii^t. 5Da ic^ nid^t
ba§ ©lud 'i)ahz, in §affe ober ©rfurtl) §u leben: marum fottte
iä) ben Seljrern bafelbft il)ren 33eifatt beneiben? au;3 ®iferfud;t
fd^mälern'? au^ ^abfud^t an mic^ sieben motten? „Slber mit
„^itterleit gegen ben ©i^riftftetter, unb ba^u unmilrbig, unl)öf==
„li{^, ungezogen!" S)ie 3]orit)ürfe finb Ijart, unb fie mären
fiebenfad^ Ijart , wenn man fie üon meinem erften 2öätb(^en fagen
lönnte! 2lber in einem 3&^tpun!te, mo ba§ ©djmeii^eln 9)?obe
wirb, mo ber ©efcljmeid^elte mit bem ^ublifum, mit 'S^dt unb
Slacljmelt int ^odjtrabenbften Xont fpric^t, unb auf feinen ein^
gebilbeten 2öert§ fo fidler re(^net, aU ber Kaufmann auf feine
(9) Rapiere — roie? ift'ic ba bem Patrioten fo unüerjeiljlid^, wenn
er auc^ in ber ©egenftimme au^fc^meift ? menn er feinen red^t^
mö§igen ^label mit g^euer fagt? fottte nwnd^er fo vid äurüd*
^abikn muffen, als er unrecht ju empfangen gemußt, wie üiel
ift er nod; fc^ulbtg? — Unb jubem, ift Ijier woljl bie .^älfte
ber Ungezogenheiten, bie bie iHo^ifd^e $5ibliotl;ef' gegen bie beften
§erbevS {ämmtl. äBevIe. III. 24
— 370 —
©d^rtftftetter ©eutfc^Ianbe^ kroiefen? unb ift bet) einem Muh,
wo fanfte Ürittf ben Sauf be§ 3)iut§raitten§ nii^t ftören tann,
ein anbrer ^iöeg niöglid^?
„2l6er warum 9Iamenlog, aug bem Sunfeln l^eroor?''
§abe id^^ nic^t fc^on gejagt: mein 9iame ift feine ©ünbe! Söar
mein ^uc^ tüiber ben (Sitjarafter ber @t)rli(^!eit feinet ©d^rift==
ftellerS: war e^ miber bie 9fieligion unb ben Staat; fo ging e^
bie ßenfur, fo foEte ^§> nic^t gebru(ft raerben! Unb in biefem
^all allein ift ber 3tame be§ ©d^riftftetterg unb feine ^erfon
in fein 2ßer! oerftod^ten ! — 2l6er nun! nid^tg at6 fritifd^e
©treitigfeiten , ^'entilationen biefer unb jener ?5^rage, 3^^9ti^^(lO)
berungen üon ©d)riften, um ben Sßerti) unb Unraerti; berfetben
§u §eigen — woju ha ber 9tame"? 5Der SSerf. barf it)n nid^t,
unb wirb itm auc^ nie entbeden: er wirb nie bag ^uc^ unter
bie ^inber feine)3 9^amen^ aufnetjmen: benn e^ loar ni(^t baju.
(B§> voax Ud§> für eine S^^itoerbinbung gef (^rieben, bie ber Sitte^
ratur f(^äblic^ warb: in einem Stone gefc^rieben, ber für bag
D()r biefer .Si^itoerbinbung eingerichtet mar: über ©adjen, mooon
bamalio jeber fprac^ unb f(^ma|te. ©r !ann alfo root)l einmal
einzelne DJ^aterien au§t)eben, unb für bie feinigen erfennen, bie
etiua baurcn fönnen: ber 2Balb felbft aber ^at feinen 9iamen
(11) 3J U f) rt f f.
I. Heber ^rn. £1o|eng ^uc^ üom 93Mnäengefc^iuac!e.
1. 2)ie ©c^rift ift Weber fd;ön im 35ortrage, xioä) ^Beitrag jur @eft^id;te,
no& im iDÜvbigen Son gefd^rieben. 2öag ber jüße Kammerton unfrer
Reiten fe^?
2. ^!)5ro6e toon ber ^^^in^^^^t ber Slo^ifc^en ©m^fiiibungen. ^Rettung ber
3]'iünsgele!)rten, bie me^r t^un, d§ fc^mecEen. Einfügung ber ®e[c^mac!§=
te'^re auf SJiüu^en mit anbern eben fo nutzbaren 3>^£cfen-
3. @in tangeS 9iegifter toou ©teilen, too Slbbifon mit unferm Ätotj geipan=
bert. SSorjüge be§ Seutfc^en öor bem SSritten an JRebnerifc^em ©c^miicf,
an SSeftimmt^eit unb Orbnung.
4. Sorseic^nung ju einer l;iftorifcben X'&eorie be§ ©efi^madS alter unb
i;euer SJiünsen. 33oriiüge ber @rie(i)ifd)en 9fumi§matif erflärt, auö ibrem
SfiattonalcbaraÜer, au§ i'^rer ©ucceffion auf bie 2legp:pter in ber S3ilber=
f^3ra($e, au§ ibrer ^Religion, i^ren Slttegorien bon ©tobten unb 2än=
(12) bern, abjubilbenben ©acben unb ^Begebenheiten, ^erfonen unb Snfcbriften,
au§ i'^rer SSilberbenfart, unb '!}>oetifd^en Sultur be§ ^ublüum — aöeS
im Sontraft unfrer ^tittn.
5. §iernacb eine ^ragmatif^e 3)lün5engefd}icbte bc8 ®efdnaacf§. Prüfung
ber Slol^ifcben Sbeeu barüber. Ob fid) auf alten äRünjen nur f(böne
©eftatten finben ? Ob SBinfelmann feine ©efc^e ber Slttegorie für 9Mün=
jen gegeben? Ob eine SKünje freies tunfttoert fe^? 3'^re iüa'^re ^Ratur
ift fi^mbolifcb.
6. SBie »eit fi(^ au§ SDiüniien auf ben ©efcbmad einer ^Jation f($lie§en
laffeV 9?acb Siner, nadj allen ©ried^ifc^en, nacb ben 9iömifd)en, nad;
ben (Sotbifdien u»b S3arbarifd;en ber mitlern ä^ite«; nacb ber 9Jumi§=
matit unfrer Qdt ge))rüft. Söunfcb nacb einem 92umi§matif(ben ©oguet.
7. 2öie fern bie bitbenben Sünfte bie 2)en!art beg Äünftlerg öerraf^en?
SBie fern eine 9Jfunje bie§ fann? Ob fie bie Senfart beä gürften fcbil=
bere? groben ber 5llbcrbeit biefe§ ©a^eS. Ob ber ilioralifd^e Sba=
ratter ganjer Stationen auf Südün^en ju fuc^en fei? 33eif|jiele an ben
mittern ä^'t^n, §üllänbern, unb ®eutfc^en. ^obrebe auf bie (ipoä)t be§
©efcbmadö, bie §r. Älo^ in 2)eutf^lanb ma(^t.
24*
-^ 372 = —
8. 2JBenn SDtüiijen toom ©efc^macf bev Station jeugen follen; [o muffen fie
ein 2Bev! be§ '!|3u6tif um , imb ein fveieS Äuuftrcerf fet)n. Ob \id) öon
il^nen bie S3itbung beS (Sefc^madS anfange?
®tatt beS S3ef(^Iuffe§ ber 2lu§jug au§ einem S3riefe.
IT. groben öon ber @rünbli(^feit unb Xlnpartt)eili(^feit (13)
beg !rtttfrf)en IXrtljeilg ber actorum.
UcBer partes Vitas pliilologorum. Db \iä) ein biogta^^ifc^er S^arafter
au§ Oben entoevfen laffe? ^äc^ertic^e Äleinigfeiten in §rn. Äbljeng
eignem Seben.
liebet ben S^arafter $inbav8. 9tettung unb ©rftärung ber augfc^iüeifenbften
^inbarifc^en Obe.
lieber 33reitenbancb6 ©d^itbevungen, ber nnS einen §oraj liefern n^irb.
§aufen§ ®efd)i^te: bergteic^en noc^ nie erfcbienen.
lieber 2)'9trgen§ 3ulian. (£^aratter 3utian6, rcie i'^n §r. Mot3 fennet
lieber Sarnm^ l*e};icon. S^ht^barer ©ebraud} beffelben.
lieber bie iöviefe eine§ SJJentorS. 33efte '^robe toon c^arafterifirenben Stnefboten.
§aufen8 3BeItgefc^id}te. ©eine fc^öne ®abe ju c^aratterifiren. S^araftere
Sarig be§ ©rogen, 2ubrcig§ beä frommen u. f. to. Ueber bie S§arafter=
fteUung über'^au^t.
llvf^eil über bie acta über'^au^jt in i^rer ©c^reibart, unb !ritif(^em ©eift.
1. §r. Älolj foßte fic^ nid^t mit ber S^eologic befaffen. ©eine (Sla^ification
mit Seßer unb SSafebom. Ob imfre Ortl^obofie in Älo^if(^ Latein um=(14)
gegoffen werben foKe?
2. S)ie 9tcic^§gefd;icbte ift nicbt ä la Gvecque ober ä la Fran9oise ju fd;rei=
ben. Unter f(^ieb unfrer ©efc^ic^te üon.anbern in ber ätteften ^dt, unb
in ben mitlern Sa'^r'^unberten. Ob eine Seutfc^e unb 9iei(^§^iftorie
jwei Singe finb? SSemerfungen über bie (Sigen'^eit unfrer ®z\ä)iä)ti.
unb wie fie ^biotiftifcb p fc^reiben fei.
3. ©atvren auf bie äJietap^pfif unb ''^^j^itofo^l^ie. ©ie rächet ficb gegen i^re
4. Son bem ^ud;e über gefcbnittne ©tcine- 3)effen ^ßclefenl^eit, Orbnung
unb ©int^eitung roirb gelobt, 'groben »on bem guten Sone in il)m.
MgemeineS llrt^eil.
— '»JetsingS ^ntiquarifdje ^Briefe, ©djtu^ —
15 C5)nftt'$ ^yäfbc^ett
üBcr einige ßlo^iftiöc ©Triften.
1.
9)Mtt3enfc§mecfere{ — ba§ 2öort fc^eint loeräc^tKc^ : toic aber,
roemt ein STttel ©efc^id^te be§ ©efd^marfg unb ber ^unft
au§> SJiünjen" [einer 2tuäfü|rung nai^ nid^t Beffer, al§ fo, fönnte
jufmmnen gebogen raerben? — ^d^ voxll mic^, fo t)iel ic^ fann,
naä) ©ried^enlanb ^uxM fe|en, unb lefen, al§ ob id^ einen ©riechen
läfe. 2)a§ 2lttifc^e ^u6Ii!um in ©eutfd^tanb fei groifd^en if)m unb
mir ^euge.
^voax @riec^i[d§ fc^ön im SSortrage tfl bieg Sd^riftdjen raol)I
16 eh^n nic^t, ba^ nämlid^ einfältige .gol^eit, nad^brürflic^e ^ürje, unb
feine ©(^önl)eiten beä ©tplä fid; in i^m oereinigen foHten. ®er
£fo^ifc§e ©ti)l mag immer bie ©^ön^eiten I}aben, bie ber ^upfer=
fted)er 2t Ue Clement nennet; aber 9iic§tig!eit ber ^eid^nung, unb
Äraft entgeljt i^m oöttig. ©er g^reunb unb 23eurt^eiler''\^r.
^lo^enä, „bei bem feine järtlid^e Siebe gegen ben SSerf. biegmal
„über feine großen ©infid^ten, unb fd^arfe SeurtJ)ei[ungg!raft bie
„Dberi)anb h^i)alkn/' mag baoon fagen „töag ^r. Mo^ i§m nic^t
»erbot^en; "" ic^ lann nid^t anberg, alg burd^gdngig einen Iang=
raeiligen ^omiletifd^en ^on finben, ber faft nie fo red^t ©ried^ifd^
ober ©eutfd) ^eraug fagt, mag er fagen wollte. Sangroeilig jebeg
a) SSettr. jur ®efc^. be§ ©efc^m. unb bev tunft au8 9)Utnjeu öom
§nt. ©c^eimbenrat;^ SIolj, mtenb. 1767.
b) Mol?, eigne «ibliot^e! @t. I. SBorv.
c) (äbenbaf. @eitc 71.
374 « —
^unftum fier^ gef)oIet, gefettet xinb uirmunben, nad) einem 3et)n
©eiten langen Eingänge, ber eine f)öfUc§e @ntpfe!)Iung fein fel6ft
unb weiter nirfjtä enti)ält, alsbenn erft ein präd^tigeS ebenfallä
jefinfeitigeS (Sjorbiuni t)orau§gef(^itft, aläbenn ein Ijalbblinbeä Slfiema
^anjelmä^ig in jtüeen %i)dk jerftüdft, fo mit beftänbigen 2tu£i=^
fc^ineifungen, in lauter ©efd^niacESootten 2lnmerfungen, mit öftern
I)öfUd§en g^reunbfdjaftsbejeigungcn gtoeifiunbert ©eiten §in beüamirt,
al§ wenn jebc 'J]3eriobc au§ bem £ateini[(^en überfe^t märe, alä
menn ^u jebem ©tauberen jroeen 9Binbmü^Ien wnb ^ur ©(^rift* 17
ftellerfjöfltd^feit beftänbig fortfi^arrenbe J?ompIimente nöt§ig mären —
§u einem folc^cn 33ortrage mürbe ein ©riec^ifd^er Songin frei ^erauä
fagen: rplonodrjg yag 6 avi]Q /ml rpvowv, /.aza tov ^ocpovlea
„ov o^ir/iQOig i-iev avXiO/MiGi . . (poqßeiag S'ccteq^' . . söev
de fftjGL ^rjQotSQov vÖQtojtr/M. 2Ber ba miß, t)erbeutfd)e ba§
Hrt^eil.
2Ba§ ein ©rieche mit bem 2öortc ©efc^ic^te üerbänbe, ift ^ier
nic^t Dcrbunben: id) mag baä ^itelraort Seitrag gur ©efc^ic^te fo
biminutiüifrf; net)men, ate id) fann. |»ier mirb meber Zeitfolge
forgfältig bemerlt: nod) bie über^ingeraorfnen 3lnmerfungen menig-
ften§ burd§ einzelne 33cifpiete ber fortgef;enben ß^^tfolgc fc^arf
bemiefen: noc^ roeniger von einer 9f?ation nad^ ber anbern, infon=
ber^eit in ben neuern Reiten, Seifpiele ber fucceffioen unb coejfi=
ftenten @ef(^matf§oeränberungen gefud^t; nod^ roeniger bie Urfai^en
be§ tieränberten ©efc^marfä au§ bem 6f)aoS ber ®efd|ic§te Ijerauf^
ge£)oIt — ift ba§ SSeitrag jur ©efc^id^tc? ^u einigen allgemeinen
unb gu feiir befannten Scmer!ungen, bie über SSöIler unb Reiten
burrf)i)ingeroorfen, unb faft immer ^albfd^ielenb roieber§oIt roerben,
ju biefen einige leiblid^e ©fempel beizutragen, bie auä befannten
SSüd^ern, unb im ganzen fü^en g^Iu^roaffer be§ 33uc§g tod) nur
rari nantes in gurgite vasto finb auä biefen üon ber @!^rc
unb ©(^anbe aller neuern SDiün^en fo allgemein unb entfd^eibenb ig
gu reben, alg Ratten fid§ aEe gur 5[Rufterung bargeftettt, unb hod)
1) 21: ,/^3unft uml^et'' G/^Junftmn um^er gebotet"? togt. II, 341 3. 19)
'3.
— . 375 • —
nidits al§ bic allgemeinen ©efc^nmcfä* unb 33 arbareipcr toben, jebe*
mit ©incm 33eifpiele »ietteic^t augjurüften, unb biefe auSgerüftete
g^igur bann mit falbem Seibe un§ tjinjuftetten — ift bag bie
ßicevonianifc^e 2ln!ünbtgung „ber ©ad^e, bie ic§ mir üoi*ge[e^t
,,\)aht? '^IdriQ 3t&fic^t ift, au§ ben SRünjen gktrf)fam eine
„@efc§id)te beä ©ef^macfä unb ber fünfte jufammen gu
„fe|en, unb i^rc 33Iüt^e, ober il)rett 33erfalt au§ benfelben ju
„beurtJieilen. ^ä) merbe bal^er bie alten ^D^ünjen, meldte bejon-
„ber§ unfre 2lufmerf[amfeit auf fic^ gießen, mit ben neuern
„Dergleichen: ^c^ merbe bie merfmürbigften ^erioben in ber ©e-
„fc^id^te ber 5lunft burd}gel)en, bie ^[Rünjen, meldte ju jeber
„ber fei ben geljören, betrad^ten, unb nad^ ber großem %n}fal)l
„guter ober fd^Cec^ter ©tüd'c mein Urt^eil fällen.'"* Dea
Moneta, voo ift bieS atteg in meinem lieben Süd^Iein?
9iod) minber ift ber '^on getroffen, in bem bie ©ried^en ztma§,
mag jur ©efd^id^te gef)örte, lefen roollten: ber 2:;on beg 6efd;cibnen
Slnftanbeg, ber roeifen 9Jiä^ig!eit. ^ein ^erobot, ob er gleid^ mit
feiner ^iftorie alg ein Sßunber feiner ^eit auftrat, lein %ljucv)'
bibeg, lein .^enopt)on, ober feber anbre ©efd^id^tg artige ©dirift*
19 fteller lünbigte fein 2;^ema fo loftbar, fo felbftmic^tig an, alg wenn
mcm blog ber 6tirne nac^ t)on aller 3Belt fd^on mit jurüdffaliren*
ber Seraunberung empfangen merbe,* „2lugen ooll (Sntjiicfungg*
„üoHer 3(ufmerlfamleit ^ab^, bie 9liemanb l)at, bie nur ein dlito'
„mad^ug, ^ietro bi (Sortona, 2tngelo, ätbbifon, ober raie bie
„Sitanei ber ©efc^madEänamen nad^ ber neueften Sliobe roeiter Ijei^e,
„ol)ngefäl)r l)abe: alg menn man an 5Diünjen l)ören, fel)en, fdjmedfen,
„unb fül)len lönne, mag fonft niemanb fal), alg wtnn man üon
„allen SSorgängern in ber 5[Rünjmiffenfd§aft, (einen 2lbbifon aug-
„genommen) oerfd^ieben, alg eine ©eltenl)eit feiner %aa,t, alg ein
„9tüftjeug beg guten ©efd^madfg auftrete, eine ©podie ma(^en, unb
„ber 3Belt SLag geben folle u. f. m." fo mürbe ein ©riedjc nid§t
*) [@. 23.]
a) eigne Sorte ÄlotjensJ. ^. 3. 4. 5. 6. —
— ' 376 —
fpredjen. 5R{c^t ki 2lnfünbigung feiner ®(|rift, nic^t mitten in
ber 'Makxk gut 3eit unb Unzeit, nid)t bei bem ©(^lu^fcegen, nir=
genbg mürbe er fid^ al§ eine 50kuer für ben ©efd^mad eineg gan=
jen Sanbeg gegen bie Sluslänber »orgielien, dUen Reiten vor i§m
bie ©pi^e bieten , auf einen 3ug üon 9larf)fo(gern hinter fi(^ rerfinen,
überaß im 2:;one beä 3fteönercgo fprec^en — ein ©ried^e fpräd^e fo
nirgenbS.
2lm raenigften raupte ein ©ried^e von bem fcligen ^riüattone,
in bem unfre 3eit, bie fo fe^r ba§ 9tatürlid^e liebt, in manchen 20
fd^önen unb überfd^önen Sd^riften liebfofet. Qene rebeten x>ox
bem ^ublifum, als cor einem Greife roürbiger Kenner unb Stii^ter;
nid^t aber fo freunbfi^aftlicfj fü^e, amicus ad ainicum, ober mie
ßicero ad familiäres, ^n i{)ren beften Reiten fannten fie bie Lala-
gen be§ ©tpB nid^t, dulce ridentem, dulce loquentem; fie fpra^^
c^en mit bem ^ublifum boc§ ©tmag anbers, alä ber ©^egattc in
feiner ©d^laf lammer, ober ber fü^e ©c^riftftelter im Kabinette fei-
nes lieben, feineg Ijerglid^ lieben ^^reunbeS.
(Sin ©rieche badete fclbft — — bod^ raogu ber fortgefe|te
3flame eines ©riedjen? §r. ^Io| ift !ein ©ried^e; er lä^t anbre
für fid^ beuten unb fd^reibt; eben baburd^ aber wirb, roaS anbre
gebadet i)aben, unb er anjufü^ren beliebt, fein, ^m 2tltertf)ume
ift feine Jlunftniufe üon Sinfetmann, Se^ing, S)u==boS, SapIuS;
unb in DZeuern t)on Stbbifon, ^ageborn, 3Batelet, 3)u==boS unb
einigen anbern g^rangofen fo gang befeffen, ba^, mie gefagt, immer
§crr ltIo| fpridfit, unb faft immer ein anbrer burd§ it)n. @r meifet
anbre burd^ anbre, Sßinfelmann burd^ 2Bader, Se^ing burd^
3Badfer, ßat)IuS burd§ SBinlclnmnn, unb Se^ing burd^ (SatiluS
gured^t; fo ^nx^<i)t, atä mtnn alle biefe, als Unterbibliot^efare feiner
SSibliot^e! unter ber 3(uffidf)t be§ ^errn ©et)eimben 9tatt)S, fid)
med^fclsroeifc rerbeffert unb bas entfdjeibenbe Urt^eil barübcr burd; 21
eine bünbige (Sitation :3^}ii^ überlaffen t)ätten. Ueberfiaupt gel)ört
I)inter jebe leiblid^e 2lnmer!ung ein frember 9kme, unb mo er nid^t
fteJ)t, mottte id^ i^n 3ufd;reiben. S^ biefem SJiünjbüd^Iein menig^
ftenS bi)rfte id^ nid;t eben lana,z nadjfudjen: benn mag 5ßIato gum
— • 377 • —
2lntimad^u§ jagte: würbe ic§ ^ier gu 2lbbifon fagett !önnen: hie
mihi instar ommum! unb 2(bbifon, mdd) ein guter ^^röfter!
®a nun §r. ^l. alä (Eritifug ükr bcn @e[d)inac! gefammtcr
33i3I!er unb ^e^ten urt^eilen; alä ©am ml er 33elefenf)eit geigen:
alä ein ©d^riftfteUer von fittlirf; feinem ©efdjmacfe fd)ön fd^rei*
hm: alä ein @f) renmann ^ofntä^ig fprcd^en: al§ ein @efü!^I=
üoHer g^reunb, S)anfbar!eit unb @rgcben!^cit bezeugen: unb bei atten
als SJiagifter bcr freien fünfte gumeilen nod) eine Heine luftige
©c^nurrc anbringen röiff; fo h^nk man fid^ in biefem ©emifc^e
ben roürbigen %on eineg Sel}rerg über bie ©efc^id^te ber ^unft, ben
mir an 3Binfelmann fo tief beiounbern. Man oergleidie biefen
artigen Seitrag mit bes anbern feiner ©efc^it^te, unb fief)c ba!
Sßinlelmann in Hein Dctaü ! — ^^erjogne Slnpreifungen be§ guten
©efc^mads tüedjfeln mit fittlidjfetnen 2trttg!eitcn, mit fpaag!)aften
SInefboten, mit l^erglid^fd^önen Komplimenten an feine g^reunbe unb
©önner ab: balb fprid;t „ein ^unftric^ter üon richtigem ©efc^made,
22 „S)u Sog, balb ber unfterblid^e 9Jiengä, balb ein 5)tann, roel*
„d^er bie tiefen @infid;ten, unb alle ©igenfc^aften eine§ großen
„©enteg burd^ fein 5)^enf(^enfrcunblidjeg unb tugenb£)afteg §erj oer-
„ebelt, unb t)on rDelc^em nmn fagen !ann, ba^ feine «Schriften bie
„ ©c^ilberung bcg liebengunirbigften 9}tanneg finb/' balb §r. üon Sol=
taire in feinem temple du goüt: balb tl)ut ber Serf. „für 3)eutf(^'
„lanb bag (Bzhct, bag §r. äöatelet an bie Ijimmlifc^e SSenug
„abfd^id't:" balb befielt er ben ?yürften im ^t^amen bcr 9fiac^!om=
menfd^aft, m^nn fie SDMnjen fd)lagen laffen, Songin ju lefen. 2)er
Slbt Sommer unb „jene geiftreic^e ©nglänberinn 9)lontague:" ©pan=
Ijeim unb ein ^ranjöfif(^er Sanbjunfer: 9)oung in feinen 3ladi)U
gebanfen unb Sucian, unb „ein mi^iger 5)knn, ber 3Ibt Grüblet"
— auf ^roei Slätterd^en^ fommt biefe feltne ©cfellfc^aft jufantmen,
unb brüdt fid^ fo auf einanber, baf? ber SSerf. mit einmal „ermü-
„bet oon ©djoliaften unb gefättigt mit ber ©eleljrfamfeit ftoljer
„ii^unftridjter, in Se^ingg, Söei^eng, 3)ufdjeng, Ujeng unb §age =
a) e. 98. 99. [100. 10 L 1U2]
— . 378 ' —
„bornä ©i^riflen ßrquicfung fud^t, von fuvd^tbaren Folianten in
„bic lieblid^en Umarmungen beä freunbfc^aftltc^en @lcim§ fliegt,
„ober beraunbert in ben ©rfirtften be§ Patrioten 9Jlofer§ erhabne
„3^06 ber bcutf djen S^eblic^feit."* D töenn einft ©riedien roieber 23
aufleben — unpartfieitfc^e 9Zad;n)eU, bie entfernt von unferm
g^amilienton unb fü^en ^citgefd^mad unfre viros suavissimos irägen
luirb — ober bu unfer S)eutfc^e§ ^ublifum, ba§ oon jef)er ent-
mannete 2Beidjltdj!eit, unb neriüelfte 9tofen oerad^tct ^t, beffen
©efinnung immer ernfte 33ernunft, ^raft, unb baä -Ralirfjafte beä
©efd^madä getoefen, roirft bu bic^ mit einem fd§öncn S3Iumen==
gefpinfte, baä man roie jenen alleä Übertreffenben* S£n;pI)onif d)en
©d^Ieier, bir überrairft, bic^ immer täufc^en lafjcn? — '^ä) fd^reibe
für 3)cutf erlaub, unb ic^ roei^, bie füllen Kenner (unb fic finb
ba§ roal)re 3)eutfdjc ^ublifum) auf meiner Seite: ber gro^e l)elle
§aufe lobt unb roirb gelobt , allein the charm's ^ wound up !
SBarum aber f o (ange hzi bem ©erüfte eineg Sud)ä ? ®enf art
eineg ©c^riftfteffers , 3)en!art, bie fic| in ülkn Schriften beffelben
äuffert, 3)enfart, bie fic^, raic eine Suftf eud^e be§ guten ©efc^madä,
fo gern meitcr ausbreitet, ift me^r al§ ©erüft. Unb n3enn eg auc^
nur bies märe: ins ©ebäube felbft mage idj mid^ faum; es bro^et
über mic| einjuftürgen. ^c^ fürd^te: ic^ füri^te, bie ungel^eure 24
2(nE)eif d^ung : „aus 5)Htnjen eine ©efd^ic^te beä @ef(^madö unb ber
„l^ünfte jufammenjufelen, unb i§re Stütl^e, ober i()ren S^erfatt auä
„benfelben ju beurtljeiten" fei;, fo mie fie §r. AI. nimmt, eine
farbid^te Suftbtafe, fie ift ba§ prächtige %i)^ma bes 23ud^§.
@efd)mad auä SZünjen: mie roeit laffen fid^ 3!Jlün3en
fc^mecfen? roas laffen fie für @ef(^mad auf ber ^wnge?
*) [@. 103].
a) 3)ie Stttegovie ber ©riecfien unb Stömcr (ba§ muß id) bod; facjcn,
§r. kio\} magSiBOÜen, ober uic^t, baß biel'e ©teile »ortreffUc^ ift!) ift n>ie
ber leichte ©cf)teter beS Sr^^'^on. f. Molj. S3tbl. [I]. @. 64.
1) 51: charms
— 379 . —
©cfc^ic^tc bcg @cfrf;madg auä 3)iünjcn: lä^t fie firf;
geben? rate raett i[t fie fieser? ©efd^idjte beä ©cfc^macfä unb
ber fünfte auä Mün^zn nad) Reiten unb ä^^ölfern? ^ann
bte ©öttin SRoneta eine fid;re B^ugin über fo (Straaä feijn?
9Jfan fiel}t, ic^ mu^ anfangen, wo ber Slutor nid;t anfing,
üon ©runbaug; i6) roerbe jeitig gnug an§ ©ebäube unb enb-
lid^ aud^ ans ©erüfte jurüdfommcn.
2.
@ef(^ma(f aug "DJiünjen. „3SicIIeic|t äuffern einige ^nti*
„quarien unferö SSatcrlanbes über meine Stbfii^t, ba§ 2öac§§tl)unt
„unb ben S^erfatt beä @efd§macfö unb ber fünfte bei einem
„3Sol!e au§ beffen SRünjen gu geigen, zhzn bie SSern)unbe=
„rung, mit roelc^er man cor ^^^^ten bie entjüdunggöoUe
25 „2lufmerffamfeit begleitete, bie bie 2(ugen beä ^Ricoftratuä
„auf beä S^'^l^^ Helena get)eftet f)atte. ^d^ roünf($te, ba^ id)
„mid^ burd^ haä ^Öeraupferin größerer 23crbienfte unb
„@infi(^ten in bie Jl'unft bered^tigt fül)lte, mit bem eblen
„©toi je beä 5[RaIerä iljuen antroorten ju fönnen: „^I)r würbet
„zud) nid^t rounbern, roenn i§r meine 2tugen f)ättet." @ä ift
„geroi^, ba^ üiele '^^erfonen einerlei ©egenftanb betrachten, unb
„gleid)rao!)I »iele nid)t baffelbe an i§m bemerlen !önncn, roaä fid)
„bem SCuge cineä ©innigen in einem reijenben ©lanjc
„barfteUt. 9)iand§en rairb ber Slnblid einer ©otljifd^en ßat^e-
„bra(tird)e eben fo fe§r rüi)ren, alä beä ^ant^eonä ju 3tom, unb
„bie ©ntjüdung, raeldje ^ietro bi ßortona hzi bem 2lnblide
„beä ''^ferbeä beä SRarcuä 2(urelä in bem §ofe beä ßapitolä bie
„3Borte oft ablodte: „6o gel)e bo(^ fort, mci^t bu nid^t, ba|
„bu lebenbig bift?" !ann üon ben raenigften aud^ nur begriff
„fen roerben. Söie üiele Mnftler iwaren nid^t üon jenem
„3fiumpfe einer alten S3ilbfäule weggegangen, ol^ne bie glüdlid^e
„®ntbedung gemai^t ju f)aben, bie SKid^el Slngelo fanb! @r
— 380 ' —
„bemer!te 6Io§ an i'^m einen geroiffen ©runbfa^, wetdfiet nad^
„§ogartf)§ Urtljeile, feinen 3Ber!en einen erhabnen @efd)matf
,, gegeben, ber ben guten 'BtMzn be§ 2lltert!()um§ gleic^ lommt.
„3i<^ glaube, ba^ Slbbijon au^ einer ©mpfinbung, bie er 26
„fel^r oft in feinem Seben erfa()ren f)aben mu^, bie 3Sor=
„güge eineg glüdlii^en ©eifteg gefd)ilbert f)abe. „®in SJtenfd^,
„fagt er, von einer gefd^ärftcn (Sinbilbunggfraft, wirb in mancherlei
„gro^e Vergnügungen gcfüt)rt, bie ber gemeine Wtann ju befom^
„men ni^t fätjig ift." u. f. xü." ©o aufmerffam man bei @rjät)=
lung folc^er üorne^nten ©mpfinbungen unb (Erfaf)rungen fe^n mag,
raer !ann bcm ©cfd^madooKcn 2tutor bi§ auf g^elber unb 2ßiefen
folgen? ©laubig l)öre ic^ ben ^^arent^prfuä unnennbarer ®efül)[§=
arten: „ entjücfunggooEe 2(ufmer!fam!eit, bie bie Stugcn anheftet,
„ bie mit SSertounberung begleitet roirb : ba§ Serou^tf ei)n , baö fic^
„raogu berechtigt füi)It: SDie Semer!ungen an bem, roag fid^ bem
„2luge eincä einzigen in einen: reigenben ©lan^e barftettt: bie (^nt^
„jürfung, bie 2öorte ablocEt, unb bie oon ben roenigften au(^ nur
„begriffen merben fann: bie 33enter!ung eineä ©runbfa^eS, ber
„ben 2Bcr!en erl)abnen ©efc^mad" gibt: bie ®mpfinbung, bie ber
„unb jener fei)r oft in feinem 2Q.'bcn erfahren Ijaben mu^ u. f. m/'
Sicfem äft§etifc§=pfi)(^oIogifd^=mi)ftifd§ er^bnen ^otgon t)on ^unft==
gefüljlen, ber je^t in bie ©teile abgelebter 'Si;^eofopl)ifcl}er ®mpfin=
bungen unb ©eelenerfa^rungen tritt, §öre id) anbärfjtig ^u, unb
antworte §r. ^lo^en auf fein „ ©i ja ! roenn i^r meine 2lugen 27
„hättet!" burd^ ben §er^licl)en Seufger: „2ld^! £)ätte ic^ $Deine
„Stugen!"
@r fäl)rt epanortl}otifc^ fort:^ ,/2Bie üerf (Rieben finb nid§t bie
„2(bfid§ten, meldte bie ©eleljrten bei bem ©tubio ber alten SJJünj-^
„miffenfd^aft Ijaben! Unter einer großen Stnja^l berer, roelrfie fid^
„bamit befd^äftigcn, Ijabe id^ nur fcl)r wenige angetroffen,
„bie einen anbern '^lu^tn baoon ju gießen geraünfd^t Ratten, al§
„roeld}en ber gemeine ^aufe ber Stntiquarien bei feinen mül)=
a) @. 3. 4. 5. 6. &c. b) @. 6. 7. 8. 9. 10.
— = 381 ' —
„faulen älrbeiten fennet. 3uf neben mit \\ä) felbft unb üergnügt
„über bie Saften, mdäjc fte t^rem gebulbtgen ©ebäd^tniffe auflegen,
„lad^en biefe beftaubten 3Jiänner über unfre gutgemeinte 3^i*age, ob
„fie auc§ in ben '^i^empct beg ©efd^maifä gelten motten? unb ant*
„roorten mutf)ig: S^ein! bem ^imntel fei ®anf ! baä ift nid)t unfre
„<Ba<i)c. ©efd^mad' ift nid^tä: mir beft^en bie ©efd^idlic^feit, frembe
„©ebanfen burd^ lange 2tu§kgungen ju erroeitern; aber fclbft ben=
„len mir nii^t. ®ie nü^lid^ften unter i§nen finb bie, meldte bie
„alten äRünjen um be^roitten lieben, meil fte i^nen Gelegenheit
„geben, cfjronotogif(f;e Unterfu^ungen anjuftetten. ,3t)re 2trbeit
„muffen mir mit S)anf erfennen, unb fic felbft ücrbicnen ein
28 „aufrichtiges SRitleiben, meil i^nen ba§ 3]ermögen ücrfagt ift,
„bei) i^rer @elel)rfamfeit jugleid^ baä 33ergnügen gu genießen, roel*
„d^eg anbern ein guter ©efd^mad geroä^ret. ©pon, unter*
„rid^tet in ben @el)eimntffen ber ^^^pfiognomie, lag bie 2)en!ungg=^
„art unb bie ©igenfc^aften ber 3)tenf(^en auf bem ©efid^te, ba§ il)m
„bie 9Mnje oorftellte, unb 2tbbifon, Isolierer ©ebanfen fä^ig, Der=
„gli(^ bie Silber auf ^Otüngen mit ben ©ebanfen ber S)id;ter, unb
„re(^tfertigte Ijieburc^ feine ^oc^ad^tung für bag Stlter-
„t^um. '^d) roünfd^e meinem SSaterlanbe mehrere Dlad^folger
„beg le^tern, unb id^ merbe mid^ freuen, roenn unfre ©e=
„lehrten fünftig an ben @ott ber fünfte unb beg ©efd^madfg
„zhm bie Sitte tl)un, bie 'ä\a^ beim §omer an ben Jupiter tl)at:
„D! Sater wertreibe bie 9la^t, la^ cg l)ette merben, unb gib, ba^
„unfre älugen fel)en!"
3ttte §od§ad^tung für ©pong ©ib^ttenraeiffagungen , für
Slbbifong Sergleid^ungen, für unfrer 2)eutfc§en Sliage ©ebet an
ben :3upiter, ober für bag ©ebet beg Sleg^ptifd^en ßpnocep^a-
lug, ba^ ber ^ette 9JZonb raieberle^re; inbeffen bün!t midj bod§ bag
„aufrid^tige 3)Jitleiben,'' mit allen @elel)rten, bie nid^t, roic ^r.
^lo^, an einer @ef(^id^te beg ©efd^mad'g ber Sölfcr, Reiten unb
fünfte, aug ^Jlünjen, arbeiten, feljr entbcl)rlid;. ®g märe um=
29 fonft, bie 9lu|barfeit beg Sltünjenftubium jur @efd;ic^te, ßljrono-
logie, ©eograpl)ie, 9^aturraiffenfd^aft , 3)^tjtl)ologic , 5Hed§tgle^re unb
— . 382 . —
ber ganzen ^änntni^ be§ 2lttert^um§, erraetfen gu tüotten, ba folc^e
in biefer 3Bifjen[d^aft gro^e Flamen vox biefer SJtateric ftef)en, ober
ba mele, roetd^eg nod^ beffer tft, burd§ xi)x ^eifpiel bte ©ad^e felbft
ermefcn ^ah^n. 3fiur fo oiel alfo gegen §r. ^L, ba^ bte Sear=
beitung ber 3Rün§n){fjenf(^aft au^ einem anbern ® efid^tgpunfte ; er
fei nun ©efd^ii^te, ober 3fte(^t§gelaf)r§eit , ober 5)lt)tf)oIogie, ober
eine %i)QOxk ber SRebaitten überf)aupt, nod^ gar ni(i)t bent @e:=
fc^inad an ^Rungen roieber^prec^e, i^n nic^t oerbränge; i^n »iet-
nie§r t)orauäfe|e, unb mit i^m aU 3^üf)rer einerlei Steife tljue.
§ier ben ©efc^mac! aU ein entlegne^ eignes Sanb anfeilen, ift eine
3tulfi(^t naä) Utopien I)in; unb ^h^n fo oiel, aU Sebenälang bie
Sogi! ftubiren, o§ne fie unb alle if)re 3<JW^e^*^ünfte jemalä angu^^
raenben, \\ä) SebenSlang ben G)cfd;ma(f ju ü^eln, of)ne fid^ einige
9^a§rung baburd) erfd^med'en gu motten. 3)er mafire Tempel beä
©ef^madä ift nic^t eine Drientalifc^e ^^agobe, ein Sftu^efi^, rao
man al§ am ®nbc feiner Söattfal^rt ]\d) nieberlä^t; er ift oietmefir
mie ber 2::cmpel beg 3)iarcettuä gebauet ; bie Pforte beä @cf(^mac!§,
aud^ in 9Jtünjen, ein SDurc^gang jur 2öiffenfd)aft: jur Sßiffenfc^aft,
meiere eg motte.
3)er ^öbel ber SRünjoerftänbigen freilid; — aber roer roottte 30
fid^ (eä fei nun ju eignem Sobe, ober ^um 3:;abe[ anberer,) unter
ben $öbel mifc^en? S)ie 9iu|baren, bie roürbigen 5JHnjge(ef)rten
gere(j^net; unb bei benen fottte i()re ©ete^rfamfcit bem ©efd^made
roieberfpred^en muffen? biefer oon jener nid^t oft eine ©efettin, oft
gar eine oerbed'te S^iineroa J)aben fet)n börfen, felbft roenn e§ auf
miffenfd^aftlic^e XIntcrfudjungen ausging? — 9^id^t gmeifeln fott
einmal biefe S^rage; fie fott blo§ bie Erinnerung roeden! 9Bte? atte
bie großen 33earbcitungen in ben g^elbern ber ^i^umigmatif, ol)ne
@efd)mad ber 3)tünjcn beracrtftettigt? unter attcn um biefe SBiffen^
fdjaft fo oerbienten 5{amen, märe ein 3lbbifon, unb i^lo^ ba§
einige ©uumoirat beg @ef(^madg? ^enc Sliünjenf ammler unb
äRünjenerflärer, roeil fie ntd)t offenbar unb attein oom ©cfd^made
fd^rieben; raeil jener einen %l)dl ber ©efd^id^tc, biefer eitten %^di
ber 2lltertl)ümer, ein anbrer einzelne ©tetten ber äUten unb ein
— < 383 = —
öierter bie (Sfironotogie au^ äRünjen aufgefläret; bavum fottten ftc
oom ©efc^macfc nid^tä getöu^t? nic^t bie ©d^ön^eit bei* Silber, unb
ba§ 33ebeutenbe ber 3(ttegorien, unb bie 3Bei§§eit bev ^nf(^riften
gefüllt ^aben, an benen fie eine [o unerfättlid^e Slugenroeibe fan-
ben? 9^id§t im ^Jted^anifd^en ber ^[Rünjen ©efd^inacf kfefjen, bafür
jie eben aud^ in ber 2l66ilbung forgten, unb baä mit ©ntgüdfen
81 priefen, mag fic^ md)t abbilben He^? Söie? ba^ fie bei biefem
©elb[tgefü£)I nic^t fielen blieben, unb zhm mit ber ©rfa^ren^eit
i^re§ Stugeg, unb mit ber ©ele^rfamfeit il)re§ ©efd^marfä ^ö^ere
^mecfe auszurichten fui^ten; nid^t mit bem ^nftrument pralten,
fonbern lieber 3öer!e aufraiefen, bie i^r ^nftrument in ftilter 2Bcr!=
ftäte üerfertigt: [ott bie§ i§nen gegen ben jum 9iad^tl§eile'' gereid^en,
ber nid§tä aU fein ^nftrument üorgciget, ber blo§ üon ©efd^matfe
rebet, o§ne, ma§ er bamit jur anberroeitigen 9^a^rung auäge-
foftet?
^x. M. l)at ungefähr fagen woKen: ba^ e§ 2zuk gebe, bie
bei einer SKünje üor^üglid^ ouf @ele!^rfamfeit fe^en, unb bei benen
biefer ^ang jur S3clefen^eit, ba§, mag er ©efd^macf nennt, oer-
fd^linget; ba^ eg Seute gebe, bie bei einer ^J^ünje ba§ 9J(ec§anifd§e
ber ^unft richtig im Stuge I}abcn, unb (man nenne biefeS nun
^unftmiffenfd^aft ober ^unftgefc^mad^,) von ilinen, alg ©eprägen,
32 urt^eilen, unb roenn fie muntern ©eifteg finb, fid^ über ein ^unft=
bilb freuen tonnen; ba^ eg enblid^ aud§ Seute gebe, bie oorjüglic^
auf bag ©c§öne i§r Stuge rid^ten, unb meber oon ©ele^rfamfeit
nod§ bem ^unftmä^igen ^auptraer! matten. 2Sir motten jene
Sllünjgele^rten : bie mitlern ^unfltenner: bie legten Sieb^ber nen*
nen; fie finb alte brei unterf d)ieben , il§re Unterfd^iebe aber fliegen,
fo mie bie färben eineg Sfiegenbogeng, ober eineg fpietenben ©eiben^^
a) @d^on lange '^aben gvüublii^e Kenner be€ 3lttert^um8 e8 befkgt,
baß man fo gern mit einigem fc^önen iBtenben^er! au§ ben Slüen baöon
pxaXt; o^nt bie 2tntiquität pr Süiffenfcfiaft anjunjenben. ^oä) neulich "^at
(Evnefti in ber SSotrebe ju feiner Slrc^äologie barüber geflagt, baß biefe
toevfäumt — er "^ätte bajn fetjen !önnen, baß fie nac^ ber neueften aJJobe
gav öerfpottet tüerbe.
— = 384 • —
geiüanbeä, in emanber. Ser ^ünftter hnn \ml]X ober roemger
Sieb§a6er, ber ©ele^rte mel^r ober roeniger ^unftfenner, ber Sieb-
§aber me{)r ober mtnber ©elel^rter fepn. 'D^ti^tg fc^abet bem artbern:
eins mu^ bem anbern aufhelfen: unb ber raa^re ^f)ilofop§ ber
^fiumtämatif tft aEeä ®rei. 9^iemanb aI[o 311m ^lad^t^eile, roenn
er feine SJtünjentüifjenfc^aft auf Gfironologie, auf ©efd^ic^te, auf
©enealogic, auf Slltcrtl^ümer geraanbt: §ätte er bem ^ubKfum auc^
nic^tg al§ fold^c n)iffenfd§aftlid§e Unterfu(^ungen geliefert, unb ben
©efd^mad' an SRüngen für fid; bellten — unbefd^abet! ^ö^Ierä
f)iftorif(^c 3Jlünjbeluftigungen mögen ni($t§ alg J)iftorifc§e SSelufti-
gungen, ©attererä 2^§eorie ber 3JtebaiI(en nid^tg aU 3::§eorie ber
3)lebaitten; JßaiUantS 93Kinjenreif)en ber Könige, ©täbte unb
ßolonien nichts al§ 9Zumifmatifd§e ©efc^ic^te fepn: ba§ ©c^öne,
baä überbem gefe^en, unb gefül)lt werben !ann, finbc jebeg Stuge,
jebc ©eele oon fclbft; roenn i()m nur bag Silb bcg ©c^önen Dor> 33
geilten, mmn aud^ nid§t jcbe ©eite ^erab ©efd^mad geprebigt
roirb — benn überhaupt lä^t biefer ftd^ loo^I menig prebigen.
^on jel^er finb barüber S3eeinträd^tigungen gnug entftanben,
ba^ ©in ©ele^rter, ober überhaupt ©in 2Ser!meifter bie 2(rbeit
einer anbern ©attung über bie Steffeln angefel^en: unb e§ märe
3eit, folcije Slicfc roenigftenugen: ^l^ilanber
— . 392 . —
ift ^^ilanber — unb eben ba^er, auä bem Unterfc^iebe ber S^a-
raftcre roivb eine freunbfd^aftUc^e ©ruppe. ^ebcr fteljt in feiner
©eftalt, in feinem Sichte ba, unb Slbbifon, ber gefettfd^aftlif^fte
©c^riftfteffer 33ritannieng , ber ben guten 2:;on raorinn anberä fe|t, 45
aU in artige (Somplimcnte, ift auc^ i)ier ©efeEfrfjafter. @r Ijat bie
9ioEen üert^eilt, jeber ber 3)iaIogiften nimmt üon feiner ©cite
2Int!)eiI: auä ber SSerfettung, bem ßontrafte, ben SBenbungen be§
2)ialDgä roirb baä fc^öne (äa^z, ba§ 2^h^n be§ ©tüd§.
§r. ^lo| aber immer in feiner ^erfon, unb ba er bem of)n-
geadjtet aud^ bie 33orroürfe beg ßpntt)io gegen bie 5Jiünjn)iffenfcE)aft,
nid^t roill umfonft gelefen ^abm, unb fie alfo auf bie @efc§macf=
lofcn ^Rünjenfenner bannet: fo roirb roaä bei Slbbifon burc§ ben
bialogifd^en (Sontraft beftimmt unb gemilbert mürbe, bei i^m, ber
immer in feinem 9^amen fprid^t, unb immer in feinem Flamen
fc§ilt, eine SJliägeburt, bogmatifd)e Satire, unb fat^rifdje ^ogmatif.
?P§iIanber, ß^nt^io, ©ugen fpred^en alle burd^ eine 9töJ)re auf
einmal — —
an odd promiscuous Tone
as if h' had talk'd three Parts in one
which made some think, when he had gabble,
Th' had heard three Labourers of Babel. — —
Tiun la^ c§ nod^ gar fex)n, ba^ ß^ntliio Seitenlang ben
Dberton bel^alte, noc^ gar baju f (freien, mag ^ope bem 3{bbifon
im 5Ramen beg (St)nt§io gefagt , nod^ gar, mag anbre e(}rlid}e Seute
gegen ben fd^Ied^ten SRünjengefd^mad gefagt: — ei! ba ift ber fd^öne
bunte $Rod fertig, ?^arbe über g^arbe, Sappe an Sappe, %nä) über 4G
©eibe unb Seinroanb über %u<i) — ei! ba ift ber fc^önc belefenc
gute %on beg §rn. Mo^.
®tn anbrer Streid^, ben ätbbifon feinem 2)eutfd^en ^Kitmanbrer
fpielt, ift nod^ ärger, ^aft immer lodt er i^n oon feinem 2Bege
ab, unb ba biefer bod^ burd^aug mit i^m nid^t einen 2öeg nehmen
roitt, unb fid^ alfo immer mieber befinnet, um gurüdf gu reifen,
unb immer forgfältig bie ©puren oertritt, auf benen er gu iljm
— . 393 ' —
gekommen, unb immer hoä) gu if)m jurürftommt: ]o f)at er enbUc^
gar feinen 2Beg. @r ge^t ab unb ju: ift, mie jenes S)ing
ba§ ging unb raieberfam:
wie n)irb ber 2öanbrer nad^ ber ©tabt fommen? — —
2(ffe ^räliminarauSfd^roeife abgerechnet, fange i(^ an, üon
„ber ©ac^e, bie ic^ mir üorgefe^t £)abe. 3)Mnc 3(bfid^t ift, au§
„ben ^Jlünjen glcid^fam eine ©efrfjic^te beä ©efc^mad'g unb
„ber J^ünfte ^ufammen ju fe^en, unb i^re 33lüt£)e, ober
„i§ren SSerfaU auä benfclben ^u beurt^eilen. ^6) werbe
„baf)er bie alten ^Mnjen, roeldje befonberä unfre 2lufmer!famfeit
„an fi(| gießen, mit ben neuern Dergleichen; ic§ merbe bie merf=^
„raürbigften ^erioben in ber ©efc^idjte ber ^unft burrf^ge^en,
„bie Sllüngen, roeld^e ju feber berfelben gef)ören, betra(^ten,
„unb nac^ ber großem 2lnjal)l guter ober fc^Iec^ter ©tücfc
47 „mein Urt^eit falten!"^ 2ßic gro| ift baä ^d) roerbe! beä
35erfafferä; aber ber böfe Stbbifon! @r ift im ©tanbe, einen üiel*
t)erfpre(^enbett 3Banbrer fo raeit üon feinem ^(^ roerbe! abzubringen,
fo raeit in ^reu^gänge gu ücrfüljren, ba^ er enblid^ mit bem alten
^abel^anfen 2tefop rao^l fagen tann: raei^ id) bod^ felbft nic§t,
raof)in id) ge!)e!
^aum ift bag 5£^ema in alk^ feinem Sßerbe gefprod^en: fo
wirb nic^tg. ©o gleid§ fommt ber 3(utor auf eine 5)ieilen(ange
^arcnt^efe,'' raag er gu einem ^'•'^taltcr bcä ©efd^madä re(^ne? fo
gleid^ auf eine 2lbbifonfd§e parallele ^raifi^en ben Sllten unb 9ieuern^°
unb ba§ auä ©iner ÜMnje.
6r befinnt fic§ an fein 2;i)ema, unb Üinbigt bie X^eile feirjer
2lb{)anblung ab:^ unb unücrmutl)et "^ ift er roicber bei 3SergIcid^ung
ber 2t. unb 3Z. bei 2tbbifon. @g föngt eine lange parallele an,
ba bod^ ber 3(utor etraaä anberö, alä -^^araffele, fd^reiben lüollte.
a) @. 22. 23. b) ®. 24. u. f. c) ®. 26. 27.
d) ®. 27. e) @. 30.
1) %: aUcii 2) 3t: tcn 3t. niib dl
— 394 . —
^eftt voiU er von ber ^Itlegorie auf SRünjen ükr^upt reben:
er will; aber ba* ftnb t^m roicber bie 33ilber ber 2(lten unb bie
SSeftungSplane ber 9ieuern vox 3(ugen — axtä 3tbbtfon.
,3e|t fonunen t§tn SBinfelmann unb Se^ing in ben 2Beg,'' 48
unb röerfen il)n roie einen Sali uml)er: er fomint ju ftd§ unb
finbet fic§ bei 2lbbifon.'' S)er gute ©c^riftftetter rnoEte oon Sor-
ftettungen beä ©efc^madtä überhaupt reben, unb rebet Don parallelen.
@r erinnert ft(^ raieber an feinen 2öeg: ei aber! ba** ftnb bie
c^rn. 5)]eng§ unb ^ageborn — ganj unoermut^et ! 2tc§ ! unb ^bzn
fo unoermut^et bei bem 6r)ntf)io 3(bbifong, unb ^^ope an älbbifon,
unb nac^bent er über bie flaffifcficn (Sd^riftfteller feiner ^^'it f)in*
roeggefd^raeifet ift, raieber bei bem Softunie Slbbifonä auf alten
SRünjen."
Unb nun i)ahm fid§ bie beiben 2öanbrer fd^on fo lieb geroon*
neu/ ba^ fie firf) feltncr trennen, ^^iif "^^"^fteii , Söortfpiele, SSerfe,
6§ronofti^en finb 3tbbifong unb ^lo^enä 2ßeg, unb ba bei bem
le^tern ein Heiner freunbf(^aftli(^er 3i^^ft vorfiel: fo beugt ber
SDeutfd^e in ©ntfd^ulbigung ah: eine 2tbbifonfc§e 33emerfung fommt
alä (Stempel barauf unb — — ,,Soüiel üom erften ^^Ijeile." @r
foEte freilid^ eine ^l)eorie be§ 5)iün,^engefc§macfg nac^ SSorftellungen,
©innbilbern unb 2luff(^riften — er follte gar eine ©efc^id^te biefeä
®efc^mac!§ nad§ 35ölfern unb 3eiten enthalten — buri^ ein 3wfam* 49
mentreffen ber äBege aber tcarb er ein unorbentlid^eä ©emifc^ frem^
ber Semerfungen, Siegeln unb 33eifpiele, auä meli^en nur ber gärt*
lic^c ^reunb .§rn. ^lo^enö, unb .§rn. ^lo^en§ eigne Sibliot^ef, ben
fd^önften ^^lan unb Drbnung auSfpinnen fann. — 3}lid^ bünft,
§r. ©atterer behalte ju feiner 3:;^eorie ber 5Rebaillen, gu meldjer
er fc^on einen lefenäroertljen Seitrag gegeben, bie '^Jlaterie jiemlid;
ganj übrig.
ix) @. 32. 33. u. f. b) @. 38. 39 - 51. e) @. 52.
d) ©. 65 — 69. e) @. 70 — 79. f) @. 85 — 99.
395
4.
9fiod; )^ab' xd) crft nad) ©runbjä^en jur 3:§corie beä @ef(^mac!g
auf SRüngen nad^gefuc^t: nun aber ein SSeitrag jur ©efd^irfite
be§ ©cfd§mac!§? 2tu(f; mir ift bte ^f^umifniatif üorjügltc^ eine
2(eft^cti! beg ©c§önen, unb eine llrlunbe jur @ef(^id;tc bcr 33öHcr,
unb ba ic§ in biefer ü6erf)aupt am liebften bic ©cfc^id^tc be§ 3Renfd)=
liefen ©eifteg ftubirc: nad^ allem 33etradjt cim ©efc^ic^te beg
©efc^mad'g auf ^Jtü-ngen; roeld^ ein ©efc^enf! ©o naljm ic^
baä ^lo^ifc^c ©c^riftd^cn jur ^anh unb — — legte e§ mit ber
bcfdjämtcn 9Jttne raeg, mit ber ein Sogenfd^ü^e ben lieben ^Bogen
roegljängt, ben er freubig unb .*poffnunggüoIl na§m, mit bem er
aber nid^tg getroffen.
5Ric§tg tf)un, alg ben ©efc^mad ber 2tlten aud^ von Mü^cn
I)erab loben, unb in allgemeinen Stuäbrüden preifen — fonxmt
50 Ijeute etroag px fpät: hierüber liegen fd^on ®en!male unb ©amm^
lungen ber Seit uor Slugen, ba^ man fid§ eine Sobrebe ing %IU
gemeine ^in, o^ne 33cifpielc unb faft o§nc ©runbfä^e, erfparen
!ann. 9Zid^tg Ü)im, a(g ben ©efi^mad bcr mitlern unb neuen
Reiten fein läc^elnb augjifc^en, ober anfel^nlid) augf dielten — immer
aud^ gu fpät , ba fd^on fo oiele klagen oergebeng in bie 2ßinbe t)er*
flogen finb, unb felbft beffere 33emül^ungen nid^tg augriditen tonnen.
2(m beften alfo, roeber preifen, nod^ tabeln; fonbern — erflären.
2)ie 2tlten finb auc^ in biefem ^tüä^ fo weit üor; roas l)at i^nen
ba§in geholfen? mir i^nen fo meit nad§; mag §ält ung ^uxM?
roag l^at ung fo lang §uvüd" gel)alten? — — Sluf bie Sßeife fteigt
man in bie ^liefen ber @efc§ic^te alter unb neuer Reiten, unb fann
bie fdjroere ^rage löfen: mie meit tonnen mir il)nen auä) in biefem
^elbe nad^aljmen? loo fie erreid^en? roo fie übertreffen? unb fo
rairb eine ©efdjii^te beg ©efcfimadg aud§ auf ^JÜinjen für unfre
3eit ^ragmatifd^.
3)a ^r. ^l. fid^ auf biefen fd^lüpfrigen 2Beg nid^t l^at begeben
motten, unb i<i) in allem, ol)ne roeld^eg id^ feinen 33eitrag jur @e=
fd)id^te beg ©efd^madfg mir beuten tonnte, meine ©rmartung betrogen
— 396 > —
fanb, fo entroarf iä), roie fie mir einfielen, einige Sinien, bie raenig^
ftenä feigen mögen, ba^ i^ üßer biefe SRaterie ©efc^ii^tmä^ig unb
3tntiquarifci^ nad^gebac^t l)aüz : ein 9fli^, aber nur ein unooHenbetcr 51
©d^attcnri^, ben id^ bem fünftigen 2?erfaffer einer 2:§eorie unb
©efc^ic^te ber 9JIebaitten übergebe.
®ie 9^umifmatif, al§ ^unft unb aU äEiffenfdjaft ift, fo roie
jebe 2Biffenfc|aft unb ^unft, bie ^robuüion einer -J^ationalgefett-
fd^aft. 2tu§ ber 3Serfaffung, ber ^Regierung, ber ©enlart, ber 3fieli=
gion, ben Unternet)mungen , ben Qvozätn, ben SSeftrebungen eineä
3Sol!§ mu^ \\ä) alfo Urfprung, 33lüt§e, unb 3Serfatt biefer fo raol)!
alä jeber anbern ^unft unb Söiffenfd^aft, erflären. 9tun miK id^
nid^t üom @i ber Seba anfangen, roie e§ mit 5^ationen ftef)e, bie
feine DMngen ^abcn unb braud^en? melc^eg SSoIf fie in ©ang
gebrad^t? mie bie erften ^Jtün^^en, bie niemanb gefeljen, auögefe§en
^aben? u. f. SBarum, frage id§ allein, raarum famen bie SRüngen
in ©ried^enlanb unb 9lom §u bem ©lan^e, ba^ fie SSorbilber, unb
meift unerreichte 3>orbilber ber Steuern fe^n fönnen?
S)ic Siebe ber ©ried^cn jum ©c§önen bleibt röo^l bie erft.e
Striebfeber aud§ ^ier. ©ie, bie oon 3)id^teribecn bie erfte ^ilbung
i^rer ^ugenb erhielten: fie, bcren 2luge überalt baä ©^öne gu
erblichen gen)o!^nt mar, im ©c^oo^e ber rooi^llüftigcn 9^atur geboren,
unb an ben S3rüften fd)öner ^unft genä^ret — fie fottten ha§
'IRetaH, ba§ ein ^ennjcic^en be§ 9BertJ)§ für i§re .§anb mar, o^nc 52
3Bert() für 2fug' unb ©cele laffen? fie eine ©olb- ober ©über*
fläd^c, bie ber 9ffad^fommenfd^aft beftimmt mar, leer in bie ^änbc
berfelben fenben? fie tafeln, bie täglic^ i!^ren 33Iidf auf firfj jogen,
o|ne 3lugenroeibe bei fid^ üorbeiftreid^en laffen? 2)a§ @rie(^ifrf)e
2luge fud^te ©d^önljeit; eine ©ricd^ifd^e ©cele S]ei§§eit in ©(^ön-
f)eit, unb fo marb aud; i§re 9)Hn3e ber ©rf)ön{)eit, unb ber fd^önen
3ßei§§eit, ber Slttegorie, geroibmet. @emi^! fo natürlid), ba^,
roenn in bem ßirfellaufe ber 2SeItüeränberungen ein 9'^orbifd^eä
SSolf auf ben ^la| be§ ßommerjeS unb ber ßultur getroffen märe,
auf bem je|t bie ©ried^en ftef)en , fo geroi^ ifire SJiünjen mit 9?or==
bifd^er 2ßiffenf c^aft , mit 33udjftaben unb Slmuleten unb ^ra|en:=
— . 397 . —
gcftalten ükr^äuft raärert, fo natürlich, \ia^ ber ©rici^e feine Sltün^e
ber ©d§önl)cit unb offnen 2lEegorie racifiete — —
3)er 6()araftcr ber ©ried^tfc^en 9^ation, ber ficß in allen i§ren
9^ationa[probu!tioncn, (ic^ roitt eö §r. ^lo^en überlaffcn, fie ^er=
gured^nen) geigte, ber mu^ fid^, bie 9^uniifmati! fei and) eine fleine,
eine unbeträc^^tlici^e 9ZationaIprobu!tion , nac§ 5)^aa^ auc^ in i^x
geigen, unb roeirfje ^riebfebern lagen alfo für biefe, raie für atte
fünfte beä ©c^önen, in ber ^Ration!
53' 2){e üortreflid^ftc 33ilbcrfprac^e raar i£)r. 6ic, bie im $(ane
be§ ©d;i(ffa(g ber 3>öl!er gunädjft ^inter bie ^(cg^pter trafen, unb
Kultur, ilunft unb 2ßeiö()eit, ja roenn man raitt, au(^ ^olitifc^e
©lücffeligfeit auä ben §änben biefeä 9ieic^§, rcie einer ablebenbcn
STtatrone, empfangen, fie, bie ben über S^ölfcr unb Reiten fortge=
§enben graben ber ßultur be§ 9Jtenfcl^Ii(^cn ©efd^Iec^tä ba auffaffen
follten, roo er gunäd^ft aug 2tegpptifi^en ^änben fam: fie erbten
von biefen 2tI(cgoriften auc§ bie reicfjfte, bie bebeutenbfte 33ilberfpra(^e,
bie auf ber 3Belt geraefen. 2lu§ ben ^iinben einer Station, bie
überall S3ebeutung fud)te, unb 33ebeutung gnug in i!)n gelegt Ijatte,
iEam alfo ein S3ilberf(^a^ in bie §änbe einer ©rbin, bie für i§r
2;^eil nicl)tä al§ ©c^önlieit fe^en unb benfen rooKte. 9teic^, 33 e*
beutungSüoll, fdjön, roaä !ann man üon einer Silberfprac^e
mel^r fagen?
©0 manche gelehrte Söerfe roir über bieg Slllegorifd^e ^Iter^
tl)um i)ahtn : fo fel)lt un§ eine roal^re @ef(^ic§te ber 2lllegorie nod^,
bie bag infonber^eit geige, raie au§ ber S3ebeutung§oollen 33ilberlel)rc
3legt)pten§ bie fd§öne ^lonologie @riec§enlanbeg giim Xljdl geroor^
ben? Unb bie Unterfuc^ung I^ierüber ift fie nid^t oft ber ©d^lüffel
gur 33ilbergallerie ©ried^ifc^er ®id;t!unft, ^unft unb 2ßeigl)eit?
2)ie ^ieroghjpljen ber 2tegt)pter, il)re ^ierograp^ifd^e unb %riolo^
54 gifd^e ^ilberfprai^e, behalten, ober üerfd^önert, ober oerbeffert, tvie
mandjeä ^at fie in @ried)enlanb Ijeroor bringen fönnen? Unb raenn
aud) nur bieg, ba^ ba auf fol(^e ätrt bie ©ried^en einen ^d)ai^
t)on 33ilbern aug ber ©cljeimni^unlel^cit ber SIegppter gegogen,
unb auf ben 5[Rär!ten gleii^fam bem SSolfe gemein mad^ten, bie
— . 398 . —
[(^öne Stiberbenfart einer ^latton eniftel^ert formen, bie fid^ in alfen
3Berfen ber ©riechen itnb auä) auf SItünjen äufjert —
^n folc^er S3ilberfprac§e fprad^ i§re ^Religion. ^i)re ©ott^eiten
roaren bem 3(uge fid^tbar, in fd^önen ©eftalten fic^tbar, in it)ren
SSerric^tungen SJJenf d^ltd^ , in ber OefdEitc^te iljrer ^ngenben xinb
©c^road^fieiten 5Di(^terifc§, in attem finnli(^. @g ift befannt, welche
üortreflid^e 9)lün^en[oIge mit ben Silbern ber ©ötter unb ©öttinnen,
ber ©d^u^gott^eiten einzelner Sänbcr, ^roüinjen, ©täbte, g^amilien
itnb ^erfonen prangen — roer !ann i^mn biefe nun nad^bilben,
fo ba^ jebe @ott£)eit, ba§, raaS fie i§nen roar, bliebe? Heber eine
©reifaltigfeit unter bem Silbe eineg breüöpfid^ten ^anug lad^en,^
ift leidet, fe§r leidet; aber ein be^reg Silb ber ©reifaltigleit an*
geben, ba§ bie $robe ©ried^ifd^er 33ilbfam!eit hielte, märe fcEiroerer,
ja unmöglich: biefeä S3ilb alfo gar jur Siergleic^ung unfrer mit
ben Sllten nelimen, ift un^eitig. S)ie ©ried^en Ratten feine 3)rei=
faltigfeit, roie rair; fonft würben fie biefelbe fo roenig, al§ mir, 55
l)aben bilben fönnen. Unfer ©ott ift ganj über bag Sinnlid^e ber
^unft ergaben: bie gen)öl)nlic§en Sßorftellungen ber 2)reieinigfeit in
ben ©eftalten einzelner ^erfonen von bem göttlid^en ©reife an big
an bie l)immlifc§e S^^aube finb nic^t gnugt^uenb : ber S^riangel blog
eine tropifc^e ©pmbole: bie ©lorie mit ben: Ijeiligen 9^amen nid^tg
alg eine ©piftolifd^e ^ieroglpp^e : bie 2Birffam!eit unfrer ©ottljeit
ift nid^t bilbfam: einzelne Sdju^götter f)at unfre Steligion nid^t:
bie SSorfte^erfc^aft befonbrer 2Befen über befonbre ®inge fennet fie
nid()t — mer mirb fic^ §ier mit ben Reiben oergleid^en rooltcn?
3ßo unfre Sieligion nod§ ftnnlii^en 3Sorftellungen Siaum gibt,
wo fie fid^ einer ^oetifd^cn 33ilberfprad^e bequemt: ba ift fie — ■
Drientalifd^. Unter einem 3solfe gebilbet, bag i^r ©ott auf alte
Strt üon 33ilbniffen abroenben wollte, in ©egenben, bie bag Ueber=^
menfd§li(^e fud^ten, in 9^ationen, bie 33er§üttungen bcg ^örperg,
unb ©e^eimniffe be§ ©eifteg lieber t)erel)ren, alg bag offne (Schöne
lieben raollten — im ©eift unb in ber Sprache biefeg SSolfg bie
a) @. 53. '
399 . —
finrtlid^e 33{Ibcr[pra(^e unfrer ^^eligiott alfo geoffetiBaret ; toer wirb
in ii)X Offenbarungen für bie ^unft fud^en rooUen. Ueber baö
56 33{Ib von ber feiigen 2lbfaf)rt ©ufta» 2lboIp^§ ift roieber leidet
fpotten," unb ber (Spott faft fo oeräd^tlii^, aU baä Silb felbft;
gar aber biefeä 33ilb al§ einen 9teoerä mit ber Stömifd^en 3Sergöt*
terung anfüiiren, oergki^en roollen? 2)er ©pötter gebe unä nad^
(E^riftUd^en 33egriffen eine $Heif)e fotc^er S^er^imwetungen, al§
jid^ auf ©riei^ifd^en unb 3iömif(^en '^im^m ^Vergötterungen
finben, unb roir rootten i§m banfen.
^d) raarb auf eine unangenel)me 355eife f)inter gangen, ba i^ beg
2Reri) 9)kIertf)eoIogie in bie §anb na§m, um meinen alten 2öunfd;
ausgeführt ju tefen: mie meit fid^ üon ben oorne^mften @egen=
ftänben unfrer S^eligion 33k(erif(^e 93orftettungen geben laffen ? Unb
zhm fo unangenetjm getäufc^et, ba ic§ bei ber 9iecenfion biefeg
SSud^g in ben actis literariis" ein genaueg Urt^eil, unb bie tief
einbringenben ©rgängungen erroartete , bie ein mürbiger ^unftric^ter
jebegmal feinem 2(utor über fold^ eine ©ad^e roieberfa^ren (äffet.
Unfer IJünftlcr f)at nod^ eine ^fonotogie unfrer 9teIigion ju roün*
fc^en, bie i^n nid^t blo§ cor unroürbigen 3]orftettungen bewahre,
fonbern il)n mit raürbigen 33ilbern oerfeJ)e. — 2lud; auf ^Dcünjen
lie^e fid§ in feiner ©orte t)on 2Ibbi[bungen eine foldje 9tcii)e aben=
t^euerlid^er, läd§erlid§er, unb unraürbiger 33orftelIungen geben, alg
in bem, mag an 9teligion trift: roer roirb aber burd^ fold^ ein
57 2aä)m ©efd^mad" geigen rooHen? ben erften beften ©riff in eine
SItüngenfammlung ß^riftlid^er, unb infonberljeit ber uxitlern 33ar'
barifd^en 9)Jön(^gjeiten, unb man roirb »on @ott unb Selial, von
.^immel unb §ötte, üon (Sngeln unb 55:^eufeln, üon 9Jiärtrern unb
^eiligen Silber finben, nid^t gefd^rainb gnug gu überfd^lagen. ©etbft
bie befte 3Sorftellung ' beg 6§riftentt)umg , bie betenbe 3)iine , bie
Inienbe ^igur ber Stnbad^t fdjcint nidjt für einen eroigen, offnen
3lnblid ber Äunft bie befte, fo §äufig ung ber @ot§ifc§papiftifd^e
aJiönd^ggefd^mad bamit befd^enfet ^at Sag roaiire (ädoit fliegt in
a) @. 26. b) Vol. III. •
— . 400 ' —
eine ftiffc S^ammer: e§ will \\ä) ntd§t ^ux Bdjau ftcffen (aljcrt: bie
t)or allem anfd^auenben 2soI!e »er^iidte ^Jtiiie lonnnt bei beut langen
Slnblidie, ber ärgevnben 9Jiine be§ §euc^Ier§ gu na^e, unb ba§ ift
nocl^ eine ber roürbigften ^unftüorftcttungen auä unfrei* Sf^eligion !
2. ©inn6i(ber von ©täbten, ^roüinjen, Sänbern
geben auf bcn alten 3}tün3en eine einfachere 33ilberfprad^e , al§ in
3eiten, ba bie ^eralbif eine jufammengcfelte , fünftUdje 3ßiffenf(^aft
geworben, bie attein beinal^e bie SebenSgeit eineg SRanneg fobert.
©ine einfache S^igur mar bort bie ©pmbole einer ©tobt, einer ^o=
lonie, eineä SanbeS ; unfre 2Bapen finb eine 3uffii^»ienfe^ung vieler
Figuren, um beren ©ine oft ©tröme t)on 9Jfenfdjenblut rcrgoffcn, 58
bereu leine alfo, roo e§ bie ©lire unb ha^ (Srbred^t beg SJJünjlierrn
erfobcrt, auggclaffen roerben barf, an beren ®iner in lünftigen
3eiten üiellcic^t ein ganjeä Sanb gelegen fepn fann. 9^un ift§
leicht, in folc^em g-alt über bie mit S3ilbern belabnen SJtünjen ber
Steuern ©efc^madooll gu fpotten:* aber raie ju änbern? ®er
3ftec§t§gele§rte, ber ©taatgfunbige , ber §eralbifu§ lünftiger Qdkn
rairb, ba bie ©ac^e einmal fo ift, un§ für bie ©efdjmadlofe Heber*
labung^ ber 5)iün§figuren t)ielleid§t fo banlen, alg ein ©rieij^e üer*
gangener Reiten fie raegroerfen tüürbe. Sßic alfo, ba eg l)öl)crcr
Xlrfac^en racgen nid^t anberS fepn fann?
3)ic äßapen, roie bcfannt, finb eine ©rfinbung unb 2lnorb=
nung ber mitlern @ot§ifc^=-58arbarifd^cn ^^urnierjeitcn; il}re ©(j^ilbe
unb ^reuje, unb ©parren unb Sanbftreifen, unb 2;l)icrfiguren unb
^a§nen ^ahm il)ren Urfprung bem Beitgefc^macfe gu banfen, ber
ftc^, als eine SSermifc^uug be§ 9^orbif(^got^ifd)en , bcä ©panifd^*
Slrabifd) Siitterlid^en , be§ SSarbarifc^-ßljriftlid^cn 2Röncl^§gefdjmadfg
über ©uropa balierjog, 9iitter= unb 3uefenlämpfc, 2::urnier' unb
^reugjügc gebar, unb er märe, mag er wölk, nur roenig ^Jbcen
üon ber STapferfeit cineg ©ried^ifdjcn ober 3lömifd)en gelben in fic^
l)ält — roeldjcr %l)ox mirb alfo biefe unter jenen iud)m ? ©o ücr* 59
fd^iebne ©efd^öpfe ein alter ©riec^ifdjer unb ein @otl)ifd;er §elb
a) @. 33. u. f.
— . 401 ^-
ber mitlcrn fetten: ein $Römtf($cr Patriot, ber für [ein S^aterlanb,
xinb ein anbäd^ttger ^reu^ifrieger, ber and), aber für ein artberä
9tom, 3ftömtf(^ gefinnet, für,^apft unb ^irc^e föchte — fo t)er=
fdjieben biefe: fo t)erfd§teben auä) bte 33ilber {l}rcr ^apferfeit. ^n
ben <S(f;iIben unb Reimen, in ben $croIb§figuren unb ®§renftü(fcn,
in ben Silien, bie !cine Silien finb, in Srutenfü^en unb 3llpen*
freuten, in fronen unb ?DH|en, ^etmbecfen unb SBapen^elten roirb
ba rool^I eine Dea Roma ober ba§ einfache ©innBilb einer ©rie=
d§if(^en ©tabt roo^nen? — ©inmal finb f(j§on bie 2Bapen l^öd^ft
oerraittigte ober brüberlid^ beliebte ß^rafterjeid^en ber ^erfonen,
g^amilien unb Sänber, ba^er bie 3lnorbnung unb ber ^ian ber
2Bapen; ba§ §er!ommen l^at fie gef (plagen: jebeg g^ä^nlein ^at
feine S^edjte unb Seutung, rooran nad§ unfrer 3Serfaffung inei)r
liegt, als an einem ©erid^t ©efd^mad: fie finb Urfunben unb
Diplome — roer roitt fie änbern? roer, too fie erfd^einen muffen,
al§ überlaben fd^eltcn? roer ben ^aifern, Königen, dürften, @ra-
fen unb Ferren, ©rjbifd^öfen, Sifc^öfen unb Siebten, Säubern unb
©tobten, 2lemtern unb Familien in ©uropa neue ©nabenroapen
nad^ altem ©riec^ifd^en ©efd^macEe geben, ba^ fie bod§ nid^t fo
60 @ott)ifd^=^apiftifd§:=S3arbarifd^ überlaben ausfegen — roer ift ber
SlHnjenle^rer üom @ef(^madf?
3u bem maren in ben alten Qzitm ber ©riedjen weniger
©täbte unb Sänber, bie aU Unterfd^eibungSjeid^en auf ^Dtünjen
fanten, al§ je^t. ^d§ mei^ bie anfel^nlid^e Qa^ ©riec^ifc^er 93tün'
gen von ©tobten unb Kolonien, unb auf Stöntifd^en bie öftern
Silber t)on eroberten Säubern unb ^rooin^en; atteä aber reicf;t
auf leine 3lrt, an bie brei^ig taufenb 2ßapen unfrer l^dt, bie
©atterer al§ bie minbefte Sdi)l ber guüerlä^igen angibt. S)ie
^Jlün^en @rie(^ifd§er ©täbte roaren $atront)mifd^ ; jebc f)atte ben
©eniuä, ober ben ^ö^ern ©d§u|gott, ober bie ©pmbole if)re§ Drtä,
unb bamit roof)!! 2)ic 9tömifc§cn ^Dtünjen ftellen bie eroberten
^Proüinjen nicfjt anber§, atä erobert cor: fie mä§Iten fid^ alfo ein
SPierfmal be§ Sanbeä, rooburdfj fic^ baffclbc für fie, nad^ bem ©e-
fid^tspunfte it)rer Unroiffenl^eit ober ^olitifd^en 2tbfid^ten unterfd^ieb,
§erbev8 fäinmtJ. SäJevte. Iir, 26
— ' 402 . —
perfontficirten eg gm* ©^mbole: bamit roof)!! 2öo reicfit bieg aber
an bie SRenge, an bie 33e[c§affenf)eit, an bie 33eftanb§eit, an bte
^olitifc^en S^ec^te unb 2t6ftc^ten ber Sßapen, ber Unterfd;cibung§-
^eic^en nnfrer Sänber, ©täbte xtnb ^roütngen? 9}tan erlafje mir
über ©arf)en oon fold^em 2(ugenf(^eine atte Icibige ®elef)rjamfeit,
bie ic^ in fold^eni glatte immer lieber bei §rn. J^(o| lefen mag.
®ie mittelmä^igfte ^änntni^ ber alten wnb mum ©efc^id^te, jo 61
fern fie alte nnb neue ^Diünjen erläutert, mad^t ben ^immelroeiten
Hnterfc^ieb begreiflid§, roie bie Stiten i§re Stäbte unb Sänber fpm*
bolifiren unb perfonificircn unb allegorifiren konnten, nac^ bem
bamaligen ^wf^^^i^^s ber Sänber!enntni^, ober ber ^olitifc^en Stb-
fic^t: unb roie mir fie nac^ ber SSerfaffung unfrer SBelt anbeuten
muffen — 'i)kx üergleid^en, !^ei^t in ben SBinb üergleic^en ! ''
3. ^n Stnfe^ung ber abgubilbenben ©ad^en, unb S3egeben=
Reiten über^upt £)at bie 9*Zumifmatifc§e 3Belt ber W.Un oor ber
unfern gro^c SSorjügc —
©elten roaren bie bort oor^uftettenben ©ac^en unb 93egeben=
Reiten fo üermirfett, fo fe^r mit Umftänben begleitet, mit 33eftim=
mungen umlagert, alä in je^igen ^^^t'^äuften. ©in ©ieg gu Sanbe
ober Sßaffer £)atte einmal feine SSictorie mit bem ^ran^e in "ber
|)anb, feine SRineroa, feinen Jupiter mit bem Slbler, unb anbre
©pmbole, bie in i^rer fd^önen (Sinförmigfeit fo gern auf alten
Sliünjen mieberlommen , unb fo oft fie roieberfommcn, noc^ immer
bem Stuge gefallen. ®ie öffentlid^en 2(nreben unb ©efc^enfe, bie
3Sergötterungen , 2lboptionen, 3SermäI)Iungen , ©piele, überhaupt
bie öffentlichen (Gelegenheiten gu SJiün^en roaren unwermorrener, alg
ie|t, ba man oft mit atten S3ilbern ringg um bie ^ufammengefe^te 62
^bee ^erum ge^et, o^ne fie §u treffen, fie enttoeber l)alb unb fc^ie-
lenb auäbrücft, ober bie Slün^e mit Symbolen überlaben mu^.
®ie Stnlaffe ^u ^OZünjen §aben fic^ ing ©ro^e, unb im S)etail ber
angubeutenben Umftänbe fo fe^r ing kleine üermel)ret, ba^ mir
grauet, über alle ^olitifd^e, fird^lid^e, gelehrte, Äunft^^ unb roiffen*
a) ®. 35. 36.
— ■ 403 ' —
fdjaftUd)c (Situationen unb 5Werfn)ürbig!citen unferer 3eit 3)iünjen
nadi) alter 3trt anzugeben, roo man fte fobert, nnb fobern iann.
(Satterer ^at angemerft, ba^ bie ?5^ran3öfifc]^en SJlünjen auf bte
©eburt eincg Kronprinzen fämtKc§ nid^t bie concrete ^bee auäbrüden,
bie fie au^brücfen fotten, fie fagen entroeber gu mel, ober gu roenig
— unb roie, roenn fic^ ein ^fiilolopl^ifc^er "^fieorift bcr 93Zebaiffen==
roifjenfc^aft nun überhaupt barauf einkfjen mü^te, bie S^orfteltung
aller t)ornei)niften 9Jierfroürbigfeiten unfrer ^olitifd^ fo verfeinerten
Reiten , nad^ bcni ©efd^macEe ber ''Mtm gu »erbeffern — raeld^
Sabprinti)! ^c^ fage tcin 3Sort baoon; benn roie oiet raäre fonft
ju jagen?
9ßenigften§ alfo nic^t fo gan^ unfinnig, ba^ bie neuern 9)iün=
gen in ein 2;;opograp^ifd^e§, ober Jiiftorif d^e§ , ober (Seremonienbetail"
abgeraid^en finb, ba§ bie Sitten nid§t fiaben: bie heutigen Qzit^ unb
63 (Staat§Iäufte finb bamit überhäuft , roie tonnten bie 33itber berfelben
frei bleiben? ©eburt unb ^^ob, ©c^Iad^ten unb ©iege, 33elage=
rungen unb Eroberungen, Krönungen unb ^ubetfefte, Stiftungen
unb 3^rieben§fc^Iüffe, SIemter unb ©tänbe finb tnit einem ©etümmel
tnbioibuatifirenber Umftänbe begleitet, bie biefe 33egeben§eit oon
alkn ät)nüc§en Segebent)eiten unterfi^ciben folten. 9Zun ift freilid^
f)ier bie Siegel leicht ju geben; 3lbftral)ire oon atten btefen con=
creten Umftänben einen ^auptbegrif, fleibe i§n in [ein] S3ilb nad^ 2lrt
ber Sllten unb bu l^aft eine SRünge üon ©efc^mad": allgemein l)in=
gefagt, ift bie§ Recipe, misce, fiet, leidet; aber anguroenben? SDa^
jebeämal bie <Baä)z nur eben bie bleibt unb feine anbre wirb? SDa^
unter bem abftraften 33egriffe im 33ilbe^ nic^t bie concrete Segeben*
l)eit Dcrf d^roinbe ? 2öal)r!^aftig fd^merer! unb ein t)ollftänbige§ 9te*
pertorium befferer S^orftettungen geben im ©efd^maclc bcr 2llten,
unb boc§, ba^ unfre 9öelt omnimob angebeutet roerbe, oietteid^t
unmi3glid§. Uebermeg alfo »ergleid^en , trift nid^t. ®a§ 93Mel*
ftücE ber 35ergleid^ung frf^manlt; bie finnlid^ abjubilbenbe unb abge*
bilbete 2Selt ber Sitten ift nid^t me^r unfre 3Bett.
a) @. 32. 33. 34.
26*
— « 404 . —
Sf^ic^tg roemger, al§ ba^ tc^ f)temit bie 3::opo9rap^ifc§en ^ef(^ret=
Bungen unferer (Bd)lad)tm unb ©iege, bie S^tiffe unfrer ©täbtc'unb
3]eftungcn , ba§ ©etümmcl »on g^iguren bei einer Krönung , ober 64
2tnfunft, ba§ ©eroül)! von ^riegggerät^fc^aft bei einer Belagerung,
ba§ läd^crlic^e g-reubenleben bei manchen :3ubelfeften, al(eg ^inber=
geug hzi ©eburten, unb .gtimmelganftalten bei bem Eintritt eineä
2öof)I* ober §oc§feIigen retten ober loben raotte. 2Ber mag alle
ungeitige ober gar lächerliche ^DKinjliiftorien lange an[e§enV 2)a^
aber überhaupt unfere ^Jtünjporftellungen me^r in§ §i[torifc§e, in§
genau beftimmenbe einfd^lagen , alg bie alten, ba§, [age id^, ift
oft unüermeibli(^, oft nötl)ig, unb roenn man erlauben roilT, aud^
nü^lid}. 9Jtün-ien finb 3)enfmale einer 9Jicr!roürbigleit an bie 3laä)'
roelt — mag finb fie, roenn fie nic^t bcutlid^, nic^t beftimmt reben?
unb mtnn fie über unfrc 2Belt von Senfroürbigfeiten nid^t immer
nad^ ber 2Öeife ber Sllten reben fönncn? :3mtt^er laffet fie fid^
aläbenn i^re eigne 2Beife nehmen. SRit allen SSorjügcn ber 2tlten
l)ierinn finb nid^t »iele il)rer ^Jiünjen beöroegcn für un§ unbeutlid^,
roeil fie gu rocnig l^iftorifd^, gu rocnig inbioibuett, gu abftraft, gu
allegorifd§ finb?
9^un ftelle man fid^ nad§ ^al)r§unbcrten eine Sf^ad^fommcnfd^aft
auf unfern ©rabern üor; eine gegen un§ fo frembe ^Kation, alg
roir gegen ©riechen unb $Römer, eine, bie mit ehm ber Segierbe
in ber ©efd^id^te non un§ forfd^en roollte, mit ber roir unter ben
Sllten forfc^en — Dber roenn roir ein fold^eä ©eric^t einer Station
nid^t erroarten börfen: fo laffet nur im SSerfolg ber Reiten nac^- 65
fommenben ©ele^rten unb ©taatäfunbigen an genauen Senlmaten
ber SSorroclt gelegen fet)n börfen: roirb il)nen dma eine reine roür=
bige §iftorifd^e 3>orftellung nid^t gelegner fommcn, al§ eine l^inter
bie Slllegorie üerfterfte? al§ eine allegorifrf) l^alb gefagte? al§ eine
nur im 9^ebcnbegriffe angcbeutete? ■ — i^n biefem "^alk ift ber Unter-
fd^ieb fo, roie in ben manclierlei ©rjäl^lunggarten ber @efd§id^te.
2)ie älteftc ©efd^id;te roar ©ebid^t, roar ©pifdier ©efang — fd^ön
allerbingä, in rü^renbe 33ilbcr geflcibet freilic(), fo gar mit täufd^en-
ben giftionen untermifcljt ; aber ©efdf)id^te? 2::rodne ^eupiff^^ ^e^
— ■ 405 ^ —
2öal)r|cit? 9ötc ücrlaffen ift ber ©efc^tc^tfc^reibcr in bicfcn ©egen*
ben fc^öncr ^^oettfi^cr •Qalhmal)vf)dt , ober fi^öner Ijalhma^xtx
SDid^tung ! Unb ma§ biefe SJitfd^ung einen langen 9Jir)t§Dlogif(j^en
©efang fimunter; ba§ ift fie, raenn eine neue SSegeben^eit l^inter
eine 'i)alh anbeutenbe Stttegorie üerftecft roirb, auf einer SRünje, auf
einem 2)en!male für bie 9flac§n)elt.
©ben bagu iftg fd^on, ba^ bie 9Zeuern il^ren ^Kebaillencor*
ftellungen eine gröffere 3^Iäc^e, a(g je bie 2llten, eingeräumt I)aben.
9)töd^ten fic nur au^ bie ^iftorifd^e SSegebenlieit fo furj, fo an-
fc^aulic^, fo entlaben uon cntbe^rlid^en 5Jiebenumftänben, oon Qkx^
ratzen einer fremben S^^i, ^^'^ ^on üerroirrenber ©id^tung cor-
66 ftetten: möchten fic nur ftatt immer neue S^orftettungen ju er!ünfteln,
bei mieberfommenber SSeranlaffung aud^ gute, obgleid^ fd^on
gebraud^te, Stbbilbungen roieberl^olen , unb bas ^nbiöibuelle be§
gegentoärtigen ?5^alfe nur fo leidet beftimmen, al§ möglid^: freilid^,
fo lönnten mir, meil fid^ auc[; unfre SBelt üon 9Jter!n)ürbig!eiten
bod^ fo oft mieber^olet, aud§ einmal §u einer für un§ eignen
^fonologie !omnten, fo beftimmt, aU bie 2lntife in il)rer 2Irt; nur
freiließ ein gut 2::t}eil ^iftorifc^er, ^o(itif(^er, betaiUirter.
4. 3)ie oorjufteKenben ^ er fönen nehmen in dvoaQ an
biefer ©c^raürigteit ^f)eil. 2Benn eg in ben mitlern fetten 9ieic§ö'
gängig mar, ben ^aifer fi^enb auf einem l^alben (Sir!el, ober
auf einem ^!^orc jroif d^en ^raeen 3^^ürmen abgubilben, aU mären
bie 3^ü^c bem ^au^c entroad^fen; raer börfte ba bei fold^er faifer*
liefen majcftätifd^en ©tettung ni^t an bie ^Mne SSefpafianä beim
©ucton gebenfen: velut nitentis! @r mit ^ron unb ©cepter,
©d^raert unb S^lcid^gapfel — einen g^ürften mit ^clm unb ^anjer,
in feiner i^ermelinbedEe unb §ermelinmü|e, mit %ai)n unb SBapen
reitenb — ber 33ifd^of mit ^ut unb ©tab unb ^reuj unb Dber-
rocf — brei ^eilige auf einer 3iii'*'^Gr 53tün^e, mit einem 9ftimbu§
oben ftatt beg ^aupts, ba§ jeber 9tumpf jum 3e^en i^rcg
67 5RärtrertI)um§ in ber ^anb ^It. — ®icfc ergmungene ^rac^t unb
©teEung, bie faft jebeS Sanb beg guten .^erfommcnö megen feinen
gürften unb Ferren gibt, burdjlaufen ; unb benn an. bag freie
— . 406 ' —
^opfbilb eineg ä(Iepnber§, jurüdf gebac^t — tüelc^ ein Unterfd^ieb !
wo TDo^nt ba§ freie ©(|öne?
Wild) tüunbcrt, raie §r. ^t. über bie ge^rrtifd^ten 33ru[t*
bilber auf unfern ^Mn^en fo frembe rote ein ^inb ti)ut:^ „Sßiber
„bag ßoftume finb fie bod§: ben alten 3Römern ftnb fie nic^t nac^=^
„geafimt, ben bpjantinifc^en ^atfern aud) nid^t fo red^t: fie muffen
„enblic^ roof)t au§ Sflüftungen üerfc^iebner S^^i^'<^ ^ufammen gefegt
„fein. " — — ©0 roenig i<i) in bergteid^en 3fteid§§ur!unblid^en
©ad^en belefen fei;n mag, fo roei^ id^ bod§ au^er ber 3eit unfreS
ßoftume, (in bie fein ©d^üler ber 9?umifmatif ifire ©rfinbung
fe^en roirb,) au^er ber 9iömifd§en unb Sggantinifd^en 9iüftung,
nod^ eine mitlere S'^it 2)eutfd§en 3fiittertf)um§, ba bie ^erjoge unb
©rafen oon ben Äaifern in benen i^nen anoertraueten Sänbern gu
■Heerführern ber Sf^itterfd^aft üerorbnet geroefen, ba biefe burc^ fold^e
^urnier= unb §elbenrüftung fid^ unterfd^ieben, ha alfo bie .^erjoge
i^r .§eerfü§rert^um burd^ .garnifc^e unb Sftitteraufjüge aud^ auf
^(Jiünjen fignalifirten , fie alä f)er,3oglid^e ^nfignien unb ©ered^t*
fame behielten u. f. ro. Sieg roei^ id^, unb roer foKte bag nic^t 68
roiffen ?
Unb roei^ man baä; roem roirb bie roeitläuftige prächtige
2(nmaf)nung: „bie dürften foUten bod^ bebenfen, ba^ fie tf)re
„Mün^zn für öic 9^a(^roelt fdiytagen laffen, ba| biefe ja ber fpä^
„teften 9^ad^fommenfd^aft iJ)ren ©efi^madf oerfünbigen fotten: bie
„ge^rnifd^ten Sruftbilber roären bod^ roiber bag Ueblirfjc unfrer
„QdUn: an SRünjen unb ©tatuen beg Slttertl^ums fänbe er bod^
„fold^e S^üftung nid^t: an bpjantinifc^en ^aifern aud^ nidfit fo
„gang; fie bleibe bod§ für unfre feilen frembe: fie ftelle bod^ eine
„<Bai^z vov, bie mir in ber 9Zatur ni^t mel)r fe^en: bie 9tömer
„Ratten fic^ bod^ nie in ägi)ptifd^er Äleibung, ober mit partl}ifd^cn
„Tiaren abbilben laffen: man brächte bamit ber 9cadj!ommenfd^aft
„nic^tg, alg gang falfd^e 33egriffc oon ben SJ^rac^tcn unfrer 3eit
„bei" unb mag ber 33erf. barüber auf fieben ©eiten ©ele^r*
a) @. 79. 80. u. f. [greteS ©tat]
— ' 407 ' —
teg, 2ßoi^(^c^iitec!ettbe§ unb 3urec^ttüetfcnbeä t)on §eIiogabaIu§ xinb
ßJiilberid;, oon Stle^anber unb 2lrtftobuIug jagen möge, ba§ artige
@e6et be§ §rn. aBateletä, unb ben artigen ©paa§ mm Söraen
unb 2lffen b. i. t)om ?^ür[ten unb feinem J^ünftler, t)on ber frieb=
fertigen unb mit frommem 2t6f(^eu gegen aßeg ^Korben unb SIut=
»ergießen t)ern)a^rten Sürgertompagnie, oon ber lorfic^ten ^erutfe
69 unb S^rer ;^errlic^!etten Breitem §al§!ragen biefen
ortigen ©paa§ mit eingefc^Ioffen, mer mirb bie gan^e @rmaJ)nung§=^
rebe nidjt fo fabe, al§ möglich, finben? 2öenn bie Hebe ^aä)'
fommenfc^aft nur etroa§ raei^, fo mei^ fie, ba^ bie§ nic^t eine
2:;rac^t unfereä tlebli^en im gemeinen Seben, fonbern ein fürft=
Uc§e§ ^erlommen, ba§ ^nfigne eineg gemiffen Sftangeg, gemefen:
fo mei^ fie, ba^, roenn ben ©e^eimben ^ät^tn unfrer Qdt biefe
5^leibung§traci^t, mie billig, unbräu(^Iic^ ift: fie bei fürftlic§en ^n=
ftallationen in 2)eutfc§Ianb urtunblid^ fei): fo roei^ fie, ba^, menn
ber ^apft md)t täglic^ feine breifac^e J^rone trage, er fid^ biefelbe
bo(^ anmaa^e, unb ba^, roenn ^fire ^errlid§!eiten ben breiten
§al§!ragen nic^t über ben .§arnifc§ gu binben befugt finb, fie e§
auä) nid)t t^un werben, raie ber §r. SSerf. meinet: fo roei^ fie
— — unb ba§ roei^ ja jeber (Schüler ber Sieid^ggefd^ic^te.
3*lun mag eg etma ber 2lffe eine§ Söraen, ba§ ift nad§ §r.
M. g^abelbeutung ber i^ünftler unb §iftoriograpI§ eineg g^ürften
augmad^en, raie roeit ©eine 3)urrf;laud^ten bieg ®rj abfd^ütteln
fönne, ober nid^t? 2Iber bagu geprt raal^r^ftig fein ©e^eimber
9tatl^, eg augjumac^en, ba| fein ^ürft unfrer S^iUn biefe 9lüftung
erfonnen, um „ber fpäteften 9flac^fommenfc§aft feinen ©efd^madf yd
„t)er!ünbigen, um ben (Snfeln bie üort^eil^aftefte ©d^ilberung t)on
70 „ftd^ ju überlaffen." ©aju gehört aud^ fein erfter ^^itologe ber
9ladjraelt, um etroa bag ßoftume unfrer ^eit ba^er ya mut^ma^en,
fo raenig bie 2tmmong!§örner Sllejanberg unb Stifimad^ug ung auf
ben 3Serbad^t bringen, alg raäre er eine gel^örnte SRi^geburt
geraefen. SBenn ftd^ inbeffen ein g^ürft einem folgen ^nfigne aud§
nur beg §erfommeng, beg Sf^angeg, beg 5KationeIkn bei feiner
.^ulbigung unb Hrönung raegen bequemt — immer fei er ju
-^ 408 > —
beflagen; benn l)inter roeld^en g^äffern unb ©etüänbern tnu^' tc^
ntc^t einen [old^en £ömg ©aul fud^en? aber auc§ ber Unterfd^ieb
raerbe erroogen än)ij($en einer 3eit, bie i§re dürften frei pnftellt,
unb einer S^xt, bie fie nac| 3fted§t unb §er!ommen ju einem fpa-
nifd^en 9)Zantel, ober §ur ^^onne be§ Siogeneg, rerurt^eilt — wer
wirb baä üerfennen?
5. Qrfj fomme auf bie Qnfd^riften, ju benen id^ ^ier fo roo'i)!
%ikl, al§ Segenben red^ne. %itzl ! mit roeld^em Saßaft finb unfre
3^ürften nic^t überlaben? mit biefem beg @rbrec^t§, ber g^amilie,
eines §iftorifc^en Umftanbeg, einer ^roteftation wegen, mit jenem
ber mirflic^en 33efi|e I)alben — roo ift §ier bie eble 2(rmut§ ber
©ried^en unb Sf^ömer? ®cr SRi3mcr mar §err unb ^aifer
ber 3öelt, nichts me^r bünfte er fic§, aber aud^ nid^tä weniger:
©in 2;itel alfo feiner 5Römifc§en ©rö^e unb §o^eit; jeber übrige 71
3ufa| nad^ ^rooinjen unb Säubern märe für i^n (ic^ ne|me ben
%ail ber Eroberung auä) oerfteinernb. (Bin Imperator, Caesar,
Dictator, Pater Patriae, war genug, um gleid^fam ben ©inen ju
begeid^ncn, ber nid^t feineä gleid^en §at —
Vnde nil malus generatur ipso
Nee viget quidquani simile aut secundum.
3)aä ^itulaturred^t unfrer heutigen j^^ürften mu^ t)on biefer
9flömifc[;en ©röjse me^r in bie (Surrentmünge ber 2;itel ge^en.
§ier biefe Stcquifition, bort jene @ered§tfame, bort jene 2tnraart*
fdjaft üon ©otteä ©naben: fie mu^ ni(^t üergeffen werben, unb
fo fommt eine SEitelrei^e ^erauS, bie oft aud§ bie SKünje befäet.
©0 mad^c man, wirb man fagen, biefe ^u feiner §eroIbätafel, unb
laffe fie weg! ®ut, aber bie taffc man bod§ nid^t weg, bie in
biefer «Situation mit pr Seftimmung, jur f)iftorifc^en ©rÜärung
geboren? Unb zhm bieg, wie fe^r Iäuft§ oft inä 2)etail? Um
nur ber 5Rac^weIt beutlid^ ju feyn, um biefen oon fo mand^cn
anbern g^ürften ju unterfd^eiben — we^c Unterfd^icben^cit , oon
ber ein ©ried^e unb 9lömer nid^tä wu^te! Um zbm biefe unb
leine anbre Senfwürbigfeit ber Stad^welt aug unfrer ©taatöoer-
faffung ju erftären — weld^e Unterfc§iebenf)eit, üon ber ein ©ried^e
— 409 ' —
unb 3iömer nid^tS lou^te. ^ie bto^e ©d)ulbe!(amation beä ^xn.
72 ©e^eimbenrat^ä^ über bie Qä)rva^i)dkn ber ?^ürften, über eine
@itel!eit, üon ber fte feinen 5Ru|en ^ie^en, reicht f)ier fanm ju: in
biefem unb jenem einzelnen ^alle raürbe \i)n mand^er anbre
@el§eimberat§ eineg befjern belehren.
©riechen unb 9tömer infcribirten in i^rer (Spra(^e, unb man
fennet biefelben na^ i§rer ©tärfc unb ^o^eit, nad; if)rer ^ürje
unb S^ad^brucf; üerläumben raitt id^ bie unfrige nid^t: fic ^t in
manchem fo gar S^orjüge; aber gur [d^önen 2tuf[c§rift einer fd^önen
5[Rünjaffegorie ift fte nid^t gebilbet. 9lid^t gebilbet baju in ber
gorm ber S3u(^ftaben, in ben §art unb »ietfad^ jufammengefe^ten
33eftanbtl)eilen ber Sßörter, in bem 33au ber Siebe, ber fi(^ raeniger
mit einem auägeri^nen Casu, ober einer ettipfirten ßonftruftion
oerträgt, in bem ©eifte ber @pra(^e, ber jic^ §ierinn eben fo roeit
oon ber offnen yaQig ber ©riechen, oon ber elegantia inscriptio-
num ber Siömer, al§ oon ber g^ranjöfifd^en ^ointe, entfernen
börfte. Unfre ©prad^e f)at i§re ©ot§ifcf;en 33ud§ftaben, bie gut
erfd^einen mögen, nur nic^t auf SJietaß: fie §at i§re t)ie(en ^onfo=
nanten, bie in einem ftarfen ©ebii^te fo prächtig flingen, atä fie
auf einer ^Jcünje fc^mer ju buc^ftabiren , noc^ firmerer abguJürjen
finb: fic liebt ben oollen S3au ber Sftebe mit 2lrtifeln, SSerfc§rän==
73 fungen unb ßonftruftioncn ot)ne ©Ilipfen, oI)ne einzelne 9iebetl)eile:
fie liebt aud^ im ©inne mel)r baä ooH- unb ausführlich gefagte,
alg ba§ fd^ön Slnbeutenbe ber ©ried^en unb 3ftömer: fie ift alfo
nic^t, wie biefe, gur SRün^enauffd^rift. Sag foll ^ier ein ©efd^madf^
ooKer St^abel über ben 3)JangeI an ©efc^mad" in einer ©ad§e, roo
c§ an ettoaä me{)r fe!§It, alä biefem?
©0 nefime man bie Sftömifd^e ©prad^c ftatt ber unfrigen!
®ut gefagt! aber ift bcnn auä) bie 9Mn^c fo 9^ationat, alg bie
9tömifd§e mar? fo einem |eben üerftänblic§ ? fo für§ ^ublilum,
aU jene? — 3ubem: „man braud^e bie 9tömif(^c:" aber, anä
Sanbüblid^e, ang (Softutne nic^t gu beuten, mirb man fie aud^ alä
a) @. 88. 89.
— . 410 = —
ein Stömer brauchen? ^ft bte 9ftömtfd§e benn auc§ für unfre
SBelt t)on 3)iünjben!tDürbig!eiten gebtlbet? wirb man nic^t oft, in=
bem man alte Sßorte auf neue ©ebräud^e anraenbet, ßentauren
fd^mieben? 3]ermifd§ungen ber Reiten unb Sänber, bie einem 9^a(^=
fommen kfremblic^ fet)n muffen, fc^ielenbe Uebertragungen S^ömifd^er
2ßorte unb Segriffe unter S)eutfc§e ober neuere ^Begriffe über^upt,
für einen Kenner beiber Reiten unau§fte^lic^. Sie ©ried^ifd^e unb
3fiömifd^e ©prad^e rcar 3f?ationaI: bie 3)enfn)ürbig!etten, meldte auf
SRünjen !amen, ^Rational, eineg alfo für ba§ anbre gebilbet:
Körper unb ©eele. ^ft aber bie 9iömifd^e ©prad^e für unfre äöelt 74
üon 5Ker!roürbig!eiten , ober biefe für jene urfprünglid^ gebilbet
morben? unb bod^ foE eine bie anbre auSbrürfen? <So fto^en
fi(^ ^rao Reiten unb SSöIfer, roie jene ^^ittinge im Seibe ber
mutkxl
3BiH man alfo jur 9fiationaIfprad)e gurüc! fe^ren, unb einiger
maa^en bod^ bie finnreid^e ©infalt, bie eble ^ürje, glei(^fam bie
^oefie in ©ebanfen unb 3Sorten erfe^en, bie fid^ bei ben
Sitten finbet — a<^l unfre Sprache bietet ung aud§ eine ^oefie
bar, aber finnreii^e Seberreime, ober gar froftige Söortfpiele. ©o
mie bie 91orbIänber in ber SDid^tlunft bie Harmonie ber 2tlten
burd§ 9teime nad^ i^rer 2trt ju erfe^en gefud^t : fo auc§ auf Tlün^m
burd^ S^eime — aber roeli^e ®rfe|ung? ^Rational freilid^, oft
finnrcic^ gnug unb oft nirf)t bloä für ben ^öbel, fonbern aud^ für
ben Sßeifen, finnreid^; aber eine ©rfe^ung ber ©ried^ifc^en unb
JRömifdien ©infalt? ^d^ fefje üon beiben «Seiten ©d^mürigfeiten :
§r. ül. fief)t feine, er ftimmt eine ©tegie über ben pöbelhaften
©efc^marf ber 3*Zeuern an — roie oornel^m!
Sßeiter mag iä) mi(^ nid^t einlaffen in bie unenbtid^e '^zx^
fd^ieben^eit ber alten unb neuen Sf^umifmatifd^en SWünjgefe^e,
^ünftler, einzelnen SSeranlaffungen, beg äußern 9Berti)§ unb ^^i^e- 75
^ör§; no(^ jum ©d^Iu^ eine attgemeine 2tnmer!ung, bie 2lnfang
^ätte fei)n fotten.
6. ®ie Sitten ^atkn übert)aupt met)r S3itberfpracf;e , met)r
Slltegorifd^e 3)id^tung, alä mir. 33on SDid^tern mar i^re ©prad^e
— . 411 . —
gebilbct, unb ba bei ben @ried§en infonbcrf)eit bte ätteften SDid^ter
Sieb^aber von Silbern, 9Jletap[)ern , unb 2lffegorien roamx, ndä)
ein ©c§a^ lag gleid^fani [(^on in ber ©prad§e tl^eilg im ©efd^lec^te,
t^eil§ in g^orm, t^eilä in 33ebeutung ber Söorte! Q^re 3!)ic§terifcf)e
©prad^e raar 2lttegorifc§en 2(uff(^riften gleid^fam in bie §anb
gebtlbet! 2llIegorien würben au§ ber ©prad^e gefd^öpft, unb mit
ber Sprache, au§ ber fie gefc^öpft maren, begleitet — meli^e
gute Sage!
3ubem: S)ic erfte ©d^rift unb bie erfte ©prad^e ift eine
SJialerei von Segriffen: mit ber Q^it fommen in beibe fünftlid^e
StbÜirjungen ber Silber: mit ber 3cit oerlieren fid^ gar oiete Sil^
ber felbft, unb e§ bleiben allgemeine Segriffe. 2öo finb mir nun
in ber 3ftei^e ber Söüer unb 3^^^^^? o^^e ^w^eifel biefem ®nbe
nä§er, aU lenem. 3)ie meiften 2tffegorien allgemeiner Segriffe
nad§ ©ried^en, Sflömern, gumal 2legt)ptern, finb ung fd^on frembe:
bie meiften, bie 3. @. aud§ Sßinfelmann auä ben 2llten anführt,
erfennen mir !aum me^r unter f olc^er ©eftalt : fie finb nadf; unfrer
76 -^ori^ontljö^e beinalje fc^on über ba§ finnlid^e Silb erhoben, ober
roenigftenS fo oft oon jenen Sorftettungen abgewichen, alä mären
fie nid^t me^r biefelben. Qn biefer, meineä 2Biffen§ nod^ nid§t fo
bemerften SluSfic^t foKte man ha^ 2BindfeImannifc§e SBer!* burd§*
ge^en, fo mürbe man fe^en, roie oorjüglid^ bei ben 3lcgt)ptern,
(benn fie finb bie älteftcn,) fo bann bei ©riechen unb 3ftömern
2:^ugeubcn unb Safter, unb abftraüe ^bcen öon alferlei Slrt faft
immer eine anbrc ©cftalt gehabt, al§ bei un§, menigftenS ^ie unb
ba üon einer ^Kebenfeitc angefel}en roorben, bie fie hd unä üer^
loliren. Dft ift ba§ Slttegorifd^e Silb einer St^ugenb, einer abftraf-
ten Qbee nad^ ©ried^ifd^cr 2lrt mit bem 3^amen berfelben nad^ bem
a) Uebev bie ^lUeg orte, ©etabctt gnug ^at man biefen SSetfud^, ber
boc^ ntd)t6 als 3Serfuc() fet;n foEte; afeer tecenfirt, in bev borgeftedten 3Iu8=
fid)t burc^gegaiigen? id; »ei^ nic^t. Unb fie ift bie einzige, nat^ ber man
bie grage entfc^eiben tann, »ie tueit tüiv ben 3tlten nac^aHegorifiren fiJnnen,
ober nii^t?
— ' 412 ^-
©inttc unfrer 3eit, eine ©efeEfc^aft jiüoer ^er Jonen, bte fid^
fel^r fcltfam gufammen finben.
3fioc§ eine augenfd^etnlic^e S^olge. Siebter 'i)ah^n ben Sitten
ii)re 2tI(egorie unb ©prad^e angeHIbet: ^Rational roar alfo {i)re
^ilber[prad^e, unb wenn fte entlehnt max , fo raurbe fie nattonalt*
ftret. 3)er Untcrfc^teb rotrb ratdjtig: benn Bei un§ ift eine S3ilber= 77
fprad^e fo ^atrongmif^ nic^t. 3)ort !onnte alleä auf einem Söege
fortgeben: ber Si(^ter I)atte burc§ feine ^octifc^e 33ilberfprac§e
bag 33oIf gebilbct: ber 3Beife, ber nac^ i§m fam, trat, fo t»iel
er lonnte, in feine guM^f^Pf "^^ • ^''^ Bebiente fic§ be§ 33ilberfc§a|eg,
ben jener in bie (Sprache getegt, nac^ feinen ^weden: er bilbete
bie SlKegorien bcg erftern ^u SBefcn feiner 2lrt um: er rourbe ein
^lato gegen einen §omer. 2ln feiner ^anb gieng ber brittc
5Rann, ber ^ünftter, unb er^ob jene S3i(bcrfprac]^c ber 2)i(^ter
unb 2Beifen gum fc^önften 2tnfc§auen. 3)ie ©ötter, bie ber 2)id)ter
bem 3SoIfe fang, unb berSSeifc erflärte, fc^uff ber ^ünftler it)m
Dor: bie ;{5^2en, bie eä in alten geerbten unb frü^erlernten ®e*
fangen auf ber 3ii"9c, unb aus bem 5)^unbe beä äöeifen gleic^fam
im Df)r fjatte, ftanben ii)m in ben 2öer!en beg Mnftterg oor
3tugen — burd^ atteg roarb alfo ein ^oetifc^eg, ein 2ine=
gorifc^ee ^ublifum gebilbet, bag bie Silberfpradje nerftanb,
füljlte, beurtl^eiltc, fortpflanzte. 35te Slffegorie Ijatte tiefe 2Bur3eIn
in allem mag Ttational I)ei^t, gefc^Iagen, in ©prad^e,^ ©ebic^ten,
^pfjilofopljien, Kunftmerfen : fie gef)örte gur ßultur bcg SSoIfg, fie
marb 3)enfart beg ^ublifum.
Unfer ^uBIifum ift aug bicfcm @Ieifc ber Gultur, aug biefem
33e^ifulum ber 2)en!art l)inaug. 3Bcnige 53ilber auggenommen,
unb bie ig^o^ograpl^ie ber %lkn ift ung nii^t 9lationeU. 9lid^t 78
au§ unfrer ©prad^e gefc^öpft, unb oft nid)t einmal mit biefer
ftimmenb; nic§t aug unfern angeboljrnen i^^^olen, in benen mir
ung alg ^'inber allgemeine Segriffe bcnfcn, gebilbct, unb oft ben-
felben roieberfpred^enb — nid§t alfo bem 2tuge beg gemeinen guten
1) %: f2>pxaä)tn
u
— . 413 . —
SSerftdtxbcä unter un§ knnhav, nid^t alfo ^ftational Sie ^bole
etraa unb Wlävd^cn, in bte unfre J^{nb()ett aHgemeine 33egnffe
fteibet, ftnb ©ot^ifi^, oft ungeJ)euer, faft ntemalg für bte ^unft.
©ie ftnb ntd^t von ©rted^tfc^en 2)i(^tern ber ©d^önf)eit, fonbcrn
burd^ 9^orbifi^e 5Jtär(f;en eingepflanjet : einige üon if)nen beftätigt
unfre ©prad^e, bie ftd^ nad^ il^nen Bequemet: alle aber finb gegen
bie 3)fenge ©ried^ifd^er 9lationaI6iIber ein oerfd^iüinbcnbeg 3TOei
ober !I)ret. ^n ben <Bä)atkn ber ^a§ri)unberte finb fie üerfcf^raun^
ben; unb für bie ^unft l^aBen rair aud^ an fold^en @otf)ifc§en
©eftalten ber ©inbilbungSfraft nid^t§ t)erIo^ren. Sie reinere 2öiffen*
fd^aft, bie in unfern 5torbifd;en ©egenben burd§au§ freier üon
fold^en .füllen ber 9}Jittag§Iänber gebadet toirb, bie ßultur beg
^ublifunt nac^ unfrer unfinnli(^en 9teIigion, unb unfinnlid^en %\)U
lofop^ie f)at fie vertrieben: roir 'ijahQn atfo fein S)id§terifc§eg,
3tttcgorifc^e§ ''^ublüutn tne^r.
Unb fönnen ung bie Slttegorien ber 3llten ba^u machen?
©elten finb biefe ja unfcrm 35oI!e, (ic^ fage nid§t, unferm ^öbet,)
fennbar: oft it)tn ja fo unt)erftänblic[), alg bie Sateinifd;e lieber*
fd^rift ringsum, ©o vok e§ nad^ unfrer geleiirten ^anbmerfg*
bilbung in manchen Säubern bem ^öbel gur ©t)noni)me gemorben:
er ift ein Lateiner, ba§ ift ein ®elef)rter: fo TPenigftenä in biefem
%alk ift bie ^fonologic ber Sllten eine Ueberpflanjung frember
9iationaIbiIber, fid) in i^nen ©ötter p benfen, bie rair nid^t \)ahen,
©täbte unb Sauber in ©d^u^göttinnen unb ©enien ju benfen, bie
rair ni(^t fennen, S^ugenben unb Safter ju benfen, roie wir fie nid^t
benfen moEen, allgemeine S3egriffe ju benfen, ofine ba| töir fie in
ber ©i)mbole feigen, ©ie ift alfo ein gelel)rte§ 3f{üft = id) toill nic^t
fagen ©pieljeug au§ fremben Säubern, ba§ unter un§ feinen
9}iarft beg 2lnfd^aueng, fein ^ublifum l)at.
Qh^n Ijiemit ift §errn .tlo^en ein unerflärlid^er SeibeSüoller
Unterfc^ieb erflärt;"' „SRit ben ©innbilbern auf alten 9}cün,^en
„fonnte ber Sel)rer be§ ©efd^tuadg, ber Siebter, ber Künftler
a) ®. 55. 56.
— « 414 —
„aufrieben fet)n. 3)en neuern SSorftellungen raiberlprirfjt oft SSer^
„nunft, ©efd^marf unb ^irnft. .3Ber wollte e§ roagen, bie 3Sor=
„ftettungen auf neuern SJtüngen mit ben 33tlbern unfrer 3)t(^ter 80
„gu »ergletd^en? &Uxd)niol)i ijat Stbbifon mit ben alten Mün^
„^Qxi unb Werfen biefeä getrau: @r §at oft eine gro^e 2lel)n*
„Ud;!eit jroifd^en beiben bemerft, unb Hrfac^e gefunben, ben
,, feinen ©efd^mad' beffen gu loben, ber bie ißorfteffung ju einer
„^Rün^e angegeben. 3)er ^oet ^at bie ^bee mit eben
„bem S3tlbe au§gebruc!t, roelc^eS ber ©tempelf c^netber
,,gebraud^t, um einen ©ebanfen finnlic^ ^u mad;en."
2öie man fte^t, bleibt 2ltteg im llnterfc§iebe ber Otiten unb Steuern
bei ii)m eine qualitas occulta beg @ef(^mad'g jum Staunen. ^rei=
lid^ tonnte ber 3)id;ter mit folc^en 3)iünjoorftettungen aufrieben
fepn: benn fie roaren auä il^m gefcl^öpft, ober menigfteng nad; ber
2)enfart gebilbet, bie er bem SBeifen, bem ^ünftter, bem Se^rcr
beg @ej($mad§, bie alte ©ö^ne feineg ©efc^lec^tö raaren, ange=
fc^affen. ^reilic^ laffen ftc^ 3Serfe unb 2)Zünjen unter ben '^Ikn
oergleid^en : mag aber je^t in Slbbifon eine folc^e gelehrte unb
@efc^madgf)ejerei ift, ba§ tonnte unter ben Sllten ein jeber n)o^t=
erlogner gebilbeter 3}Zann. SBenn er burc^ Sid^ter gebilbet mar,
menn einem ^ubtifum in ©ried^enlanb ©ic^teroerfe unb ^^oetifc^e
.53ilber ifirer 5)^r)tf)oIogie im ^opfe fc^roebten, ol^ngefäf)r auf bie
2lrt, aU unferm SSoIfe ^irc^cnlieber , 33tbelfprü(^e, (eine SSer*
gleic^ung, bie t)ier bloä 9cationalunterf(^ieb fepn fott,) rocnn bie
(Sprai^e unb bie ©rgie^ung fold^en anfc^aulic^en 33orftettungen ent= 81
fprac^ — mag natürlidier, alg eine S^ergleid^ung gmifd^en 33i(bern
unb 33erfen? raaä aber auc^ unnatürli(^er, alg bei un§ folc^e SSer*
gleid^ung ju fobern? 3)ic ^Mnjattegorien finb un§ meiftenS über*
brad^te ;{5^een: unfre S)i(^ter, ber 3Kufe fei 2)an!! aber un§
3^ationat — id^ fe^e feine ^ßaradele. Sie DJiün^üorftettungen au§
ben Stiten entfprec^en ^ö(^ften§ au<i) ben S)i(^tern ber 3tlten; unb
fo fe^r biefe aud^ unfrer lieben «Sd^uljugenb eingeprägt merben:
fo i)ahm mir bod^ nimmer ein 2lttifd^e§, ein 9tömifd^e§ ^Uiblitum,
ba§, ipie jenes, nad; biefen 3)id^tern gebilbet märe. S)ie
— . 415 . —
lange 2)c!lainatton beg .§rn. HL über bie parallele, ooni ©efd^maif
auf Sliünjen,^ ber fid^ gu unfrer 3*^1^, unter ber Stegierung
3^rteberid;§ beä ©ro^en (t)ermutf)Iic^ ju §alle) angefangen, unb
t)on ßlaffifd^en ©d^riftfiettern, bie unfern ^^itpunf't allen SSöIfern
unb ber fpäteften 9iad;foinmenfd^aft bewunberngroürbig niad;en roer-
ben, bie gan^c parallele ift in S>erglei(^ung ber Stlten lin!.
5.
sDod) raie anber§, aU linf ift§, rvk unfer SSerf. am liebften
rebet? ©in S3üd^(ein über bie @efc§icf)te beä ©efdjmadg auf 5[Rün=
82 Jen; unb bieg 23üc]^kin roirb feinem grö^eften ^§ei(e nad) nidjtö,
al§ eine SSergleid^ung ber 2Wten unb Steuern: unb biefe SSer=
gleid^ung roieber niditg, alg ein ^reig be§ ©efc^nmdä ber 2tlten,
unb eine ©att)re auf ben 9Jiün^engefdjmad ber 9Zeuern. Seibertei
Strien beä ©efc^madä al§ bie ^robuftion einer ganzen ^^i^i^erfaf*
fung unb 9Zationa(benlart angufefien, ben Unterfd^ieb ju entraideln,
ber fid^ jmifi^en ber 9tumiämatifd)en 2öelt ber Sllten unb ber
9Zeuern in 33itberfprad^e ber 3ieligion, in ben ©timbolen ber Sän=
ber, in ben 3llIegorien ber Gegebenheiten, in bem ßerimoniel ber
^erfonen, in ber ©prad^e ber 3tuffd;riften, in bem ^ublifum, bag
?Olüngen erfanb, fa§ unb beurt§eilte, in äffen äußern Umftänben
ber 9tumigmatif ereignet, biefen ^immelraeiten Unterfd^ieb, von bem
id§ einige ©d^attengüge entworfen, »ergibt er; fc^reibt bem lieben
3(bbifon na(^, mad;t beffen ©efpräc^e gur feinen Satire, gur la§m:=
ften, Senbenla^mftcn ©trafprebigt über ben ühiln ^Jiüngengefd^madf
unfrer 3*^^t, üon "Jürftcn an, big ^u äliünjenftemplern gu —
Unb bag ift fein 33eitrag gur @efd^i(^te beg ©efc^mad'g auf
^Jiünjen. SBie?^ oon äffen 9^ationen, roie im St^raume, burd^Ijin
reben? bei feiner itjre ^iftorif(^en 2)ata, alg ©rfolge, bie aug einer
Xlrfa^e entfpringen, anfe^en? bei feiner aud§ nur barauf fommen,
a) p. 70—76.
1) 2t: 2öie toon
— < 416 > —
bie 'yiatux be§ ^altum, au§ einem feiner Umftänbe unb SSerän*
berungen in (gntrourf 3U bringen? bei feiner auf ben S3oben ber 83
(Sad^e fefien, au§ bem fie fi<^ er^ob nnb auf blutete? bie üerfd^ie^
benften ^e^tpit^^te überraeg Dergleichen, bie fauni einer 3Sergtet(^ung
fä!^tg finb? D be§ armfeligen 3lltert(}um§!ennerg ! feineä 3^anten§
nnroürbiger, aU beffen! ©ein flingenber S3eitrag ift eine ©ati)re
auf unfre Reiten unb SSöIfer, fo fein, fo griinblid^, fo trcffenb,
alä feine mores eruditorum, alä fein genius seculi. SZic^tg alö
ridicula !ann er fd^reiben; aber feine ridicula literaria unb mone-
taria finb ron einem ©epräge.
©ine ©efc^ic^te be§ ©efc^macEg auf ^^tün^en, raa§ ift fie, menn
fie un§ bei ben ©ried^en bie Urfac^en bes ©efd^marfä nic^t ent=
roirfclt: je^t ©ried^en unb 3ftömer üergteid^t, unb aud§ bei biefen
nid^tS erfläret? ^a§ ift fie, roenn fie nid^t genau auf bie 3Ser*
anlaffungen merfet, burd^ meiere ber ©efd^mad fiet, ben falfd^en
©efd^macf, ber fid^ ftatt be§ Stömifd^en einfd^Iid§, ni(^t gergliebert,
biefen neuen @ot^ifc§ (S^riftlic^cn ©efd^madE nid^t bi§ auf feine
Quetten, unb big in bie Slbgrünbe ber 2)ip(omatif, .^eralbif xmb
(Staat§gefd;id§te, bie feine Slbflüffc finb, Derfolgt, auf feine feiner
^auptoeränberungen merfet, bie Sieformation beg ©efd^macfg, bie
eigentlichen 3Serbienfte ber 9teformatoren nid^t beftimmet, bem Saufe
i^rer 3Serbefferungen nid^t nad^eilet: hk 9tefte beä alten ^erfom*
meng, bie fid§ i§m roiberfe^ten, nid^t prüfet: unb an eine Stnlei- 84
tung benft, ung ju unfrer 9tumifmatif d^en 3SeIt ^in ^Rungen-
fabinett nad^ bem ©efd^madfe ber 2t[ten ju fammlen — mag fie ift,
menn fie nid^tg üon biefem ift? Unb iftg nad^ ©inem ber ange=
gebnen ©efid^tgpunfte ber ^lo^ifd^e ^Beitrag aud^ nur im bürreften
©runbriffc, (com ?[Red§anifrf;en ber ^unft rebe ic^ nodj nidjt,) fo
roill id^ umfonft gelefen l^aben.
©in paar mal fommt er auf fo etroag, aber beibemal iftg
Stugfd^roeifung, unb eg roirb grobe ^alfd^^eit. „53ei ben ©ried^en,
„fagt er,* fiatten hk fünfte übcrf)aupt engere ©d^ranfen, afg bei
a) @. 40. [42.]
— « 417 ' —
„un§. Sßir erlauben il)nen grö^tentFieilg bie 5Zaj^af)muttg etneS
„jeben ^örperä, of^ne ba^ bie Kunft burc^ bie äöürbe beä ©egen*
„ftanbeg »erebelt roürbe. 2)er ©ricd^e ^atte irrten Ho§ bie ^a6)'
„a^mung [c^öner 5^örper üerftattct." SBer £e^ing§ Saofoon gelefen,
tüei^, wem bie ^emer!ung 5uget)öre: bafür aber, ba^ Se^ing
^Io|en eine Semer!ung Iic(), fc^enft bicfer tl^m gro^mütI)ig eine
33erbefferung : „ @ntgegenge[e^te ^cugnifje ber ©c^riftftetter nnb
,,33eifpiele ber ^ünftler beftiminen iuic|, bie[er SSeobad^tung
„engere ©rängen gu fe^en, unb fie b(o§ auf öffentlid^e 2)en!=
„mäler ein^ufc^ränJen. — " 2)ie SSerbefferung in i^rem 2Sertf)e
85 unb Unroert^e, roaä t^ut bie§ auf bie SRüngen? gepren bie aud§
gu ben öffentUd^en SDenfmälern, bie ni(f;tg, aU ba§ @(|öne,
bilbeten?
2tfferbing§, fagt §r. Äl* ,,2(uf alten SJiünjen finben wir
„TOeber Ijä^Iic^e, nod^ fd^rerflid^e SSorflellungen. ^^et berfelben
„geigen un§ bie ?5^urien: aber in lüetd^er ©eftalt? 9iid§t mit ben
„furchtbaren ©efic^tggügen , raelc^e ber ©rimm auf neuern 2Ber!en
„üorftettt. S3lo§ g^acfeln unb 2)oId;e geigen biefe ©öttinnen an.
„Uebrigeng ift aud^ bie SJiünge, roeld^e bie @inn)oI)ner Slntiod^ieng
„gu ®^ren bcä jungem ^I}ilipp§ l^aben f erlagen tafjen, au§ ber
„3citr ba bie S3Iüt^e ber fünfte längft ijerfd^raunben unb mit i^r
„gugleid^ ber S3egriff ber ©c^ön^eit au§ ben Seelen ber
„©terblid^en entwichen raar. SBic ungleirf; finb f)ierinnen bie
„neuern ©tempelfd^neibcr ben 2l(ten/' Offenbarer gefagt fann
nichts fet)n. @g werben in ber «yolge*" an bem ^immlifcfien ©e*
fidjte ber SRebufe fo gar bie ©d;Iangen in ©rraägung gebogen, unb
auä t)ier »erfd^iebnen Urfad^en gerechtfertigt, ba^ „biefe ein ©inn*
„bilb beg 3Bol)lt(;unä unb be§ ^eifö geroefen, baljcr fie vkk ©ötter
„gur ©pmbole gefü^ret, ba^ ^ogart^ in i^nen bag Sellenför-
„ntige ©djöne fud;e, ba^ fie mel^r gieren, al§ »erftetten: ba^ enb=
86 „lid^ unb infonberljeit ©ried^en unb 3tönter über biefen ^un!t ein
„üon bem unfern gang üerfd^iebneä ©efül^l, einen gang befonbern
a) @. 43. b) @. 46.
$erbevö {ämmtl. SZBa'fe. III. 27
— . 418 ^ —
„©djlancjcnappetit ßetjabt;" unb ber Stecenfent be§ ^ervn Moi^,
(„bei bcni biegiual feine gärtlidje Siebe gegen ben ^evrn SSerfafjer
über feine großen (Sinfid^tcn unb fd;arfe S3eurt^eitungäfraft int
Kampfe bie Dbev^anb hdjaltm") finbct eben bie Ie|te 33emer!ung
von ben ©erlangen gar nad) beut ©efi^mad ber 2llten, »or-
3Üglic§ roid^tig. ^d) tann alfo nac^ §rn. ^l. big auf bie ©erlan-
gen, bis auf groo ''JJtün^en mit ^^urien nic^tä affgcmeinerä t)eftfe|en,
a(g „bap auf altzn Sliünjen fic^ gar nic^t, raeber ^ä^lic^e, nod^
„f(^redlid§e ^yiguren finben.''
^d^ ne§mc inbe^ ein ^;]]aar Sucher jur .^anb, bie §r. £1.
jur §anb geJiabt t)aben niu^, raeil er fie anführt, unb fo juerft
ben lieben S3eger: unb in il}in me^r alg eine 3Sorftel(ung auf
alten 'DJiünjen üon ©djro einen, fürc§terli(^en Söraenl)äuptern
o^ne bie freunbli(^e 3)cine ber 93kbufe, bie jum Püffen einlabet^
baö be!annte unförmtid;e Sinnbilb ©icilieng, brei ?^ü^e, ringg
um ein ^aupt üoU ©d^langcn, unb anbre, nid^t ob^n fo un§ä^=^
lid^e, ober unfd;redli(^e ^nguren, bie @ule ber SRinerüa unge*
rechnet. ^(^ nel)me §apm: ba ©corpionen, ©lepl^anten, brüKenbe
Söraen, Dc^fenl)äupter, 9cad)teulen, fämpfenbe ©erlangen: fo
©e^ncr, fo anbre — feine ©ammlung alter ^"IJiünjen ge!^t von
folc^en i>orfteltungen ganj leer au§ — loenn id) nur bem g^lei^e 87
beg §errn @ef)eimben $Ratl)g nachfolgen unb S3tlberd^en auffudjen
motlte.
^a, mirb $r. ^I. fagen, bag maren ©innbilber oon ©täbten,
üon Säubern. 9Zic§t aik, unb boc^ t)on @riecrif(^en ©täbten? von
©riedjifdjcn Säubern? bod; Siorfteltungen auf @riec|ifd^en Mün^
Jen? Sie fielen mit feinem minbern ^Rec^te barauf, alg ^urien
nidjt barauf fte'^en fönnen, weil fie feine ©dju^göttinnen, feine
©innbilber von ©täbten maren. Söie? meil @ant)meb ober
Slntäug auf feiner SOMnje ^ilb gibt: raer roollte be^roegen beuten?
ßrft beraeife man, ba^ ^urien auf 5!}Jünjen gel)ören, menn, ba^
fie nid;t ba finb, etroag bemeifen folf.
Ueber^aupt beftimmet §err M. bag Slllegorifd^e ber SJWnjen
fo, ba^ man fiel)t, er f)abc nom SJ^ünjenartigen feltne Segriffe.
— . 419 —
Söinfelmannä ©xlUiriingcn bev älffcgoric gu foUjen, ift gut; nur
i§uen uiit (5in[d;ränfung auf SJiünjm gu folgen, nod^ beffer. 2)a
er feinen SSerfurfj üon ber Stttegorie überl)aupt für bie bilbenben
fünfte, nic^t Mog für bie ^DUinjen, gefdjricben : fo finb feine
Siegeln ot)ne ^eftimniung auf biefe gu lag, ju roeit, unb nic^tg
unfic^rer, al§ ber ^(o^ifd^e ©a|: „bie ^^flid)ten bes ältalerä finb
„aud; bie '>|if(id^ten beä StempelfdjneibcrS , nur ba^ jener ein
„geräumiger g^elb i)at." Um ©otteä Sßillen nid^t! bie Sllfe^
88 gorien auf SRünjen I)akn il)re eigne 3f^atur; fic finb nid;t etroa bloä
roie ^IRalereien , ber Ä^unft felbft; fonbern allemal ber Deutung
roegen ba: fie finb 5)^nemonif(^. ®ag 33ilb al§ ^ilb ift 3lid)t^;
ber ©inn beg S3ilbes ift 2tlle§. ^n allen Schriften löirft §r. Sllo|
SJiünjen, ©emmen, 9)ialereien, ©tatuen graufam burd^einanber ;
unb faum fann dtmaä nerfci^iebnerä an 9iatur, ^i^^ed unb @e=
fe^en fepn! ©in ^unftroerf ift ber ^unft tüegen ba: aber bei einer
©pmbote, fie fei ber Sieligion, ober ber 5)3olitifc§en 3^erfaffung,
ober ber ©efd^ic^te geroibmet, ift bie ^unft bienenb, eine §el=
ferin ju einem anbern ,3^üedc, fo hä ber SJiünjc. Saffet unä alfo
bie ©ried^en nidjt auf unred^te 2irt loben: fie mieberfpred^en
fol(^em Sobe, unb e§ mirb ^^abel auf fie: eg roirb Unmiffen^eit
für un§.
3(uf ber anbern (Seite, laffet ung an(^ bie 9^euern nid^t ol^ne
Urfadje tabeln. ^c^ roill i^re „burc^ bie l^ä^li(^ften S^er^^errungen
„beg ©efic^tg oerunftalteten Ungeheuer,'' bie §rn. M. t)ornel)meg
3luge beleibigen, „bag fi(^ an bie griec^ifdje ©d^ön^eit geraöl^nt
„l)at" nid^t oertl^eibigen; aber fo billig follte man bod^ aud^ fei;n,
ju fragen: ift biefeg Ungeljeuer bie §aupt= ober nur eine Sieben*
üorftellung? äBenn 3. @. ein ^erfuleg, alg 2)rad^entöbter , gum
©innbilbe ber S^apferfeit ba ftünbe, unb ber Srai^e felbft dn §ä^=
lid;eg Ungel)cuer märe: nid§t ber S)rad^e, ber 3)radjentöbter ift bag
89 33ilb , unb jener nur eine unterliegenbe 3>orftellung. 3)a^ bie
Sitten eben fo gebadet f^ahm, bezeugen eine 3)ienge ©emmen, unb
©emälbe, bie ja bod; eigentlid^ere ^unftmerfe, alg SJiünjen,
finb. —
27*
— . 420 ^-
DIcBcnfiguren alfo; aber, lücnn fic au(^ felbft ^Hauptfiguren
lüären: noc^ finb fte auf Sliünjen nid^tä, alä Steuers; man !e^re
um, fo ^at man bie ^Deutung. 2)aä eile 2(uge meines 33erfaffers,
ba§ fid^ an ©riecJ^ifc^e ©d^ön^ieit gcraöfint ^at, roirb am meiften
üon ^oHänbifc^en SJiüngen beleibigt. „Sie 3«'ictrad^t, bie ^pran-
„nei, bie ©raufamfeit finb alg Ungeheuer mit ber größten §ä^=
„Ii^!eit oorgeftellt," unb fo gleic^ f)at §r. AL ben befannteften
%ahd i^rer 5JZa(er unb ^in ©prüd^Iein auö §ageborn fertig, ba§
l^ier fo ^inge^i3rt, aU %au\t aufg 3(uge. 2lu(j^ ic^ fei)e lieber ba§
©d^öne, aU bag ^ä^Iti^e, lieber bag Sieblid^e, alö ßarrilaturen ;
roie aber? roenn bie @ntf)auptung ^'arlö beg erften burd^ fein lachen*
beg ©efic^t, unb burc^ feine 3(morg angebeutet raerben fonnte, unb
bag roütenbe t)ielfi3pftd)te 3>oIf alfo alg ein üielföpfid^teg Sd^Iangen=
ungefieuer erfc^eint — unb neben an bag traurige §aupt beg
^önigeg auf bem Soben — roirb ba nic^t bie SSorftellung von bem
©inne, oon ber 2lttegorie gleic^fam uerfd^Iungen? Unb ift bieg
Silb benn anberg gefc^Iagen, a(g um fo »erfc^Iungcn ju raerben?
unb rairb je eine ^OZünjc alg abfoluteg ^unftroerf gepräget? Qft
fte je unter ben ©ried^en anberg, alg gum 2)enfma[e gepräget raor- 90
ben? Wlan benfe fid^ einen 2tutor, ber fo gang bie erften
©runbfä^e ber fünfte uergi^t, ber fo fei)r i§re ©rängen »er=^
roirret, unb eben auf bieie SSerrairrung ben falben 2;§eil feineg
33u(^g bauet, roie fd^ief, roie elenb rairb erbauen? 3lffe bie fü^en
Slnmerfungen über bie ©ried^ifc^e Sieblid^feit unb ©c^önfjeit finb
entraeber f)ter ^albfad^en , ober §r. ^I. f ennt bie Dktur ber Wlm^
gen ^alb. @r nimmt fie alg ^unftroerfe unb nid^t alg SDenfmale;
bie ^unft bei ifjnen nirfit alä ^ülfgmittel bes bebeutenben, ben
^ünftler nid^t als ^anbarbeiter — fo fc^reibt er t)on i^nm, unb
oerfennet itjre 9Zatur.
Unb bag ift ätlleg, mag §r. Älo^ unter ben ©riechen fanb,
um i^nen if)ren Dtang im ^Jiüngengcfd^mad^e gu geben? — ja! unb
unter ben Siömern an i^rcm 2:I;ciI nic^tg befonbreg? SBenig, at§
eine fic^re ^^arallele mit ben ©ried^en, bie l^ier nid^t l)ingel^ört,
unb über bie irfj gu anberer ^^it ^e^^n roerbe. Unb nid^tg be=
421
ftimmtcä an Urfad^cn, bic bcn guten @cf(^ntac! l)erunter gebracht?
3^cm! unb nid^tS üom S)iploniati[d;cn , §cralbi[d)cn unb 3fte(^tlid)en
Urfprungc un[crä ^ÜMnjcngefd^madf § ? 2luc§ nein! — D beö fon=
berbaren Scitrageä ju einer ©efrfjic^te!
6.
^d) t§ue bem SSetfaffcr üieffeic^t Unrecht: „®in 33eitrag tann
91 „ja fo üiel ober fo rocnig beitragen, alg er lüitt." ®i! fo
mu^ i^i^- ^Io§ i^ii^t gro^fpred^en: benn raie er je^t anüinbiget, ^at
er über einem roeit raeitern Sl^eina gearbeitet, al§ id) gefacht ^db^
— nid^t bloä an einer @}e[c§ic§te beä ©efdjinad'ö auf 9Jtün§en,
fonbern gar an einer @e[djid)te beä ©efd^inadä unb ber Itünfte
bei einem 33oIf au§ ^Itüngen. liefen graben roill er über bie
merJroürbigften ^erioben ber @ef(^id;te, über S3öl!er unb Qdttn
»erfolgen, unb aug i^nen liefern eine ©efd^id^te be§ ©efc^m adEs
unb ber fünfte überl^aupt aug SItüngen.
3)ag ift freilid^ noc^ meljr! auf einer 5Rünje mag fid^ immer
ber @efd)mad einer Station offenbaren börfen: aber ba^ fie eigent=
lic^ eine 2;afel be§ ©efd^madä einer ganjen Station oorftellen
foüte, uorftellen mü^te? — bem erften Stnblide fd^eint ba§ fd^on
gemagt. 3tuf einer SlJiünge mag ftd^ immer ^unft, unb menn man
roill, aud) fünfte, offenbaren börfen; ba^ fie aber eigentUd^ eine
3eugin über bie ^unft, ja über bie fünfte fcrin follte, ferin
mü^te — nod^ gemagter: unb bag ift bod^ „bic 3tu§fü'^rung ber
„Sad^e, bie id^ mir üorgefe|t tjabc. 53ieine Slbfidjt ift auä ben
„^Rungen gleic^fam eine @efc§id^te bc§ ßJefd^madS unb ber fünfte
„gufammenjufe^en, unb i^re 93Iütf)e, ober i^ren SSerfatt au§ ben*
„felben gu beurt^eilen. ^d; merbe ba^er u. f. m. " Mid)
92 bün!t, ber 33erfaffer übernahm, raa§ niemanb, al§ etroa ein ©ot)n
ber ©ibtiffe, ausführen !ann.
3)ie fd^öne ©ried^ifc^e SJiünje, unb freilid^ lä^t fid^ oiel barauS
erfel)en. 2)a§ 3SoI!, bem fie gel)ört, mu^ gebilbct fcpn, (Sommer^
i)ah<^n; ©innbilber i)abm; eine gcbilbete Spradjc (jabcn; ßei^ner
: 422 ^-
unb (StenipetfC^neibcr I)aben, ober ge()a6t §aben: bag fe()e iä). %xäk
id) auf ein frembeä ßilanb unb fänbe ^Rünjen, mn benen iö) vqx-
mutiert förtnte, ba^ fie lein ^^-rember oerlo^rert: fo roäten bie[e
9)tut§maa^urtgen fertig. 3t6er eine ©efc^idjte iJ)re§ ©cfc^macfä unb
i£)rer Äünjte, ben ^nbegrif if)re§ ©efc^macfS unb i§rer Mnfte —
unmöglich. Üb fie Sid^ter ober 9Beltioeife, Silbf)auer, 3;:on!ünft=
Jer unb 3:^än§er neben ii)xm ©tempelfci)neibern gehabt, ob i£)r ^eit-
punft beä ©efc^macfs if)nen eigen ober eine^ (Kolonie, ob ein langeg
ober furjes 2)rmna geroefen, fefie ic^ bag aus einer SJiünje? Unb
ift nid^t zh^n biefe frappante Intonation: ic^ roiH auä SJiüngen eine
@ef(^ic^te be§ ©efc^marfS unb ber fünfte geben! nad§ alkn 3ei=
tungspanegxjren auf §rn. ^I. fein erfteg 35erbienft bei biefem ganzen
Suc^e? ^nbianer, ^^crfer, 3(raber! roaä fann man aus euren
3Künjett nic^t toeiffagen?
:3e^t eine (Sammlung, ober, menn man !ann, bie ganje
5}?enge ©ried^ifc^er ^JUinjen: unb ^mar, roeWjeg no(^ angenom^
mener I}ei^t, in ifjrcr Zeitfolge nad^ unb neben einanber — aller- 93
bingg lann man je^t oieleö auf bie Aktion fi^lieffen, raas @c^
fcfiic^te, Stcgierung, Scfdjaffen§eit il)res Sanbes, il)re Kleiber,
2öaffen, ©ebräuc^e, ©ebiiube, 9^eIigion unb bergleictjen anbctrift. —
|)ierauä lä^t fic^ ol)ttgefä(jr ein 5iationaId)ara!ter bilben, ber oiel in
fic^ l)ielte, aber feine^ ©efd^id^te bes ©efdjmad'ä unb ber fünfte? —
ic^ roollte, ba^ ein 9Zumifmatifd;cr ©oguct fo ein 2öerf fd^riebe.
3Bof)lDerftanben, ba^ er in feinen 3c^Iüffen feinen Sd^ritt rerge-
beng tfjue, bei jebem ben ©rab ber Si^aljrfdjeinlidjfeit in 53laag
ne^mc, unb ben feltnen -^tiitofopliifc^en ©enius (;ätte, einzelne
J)ata niemalg ju allgemein 5U generalifiren , noc^ auä) bieffeit beg
3telg fte£)en bleibe, auf rael(^eg man gu fd^Iie^en fönnte — märe
bieg, mag fid^ bei ^rn. M. faft alleg im ©egentljeile jeiget: fo
i)ätte man freilidj „eine ©efd^ic^te bes ©efc^madg unb ber fünfte
,,hn ben ©ried^en aus äJMn^en,''' aber aud^ jugleid^ zin in ^ei^
fpiele gebradjteg Seljrbud^ ber Ijiftorifc^en 2Baf)rfd^ein(i(^!eit, eine
1) 31; einer 2) eine (V)
— - 423 ' —
Sogif {)iftorifd^er ©d^Iüfje, nic^t fold; eine ©aimnlung fal}lcr %IU
gemeinfä|e, alg bieg ift.
58orauägefe^t irirb §ier jum ©runbc bev ganzen @d)(u^folgc:
ba^ bie ©ried^en auf ber Sat^n i^rer Kultur felbft fortgegangen,
nic^t etroa »on ber unfic^tbaren Tladjt frentber 5?ötfer barauf fort=^
94 getrieben, unb umljergeftoj^en fet)n, ba| alfo ün§ i^xmx Saufe bie
^taft ber 9lation mit ©runbe bered^net lüerben fönne. aßa§ es
für g=ef)lf(^lüffe gebe, biefen Sauf an3unel}men unb ju bered^nen,
roo er nid^t ift, roerbe ic^ an anberin Drte an ben ©ried^en geigen;
§ter bie Stömer.
2luä ber 3töinifd)en ^^iünjenfolge eine ©efd^idjte il)rcö @e^
fd^macfg unb ber fünfte ift burd^aug trüglid^: benn nic^t fie, eine
frcmbe Aktion iftg , bie burd; fie lüirfet. So t)iel au§ il)rcn SJiünjcn
gcfdjloffen roerben mag; auf il^ren ©efd^mad unb Siebe ju ben
fünften toenig. 2Öaö in bem Siöniifd^en ©efd^made unb 5lünften
benn eigentlich 5Hömifd^, loaä tiingegen nur oon ©ried^en geformt
nad) ber 3iömer 3öeifc geroefen? mo bie Stömer felbft gebad;t,
unb gearbeitet, ober nur bcnfcn unb arbeiten laffen? nerliert fid;
in ben ©djatten, unb ift bicö nic^t ch^n baä ^auptlidjt „einer
„©efd^idjte beg ©efd^madg unb ber 5^ünfte 3flomä auö ^IJün^en?"
2Bie? roenn bie ©ried^en big auf jebeg (Sinjclnc »erloljrcn gingen
n)ie mürben bie dlöxmx nidjt ©iegprangcn? 3)a fie aber nid)t
üerIol)ren finb, ba mir aug anbcrn Quelfen, alg aug ^Rünjen, eg
roiffen, mie fel)r fie in ben ©efc^madg:= unb ^unftlauf ber Stömer
unfid^tbar eingeroirft: mcli^en 33eljauptcr roirb bag nic^t jmeifelfjaft
machen, aug Sl^fün^en i§re ©efdjmadg* unb ^unftgefdjid^te jimmern
gu motten?
95 2)ie ^sit ber fo genannten ©ot^ifd;cn SJlüngen. 2)a^ i^re
Url)eber !eine ©ricd^cn unb 9tömer meber an ©efdjmad, nod^ an
^unft, nod) an irgenb @tmag gemefen: bag fielet ber SItnbe; ja
eg laffen ftd^ bie Urfad^en fo gar einfeljen, marum fie nidjt bag
©ine, nid)t bag 3(nbre, i)ahm feiju fönnen? @g lä^t fidj fo gar
ber falfi^e ©efdjmad, ber biefe 3.^ölfer angefügt, nad; feinem
Urfprunge unb ©efd^id^te bered^nen; unb ob id) gleidj !ein ■^olijfarp
, 424 ^-
S^fer bin: fo n)ünfc§te tc^ biefen SdUn emen folc^en Serec^ner,
ahzx einen, ber fic§ oor bem 3Ramen ber Barbarei ntdjt fci^eue,
nod^ bte§ SBort fo überljin ne^me, als wir gemeiniglit^ int QiiU
laufe ber ©ef^id^te, wenn rair au§ ©ried^en unb S^ömcrn, üott
oon il)rem ©efc^nmcfe, fommen, fiinjuroerfen pflegen, ©in (Srüärer
ift me^r aU 2:^ablcr; nnb ber iuu| er fer)n, raeil unfer ©rbgefc^mad
atte fein guteS ^erlommen von baraug ableitet.
SBiebcr alfo ein S3eitrag jur @efc^i(^te be§ @cfrf;mad^§ nnb
ber ^nnft? ^mmer ja! ba biefcni ßei^P^^^^e ober fein ©efc^mac!
nnb feine ^unft nic§t fo gang eigentf)üinli(^ , ba bie Sitteratur biefer
SSöÜer fo uerborbcn, al§ fie fer), urfprünglid^ eine frembe (Kolonie
ift, bie fi(^ im ©tiHen mel)r ober weniger ausgebreitet ^aben lann:
fo wirb, nad) Maa^ biefer 2lu§brcitung , in chcn bem 5}^aa^e auc^
eine ©efc^id^te be§ ©efd^matfg unb ber ^unft au§ DJÜinjcn unfic^rer. 96
@ä ift !eine ^t)potf)efc, eg ift eine »on ben Kennern ber mitlern
3eit längft angenommene ©ac§e, ba^ bie Sieformation ber 2öiffen^
fc^aften roa^r^aftig niij^t mit einmal loSgcbrod^en: fonbern lange
im ©titten genä^ret, geroadjfen, gereift feij. Unb eben biefer g^ort^
gang be§ füllen 2Badjst^um§ ift ber auf SJ^ünjen bemerkbar ? ©alt
l^ier nic^t einmal für alle -^crfommen, S^ationalgcfc^mad, ber
bleierne 2)ru(f be§ 3citgeifte§? unter biefem fonnte nid^t immer
üiel reifenbcr guter ©efc^mad liegen, ber fid^ nur nic^t äußern
borfte, unb am menigften ja auf SJKingen guerft äußern fonnte?
galt rool^l auf biefen etmaä mcljr, al§ ^erfommen, bag ^od^ beä
3al^rl)unbertg? 3Bie üiel verliere ic^ aber in einer ©efd^ic^te be§
©efc^macfg, mo id^ biefe reifenben, auäbred^enben «Saamenförner
oerliere? 2Bie oft fann id^ irren? 3ßie oft auf bag ©anje unju*
»erlä^ig fcfjlieffen?
(Snblid^ bie neuere ^JJünjgefd^id^ite, unb ^h^n fie ift bie unju=
»erlä^igfte auf einer ©efd^ic^te beg ©efc^madfg unb ber fünfte bei
gangen 3Söl!ern unb S^ikn. ^n biefen ift bie gange fi^önere
^Jiumifmatif ein 3"^ei9 ©rie^ifc^er unb 9iömifd^er S^^^^^f ^" ^^^
©efd^id^te beg bamaligen 3citgefc^mac!g eingepfropfet; nic^tg weniger
aber, alg ein im ^oben beg Igß^^^wnbertg felbftgemac§fener Stamm,
— . 425 ^-
97 Silberfc^rift, ©pradjc unb ^unft ift 9^ad)af)mung bcr Sitten: immer^
f)itt al[o eine ^cugin, ba^ bcr Urtjcbcr bicfcr 93Kmjc bie 2(Itett
gcfannt unb nadjgealjwt; um ein ^aax aber au(^ nicfitä lüciter.
Üh ber gnäbigfte 3^ürft, ber auf ber 9JJün§e fte()t, unb bem \Xx^t^
ber unb Slünftler [einen guten ©cfc^mad attergnäbigft oergönnet; ob
jcbermQnn, ber biefe 5[Rünje in feiner S^afd^e getragen, ob baS
ganje publicum, Sanb, S3ol! unb ^di, zhzw bcn @ef(^mad gel)abt,
ift bem erften 2lnblide nac^ bie abentl)euerlic§fte ?^olge. 2Bie lyxn^
terbunt iDürbe borfj in ben neuern ^txitn bie ©efd^id^te beg @e*
fd}mad§ unb ber fünfte laufen, wenn "^ie unb ba ein einzelner
guter 3[RebaiIIeur, ein 3{ntiquitätenprofeffor, bem eine 5[Rünjenatte=
gorie unb ^nfd^rift gerät^, fo gleid; ein Beuge fei)n foßte: wie fel)r
fein burd)lau(^tiger ^^xx ben ©efc^mad geliebt unb gehabt, mie
erleuchtet fein ^alir^unbert im ©efc^utad unb m IJünften geraefen?
— faft nic^tg !ann mel^r Mitleiben »erbienen, alg biefe ©djlu^^
folge. 2öie? ein um So^n gebungener geglüdter ober oerunglüdter
^Olünjenfc^mibt, ein ©d^ulfud^g, ber feinen lieben Sllten eine 2llle=
gorie unb 2tuff(^rift entraenben fann — ber ein 9tüft^eug für ben
©efd^mad unb bie fünfte feiner ^6i, ber ein 2lpollo unb ^rai'i=
teleg feines ^at}rl)unbert§ an bie 9tad^melt? ©c^öner 2lpollo!
Dl)ne ba^ fein ^al)rl)unbert »ielleic^t itjn ocrftep, beurtt)eilt, fd^ä^et,
98 foll er i^ren ©efd^mad unb ^unft prebigen — 3ßag für ein leiditer
Söegroeifer jum 2;empel be§ ©efi^madg, unb jur Unfterblid)!eit ift
bo(^ ber ©efc^madooUe unfterblid^c Älo|!
^hzn fo unbegreiflid^ ift bie ©cgenfeite ber ©d^lu^folge auf
ben böfen ©efd^mad neuerer Reiten unb SSölfer cm^ SDiünjen.
©in Sanb, ba§ einem ©taat§ft)fteme, einem ßerimoniel, einem §er=
fommen alter ^al)r§unberte oon böfem @cf(^mad unterraorfen ift:
eine %di, beren 3^cligion l)öl}ere unb geiftigerc ^vo^äz ^at, alg m
2lllegorien auf ^Jiüngen ju parabiercn: ein 33olf', beffen ©prad^e
faft üortreflid^, roiffenfc^aftlid^ unb genau fegn !ann, nur ba^ fie,
gerabe au§ gefagt, feine SRünjenfprai^e ift: eine 9lation, beren
^ülcriroürbigleiten (ihzn fo »ermidelt oon ber ^olittfc^en äßiffenfd^aft
finb, ba^ eine einzelne ^Jlün^enfymbole fie nic^t uorftellen fann, ein
— . 426 = —
33oI{', baö auö ber üerbUimten ^ilber^eit f)tuaug, 9Ba^rt)cit fuc^et,
unb 3Saf)rf)eit finbet: ein SSoIf enbl{(^, in beni bie SRüngen unb
ber ©efc^mac! auf ben[el6en bur(^au§ für feine ^robuftion beg
^ubUfum gelten f'ann — ein folc^eä S^ol! foll fic§ feine ©efd^i^tc
beg ©efd^macfg unb ber .^unft auä ^Jlünjen roeiffagen, firf) ein
Sud) burc^ mit einem anbern, beffen 3cuutifmati! i^^mmelmeit oon
ber übrigen abliegt, l^ämifc^ üergleid^en laffen? mer ift Bürger biefcs
SSolfg, unb fagt nic^t: unde mihi lapides?
7. 99
^f^un fo arg fann es boc^ ^x. ÄIo^ n{ö)t gemad^t I)o6cn, ba
it)m ja ijffentlid; fo uiele (S^renfäulen fc^marg auf lüei^ gefegt finb,
tf)m, bem Patrioten, ber für ben ©efd^mac! feiner 9Mion, feines
33aterlanbö eifere o ja! (Eifern ift gut, aber moI)in fann
difer nid^t führen? ic§ l^abe im oorigen Slbfdjuitte mic§ nid^t burd^
feine Seifpiele unterbred^en motten: laffet unä feiner ©ebanlenreilje
folgen.
„Ueberljaupt tonnen mir bie bilbenbcn ilünfte al§ cerborgnc
„ 3Serrät§erinnen ber 2)en!ungäart beöfenigen anfetjen, meldier fi(^
„mit i{)ttcn bcfdjäftiget. 2)ie 2Bat)l beä @egenftanbe§ unb bie Se^
„arbeitung bcffelben maljlen un§ ben llünftler auf eine i^m felbft
„unbemerftc 5(rt. Q^in 2Ber! eineä ^ünftlerä ift oft eine nod^
„getreuere ©d^ilberung feineä fittlid^en 6t)ara!terg, al§ eine @d)rift
„bag St(b beg ©(^riftftcttcrg. 3Bir lefcn in jenem no(^ beutüd^er,
„alg in biefer, bie Slriebf ebern , bie ben ©eift bcg ^ünftlerg in
„Semegung gefegt, unb bie ÜMgungen, meldte gkid^f am feine |Janb
„geleitet."''
©0 unbeftiuunt unb 93^obere(^t, a(g biefer 3(Ugemeinfa| I)ier
ftel^et, ift er mieber blog bag 9}ieteor üon einer Semerfung. Sßeld^e
bitbenbe fünfte finb 3^errät§erinnen ber 3)en!unggart begjenigen, lOO
a) @. 10. 11.
^. 427 . —
bcr fi6) mit iljuen k'fdjäftigt ? Dijnc ^lueifel, bic i()m %ai)l,
(^icjcnl^cit, unb (Sigcnfinn crrau6cn: biefes finb nid^t alle in einem
@rabc, ja bie oollfommcnftcn bcr bilbenben fünfte ertauben am
menigften. 3)ie 33ilbt)auer!unft , bic 33au!un[t ^at bei i§ren ^bcalcn
fo t)oI)e unb ftrenge Siegeln, ba^ c§ mo()( faum bem ^ünftlcr frei
ftcf)et, mit bcr Äunft gleidjfam ju buf)(en, bie eine ©öttUd^e fönig=
lidjc ^imo ift. — — Sie 9Jia(erei, bic in 2tHem ungemein üicle
(Sigenljciten, 33eränbcrungen, unb tx)il(fül§rlic^c ^infelftric^c erlaubt,
mag an i()rcm^f)ei[e eine [fo] ocrborgne 3?errätf)erin ber 2)enfart fc^n,
alg alle ©ibpKcnbrübcr motten: bie 9Jiobebcifpie(e, bie $r. 511. an^
füljrt," üom fanften 9tapl)acl unb üom ernftl^aften Stngclo, üom
l)i^igen ^annibal Saraccio unb com fc§redt)aften ^Ribera, unb oom
nicbrigcn Sroumer, oom ücrfäumtcn ^upc^ü, unb üom fühlbaren
S^anbp! — alk biefe Si^af djcnraritätcn , mit benen er fid§ fo gern
uml)cr trägt, finb aug i§r, ber SJtalcrci, unb in fo gutem 2;^onc
fie au^ mögen gcfagt fepn, ma§ getjcn fie an bie ^Jlünjfunft ?
Unter atten fann bicfe am menigften t)om Itünftlcr ucrratljcn : fetten
ift ber (Srfinber ber SJlcbaitte auc^ ber ^e^i^e^^/ bcr ©tcmpetfc^neibcr,
ber Slrbciter: meiftcng ift bicfer nur ber ^anbarbeiter non bem
101 ^opfe bcä crftcn — unb luic nun? ba^ bic ''IRünjc „eine nod^
„getreuere ©rfjitbcrung fcineg fitttici^cn Gtjarafterö fc^n fott, at§
„ eine ©d^rift baS ^ilb bcä ©rf)riftftetters " — meld^ ein ®unft ! —
Unter atten bitbenbcn llünften ift ba§ '^J^ünjcngeprägc am mcnigften
freies St'unftmcr!. Sanbeätjcrrfd^afttirfjcg .^otieitgjcictjcn, ®en!mal
einer 33cgcbcnt)eit, ueranta^te ©pmbolc — atfo ber ^of§errIid^feit,
ber ©efd}id)te, beg 33cbeutenben mcgen, baju iftg. 2)aä ©ci^i)ne
tritt jurüd', unb mic meit tjinten na^ bie freie 3ßat)t be§ 5^ünfttcrs?
bie 3öitt!üt)r feiner Bearbeitung? feine S)cn!ung§art? jubem bie
^ricbfebern, bie itjn in 53c)öcgung gefegt? jubem gar fein fitttid)cr
(Etiaraftcr ? unb gar beuttid^er, al§ eine ©c^rift ba§ Bitb be§
©diriftftettcrö malztet? ®a§ aHc§, tiebc ©öttin 5^oneta! auf einer
-JD^ünje! D ber erleuchtete 'DJtünjenfdjauer !
a) 'S. 12.
— . 428 . —
©ä ift md§t gut, ba^ e§ bem 33crf. 6etna{)e jur ©ett)oI)tt^eit
geroorben, bte ©ebanfen anbrer fo an^ufü^ren, ba^ fie ftc^ felbft
ianm mc^r ä^nlid^ fe^cn, unb fo felbft mit feinen Seibautoren.
§ier* citirt er 5. @. fo feltfam unb loeitf d^raeifig , al§ ber oerfpot^
tcte*" ©ritto feinen ^inbar nid^t beiruffen !ann, um einige ©eiten
be§ unbeftimmteften ©emifd^eä ju beftätigen: „So ma^x ift ber
„Sluöfprud^ eineä SRanneg, roeirfjer bie tiefen (^infic^ten unb alle
„ ©igenfd^aften eines großen ©enieg" u. f. vo. — mie? unb biefer 102
mirflicfi gro^e Mann follte mit feinem 3(usfpru(^e ba§ oorljerge^enbe
©etiimmel von .§albn)al)rl)citen beftätigen? @r es beftätigen, ba^
alle bilbenbe fünfte überhaupt alä »erborgne 3Serrätf)erinnen ber ©en-
!unggarf beäjenigen [angufe^en] finb, berficE) mit ifinen befc^äftigt?
@r e§ beftätigen, ba^ ©in 2ßer! eine§ ^ünftlerä eine noc^ getreuere
©dfiilberung feineg fittlid^en (5§ara!ter§ (feineg fittUc^en 6§a=
rafterä!) fet), atg eine Schrift ha^, 33ilb beg ©c^riftfteEers? @r
bie crniebrigenbe Sefid^tigung anrat!)en, in einem Äunftraerle bie
2^riebfebern lefen ju rooUen, bie ben ©eift be§ ^ünftlerg (roie eineä
2:^aglö§nerö) in Semcgung gefefet , unb bie 9Zeigungen , meldte feine
§anb geleitet ? ©r mit bem ©eifter fe|en ^ aufrieben fetjn , in
Slunftroerfen nichts fo eigentlich, aU bag nornelime oft fo uncer^
ftanbne 2öort: fittlid^er 6f)arafter! feljen ^u motten? — ©0 fd^ie==
lenbe 2(nfü§rungen, bie ^r. ^l. gur 3eit unb Unzeit auf ber 3uttge
l^at, entel^rcn, unb einen oon §ageborn entetiren fie boppelt.
2Bir motten cä untermegeng laffen, aug ber Sippe Seopolbg
beg ©rofeen auf feinen ^Mnjen ben fittlid^en G^arafter, bie '^xkh^
febern, bie 97eigungen, ben ©eift, bie 3)en!ung§art feineg Stempel^
fd^nciberg ju mei^agen.
^ä) münfd^e unfrer ^^it, bie fi(^ beinal)e barein ücriiebt I)at,
aus 2)idjtungg=^ unb Slunftroerfen hm fittlidjen (Et^arafter be§ '^idy 103
tcrg unb 3DiaIerg ju ftubiren, einen jrociten Se^ing, ber bie ©ränje
jmifc^en SDid^tfunft unb perfönlid^er (SittIidE)feit, jroifd^en ilunftmer!
a) @. U. b) ®. Äto^enS 33ibt. St 3.
1) 2t: ®eift erleben
— . 429 = —
unb ß^arafter fc^eibe. Stuf ben 50iünsmeifter aber, ber [eine 2)en=
fungäart auf 5Rünjen offenbaret, rairb ber fid^ roo^I ntrf;t einmal
Jjerablaffen roottcn unb börfen : benn biefer roifd;t burd^ bie ;5Änbe.
®aö roar ber ^ünfller unb
2. 2)er g^ürft.* „2luf eine jioar rcrfc^iebnc, aber ob^n
„fo beutlic^e 2trt fd^eint ber ?^ürft, raeld^er bie 93ilber ju 5Jlüngen
„entwirft unb bie 2luffrf;rift baju fe|t, feine 2)enfung§art an ben
„'^aa, ju legen." Unb raie »iel ?5^ürften finbä benn, bie 33ilber
gu SRünjen entrocrfen, unb bie 2(uffd;rift baju fc^en? Unb roenn
fie e§ tl^un, roie roerben fic fid^ auf 3)cnfmälern anberä fd^itbern,
aU fie fidf; ber 2BeIt unb ber ©tüigfeit geigen lüoKen? 2öorauf
fann id^ alfo mit ^uocrlä^igfeit fd^Iie^en? 2)a auf alten 9Jiünjen
felbft bie entfc^loffenften ©efd^id^tforfd^cr auä ber ^ftumiämati! nid^t
§erj gnug gehabt, jebe S^orftettung eineä ^aiferä ober Jlönigeg für
ein ©innbilb feineg 6t)ara!terä anjunefjmen: roie? fo l^ätten roirS
bei ben ^f^euern? 2Ba§ für eine einförmige unb falfd^e (S^arafte*
riftif, ber dürften i^re 2)en!ung§art (man überbenfe ben roic§=
1Ö4 tigen 9^amen) au§ i^ren SKünjen gu ftubiren ? 3BeId^er 3iömifd§e
^t)rann roärc aläbenn nid^t SSater be§ 33aterlanbe§ ? SBeld^er f d^Iäf=
rige 5Konard) neuerer Reiten nic§t auf feinen 9Künjen tf)ätig, tapfer,
gro^ unb ebel?
©tatt ba^ man bie äöa^rfagunggfunft beä §rn. M. auä
SJiünjen burd^ einen ^ontraft neuer unb alter 33eifpiele läc^erlid^
machen fönnte: roitt id^ im gangen Sud^c feine Seifpiele auffud^en,
ha er mit ber ©e^eimni^üolkn Mim eineä 9Bei^agerg herantritt:
ei bod^! Jiabe ic^ nid§t getroffen? — 9Zur ei bod;, ba^ iä) nid;t
lauter 3Jieteoren uon prächtigen ^erioben abfdjrcibcn mü^te: „ber
„got^aifd^c ©ruft,'' rocld;er feinen Untert^anen ba ein SKufter
„gab, roo er if)nen teine ©efe^e geben fonnte, fd;ämte fid^ aud^
„nid^t auf feinen 9Jiünjen ju befenncn, ba^ er fid^ überzeugt
„§abe, e§ fei baä ©lud unb bie ^^fli(^t eineä dürften, ein g^reunb
„unb ^^ereJirer ber 3ftcligion ju fei^n. 3Sir (efen auf feinen 9Jiüngen
a) ©. 15. b) @. 17.
— 480 ' —
,,ben ß^araÜer eines ^^ringert, bei* feinen el^rraürbicjen Beinamen,
„roeld^en ber ^aifer Suberoig burc§ ©infalt iinb tf)öini^te 'freigebig*
,,feit mn ben 3}]önc^en er!aufen niu^tc, burc§ bie 3ied^t[d;affenf)eit
„feineg §erjcnä erlangt ^at, nnb beffen üortreflic^e ©efinnungen
„befto größere -^oc^ac^tung yevbicnen, ba er fte nidjt au§ einer
„ ©c^trac^Iieit nnb einem Unücrniögen im 9kd)ben!en angenommen 105
„^atte, fonbern roeil er nad§ 5]3rüfungen, beren fein großer ©eift
„fä^ig roar, fie für roa^r gefunben." 3ßeld;er ^arent^rirfuS mn
3)en!nnggart, ben !aum ein ©efc^ic^tfd^reiber, ber fein gangeä Seben
üor fid^ Ijätte, anftimmen foKte, von 3)enfnngäart, bie laum fein
Sufenfreunb fo unroieberfpred^Iid^ prebigen looHte! o ma^ fann §r.
^I. auä 3)]ün3ett nid^t alles lefenV
91un aber bie SHebaillen anbrer j^^ürften, bie nad; ber ©efc^ic^te
audj rec^tfc^affen nnb fromm geroefen; if)re ^Dtünjen inbeffen !§aben
nichts auäjeii^nenbeä nnb ©d^autragenbeg üon ?yrömmigfeit — ntaä
gölt' eö, w^nn man im ©egenfa^e unfreä Slutorä fie al§ 9Zega=
tiüen c^aralterifirte ? ^tun alte 9)Uln3en, bie aud) mit ber Pietas
prangen: wa§ gölt' e§, raenn nwn im 2;;one unfrei ^lo^ il;re ^röm^ .
migleit c§ara!terifirte ? 3Bag? roenn man aUm dürften, bie nid§t
roie ©rnft bie SRüngen jn ^erolbstafetn i§rer g^römmigfeit gemad^t,
biefe nnb bie eraige ©eligf eit ab * ; allein benen , bie bacon auf
tl)ren 9JJünjen geprebigt, fie jufpräc^e — SBci^ager! SSei^ager! roo
fommen mir J)in?
„Dffenbaf)ret fid^ ber @eift Suberoigg beä XIV, welcher feiner
„ ©^rbcgierbe feine ©rängen ^ raupte , unb i§r mit g^reuben St^reue,
„ SRenf djenliebe nnb baä SBo^l feiner Siinber aufopferte, nic^t chm
„fo beutlic^ auf ben ^DKinjen biefeg l{önig§, aU in aiim feinen 106
„^anbtungen?"" 9lid^tg weniger! unb mid; munbert, ba^ ein
©efunber fo dvoa^ h^^au^itm tonne. 3>ielme()r ift auf ^^^ünjen
nid)tg, aU bie ©rö^e, bie 3:;apfert'eit, ber i^elbenmutt) Sdubmigg,
rec^t baä ^beal eineä ^ubroigä beS ©rof^en fidjtbar. ©ine ©rän=
a) @. 19.
1) ^; ©vänsen ju fet}en
— 431 —
jenlofe @§rbegievbe , eine fveubicje Stufopfcvung bcv ^reue, ber
9Jien[d;enIiek, beö 9ßot)lä feiner Sänber offenbart fid^ ha nid^t, unb
Subraig iDÜrbe e§ ber 2tfabemie fd)Ied;t uerbanft I^aben, roenn fie
fo Qtmaä auf ältünjen Ijättc offenbaren raoffen. Unigefefirt fann
beinal^e fein ?yürft fci;n, beffen roürflirfje i^anblungen unb SJJünj*
t)orfteI(ungen, raaä @eift, roaä 6()ara!tcr anbetrift, uneiniger fe^n
fönnen, unb @nabe aßen ilönigen unb dürften beg i^'^'^^'^^nbertä
Suberoigä unb unfrer ^qü, raenn bie 9k(^roelt fo, n)ie ber ^Rid^ter
unfrer unb ber SBorroelt, .§r. Mo^ , auä ^Jiünjen i§r Urt^eit
fällen, auf ^[Rünjen ©eifter fetten, (S§ara!tere fennen, 3)en!ung§=
arten erforfdjen, unb fo ben 3^ang beftitnuien raottte. 2Bie fe^r
riefe algbenn Subraig üor allen 9Zeuern ^eroor? unb raie flein ift
oft bie 35eranlaffung ^u feiner prädjtigftcn ^DKinje.
„5Jiir raemgftenä, fä§rt ^lo| fort," gibt bie Stfabemie, roeld^c
„bafür bejaht tüurbc, ba^ fie ifiren (Stifter burd^ pralenbe 5Kün,iien
107 „vergnügte, feinen geringern S3en)ei§ oon ber bantalä in ^ranfreid;
„ l^errf c^enben ©c^meidjelei unb aflgcnieinen S3eniü§ung, ben ^önig
„leid^tftnnig gu »ergöttern, alä Jener 33ifc§of, welcher oon beni
„©trome ber 9tieberträd§tigfeit f)ingeriffen , afg i§m Subraig — "
iä) fann ben Siebnerifd^en ^on bei bem @efd§id§td§en eineg 33ifd;ofg,
ber Subroigen ^u gefallen feine Qä^no. ^abm raill, nic^t aushalten
— fü^lt benn §r. M. nic^t, ba^ bieg ©ine @efc§id^td^en fein
ganjeg ©pftein ber .^ierofcopie aug ^HZünjen umraerfe? konnte
eine ganje Slfabewie, bie bafür beja^lt würbe, auf i^ren SRünjen
nid^tg alg fd^meic^eln? ^ann eine Segion üon Sliünjen nod^ fo
roenig Zeugin über ben Sliarafter eineg ^ringen roerben: ein gan-
jeg ^a^rliunbert beinal)e fonnte im ©trome prädjtiger Sügen fort=
gel)en — „aä) ©ire! rao finbet man algbenn jemanb, ber Q'd'{)rxc
„l)at?" roer mirb algbenn ben ß^arafter, bie Senfunggart , bie
2öa§rl)eit eineg g^ürften aug beffen 9)Hnjen lefen wollen?
®eg g^ürften §auptbef^äftigung etma fönnte man nod^ enblid^
aug oielen ^Jiünjen , am liebften aug allen feinen ^ufammen genom-
a) (g. 19.
— ' 432 ■ —
m^n, er[e^en: ofjrtgefä^r bie Sttc^tung feiner 9^afe unb ba§ Profil
feineg @efi(^tg. 3(ber ©eift, SDenfungäart , §iftonfc^cr S§ara!ter,
SSa^r^eit? — 2lffe ^[Rungen I}a6en gleid^fam ben %on, ben fte
alg SRün^en anftimmen muffen; fo roic eine ©popce eine ©r^ebung 108
über bie ©efd^id^te, unb baä $Drama eine @r§ö§ung über ba§ ge-
meine 2^hzn gum Sßefen I)at. S5er nun eine ©popee gur Urfunbe,
unb ein SDrama jur 3JioraI be§ Sebenä machen fann, ber ftubire
aud^ bie ®efc§ic^te üom ©eifte unb (S§ara!ter cineg ^rin^en au§
feinen ^Dtünjen, unb au§ feinem ©rabmonumente , rao, oI)ne nod^
an untert^änige ©d^meid^eleien unb Sügen gu gebenfen, beibe fd^on
i§ren %on, i§r ©poä ^aben, ber immer, ja aud^ be^ ber roa^rften
2tuffc[;rift, ^oetifd^e 9^atur l^at, unb feine Ijiftorifd^e 9Zatur ^ben
roitt. — — 2Bie fe^r fönnte ein ^ürft hzn ^xn. ©e^eimbenrat^
in 33erlegcnt)eit fe^cn, au§ ben SIKingen feiner 3Sorfal^ren bie ©e-
f(^ic§te i^rer S)ett!ung§art gu entroerfen? Unb ju folge biefeg
©runbfa|e§ mürbe id^ il^m roa!^r%ftig nid^t feine ^ßaränefig über
bie SOiünjen neuerer Reiten nad^fd§reiben , um biefe nad^ feinem
ßalcut ju d^aralterifiren , unb 2tugcn ju geigen, bie nur ein älngelo^
^ietro bi ßortona, 3^if oftratuö , Stbbifon unb Älo| ^ahml
2!rittenä aber gar, unb enblii^:* „^d^ glaube nid^t gu irren,
menn iä) ben moralifdien 6t)arafter gemiffer 9Mionen unb ge-
„roiffer 3ßiten auf ben 9)iün§en fud§e, unb entbedfe." D ganj
©öttlid^ ! 2Bei^ §r. ^I. maS eine Aktion, eine S^it, ein ^JKoralifd^er 109
Sf)arafter einer 3fiation unb 32it fei : bie ^eber mürbe if)m entfalten
fei)n, ba er fo Qtma§> fd^reiben roottte. 5Rid^t auf ben 9Jioratifd^en ß^a-
ralter ber ©ried^en unb Sflömer einmal, at§ Reiten, al§ Stationen be-
trad^tet, lä^t fid§ auä it)ren ^Mngen, au§ atten i§ren SD^ünjen guf am*
mengenommen, fd^tie^en: unb in neuern Reiten, auf neuere SSölfer,
roo bie 3fiumifmati! beinahe gang ^riüatfad^e, beinahe gang t)iftorifd§c
Urfunbe ift, im Spione be§ §erfommcn§, baä auf ?Diüngen einmal gäng
unb gäbe geworben — ba auä itjnen auf ben 9Jioralifd^en (Sbarafter
ganger 3fiationen unb ^tikn fd^Iie^en ? — D Sogif ! Sogif ! Sogif !
a) @. 15.
_ 433 —
^x. M. fü§rt S3etfpicle.* „2)ic &maU be§ Slbevgtaubenä unb
„einer fflaoifd^en Itntevroerfung gegen bie 5ßrieftev fierrfc^t in ben
„S3üc§ern unb S3riefen jener finftcrn Reiten eben jo fetjr, aU auf
„ben ^Künjen, loeld^e bic g^ürften, oornel^mni^ in Seutfc^lanb,
„bamalg f dalagen liefen, aU man tl^eils gu oljmnäc^tig unb fci^raad^
„war, fidj ber geiftli^en §errfcf)a[t ^u roiberfe^en, t§eilä no^ ber
„n)o§(t{)ätigen §ülfe ber 2öeltraeigf)cit, biefer g^reunbin unb (Bäjm^^
„fter ber ^Religion, entSeijrtc, um bic ^-effeln beg SSorurttjeilä §u
„gerbred^en. .^ft cä ju üerrounbern, ba^ ein Zeitalter'' — nun
110 fonnncn ein ^aar fd^öne ^^ofjen, bie id; übergebe — — „ba^ ein
„fold^eä Zeitalter nic^tg lieber auc^ auf ^Jiüngen fat), als J^reuje,
„©c^lüffet, S3üc^er, Sifdjofgftäbe unb lirc^en. " ©er SSiel^
roiffer Jllo^ nm^ nic^tg roiffen, rca§ er roiffen foH. 2Bie? bie
mittelmä^igfte ^änntni^ ber niitlern ®efd;id^te unb 5Re(|t§gelef)rfani=
feit, bie biplomatifd^e 6tat)roIogie unb ©p^ragiftit", jeigt fie
nidjt, "tia^ i^reuje unb anbere 3ei»^en alteö §er!onnncn gcraefen,
bog freitid^ im Stnfange auö 2lberg(auben auffallt, nac^^er aber
l^a^rljunberte l)inn)eg urfunblid^e ©eraof^nfjcü, beftimmteä Sled^tg-
unb §ot)citgscid;en u. f. iv. blieb • — raie alfo in jebem ^aljr^un-
bert, unb in jebeni ©ubjeft ein 3enge auf 5D{oralifc^en (Sl)arafter?
Sßie wandje von biefen lüerbcn nod) l^eut ju ^age figniret, voo fie
il)reg Drtä finb? unb in ben bamaligcn S^^^^^ fo^^te man fie auö
gutem 3Bol)lgefdjmad untcrlaffen, fid^ ben §a^ ber ©eiftlic^en, unb
oielleid^t bie Ungültigfeit ber ©cpräge ^u^ieljcn, bie fidl) bem §cr=
fommen nidjt unterroerfen ? 91id^t lieber ein Ä^'reuj figniren, mo
e§ 3eit' xmb Sanbüblid^ mar, alg ein %^ox unb ein Ä'c|er beS
guten ©efd^madg luegen fcijn inotten? UnjeitigeS 2tnbringcn bcä
guten ©efc^madö juerft auf einer SRün^c, nod^ un^^eitiger aber ba,
TOO alles § er fommen ift, guten ©efd^mad fud^en unb üerur^
tt)eiten moUen — mag in ber ä'ßclt ge^t über hk ^albfänntni^ !
111 „Man ^at ben ^oltänbern oft eine beleibigungSoolle
„ä>erad;tung gegen Könige unb ^^ürften vorgeroorfen. Dh man
a) p. 15.
$cvbei-ö fämmtl. äBcile. ni. ■ 28
-^ 434 —
„irrten gloic^ bte Segierbe, üBcr anbrc ju lachen unb ju fpotten
„gelaffen, jo ijat man hod) bie Slrtigfcit, ,§öflic^fett, unb ben
„3(nftanb üon ii)vm Satiren getrennet. Sie bei »ielen ©elegen*
„Reiten in .^ollanb cvfunbcnen unb gefdjkgenen ^Mnjen beftä-
„tigen jeneg Urtfjcil üollfommcn.'"' ätber raer §at fie erfunben?
roer l^at fie prägen lofjen? ©etni^ nic^t bie ganje Aktion, über
beren fitttic^cn 6I)arafter ber .§r. ©efjeimberatf) nac^ bem 3SöI!erred^te
fo billig urtf)ei[t: oft ^riöatperfonen, unb oft g^rembe. äöer bie
^rei^eit ber ^ollänbifc^en ^Jtün^e fennet, ben ßi^f'itt^ttienflu^ fo
oieler Aktionen bafelbft, bas :viTttereff e , bas bieg 33oIf beä (Soin-
nierjeS roegen an ben 33cgeben§eiten ber nieiften Sänber 'i)ai, unb
benn bie e^rlic^e 3)reuftigfcit, bie fic^ ber ^ottänber nimmt, feine
5}leinung beraub ju fagen, unb benn bie e{)rHc^e S)reuftigfeit anbrer,
bie fic^ f)inter biefen S^irm cerftedfen — ber rairb fic^, o^ne in
ben Soogtopf ber Sibijtte greifen ju börfen, bie 93^enge fatprifc^er
^Olünjen, bie in i^oUanb ^eraugfommen, erflären fönnen. SBirb er
aber aud) ben roeifen ©(^(u^ [machen] auf ben (S^arafter unb jraar
ben 5[liora(if c^en Gljarnftcr ber ■)tation „bclcibigungcuolk SSerad^-.
„tung gegen .tönige unb ?yürften: Segierbe über anbre ^u iad)zn 112
„unb fpotten: 5}iange( ber Strtigfeit, ber ^öflic^feit unb beg 2tn=
„ftanbeg?" \d) loei^ nicfjt; rocnigftcng fenne id§ ben öoIUinber graar
a[g einen 9)tenf(f)en, ber feinen trorfnen ©potteinfaü reinraeg fagt;
aber alg ein %^kx, bag fo begierig roäre, über anbere gu lachen
unb gu fpotten, bag eine Seleibigungguolle ^eradjtung gegen
Könige unb g^ürften eben 3U feinem „?OIoraUf(^en ßf)arafter" ^ätte?
— bag mag ein öoUänber raiffcn.
Ueber .'poKanb fommt |)r. <RL an fein liebeg 3.sater(anb, um
ben fittlid;en (Efjarafter beffelben aus 'JJtünjen ,^u erflären.'' „®g.
„mar eine 3eit, ba S)eutfrf)(anbg dürften eg für eine @§re f)ie(ten,
„gro^e 9Seinfä^er ju bauen, fo mie ctman anbre ^^^fi^i^ f^ ^c-
„eiferten, if)ren ©efdjmacf an ber 33ilb§auerei unb Saufunft gu
„jeigen. Damit and) bie 9cadjfommenfd^aft bie roiditige ©efc^id^te
a) @. 20. b) @. 21.
— 435 —
„be§ ^eibelbergifcf)en S^affeö crfüfire, raurbc bte[el6e im ,3a^re 1664
„burci^ ^wei 3)lün(^ett üereiüiget, inoüon bie eine mit ben etenbeften
„9teimen angefüEet ift. — — '^ä) alg ein ®eut[c^er fc|äme mid§,
„ ben ©d^Iu^ l^ierauä gu jietien , roelc^en ein 21uälänber leidet machen
„roirb." — — 9tur Eierauägefagt ! ber ©d;Iuf \oU oom SBeinfaffe
einer Ttü^^ auf nid^tä minber, aU ben fittlic^en 6f)ar alter, ben
113 gangen fittlid^en ß^aratter, bic ©cnfungäart, ben ©eift ber 3!)eut=
fc^en ge^en: benn 2)eut[c§Ianb oerrät§ fi(^ ja gegen bie 3txi§tänber
i)ierinit fo ftarf, ba^ @r, ^x.^l, alä ein 2)eut[d§er, fid^ be^roegen
gegen bie 2tuglänber faft fd^ämet, ein 3)eut[d^er gu [et)n. —
D roeld^em Se[er n»irb eä nid^t in bie Sänge unau§fte§tid^,
mit mir burd^ atte bie ©c^Iüffe ^ingufd^leppen, bie §r. M. Sänge*
lang feineä ^u<!^^ auä einigen Mün^zn auf ben ©efc^madf feiner
^ftation, feiner ganzen 3^ation fo fidler mad^t, al§ märe er jum
Dictator formandi gustatus einbettig von feinem SSaterlanbe geraä^It.
9)ie^r al§ einmal ift feine ^atriotifd^e ©d^lu^folge: „maS muffen
„fid^ nid^t bie Sluälänber t)on bem ©efc^marfe unfrer ©ro^en für
„begriffe machen, menn fie bergleid^en ?0^üngen gu fel)en bet'ommen?
■ „bod^ fie ^aben e§ ung leiber! beutlid^ gnug gefagt, mag fie
„benfen."* @r rairft bie ^rage auf:'' roie e§ vox feiner 3cit um
ben ©efd^madE in 3)eutf erlaub auägefelien? unb beantroortet fie
burd^ eine anbre feine g^rage: „menn l)at 2)eutfd^lanb in feiner
„Sprache ©d^riftfteller befommen, benen man von ben ©nfeln ben
„2;itel claffifd^er Stutoren unferS S^aterlanbeS oerfpred^en fann?"
@r ift jroar gu furd^tfam, biefe ©pod^e ju beftimmen; aber bod^
114 oud^, roie er fid^ i^öflic^ auöbrürft, fo fii^n, gu fagen, ba^ man
nid^t allguroeit jurüdE*ge§en muffe. ®r beftimmt enblid^, nad^ artigen
SSerroeifen, biefe @poc§e mit bem Slnfange feiner unb feiner g^reunbe
3eitalter, unb fdjlie^t urplö^Ud^: „Sraud^e id) me^r gu fagen, um
„bie Urfad;en gu erllären, roarum bie ©rfinbung unb S^orftellung
„auf fo üielen beutfd^en 53{ün3en fcfjled^t, finbifc^, unbeutUd^, lädier*
„lid^ fer)." 3)urd^gängig alfo fie^t er aug einer Wtün^z fel)r mit-
a) ®. 55. b) @. 70.
28*
^-* 436 —
leibtt] auf bcn (S)e[d§inacf feiner Slatton §crab, unb roie fein ^-reunb
imb Seurt{)eiler " unä oerfid^ert, tft bieg ein ©ifer im ^atriotifdjen
%one, ein ebki* ©nt^ufiaämug für fein SSaterlanb. ©ine anbere
SSibtiot^ef/ bie fidj fonft burd^ ein grünblic^eä unb falteä Urll)eil
vox anbern fo fe§r auäjeic^net, f)ä[t bcui 3>erfafjer eben in feinem
artigen ^one eine förmlidie lange Sobrebe barüber, „baß er mit
„feinen gefc^mad'üollen 33ergleic^uugen feine Sanbeslcute eine fe§r
„Iäd;erlid)e Spotte fpielen laffe/' — —
^ä) tarm alfü nid^tö, al§ bem i^rn. SS. gu feiner Sogif, unb
©eutfd^lanb §um §rn. 33erfaffer ©lud münfd^en.
8.
1. ?[Rünjen fönnen nidjt eigentlidj auf ben ©efd^mad eine§
S>o(f§, einer Qdt geugen, menn ba§ SJiüngmefen nid^t ein Sßer! 115
beä S^olfg unb ber ^Seit ift. Stid^ts ift beut(id;er, alg biefe @in=^
fd^ränfung : nidjtg räumt and) me|r auf. ^n ©ried^enlanb, gu ben-
3eiten ber Stepublifen mar 'oa§> Sliüngracfen eine ©ac§e beä ^ubli*
fum: bie Sb'orftettungen maren entvüeber öffentlich beftimmt, ober
luenn fie neu beftimmt mürben, fo oon ber Dbrigteit, bie ben ©taat
Dorftetlte. 'Dean tonnte alfo in gelinbem 23erftanbe fagen, biefe
racif)Iten im 9tamen beä S^ollä, baö menigfteng i§r 33ilb xmb 2luf-
fd;rift fannte, beurtt)eilen tonnte, unb uieffeii^t gebilligt l)atk.
'^n ben ^){epublif'anifd)en Reiten iRomä raci^ man bie ftrengcn
9)iün5gef e§e , bie fein ^^rioatbilb auf bie 3)Uin3en julie^en. ^n
biefen ^t'it^" f<i"ii ^^^^^ i^odj fagen, ba^ bie 9Jiünsen ein 2Öer! bes
^^ublifuju; allein man luei^ aud), roie fimpel unb einförmig bei-
nal)e fie bauialä geratl)en, ba man in freien ^Kepublifen nie gern
o^ne 3iot^ Stbänberungen mad^et.
rßu ben 3*-'iten einer ?Dconard)ie fann fidj auä üielen Urfad^en
bie Dtüngenfunft me§r aufnel)men: allein xtm fo uneigentlid;er
a) Ätot3. mU. et. I. 5. 61. b) m. mU. ber fc^. 20.
-^ 437 . —
fd;on ein SBcv! bog ^i^ubtifuin. Unter einem ^sl)iHppn§, imb
Sllc^-anber bein ©ro^en, unb ben "iptoloinäern, unb ben ©eicuctbcn,
iinb ben ßäfaven finb bte ^^Jiünjen üortreflicf) : fie !önnen über
md)t§ alö bie Unüevinerflid^feit bevev ^eugen, hznm ber ^of bte
116 9)tün(^[orge anfgetragen, nnb roenn nmn mxü, über bie @üte be§
.^ofgefd^mad'ä. Unter Subraig XIV mar bie 'Jlfabemie ber .^tt*
fd^rtften ba§ ^sublüuin, bag ?DUinjen frf;uff — fie beni ganzen
?^ranfreici§, baä fie grö^tent§ei(g ntc^t nerftanb , jur Saft ,^u legen,
tüäre ungeredjt. 3w 6§riftinen§ Reiten niaren i^re 3lntiqnitäten*
lieblinge ba§ gebilbete ©djmebifc^e ^ublüum, baä ficl^ nac^ i!)rer
2lnttquarif(^en i^önigin bequemte. Unb bie (Sultur S^u^Ianbä auä
ben guten SJiünjen ^^u bered^nen,"" bie unter ber ^aiferin Stnna
unb anbern gefdjlagen, ift für ^Eu§(anb eine fe§r leibige @i)re, bie
tf)m ein 9JlitgIieb ber 2l!abemie unb ein ©tempelfd^neiber üerfd^affen
unb üerberben. fann. ^d^ roei^, ba^ §r. ^I. alle biefe ^eifpiele
für fid; an^iel^et, unb in feinem fü^en SlloUtone finget: „raie genau
„mit ber 9.>crbeffecung ber 3Biffenfd;aften unb fünfte in einem
„Sanbe aud^ eine beffere (Meftalt ber SIMnjen oerbunben feg, fön*
„nen wir unter anbern aud^ an^ 9iu|lanbsi S3eifpiel fe[)en u. f. m.
„3Ran mag mir immer etnraenben, ba^ bie ^ünftler Sluslänber
„finb: eä geigen bod^ allezeit jene ©d^auftüd'e ben ©efd^mad ber
„©ro^en be§ Sanbeä unb bie Siebe be§ §ofe§ ^u ben fünften — "
unb ba er fid^ alfo nic^tä einmenben lä^t: fo jude id; bie
aic^feln.
§ume foll für niic^ reben. (Sr mad;t bei feiner üortreflidjen
117 2lbl)anblung von bem Urfprunge unb g^ortgange ber itünfte unb
2Biffenf^aften gteid^ anfangt ben ©runbfa^: „mag auf wenige
,/$erfonen an!ommt, mu^ gro^cnt^eilä bem ^ufattc ober üerborg*
„nen unb unbefannten Urfad^en jugefdirieben toerben: nur raaä
„auä einer großen Stnja!)! tierfommt, lann oftmals ami beftimmten
„unb belannten Urfac^en erfläret roerben." @v giebt von biefem
@runbfa|e bie fd^arffinnigften ©rünbe, unb mit i§nen fällt baö
a) 'Seite 170-
— '438
©ebäube be§ ganzen ^lo^ifd^en SÖerfg. Sei neuern SKüngen fommt
eä nur auf jido ^erfonen an, einen ©rfinber unb einen ^ünftler:
fo ift ba§ $Ding gut ober böfe. Unb vok fann f)ier ber ^wfaK
trjrannifiren ! SDer ©rfinbcr, üieEeidjt ein '^ann mn ©efd^marf
unb 3Bifjenfd)aft, ift eben fein ^üngenfopf, er ift ein ©rübter —
bie 9)iünje ift werborben! ©r f)at eben je^t fein böfeg ©tünblein:
i^m roiK hin ^Jiünjeneinfall gtücEen — oerborben! @r ^at in
biefem unb bem fünfte feinen (Sigenfinn — »erborben! @r ift
ein Stuätänber, üielleid^t burd^ einen ^wfatt baf)ingefpielt, üietteid^t
ungef(^ä^t, üielteic^t »erad^tet : üielleid^t burc§ einen ^u\ali jur @!)re,
(Srfinber gu fetjn, gefommen: üielteid^t ju einem glüiflid^en Einfalle
burc^ bag Sluffc|lagen eineg 33u(|ä, t)iet(ei(j^t in einem glüdlid^en
3:;raume ju biefem glüdlid^en ©infatte gelanget, ic^ roei^ nid^t, raie?
— ©0 aud^ fein ^ünftler : fie mögen fid^ fecunbiren ober entgegen-
arbeiten — eä finb jroo ^rioatperfonen : unb fie foEen mit ilirer 118
2(rmfeligfeit für ober gegen ben @e|(^madE eineg ganzen Sanbeä
ftreiten? — D Sogi! o^ne i§reg gleid^en!
^Mznn aber »iele ^[Rün^en üon einerlei 2(rt — o fo finb aud^
mele Steigen oon ^wfällen oon einerlei Strt : gnug ! bei unä ift
feine Wlün^z 3iktional, feine 'Baä)^ beg ^ublifum, fo fann aud^
if)r 3eugni^ nic^t öffentlid^ fei;n. Der grö^efte 2;f)eil beg ^Io|i^
f(^en 33ud)ä ift auf biefen ©d^fu^ gebauet, unb ©nabe ©ott bem
Sd^Iuffe. @r i)at t)ermutf)Iid^ feinen @runb in ben Slugen, bie
^'iifoftratus unb ^Io|, 33tidjael 2tngelo unb Mo§, petro bi (Eor=
tona unb ^lo^, 2fbbifon unb Mo^ ^at, unb fonft niemanb !
2. ^tic fann etmaö ein ^eugni^ com ©efd^macfe fet)n,
menn eä nid^t ein freieä ^unftroerf ift, unb bag ift bie SHünje bei;
unä feiten. Sc^ing f)at bie alten 9leligion§fünftler oon ber Siegel
feiner ftrengen ^unft beurlaubet, unb J^lo| rebet il)m gu @ef allen
bie Beurlaubung nac^, bie er boc§ in allen feinen ©d^riften fo
fcl)lec^t anmenbet. ©d^on M hm 2(lten war bie SKünge @i)m=^
bole — bei unä gar §iftorifc§ = ^olitifd^ * ^irc§lic§ * Sanbegfierrlic^e
Urfunbe — roer mill fie nac^ ©efe^en ber ^unft ri(^ten ? @elbeg=
wertl) tritt üoran: ^errfd^aftäjeic^en hinten brauf: 2)en!mal ber
— 439 ^-
119 @c[d)id^te aläbenn : nun crft ©ijuibole — unb nad) alkm er[t
©c[d^macE : löiK biefer fi(^ üorbrängen, lüic übel tann er oft jurüd*
fonnuen. ^ä) ^ah^ ben Unterfc^icb gegeigt, ic§ mag iijn nid^t
raieber^olen.
(Bhm bal)er nimmt [ic§ in feljv unabljiingigen ?)J?onard^ien, wo
aßeg auf bie 2Bitttü!^r unb ben ©efd^mac! be§ Sanbe§[)errn an=
fommt, bie 9Jtünjen!unft thm fo leidet auf, a(g fie in einem Sanbe
üott dürften unb ©tänbe, »off ©taatgvcdit unb §er!ommen, roie
j. @. 2)eutfdj[anb ift, bem anbermeitigen guten ©efd^mad'e unbe=
- . fc^abet , leiber ! gurücfbleiSen mu^. ^ä) münfdjte , ba^ ein 3)^ann
Don Staatsfunbe jugleid; ber Setjrev bes ©efi^madfä, ber Hönige
unb g^ürften geroorben raäre; bie Satire meineg ä^erf. über S)eutfcl^=
lanb of)ne ©infic^t in bie Seut[d)c S^erfaffung ift mit nid^tf^, als
ber Satire über ba§ ©eutfd^e ^ublifum, ju üergteidjen, bie er
felbft an feinem liebften ©ritto fo fü^ werfpottet i)ai.^
3. ©0 fe^r id§ aud^ ben ^Jiünjen ©efd^mad raünfd^e: fo felje
id^ bod^ eine ^Reformation iljrer am roenigften alä bie Sieformation
eineg Sanbeg an. 9'Jadj unfrer S^erfaffung fann oon if)nzn am
minbeften ber beffere ©efc^mad au§gef)en, ba fie nur burd^ ba§
fd^mädjfte Sanb mit ber ßultur einer 9lation in 2öiffenf(^aften unb
120 fünften jufammenl^ängen. Unb nimmer — boc^ gnug ! bie ^lo^ifd^c
©c^rift, i^rem %om unb ^nf)a(te, i§rer ©d^Iu^art unb Drbnung
nad^, jufammt ben Sobfprüdjcn, bie fie ert^eilt unb erljalten, mirb
unfrer 9ia(^!ommenfd^aft eine fo fdjone ^robc t)om bünbigen @e=
fd^made unfrer 3^^! geben, ba^ id^ i§r alfo mit gutem ^erjen bie
(Stüigfeit wünfd^e, unb unmillig bie geber iregmcrfe — —
— ftatt beg «efdiluffes
ein ^luSjug am einem SBriefc. —
9tun baä ^ei^t @ebulb! ©agen ©ie mir bod^, mcld^er gütige
ober ungütige Sämon ©ic bei einem 33uc§e I)at üeftl)alten !önnen.
a) @. Ä(o§. «i6l. @t. 3.
— ■■ 44u —
baä für mid§ eing bcr tangtDetltgfteu unfreg ^at}rl)unbcrtä geraefen?
tüelrfier Sämon fte üeftgc^alten , bte ©d)lüffe, bie ©d^lu^ret^en ju
entblößen, bie feine ©d^Iüfje, bie bie größten 3trm[elig!eiten beä
feinen ©efdjniarf'ä [inb, bcr üon unerfUirlid^en (Smpfinbungen fommt,
nnb roieber gu unerffärlic^en ©mpfinbungcn I)ineilet. — —
Unb 3f)re 2lnah;je biefeä "DJcüngenroerfg folt gebrucft roerben?
©ie roollen eö lüagen, ben Slrtigften imfrer ©c^riftfteller in bem
^ämnierlid^en gu geigen, roaä er uneberfauet, in bem oöKig Unbe-
ftimmten, roie erä I)er[aEet, in bem Unjufammen^angenben, raie er
frembe fjalboerftanbne @eban!en neben einanber ftoppelt? Unb 121
roifjen 6ie benn nic^t, mie fid; bief er urbane 3)tann betragen roirb ?
W\.i einer üornel^men 9}Une auf ©ie {)erab ^o§nläcf)e(n ober gar
fpotten: fagen, ba^ ©ie auä uneblen ©efinnungen gegen if)n
gefd^rieben I;ätten: 't>a^ ©ie xi)n nid^t üerftanben: ba^ er fo etmaä
nid^t ^ahz fagen motten: furg! ol^ne auf einen ^§rer ©rünbe unb
3]orroürfe beftimmt unb grünblid^ ju antinorten, roirb atteS ba^in
auslaufen, ba^ eä S§m, unb nur '^^m allein frei fte§e,
fo unbeftimmt, fo fc^ietenb, fo fe^r mit fremben ?^ebern
gu fd^reiben, alg er moUe.
©lauben ©ic mir, ^reunb! id^ roei^ feinen S)eutfd^en, ber
of)ne alleä %. 33. 6. ber 5löiffenfc§aft, über bie er fi^reibt, fo roie
^(o| fdireiben fann. ^\i ^^mn im "DJünjcnbüc^tein bie ©teile
entgangen: mittelmäßige ilünftler müßten mit guten gufammen
leben: fo fobre eä bie 5iatur ber S)ingc: fo roie xw, einem ©e*
mälbe neben große Qd)aiitxi große Siebter gefegt roerben
— ein SItann, ber fo 'dvaa^» fd^reiben fann, unb boc^ immer üon
Kunft unb Kolorit prebigt, ift ber nid^t unter ber ßritif? u. f. ro.
— = 441 . —
122 IL
D6 bag !rtti[c§e Urtl)etl be§ §rn. ltIo| in alle bem SSielfac^ert,
worüber er itrt^eilt, überall gleic^ grünbltrf;, unb unpartfieüfd^ fei»?
— grünbltd^ unb impartf)eitfc| ^ugletc^? — — 3<^ glaube, ber
Se[er wirb bte 2Baf)I ^aben — —
Act. litter. Vol. I. Pars. I. ®te einzige 3^ecenfion biefeä
©türfä, bie @ef(^tnacf betrtft, wäre bte"* über §rn. $arleg Yitas
Philologorum, nostra setate clarissimorum : wie aber {)at ^r. ^\o%
biefe Sebenäbefd^reibungen mit fo nielem Sobe, otjne bie geringfte
Erörterung i§reg {)i[torifc§en S3aue§, ober rate man je^t fprid^t,
i§rer ^iftorifd^en ^unft, al§ einen jraeiten 9]epo§ in bie SSelt
fenben fönnen?
3c§ nel^me 3. @. ba§ Stid^tmaa^, nac^ raeld^em bie 33ibliot{)e!,''
bie unter be§ nämlichen $rn. ^(0^ SCuffic^t gefd^rieben rairb, bie
5RicoIaif(^e 33tograpI)ie 2lbbt§ beurt^eilt : unb f^alte e§ an bte SSio-
grapljie, bie ^arleä oon" (nun mer fann fid^ mit allem falten
123 93lute benn red^tlic^er unb billiger unter ben Philologis nostra
setate clarissimis erroarten?) oon c^rn. ^lo| liefert:
Christianus Adolphiis Klotzius
PhilosopMse et L. L. A. A. Magister, Professor Philosophiae
in Ordinarius Rev. Capitul. Wurc. Capitul. Extraord.
Poet. Cses. Laur. Acad. Cses. Scient. Roboret. Soc. Altdorf.
Teuton. Acad. Elect. Mogunt. Scientiar, Vtil. Soc. Litte-
rarise Zittaviens. et Latinse Jenensis Collega.
— Si — mürbe irfj l)in3u[e|en, roenn \6:) ben feinen Spa^
raieberl^olen mü^tc, ben ^x. J?lo^ "i^^xi Titeln feineg lieben 33ur*
mann§ gmifc^en fc^iebt —
Si ante lucem Ire occipias ab huius primo nomine,
Concubium sit noctis, priusquam ad postremum perveneris —
a) V- 58. b) m.Qii. SSibt. 6t. 4. p. 44. c) p. 64.
— - 442 ' —
©od) gur ©aci^e!
3uerft nimmt fid^ ^r. $arleg beit neuen unb feltnen ©riff,
bag 33ilbnt^ feineä ^reunbeg gang aug — feinen ^oetifd^en ^ugenb-
Übungen ju entwerfen. Slug ©ebii^ten? auä ^ugenbübungen ? auä
3^ad^a^mungen eineg fremben Driginatg einen biograpfiifd^en &)a-
tafter entwerfen? — g^reitid^ feiten! unerl)ört! benn mit ^hm bem
Siedete, ba §r. JlIo| je|t au§ feinen ©ebic^ten ber Sänge nac^,
ein ©toüer, ein SBeifer, ein §elb, ein Patriot, ein 3Serärf)ter be§ 124
Sebeng u. f. m. rairb: mit dtzn bem Siedete mürbe id^ ja einen
©leim, Sßieknb, unb Se^ing auä i^ren ©ebid^ten gu gang etroaä
anberg machen ; unb wollten bag bie Ferren lllo| unb §arle§ wer*
antworten? Qa aug §rn. ^to|enä ©ebid^ten felbft, wenn aug
i^nen fein perfönUd;er S^aratter gebilbet werben foKte, ma^ würbe
§r. Äl. nid^t atteä fei)n? ©d^on üor mir Ijatä 2tb6t* bemertt,
ba^ fid^ berfetbe in alkn ©ebid^ten burd^weg nid^t einmal fo treu
bleibe, al§ fid^ jeber 3)id^ter, bem einmal angenommenen ßf)ara!ter
gemä^ treu bleiben follte , unb alfo ? 2Ber auf ber einen ©eite
ben Simor unb bie S^enuö fingt , unb ben 3)lonb anfielt , — ber
ftürjt auf ber folgenben ©eite in ben g^einb — unb auf ber britten
^at er wiber bie f rieblid^fte , unb ru^igfte 2)en!art, bie je ber
bequeme, ^riegfd^euefte SBoKüftling f)aben fann — tä^t fid^ barauä
nid^t rec^t tapfer d^araJterifiren :
Humana fortis subiiciam mihi
Magnoque spernam pectore! &c.
Unb lä^t fid^ für einen fotd^en ß^arafter ni(^t nad^^er in ber
Stecenfion ber 33iograpl) auf§ wärmfte umarmen : In summa volup-
tate, quam ex amore erga me Tuo, mi Harlesi, percipio, cloleo &c. 125
2)a ift ja wo^l eine Siebe ber anbern wert§.
§r. i^arleä ergälilt »on feinem gelben, ba^ er an ©enie unb
©elef)rfamfeit wenige feineg gleid^en Ijahc , ba^ er im ©ried^ifd)
unb Satein ben meiften überlegen, ba^ er ef)rgeijig unb jad^jornig
feg, ba^ er @elb unb St^itel »erad^te, feiten traurig, unbeftänbig in
a) On ben ^itt. «r. [13, 66]
— . 443 —
atnfdilägeTt unb älteinungen, nic^t lange foi'tarbeiten föitne, me§r
feinem ^opfe, al§ [einem ?^lei|e, fc^ulbig [et), fic^ allein f)öre, anbve
gern t)er[potte; gern ctmaä üon ber 9Jtalerci, auc^ gerne S)eut[d)c
33üd^er Ie[e u. [. m. (warum nic^t gar, ba^ er auc§ ©eutfd;
fönne?) bag atteg §r. §arleg; §r. Mo^ ()ätte unä [agen [offen,
oh ba§ [ein Sirb [ep?
9^un gelten bie SeBenäumftanbc an, roie in ben ^er[onalien
eineg SSerftorbnen : ben §rn. §ofmei[ter, ber ie|t ^rebiger [erin
[ott, unr)erge[jen. Unoergcffen, bajs ber §r. ©e^. 9tati) alg @9m=
nafiaft audj öfters in ben 33orftäbten von ©öcli| geprebigt: un^
üergeffen, ba^ er aud^ f)abe §errn§uter roerben motten : unoergeffen,
ba^ er aud§ [o gar einigenml in [einer SSaterftabt geprebigt:
Unb a(l^ ! raarum benn üergeffen, roie fe§r fic^ barüber oietteic^t bie
126 lieben ©einigen erfreuet! mie (jergUc^ fie gemeint! mie f)erjli(^ fie
fid^ erbaut! u. f. m.
„©ein ^oc^geitätag mar ber merje^nte ^uniuä. 3Bobei er
„ bag infonberf)eit rounberbar fanb (mirabile illud sibi videri, ali-
„quoties dixit) ba^ i^m eine Sraut eben bes Siamenä, al§ fein
„^reunb, ber bcrül^mte ©aje, fül)ret, befd^eret geraefen, ob biefc
„ glei(^ mit jenem in feiner 3?erroanbfc|aft ftünbe. " ©pottcn
möd)te id; nid^t gern, unb infonber^eit nid^t über eine ?^reube ber
I)eiligen ®§e, Slttein baä Serounberungäroürbige barinn, ba^ ein
■^rofeffor ©aje in Utred^t lebt, unb ba^ ^r. ii^to§ eine ;3i^ngfer
©ac^fen in ©öttingen ^eirat^et, bieg SBunberbare fei nun ein oft
miebert)olteg Söortfpiel, (aliquoties dictum) ober ein galanteg Stom-
pliment in ber 33rautfammer, ober ein artiger ©infall im -^od^^eitg-
[d^reiben an §rn. ^^rof. ©aje in Utrecht, ober enblid^ eine tiefe
33etrac§tung über bie munbcrbaren gü^rungen ©otteg mit feinen
^inbern — in feinem 33etrad^te fd^eint eg mir beg |)errn, ber ben
(Sinfatt f)atte, unb beg |)errn, ber ben ©infatt, alg einen Sroden
üon .^odjgeitreben, auffc^rieb, mürbig.
Unb fo ge^tg in ein (E^ronotogifd^eg S3üd;erocrjeid^ni^ mit
127 beige[e|ten ^eitunggurt^eilen ge[tempelt: big ber ^iograpl) auf bie
33urmannifd^e ©treitigfeit fommt, mo er fo fe^r bie Sürbe [eineg
— . 444 = —
3lutor§ unb bic Unpavtlieiltc^feit eines ^iograpfjen «ergibt, ba^ bie
ric^terifdje 9iad)it)clt r)ielletc§t fur^roeg jagen wirb: Pastillos Rufillus
ölet, Gargonius hircum ! — —
©0 otel Sob §r. §ark§ über feinen ^tei| in ©anunhmg bei*
3)iatenaUen verbienen mag: fo bleibt er in alten feinen Sebenä*
laufen einem %om üon (Gemeinheiten unb balb gefagt, ^liciits^
würbigfeiten , treu: er vergibt ba§ ©igne feiner ^{)itoIogifd;en
^erfon, unb ba§ ©riefene il)rcr 33erbienfte, mag allein auf bie
9^a(^melt !omme: er nergräbt fie unter triüiale Umftänbe, 3)ifpu=
tationätitel unb 3eitungägebül)re , ba^ er enblid; jeneä ^lol3if(^en
Sobeä roo^l roert^ mar: bcne, bene respondere &c.
Act. litt. Vol. I. Pars II. „Stüderäf eiber über ben
„6§ara!ter ber Dben ^^inbarä."* 2)en gemeinen 33egriff
i)ah^xi mir gefefien,*" ben fid^ ber Stecenfent von ben 35igrcffionen
in ^inbar§ Dben mad)t, unb |ier bie gemeinen 33eraeife. Stber,
roie billig unb 0o^ifd^ ift: ^uerft Seifpiele t)on anbern beugen. 128
^(^ roollte, ba^ §r. .*^l. niemals 33üd;er anfül)rte, alg bie eigent^
lid^ an ben Drt gel^örcn, eigentlid^ beroeifcn, unb bie er, roenn id;
Ijinjufe^en barf, felbft gelefen. 2)er ^-ranj Stonbel, ben er anführt/
bcfd^äftigt fic^ ja \n feiner ^^arallelc jmifd^en ^^inbar unb ^oraj
meljr mit ber elenben 2lnalogie üon ben Sebenäumftänben beiber
3)ic^ter, alg mit i§ren @ebic^ten: mel^r bamit, ba^ fie beibe
honnetes-gens unb eg fehlet nic^t oiel auc^ galant-bommes gemefen,
al§ meieren 6l)arafter fie aU ®id;ter befeffen — in biefem über*
^upt nerbient er faum ange,^ogen i\\ roerben. Sa^^^OZotten lennet
man fc^on al§ Stid^ter (Sriediifc^er Dben fo roenig al§ ben 2(bt
SRaffieu unb anbre, bie ber 3?erfaffer noc§ überbem l)ätte anfüljren
fönnen. 2ßeil aber §r. ^lo| einnml biefe ©(^riftftellcr unter
feinen locus communis: Sprifc^e ^oefie, Dbe, angefc^rieben : fo
fc^reibt er fie a\x6) mcl)rmal§ unter feinen 2^ejt, felbft roo fie fo
menig ßntfc^eibung geben fönnen, alä ©r felbft 33eifpiele ber 2tu§=
a) Klotz, act. p. 117.
b) Btüeiteg Salbten p. 239. 40. 41. c) p. 125.
- — 445
f c^Toeifungen im 5)3inbar : roer f)offet voo^l ein cf)cveä, at§ bie mertc
^]>t)tf)i[d;e Dbe, unb bo(^ aud^ fie, bie [o mandjcm jum Slcrgernifje
bient, ift alg 9*^01101x01* Socal- unb ^nbiüibiial[tüd' auf ben 2(vce=
129 filaug au§ ßi^rcne betrautet, nirfjt bloä ju retten, Jonbern in ber
^()at gu loben, äßenn man einmal ben Unpinbarifdjen 93egriff ver-
bannet, ber ^9tl)ifrf;c 2)i(^ter £)abe fold; ein Sobgebicl^t auf eine
^er[on, blog roegen biefeg ©icgeg unb weiter nic^tö, mad;en rooKen,
roie l)eut ju ^age Siebten- unb i^od^jeitgebidjte verfertiget roerben:
roenn man fid) in bie ®rie(^ifd}en Qäkn 3urüdfc|t, ba ber Sieger
eine öffent(id;e ^crfon ©riec^enlanbg, unb ber ©änger ein Sänger
für§ 3>aterlanb, unb ein Se^rer ber i^önige roar: fo tritt auä) bie
gegenmärtige Dbe mit allen il^ren fogenannten 3lugfd§meifungen in
^errlid^eg Sid)t. ©in $t)tl)i|c^er ©ieg warä : ein 3)clpl)ifd^er ©efang
foUt' e§ roerben, unb maä alfo angeme^ner, al§ bie (Stimme: auä
3)elp]^ig, Strcejilauä, Ijaben beine 9?orfat)rcn, unb bein 3lnl)err
Sattuä ßprene empfangen: S)er $t)tl)ifd;e 2lpol(o l)at eg eud;
gegeben. 3)er ganje crfte 3::^eit ber Dbe in aller ^-eier beä @ött=
liefen, be§ roeiffagenben Urfprungg ift prächtig, Ijat ^erfonal*
intereffe: benn Strcefilauä, ber au§ feinem ilönigreidje vertrieben
geroefen, tritt eben bamit in ben (^lang feineg red^tmä^igen Urfprungs :
§at 3^amilienintereffe, benn roie viel galt bei ben ©ried^en
bag 2lnfef)en großer Später! unb roie viel mu^te bei einem ^erab=
gefommenen, abget(;eilten Sattiaben, ber 9^ul)m feine§ Urvaters,
beg ©öttlidjen ^attuö, gelten! — ift Drt- unb ^e^tmä^ig:
130 3)enn ber ^ptljifd^e 2lpollinarifd;e ©efang, roovon fonnte er roürbiger,
alä von folc^en 3Boljltl)aten bes 2tpollo, reben? 33iit '^^rad^t alfo
fd;lie^t ^^inbar biefen 2;ljeil ber Dbe, unb fteltt feinen 3lrcefilaug
aU einen vom Slpollo ernannten unb jum jrocitennml ie|t beftä-
tigten ^önig von ßprene im Sd^mud be§ ^i;tl)ifd)en Sieges bar.
Unb nur §r. iTl. etroa fann, roie roenn ^Unbar über ein Sdjul*
tljema gearbeitet l)ätte, fagen: Pythicum IV. maxima liistoriarum
varietate distinctum. Nani dum parat se ad laudes Arcesilai
cantandas, quomodo, qui e maioribus illius, Battus in Cyrenaicam
venerit, eiiarrat: Medea; ^aticinio copiose commemorato. Quibus
— - 446 —
dictis ad Arcesilaum [([uidem] redit, sed &c. 9flur ®r: benn 'i)at
^inbar nidjt [c^on längft einen Unterfd^ieb geinadjt jroifi^en bem
©roä feiner 2(uglegei*, (to ycav sQf-trjveow) unb jroijc^en benen,
bie fi(j§ um ba§ innere feiner ©efänge bemütien — —
^inbar befommt Suft, bie ©efc^ic^te ber 2trgonauten, unb
beg gülbnen SSIieffeä einzuweben. Wlan fottte biefe ©pifobe nic^t
alg ein 33eifpiel feiner geroöfjnlirfjcn Stugfc^roeifungen nehmen:
benn er felbft fünbigt fie aU ©pifobe, aU etroag aufferorbentlid^eä
an. 2Ber roei^ nun bie ^ß^^urfad^en , bie ^inbarn bamalg üor*
lagen, einmal bie ganje @efc^i(^te auSfüIirlid^ 3U erjäfilen? (So
üiet id) auä biefen unb anbern Stellen ^inbarä Dermutl)e, lag bei
oielen folgenbe Urf ad^e cor. ^inbar lebte in einem ^^italter, ba 131
bie S^rabitionen ber ^eroifd^en 5)It)t§oIogie, auf meldten meiften§
ber ^eruntergeerbte S^orjug im Urfprunge ber ©täbte, ber ©efd^led^ter,
ber ^önigreid;e, bie er fang, beruhete, fd^on ^alh in ba§ Sid^t
t)iftorifc^er Urfunben treten fofften: unb ba if)n alfo bie ^ufe
gum ?iationaI= unb ^atroni;mifc§en ©änger ©ried^ifd^er ©efd^Ied^ter
unb ^erfoncn fanbte, fo I;atte er au^ ba§ ©efd^äfte, ben 9teft
fold^er §eroifd^en Urfunben gu retten, unb mit ber 2Beiä§eit gu
erllären, bie fein Zeitalter foberte, unb beren er fid^ in fo üielen
©efängen rüljmt. äöenn mir bie SRufe ^inbarä bie 5[)iu^e geben
roirb, über ben 6{)arafter biefe§ '^()ebaner§, be§ ebeln g^reunbeg
meiner ^ugenb, mid^ ausführlich ju er!lären: fo roerbe id^ bei ben
531t)t^ologifd^en @j:pofitionen beffelben biefe ^^oetifd^e SBeig^eit, bie
ein aufbred)enber 9tofenfeim jur fünftigen ^iftorifd^en äöa^rl^eit
mar, entroideln, um aud^ in il)r ^inbarn, alg ben ©änger feiner
3eit, ol)ne tolle 3lu§fd§roeifungen ju geigen. §ier fte^e fo »iel:
ba^ bie ©efd^id^te ber Strgonauten ber Situation gegenmärtiger Dbe
nid^t fo frembe ift, al§ §r. ^l. meinet.
SSon ben Slrgonauten ftammte ha^ ©efc^loc^t be§ 2(rcefitau§
ah: unb nad^ ©riei^ifc^er ©enfart, auf meldte Stirnen lä^t fid^
lierrlid^er fommen, als auf bie 2lrgonauten? 2)ie Sinna^me, ba§ 132
2tnrec§t ber Sattiaben ouf ßprene mar au§ bem ©d^oo^ ber 9trgo=
nautifd^en ©efdtiid^te hergenommen: fie mar ein B^eig mitkn Ciu§
-^ 447 —
ber 33ettü{(f(ung bicfer 3lbcnt§eufcr f){nau§gcrtffen — rao tft er in
feiner ©eneration befjcr ju erfennen, alä i»enn er roieber mitten
in bie SSerraidtung jurüc! gepffanjt, tcbcnbig ba fte^t. SDie 3^or=
falte fo luo^t beg 3™cigcä, ber ^§eräer, als beg ©tammeä, ber
2trgonauten unb ^nfonä infonberljcit, rüf)rton üom ^pt^ifc^en 2tpoIIo
i^er: roo fd^attten fie roürbiger, als am gefte feincö ^empelö?
3!)te (gpifobc wirb ja and) nid^t anberä, aU ^i)tJ)ifd^, atä Stpotti-
narifc^, eingelenft, unb erjäl^lt: unb cnbltd;, ber ganje ^i^edf, bie
t)erfIo(^tne SSeranlaffung ber Dbe in biefem ^wftanbe oon ßprene
unb 2trcefilaug mad^t atteg not^rocnbig. 3(rcefilau§ mar feine§
Unge^orfameg raegen gegen bie @inricf)tungen beg Drafelg, ver-
trieben geroefen: er fragte ben Slpoffo, unb ber gab i|m, bem
ad^ten 33att{abcn, nur einen fe^r eingefrfjrän!ten 2::roft, aber babei
befto fd^ärfere 3(nma^nungen. 3trcefilaug nad^ feiner Sßiebererftat*
tung blieb il)nen nid^t treu : bag S^aterlanb unb alle Unorbnungen
feiner ^Regierung flagten: racr roar ber (Erfüllung beg brol)enben
Drafelg, feinem 35erbcrben, unb bem Untergange feineg ©tantmeg
nä^er, alg ber bem 3lpDllo unge'^orfamc , unraeife 2(rcefilaug?
§ier warb ber ^^t)t^onifd^e ©änger ein Se§rer beg ^önigeg im
133 Dramen feineg ©otteg : er legt feinen ganzen ©efang fd^on von
ferne auf biefe erl^abne ^fUd^t an : er prebigt i^m bie 2öol)ltl)aten,
bie Stpollo um feine SSäter, unb bie Se^ng^errfd^aft , bie er über
(Sirene ^be: ^^u unb ju nic^tg weiter lä^t er bie ©timme ber
alten SBeiffagung, unb bie ©efd^id^te ber 3lrgonauten unb 33attia=
ben reben: ^ie^^u lenft er bei bem 33orbilbe ber 2Beigt)eit beg
Debipug jurüd", unb gibt bem i^önige im erfiabenften 3^one bie
beften 2ßeig^eitgle^ren ^ur ©elinbigfeit unb 3Beig§eit, fein 9.^ol! ju
regieren. .§iegu nimmt er gule^t für ben unfd^utbig Dertriebenen,
fingen, aufri(^tigen , vom 3!?aterlanbe bebaureten Semop^ilug bag
Sßort, unb fommt, ba er für biefen im Dramen fo vieler fprid^t,
bem bergen beg ^önigg am näd^ften. ©n raeifer ©efang!
nid^tg ift in i()m unnü|: nid^tg ba, um vier^ige oon ©tropl^en
augjufüKen : ni(^tg ba, um bod^ bei einem f o unfrud^tbaren 2;l)ema
etroag ^u fagen: nid^tg ba, um ^inbarifd^ 3U rafen — nein! ein
^-. 448 ^ —
fo {jnbtüibuetter, ©rtec^ifi^er unb 6t)renaifc§er ©efang, fo ganj für
2(rce[i[au3 gelungen, fo roeife barauf angelegt, roaä i|m gejagt
roerben füllte: fo '$r)tf)ifc^, fo 5|]tnbarifc§ — ba^ ic^ gum ^orttraft
nic^tä aU bie ^(o^ifrf;en SSorte'' jufdjretBen barf: Quid est longe
a re proposita digredi, aut omittere potius eam, si hoc iion est?
2öie, roenn ^inbar auflebte, rate roürbe er fidj freuen, einen folc^en 134
geheimen StuSleger be§ ^^^nerften feiner ©efänge ju I^aben?
^ä) ^abe ba§ Eidog ^inbarg gerettet, baö §r. Ül. at§ ha^
S^ergioeifeltfte liinjugeben fd;eint, unb mag bie SSorraürfe nad^
anbern Oben nic^t oerfolgen: ein !Diann, ber 5|]inbar fo t>on ber
Cberflac^c fennet, raie raoKte ber einen iHüdergfelbcr oerbeffern?
2ßie fonnte er fagen: ita, credimus, complures nobiscum existi-
maturos esse.
Vol. I. P. III. Sd^ilbcrungen berühmter ©egenben
be§ 2tltertt)utn§ üom §rn. r». Sreitenbaudj.* 9^un ja! oont
^rn. 0. 53reitenbau(^, unb fo gteid; finb bie Gf)rennamen erflärt,
bie biefer — biefer vir geiierosus , ipii nuper pastoralia carmina
edidit, in quibus illam naturai; iucunditatem, illam simplicitateiu
morum, illud aniabile vivendi genus feliciter exjn-essit, biefer vir
elegantissimi ingenii , qui eleganter & venuste . . . etiam in hoc
libro regionum amoenitatcm depinxit, historiam rerum docte
exponit ttc. ja, ber im ganzen 2Öerfe fic^ fo gezeigt ^ai, ba^ mir
eine neue Ueberfe^ung be§ .§ora5, bie er 2)eutfd§[anb ner-
fproc^en, nic^t blos fe()nlic^ erroarten, fonbern aud; bei-
nahe mit Ungebulb fobern tonnen, ^^ar racrben mand;e
üon biefcn Sobfprüc^cn, a(§ einer Spradje be§ ^ublifum nid^t
miffen, ba bie an fid; mittelmäßigen unb oft fd;lec^ten @ebidjte be^ 135
9>erf. nie einen 2)id^tor ber erften ©röße ju crrat^en gegeben.
9tocj§ roenigern mirb je bas fef)nUdje 3]er(angen, bie fobernbe Un=
gebulb angcfommen fci)n, an einem jungen Sdjriftfteffer , ber nod)
nidjt forreft fd^reibt, unb immer 5mifc^en '^rofe unb ^oefie fdjroanft,
einen Seutfdjen Jpora^ ju ermarten. ©nug aber! ^r. ^Io| fagtö,
aj p. 126. b) p. 245.
— 449 . —
itnb roev bte ©rÜärung roünfdjt, [cljc bie [ü^c 3u[d)rift bcr ^ome^
rifd;en S3ricfe.
,3o§ann SBinfelmanng ©e[d;idjtc ber ^unft:" of)ne
Stnmerfungcn unb eigne ©ebanfen in J\(o^i[d§e§ Satein ^ingcgoffen
itnb auggefpület — fetiger Söinfelmann! mo fd^roebt bcin ©eift
über biefen 2Baffern ber ©ünbflutJ)?
Act. litt. Vol. I. P. IV. Lowth de sacra poesi Hebraeo-
rura:'' or^ne atteg Srttifdjc Urtl^eil, mit bem [o lange abgelebten
©pottc über eine gcroifje ©attung r)on ^T^eologen begleitet, bie
§errn HIo^ töenigfteng nidit gränjcn — —
33riefe gur Silbung be§ @e[(^madg an einen jungen
^errn." @§ ift ein Sßergnügen, lüie l)ier ber ©ott Stupor bie
gemeinften ©ad^en in biefen aw. jidj nü^lidjen, oft aber [o feierten
unb unpottfommenen 33rie[en anftaunet, überfe^t, abfd^ reibt,
unb o()ne allen 33eitrag jur SSeroolIfomnienljeit anpreifet. 33ei
136 [o gemeinnü^igen §anbbüd)ern eben follte fid; ja bie ©infidjt xmb
ber 3^lei^ be§ ßritifug 3uer[t geigen — —
Act. litt. Vol. II. F. I. §au[eng ©e[djid;te be§ ac|t =
gel^nten ^a§rl)unbert§. '^ Quac a viris doctis dudum deside-
rata fuit, copiosa, accurata, immo vera rerum lioc soculo gesta-
rum expositio : eam nunc primus adgressus est Cl. Hausenius,
vir mcKjni ingemii , plurimae industriae, praeclarae doctrinae,
quodque in primis historicum decet, ab omni adulatione abbor-
rens, &. veritatis Studiosus. — — In ipso opere scribendo dese-
ruit morem plurimorum bistoricorum, res minutas & exiguae
utilitatis negotia 'anxia cura enarrantium. — — Totus fuit in
eo, ut quae ad rem puhlicam accuratins cognoscendam , ad arcanas
singulorum eventumn caussas intelUgendas, eormnque inopinatos saepe
effectus perspiciendos, ad artes., quihcs res a legatis tractatae fuermt,
aperiendas, ad singularum gentium commoda demonstranda facerent.,
non accurata solum na/rratione exponeret .^ verum etiam ohservatio-
nilus e civili prudentia , ipnaque rerum , quae tum erat , conditione
a) p. 336. b) p. 403. c) p. 43G. d) p. 64.
^erberS fämmtl. älSci!e. III. 29
— . 450 . —
colledis iUustraret. Res vero in hello gestas paucis attigit, eaque
ex iis attulit, quae pragmaticae Mstoriae studiosi nosse interest.
Qiiae quidem omnia non e turlidis rivuUs sed e Umpidis fontihus
hausit — — „D aEc, btc bte ©taatert »on ©uropa tief unb 137
„genau einfeljen, bie ge^cimftcn Urfac^cn jebeg einjelncn 35orfaU§
„ ausf ov[djert , nnb ifjrc oft unoeriniittjcten Söirt'ungcn \\^ crHären
„raotten — alle, bie bie t)cr6orgenftcn ^unftgriffe ber ©efanbten
,,bet i^ren ©taatSgefc^äften aiifgobcdt, ba§ ^ntereffe aller 9>öHer
„beutlic^ crfUirt, ba§ al[c§ in ber genanften ©r^jälifung vorgetragen,
„mit tiefen Semerfungen ber ©taatöthtg^eit begleitet, o,\x^ ben
„ ^riegSläuftcn ba§ $ragmatifd;e IjcrauSgelefen " — — bie allc§
bieg feljen unb lernen roollen, labet §r. .^lof, wx 3U feinem ^rcunbe,
bem §rn. 53iagifter Raufen. — 2öa§ alle gelehrte 9}^änner bi§l)er
geroünfcljt, inag bie 9}tafcoüg, nnb 33ünau§, nnb ©tmue unb
c^ölerä unb ^äberline unb ^ütterä nic^t l)aben leiften fönnen:
fel)et! ba§ Ijat enblid^ erfüllet Cl. Hausenius, vir magiii ingenii,
plurimae industriae, praeclarae doctrinae, &c. &c. 2Bunbcr unfrer
^age, §aufenö ®efdjid)te beg ad^tjeljnten ^al^rl)unbcrt§ !
Vol. 11. P. 11. Defense du paganisme par l'Einpereur
Julien.'' Da biefe ©d;rift beg 9Jiarq. b'3lrgcn§ raenigfteng bag
Sserbienft l^at, genauere (Srt)rternngcn über ^uKang (S^arafter unb
3eitpunft oeranla^t ju l)aben, unter roeldien bie ©ebanlen eineg
53t exe rg, (Erid^tong, 3tbbtg unb anbrer, jebe in il)rer 9Jlrt
fd)ä^bar finb: fo roirb man begierig fet)n, aud; bie ^'•'idjnung 138
<Rlo^eng üon Julian p. fe^en: §ier ift bie ^Itarität: lulianum exi-
stimo virum fiiisse elegantissimi magnique ingenii (etroag bauon
^at .tlopftod im norbifdjen 3luffel)cr^' gezeigt, unb ido mirb nid)t
ein iRlo^ unb ein ^lopftod einerlei feljen?) magnique animi/
nee militaris solum rei , sed artium quoque liberalium (menn
biefe uielleidjt bie 5Rebc!unft eineg fdjma|enben ©opl)iften Ijei^en
fann) insigni scientia ornatissimum : eundem liberalem, castum,
a) p. 175. L) %l). I. ©t. 17. '
1) „maguique aninii" Don ipcvbev :,iiaefet3t.
— ' 451 > —
sobrium, frugalem, benignum et priidentem censeo. Patres quos
appellant ecclesiasticos , non nego , mihi , si paucos exceperim,
non ea laude integritatis, pietatis et eruditionis dignos videri, qua
a quibusdam celebrati sunt. In aliis multmn stuporis, parum in-
genii: in aliis partium Studium: in aliis arrogantem^ superhum. et
atrocem animum invenio. De luliani denique opinionibus mitius
censenäum esse censeo, quam vulgo fit, (iinb rocirum benn ? roid^tige
Htfad^c !) aut non considerata ingenü humani imhecillitate^ aut non
satis illorum temporum ratione cognita — raer \)oX nun rao^l,
ber in ben '^txizxi Julians, imb in bcn neuern 3'^wpifjcn non
if)m geforfd^et I)at, je etraaö feicI^terS non i^ni unb ben Slivd^en^
Dätern überljaupt, unb beut ganzen Zeiträume beffelben gelefen,
139 al§ TOaä ()ier ^r. IÜo| bafür \yi\i, ba^ man'ä bofüv Ijalten
foUe?-
VoJ. II. P. IIT. Lexicon Graecum : collegit et digessit
Damm." ©leid^ kt bcm crften 3?orn)urfe fuljr id; jurürf: pro
nostra aequitate illud nohis ab Auetore dari volumus, ut profiteatur
noliscmn, non ad universam Graecam linguam hoc Lexicon
spectare rate? unb \)at eö barauf abfegen rootten'? unb
f)at nidEit ber niü{)[anie unb gelehrte ©animier e§ nucibrücflti^ jur
33a[t§ einer ßoncorbanj xmb ©rUiuterung über §onter unb ^^Unbar
, bargeboten? unb nui^ md;t th^xi baä jebeni Sieb()aber ©ried^en-
lanbö, ber au§ ber ©prad^e bcn ©eift ber ©riedjcn ftubirt, fdjä^-
bar fet)n, in biefcm 3Berfe ber 6i)![open bie ^lüt^e ber ^oetifdjen
©pradje ©riedjcnlanbä 3U finben, unüermifc^t mit ber [pätern '^]>ro[e :
in if)m bie 9}iptI)oIogie ber fdjönften Sid^ter^eitcn ©ricd^enlanbS ju
finben, unüerinifd^t mit ber fpätern ^^I^ilofop^tc unb ©op^iftif über
bie ©ötterle^re: in ifim bie Äeime ber ©ried^ifdjen ®id)terroei§[)eit
IM finben, unücrmifdjt mit ber fpätern ^^olitifc^en ©enfart unb
©ittlidjfeit : in i^ni alfo baö ©ebiet einer @ried;ifd§en ^cit ju über=
fe^en, bie wmn bxird^gel^enbg p nermifdjen gcrool^nt ift, unb au§
ber fid; aUe§ Spätere erzeuget l^at? — Unb ift für einen 9Jtann,
a) pag. 272.
29*
-^ 452 ' —
ber bte§ mcfjt xot\% , ber bieg nid^t cinntal üom ^tte(6Iatte '^erab
lefen mag, ift für folc^en bas Sejicon ju 6eurt^eilen ? — —
Ueber jebe ©aij^e in ber 2Selt (ä^t fic^ fpotten, unb ein 93tann, 140
roie Samm, trägt feine g^eljler am roenigften unter bem 5)^antel:
alfein bie nutibaren ?^rüc§tc eines fo langen g^Iei^eS, be§ 'Jlei^eä
eincg f)aI6en 5}^enfc^enafter§ 6einaf)c, einiger g^el^ler roegen, bie
jeber . . . finbet, oerfpotten gu fe^en, ücrbient 3}iitleiben ber 53(enfc^'
§eit, unb i(^ roenigftenä lege bem S?erf. ^icmit für feine jroar nidjt
^Io|ianifc^ fü^e, aber grünblid;e Uebcrfe^ungen, für feine in 2(((c-
gorien jmar gelünftelte, aber fo reid;e ©ötterle^re, al§ id^ feine
anbre im .steinen fennc: unb benn für fein 3mar oft gefünftetteö,
aber fefir nufebarcS 2Börterbudj , meine roei^c ©ererbe unbefannt
f)in — —
Orphei opera : recensnit Gesneriis.'* 9Jcit einem falten mat-
ten Sobe gel)t baö nortreflic^e unb auf mand^cn ©eiten fo uner-
fannte 3Serf worüber.
Poetique Francoise par M. Marmontel.*' 9lic^t au^^uftci^en,
mit meld^em ^ii^^Wonc bie 2)eutfc^en noc^ immer ^ranjöfifd^e 3Berfe
aufncl)men, bie, fo ©ott roill! fdjön, aber von ^erjen mittelmäßig
finb. 3!)a in ^-ranfreic^ je^t feiten öauptmerfe be§ 5)?enfd^lidjen
©eifteS, unb ©eburten, bie :3ö^i^f)U^'5erte leben werben, crfd;eincn:
fo lianbeln bie g^ranjofen Sanbesmännifd^, aui^ mittelmäßige 3Berfe 141
mit ©nt^üden auf,3unel)men, unb mit i^rem gerooljntcn ^one : nic^tö
ge^t barübcr! ju »erfünbigcn. Slber bnß roir 2)eutfd^e i^nen fo
gleich nad)ruffen, überfe^en, citiven, pofaunen: ba§ ift raiber alle
©efe^e ber Station. — — §r. 5llo| l|at für gut gefunben, 9Jlar=
montelö ^oetif in einem langen SluSjuge, o§ne weitere Gritifc^e
Sserpflegung in fein liebes Öatein auszugießen, imb ein paor 9tot-=
c^en mit unter ;^u mifd^en, bie bcn %z\) ueftftellen, ba ber .*Rörper
roanft.
Act. litter. Vol. IT. P. II. 2ßinfelmanng 2>erfudj einer
aillegorie/ >Da§ ©anje im 3Sertl)e biefes 23ud^g unb ba§
a) p. 228. b) p. 296. c) p. 107.
— ' 453 . —
2Be)entlid;c in beii ö^e|lcnt beffelbcn bleibt uerfannt unb unberührt,
©inige einzelne SSorftellungcn , roo man äöinfelmann burd; ein
^Dtüngd;en, burc^ eine ©(^erbc ctiüas angaben fann : im übrigen auf
ben lieben 3)U'53o§ geraiefen; ber eg ja nie gum ^^c^e geliabt,
ben 33egriff ber 3lllegorie überljaupt ^u crfdjöpfen; fonbern nur
ben ^ün[tlcrgebrauc| berfelben einigermaaffen ju fidlem.
Lettres de Mentor a un jeune Seig7ieur. ^ %ud) l)ier roerben
2)inge angeftaunet, von benen ein S)eut[d;er 9JIentor ju [einem 3^9=
linge fagen mürbe: mir ge^n uorüber! ©o 3. @. einige befannte
142 ®eban!en von ber 33iograpl)ie, bie er aus Siebe , [0 gar burc^ ein
5JJärd^en bemeifet — burd; ein ^JJÜirdjen auä SSoltaireg ©efc^idjte
^arlä beä 3^ölften. 3)ie[er üortreflic^e 33iograp[), beffen 2)id;te=^
rifc^er <^opf geroi^ uolljufüllen meif,, ma§ bie ©efd^id^te felbft leer
läffet, erjälilt nn§ von ^axi bem ©c^meben fo manches fdjönc
^abelc^en unb 3)tär(^en (@in fritifc^eg i^owrnal/ baö oiel 3]er'
bienfte um 3)eutf^lanb Ijat, ^at einige offenbar un§ alä 9)Mrd^en
gezeigt) unb .^r. ilto^ gie^t baraus fefjr bünbige ©c^lüffe.
©efdjidjte beä 9}Zenfc^lidjen ®efd)lec§tg. 9Zeue ©e^
fc^ic^te von Raufen: ^ein 2öer! ber neuem Sitteratur ift, el)e
e§ erfd^ien, mel)r auäpofaunet morben; unb fein 3Bcrf ijat, ba es
crf(^ien, me^r bie Hoffnungen beä ^ublifunt uereitelt, alg bieg.
3)a^ ^lo| jum ßrften baä ©eine reblic^ beigetragen, ift audj
gegenroärtige 3kcenfion S^uge. ßuerft x\d)M fie, raie billig, bie
9Beltge)d^id^te ber ßnglänbcr unb alle 2)cutfd)e öefd^ic^te, bie mir
l)aben, i^aljn, 33ünau, 33arre, ^D'iafcoo, unb alle bie neuern
(Sompenbien, „bie fid; beg 33ortrage§ bebienen, ber bie SDcutfi^en
„2lfabcmien, unb bie 9tegengburgif(^en ^}teic^goorträge f leiben foll,
„'Bücher, bie feiten il)re 3Serfaffcr überleben, unb nidjt für hk
„-JJai^melt, fonbern für einen ^'nabenunterridjt , unb für büftre
„Sc^ulörter gcfd)rieben finb", alle biefe, unb mem §at er fie liie-
143 mit nid^t fennbar gemacht? rid^tet er jebe mit einem ©freiere l)in,
bamit auf bem ©erippe atter bag §aupt §aufen§ prange.
a) p. 143. b) Sitt. ißx. l^. 4. [307 — 310. iliicolai]
— ■ 454 ^-
^ernac^ ein Sob, ba§ erft mit .^rn. ^lo|, nad)f)er mit §rrt.
^aufeng Söorten gefagt, ü6er groei üöUige Seiten, an^ fo oollem
3Jiunbe ftri3met, ha^ eine '^^eriobe, mit Sü6eser§e6ungen nerfd^nürt,
fid^ über eine ©cite §inftvecfet. Dljne ^'^^c^fe^ i^^i^b e§ ber ^a6)'
raelt eine ücrgnügte Stunbe geben, ben ^^anegprif d§en %on be§
Stecenfenten, unb bas 2Ber! bcö 3>erf. bas ja fo eigentlich für bie
S^ac^roelt gefc^rieben feyn folf, jufammen gu galten. D rae^ie benn !
roe^e ben viris Cl. bie fic^ roedjfeBroeife loben!
9Zod; aber l^at ber ßenfor über aUe§ üorige fo manc!§e§
SerounbernSroürbige ausgezeichnet: 2)a^ ^^roben über groben
Seraeife fei;n fotten, von ber tiefen i^unft beg 3?erf. bie J'ü'^fts'^
ju c^arafterifiren, unb oon ber SDenfart beffclben, fein 3Ser! burc^
eigne Semerfungen '^ragmatifd^ gu ma(^en: n)o(}Ian alfo an bie
3lu§ruffungen !
„2Bem mirb ha§i 93ilb ^artä be§ ©ro^en nic^t gefatten?*
„^n tf)m finbet unfer berühmter ©(^riftftcltcr alleg, roaS einen
„groffen W.ann mad;et, u. f. iü.'' 2Sem es nic^t gef aEen fijnnte?
9Jiir ni(^t; itnb raem, ber einen fd)i3nen (S^arafter fennet, fönnte
e§ gefallen? Statt fo oiet üon Ijiftorifc^er ilunft gu fprec^en, follte
fid) ber 33. üorl)er @in§ erbitten, l)iftorifd^e§ 2;;emperamcnt : bie 144
glcid^mä^ige Senfart, roas er fie§t, gerab an ju felien, unb roag er
fpridjt, gang ju fprec^en; nod) Ijat er faum ©ing üon beiben.
9Benn i<^ einen rec^t fa)ön gefagten, unb beinahe 9iebncrtfci^en
(Sljarafter oon J^ a r l b e in © r o ^ e n lefen mitl : fo lefe iä) if)n,
gegen ben ber §aufenfc§e nid^tg ift, in unferm beutfc^en Soff uet:
in biefem Glaffifd^en 2öerfe — oiellcic^t baä Sinnige, momit unfer
Gramer oor ber 5Iac^it)e(t erfdjeinen mirb — —
2;a§ roar baö ©efattenbe: aber luas ift baä @c|i3ngefagte bei
einem (Sljaratter ber ©efc^idjte? '^cidjts! Seget mir ber @efc§ic§t=^
fc^reiber ni(^t erft bie 2)ata ber ©efc^idjte ausfü^rlidj, richtig,
orbentlid^ oor, ba^ id) nad)i)tx felbft mit il;m ben (Sl/arafter
ausstellen barf, ha^ er, nac^ jener längft abgefommenen ©ofratifc^en
a) pag. 172.
— . 455 ^-
Stauier, nur meine (Srinnevung mccfct, iinb nidjt nur voxdjaxatk^
rifirt, fonbern niid^ aiiä üorgetegtcn (Sinjcln()citen bcn (Eljavaftet
[elbft finben lehret ^ tfiut er bieä nic^t : fo ift ber ®cfrf)i(^t[d)rci6er
ein 9tonmnenf(^reiber. Unb ba§ ijt i^ßiif*-'^'' ^^'^ feinen gepriefenen
S^arafteren. 2)ie SeBensbata , bic 3::f)Qtcn , rao fic^ 2)enfart äuffert,
finb bei i()ui Tüenig ober nid^tg - mit einmal ftrömt Seiten I)erab
ein (St)arafter: ein uoni .stimmet gefalteneg 33ilb, eine /^igur, ju
ber bag 2>orftef)enbe auc^ nic§t einmul 3^u^geftel(e fei^n fann — ift
145 bag @efrf;id;te? 9ioman, 2)id;tung mag eg feijn: aber in ber @e=
\ö)\<i)k voill id) nid;tg glauben, mag id) nidjt fel}e: 3:l)aten l)ören,
e§e ic^ bag S3ilb erfenne: ©efidjtöjüge fel)cn, e§e ic^ ^erfonen
c§ara!terifire : bag toid id). 2ßag brüber ift, ift t)om Uebel.
§r. lQau\en ift von biefem, fo raie von anbern Bad)Qn, ein
tüilliger Sf^aij^atimer ber J^ranjofen : aber roie jämmerlid) gerät§ boc!^
meifteng bie (Kreatur, mmn ber !3)eutfdje ben 'Jranjofen nad^aljmt?
SDiefer malet ung feine gan^e ©efc^ic^te menigfteng fo, ba^ nac^l)er
nid^tg me^r unb nic^tg weniger, als fein S^arafter, Ijeraugfommt :
er fteHet atleg fo l)in, ba^ feine enblidje 9ief(ej:ion ihm baraug
crljellet, unb roie, mznn bic @efd;id)te fo gegangen märe, and) mir
freiließ nic^tg mel)r unb menigerg folgern mürben, alg mag er fol-
gert. 3Bir lefen alfo einen finnreid;en Stoman, ben mir mit feinen
'^sortriiten unb 6l)arafteren fo lange für 3Ba§rl)eit f)altm, big mir
etwa ju einer anbern (3e\d)xd)tc fommen. Ttnn aber ber trodne
3)eutfc^e? er jie^ct ein ocrftümmelteg ©telet oon @efci§id)tc aug
einer, unb ein ^'^''i^etibilb oon (5l}arafter aug einer anbern Quelle
l)eraug: ftellt fie nehm einanber, baj^ @ing bag Slnbrc nid^t
erfennet unb — — fiel)e ba! ift §r. Raufen. Ingenia principum
oxploravit, moresque descripsit, atque cum liinc caussas elicuit
146 eorum quse ab iis acta sunt, tum, quam principum mores vim
ad civium vitam fingendam formandamijue liabuerint, docuit: non
sokim docto lectori, sed cuicun(iue elvi, qui maiorum vitia
cognoscere, eorumque exemplis sapere cupiat, prodesse studuit:
porro summum veritatis Studium ubique ostendit, liberrime vitia
principum enarravit & — — — etc. '^ortreflid;e ßljaraftere!
— . 456 . —
eiugef lebte, überftedte 33ilberc^en, bie — au§ feiner @cic§id^te mrf;t
folgen —
Unb oft ber 2Ba()r§eit [eI6ft im 2Bege; oft jinb fie nur eben
[o, roie fie fic^ bie ©tunbe §r. Raufen badete. Dh ba§ ^axl ber
gro^e fei, loag er malet? fo raenig, al§ roas er uns an 2ut§ern
üorgujeidjnen beliebt. 2ßie? ^axl, ganj ofine ^e^Ier, ausgenommen
ztma^ oiel 2khQ? llnb roa§ ^t benn in i£)m ben ©roberungg*
geift angefacht? rcas i^n oon ben '^njrenäen big jur S^orbfee, unb
üon ber 9^orbfee na(^ "^^annonien, unb oon ^annonien na(i) 9iom
getrieben? roa§ bie Slutftröme ber ©ac§fen oergoffen, unb 3SöIfer
gu Sftaoen gemacht, benen bie g^rei^eit 2(((eg mar? Unb roa§ f)at
burc| i^n baä Songobarbifc^e ?Rdd) cerljeeret? Unb mag i^n ju
einem SSater beö-^abftg gemat^t? Unb mag 5U bem, ber um bie
^aiferin ^xm^ roarb? Unb ma^ ju einem Siebfjaber ber fünfte
unb 2Biffenfcf)aften ? Unb mag 5U bem 93ienfrfjenfcinbe, ber feine
§änbe mit Slut ber Seutfc^en färbte? — G^rgeij unb 9(ber= 147
g[auben! 2(u5 SßotjIIuft liifjt fic§ mal)rf)aftig roeber bie gute noc§
böfe ©eite .^artg crüären, unb cg ift ^sartljeili^feit, oor bie[er
ganj bie Stugen oeri'djlie^en 5U moKen. 3)iönc^e unb ßapitularen
unb ^an^Ier unb <Sc§raiegerfö£)ne §aben ^arfg iibtn gefcfirieben :
im 53Wnrf)g geift, im ©eifte beg '^abfttf)umg unb ber Sateinifd^en
3Serbienfte — mo ift ein magrer ^cutfc^cr, ber i§n fid^te?
Unb mag .'pr. .Raufen bem an fic^ großen Äarl jugibt, nimmt
er bem if)m freiließ fo unäfjnlic^en £'ubraig: eing trift alfo fo menig
alg bag 2(nbre. Subroig ber j^^romme mar eine ber gemöfinlid^en
>13robuftioncn feineg .^a^rljunbertg, nic^t beffer unb nic^t fc^led;ter,
a(g ein mittehnä^iger gutherziger 5)lann ber 3eit i'eiju tonnte,
©ele^rt, fromm, gutfjerjig, auf feine 3(rt '^s^ifoi"op§ifc§, bag ol)n=
gefäE)r, mag ^afob ber erfte, nac^ bem ©eifte feiner ßcit unb feineg
Sanbeg, unb mancf;e unter uns. 3c^on fein Später natyn
xi)n jum -iJtitregenten an: unter if)m iiuirben gUicfIicf)e Kriege ge=
fü{)rt: aüeg ging gut big auf bie ^f)ei(ung feiner Sänber. ^»iefe
aber, lag bie allein in feiner ©c^roai^^eit ober nid)t aud^ in bem
Slltfränfifd^en (ange gebrauc^Iid^en .^erfontmen? Unb bie Übeln
— . 457 —
J'Olgcu öaljcv allein in [einer ©rfjwndjfjcit ober aurfj in beni ßfja-
xatkv feiner ©öljnc? Unb baS ©lud biefcv ü6eln Steigen aHein
148 in feiner 'Bä)\va6)^dt, ober aiic^ in bent 3uftanbe ber^irc^e, an
beut forool)! fein 3>ater, alä @r, ©df)ulb roar, an bem ©eifte feineg
^a§rl)unbert§, ben ancfj 5varl nic^t änbcrn fonnte, an einer SSer-
lüidtung von ^ufäKen, bie nur ber fennet, ber bic Q^it Subraigä
ftubiret. Snbroig raurbe ein Dpfer biefer S^^^ '■ ^flJ5 wiv it)ni aber
neunl}unbert ^al^r nad^Ijer ©taatöfel^ler nachrechnen, bie unä nur
ber ©rfülg von ^al^rfiunberten gezeigt Ijat, ift freiUdj eine gute
©a(f;e, nur iftä bic ©ad^e be§ ©efc^idjtf c§reiber§ ?
Slber „nirgenbä ift ja .Raufen nad^ §r. Jlto| nie()r in feinem
„^elbe, aU raenn er ung ^IbcrgtauBen, S)umnit)eit, unb 33etrug
„ber Pfaffen malet." ©an=; gut, mie id; glaube: nur follte eä
nic^t fo gemein, fo fc^röa^ft roieberljolt, fo fc^ielenb, unb etraaä
cigent^ümli($er ber 3eit fepn, bie e§ ^ilt. 2lu§ feinem Sel)rftule^
mit einem l)al6 SBoltairifcl^en , Ijalb noc^ ^roteftantifd^en Sluge, nad)
bem ^atjrl^unbert Submigö, ber Dttonen, unb ber .^e^^i^^'^^ ^^^^'
fielen, lann freilidj nic^tö, alö foldje (Sljaraftere, geben, wie ^r.
i^aufen jeid;net, unb ol)ne Zweifel ifts bloö fdjonenbe '0Za(^ficl)t
gemefen, ba^ ^äberlin, ein fo ganj anbrer ^Diann, ber ©efc^idjte
unb ben ßl^aral'teren , baä ift, ben gefd^raä^igen Sßieber^olungcn
feineä 3?orgängerg üor feiner ©efc^ic^te nod^ -^laö gegönnet.
Unb bag ift ber ©efd^ic^tfc^reiber, beffen 6^ara!tere, beffen äln-
149 mer!ungen ükr Submig, t>ie Dttonen, bie .g>einrid)e, beffen tiefe
35etradjtungcn über bie ^^faffen, über bie 3fteligion, unb Steforma^
tion eine ©rleud^tung unfreä ^al)rljunbertä finb, bie ^v. Hlo^ fo
getreu überfe^et? Da§ ift ber @ef(^id;tf(^rei6er , ber ^ier fdjon
alle jene fruchtbare Saamenförner fatten Ici^t, bie nac^^er ju bem
-|>^itofopl)ifd)l)iftorifcl)en 3ioman über bie 3teformation aufgemadjfen:
bünbige 3Bal)r!^eiten , bie .^r. Älo| jum ""^offen aller mit ^orurtljcil
beljaftcten, gum 33orauä alä ©eljeimniffe ber SÖelt üorlatinifirte.
1) 2e§uftule (?)
— ' 458 ' —
3)a§ ftnb bie 9Jiänner, bie an ber ateligtou arbeiten, bereit „lo'öU
„liger ^tag fic^ erft je^t allmälii^ nähert.'"'
— — ^anm bin id) in ber 9)titte beg brüten 33anbe§ ber
Actorum , unb ad) ! loer mag ben ^erct)nif(^en 2öalb burc^ge§en ?
§rn. 0o^en§ üoHftänbigc Stnmerfungen über b'Strgenä ©e[cl^id)te
bcg SlZenfc^Ud^en S^erftanbeg, feine oortrefUc^en SSerbefjerungen
be§ iie^ingifc^en Sao!oon§, fein (^urütffe^enbeä Urt§eil über @e=
bauerä alteä Seutfrfjlanb , bie ^ufä^e 3W 3Binfelmann§ ^unftge^
fc^idjte, bie fü^Uid^elnbe Umarimmg an feinen Herelius, über beffen
fo alte, niittelntä^ige unb gegen 3^ürnberg innrbane Satiren —
— bie niebrigen ^J^erfpottungen fold^er ©djü^e, bie ^öbelpaSqnille
auf dnm ^ifd^er u. a. wo nmg id) biefen 9Jiorraft buri^raaten? 150
unb felbft mit biefen nod§ fein @nbe. — — ^eber prüfenbe Sefer
roirb ftd^ ungemein irren, in ben Actis einen <B(^a^ üon eigner
ßriti! beä ßenforg, fcl6ftgebad}te Stnmcrfungen , um etroa bie Süden
ber gerügten Stutoren üoffjufüllcn , unb i§re SBerfe üollfommner
gu machen: ftiffe ^eleucE)tungen ber oerborgnen ^el)[er, bie zbzn
md)t jebeä lefenbe Stuge fe()en börfte unb bod^ fel)en mu^ : eigen
auggebad^te Setradjtungen, bie ba geigen, ba^ ber Stecenfent mit
bem Slutor gebadet, unb über il)n roeg, ii)m üorbenfen fönne:
folc^e ßritif, unb fie ift bie einzig raaf)re, in ben Actis? id) -^uäQ
bie ©(^ultern. Slugjüge, ©emmenregiftcr, am unrediten Drte fd^retenbe
33erbefferungen, bie jeber fiel)t unb megroirft, mit unter niebriger
Spott — fie{)e ba hzn ©eift ber Actorum. S)ie Sateinifd^e .§ülte
I)at bie "3)eutfd;en geblenbet, unb aud^ bie mirb unerträglid^ , roenn
toir dn na!)r^afteä 33ud^ burd; Stugjüge in ein 5|]{)rafeglatein l)in=
gef(^n)emmct fei)en, roo nid^tä minber, alä ber urfprünglic^e ^nbi=^
mbuclle 6l)ara!ter oon ber 3)enf= unb ©d^rcibart beg 33erfafferö,
übrig geblieben. Stuf §rn. SUot^ Sateinifd^er ©cene lallet 2Bin!eI=
mann fo roie -Raufen, unb Raufen fo roie Se^ing, unb alle mie
■ — — ber Sateinifd§e ^r. Klotzius.
a) kioti 35eitr. ^-^n SlJiüusen ^. 17.
— . 459 ' —
2)cv 3Sevfaffer Ijat übcrfjaupt feine fel)r enge ©pl^äre ^u ux^
151 tl)ci[cn, unb ba er innerhalb biefev mrf)t bleibt, [onbern feinen ein*
feitigen ß)efid)t§pun!t, a(g ^:poli)I)iftor, allgemein macfjen raill: wie
anbcvg a(g "^-el)ltritte über g'el)ltrittc , unb fc^aale Urt^eile burd;
einanber. ©in Wiam, raie Ä!lo^, fc^reibt oon 2U(em, ©ottegge==
ral}rtl)eit, 9iec^t-3gelal)rtt)eit, ©efc^ii^te, ^§i(ofopI)ie, Slltert^um, ge^
fc^nittnen (Steinen, ^JÜingen, ©ebic^ten, unb öon aHen gleid).
33eifpiele — raer mag fie geben? raer wirb in foId)en 33üd)ern bes
^^Zac^fc^lagenä nid)t mübe? ic^ gebe fie alfo aus bem ©ebäc^tniffe.
2^riegen lüirbä mid} ni(^t; benn bic ©puren barinn finb ä" oft
unb ärgerlid; tüieberijolet.
152 Mckr bie ©ottcggcla^rt^eit.
2Bie fommt §err J^Io|, ber SSielfd^reiber, baju, ba^ er fic^
bei altem Slnlaffe, jur S^^i unb Unzeit, Ijinter bie 33afebome unb
i^eitmannä unb 3:;eßerg, aU ein '}}tärtrer ber 3Ba§rI)eit t}inbränge,
unb fid) in J^tagen unb ^onteftationen ju 5Jtänncrn nebenanfe^ct,
mit benen er nic^tä gemein l^at? ®a§ ^Publifum fi^Iäft eine 3Sier=
tt)eilftunbe, ober ift über y^elb gegangen; nadj^er aber mad^tg genau
llnterf(^eib, rool^in jemanb get)öre, unb n)ol)in eä t§m beliebt, fic^
3U claffificiren ; unb fpridjt alSbenn gerabe l)in: ^rcunb! rüde
l)inn)eg !
§err Mo^ l;at bie S^amen einiger 2;l)eologen auf ber ^i^^ÖC/
feiten mit @§ren, o^ne ba^ @r bo(^ über fie S^iii^ter unb ber lieber*
Tüeifer iljrer ^13teinungen geroefen märe, ©iner baüon ift @ö|e.
©enior @ö^c mag feine 5-el)ler, unb mmn man roill, feine ^rr*
t^ümer l)aben: gut ober nidjt gut, ba^ er biefelbe üertl)eibigt: aber
voa§ gewinnt ber liebe Sefer für äBa^rl)eit unb Ueberjcugung, menn
er in einer Jllo|ifc|en ©atpre baö ^aäquitt liefet:
— ' 4G0 = —
Goetzius Hamburg! clamoribus omiiia complet,
Voce tonat rauca, turris templumque tremiscit.
9Bag 'i^at man bamit anbevä gelefen , aU ba^ .§r. ©ö|e eine burd§:=
bringenbe ©ttuimc ^Be unb §r. £Iot^ ein ©pötter fet). 153
2ßil( ber S^erf. antroorten: bag ?ye§tcr^afte, baä ^rrige f)aben iJ)m
unb feincg ©leidjcn fdjon anbre 3:I)eoli:)gen gezeigt, worauf id) mic^
gleirfjfam ntit einer ftunnuen ^Injeige berufen barf: o fd)ön! bie
9iic[)ter fjaben i()r Urtf)cil gefprodjen, unb raer finb bie nun, bie
fid§ auf ber ©tra^e Ijinsufinben, bie beut SSerurt^eilten nad^ruffen,
nadjfpotten — raer finb bie?
3n unferm .^ritifd^cn ^afirl^unberte fottten wir enblid) einmal
fo raeit ferin, auf eignem 33oben unb nid§t nad^ foId;en fremben
^oftutaten ju urtljeilen. 2(tte 3InneI)niengn)ürbig!eit ber ^ritif fällt
roeg, roenn man, ofjne ©riinbe unb 33emeife, mit einer ©d^impf*
fentenj loöbrid^t, of)ne ba^ man roci^, n)of)er unb mo f)ief)er?
Sold^c ^'U^ung auf frembc 50tad^tfprüdje , mit einem 9Jtad^tftrei(^e
begleitet, finb immer ^Sorboten üom 3?erfaEe ber Sitteratur geroefen:
unb gu unfrer ^eit ift bie§ ja ber Sieblingäton biefer unb jener
Leitungen unb :3ournäIe. So befommt mand^er el}rlid§e Mann
einen ^anbitenftid^ , voo er fid§§ am roenigften üerfaf).
g^erner: 3)er fd^öne, reinlateinifd^e ©tt)I ift bei .^^'n. il(o| fo
naijc mit bem |)er3en feiner Sitteratur ocrroanbt, ba^ er an me()r
alä einem Drte bie S)ogmatifd§e Barbarei ber 3:§eoIogen, auä ifireä
^önigg theologia positiva, ober ^^^eumanng ai^horismis fid^ fetjr
üorne^m leib fe^n lä^t. 9}lid^ bauert ber mand^mal unnöt^ig oer-
flogne Seufzer. Barbarei ift nirgenbs gut, unb bei bem Sel)rer ber 154
Sieligion, ber un§ ©efd^mad an bcn 3Bai)rl^eiten berfelbcn beibringen
foH, am menigften; nie aber fann bie Steinigfeit beg ©tt)Ig, bie
©ü^igfeit ber Sateinifd^en ©d^reibart, na(i) §rn. ^l'o| §albbegriffcn
in ber ^^eologie ©ouücraine fegn, ober eä mirb nod; ärger. ®ie
3I^a{)r§citen ber 9Migion finb ung ni(^t in ßicerong 33üc^ern
üon ber Statur ber ©ötter, fonbcrn in anbern ©prac^en, offenbart
auä bencn in ifiren 35ortrag bei aller ein^^elncn äöortreinigfeit fid^
ein Drientalifdjer |)cUcniömuä cinfd^leidjen mirb, unb melleid^t
I
— ' 461 . —
al§ ©eift bc§ ©artgen. 3)cv gute ©e^ncr f)at mit S^ed^t au§
ßettarö Latinitas ecclesiastica oielc ^arbariäinen canonifirt: unb
bei' ftrcngc ©c^viftauälcgcv tüirb noc§ racit me{)r canonifircn : mo
i^m on beut ©anjen, bent Unuerfäl[d;ten , bcin UnücriDorrenen beg
SSegrtffg 3ltteä gelegen ift. 2öer raill nun lieber eine naä) ben
23üd^ern ber Offenbarung ftreng gefagte, unl^albirte %'i)colo%k; ober
fü^e§ Sateinif(^e§ ©efc^raä^, voo bag JRunbe beg 33iblifd^en S3egriffeä
in bem ©pülraafjer fc^öner Unifcl^reibungen jerflie^t? äBent ift nid;t
bic ©id^erl^eit feineg t()eoretifdjen ©laubeng me§r, alg Sltteg? —
^i'^cpteng: 3lug ben §änben ber @j:egeten, wirb nun erft bie 3Bal)r*
l)eit in bie .öänbe ber ©ogmatifer geliefert, bcnen eg roieberunt
§auptgefidjtgpunft ift, ilire ©ä^e tion ben Üserroirrungen fo vieler
155 3a^rl)unberte, »on bem ©eroebe fo mand^er ^e^er unb J^e^er^
matter log^umicfcln, unb fie fo runb, fo geroi^, fo flar bargu-
ftellen, alä cg Ijinter ben ©entarten unb 3Sermifc§ungen fo uielcr
^erioben ber Sieligion gefc^el)en fann. Stuc^ l)ier alfo ift bie
Strenge beg ^egriffeg unb 33eit)eifeg Stlleg. 9Ber mill jenen unb
biefen im ©efolge fü^er unb reiner äßorte erft auffu(^en? ©in
©rneftt, (unb meffen 3eugni^ fann Ijierinn mel}r fepn, alg biefeg
tljeologifdjcn (Sicero?) l)at über Watcrien, bie 'i)iqu bie ©runblage
fepn muffen, gerebet, unb felbft an .f)cilmann bie ©d^mürigfeit
gezeigt, Sateinift^e 3Borte unb 3lugbrüde ©ebanfen beg ©pftemg
ju fubftituiren. ©inige neuere 3)ogmatifen, roooon ic^ felbft bie
(Sd)riften 5JJogl)eimg nid)t augne^me, beftätigen cg, mie oiel Don
ber genauen ^^räcifton unb S)ogmatifd;en 9>eftigfeit oft burd^ ben
fdjöncn ©ttjl oerloren get)e, unb benn felbft in blieben finb bie
33ergerfc^en Orationes selectiores 3t'itgen uon ben (Sdjinürigf'eiten,
beibeg gu gatten. — — ©efd^madooll alfo mögen fold^e ."Rlagcn
über bie S)ogmatifd^e 33arbarei ber X^eologen immer fet)n; nur
grünblid^? ■ %m beften, ba^ fid^ ^x. £1. nid;t barein mifd;e,
unb bie Flamen guter unb böfer 2:f)eologen bem llrtl)eile anbrer
überlaffe.
462
Ucficr bic Jteic^ggefcöidöte: 156
ein l;iftorif(^cr ©^jabiergang.
2ßa§ mü^te ein ücrnünftiger 2t[tcr bcrtfcn, roenn er auf=
lebte, iirtb xmjre @e[d§id;tc 6etrad;tete? 3)ic Se[)rcn wnfrcr Ijifto-
rifd^en ^unft, unb bert ^ontraft in Stu§ü6ung ber[e(ben? — 2)oci^,
ad)l TOenn bie§ nur ber einzige unoerantroortUc^e 2öiebcr[pru(^ in
xmircr Sitteratur jTDifdjcn Seiten unb ^§aten roiire!
Sie 3ntcn, ©ried^cn unb 5Römer, l)a6en un§ fo üortreflic^e
9[)iufter ber ©ejc^id^le ^interlafjcn , ba^ e§ ein canonifirter ©prud^
geroorben: hos sequere! unb roer raäre cS, bcm man biefen ©prud^,
unb ba§ 5Rac^aJ)mung§roürbigc <2c^önc i[)rer §iftoriograp^ie erft
DorBeroeifen mü^te. Söarum gietjet ber fleinc füblid^e ©trid^ von
(Suropa, öiried^enlanb imb 5Hoin, :3'^f)^f)i^it^crte burd; bie 2(ugen
afler 2ße(t fo auf fic^? 9Sarum ge^en roir an bie @ef(^id^te ber
mitlern fetten, im Dccibente unb fo gar im Oriente, fo ungern
baran? 2ßarum ift in -bem ."Körper unfrer 2ße[tI)iftorie bie' 33e*
fc^rei6ung bicfer beiben 35ölfer un§ gerai^ nid^t b(o§ Stationat*
gefd)idjtc, !Xf)aten, bie im 3Binfcl gef(^e()en, fonbcrn SDierfraürbig-
feiten ber Jßelt? — — ©ine fteine S3erglcidjung mit anbern
3eiten unb ©cgcnben mirb geigen, tote t)ie(e§ baju aud) ber Xon 157
ber Stimntc beitrage, ber 2(ffc§ bie§ ber 2ÖeIt üerfünbigte.
2)a§ ift nun gut für @ried;en unb 9^ömer: aber marum, ba^
roir unfre @efd^id;te nid^t eben fo ücrfünbigcn? unb ben "Zon
unfrer (Stimme ntd^t aud) mürbig unfreS S>atcrfanbe§ unb unfrer
3ett machen? — Siegeln gnug liegen ba. ^iftorifc^e ©efcKfdjaften
finb errichtet. ^^cbcr arbeitet an ber l^iftorifd^en .^unft: nur, an
ber ^iftoric fetbft — mcnige. Unb felbft unter bcn roentgen, mo
finb bie -^fjucpbibes , .^^cnoptjons, Simug, ^acitu§, unb §ume'§
unfreS Seutfdjlanbes V — — 3ft c§ einem 9Sanbcrer, ber nidjt
ein 3)ogmatifc^er i^ünftkr ber @efd;xc^tc fcpn raiff, unb fein ^raf=^
tifd^er .'^ünftfer fepn fann, erlaubt, ben mittern 3Bcg ber Unter-
fud^ung ju nefjiuen; nid^t, roorinn unb roarum fid; bic §iftorio=
gvap^ic bcr 5^cxicn unb SKtcn xintcrfdjcibc? benn biefc§ gro^e Sl^ema
tft für biefen Drt gu gro^; fonberrt nur, raarum ftd^ bie SDeutfd^e
©efc^id^te rttc^t fo fd^Ied^traeg ä la Grecque ober ä la Frangoise
6et)anbcln kffe, rote imfre ©räcifirenben unb g^ranjöfirenben ©c^ön^
fprec^er raotten.
3uerft, bie ätteften S^tad^ricl^ten üon 2)eutf(^[anb §a6en eine
anbrc S3emanbni^, alö bie alte ©cfd^ic^te be§ ©riec^ifd;en ober
3ftömif(^cn Urfprungeö. 3Bcnn biefe Slltmiitternmrd^en ift, fo ift fie
158 e§ roenigfteng im SJiunbe i!^rer Sanbesniütter, im SJhtnbe il^rer
Sieberfänger, i^rer 2)ic^ter, il}rer g^abelfd^reiber. Stug bicfer
SBIume t)on eigner ^^ationalinpt^ologie rairb mit ber Q^xt bie
grud^t reifer realerer ©efd^irfjte, ot)ne rounberfame (Sinpfropfungen
unb löejauberungen , nad; bem Saufe ber Statur. Unb eben ba§ '
Drbentlic^e biefeS 5^atur(aufe§ ergänzet ungemein bie Süden
ber älteften ©efdjidjte. 2)ie erftcn ^iftorifc^ ®id)terifd)en 2)it)tl)o=
logiften roaren eine ^robuftion i()re§ ^'^italterä : bcr ^citgcift na§m
i^nen attgemad} immer mel^r uon il^rem ©ic^terifdjen 2Bunberbaren :
fie fanben ba§ ^^'italter ber 3öa(}r^eit — 2öie Diel lä^t fii^ nun
bei biefem ungcftörten SZaturlaufe rüdroärtg fdj liefen? ruie
mand)e Sßatjrfdjeinlic^feit ,^urüd auSfinben, roo fonft nur %ahd
märe? Sßic ungemein viel von ber ^ßeränbcrung fold^er Sanbe§=
fcenen mit ©rünbcn unb Urfadjen ertlären? ^^()ilofop()ie tritt l^ier
ber ®efd)id)te jur ©eite, roo fie faum nodj ®efd)id)te ift: fie (endetet
aud^ felbft, ßf)rono(ogifd) gered^net, bcr 2i>at)rl)cit gleid)fam »or:
bie ältefte §albgefd)id)te roirb ^ragmatifd; — roenigftenS ein lel)*
renbcr, ein bitbenber 3)ic^terif^cr 91oman.
Tdä)t fo unfre ättefte Sanbeggefd;id^te. Unfrc 33arbcn finb
oertilgt, mit it)nen alfo aud^ bie finnrei(^en 3)id)tungcn ücrtilgt,
bie fic§ aug ben ä(ltgried)ifd;en 2)id^tern jufanuncnlefen unb ^u bem
159 Tempel üolt eljrroürbigen ^Kuinen aufhäufen (äffen, an bem bie
Stntiguarien feit ;3o^)i'toiifcnbcn gebauet. 3tu§ Sid^tcrn unb über
3)ic^ter lä^t fidj aud; fjiftorifd^ am beften bidjten: rote aber, roo
feine fold)e 3)ic^ter ba finb'? 3}ian tritt in ben Siempel ber @rie=
d;if(^cn @cfd)id)lc: 6f)örc t)on Sängern empfangen ung, unb ^inter
— . 464 ' —
i§nen bringen 3)offmctf(^cr i^rcr ©efängc hoä) unimtter6ar an.
'2)ottmetfc^er bcr 9Ba£)rI)cit? freiließ ntc^t! aber fo ntand^er äöatjr-
fc^einlic^feit, fo mand;cr ©r;;ä^(ung, bic ben ^oben ber ©efc^ic^te
nid^t ganj leer lä^t, fo mancher Sage, bie ungemein !Iug machen
fann: bur(^ bie ©ried^en unb 9iöincr i§rer ©cfd^ic^te fo oiet 3^ar6e
beä ^ragmatifc^cn Urfprunges gegeben, bie mani^en Sdiutgrüblcr
geblenbet, bie unfre öübners mit fo artigen '33tä()rc^en ausgefüllt,
bie fo t)iel 2(ntiquarif(^c .§r)potf)efen unb Unterfuc^ungen oeranlaffet
— alles nii^t bei ber 3)eutfc^en ©cfc^irfjte. i^*^ l^ctc in ifiren
Stempel unb — bie Stimme ber Starben fc^racigt. Äein Saut,
fein (Bä)o »ergangener Reiten.
2l6er bie S^aciti unter ben Siömern? Sie ^abcn mit i§ren
einzelnen Selben unb Stücfroerfen von ben 2!eutfd;en un§ me^r
Xon gegeben, aU ganje Sieberfammlungen ber 33arben. Sie,
Sd^riftfteder eine§ gebitbeten 9tome , @efc^icfjtfd;rei6er, bie an ben
93ierfroürbig!eiten fo uiel anberer isötfer ifjren ()iftorifd)en (Seift
gcbilbet ()atten: fie, @efd)id)tfc§rei6er ber X)eutfd;en nad) ^'Römifi^er IGO
3Beifc — — unb eben bee alleg raegen fe()r einfeitige S(^riftfte(fer
iJieutfc^lanbs. 3)a fie bie 2}cutfc^en nur über unb üon ben @rän^
Jen aus, nur aU g^rembe, nur als ungcfittete 53ar6arn, nur aU
■^-einbc lannten: fo fannten fie fie nur immer, fo fern fie nic§t
9tömer roaren, unb ba§ ift roenig. 2ßer ftc§ nid^t in bie eigene
tfjümlid^e Xsenfart eines fo oerfc^iebnen 3>oIfs oerfe|en, au§ bem
eigentf)ümlid^en ©eifte beffelben, aus ben G)e()eimniffen feiner unb
if)rer Grgie^ung urt§ei(en fann, ber roei^ nur immer roenig: unb
roer al§ frcmber, unbefannter, ''^^o(itifc^er J^nb, unb roas über
alles ift, als 5Jicnfc^ einer anbcrn 2)enfart fd^reibet, immer roenig,
ßr fann btos bie üon feinem )8olh unb feiner Gultur a6ftel)enbe,
ober ()ödjfteng bie i()nen ^ugefe^rte Seite ^^eid^non, unb freiHc^ bie
jeic^ncn S^iömifc^e Xaciti üortreflic^.
:3nbeffen fie(}t man, roa§ §ier ju einer '*^ragmatifd^en @e*
f(^id;te fe^It? roie fe()r fie in biefem oer(affenen Stnfange uon ber
9tömifc^en unb ©ried^ifd^en ^iftorie, bie bie Origines i^reS S^olfs,
in eintänbifc^cn alten Sc^riftftcllcrn befigen, abftec^c? in roeld^em
, 4(55 . —
@ejt(^t§puntte man allein bte 3Wiuev brauchen? auf mddjc Äüd'on
man lieber ,^eigen, alg jte l)interliftig ocrbergenV fui;^! ba^ uon
ben alten 2)eutfcl)en feine innere ^ragmatifd^e ©efd)icl;te ,^u geben
fe9
161 ®o big auf ^arl ben großen: in il)m aber entraicfelt fid^
ein ^ßitpunft, ber freiließ fo oieler ^iftorifdien Intuition fä§ig ift,
aU einer fepn fann, nur ba^ er nod) feinen fo intuitiuen ^^stjilo-
fopl^cn über fid^ gehabt, i^arl fönnte in ber 9iad)t feiner 3*-'it*^i^r
mie ein Stern fepn, ber über Jr'J^fi'e^r ®eutfd)lanb unb Italien
leuchtet.
;3e|t aber fein ©efc^led^t — roie inel geltet liier von beut
Stempel ber ^!|5ragmatifc^en @ef(^id)te roeg. ©in 3ßitpunft ber
S3arbarci unb bes 3lberglaubeng ; fielje "oal biefe Saroe liegt aud;
auf alten (s)efid§tern ber 3^^^, fie ift @efid}tgpunft ber ^egeben^
!^eiten, 3;:riebfeber ber STtjaten, '^•axbc ber S^eränberungen, Ston ber
^iftoriograpl)en. 3tun molle ein ©riedjifc^er -^ortraitiua^ler ßljaraf*
tere jeid^nen: unb fie^e! ba fteljet eine 9teif)e noll ^eiliger ober
unlieiliger Slffengeftalten , i^reu,^ in ber ^anb, unb i^reu;; auf bcm
Raupte, üor ober gegen bie "»^f äffen befd^äftigt, entmebcr canoni-
firt ober isn JcQ'^f'^uer, loebcr im ©uten nod) 33öfen frei, eigen=
tl)ümli(^, ^Kömifc^, @ried;ifd^. — ©införmige 3Ü{önc6öpatrone, ober
3)Zöncl)öfeinbe, ein in '^tii^töuiürbigfeiten röül)lenber llul)eiliger, ober
roaä nod^i feidjter ift, ein — .^eiliger Ora pro nobis — ©ine
©allerie fold^er Ätöpfe, loas ift fie gegen bie 9ieil)e Siömifdjer unb
@riec§ifd^er ^p^^lben unb Unmenfct)en in ^^l^lutard^ unb Stacituä? —
Raufen fei ©eroäljrämann unter Karolingern, Sadjfen unb g^ranfen.
162 ®r betet feine einförmigen (Sljaraftere fo roieber^olentlid; l)er, al§
eine Spönne bie ikterunfer ilireg ätofenlran^eg : unb ^äberlin, ber
nid^t l)inter l)er beten mollte, mu^ alfo nur =;u ©nbe ber 3cit=
räume d^arafterifiren — roie oiel flüger!
^n biefer 3eit fängt fid; an bag l)eutige 9^ömifd)e ^Xeid) ju
bilben. 2)ie gro^e äßafferblafe ift gerfprungen: fleinere reiben fid;
lo0: unb burd) ein mec^felnbeö ^evfpnngeit unb SBerben ift bie
3}knge fletnei* ^ü^'f^^^^r gleid;fam am Sianbe bes ©efä^eö, gefid)ert.
^cvdevsi jämmtl. äßevte. III. 30
— ■ 466 ' —
§auptgeftc^tgpunft tft alfo nid^t bIo§ bei* 9leic^g = , fonbern ber
3)eutfcl§en ©efc^tc^te übert)aupt, ba^ man biefe antnälic^c
©d^öpfung gum heutigen ©taatgförper bei jcber ^ro-
greffion ber Umbilbung incrfe, genau axiö Urfunben
anmerife, airägeic^ne.
©inige fü^e Ferren nnferö ^a{)i*f)unbcrtg §abcn ftd§ mit guter
llZamer üon biefem buntetn unb befd^roerlic^en 3ßege (oägejä^tet,
unb t)orneI)m jroijc^en S^tetdjggefdjid^te unb @e[d)id^te Deutfd)lanbs,
jroifc^en genauen 9lac^rid^ten »on ber iebegmaligen ©taatSuerfaffung,
unb giüifd^en einer f(^önen ©efc^id^te voll (5I)ara!tere unb f)übfd;er
5J{orali[(^en 9v.f(ej;ionen unterfc^ieben. 3)a§ ßitiren ber Urlunben,
bie t)efte Seftimmtljeit bei jebem ©d;ritte, baä gerabe ^inblid'en auf
©taatgförper u. f. ro. ift eine ^ebanterie, bie man einem ^ro=
feffor beö ©taatärec^tS allenfattä oer§ei{)en fönne: bie 53Zaäcooe,
Sünauö unb .§af)ne finb »eraltete Sibliotf)e!ettn)äd§ter : bie 163
^ütterä unb ©attererä enblidj nodj jum leibigen ©ebrauc^ i^rer
3fleic^§urlunblic^en 3w'^örer: bie ^aufen§ unb aHe neuere fd)öne
©eifter f einreiben bcfjer: [djön, malenb, ^ragmatifc^. ©c^abe ber
trodnen 5Reid§ö= unb ©taatägefc§i(^te.
Unb mas ift benn eine ©efc^ic^te 3)eutf c^Ianbä , bie bieg nid^t
märe? (Sine ©ried)ifd§e unb 9tömifd§e mar eine @efd^id;te mn
3^epublifen gan^^i anbrer Slrt, ober einzelnen großen äBeltljänbeln,
eines großen 9JZanneä, ober einer großen SSerfammlung, bie ba§
St^riebrab ber größten' 58egebent)eiten maren. ®eutfd)Ianb im 3Ser=
folg feiner ^a^r^unberte ift roeber 3ltt)en noc^ 9tom, roeber eine
3Konarc§ie, nod^ eine 3ftepublil, bie ber ganzen 2Belt (biefer orbis
terrarum fei nun fo gro^, aU er molle) S^^on gäbe: loeber ein
©c^aupla^ ©ricd)ifc^er ßultur unb -Jreifjeit, noä) beg 9tömif(^en
@roberung§geifteö. @ä ift in fid^ eingebogen ein roerbenbeä
fieiligeg JRömifc^eö 9ieic^, ba§ nod§ l^eute in feiner ©inrid^tung
bag fonberbarfte oon ©uropa ift; e§ ift ;3a§rf)unberte burd^ ein
(E^aog, au£i bem fic§ ^erjoge, (trafen unb -Ferren, Sifd;öfe unb
Prälaten §eben: oi)ne bie e§ fein 3)eutfd^tanb gibt. SBie alfo eine
©efc^id^te SE^eiilfd^lanbeS, bie leine ©taat6= ober ^Keic^ägefd^id^te
. 467 . —
[et? dinc ^"Reilic uon Sftöinifdjcn ^aifcvn in tl}rcn 33ruftbilbevn, in
164 il}vett ''^U'batanefbotcn, in iljvcn Scikg* unb ©eclen6c[(^affen§etten,
jufaniuit ein -^^aar iljver ^l^aten, füttct nid^tS auö, [o lange 2)eutf(^-
lanb fein ©d;aupla| be§ SDefpotifmuei ober ber 5Di!tatur getoefen;
jo ba§ 3)teifte von biefem alten ijat oft nid^t einmal aufö (^an^a
©influ^. ©ine ll\xifcvI)iftovic für eine ©efd^irfjte 3)eutfd;lanbö genom=
nien: fo roirb atteä neben itinen oergeffen, toa§ boc^ bag wa^xt
2)eutfrfjlanb ift: baä Hebe ^ix^ ber ilaifcr nial^len, baä bod) nid^t
eben, roie ber 6£jara!ter 3l[ci6iabeg, Sllejanberä, 3tuguftu§ unb
S^tero, ;;ugleid) baä ^er,5 2)eutfd^lanbg roar? @ine Kaif erfrone
fd^ilbern, bie auf i^reni l^üfjen oft rufjig lag, unb öeroi^ ben ^opf
oon 2)eutf(^lanb nid§t ausniad^te.
^eber fielet, tia^ l}ier fauui eine ^^sragniatifd^e ©efd^idjte nad)
älrt ber 3Wten möglid; ift. /Dort gingen alle graben an gcioiffe
^auptenben jufannnen, au'o benen fie fic^ gefponnen: l^ier fteJ)t
nmn ,5al)r§unberte burd; am braufenben 9Jieere, baniit au§ il)nt
eine 5)ienge won .^lUfeln werbe. 2Bo t)ier ©inljeitV loo ©oibenj?
100 Qntereffe nac^ 21 rt ber 3(lten, loenn il)re ©efd^ic^te ba§
3Jiufter fepn fotl? S)ie @efd)id;te oon 2)eutfdjlanb mu^ fo ein
Original ferin, alö 3)eutfd}lanbg ^-i^erfaffung.
Unb ift biefe loerbenbc 33erfaffung .{""^iiptö^^ficljtöpunft , roo
fonimen rair l)in, locnn roir Urfunben unb SDiplonte, u. f. ro. oer-
adjten, unb fd^ön Ji-anjöfifd^ bid^ten? S)id^ten lä^t fid§ nod§ jur
165 9^otl| ber Spontan eines 93lonard^en, einer einfad;en Stcpublif: aber
über bie trodne 3^ragc: loie roarb jeber in ^eutfdjlanb, loaä er ift?
roaä ift er in jebem Seitalter geroefen? über bie lä^t fic^ nid^t
biegten. (Sine @efd}idjte ooll @eift unb ^Ijaten, roie bie Stlte, wirb
unfre nierocrben; fie ift eine trodne ®c\ä)iä)k bco 9tange§, beö
9ied§teö, beö ^'wfs; aber eine g^ranjöfifc^e follte fie nie werben
looEen, weil fie bei iliren IKaterien ntit 2Ba^rl)eit unb ©enauigfeit
2tlle§ oerliert. 9cid)t ber ©eift be§ 3>ernünftelnö fann i§rc (Seele
fei)n; benn wie wenig ift in 3)eutfd^lanb burc^ isernünftelei gewor-
ben? fortge'^enbe Stuffliirung i^reg gangen ©ei)n§ ift il^r
@eift unb Seben —
30*
— ■ 468
2)ie ©efd^ic^te ber Karolinger, ©ac^fen unb ^ran!en ift ^ieju
eine roic^tige, aber roie oerbrie^Iid^e, wie »erroirrte, wie unanne§m=
Iid)e ©cene, wenn roir ^rangöjifc^ benfen, wenn rair bloä malen,
oernünfteln , überraf c^en , unb barf iä) noc^ ba^u fe^en, bloä bilben
rooEen? ^er 6§arafter ber 3)eut[(^en Ijat t)on jetier ba§ 2^roc!ne
gel^abt, fi(^ um einen (Seremonienrang, um bieg unb jeneg urfunb*
lid^e §of)eitägeirf)en , um ein unb bas anbre 9ieci^t, nic^t roeit e§
SSortl)eiI, fonbern meil eä 9tec!^tsfoberung mar, ^u interejfiren, fid^
intereffiren gu (äffen, fid) oft bie Jpälfe gu bred^en. £)iefen 6§araf==
ter mirb aud^ bie @efd)id[)te Seutfc^Ianbä nid^t üerläugnen, unb
mu^ fie cä niü)t , raenn mir fie naä) einer anbern , fie fei ©ried^ifc^
ober 9iömifd^, 33rittifd) ober granpfifd^, mobein rooEen? ®er 166
©eift, ber alle bicfc 'i^ölfer belebte, unb menn roir il)n auc§ jebeg-
mal @^rc nennen roollen; ^immel! roie fcljr ift nid^t bie ©ried^ifd^e
@^re, unb bie 9^ömif(^e (Sl)re, unb bie 33rittifd^e ©l)re, unb bie
^ranjöfifrfje Gloire unb ber 3)eutfc^en 9iang oerf (Rieben ? ober menn
roir biefe 2::riebfeber l)ier unb ba au^ g^reitieit nennen roollen, nid^t
nod) immer oerfd^icben ? — — Unb roenn nun eine ;{5'ö^oiift^fc()e
5^ationalgefcl)idl)te ber 2)cutfd;en, 53ierfmale biefer 3)eutf(^en j^rei*
l)errlic^teit, einige g^raujen biefes 6eremonienl)immclg , unb roenn
fie auä) fo fel)r auf Soften il)rer ^}cation gefponnen roären, l)aben
mu^; roirb ba nid^t eine gcroiffe trodne ^ünltlid^feit , dn fteifer
gemeffener ©d^ritt iron Urfunbe gu Ur!unbe oft beinal)e iint)er=
meiblii^ ferin?
Unb für S^eutfc^e faft unentbeljrlid^. ©s fei Ungelenügfeit,
ober roa§ eä fei, ba^ id; bei @ef(^ic^te auf fd^önen 3]ortrag unb
äöeltroeife älnmertungen nur immer jule^t fel)e, bei jebcm ^-actum
trodne unb genaue 9tac^rid^t, bei jebem 2)atum fidiere . ©eroälir'
leiftung »erlange, unb bei mant^en fd)önen ©efc^ic^tßromänen mal
über mal mit Unroillen frage: Jtebeft bu bas oon bir ober l^aben
birg anbre gefagt? ba^ id) mit Unroillen umfierirre, roenn iä) ni(^t
roei^, ob bie§ (Ba<^z, X^at, ®efd^i(^te — ober Semerfung, (^in-
fatt, 53ieinung be§ ©efd^idjtfd^reibers ift: ba| id^ mit ^Ißeinlic^feit
unterf d;eibe : ifi bieS ©cfd)id;te ©ngtanbg, roie fie gefd^el)en ift, ober 167
— 469 . —
wie ^ume meint, ba^ fie fid^ t)ätte jutvagen formen? ja, ba^ t(^§
für ?^et)ler unb S^erberbni^ affer ©ejrfitcl^te Ijalte, auf nid^tS alg
^iftorifd^e Ä^unft, @pifc!^c Stnorbnung, ^^ragniatif(^e 33cnierfungen,
5ßI)iIofop[}tfd)e ©inlenfungen ^u bringen , unter benen id) ben nadten
roafiren .Körper ber ©efc^id^te fo wenig erfennen tann, raie er ift,
at§ wenn ber @mi( beg Sruber ^()ilipp§ üor feinem ©ängd^en ftiffe
fte^en, unb au§ bem äu^erlid^en Slnjuge, unb bem 9f{eifrod'e, unb
ber ©d^nürbruft beffetben auf bie oerborgene mdi)xz ©eftalt beg
gepu|ten meiblid^cn ."^örperg roeiffagen foffte. — — 33ei affer
unfrer .gurid^tung ber ."piftorie für ben guten @ef(^mad foffte e§
alfo ^auptrcgel fcyn, genau bem Sefer bie ©rän^se ju be^eii^nen,
mo ©efd^ic^te aufhört, unb S^erntut^ung anfängt; ja genau ben
©rab ber ©erai^fieit bei jebem Stritte, ©eijört bieg nun ber gan=
jen ©efd^ic^tgfunbe alg ©igent^um ^u: uielme^r unfrer ftrengen
trodfnen ©eutfd^en. Sei uns fommt bag 3öort ©efd)id;te, nidjt
t)on ©d^ic^ten unb @pifd^ orbnen, unb ''^^ragmatifd^ burd^roeben,
fonbern non bem oielbebeutenben ftrengen 3öorte: gefc^el)en t)er,
unb barüber roiff xä) axidj nidf)t big auf ®inen ^unt't in Ungeroi^^
t)eit bleiben.
®arf id^ mein @utad)ten ju einer SDeutfdien 9^eid)ägefd)i(^te
168 fortfe^en? 33iele {jo^^'^u^berte buri^ ift ©eutfd^lanb in bie @e=
fd^id^te eineg anbern Sanbeg reditlic^, unb bapi fird^Iid^ »er*
tüidelt geroefen, unb eine rec^tlii^ - fird^tii^e 3Sermidlung ift für
^eutf(^(anb nad^ feiner 3]erfaffung, unb für einen ©efd^ic^t-
fc^reiber, ber biefer 'iserfaffung folgen roiff, bie größte 3?ern)id=
lung. 3)ieg Sanb ift ^tatien. -^faffen roaren bie 33efet)rer ber
S)eutfc§en ^^um '^ßabft, unb biefe ^]iä6ftli(^en 3(poftel, com t)eil.
Sonif actus an, raurben bie erften 9teid^gfürften: ^^f äffen unb
Sifc^öfe rourben bie erften Steid^gftänbe unb -^JreitjerrUdifeiten: bie
erften Keinen Souüerainen unb Jriebengftörer. Ütid^t blos alfo
ba^er, ba^ ^Deutfdilaub glei(^ oon feiner erften -Jormung uor
anbern eine fe!^r fird)lid)e ©eftalt befam, fonbern aud), ba^ lange
nad)l)er feine Kriege fo oft na()e an ''!]]faffenftrettigfeiten unb Sifd^ofg-
tjor^üge graniten. Unb ba biefe 9iang= unb 9fted)tggciftlid^e jnjei
-^ 470 > —
^duptev !§atten, etn§ in, unb eing au^er 3)eutjd^tanb : tüie anberä,
alä ba^ ba§er ber 5IRittelpurtft ®eut[d)er %i)aHn unb @efc^id§te fo
lange unb oft auf er SDeutfd^Ianb fiittt, nad) Italien, nac^ 9tom
^tn — eine neue Quelle ^iftorifc^er SSeriüirtungen! Unb wie
anberä, al§ ba biefe ^;pä6ftif(^'^tatieni[c§ = 2)eut[c^en'@ejd^ic§te fo
lange unb oft raieber nid^t§ aB 3tang=£iTc§en= unb 9tec[jtäftreitig=
feiten enthalten, biefe bie trodenften, rerroideltften, unb oft edfel*
£)aft fepn muffen? Unb boc^ muffen fie e§ fepn. Unb boc§
ift ^y^ biefe ©ntäu^erung S)eutfd)(anbä ©eutfc^e @efci^ic§te. Unb 169
bo(^ eben biefe ©treitigteiten unb 9tang^ unb aftömerjüge ber
Urfprung 2)eutfc^er 5Berfaffung — • roie roenig g^ranjöfiren lann t)ier
unfre ©ef(^id)te! 3)er ^iftoriograpl) mu^ l^ier f(^on ©d^ilb* unb
Sßapenträger beä f)eiL 3ftömtf d^en didäß raerben, er wolle, ober nic^t.
©0 läuft bie ©efd^idjte üiele i^aiferrei^en f)erunter, roo ber
.^iftorifug auf einem ©ebirge fi|en mu^, um auf 2)eutfc[jlanb unb
Italien feine älugen fliegen gu laffen, um feine blo^e ^-ürften^^
noc^ ^aifer- noc^ ^abftgefd^idjte, fonbern eine ^iftorie 2)eutfd^er
Sktion ju f (^reiben, roo biefe fid^ finbet, in ilreug- ober 9^ömer= -
gügen; mo fie lernet, in 9leapel bei ben ©aracenen, ober in
©c^maben bei ben «Sängern ber Siebe: moutit fie fic^ befd)äftigt,
eg fei mit bcm Jßwftrec^te ober ©uelfenftreite — überall S)eutfd^c
@ef(^ic§te: unb iebeämal ber @efd§id)tf(^reiber ein ^auägenoffe, ein
^Jlinifterial beg ^ßitö^^fteä. iQdk 5)3unfte, leud^tenbe ©terne, '^Mldy-
ftra^en gibtö überall , infonber^eit im ©c^roäbifd^en Zeitalter :
aber ber ©runb bleibt nächtlicher ^immel: Sfteic^gurfunblidje
2^rocfen^eit!
S3is auf bie mitlere .^absburgifi^e @efc|ic|te, wo fie fid^ mel)r
entroidelt, aber auc^ mit jebem ^otte ber ©ntmidelung redjtlid^er
unb 9teic^§urtunblid)er mirb. 2)a§ ®ered;tfame, bas 9ieid)g!räf'
tige lüirb immer augenfd^einlidjer ©eutfdjlanbä ©eift, unb fo aud} 170
©eift 3)eutfc^er @efc^ic§te. ©o fort bi§ auf 9Jtai'imilian unb
Äarl ben fünften, beren Zeitalter id^ für ben Mttelpunft aEcr
©efc^ic^tc hinter ben 3Römern, für bie 33afig aller neuern ©uro-
päifd;cn S^crfaffung, unb für einen 9iaum ^Ite, ber burdj alle
— , 471 >—
f
Sänbcr (^uropenä hinüber bei* t)ürtrcflt(^fto jii bcr beften f)iftorifc^en
Bearbeitung fet)n mü^te. 3Son fjierauä fängt \xd) alles an, ©taatä-
Sitteratur-Steligtonöüeränberung — eine mm &^huxt beä Whn\^'
lidjen ©eifteä burd^ ganj ©uropa.
2ßeiter gefie id) nid^t: wie \iä) bie neuefte ^eut[(^c ©efi^id^te
^ragmatifd) be^anbeln (äffe, roerben 3tbelung ^ unb Raufen beant*
TOorten, jener ein ^eitunggftoppler, biefer ein ©efdjid^tmaler jur
©nüge. '^d) jielje auä weinen 9Jäfcettaneen nur bies ^erauä: bajj
bie ©eutfc^e ©efcöid^te fid) gar nii^t §a(bgried)ifd§ ober §albfratt=
göftfc^ bef)anbe(n (äffe — ein 3:;f)ema, ba§ id) an anberm Drte mit
üerunglüdten 33eifpie(en beraeifen raerbe. Ä^ier nur fo oie(: ba^
^r. ^(. o{)ne innere J^iinntni^ ber <Ba^Q urt()ei(e, roenn er bie
5Jlaäcoüe, unb 33ünauä, unb ^ütterä fo tabe(t, roie er tabe(t,
unb o^ne iBnntni^ ber <Sad)e urt()ei(et, roenn er bie ^aufeng auf
Soften biefer ?[Ranner (obet. @ine 2)eutfd^e ©eft^id^te fott frei(ic§
. nod^ gefd^ricben raerben: aber roai^r^aftig nic^t nac^ ^(o|ifd§ent
171 ^bea(, ba biefer 93ie(n)iffer auä einigen groben'' nid^tS weniger ju
loiffen fd^eint, aU ©eutfd^e ©efd^ii^te
Unb ®rie(^ifd§e ©efd^id^tc — m^nn ic§ mand^e feiner Urt!§ei(e
über bag innere @ried^en(anbeä , unb am meiften feinen fü^en in
(auter §ogartf)fd)en SBellen- unb ©d^(angen(inien fd^(eppenben ©ti(
betrachte — nie ()at ^r. M. weifer geurt^ei(et, unb weifer gefd^rie-
ben, aU ba er bem Sluä^^uge auä ber ^(((gemeinen aBe(tgefc^icE)te,
wid^tigerer 2;()aten loegen, entfagte.
IteBer bie *|S^tlofo))I|te ltc§ §rn. Ptlo^.
Motj unb bie ''|>()i(ofopl^ie! bag ^aar fd^eint fid; nid)t fonbertid^
gu lieben, unb wenn beibe gar offenbar gegen einanber antipatl)ifiren,
a) @ic^e juvüd in bie SSeuvt^eil beS ^Seitv. jiir ®efcf)irfite bev iliünj^en.
1) ^: 3tblung
— 472 ' —
mal inolltc fie ncrbtnben? 9?ur foKtc bo§ ^Rännletn aui^ alfo
baä arme J'^^öulein unbefc^impft (äffen, unb rtt^t an i!§rer
®£)re fränfen.
©egen bie '^J^etapfipfif i)at m. 9iloi^ feierltdj eine fatr)nf(^e
Sobrebe " gehalten : er £)at i§re attineite §ciTf(^aft, i{)re Slbftannnung 172
üon Der 3'^^^öötttnn , if)r ^Hegtment über bie ^^eologen, fünften
unb '^^oeten, i(}re 9iu^barfeit ui ß^^^^^^^^^en unb ©rfinbung neuer
iöörter, ifire 3(nne()m(id)fcit unb llnfterb(id)feit — fo fein unb
Iangroeilic3 ausgejifc^t, "ba^ idi nicf)t roci^, roas ic^ erft fragen fott? '
ob nad) ber ©rünblic^feit Der 33taterie, ober ber 5leuf)eit ber ^ronie,
ober ber 53eftintmtf)eit öes Spottes, ober ber ^ürje in SÖenbungen
— • inornad) juerft ? ör. i^l. geruhet , bie ganje 3Dletapf)i)fif, oI)ne
ß"inid)ränfung unb 53eftimmung , if)rem SÖefen unb 9lu^en, unb
nicht if)reni l'itisbrauc^e nac^, ofjne $Keim unb Urfad^e, id)aal unb
matt auQuiiild)en — C bei '^^(jilofopfiifd^en Satyrs im ac^tge^nten
3af)r[)unbert.
(Segen bie fcientififdie '3Jiet§obe, unb gegen bie @t)ftematif(^e
'^^^ilofoptiie unb gegen bie Q3arbarifc§en Äunftroörter ber ^f)i(ofopl)ie
I)at ^r. .Hl. einen magern, mieber^olten Spott fid) fo jur ^olte
eines nerrunjerten ©eiftes merben (äffen ,^ ba^ er auf biefer Saite
ief)r gerne (eiert. So tief roie Gicero , unb fo fpftematifc^ raie
O.l^ontagne, foKen unfre ^]N§i(ofop^en p§i(ofop()iren ; fie fo((en bie
0.\'etap§t)fiid)e @runb(age, bie '|>o(t)bius unb ^acitus getiefeil, raeiter
ausbauen: fie foKen fo genau unb beftimmt mie 33aco fprec^en,
unb OJiontesquieu , mie mir fc^on eine -$robe Ijaben, in ein Qonu 173
penbiuin bringen: bas raid cpr. ,^(o|, ober rebet raenigftens fo un*
beftimmt, unb ber trodnen '$t)i(ofop()ifc^en ©enauigfeit unb Orb=
nung fo geijii^ig, ats ob er bies rooHte.
„Sie rächet fid) gegen iijre 3>eräd)ter!" bies fagt Öut^er oon
ber ©rammatif ber SBorte, unb nod) mef)r (ie^e es fi^ oon ber
©rammatif ber ©ebanfcn , oon ber ^§i(ofop§ie, fagen. Sie rächet
a) Eidic. litter.
b) Opusc. var. arguiu. unb Uebev baß Stub. be§ '2l(tert^. u. f. ip.
473 —
ft(^ gctjcn i§re SSeräc^tcr, unb [ie !§at ftrf) reic^Ud^ an .örn. ,^to|
cjcvoc^en. Sie, bic genaue ^^tIofopI}ie tfts, bie jeben (Sa| in feinem
^Jiünjcngerid^tlein beftinimt unb üeft geniad^t ^t: fie, bie genaue
$f)ilofop^{c i[t§, bie fein 93üdj(oin von bev verecundia 3SirgiI§
gefd)vteben, bie mit if)m über §omev critifiret, bic bic 5Rt)t^o(ogic
ücvtDorfcn unb unä eine neue gefc!^affcn, bie gegen Sef^ing geftritten,
bie auä gefd^nittnen ©teinen eine 2teneibe unb ^^abe erbauet, bie
bie ^a(U[(^e 3)cutfd)c Sibliot^ef , roie ein SBeltgeift, unb ein rector
Archaeus füllet; bie in atte ©d^riften meine§ §rn. SSerfafferä Drb=
nung bringet; bie i^n nie ein 2ßort ju vkl unb un^^eitig unb
unerträglich fd^ielcnb fc^reibcn läffet; bic bie 33aumgartenfd§c Stcft^ctif,
unb bic 2öolfif(^e ^tjilofop^ie in <BtMtn jer^auen;" bie in einem
ältiicnt^uge of}ne ein ftummeä 2Bort be§ S3cn)etfe§ „§olImann
174 „jimt (Sc§uIpf)ilofo|)§en unb ^aUiologug, bcr nichts, roag fd^ön ift,
„fennet, ßrufiug grün 2)ie6e ^o ff manne, unb bie ^arjefianer
„i^rem meiften %^zik nad) ju 93ar6arcn oJ)ne ©efd)mad, o^ne
„ äßiffenf c^aft unb llänntniffe'' mad)t: fie ift§, bie gro^e /^reunbin
beg §rn. i'Ho^, bic ^!)i[ofopl)ic. — — ©ie räd)et fic^ gegen il^rc
3Serct(^ter !
5iun !onime id) enbtii^ in ba§ redete g^elb beä ^rn. Rl., mo
er unter gefd^nittenen ©teinen unb 'OJfün^en unb ©ererben baft^t,
tüie ein Mnb unter ©d)ncden, unb bunten ©tein^en unb ©piel*
jeugc: i^d) foU von feinem 33u^e reben:
lieber bic gefi^nittneu Steine.
2ßo bod^ .^r. ill. tr)al)r{)aftig alle feine ^elefenf)eit, rec^t l)äp
lic^ roeite @elel;rfamfeit, unb rcc^t ^onigfü^en (v5efct)mad beroiefen
t)at? ^ab^ er bo(^ ! 'D^ein einziges Urtl)eil ift bies, ha^, menn
ein Mann mürflid^ fo üicl gro^e, fd)önc, foftbarc äßerfe nad^^
a) @. Ätolj. S3ibt. üom 'ilnfange au big jum tüuftigen feiigen ©nbe.
^ 474 = —
gelefen, nacfegefi^lagen Ijat, unb md^ts inef)r, al§ bie elenben, txu
malm Stmnerfungen , bas ^albfluge unb üerjud'ertfü^e ©efc^tod^
l^crauglefen unb ^eraußauff(^Iagen fann, raas §r. ül. ^ier öor=
geiget : fo fd^tage man i§m bie 33ü(^er ju. 9}iit attem feinen 175
Sef en rairb ber belefene Sefer in feinem Se6en ni(^tä 9ted§tä
l^eraugbringen.
©in benfenber ©c^riftftettcr , ber ba irrt; unb ein irrenber
«Sc^riftfteKer, ber ba benft ; unb ein ftrauc^elnber ^Sdjriftfteller, ber
nod; nic^t gnug gekfen, aber lefen !ann: ber nef)me 33ü(^er in bie
§anb; er roirb benfen, er roirb nü^Iic^e unb gro^e ©a(^en ^eroor-
beulen: fein ©eift roirb roac^fen. 2(6er ber Sfnagnofte, ber ba
liefet, um gelefen gu Ijaben, unb citirt, roaä er nicfit getefen, unb
mit aHen feinen Stationen nic^tä ^herausbringt, als raas nic^t jeber
^aI6ge[e§rte roei^ : an bem gebe man bie Jpoffnung auf ; ber flicft
fid^ einen 9io(f »on (Sitationen jufammen, um feine 33Iö^e ju
beden. — —
3^ür raen id; ju frei fc^reibe, ber- fage mir: roas ber ©tein-
Mün},m=^ unb ^Silber- unb S3ud)fta6en6e(efne .^lo^ benn biälier
mit feiner Secture 9^eues gefagt? 2ßer mit fo oieler ^elefen^eit
über Süprtäuä, unb ^orner, unb 3]irgil, unb ^orag, unb ben
©efc^ntacf auf '}3tün5en, unb ben 9lu^en ber gefd)nittnen ©teinc
nic^t me^r f agt, al§ ®r, ber ^at mir nid)tQ gefagt : ber fage ^^^ic^tg.
■§err ."^ro^ i)at au§ Urfac^cn, bie id^ nid^t mci^, unb nid^t
roiffen mili , ben guten 33orfa§ gel)a6t, bie Sippertf c^e 2)acti)Iiott)ef
ber 3SeIt unb infonberf)eit ben Stauten angupreifen. ®5 fei guter
3]orfa^. (Sä fei, ba^ baju bie 2lnpreifung unfrer f)aI6f)urtbert 176
S)eutf(^en unb Sateinif(^en Journale, 33ib Hotteten, S(ften, Rettungen
nid^t gnug loar : e§ fei , ba^ bas eigne Sippertfd;e S^erjeid^ni^,
rooraug ic§ midj nid)t fc^iime, ntand)eä gelernt ;;u Ijabcn, nic^t gnug
röar: eä fei, ba^ bie 2lnprcifung ber 53ibIiott)ef b. fd;. 2Ö., ber
©öttingfdjen Leitungen, unb affer ber Journale, in benen ^r. ^io|,
alä ein ^roteuö, in me()r als einer S^^^Q^ ii^^ «Sprache rebet,
nid^t gnug mar: aber roarum mu^te benn §r. ÄIo^ fogar Sippcrten
plünbern, unb mas biefer in S^ei^en fagt, Seitenlang mieberfauen?
— ■ 475 —
lüarum bcnn (Sapüig uitb 2ßtn!cltnann plitnbern, bic boc§ jeber
.g)ar6!cttncv !ennct! iDaruin fo ein unorbentlid^es ©einifc^ üon
älmner!ungen , roo man nic^t raeif,, 06 bei* ©tcinlefer mit llnaben
obev mit Künftlevn, ober @e(el)rten, ober :^ieb^a6ern fprec^e?
raarum nac^ allen folc^en 3(nf Urningen )o arm, roie eine
Jlirc^enmaug , erfd}einen? — —
@g mirb mir fc^ioer, tnid) über ®injetnl)eiten p crÜären, unb
ba§ roieberjufinben , mag ic§ im S3uc^e beä §rn. kl. üorbeiging.
D^ne S(6jd)nitte unb 2;§eilungen matet man in il;m eine ©trede
üon jroeitiimbert fieben unb bret)^ig ©eiten, id) i)ixüc 6einai)e
gejd)rie6cn, 9Jlei(en, burd; eine gro^e ©anbroi'ifte, o^ne JRufiepIä^e,
voll lauter ;Diifd)materien, in benen ber ä(utor balb mit ber lieben
177^ugenb, balb mit bem lieben J^ünftler, unb balb mit bem äCnti*
quarienfammler oljue @efd)mad, unb balb mit bem Sieb^abet
üoller ©efc^mad, unb mit ©inein, raie mit bem ätnbern rebet —
fo maltet man eine 2)ürre üon eignen ©ebanfen burc§, um l)inten
auf ein jel)r unterriditenbeä 3^urien§aupt " ju fommen, baö miä)
nid)t au§ bem ©ebäc^tni^ l)erfragen follte, mag x6) gelefen? ©0
matete 2tle£anberö |)eer bie Spbiji^e ©anbroüfte burftig unb in ber
©onnen^i^^e gebraten burc^, unb fanb — ein ^iege^^Wb, einen
gehörnten Jupiter Slmmon.
g^allen mir SDeutfc^e nic^t immer »on einem Sleu^erften aufs
anbre? ä?or furjem ber ©efc^mad in ''^Paragraphen : au§ ^ara^^
grapl)en mürben ^erfd^nittne S3roden t)on Kapiteln a la Montesquieu:
nun roieber Stfabemifd^e ®igfurfe ein ganzes ^uc^ burdjroeg, oljne
Kopf unb |)anb, eine langgeftredte fid; fortringelnbe ©erlange, ein
lieber §3ilb ber Unenblic^feit. ^n Kriti|d)en Sffiälbern Ijerumfpalie-
ren, §ei^t freilid) nidjt mie ein ©eiltänjer f (^reiben; aber in einem
äöerte, roie be§ |)rn. Klo§, roo er bie Itünftler lehret, unb ben
Siebljabern oorf(^medet, unb ben ätntiquaren norertlärt, unb bie
a) M) £;afee e^ betgefügt, um §r. beging jit üßerjeugeit, bajj bie
alten Äünftkr u. f. iv. [@. 242]
— = 476 ^-
liebe ^ugenb umarmet, unb überall fo miä)tia, unb üornel^m fprtc^t:
ba Mnen ^tan unb Drbmmg l^aben?
®od§ tc^ meif, marum i^n ^x. tIo| nid^t 'i)ahQn mag; roentg:» 178
fteng barf tc§§ ratzen. Qft ein Suc^ genau cinget^etlt: fte^t jebeS
ßfior unter feinem Hauptmänner fo tft§ Ieirf)t ^^u überfel)en unb,
wenn id) baju fe^en barf, au^ leicht gu prüfen. 2)a§ 2{uge läuft
brüber raeg, unb ba e§ jebeS feine ©teile roei^, fo roei^ e§ aud^:
tro biefeg ^er? marum jene§ nid^t ba ift? @§ l)ält fc^arfe 3)^ufte=
rung im ©in^elnen unb im @an,^en, e§ prüft, roie ütel jebe 9)taterie
neu, roüi)X, nollftänbig fei). SSer feine SSölfer aber nad^ 6oboman=
nu§ 3lrt, auf gut ©critlitfc^ ober ^erfifd^ ftellt: frcilid^, ber ift auf
eine fel)r eigne SÖeife unüberfe^bar.
^d) nel)me j. @. ba§ SBintelmannifd^e ©ebäube ber .tunft-
gefc^id^te — roeld^ ein großer ergö|enber ^lidf, ber fid^ an ber
Drbnung, Harmonie unb 33ott!ommenl)eit ber 3:;t)eile unb be§
©anjen roeibet! @inl)eit unb ^3}knnid^faltig!cit ! ©rö^e unb ^djän-
^eit! jum Slnftaunen unb jur fü^en Slnfd^auung bes @d§önen!
(^in ©ried§if(^er ^^allaft, an ^Dlaterialien ein 3Ser! ber 6i)f(open, on
Sauart unb g^orm ein 2)^äc^tni^ ber ©ötter, in 2lu§^ierung eine
Slrbeit ber ©ra^^ien unb ?iKufen — mer roünfd^te fid^ nid^t , eä
gebauet gu !^aben? ^d) nel)me Hto^en§ Sud^ über bie gefd^nittnen
Steine; mit allem feinem f leinen 9)Zannirf)faltigcn ift§ ein Raufen
Heiner 9tuinenftüdfe unb ©rf;erbd^en.
— — Unb fein S^ortrag, fein ©t^l? bamit e§ nidjt l}ei^e,
als fucfie ic^ mi^günftige ©teilen auf: o fo lefe man ben l)onig== 17«)
fü^en, big gum ©lein fü^en 2lnfang:
,,'?&mn bie gute 3lbfid}t, bie ein ©(^riftfteller bei feiner
„3lrbeit gel)abt ^t, gugleid) für biefelbc eine (Smpfe^lung
„fet)n lann: fo oerfprec^e icb biefem Suclje einigen Sex;fal( unb
„il)rem (bes 53u(^g ober ber 3lbfid)t?) ^^erfaffer oon ben greunben
„ber .fünfte unb be§ ©efc^mads ®anf." 2ln guter Slbfic^t
l)at eg bigljer, ©Ott fei 2)ani;! nod^ feinem ©d^riftfteller gefelilt;
unb lann fd^on bie gute 3lbfid)t nacb ^rn. .tl. fü^er 9.Kanier ju
fd^ireiben: @mpfel)lung fepn: fo oerfprec^e id) aUzn betrübten
— ■ 477 ' —
unb Slöben Seifatt, unb »on allen g^reunbcn ber fünfte unb beä
©efc^macEä ben ergebenften 5Dani
„2)iefeä ^e!änntni^ madjt nid^t au§ ber Urfac^e ben "^n^
„fang meiner ©(^rift, auä n»el(^er e§ t)on üielen für ein roefent-
„Uc^eg (BtM il)rer 35orreben angefei)en rairb. SDiefe mögen allein
„unb aug eigner @rfal)rung bie ©tärfe biefer 2Borte fennen,
„unb man mißgönne iljnen bie Älunft nid^t, l)ieburc!^ ent*
„mebcr gutl^erjige 9iic§ter ju il)rem $5ortl)eile ein3une{)men , ober
„roenn il)nen biefe Hoffnung mißlingt, baä ^^ubtifum, beffen grö^e==
„rer 3:;i}eil fidj au» geroiffen eignen ©mpfinbungen auf bie
„©eite be§ getabelten Sd^riftftetters frfltägt, jum Mitleiben ju
„bemegen." — ^anb! lauter fü^er 2:anb! .^r. Kl. roill nic^tä
180 mit bem gemeinen Raufen ber ©(^riftfteller gemein ^ben, alä mag
er mit ü^nen gemein l)at, unb mit il)nen bas ni(^t gemein l)aben,
TOaä er mit il)nen nid)t gemein' l)at, unb alle§ bies läuft in bie
llein^ä^ligen ^rüclie uon 2l6fid)ten , oon (Impfinbungen ein, beren
Sleft^etometrie iä) md)t oerfte^e.
„^d^ redjne mir 'ötn aufrid)tigen 3A^unfd§, ba^ bie
„grünbli(^e ©elel^rfamleit ac. in meinem 33aterlanbe ausgebreitet
„luerbe, ^^u einem Sßerbienfte an, beffen äi^ertl) ic^ nie üer==
„fennen roerbe, unb beffen ^erou^tfeijn mir ben 'Diangel
„anbrer SSerbienfte erfe^en mu^ u. f. w. 3Bie? fo ift bieg
ber gan^e Unterfdjieb bes SSerfafferg uon ben oorigen <B<i)Xi\U
ftellern? ©o ift ein 3Bunfd;, an !rüppell)after 3Sunfc!^ fd)on ein
SSerbienft? ein SSerbienft, bag umn fic| felbft üor ben 3lugen beg
'^ublifum anrechnen, fo iixi)n anredinen fann, ba^ eg ber 3Belt bei
bem 2lnfange ber ©d^rift breuft oorfc^möre : „ein $5erbienft, beffen
„äßertl) id^ nie ücrlennen roerbe, beffen ^i^eiuu^tfepn nxir ben 3Jiangel
„ anbrer S^erbienfte erfe|en m u %" Unb baä alleg ein Sßunf d^ ?
Unb bag aUeg liei^t Urbanität, guter 3:;on, ^^atriotiämug ? —
„dh^n um be^millen lialte ic^ eg and) für meine ''^flidjt, hk
„Se^rer ber 2Biffenfd;aften auf gcmiffe 9Jiittcl, raoburd) fie fid;
„biefem ©nbjwede, ber auf bag Söoljl unfrer 5Jiitbürger unb bag
„@lüd ber 9tad;fommenfd;aft abhielt, näl^ern tonnen, auf-
— < 478 - —
,,mer!famer ju mad)en, alä fte e§ bisher geroefen ftnb, ober
„t)te(mef)r I)abcn fet)n förtnen." — Unb raag finb biefe 181
geheimen geroiffen 3}itttel, bic jo fe^r auf§ ©ro^e ber 2Be(t unb
9ia(^w)elt geljen, bte Mner bisher J)at roifjen fönnen? — eg !omint
im S^Zeteorenjuge : „ ^\t aber ein ^Mttd leichter, geiüif jer unb ebler,
,,alg roenn man i{)nen beJ)ütfItd) roirb, ba§ .^erg un[rer ^ugenb
„ben fanften (SinbrücEen beä ©d;önen ju öffnen, nnb raelc^^eä alle-
„jett eine 'g'olge t)on ber aufrichtigen unb roeifen Kultur ber SBiffen-
„f Gräften ift, eg felbft ^egen bie Steige ber 2:^ugenb ^ierburd} fü'^l[=
„barer ^u mad)en? — " Unb ba§ ift al(e§: unb roer £)at bie§
äliittel nic^t längft geraupt? nöt^ig erfannt? angepriefen? 3Son
Quintilian bis auf iinfre Quintilianc, roer Ijört bamit etroaä 3fleues'?
unb raenn eg, beftimiuter alg .^r. ^Io| gefproc^en, auf bie ^ilbung
ber ^unft abjraeden foff: wer fennt nid^t auc§ l^ierüber bie üor-
treflidje 3BinfeIinannijd;c 3(bi)anblung ? Unb roag Ijat ^r. ül.
unter beut, waö er gefd;rieben !^at, unb fc^reiben roirb, roas i)iebei
gcftellt ju raerben uerbiente? Unb maß bleibt it)m alfo übrig, al§
fein frommer ßl)riftlid)cr äöunfdj, unb ein .^onigfüf^eä ©efc^raä^e?
S)ag le^te ^k'i)t fid) fort: ®r lobt bie ()eutige S^erfafjung ber
©djulen, beüagt ben 50langel an gefd^idten ''Duxnnern, bcfennet enb*
tic^, „ba^ einige »ernünftige 3Jiänner bas ®Iüd gef)abt (benn an
„ben (Siegen über 'lsorurt()ei(e unb Unioijfentieit ()ötte bag ©lud
„einen uiel grö|3ern 3(ntl}ei[, alg unfre ilräfte unb 3lrbeiten) anbre
„ju überzeugen, ba^ ber gute ©ejc^mad — — " ©otttob! fo
gel)ört fcl^on bag au^erorbentlidjfte SÖunberglüd ba,5u, xmi bag 182
^^ubtifum öon ber 9cü^li(^feit beg guten ©efdjiuadg gu über-
zeugen: jo finb roir nid^t roeiter, alg ba^ einige üernünftige
'DZänner, unb bag blog burd) ein ©lüdgfpiel, anbre baoon über-
zeuget: fo tief tjätte id; mir bocl^ nid)t unfre 3cit gebückt!
®oc^ §r. Klo^ loei^ eg gut gu mad;en. ®r froljtodt, mie
meit man in S^erbefferung ber Sdjuten gefommen, malet eine ©eiten=
lang oertledtc Slugfic^t über bie ©elel)rfam!eit , unb empfieljlt fid;
folgenber ©eftalt : „^}}(einc ©d^rift roirb einfid^tsoollen 5Hid;tevn
„vielleidjt nidjt mißfallen, menn man eg i§r gleid) anfief)t, baf5 iljr
— . 479 ' —
„3[5erf. fte ntc^t mit ber [eufjcnben unb büftern Tlin^ gefc^rieBen ^
„{)at, töeld^e [o uiele unfrev 33evbefferer bcv ©c^ulcn annel^men.
,,3)aä SSciDU^tfepn meiner %h\iä)t, imb bie Uc6erjeuc3ung
„üott bem 9^ii^ert, rccldien mein 3^ov[d;lag notl^raenbig i)ah^n
„mn^, gibt mir ben 3)lutl), mid§ unter bem Raufen berev, bie
„einerlei ©nbjiDcd mit mir Ijahtn/'' l^eroorgubrängen, unb ju
„Der langen, ba^ man mic!^ anf)öre — — " ©adjte! fachte!
Ueber nidjtä, afe eine. (Sc^ulntaterie, wer roirb fi(^ unter bem Raufen
aller u. [. m. l)ert)orbrängen: über eine 3)iatcrie, über bie anbre
fdjon beffer gefd^rieben, beren [djüdjterne 93äne geiui^ mef)r gefallen
roirb, atg bie fobcrnbe unfres ©c^reierä, ber fiij^ Ijernorbriingt, unb
»erlangt, ba^ man iljn l)öre: über eine 33taterie — Kur^! ^ier ift
mein Urtlieil;
183 -Öctt ^r. ^lo^ für ©Ovulen gefd^rieben: fo finbc ic^ fein 33ud;
roeber ju einem bilbenben 33udje in bie §anb ber '^Uj^'^^b, nod) in
bie §anb ber Seigrer roürbig. ^ür jene ein 9iuinenl}aufen von
alten ©c^löffern, in bem fie roal^rljaftig nid)t roerben uml)er tlettern
motten: für biefe Qin ^JJ^engfel oon unbeftiumitcn, jufammengerafften
50^aterien, mo eben ba§ fel)lt, roag fie ju Sitbung ber .Qugenb
beutlid§, augfüljrlid^, grünblid^, beftimmt fuc^ten.
^at §r. M. ju Sippertö ®acti)liot|ef gefc^rieben: f(^ledjt!
3)ie fd^önften unb einzigen Stnmerfungen finb au§ Sippert§ Kom-
mentar: unb roelc!^er Siebljaber, roelc^e ©d^ule biefen ^t, roirft
jenen roeg.
^at er§ für Siebljaber, für @j:oterifd§e Sefer gefd^rieben, roie
etroa ein Sllgarotti, ein (^'orttenelle ; — i6) ijahc groben feinet
fdjönen Strjlg, feiner Drbnung, feineg guten ^onä gegeben.
©Ott eg enblid) für ©elel^rte, für Hünftler fei)n —
Unb ba fommen mir ^b^n i^e^ingä 2tntiquarifdje abriefe, bie
id; gern eljer gel)abt Ijätte! 2Beld§ ein l)inreiffenber ©trom! roclcl)e
^elefenl)eit ! roeldje J^ünntni^ bes Slltertl^umg ! roeldjer ©djarffinn!
1) Ä'. : lüeberäefct^vieben
2j Ä.: ntit mir äu ijoiitn tungebeu
-^ 480 ' —
— (Sd^abe, ba^ ©in Se^tng feine 3eit oerfd^rocnben mu^, um einem
ÄIo| baä ju jagen, mas i§m je|t mef)rere üon @efid)t anfeilen werben.
^n meinen äöälbern roirb bisher mo§I niemanb eine ©pur
oon 33erabrebung unb ®inftimmung f)aben erträumen motten, unb
baJier fo entfernt S. non mir lebt; fo einen ©tral oon gutem SSor- 184
urtf)ei(e geben mir feine Briefe für manches, ba§ iö) an Rloi^ auä-
gefe|t. ©in ©c^riftftetter , raie biefer, üon bem unfer Lustrum
big{)er fo roittig gelernt, ift ja aud) mo^I mert§, ba^ ba§ jraeite
Lustrum an i^m lerne.
©0 roenig bie ©rajien im ©tt)I be§ ^rn. S. ^ meine
g^reunbinnen fei^n mögen; fo unmf(^e ic^ boc^ mic§ in @ntfc^ul=
bigung meines oft fcf;arfen, oft 3(ntiquarifc§en ^(usbrucfä an il)n
an,^ufc!^Iie^en. ^Dcit if)m fage ic^: „ber fdjleid^enbe fü^e ÄompIi=
„mententon^ f(^i(fte fic^ roeber ju bem ^Borrourfe, noc^ ju ber ©in*
„fleibung; auc§ liebt i()n ber 3Serf affer überhaupt nid^t. 2)ie Mikn
„tannten ba§ 2)ing nidjt, raa§ mir i3öfli(^feit nennen. ^i)xz
„Urbanität mar oon ii)x eben fo roeit, als oon ber (ätob^^it,
„ entfernet.
„S)er ^leibifd^e, ber |)ämifc^e, ber iHangfüdjtigc, ber ä^er§e|er,
„ber ift, er mag fic§ noc^ fo Ijöflid) auSbrüden, ber roal)re ©robe;"
unb mer in biefem fü^en 2;one feine ©eic^tigfeit unb ^albgelefirt-
t)eit oerbirgt, für atte, bie er anlodt, fid^ nadj i^m ju bilben, ber
fc^äbli^fte ©lei^ner. — 3)ie SlIo|ifc^e ©pifobc in ber 3)eutfd)en
Sitteratur 6d}anbe, roa^re ©c^anbe!
— — Süc^, raie uiel 3^^^ ^^be ic^ oerloljren — —
1) 9(: §rn. Ät 2) 2.: som^jümentiertou
^nmerfunöen.
7, 7. „evfc^einuugen — Semofrituö." 3lu§ Sinctefmanng „gtläute=
rung ber ©ebanfen über bie 9'?ad;a'^mung" u. f. to. (2ö3B. I, 147): „3Jac^
bc§ ©entDfritu§ Sotgeben fDÜen ivir bie ©cttev bitten, baß un§ nur gtü(f=
Iirf)e 58itber öorfontmen. " Plutarch. Vit. Aemil. c. 1.
8, 9. „3t^6u§" — ®ie ©(fireibung mit ^, tvk 9, lo ©^tenen, tüie
anbertüärt§ ^i}potxtnt, '^l^t^i^a; ebenfo ba§ t^ an unrei^tev ©teüe in
griec^ifc^en Sianien (S(bfi}rt^u§ u. a.) geprt ;5um „Softüme" unb ift aB[ic^t=
tid^ beibe'^atten. — „b(öb[innig, mt Staubiug" — ogl. I, 171, «2.
§iev foüte e8 toielme^v Reißen: „tine (Satignta" (Sueton. Calig. 34.)
9, 10. a. ©ruft Subtoig 3)an. ^ud) (t 1774. ^vof. am (St^mnaf. ju
3erBft): „Serbienfte beS 9ttc^i{oc^u§ xim bie ©attjven; mit einet 'iRaä)W\t
toittx ben §arbuin." 3evb[t 1767. (iR.)
10, 12. „jenem @riec(;ifc^en tünftler" — bem ^rajiteleg bie 5t^)]^vobite. —
„t(eift§ 3tmi)nt" — ©ebid^te. SSertin 1756. @. 128. (2[mint — ©alaf^ee.)
14, 17. a. Soph. Phil. 732 ss.
15, 19. unoXbyXa ss. v. 745.
16, 21. §ubemann (Subto. griebr.) 3)er SSrubevmorb beS Äain,
2;tauerf)3iet. 58il|oiü. 1761.
23, 32. versus querimouiae — Horat. A. P. 75. togt iBb. II, 302.
25, 35. b. (3. %. @d;röter) lügemeine ©efc^ic^te bev Sänber unb
SBBWer öon Imerifa. 9Jebft einer Sorrebe ©iegrn. 3ac. 33aumgarten§. §alle
1752. 53. 2 58be. 4". Sie ©^ilberungen , ivetc^e ba§ betreffenbe Sa^sitet
„SSon ber Sobe^art ber ©clatien im mitternächtigen Imerica" enthält, [inb
ßon §erber in fe^r freier äöeife »iebergegeben. (9t.). Üieminiöcenjen au§
§aüer mifc^en fid^ ein: 3% aug bem ®ebi(^te „S)ie gal|d;^eit menf^ tiefer
Sugenben" (5ßerfuc^ ©(^toeij. @ebid;te. IX. 3Iufl. 1762. @. 91—93), bie
§erberg ^^antafic id)ün in frill^eren Sa'^ren bcf(^äftigt Ratten. „2tm SKarterb
fe[t be§ estimauf," ©uiet eine§ „Siti^^rambitg," nad^^er at§ „ lobten =öe=
eine§ ©gfimauj am 3Jtarter))fa(," finbet fid^ in einem Ä'i>nig§berger 3totijen=
^efte (1763) cerjeidjnet.
27, 3 8. t). gragmente ber alten ^odtfc^otttänbif^en Sic^t!un[t. $am=
bürg 1764. ogt. Ibraftea V, 341.
$erbev8 fämmtl. SDSevIe. III. 31
— ' 482 —
30, 42. „ein ©itfcerton" — Mo^jftod, Obe am gefte ber @ouberänc=
tat (Sag neue 3al^rl^unbert); bgt. II, 385.
31, 43. Stoger be 9ta6utin, Sontte be SSu[f^ (1618 — 93). Discours
du bon usage des afflictions et des adversites. — §al[ev, ©e^nfuc^t nac^
bent SBatertanbe. 1726. (©ebid^te @. 5 fgg.) — tieift, ©e^ufuc^t nad^
^ui)t. 1744. (®ebi(^te 1756. @. 130 fgg.) (9i.)
32.* 3o^. 3ac. SteiSle, ^ro6en ber 2lraBif(^en ©ic^tfunft in »erliebten
unb traurigen ©ebid^ten, au8 bem 3)^otanafebi. StraBifc^ unb 3)eutfc(), nefeft
Slnmerfungen. Mpiia, 1765. (91.)
33, 45. §aöer, Srauerobe beim 2tB[terfcen feiner gelieBten SDJariane.
1736. (©ebic^te @. 216 fgg.). Ueber eben biefelbe. 1737. @. 223 fgg.
Ueber ben Stob feiner jtüetiten (Sema^^Iin. 1741. (®. 260 fgg.) — Ä'io:t)fto(f ;
§interta§ne ©c^riften ßon SKargareta Mo:>)[to(f, Hamburg 1759. @. VII fgg.
fegt. S3anb I, 477, 22:2. — i£ani^, Magobe über ben Sob feiner erften
©emal^tin; @ebid;te, ^Berün u. &i^jig 1750. @. 309 fgg. (9t.) - Über
@eorg 2ßil^. Oeber ugl. 5lbraftea V, 2, 293. Stebtii^ ju Seffingg SBerten
XII, 556.
35, 49. „SSriefe jtoifdien 9)tonng:|3erf onen " — 33riefe öon §errn
©leim unb Sacobi. iBertin 1768. ögt. &bengbiib I, 2, 324. mit ben
näc^ften ©ä^en im 'Jejte fcfteint eS Berber abgefe^en ju §aben auf bie
„9tomantifd)en Briefe" eineä 2luon^mug, bereu erfter S3anb 1769 bei Siicolai
erf(^ien. Sgl. 2eben§bilb I, 2, 409. 426. 442. 450. Seffingg ©c^riften 12,
205. 13, 154. i.
36, 50. „tt)ie ein — ^a))))etbaum" Hom. Iliad. z/, 473—489.
^rotefitaug B, 698 ss.
47, 6 7. „©!äüo:|3oeie" — §erber eignete fid) bas tunftirort in ber
fe^Ierl^aften ©c^reibung SeffingS an; rii^tig toäre „©feuD^Joeic." (axevoTtoua
Anfertigung ber Tla^tm). SStümner, Saofoon ©. 66.
e) „ben (Srften i^rer SJerfaffer" — SRenbetefol^n. 35a§ Sfteferat §erber8
giefet ben Sn^att !urj unb in eigenem 2lu§brucf; 2tnfü^runggftrid)e gebrandet
§erber auc^ fcnfl bei ganj freien (Sitaten.
53, 75. ^ireicug — Seffingg ©(f)reibung, ftatt PraeicuS (Plin. N.
H. 35, 10, 37).
55, 78. a. Chr. Grottl. Heyne Programma, quo proluduntur non-
nuUa ad quaestionem de causs. fab. s. myth. phys. Gottingae 1764. (9t.)
56, 79. a. Äto^, Über ben 9Ju^en unb ©ebrauc^ ber alten gefc^nitte^
nen ©teine unb il^rer Slbbrüde. Slftenburg 1768.
57, 81. „3Senu8" — nic^t „bei 2Jiof(^u8" — ögl. 91, 132 — fon=
bern bei S3ion. Bionis ^ETindipiog ^ASclivißos. (Idyll. I) v. 1 — 12.
-^ 483 ' —
58, 84. b. Ü6er bie üou .'pevbcr mit 3ied;t Geanftanbete Übevfeljung
beS 2tu§brucf§ Si^arQnfXfxsvovg roiig nöd'ag togt 33IÜTnnev, ?aofoon
@. 140. 141.
62, 88. a. Eurip. Iphig. Aul. 1547 — 50. Nauck.
64, 92. tibi cum — Ovid. Met. IV, 19. 20. „tok beit ©ceräuberu
§onter§" — Hymni Hom. VII, 3 ss. (verjvirj äv^Qt ioixcjg): »g(. I,
320, 32 3.
67, 9 6. ©evyiug — ju Virg. Aen. II, 201.
69, 99. „ac^t an ^a^l — Meinen." ®ie Überfe^ung gel^t tttellei(^t
ni(^t ol^ne Stbftc^t in baS originale iOJetrunt über (v. 313. 314).
71, 103. „Sen-affon - @et^o8." Sean Serraffon (1670 — 1750)
Sethos, Histoire oa Vie tiree des monuments anecdotes de l'ancienne
Egypte, Paris 1731. Slerraffon l^at ben ©iobor übevj'c!:t; baraug erttärt
^iä) ber S>^\a^ „mit bem ®iobor" u. f. jp. (dl.) — Über 2:erra[fon, 9tam=
fai) (A new Cyropaedia), ben beften öon ben „anbern" 93erfa[fern l§iftorifc^=
geDgra:)5l^ifi^er Siomane, ügt. Sibraftea II, 167 fg. (2lu§ bem Sethos p. 70
ftammt Jva^rfd)eintid) bie „3lrjnei!ammer ber @eete" II, 328 3- 10 ö- "v fü^'
toelc^e bisher ein ^Jat^tceig fePe. (£8 '^ei§t bafelbft, bie Überfc^rift ber
S3ibtiotI)e! ju Mtmp^x^ fei getüefen „La Nonrriture de l'Ame." S)unIo^,
®t\ä). ber ^rofabic^tungeu, überf. ö. 2khxtä)t. @. 509. ?[nmcrf. 439).
78, 112. a. läammtung i^ermifd^ter Schriften ^n ^Beförbernng ber
fdiönen SBiffenfdiattcn itnb ber freien fünfte. @ec^8 ißänbe. ^Berlin 1759—63;
toon 9?icotai in8 ?eben gerufen, ©utjer^ Portrait in S3b. 5. (9ft.)
113. „(Sint^eitimg be§ 3triftDtete8" — Eth. Nicom. I, 1, 2.
79, 11.5. a. 3)ic aug bem 50fenbetgfo'§nfc^cn Briefe angefül^rte ©teßc
ift frei be'^anbett. ®er ©c^Tuß tautet in ben Sitt- 58r.: „unb bto^ bie
©ic^ter foüten narf) bem 2lugfprurf;e ^tutar^g genöt^igt fein, @ute8 mit
33i)fem, unb atfo @c^öne§ mit ^äßlid^em ju bermifdien?"
83, 121. nudaiii effigiem — Juvenal. Sat. XI, 106 s. iBUlmner
®eite 99.
89, 120. „nad) 3)amm8 Sel^rart" — bgl. @. 451, 139 fg.
95, 138. b. Horatii Eclogae, una cum scholis veteribus ed. Baxter.
Editionem secundam cur. M. Gesner. Lipsiae 1752. Über äßißiam
SBa^-ter (t 1723), ben Herausgeber be§ ^oraj , ögt. Slbrafica V, 61 fgg.
97, 141. a. Addisons Dialogues — suerft Sonbon 1726 in 12°
gebrudt. SSon ben „5»o ober brei Überf e^ungen," bie ba§ dritte SBälbcben
386, 3 6 erifäi^nt, erfc^ien eine fc^on 1740 in SSai^reutl^. (9?.)
98, 142. 143. Les Poesies d'Horace, traduites en fran^ois avec
des remarques et des dissertations critiques par Sanadon. Paris 1728.
.attirail patibulaire' nac^ ©anabonS SluSbrucf. &ffing 6, 444. i.
101, 14 7. a. Über 5Benttet§ §oraj (Cantabrigae 1711) ügt.SlbraftcaV,27.
31*
— 484 . —
102 — 104. Ü6ev bic „e^ift^en ma\ä^mtn" ^atte [i(i) §erber f(^on
txtVdxt in bei- "Sitanpn ijon 3o^. @(. @(^teget8 Sßerfen, Mg. S). SSibt. V,
1,165. Mengbtlb I, 3, 2, 20-22.
104, 152. „SBinlelntanng äßerf" — SSevfuc^ einer Stüegotie befonberS
für bte Äunft. 1766. 3B3Ö. 9, 3—270.
109, 159. b. Callimach. hymn. V. iig koüTga r^g JlcdldSog
V. 53 SS. 100 SS. Hymnus III ffg Zlgr^fAiv §at auf bie „feabenbe Stana"
feinen 33ejug. 2)a§ ©tat ift fo unfic^er »ie ber Sejt, ju bent e8 ge'^iirt;
.fi'at^bon,' ber Überrafc^er ber (Söttin, ift eine l^öc^ft fragnsürbige ©eftatt, an
bereu ®afein »ieüeic^t eine mi§toerftanbene üSirgitfteüe (VII, 306) ben
meiften 9tnteit ^at.
110, 160. a. Anthol. Graeca IX, 625. ®a§ Sitat im Sejte iSt
ungenau. 9^ac^ ber älteften öon 'ißtanubeg fetbft '^errü^renben Einteilung
raupte e8 L. IV. c. 18 ep. 33 '^eijsen; na(f> ber Stnorbnung beS ©te^jl^anuS
(^ariS 1566) IV, 19, 20.
111, 16 2. „3n einer SJoIfe fteigt fie ijum Su^siter — A, 497.
113, 165. ®ie SSetegfteHen finb: E, 407 ss. Z, 122 ss. X, 7 ss.
117, 171. 2)ie Konter = lu§gak öou Samuel Starte 1735 — 40,
bie öon (Srnefti 1759 — 64. S5gl. «anb II, 165. 375.
117, 171. „9)iifromega§" — 9lnf:fieIunS <iuf SSoltaire'S Micromegas,
histoire philosophique (1739 gefc^rieben). (9i.)
125, 184. d. Theoph. Chr. Hartes, De Fato Homeri, Gottingae
1763. De Jove Homeri, Erlangae 1763 (nacb 2JJeufel§ eingaben); »ieber
abgebrudt unter bem 2:itel De Tiieologia Homeri in Harlesii Opuscula
varii argumenti, Halls 1773. (9t.)
126, 184. 3o^. 'üxt äJtein^arb, 5öf. ber „5ßerfuc^e über ben Sl^aratter
unb bie Sßerfe ber beften 3tatiänifc^en ©ic^ter" uub Überfeiner ödu §ome'§
Elements of Criticism, t 16. 3um 1767. togl. 2b. I, 2, 259. ©einer (nic^t
jur 2lu§fü'^rung gefommenen) .fomerüberfe^ung wirb gebacbt in 8effing8
SBriefrcedjfel. (®d;riften Xlil, 164. 2.)
127, 18 7. b. griebr. 3uft Giebel, Senfma^l beg §errn 3. 91. 3)Zein=
;^arb, an ben §evrn (geheimen 9tat^ tlo^. 3ena 1768. (9t.)
132, 193. „(Supolig — toon ^erüleS" — t6 yJvxQov lyy.KiiluTt^
xoig axQooifxn'otg (Meineke Fragm. Comicor. Gr. Vol. II. 1. p. 458).
Berber entnahm ba§ Sitat au§ Plin. Epist. I, 20; eben bai^er bie Snter-
:pretation ber §omerifd()en äßorte öon ber „@:|3rec^art be§ Ul^ffeS" (Iliad. r,
222) „ orationem similem nivibus hibernis , id est crebram et adsiduam
et largam." 5Bgl. SebenSbitb I, 3, 2, 124. (9iecenfion üon 2)eni§' Offiau=
Überfe^ung).
— ■ 485 —
151, 2^2. „aus feinem ^^^oem öotntffe" — i.\g(. 170 3- 2 b. u., 225
3. 4 b. u., 334 3. 2 to. u., 392, 3. 11 to. u. - cf)ara!tettftt[c^ für §etber8
@))rac^e, tote ev 2;on= unb ©c^aCauSbtüde figürlich ;iu t^eriüetiben fu(^t.
159, 2 3 3. a. James Harris, three treatises, the first concerniug
art, the second concerning rausic, paintiiig and poetry, the third conc.
happiness. London 1744.
161, 23ti. „§ier toünfc^e — Sefftng." @d fc^on im OctoBet 1766
an ©c^effnet: „§ier lebe nod^ ein &f[ing auf, ber un§ einen '^tato über
bie ©ränjen ber ^oefie unb SKufif gebe." i'ebenöbitb I, 2, 195.
163, 239. Sie „fc()ön!nieid;te S3rifei§" — lommt im §Dmer nic^t
bor; bloB nv^-o^o? (Hiad. II, 689) unb y.aXlmd()T^og (XIX, 246. XXIV,
676) finb i^re (S^itl^eta. @oEte bie (ateinifc^e Überfe^nng be§ (elfteren
SBorteg (pulchris genis liegt ja öon pulchris genibns nicbt iceit ab)
ba§ SKigöerftänbnig l^erbeigefü^rt ^aben? SSon ä'^ntic^en Keinen „h)i3rt=
ti(^en ©d^hjäc^en" i[t Berber aud? in reiferen 3a!^ven unb aud& in ©^jrad^en,
bie er ööttig bel^errf^te, nic^t frei. S)?öglic() aUerbingg ift aud;, ba^ i^m
xttlUaipvQog ßorgefc^icebt '^at.
164, 211. „jene feine Sobfat^re" — eine foli^e ftnbet fic^ unter
Slrioftg ©atiren nic^t. (Sin 3rrtum iperberS liegt m&ji außer ber 2Rög=
tici^Ieit; fonft icäre, mie eg ©. 21. 3. 17 unbebenflic^ gefc^el^en !onnte,
„feine" in „feine" geänbert toorben-
170, 249. Ol' (f&-uQrix6v — Aristot. Poet. 5, 1. (p. 1449'' 35).
171, 2 51. „ein jtoeiter 9fficciu§" — 9)ian fann ätoeifetn, ob bie 2tn=
f)5ielung auf ben (g:))iftDtogra:)3]§en S3artoIomeo 5fticci (1480—1569) gel^t,
tion bem ac^t Libri Epistolarum Bononiae 1560 erfc^ienen finb (n)ieber=
l^olt in feinen Opera ed. Emaldus, Patav. 1748), ober auf SlngetuS SJlaria
9ticciuS, ben SSerfaffer ber Dissertationes Homericae. (Florent. 1740).
®a8 erftere ift inal^rfc^eintic^er.
172, 2,53. for scull — Butler, Hudibras I, 1, 159 fg. (91.)
173, 254. „ Iraner f))iete eriBeden" — eine bieKeic^t abftc^ttidj fteife
Überfe^ung bon ,tragoedias excitare.'
185, 27 3. i'ongin — De Sublim. 9, 5.
187, 2 7 6. „bon Sßinfetmann — 33lt(f beS SSeifaEg." — Sluf einem
je^t nic^t mel^r ju ermttteinben SBege muffen bie ^dkn boü erfenntlic^en
^eifang für ben „^inbarifdjen ©cribenten," ben SSerfaffer ber gragmente,
bie Söinfelmann an jioei greunbe in ber ©c^toeij am 2. unb 13. Sanuar
1768 fd;rieb, bon bort au§ an §erber befteEt »orben fein, ©ämttic^e
SBerfe XI, 451. 453.
188, 2 7 8. „Irtige Sortf:t5iefe" — ^^tte Hamann in ben ÄönigSberg»
jcben 3eitungen (1768 ©tüd 53. ©c^riften III, 413) mit bem Sitet ber
@(^rift über Stornos 2lbbt getrieben; xi)m gilt bie ©c^lußtoenbung unb er
. 4:86 . —
be^etjigt fie ats 3iecenfent ber Sßäibet (@cferiften III, 429). gür bie
tlo^ianer afcer tourbe bie em:|>ftnbli($e SSertca^tung ein gingerjeig ju rec^t
unartigen @ticf)eteien. (ögl. §a^nt, Werbet I, 1, 306).
191, 3. 2)en burc^ge'^enben ge'^ter „bi SSega," ben f(6on Mo% rügt,
^abe ic() nic^t befeitigt-
195, 8. „greunb unb @i5nnev" — ©eorg 2lugu[t bon 33reitenbau(^;
»gl. @. 448, 134 fg. «anb I, 259, 210. 346, 364.
196, 8. „einen großen Sl^imfter" — @erla($ Slbolf grei^err toßn
3)iünc^!^aufen, ^annöberif^er 2)^intfter feit 1765, t 1770.
9. „tnaS tüiü au8 bem 9Känn(ein toerben?" Inf^ietung auf ®o.
?uc. 1, 66.
202, 18. „bog 3iel" — §aller, S5erfu^ ©c^tü. @eb. 1762. @. 61.
204, 22. Jocos Qe^t logos] ridiculos etc. — Plaut. Stich. I, 3,
68 (v. 221).
206, 24. a. S)en ©ebäc^tnißfe'^ter b'2lrgenfon [tatt b'2[rgen€ =
ötlle rügt toieberunt Mo^ juerft. — Sag 53ucb, Abrege de la Vie des
Peintres, erfc()ien in einer ÜBerfe^ung („Seben ber berü^ntteften SJiater"
u. f. tt3.) öon 3. 3. SSotcfntann. Sei^jjig 1767. 8.
212, 34. b. Plato de Rep. III p. 388 E {(pdoyelarrag) 389 A
{äaßeßTog yeXws).
214, 3 6. ibis, Homere — Sanb II, 164. 374.
215, 37. me — Iliad. XIX, 93. — 38. b. 2lug So^g „^erfu(^
einer Sic^ttanft für ba§ !£^eater."
220, 4 5. the warlike — Milton, Parad. lost IV, 902 fg. {m
221, 4 7. a Knight [ftatt wight] he was — Hudibras I, 1, 15—18.
241. 242. (9i.)
226, 54. % Sommafo (£eba (1648—1737), SSerfaffer eineä e^sifc^en
@ebi(^te8 Puer Jesus (1699), ba§ »on burlegfen 3ügen nicfit frei t»ar.
Über i'^n Mß^ in ben Epist. Hom. p. 36.
228, 57. äRarcug §ieront)ntu§ SSiba 1470—1566. ©eine Christias
in fec^g SSüdiern, feine Hymni de rebus divinis fotoo'^I einjefn atg in
feinen gefantntelten Söerten öfters gebrudt. (9t.)
„ein ganjer 2)it^t)rantbe" — Carmina Oinnia 1766 p. 14. Vinde-
raia. Dithyrambus.
230, 6 0. ©annajaro (1458 — 1530). ©ein ©ebid^t De partu vir-
ginis, brei S3ü^er, mel^rfac^ gebrudt. — ©eorge 93uc^anan (1506 — 82).
©ein Baptistes s. calumnia. Tragoedia. Edinb. 1578, bann aud^ in
feinen SBerten. m.)
231,61. g-rifct)an (1547— 90). gür feine Comoedia Rebecca (1575)
»urbe er wen Äaifer 9iuboif II jum '^Joeten gefrönt.
— 487 ^ —
233, 64. Le Donne — Ariost. Orl. Furios. I, 1. — Prose-Critiks
— tool Warton, Observations on the Fairy Queen. Lond. 1762.
— 3o^. grtebr. Oeft — »gl. SSanb I, 97. — gofter — roa^xlä^tin^
Itc^ bet Slnafea^tiften^rebiger 3ame§ gofter, 1697 — 1753, bon bem Sermons,
London 1733 fgg. unb Discourses on all the principal branches of
natural religion and social virtue Lond. 1749 gebrudt finb. (9i.) —
mkomaä)u^ — ögt I, 276, 24 1. II, 386. ^aä) einet fd^lec^ten Segatt bei
Aelian. Var. Hist. XIV, 17 toirb unten 432, los. 438, ii8 berfelk
Ttültx yixto\txatn^ genannt.
237, 70. Über Sauber (Satwber) Essay on Milton's use and Imi-
tation of the moderns in his Paradise lost, London 1750, ßgt 9tebtic^
in Seffingg SßSB. IX, 226 §empet — „Soltaire" — im Dictionnaire philo-
sophique s. v. epopee. (9i.)
71. (SSobmer) Jacob und Joseph, Zyrch 1751. Jacob und Rachel.
Ein Gedicht in zween Gesängen, Zyrch 1752. 3m erften Sanbe ber
Sattio^e: Jacob. Rahel. Joseph. Jacobs Wiederkunft.
239, 74. ©at Oeßnev, Der Tod Abels. In fünf Gesängen. 1758.
Sämmtl. Werke. Wien 1789. I.
242, 7 7. a. De vitis Philologorum nostra aetate clarissimorum
auctore Harlesio I. Bremae 1764. 5Bgt @. 441, 122.
244 a. b. ®er 3)tef[ia§, IL Slufl. (1760) II, 23. 44.
245, 83. „Mo|)ftoc!0 ©alomo" — Serie 1806. IX, 24.
246, 84. „unb OromajeS" — 9iam(er, ®er Stnbeter bet ©ott^eit.
^^Joetijc^e SSerfe 1825. II, 195. - tietft, Sie Unjuftieben:§eit ber SRenft^en.
@ebi(^te (1756) (g. 88.
247, 85. ®ie angefii^^tten ©teilen [te^en in ®Ieim8 „^teußifc^en
Ärieg§Uebetn" L 2lu§g. @. 13. 31. 16. 12. 6. 2ßet!e :^g. ö. mxtt IV, 5.
14. 7. 5. 2. (5R.)
251, 91. Dan. Webb, An inquiry into the beauty of painting
and the merit of the most celebrated masters. Lond. 1760. (Unter=
fuc^ung be§ ©c^önen in bet 9)Mete^ unb bet SSetbien[te bet betü^mteften
alten unb neuen äßalet. 3ütict) 1766). SluSj^üge in §etbetg §eften
beteeifen ein fotgfättigeg ©tubium.
92. et avertens — Vergil. Aen. I, 402.
254, 95. EXaTTjQ vTtäQTKTog — Ol. IV, 1.
256, 9 8. „[®oc^] !ann bet" — 2)kf[ia§, ©efang 6. (§alle 1756.
II, 23.)
99. „'Mt tcottet — toetgleid;)en?" — 3efaia§ 40, 25.
257, 100. „2Bet "^at bii" — Ätieggliebet, I. Stugg. @. 26. Söetfe
IV, 12. — „SÖSenn nun bein äßagen" — juetft in bet „©ammtung toet=
mijcl)tet ©djtifteu »on beu 33ff. bet iöteniet ißei^ttäge. Sei^^jig 1749. I. 5.
_— 488 . —
@. 341. Sramer, ©ämtt ©ebic^te, M^jig 1783. IE, 251. (jR.) - „©roß
ift ber §en-" — Sfttfang bon Mciftg ©tjtnne (2Bet!e 1761. I. @. 7)
ÖerberS „Siebtinggflüd ; " ögt Sb. I, 3, 1, 571. ©Ott 1787. @. 154. —
3n bem legten Sitat, aug 9tatntevg „^ivten bei ber flippt ju SSet^k^em
(3. 63 fgg.) finb gerabc Die betten bejeic^nenbfteit ^ß^i^n „Unfc^äblirf) rollt
fein e^rner Silagen §ocb über unfern ^ämjtern "^in" auggelaffen. — 2)ie
SBemerfung über .ft(o|3ftocI ge^t »teßeicbt ju toeit; „bie i^m ber 3)onnerer
anfc^uf" beißt e§ j. «. im ;%n?eiten ©efange (§aü. 2tu§g. I, 42 3. 3 to. u.) —
®ag näcbfte Sitat „äüenn er (21: ®er) äBetten — ben Untergang {%: bem)
juwintt": iOceffias, ^toeiter ©efang, I, 40 3. 1 0. u.
258, 101. „©emäibe ©alatong" — »g(. SSb. I, 443, 157. 546.
259, 10 3. 5Bib(iot^ef beö 2t^ollobor§. 2(n§ bem @rted). überf. bon
3. ®. iKeufet. Dkbft einer ^orvebe »on fiierrn Älot}. ^tte 1768. „9Sor=
rebner" — ögl. SSanb I, 74. 535.
260, 105. „Stattgeben, fagt ^Uato," — Theages p. 122 B. [Xfyijcä
yt av/xßovlrj isqov xqw^ dvcti). — iBern^arb 9'iienn>entijt, ^jraftifc^er
2lrjt unb 33ürgermeifter ^u ^urmerenb in Dfiorb^oKanb (1654—1718);
3o^anneg ©irammerbam, berühmter ätnatom unb ^Raturforfcber ((Sntomotoge)
(1637 — 1680); 3ofe^^ ^itton be Sournefort (1656—1708), au§gejei(bneter
Sotanifer; iOfitgtieb ber ^arifer 2(fabemie ber SSiffenfc^aften; feine gor=
j^unggreifen brachten bem ©tubium ber SSotani! reichen (Seiüinn.
261, 106. 3o^n S^er — bgt I, 118. 536. Grongar Hill, Lond.
1727. The Fleece in five books, Lond. 1757. — 3Jiic^ae( Äonrab Sur=
tiug (1724- 1802). Sin feinen ^e^rgebicfiten (SSon bem @(^idfale ber 2)ic^t=
fünft; ißom ^ui'fli^'^e ^^r ©eelen nad^ bem Sobe) tabelt 3)cenbet8fo^tt
in ben i'itt- SBriefen (IX, 185 — 188) befonber§ bie ttjeit hergeholten
5'JatnrgIeic^niffe.
10 7. S^orneling 3lgri^f5a öon S^Jetteg^eim (1486 — 1535) tuegen feiner
@^rift De occulta philosophia libri III. Colon. 1533 neben ^^3aracelfug
genannt.
262, 108. „gonteneüe — '2)e§carte§," nacb Äant in ben „ißcobacb»
tungen üb. ba§ @efüt)I beg @cf)önen unb ©v^abenen", 2ß2ß. in chrono!,
gtei^enf. II, 253. — (Seorg (£bexi;arb 9tumf)f (3ö(^er: JRum^^), geb. 1637
in § onau, geft. 1706 in Stmboina, bon ber Academia Naturae Curiosonun
iüegen feines SÖerfeg Museum Amboinicura (1705) mit bem 53einamen
Plinius Indiens geehrt. - 3Raria ©ibt^tta ©raff, geb. SJJerian, berühmte
gjaturforfcberin, au§ granffurt a/2)?. gebürtig (1647—1717). 3f)re Unter=
fucbungen über bie niebere "Xiimxotii »on Surinam »eroffenttic^te fie in einem
iüuftrtrten 5ßra(f,l:iierEe, 2(mfterbam 1705. — „iOiatabarifd^en ©arten" —
Hortus Indicus Malabaricus »on §enrit oan 9i^eebe. — „©er iBerfaffer
— > 489 ^
bcö ^udevvo^rg" ianm ©raingcv (1724—1767) The sugar caue, Lond.
1764 ; vgl. bie Siecenfion x^on ®uf($'ö SBvtefeu, ?e6en8bt(b I, 3, 2, 73.
loi). ^iöflcivcng SöaffevfaH" — „3SieIIeicf)t in bev erfteti %n%abt
ber ^xUtx, granffmt 1760 (togl. S3b. I, 484, ayö). 3n ben <Oben utib
anbevn ©ebidjten' I. %u^. 1750. IL 1769 finbe iä) mü, Seiger, Obt?,
Ovinofo, aber iiic^t iJHagareitg ^aü." di.
264, 111. „SSacc^uS am ^t^furguS" — Apollodor. III, 5, 1, 3. 4.
Ovid. Met. IV, 22.
265, 113. The earth — Macbeth I, 3. b) The Rambler, eine
öon ©amuel ^o'^nfon 'herausgegebene ß^itfc^rift, erfc^ien öom 20. SO^ärj
1750 — 14. m'dxi 1752. (Lettner, ©cfc^. ber engl. l'tt. @. 423.)
266, 114. „Ujeng moxp^tm" — V't^rifc^e @ebict)te, IV. Stufl. 2zm.
1765. @. 75. ©ämtt. ^^^oet. 2Ö2B. 2dpi. 1768. I, 108. (9t.)
115. „§ageborn ber greube" — »ergl. S3b. I, 106. 536. II, 280, 39.
380. (Oben unb Sieber. Hamburg 1747. @. 42.)
267, 116. „^ageborn — feinen Woxp^zn^:" 2tn ben @c£)taf.
Oben unb i'ieber. @. 168. Diiamler, Lieder der Deutschen. Berlin 1766.
@. 114. («R.)
268, 117. „3acobtfd)en — iänbeleien. " iBriefe öon §errn Sodann
©eorg 3aco6i. Sßerlin 1768; befonberg @. 24. 33. (9i.)
270, 120. SSgl. @. 126, i84. — „Senont" - 2Reffiag, s^eiter
©efang (I, 37 fgg. §atl. 2tu8g.)
121. gWofeg SRenbetSfo^n - ©efammelte ©c^riften I, 324 fgg. (fft.)
271, 121. „S^erfagorag bei Suctan" — Demosthenis Encomium c. 2.
Reitz III. p. 492. ®ag Sitat ift toa^rfciieinlicf) aug einer ©c^rift SinM=
ntanng entnontnten.
272, 123. animamque poetae — nac^ Vergil. Aen. VI, 884—86.
»gl. «b. II, 245.
274, 12 6. „m bonnert" — i'effingg @d^r. I, 70. t Tl
127. „©neu gelter" — a. a. O. @. 89; „mit bem 2;obe ca))itutiret"
— @. 76; „ein unb tein Surfe" — @. 55; „Sllejanberg 2Bunf(^" —
@. 56; „ber gaut^eit" — @. 61.
275, 276, 12 8. i2y. S)ie Sitate au§ ©leim bejie^en fic^ auf beffen
„ajerfuc^ in fd)erj^aften i'iebern" (Srfter Xi)dl) 33erlin 1744. Saä Sitat
e) ^5. 16 gehört jum „$Raufc^en ber Äüffe" 276 a), unb ju 275 e) ift ju
citiren: ^3. 15. (9i.)
276, i2'j e. „ein fe^r erfeautidjer ©djriftfteller" — ©tic^etei auf
©ebaftian griebrid; Zxt\ä)0, beffen „Sägtic^eg 51nbenfen beg 2obeg ju einem
t5ergnügten Seben" ober „©terbebibel" i. 3. 1766 bereitg in britter 2luflage
erfc^ienen »ar.
— ' 490 —
277, 130. „SSrubev gjorif — oerfte^en icoöte:" — Stiftram @:^anbis
Sefcen unb 9)feinungen (ü6er[. öon Sobe) ^atnBurg 1774. IV. @. 195 fgg.
{%) — Sötetanb, tomifdie er^ä^Iungen, o. O. 1766. rep. 1768.
131. 3d^. S:^rtfto:p'^ 9iD[t, ©cfjäfererjä^lungen. SSetlin 1742. 3Ser=
fuc^ toon ©djafergebtc^ten — Sterben 1744. 5. älufl. 1768. — Sannjan
(»gl. S. 303, 171) ift tcol 3o:^anne8 'älntoniuS (Sam)3anu§ 1427—77, unter
beffen (S^jigvammen nad^ SSai^Ie fe^r (aöcioe fteden- ©eine '»ßaünübie fte'^t
naä) Älo^enS 2(ngabe in feinen ißriefen ad Cardinalem Papiensem. —
„Ser Bußfettige Söunfrf) Lafontaines" in ben Stnnterfungen p SSoiteau'S
2ßer!en IV p. 117. — 3)kt^urin 5Regnier, ber Später bev fransöfifc^en
@atire, 1573 — 1613. Satyres et autres oeuvres, Paris 1608. 25ßn i^m
fü^rt Sto§ ein (S:pigrantm an: J'ai vecu sans nul pensement etc. — 2)ie
„(S^anorf^ofe beS 3Seicf)ttiatev§ 9)oung" fte^t im 2tnfange feiner fünften
Tcaä)t. '2)ie @tette in Älo^enS Libellus de Verecundia, njelcBer biefe 2In=
gaben entnommen finb, ift Opusc. p. 252 — 253, nic^t »ie im Sejte 277 a)
fte'^t: 151 — 153. (9t.) — „castum decet esse, [pium] poetam." etc.
Catull. 16, 5.
278, 132. erbmann §einri(^ ®raf »on §enfel, grei^evr öon Son=
nerömarf, 3)ie testen ©tunben einiger ber eöanget. Se^re juget^anen unb
in biefem unb näcf)ft berfloffenen Salären fetig in bem §errn toerftorbenen
^erfonen, öon unterfcf)iebenem ©taube, ©ef^tec^t unb Sitter, jum SoBe
®otte8 unb p allgemeiner ©riüecfung, ©rbauung unb ©tärtung fotoo^t benen
\ti^o l'eBenben, atg ben Skc^tommen au§ getpiffen unb rco^tge^jrüften 5Racf)=
richten jufammengetragen. 4 'X^eite. §at[e 1720 — 33. (9t.)
279, 134. „Sie Xugenb" - i'anb^r. ». 2ßa!ef. Sa^. 5. ju @nbe.
— „Sener frug:" Sb. 3oi). 18, 38.
13 5. „auf fo üiete — jie'^et" — 2tu§ibrucf ber alten 9?ec6t8f))rac^e :
„auf einen ^ie^ien" f. ö. a- ficB auf Semanb al§ „3eugen" Bejie^en.
280, 136. a. Äantsi ©ctjriften in cf)ronot. 9tei^enf. II, 257 fg.
282, 13 9. b. iBei Ouintitian (Inst. Or. VIII, 3, 44) tieft man
jeljt x((xe'fj.(fc(Tov.
284, 142. „in §omer ber l'ieBeSantrag" - Iliad. III, 441 — 446.
285, 144. ,,haud equidem" — Umfteltung eineg 3Sirgitöerfe8 (Buc.
I, 11 : Non equidem invideo ; miror magis).
292, 154. „©ofrateä — bit^^ramBifirte , " — Plat. Phaedr.
p. 237 A. 243 B.
293, 155. „®iana Bei SSirgit i^rer Creaben" — »gl. *anb II, 264,
Slnmerf 1.
296, 160. a. Halles — libellus promissus — Bei ber 2tn!ün =
bigung ift e« geBtieBen; baS @cBriftcf)en ift nid^t tierauSgefornmen. (9t.) —
bj »gt.'^b. II, 145.
— ' 491 ^-
298, 16 3. dnakiöv 6' vneQdn — Bergk, Poetae Lyrici Graeci III,
1056. Anacreontea XX. 16. [29] v. 34 ss.
299, 165. 2lna{f)at[ig — Lucian. Anaeh. 1. (p. 883).
301, 167. His Back — i68. To poise — Hudibras I, 1. 287—294,
295—300. ®ie „äüvc^ifc^e Überfe^ung" ö. 3. 1765 ift ntcfit »on SSobmer,
fonbevn üon §eim-ic^ SBafev. äJergt ©eutfd^eS SRufeutn 1784. 1.
@. 511 fgg. (3t.) @d nennt ben Übevfe^cr anä) ba8 Sßievte Äritifc^e
SBätbc^en, Sebengbitb I, 3, 2, 507.
303, 171. „®er Consularis vir" — „quam legem [näniU(^ bie
ju 277, 131 angegebenen SSerfe SatuüS] Plinius, consularis vir, verissi-
mam dicit." Klotz.
304, 172. ?)onngg 3eugni§ ßon Slbbifon nad; Mo^ (»gt ju 277, i3i)
in ben Conjectures on original composition. 3SieUei(^t benft §erber anä)
an 2)oung^ Letter to Mr. Tickeil , occasioned by the Death of . .
Joseph Addison, Esq. Lond. 1719. {9v.)
305, 17 3. „ba ift icieber Srif))in" — luv. Sat. IV, 1. Ecce iterum
Crispinus, et est mihi saepe vocandus In partes.
307, 17 6. incipiunt — Verg. Georg. I, 357. Quiutil. Inst Or.
VIII, 3, 47.
308, 178. nie dies — Verg. Aen. IV, 169. 170.
312, 185. „@it>ift§ — SRärd}en öon ber Sonne." — „A tale of a
tub" erfc^ten perft 1704. ®en f:päteren Stn^gafeen ift eine öom 3. 3uni
1709 battrte Apology für the author »orgefe^t. 3n berfelben bie @teüe,
auf tt>dä)t \iä) §erber ®. 368, « bejie^t: to answer a book effectually,
requires more pains or skill, more wit, learning, and judgement, than
were employed in the writing it. The works of D. Jonathan Swift.
Edinburgh 1761. Vol. 1. p. 6. Serfelbe SSanb cnt^^ält p. 254 fgg. fünf
^vebigten, beren erfte bie on the Trinity (über 1. ^of). 5, 7) ift." 'St.
315, a. Apulej. Apologia c. 10. p. 405 s. Oudendorp.
320, 19 6. „.!peini[(i)e StuSgabe" — Virgilii opera, varietate lectionis
et perpetua aunotatione illustrata curavit C. G. Heyne.
19 7. „3eau ^arbonin (1646—1729) ^atte in feiner Prolusio
chronologica de nummis Herodiadum 1693 be'^au:ptet, alle ©(^riften
ber Sitten außer Sicero, ^.ptiniuö' Naturalis Historia, SSirgttö ©eorgica unb
§oraj' ©erntonen unb (ä^^iftetn feien gabrifate beg 13. Sa^rl^unbertä. %nx
§Draj fuc^te er ba§ nod^ weiter in feinem Pseudo - Horatius na(^ju=
hjeifen." 9t.
324, 20 3. „Sßo^in, wol^in" — Uj, :t!i)rifd>e ©ebicbte. 33erttn 1749.
@. 5. äßerte, !i!ei^äis 1768, I, 48. — „§oc^ wie Stbievö" — ©leim, iirieg«=
— < 492 —
Heber @. 102, 2ß2B. IV, 46. - 9tantler, Stügememeg @e6et. St^r. ®e-
biegte. 33erlm 1772. @. 388. (9?.) — (Serftenbetg, Sänbele^en. 1760. @. 54.
©be. (S^ac^a'^mung tooit Horat. C. II, 20.)
325, 204. „mfcano" — 3tt6ant, grance^co (1578—1660). Sßefaimt
ift fein Imovetteiitair, tu bcr Src^benev ©emälbegaterie.
327, 207 b. perve ^taix ©rofSlei), geB. ju 2roi^e§ 1718, geft. 1785.
3)a§ Originaf feiner Observations sur Tltalie et sur les Italiens, bie er
jiDei f(^irebtfc^eu (Sbelleuten in ben 50tunb legt, foö 1764 erfd^ienen fein.
3)ie citirte Üfcerfe^ung (öon 3. 9)?. @c6röd'^ u. 1.) i^at ben boüftänbigen
Sitel: „Dfeue D'Jac^ric^ten nnb Slnnterfungen über Stauen unb über bie
Italiener bon jnjeen fc^iuebifcfien (Sbelleuten. 3 Sl^eite. Mpixa, 1766. (IR.)
329, 2 09. „Soccejaner" — ©c^iUer beä 3oi Socceing (1603-1669),
pof- ber S^eologie 5u Serben, ber at8 (S3;eget "^üljeS ^nfe'^en geno^.
©eine 3nter)3retation§mai"inie : id significant verba, quod significare
possunt in integra oratione sie nt omnino inter sc conveniant. §agen=
laö), ®er eoangel. ^roteftantigntu«. 1871. II, 251.
335, 219. „ein Z^ox fagt" — ^aUtx, SSevfuc^ ^ä)tü. ©ebb. @. 89.
— TiQOGwTiov TTjXarysg Find. Ol. VI, 3.
341, 2 2 8. „ber gebritcfte ^almbaum" — a(g ©ntBIent ju bem
Sliotto ,Premor, non opprimor', nic^t aU %altl betont; e§ fc^toeBten
Berber ivol bie SSerfe feinet Sanb§manne§ @inton ®a^, ben er fe'^r UeBte,
bor: iBoIfglieber, I SucB, 20. mtUxä) erinnert an 33enj. ©(^molfeS 1715
gebid;tete§ Sroftlieb: „3e größer Äreuj, je Beßrer ©lauBe, ®ie ^^atme
tt)äd)fet Bei ber Saft."
342, 22 9. „®eutf(Ber 3)ion»?fiu§" — bgl. II, 368.
344, 232. „Pato — loBen läßt:" Sympos. p. 212 D. 215 A —
222 B. — h'x'f-HG/Äos, u?ie tTxixeiQayay'i-og (I, 542) ein SBort, ba8 Berber
felBft faBricirt ^at. ♦
345, 234. Quis desiderio — C. I, 24. — „(Sleim um feinen
©title" — Obe, alg ber §ocBn?o'^tgeBorne §err, §err S'^rifto))]^ Subwig
bon ©tiüe, ©eneratntajor be§ ÄiJnigä, pp. ben 18. Oct. 1752 in bie (5tüig=
!eit gegangen toar. 2 SSogen got. 2B2Ö. III, 14. (3. 3. Unb aüer SBeif en
g^re tüar). (9t.)
348, 2 38. Mderäf eiber — ©rfintib — I, 71. II, 374.
2 39. (^inbar) „nac^ feinem eigenen 33i(be" — ögl. II, 373 ju 141.
350, 241. „3SieIIeicBt mirb mir — glauBe." 3Sgl. 446, 131. Unter
ben 9iigenfer 'iKanufcripten, in ben Soüectaueen = unb ©tubien'^eften , finbet
fid> biet 9Kateriat p einer ^)^itoIogif(i)en unb äft^etifc()en SlrBeit üBer ^nbat:
3erglieberungen ber Oben, @d}ematifcBe8 i^u einem Sommentar, aucB einige
ÜBerfeljungen. ©r^atten ift ferner ber 2tnfang einer fDtd)en jufammen=
|)ängenben 3lr6ett: ©inkitung unb einiget bom erften Äa|3itet (3 Seiten in
— • 493 . —
gr. 4°), i. 3. 1766 bcvfaßt. Sie fc^tefen, ben bidjtertfdjen SBert^ wetfennen=
ben Urtette bet äcitfleir^ff^tt rühren, fo :^et^t e§ bartn, bat>on §ev, baß man
ben ©testet nur anS bet tatetnifc^en Überfetjunq fenne. „3n i^r ift, too
^4>inbatu§ bie Orbnnng, bag t'tc^t, bie Äiirje, bie igdjön^eit fetfeft ift, attc8
ein bunMeä, weitfcf^meifigeg \!a6i)rint^, baö unä ermübet- iüian fudje in
Slüent, ben ^^inbaru^ an8 feinet 3fit a^ temteu, man 6eurt§eile i^n nicl)t
nac^ ff)ätern iüiüfii'^ttic^en ^Regeln bet ©icfitfunft, be8 Itjtifc^en, beg ^^inba=
rifd^en (SefangeS, fonbetn natf) ficC», fo ^at man öon i^nt ba§ Utbilb. 3c^
tpanble auf einem unBettetnen ^^fabe, rt>enn ict) bieS t^ue: allein id^ !^offe
aud) öon i!^m einen SSegtif ju geben, ben niemanb »ot mir gab-" — %ü(i}
ubtx ben SSau bet §otajifc^en Oben finb ©c^emata nnb yioti^tn in J^üüe
eti^atten.
241. a. „übet bie — fcientififc()e Mtt^obi" — Horatius (noluit
enim methodo mathematica , aut, quod pulchrius, scientiflca scribere
Mc philosophus et magnus quidem , licet eben ! nuUum compendiolum
scripserit philosophus) . . . saepe ab aliqua re ad aliam . . . transit etc.
352, 244. „nac^ bet alten gabel" — ögt. iBatt^. Siingtoalb, S)ie
lautete Söa'^t^eit (1597) @. 329: „3Benn man ein aibtetßfebet ju anbetn
gebetn fegen tl^ut, fo ftißt fie bet ein ganjen §auf." (9Zac() ©timmä
SBiJttetbuc^ s. Slbtetgfebet.)
353, 246. „®et Su^5ibo" u. f. n». — 21nf))ietung auf bie Sitetbignette
beg SSuc^eä übet bie gefc^nittenen «Steine: „?(mor al§ ein SSitb^auet bet=
fettigt ben ^opi be§ @oftate§."
24 7. „t»ie Seraoftit" — »gt. Sindelmanu, „©enbfc^teiben über bie
©ebanfen" u. f. » 3352Ö. I, 67. (©benba, ®. 69 gunbort beg (Sitateg:
„2)en ©äften foH — gefaüen" in 33b. II, 280, 39.)
354, 24 8. „Jtjie jener 3iiefe" — Ovid. Met. V, 353. 354. —
248 b. Cum Praefatione Jo. Matthias Gesneri finb T. Livi Histo-
riarura Libri Qui Supersunt erfc^ienen MDCCLV Lipsiae in Officina Weid-
manniana. S)ie SSorrebe, 20 ©eiten lang (36 ^aragta^'^en) ift batitt Gottingae
Kai. Nov. MDCGXXXIIII. §erberg Überfe^ung umfaßt, mit Übergel^ung
me^tetet (ängetet ©tüde unb ganjet ^^atagro^l^en (3 t)alb. 6. 9. 14, 15)
unb etli<$en fteinen ätugkffungen ben 3lbf(^nitt § 3—16. p. II — IX. @ie
liefert einen fjtaftifdjen SSeleg ju ben ißb. II, 331—343 enttoicEelten ©efe^en,
nai^ benen ba§ ^jetiobifc^ie Satein in baS ©eutfc^e ju üBetttagen ift. §et=
bet§ SSere'^rung für (Seiner f^ric^t fic^ ftet§ auf ba§ »ärmfte oug; fo fd^on
I, 77. 286. II, 137; befonbet§ abet in ber Stn^eige Bon Gesneri primae
lineae Isagoges in erud. univ. in ber !^emgoifc^en 2lu§etlefenen ^Bibliot^^et
bet neueften ®. Sittetatut. 1776. IX, 548 — 560.
355, 249. Übet bie aU ©tftätet attet ©(^tiftftellet , befonbetS römi=
fi^et 2)ic()ter l^iet genannten ^:§ilologen be§ funfse^nten unb fec^jei^nten
494 ' —
Sal^r^unbertg einige 9^otijen nac^ 3öc^cr: Shttonio WanchxtUx, get». 1452.
3n ber ©amntlung feiner 3Ber!e (1493 — 98 p SSenebig erfd^ienen) ein
Emporium latini sernionis Suling ^^om)3Dniu§ SaetuS, ge[t. 1497 ju
9fiom, Berühmt alö Äenner ber römifc^en Slftertümer unb ber lateimfc^en
@:prad^e (Sonmtentar ju Ouintilian). ^'^iti:|):j3u§ S3eroa(bu§ ber tltere (nur
biefer fann "^ier gemeint fein), ge6. 1453 ju 23o(ogna, ^rofeffor bafeifcft;
au^er bieten Sontntentaren l^at er auä) feine Praelectiones fetbft erfcfieinen
(äffen. SontinicuS Satberinug (toon feinem ©eburt^orte Salbera bei 5Berona),
geft. 1477 ju 9tom. Sobocug SSabiuä (3lfcenfiug nannte er fic^ bon feinem
(Geburtsort Stffen hd ^rüffet), 1462—1535, Herausgeber unb Kommentator
öieler rijmifc^er unb griec&ifc^er Slutoren. 9iic. ^^"erottuS Cißerot), geft. 1480,
©c^ü^ling be§ Sarbinalg ^effarion, (grjbifd}of »on 3}?anfrebonia. 3Son i^m
Coi'nu copiae sive commentaria latinae linguae.
(5) Claudii Salmasii (Claude de Saumaise. 1588 — 1658) Plinianae
exercitationes in Caii Julii Solini Polyhistora.
361, 2 59. „jener — 9{oman5en))oet" — 3o^. griebr. Sötücn, 9toman=
jen. mmt SKuft. Mpi. 1771. @. 71. ©er fic^ fetbft geblenbete
Siebter. (9i.)
364, 2 63. S5on Motj erfcbien ein Anti-Burmanuus, Jenae 1761,
Funus Petri Burmanni Secundi 1762. @egen bte erftcre ©c^rift Petri
Burmanni Secundi Anti-Klotzius Amstelaedami 1762. 33gt. @. 441.
443. m.)
367, 3. niger est — Horat. S. I, 4. 85.
373, 16. „atCtec^ement" — „©cbön^eit, 9leinlid()feit im @tid)el. Wtan
muß bamit 9iid^tigfeit unb Ä'raft ber 3€tc^nung öerbinben." ©jcer^t „2lu8
^ernett^ Seriton"; bgl. 11, 384 p 351.
374, 17. (filonaör]g — Longin. de Subl. 3, 2. — „ein ®riec()e —
Oefcbtcbte" - togt. I, 535 ju 74. II, 123. 3n bem älteften „Srttifc^en
SBälbcben" (ögt. Einleitung ®. XI): „®a§ SSort ©eft^icbtc mi) feiner toei»
tern ©ried^ifc^en SSebeutung l^eißt 35efi(^tigung , Äenntniß, 2Bi§enf cbaf t , unb
ben 90fa($tnamen »erbient bie ^iftorie."
„rari nantes" — Vergil. Aen. I. 118. ©ntnomnteu au§ SBindet-
raann§ „(Erläuterung ber (Sebanfen" u. f. n>. 2B2Ö. I, 178.
376,20. 2lbbifon; ögt. ©.483. 97. 3o^. griebr. SBader (1730— 95),
Snf^jector be8 2)re§bener SJJünjencabinetS. „©enbfc^reiben bon einigen fel=
tenen unb einjigen (Srie<$ifd^en SJiünjen." ®re§ben 1767. — (Staube äJiarie
SBatetet, L'art de peindre. Paris 1760. (91.)
377, 21. „'"IJtato jum Stntimac^uS" — umgefe'^rt bietme^r, tcie f^on
ri^tig S3b. I, 422, iie. bgt. 546. (Plato mihi unus instar est centum
milium. Cic. Brut. 51, 119).
— . 495 ' —
22. „ein SDiann, lüelc^er" — jebenfaßg S'^r. ?ubtB. b. §agebovn; —
Voltaire, Oeuvres ed. Didot. II, 538 fgg. Le Teniple du goüt. —
SuftuS SMtot''^ m^mtx (1671 — 1732) mt üon Socmm. ^Son i^m De
Providentia Augustorum ex nummis. (9t.) — %xubkt — tjgt. I, 123 — 125.
378, 23. a. ®er 9iecenfent fü^rt bie «SteEe „S)ie SlKegorie" u. f. ro.
afö ©tit^robe an. ®er boit §erber gefiitjte ©c^tuf? tautet: „©djteiev,
iDetc^en bie §anb be§ Sr^p^on über bag ®efid)t be6 Su^tbo unb ber ^f^d)e
hjarf, ntc^t um eg ju bebedeu, fonbern . . . tiebenStoürbiger i^u geigen." —
,,tlie charm's wound up" Macbeth I, 3, toieber citiit in bent 3Sortoott
ber iKetaWtif @. XX. XXIII unb überfe^t @. XXI: „®er 3auber ift
vorüber."
381, 28. 3acque§ @:)30n (1647-85) Recherches curieuses d'an-
tiquites, Lyon 1683: Miscellanea eruditae antiquitatis , Lugd. 1769.
m.) - „2ljai- ®ebet" : Iliad. XVII, 645. 6.
382, 29. „Sempel be§ 3Karceüu§" — Honoris et Virtutis ; eine
)3afjenbe 33ejte^un3 p §erber§ äßotten tonn id; in ben ©teilen ber Sitten,
bie toon bent SSaurocrf ^anbeln (Cic. in Verr. IV, 55, 122 s. Valer.
Max. I, 1, 8. Plut. Marcell. 28, 1 u. a.), nidjt aufftnben.
383, 31. a. I. A. Brnesti Archaeologia literaria. Lipsiae 1768.
384, 32. 450, 137. 3o:^. ©aoib .Sudler (1684—1755) erfter ^rD=
fefjor ber ®ef(^ic&te in ©öttingen, SJorgänger ©attererö: §iftorifd)e 'SRüni'
beluftigungen. 9iürnberg 1729-64. XXII. 4«. ©atterer :^at ben 22.
«anb öoßenbet. — Sean got? SSaittant (1632 — 1729) S5erfaffer ja^lteic^er
nunti8niati[(^er @c(»riften über 9iom, röntifc^e Sotonien, Slrfaciben, ©eleu=
ciben, ^totemäer, Slc^änteniben u. f. to. — 33. ©sec^iel ^ipan^dm au8
@enf (1629 — 1710) De usu et praestantia nuniismatum antiquorum,
I. Stugg. giom 1644. — 3d^. griebr. Soac^int au8 §alle (1713 - 67)
2)a8 neu errichtete 3Jiünjcabinet. SMrnberg 1761 — 73. IV. dltn eröffne-
tet (ärofd^encabinet. Sei^jig 1749 — 53. IV. (3t.)
386, 35. de se ipso ad se ipsum — 2lnf:t)ielung auf ben Sitel ber
©(^rift beS'SJJarc 5lnrel, ber in tat. Überfeljung Libri XII eorum, quae
de se ipso ad se ipsum scripsit, tautet.
388, 38. „S)ag Suftfliegen" — 2)on Ouijote I, Äa^. 17. - „S)er
SBatfam" Sa^5. 10. 17. 18. („ein ®ta8 SSatfam, »on be^ gier a braS
feinem" '^eißt eS in ber 1767 erf(i)ienenen neuen berbefferten 2lu§gabe ber
Scip,^iger Überfe^ung, ber Aperber toa^rfd^etntic^ in ber ©direibung beS
9iameng folgt.)
391, 4 3. 407, 6'.. „au§ IHc^ttuerS gabeln" — a5ter «üc^er 2tefo=
^jifc^er gabeln, IL 2luft. «ert. 1758 ©. 107 ®er 2 '6 tot unb ber
Stffe („Saß, fpracb ber (Sroßfnttan , ba§ (gr^ 'herunter f(^aben, 3d) mU
ein Sßwenbilbniß "^abcn.") (9t.)
— . 496 . —
392, 4 5. an odd promiscuous — Hudibr. I. 1. 99 — 102 (%)
393, 4 6. „3)a8 ging imb wieberfam" — 3lu8 3lamter§ Obe Sin bie
geinbe beS löntgg (1760). Oben, IL 2luft. 53ert 1768 @. 26. —
4 6. „gabei^anjen ^itefo^" - nad) bev alten Vita Aesopi. 2)ie ©teüe tau=
tet in ber ©tein^ötüelfc^en Überlegung (greiburg 1545): „%U aber (Sfo^JuS
gieng, begegnete er bem §au))tntan ber [tat, ber fennet jn, bag er ein
fnec^t Janti »a§ imb f^rac^ ju jnt , luo geftu l^in bu luftiger !nab. @fo^5u8
f^jrad? , freiließ ic^ tt)ei§ e8 nit. 2)er §err »enet er \potttt fein unb lieg jn
in ben tl^urn legen." (9i.)
399, 5 6. La Theologie des Peintres, Öculpteurs, Graveurs et
Dessinateurs par M. l'Abbe Mery. Paris 1765. (9?.)
405, 6 6. velut nitentis — Sueton. Vespas. c. 20.
408,70. „(Raffern unb ©etüänbern" — 1 ©amuel. 10, 22. 7i. Unde
nil malus — Horat. C. I, 12, 17.
410, 74. „iene ämiHinge" - 1 3)tof. 25. 22.
418, 86. i^orenj 33eger au8 §eibeI6erg (1653 — 1705) 95t- nte'^rerer
nuntiSmatifc^er SÖerfe, j. S. Thesaurus ex thesauro Palatino selectus,
Thesaurus Brandenburgicus. — 9?icob j^ranc .fft^nt aug 9iom (geft.
1729) Thesaurus britannicus s. museum nummorum. SS'en 1760. 61. —
3o^. 3ac. @e§ner au§ 3ünc^ (1707 — 87) Thesaurus universalis numis-
matum antiquorum , Tiguri 1734 fgg. (3t.)
422, 93. S^iuntiömatifc^er (Soguet — ogl. II, 370 gu 62, lei-
423, 95. ^ol^far^J i*t?[er (1690—1728) «ßerfaffcr mehrerer §iftorif(^ =
bi^slomatifc^er ©c^riften über baö iD'iittefatter , '^ier genannt ttjegen feiner
Oratio de ficta medii aevi barbarie.
426, 98. unde mihi lapides? — Horat. S. II, 7, 116 (lapidem).
427, 100. „Ämse^t^" - Über bie arntfelige ©rsie'^ung be§ „toerfäum=
ten t." (1666 — 1740) citirt Älo^ baS „Seben ©eorge W^^P 9iugenba§
unb 3ol^. ^n^i^t\)" (bon ^of). Äaf^sar güßli bem älteren) ^iixid) 1758.
@. 38. m.)
428, 101. „®riao feinen ^:ßinbar" - »gl. II, 373 ju 140.
102. „2)iefer mxxtüä) gro^e äJfann" — griebr. Subtc. ö. §ageborn;
»gt S3b. I, 219, i46 fgg. 530. 11,351. „mit feinem 2(u§i>ruc^e" — iBe=
trac^tungen über bie SDialerei ©. 138: „®er ©efc^mad an bem fitttid;
©c^ßnen unb ber ©efc^mad an bem Schönen in ben Äünften fliegen au§
einer OueHe." — „unfrer 3eit — fittlic^en S^arafter;" ogC II, 145 - 151.
430, 105. „fein ^ufenfreunb" — S. atenat. Raufen in ber ^'rag=
matifc^en ©et'c^ii^te ber ^.^roteftanten in ®eutfc^lanb. §alle 1766.
436, 114. b) 9ieue S3ibIiot^ef ber fcfeönen 3Biffenfrf)aften V, 1, 98. (jR.)
441, 122. Acta Litteraria. Scripsit Chr. A. Kiotzius. Alten-
burgi. Vol. I. 1764. IL 1765. lil. 1766.
497
12 3. Si ante hicem — Plaut. Triiium. IV, 2, 44.
443, 12 7. „SSutmannifc^e ©treitigtett" — bgt. 494, 364 — öon
Moi} begonnen, iveil ^|5eter Suvmanu „feinen gveunb, ben berühmten
(S]^nfto))^oru8) ®aj;e" (^rof. ju Utred^t, 93f. bc§ Onomasticon litterarium)
beg ^Plagiats überfü'^rt ^atte. Slu^ev in ben oOen genannten ©treitfcferiften
filierte Äto^ feine Eingriffe au§ an »erfc^iebenen ©teilen ber Acta Litte-
raria. (91.)
444, 127. Pastillos — Horat. S. 1,2,27. — bene, bene respon-
dere — Möllere , Malade iraag. III. Intermede.
128. Blondel, Comparaison de Pindare et d'Horace. ^el;ben 1704.
(auc^ in (ateinift^er Überfe^ung alg Stnl^ang ju Palmerii Apologia pro
Lucano erfc^ienen). — Guillaume Massieu (1665 — 1722). Sßon i'^nt
Eeflexions critiques sur Pindare in ben ©t^viften bev Academie des
Inscriptions. (9t.)
445, 12 9. „afeget^eilten" b. i. a^sanagirten ; f. @rinam§ SBörterBuj^
s. abf^eiien.
446, 13 0. To nav fQjui]V£0}v — Pind. Ol. II, 152.
449, 13G. Raufen, '.potitif(^e ^iftorie be§ ae^tje'^nten 3a'^r^unbertg
— ent^attenb fonjo'^I iiber^au^t bie ®efcf)ic^ten ber oornel^mften @uropäi=
fc^en 9teicf)e, aU auc^ in§6efonbre be8 iSeutfd^en 9lei(f)§. 9?egenöburg
1744 — 66.
450, 137. 33ur(^arb ©ott^itf ©trube (1671 — 1738) ^:|Jrof. ber ®e=
jc^ic^te in 3ena. — granj ©ominicnS §ä6erün (1720—1787) ^rof. bev
©efc^ic^te in ^etmftäbt iss. ©eorg griebric^' äReier (1718—77) ^rof. in
"^atte: „ Sßeurf^eilung ber Betrachtungen be§ §errn SRarqniS bon 3lrgen8
über ben Äaifer Sulian. §atle 1764." mi^tim Sric^ton (1732-1805)
^Betrachtungen über be8 ÄatferS 3nlian§ Stbfall öon ber c^rifttic^en ^Religion
unb Serf^eibigung be§ ^eibent^umg. §at(e 1765. (9t.)
451, 139. Nov. Lexicon Graec. Etymologicum et Eeale, cui pro
basi substratae sunt Concordantiae et Elucidationes Homericae et
Pindaricae: coli, et digess. Christian. Tobias Damm. Berol. 1765.
453, 141. Lettres de Mentor — traduites de l'Anglois par M.
I'Abbe Prevot. Londres 1764.
142. „Oefc^ic^te beg 5Kenfd)tic()en ©efc^lec^tg. " — tog(. II, 371 ^u
113. — ©imon griebric^ ^a'^n (1692-1729) ^^rof. jn i^^etmftäbt: „33ca=
ftänbige (Einleitung ju ber 2:eutfc^en ©taatg 9ieic^§ unb Äa^fer §iftorie
unb bem baraug fließenben Jure publico. §alle u. ^eipjig 1721 fgg. —
Joseph Barre de Beaumarchais (1692 — 1764) Histoire generale d'AUe-
magne, Paris 1748. XI. S)eutf(^, Sei^jig 1749—53. VIII. 4». (9t.)
454, 144. SBoffuetg Discours sur l'histoire universelle jusqu'ä
l'empire de Charlemagne ^at 3o^. Stnbr. Sramer in SSerbinbung mit
.^crbevs fammtl. SBerle. III. 32
— . 498 . —
3o^. 2lb. ©d}kget üBevfe^t unb „^tb^anbtungeu jur ©rtäutetung ber
ÄHv($engefc[;irf)te" beigefügt. ((Sinteitung in bie ©efd^c^te ber Sßett 6i8
auf Äart b. @. fortgefeljt unb mit ^Knmetfungen toon Sr. Sei^)jtg
1752 — 1786. VII.)
458, 149. ©eorg S^vifttan ©ebauer (1690 — 1773) *45rof. tu @öt=
tingen; Vestlgia iuris Germauici antiquissima in C. Cornelii Taciti
Germania obvia, Gotting. 1766. bgl Act. Litt. III, 4. p. 355 ss. (9t.)
— Job. Frid. Herelii Satirae ires. Altenburgi 1767. 3n bet SBefc^X"et=
feung t*on Moropolis nne in bet „ju Bitter gefc^rieSenen 35i)vrebe" ^atte
§eret ben Stupor feiner SSaterftabt yiüxnUxQ in grob on^üglic^er SBetfe
berf^ottet (Mg. 2). 93ife(. IX, 1, 117.) — „©c^ü^e" - gemeint ift ber
3efuit §enric. @c()üj, ^^<rof. in 3ngo([tabt. ©ein Comment. criticus de
scriptis et scriptoribua historicis, Ingoist. 1761, üon Sto§ maftraitirt
Act. Litt. I, 3 p. 300 SS. — So'^. griebr. gifc^er (»gl. S3b. I, 77), (Son=
rector ber ^ipjiger 2;^üma§fc(}ule. Ä(ol^ öer'^ö^^nt feine luggabe toon
Theopbrasti Characteres in ben Act. Litt. I, 1. p. 78 ss. in unanftänbig=
[tem Sone. ($R.)
459, 152. „®a§ ^.)3u6lifum fdjläft" - 2tnf)3ielung auf 1 Sß. b. Könige
18, 27. — „greunb, rücfe" — 9^ac^ (Sb. Suc. 14, 10.
460, 15 2. Goetzius Hamburgi — Klotzii Carmina omnia 1766
p. 100, am @d)tuf3 ber britten ©atire-
153. So:^. griebr. Äßnig (1619—64) ^^rof. ber Sl^eologie ju ®reif§-
tt)alb, bann ju 5Roftod. ©eine Theologia positiva, 9toftod 1664, tft
me'^rfad^ aufgelegt. (9i.) — ^iJeumannS aphorismi — bergt. II, 384
ju 354.
461, 154. S^rifto^^ SeltariuS (1638—1707) ^rof. ju §aÄe. — 3o^.
Sing, ernefti (1707—81) ^rof. lu &j)3jig. SBaMc^eintic^ feejiel^t fid; §erber
auf fein Programma, quo demonstratur, maius et utilius esse Lati-
nos auctores intelligere, quam probabiliter Latine scribere, ijips.
1738. — Sol^. m\i). b. 33erger, ^rof. ber ©loquenj p Söittenberg
(geft. 1751). (9t.)
464, 159 Sodann ^übner (1668—1731) jule^t 9tector beS 3ol^an=
neum§ ju Hamburg: „turje fragen auS ber :>3olitif(^en ^iftorie, I6i8 auf
bie je^ige ^üt continuiret, nebft einer nü^tic^en (ginteitung bor bie Slnfänger.
X. &i^5jig 1697 — 1707. (9t.) bgt. II, 373 ju 148.
468, 16 6. „9tebe[t bu ba8" — (Eb. 3o^. 18, 34.
469, 16 7. „(Smit be8 «ruber W^^m" — »St H, 375 ju 174.
168. fi>erfccr ift ber erfte, ber auf bie enge SBer!nü)3fung ber @e=
fc^ic^te bon S)eutfd;lanb imb Statten im 3}tittefolter l^ingeibtefen ^at. äJgl.
— . 499 —
2tag. ®eutfd?e 33i6t 17, 467 in bet «ef^jvec^ung »on ^itati'S ©efc^ic^te be«
©eutfc^en 9teic^§ unb Stalten«.
471, 17 0. 3o^. S^rifto))!) Ibetung: 9'ieue ©c^aubü^ne ber öorfaüen=
ben @taot8= Ärteg8= mab gvieben§'^änbet, ©vfurt 1759 — 61. offene 2)enf=
>xnirbtg!etten ber gegemcärtigen (Sefdnc^te won @uvo^a, ®otl)a 1764. 5.
älügemeineö ©taatötnagajin juni 33e^uf ber :t)o(ittfc^en @efd}ic&te, i'ei^jjig
1766—68. u. a. (9f.)
473, 17 3. 174. „.^oKmann junt" u. f. n?. — fteie§ Sttat au8 ber
JRecenfion bon geberg ©runbri^ ber ^j'^ttofo^j'^ifc^en )iBiffenfcf)aften in ftto^
2). iSibt. I, @. 18. (9t.) SSgr. ©rbmann, ©runbrife ber ©efc^. ber ^^ito[. II,
204. 216.
475, 17 7. „5Wei'anber§ §eer" — CJurtius De gestis Alex. M. IV,
7, 13 — 15. — „ ^iegenbitb " nad) Herodot. II, 42 {y.QionQÖawnov
476, 17 8. „nac^ Scbontannug ätrt" — Curtius III, 4.
478, 181. „unfre Cuintiliane" — ßgt @. 354, 248 (©eöner). —
„Söinfetmanntfdje Ib^anblung" — Son ber gäl^igfett ber (Sm^sfinbung beS
©c^önen in ber Ännft nnb bent Unterrichte in berfelben. 3Ö3B. I, 235—273.
479, 183. Sllgarotti — Serfnc^ über bie 2(rc()itettur, aJZalerei unb
m\x\il (®eutfc() 3Safet 1760); öon gonteneüe — «g(. Sßb. I, 545 ju 394, 65
— me(letd)t bie Histoire de Tacademie des sciences gemeint. (9t.)
480, 184. „ber fd)leid)enbe fuße" — &ffingg ©(^r. VIII, 2 2.
.§a'üe, a3u^bj;ii(fem be« 5D5aifeit^aufe8.
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